Montag, Mai 30, 2016

neue töne (1635): richard ginns


die kultur des tapes ist eine, die keine wirkliche unterbrechung erfuhr. dem empfinden nach schon, weil sie zwischen vinyl und vor allem cd lange zeit keine existenzberechtigung erfuhr. doch da war sie immer. die seit jahren anhaltene wiederbelebung eines kassettenkults schreibt wunderbare kapitel. eines kann man mit dem ghenter label dauw aufschlagen. dort wird neben der zu veröffentlichenden musik auch großer wert auf die gestaltung des objekts gelegt. mit femke strijbol hat man eine erstklassige grafikerin in den eigenen reihen.

das frischeste produkt aus dieser schmiede heißt "a beautiful memory shaped in the stars" und stammt von richard ginns, einem musiker, der in manchester lebt und an der uni huddersfield sowohl musik als technologie studiert hat. seine traumwandlerisch schönen expertisen suchen keine klangmalerischen wahrheiten, sondern sie schaffen sie. wir hatten vor zwei jahren bereits eine seiner vielfachen veröffentlichungen ins auge gefasst: klick. acht tracks vereint sein neues tape, auf denen er neben dem technischen gerät auch einiges an instrumenten zu bedienen hat, u.a. eine lap harp, synthesizer, piano, elektrische gitarre, aber auch kalimba oder diverse haushaltsobjekte. die aufnahmen wurden auf ein tascam 4track tape gezogen.

"incolors" ist ein prägnantes beispiel dieser elektroakustischen verwebung. es besitzt einen stabilen gleichklang, um den herum sich strukturelles gebahren beweist. ein stetes an- und abschwellen, nachgiebiger, unnachgiebig. einige verzerrte einschübe. kaum mehr passiert. und dennoch sucht sich eine formvollendete tonale schönheit einen weg ans ohr des hörers. meditativ, intensiv, blass und doch mit (wenigstens) pastellen farben spielend.
wie es überhaupt auf diesem release keine aufreger gibt. alles befindet sich in einem steten fluß. nachstehend eine preview. was den kauf der kassette anbelangt, da sollte man sich echt beeilen.

Sonntag, Mai 29, 2016

eingestreut (938): young people


erlaubt sei an dieser stelle der kurze hinweis auf den kassettenrelease des selbstbetitelten debütalbums von young people. ursprünglich 2002 auf 5 rue christine erschienen, legt kill rock stars dieses raue wunderding noch einmal auf. die vorbestellungen für den juni release laufen wohl blendend, jedenfalls sind via bandcamp gerade mal nur noch eine handvoll kassetten erhältlich.
das los angeles trio aus katie eastburn, jeff rosenberg und jarrett silberman hatte sowohl ein exzellentes gespür für melodien, als auch für eine handfeste umsetzung derselben. dafür brauchte es meist nicht sehr viel. eine eiernde gitarre, perkussiven einsatz und dieses weibliche organ, das ständig seine grenzen testete. das klang oft willkürlich und war doch nicht um liebreiz verlegen. tonale beispiele, der rest ist eh für Euch!

Samstag, Mai 28, 2016

neue töne (1634): crystal soda cream


spröde. distanziert. die musik von crystal soda cream ist eine, die sich zunächst nur mit verschränkten armen bemustern lässt. erst in der folge wird man ihrer innewohnenden menschlichkeit gewahr, die sich unterm stumpfen drill von einer gitarre in permanenter schräglage, dem dengelnden bass und einem pulsorientierten schlagwerk nur schwerlich entdecken lässt.

nah an der schauerkante, an der sich anfang der achtziger bereits einige nackenknochen brachen, wagnisbefeuert im wehrhaften militärschritt, martialisch das idiom, abseits regionalen abschätzens. unterm scheitel der gierige blick nach aufmerksamkeit.

seziert werden die orientierungslosigkeit, die belanglosigkeit des alltags, die leben frisst, die einsamkeit, unerkannt, das siechen im gemeinschaftstrott, die zeichen, die blendenden, nicht übersetzt. selbst im deutschen deutungszweifel.

die gitarren plieren im düsterverhang, das schlagwerken ist mehr grollen denn ordnungsgemäßer anschlag, wie aus weichem wollverhang dringt das kollektive intonieren. musik wie ein gift, das nur nach und nach wirkung entfaltet. endlich übergibt sich an der geräuschefront der kältestau.

das wiener postpunkensemble bleibt weiterhin im trio: theresa adamski (schlagzeug/synthesizer), philip forthuber (gitarre/vocals) und sebastian ploier (bass). im april brachten sie mit "work and velocity" ihr zweites full length auf den markt. herausgegeben wurde es in treue auf totally wired records, selbstverständlich auf vinyl.

jede zeit hat ihre musik. jeder ort hat seine musik. nicht immer ist es so, dass zeit und ort die selbe wahl treffen. dann aber bewegen wir uns im maßstab einer revolutionären situation. und wann, wenn nicht heute, hätte wir genau diese konstellation. alles schreit nach veränderung. und wenn sie bedeutete, dass wir zum alten zurückkehrten? etwas mehr behaglichkeit? etwas mehr bequemlichkeit? was hätte das mit crystal soda cream zu tun? nichts!

