Montag, Februar 21, 2011

konzert: great dynamo, 19.02.11

stepptanz über den fußschaltern. so ein stichwort fiel während des konzerts. denn hauke schmidt alias great dynamo interagierte zwischen den unzähligen am boden befindlichen tastern, kipp- und drückbaren soundsensibilitäten wie ein der bewegung verpflichteter künstler. dass er dabei konzentration für sein eigentliches instrument, die gitarre fand, war ebenso erstaunlich, wie das einbinden aller soundpatterns, der vorproduzierten klangfolgen und samples. der sich jeweils ergebende song erhielt die kraft und die aussage all jener kollegen, die sich nicht mit einem ein- mann- betrieb begnügen, sondern der mitglieder mehrerer benötigen, um sich schließlich als bandprodukt abstempeln lassen zu dürfen. damit ist hauke durch, das bandding überlässt er nach jahren der unterordnung anderen. er ist sein eigener herr. so kann er auch entscheiden, dass er sich an einem samstagabend in einem oberbayerischen wohnzimmer wiederfinden darf. zwischen an die seite geschobenen möbeln, verzweifelter umdekoration und einer schar neugieriger, es waren wohl an die dreißig mitmenschen, platzierte der düsseldorfer sein lofi instrumentarium, das nicht besser in häuslichen wänden beheimatet sein kann. denn aus ähnlichem ambiente heraus bastelt er an den klängen, die für ihn die welt bedeuten, in denen er die welt deutet, wie sie sich ihm zeigt.

ob handynutzung und die folgen, die schau auf ehemalige bekannte, die sich auf ihre weise weiterentwickelt haben oder musikalische begleiter, die heute keine gültigkeit mehr haben, man versteht den kerl und seine befindlichkeiten. was sich nicht zuletzt auch im persönlichen gespräch immer wieder bewahrheitet. mit mehr als einer stunde spielzeit rückt great dynamo seinem publikum beim 1. hauskonzert auf den leib. aufmerksamen zuhörern, die sowohl der faszination der künstlerischen darbietung als auch der des ungewöhnlichen ambientes erliegen. ob hauke nun in die saiten seiner elektrischen oder die seiner akustischen gitarre greift, sein spiel ist versiert, akzentuiert, variantenreich, flexibel. jahrelange übung hinterlässt eine schablone, die man über die verschiedensten anforderungen legen kann. so zeigt sich der künstler auch unterschiedlichsten situationen gewachsen. wohlwollenden, gar aufmunternden zwischenrufen, kontaktproblemen mit einem seiner schalter, fehlender transzendenz in richtung verstärker, da beim start der saft fehlte.

doch popmelodien durchsegelten den schummerigen klienicum raum und eindringliche ryhthmik erfasste die fußmodelle der gäste und setzte sich in wippbewegungen fort, so dass misslichkeiten nie ein thema waren. im gegenteil überwand hauke dank entertainerqualitäten jeden noch so kleinen stolperstein. das pluckern, plackern, die lieblichen harmonien, die ineinander verdrahteten muster fanden widerhall im engen geviert, über allem ordnete, erdete oder befreite die gitarre und haukes stimme. die eignet sich gewiss nicht für schlager, sie hat im gegenteil eine alltagsbindung, der das sich verstellen so fremd sein muss wie einem daniel johnston unbefangenheit. und so kommt es nicht von ungefähr, wenn sich hauke auch ein wenig auf den angeschlagenen amerikaner beruft. das umschlagen von unterhaltung, publikumsansprache, anekdoten, schwank und schnack hinüber zu seiner profession funktioniert einwandfrei. plötzlich steht da dieser große, verletzliche typ, der eben noch vom leder ließ. "turn around and fight back". sein repertoire an diesem abend speiste sich aus den beiden soloveröffentlichungen, der "the average genius eps" getauften babsies diktatur lp und liedersammlung aus dem jahr 2009 und der "the loop recycler ep", erschienen in 2010 auf vollwert records. dass hauke wieder an neuen songs arbeitet, freut mich persönlich sehr und ich bin neugierig, was er wieder spannendes kreieren wird. dass es spannend wird, das ist seiner kunst immanent. und so gingen die meisten mit einer idee, einer verzauberung, einer art segnung, mit freude nach hause.

bester indikator ist schließlich unser hund higgins, der lärmempfindlich, sensibel gegenüber vielen fremden menschen ist und überhaupt ein unruhiger, liebesbedürftiger geist. er streifte während des konzerts durch die reihen, höhepunkt seiner entspanntheit war, dass er sich irgendwann zu füßen des agierenden künstlers legte. es gäbe noch viel zu erzählen, am ende bleibt unser dank an hauke und die freundlichen besucher!


Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Riesenkompliment und Glückwunsch zu deinem Engagement! "Ein unruhiger und liebesbedürftiger Geist" ist unser Kater auch!

Zur Musikalie äußere ich mich demnächst.

E. hat gesagt…

noch ein paar fotos hier:
http://www.facebook.com/album.php?aid=40696&id=100000913527477&l=e2699abac6