Samstag, März 23, 2019

new rhythm (5): wirtschaftskammer


ende märz erscheint auf cut surface ein neues album, das unter "wirtschaftskammer" firmiert. die musikalienmeister haben sich zur vereinfachung den gleichen namen gegeben. oder umgekehrt. kompliziert ist es allemal. oder nicht. googelt man dem kompositum hinterher, kann es durchaus lustig werden, etwa wenn man auf den kirren werbespot der österreichischen wirtschaftskammer trifft, die den 12-stunden-arbeitstag ganz famos verkaufen will. einen shitstorm gab es trotzdem. meistens aber wirds ernst. denn schließlich wollen die interessen der gewerblichen wirtschaftstreibenden vertreten werden. romantisch ist anders. dies wäre aber sicher auch nicht der zusammenfassende terminus für die auf lp gepresste unternehmung der wiener band um clemens denk.

die nämlich setzt auf kapitale kritik. am system, an den simplizitäten der momente, in denen wir zum konsumieren motiviert werden, in welchen wir konsumieren resp. in denen wir dem ursprungszustand nachtrauern, weit bevor wir zum willigen opfer wurden. dass das ganze nicht gradlinig ins ohr gehen soll, dürfte angesichts der besonderen mitarbeit des texters, sängers und nicht zuletzt obmanns clemens denk vorausgesetzt sein. der wiener künstler arbeitet mit versatz, mit andeutungen und täuschungen, mit schnitt und wiederholung und nutzt dabei fleißig den quirl in seinem kunst-punk, damit die krude suppe auch fein am köcheln bleibt. knabbern am "zementohr"? nicht wirklich lecker. geschweige denn, wenn du die "rechnung" präsentiert bekommst. unsere "kaufkraft" im lamento der werbung und gescheuert am getunten interesse. im verlauf der dreizehn titel kommt man selbst immer mehr in verruf. vielleicht ist das ja einer der hintersinne der wirtschaftskammer. der aufkommende spaß bleibt gerne mal im halse stecken.
kaufen ab 29.03. via cut surface. die releaseparty steigt am selben tag im wiener venster 99.

Samstag, März 16, 2019

hicks!: the ballet


auf fika recordings passen die burschen bestens, wenngleich ihr sound doch eher singulärer, unverkennbarer natur ist, etwas süßlich, catchy, eingängig und doch mit einem leichten schmerz, das new yorker queere duo aus greg und craig kommt endlich mit einem neuen album um die ecke, "matchy matchy" wird im mai erscheinen, einen ersten appetithappen gibt es bereits: the ballet:
(wir empfehlen die bandcamp-seite der band mit den vorgängeralben):

Dienstag, März 12, 2019

hicks!: evan thomas way


dunkler und einen ticken persönlicher seien die songs evan thomas ways gegenüber jenen, die er für parson red heads schrieb. nur dass "don't surprise me" nicht ganz in dieses horn bläst, ein warmer, freundlicher sound, der uns da melodiegelassen und fußwipp-animierend entgegenströmt. lässig lässt es sich zur wiederholungstasten greifen. "long distance" heißt das dazugehörige album, welches anfang mai auf lung records erscheinen wird.

Sonntag, März 10, 2019

new rhythm (4): the fire harvest


da sind sie wieder, diese ganz besonderen melodischen wendungen, emotionsgerändert, angestaucht durch eine fremde wesenheit. unergründlich, warum der zirkel stoppt. das karge organ, das markant über die saiten schleift, in sinniger koalition mit dem langsamen, sehr langsamen alt-country-gefährt. mit "open water" warten die holländer von the fire harvest mit neuem material nach dem 2016er debütalbum "singing, dancing, drinking" auf, wir berichteten: "der grind der klage ist hart und alt und fest. und wenn er abgetragen, findet sich darunter frisches, wundes gewebe. den finger drauf. wenn bouwer singt, fahren wir in unsere eigenen schnitte. wie er die harmonien trifft und sich einzelnen tönen widmet. wie er malträtiert und wie er schönheit abringt. wie er im instrumentellen gleichklang stolpert und sich wieder fängt."
satt die gezähmten ausstösse der elektrischen, gesittet das passagere innehalten, dominant die wenigen solofahrten, immer jedoch nah am thema, dieser konstruierten und doch so belebten weisheit.

der vierer besteht aus gerben houwer, gibson houwer, nicolai adolfs und jacco van elst. während die utrechter den erstling noch gemeinsam mit daniel romano aufnahmen, stand ihnen nun michael feuerstack zur seite. mit dem kanadier werden sie nun auch auf tour sein, die daten, wir verweisen u.a. auf die anstehende micro pop week in düsseldorf, aber auch weitere deutschlandtermine findet Ihr auf der webseite der band. erschienen ist "open water" anfang märz auf snowstar records / subroutine record.

Samstag, März 09, 2019

hicks!: c joynes and the furlong bray


mit "triennale" dürfen wir in diese erstaunliche kollaboration hineinhören, die ende mai in einem album namens "the borametz tree" kulminiert, beisammen sind neben c joynes und dem dead rat orchestra auch unterstützer wie cam deas oder nick jonah davis. lasst Euch erstaunen:

Mittwoch, März 06, 2019

new rhythm (3): the spaghetti wings


der nachbar führt den handstaubsauger präzise durch sein auto. auf und ab, zunächst lichte linien auf dem mattschwarzen, glanzlosen kofferraumsims hinterlassend. mit zunehmendem werkeln entsteht eine immer dichtere struktur, eine linienvermengung, eine grenzsprengung, aus ordnung wird chaos, das chaos zu einem augenschmeichler. weil sich das auge im wirrwarr der muster wohlig verliert. im auftauchen beginnt die suche nach einem neuen ort der kontemplation.

ende märz erscheint auf from lo-fi to disco! das neue album der hamburger the spaghetti wings. das duo aus karsten j. genz und daniel freieck transfomiert mit ihrem zweitling namens "cherry picker" erneut d.i.y.-spektakel in eine ausgefeilte, finessenreiche und tragfähige, dabei nie überladene und dennoch spannende produktion.

der etwas duselige beat, die verhuschten spacesounds, der bedeckte gesang und eine stets im mittelpunkt zirkulierende gitarre bilden das geviert, in dem sich längst noch mehr elemente zu tummeln wissen. dicht verschnittenes, homogen gefügtes, kontrolliert abweichendes.

der billige pop wird in seine schranken verwiesen, dem wütenden rock der garaus gemacht, gesetzt wird auf die karten kraut, psych und elektro, und ohne verlegenheit auf melodie. jener heiteren konstante, die aus diesen homerecordingsessions in die welt lacht. wenn man sie ernst nimmt. wenn sie in unverbrämter atmosphäre an die hand genommen wird.

wir erinnern uns des wohnzimmerkonzerts vor ca. drei jahren, da die beiden herren uns musizierten, auf eine art, die man vielleicht mit einem freundlich durch das kopfhaar wuscheln umschreiben könnte. es ist ein beleben, ein anstupsen, den man unbedingt folgen will. ein aha-moment, doch wieder aufs spielfeld zurückzukehren. dafür sagen wir danke.