"ein saurer hauch weht durch das ganze land / die angst geht um / was wird denn nun aus uns?" (aus "saurer hauch", crystal soda cream, 2016)

Freitag, Mai 27, 2016

neue töne (1633): fortressless


vier tracks aufgeplustert auf schließlich zwölf inklusive-remix-nummern, die die doppel-10" in vinyl formvollendet zieren. kann man ja mal machen. erst recht, wenn das ausgangsmaterial so begabt klingt. verantwortlich zeichnen dafür mit fortressless der hamburger fabian tormin und der züricher christian keller. das elektrofizierte popgebahren der beiden künstler sucht neben stilverwobener sicherheit einen klärenden klang. offenheit und diskussiongrundlage, um sich auf ewig vom apologetentum zu befreien. gelingt. wenngleich durch den refrenztunnel eine menge gestalten gejagt wurden.
"let alone the sequence" hat das zeug zum hit, mäandernd zwischen scritti politti überdrehtheit und der konsequenz der pet shop boys. den sprechgesang diktiert sich der vitale beat. das flirrende beiwerk nimmt man lobend in kauf. der titeltrack "neoteny" wirbt energischer, notiert aber auch die anne clark gedächtnisadresse, ins ungewisse schießend das synthiegewerk. im refrain hormoneller austausch. flächig das ansinnen, alabastern die schau. "hale and hearty" ist die luftigere ausgabe mit steigerungspotential. wer sich zu früh freut, den überfährt der überraschungseffekt. "smoke bomb blisters" grient aus dem orgelweichen, belebt unter klaviernoten, flüstert und singsangt und gefällt sich in aller sanftheit.
im folgenden beherrschen unter anderem oval, serengeti oder clue to kalo die szenerie mit ihren jeweiligen bearbeitungen der einführenden nummern. daneben gibt es ein treffliches "neoteny" cover von sonmoon.
wir empfehlen dieses vinylkunstwerk, welches heute auf insular veröffentlicht wird.


Donnerstag, Mai 26, 2016

glotzt nicht so romantisch (690): cate le bon


braucht der feiertag noch eine art feierliche untermalung? aus dem aktuellen album "crab day" von cate le bon darf man mit "love is not love" zitieren. der wunderbare track wurde zudem szenisch ins bild gerückt. da halten sich wohl die tänzer und die sängerin im funkhaus an der nalepastraße auf. die musik hat denn auch etwas klassisches, könnte gut aus den mittsiebzigern entnommen sein. schlicht, aber kleidsam.

eingestreut (937): weaves


vielleicht ist es das, aber sicher eines der am sehnlichsten erwarteten alben des nächsten quartals. weaves, das sind jasmyn burke, morgan waters, spencer cole und zach bines veröffentlichen am 17. juni auf kanine (us), buzz records (can) bzw. memphis industries ihr debütalbum, welches sie seit geraumer zeit bewerben. wir hatten an gegebener stelle, sprich in mp3-(p)fündern, stets die einzelnen singles mit vorfreude dargeboten. mit "coo coo" gibt es nun die nächste runde zu bejubeln. der hookverliebte track ist ein wenig crazy und dabei alles andere als beliebig. die jungen menschen machen auf jeden fall alles richtig. schön muss es sein, fällt mir ein.

Mittwoch, Mai 25, 2016

glotzt nicht so romantisch (689): blue house


einen schönen song bietet uns da das londoner duo blue house an. mit "simple song" führen james howard und ursula russell die zweite single nach "hot air ballonns" und der b-seite "confessional" auf. veröffentlicht wurde der aktuelle track mitte märz auf arp cleveland bzw. whipped cream records, das ebenfalls noch frisch am start ist. das label möchte, so der hehre anspruch, vor allem einheimische, englische künstler unterstützt sehen, die qualitätslyrics, aber auch ein beeindruckendes songwriting anbieten. das sollte in diesem fall gelungen sein. blue house wollen noch ende des jahres ihr erstes full length vorlegen. bis dahin dreht Euch im kreis des psychodelischen videos!