Samstag, Mai 18, 2019

hicks!: the vernes


nicht wenige bands, die sich hinter genrebezeichnungen verstecken wollen. nicht so the vernes, sie bieten lediglich eine von vielen möglichen spielarten auf, wenn sie auf ihrer homepage "garage pop" verzeichnen. eine gewisse rotzigkeit lässt sich an mancher stelle finden, etwas distortion vielleicht auch, aber der rest  ist dann doch eher ganz einfach pop als irgendeine art von haudrauf. der vierer aus philadelphia hat zudem zuletzt etwas für verwirrung gesorgt, als das neue mini- album auf bandcamp angekündigt ward, um dann doch wieder zurückgezogen zu werden. mit dem 17. mai trat aber ordnung ins veröffentlichungsreich und damit nun auch klarheit in unser aller kleines fanleben: "yr of the rat" ist da. und es ist phantastisch, weil es diese kleine perlen aufbietet, die man sich so gern auf ein band zieht, um es schließlich um den hals zu tragen, so bunt und doch so hervorragend zueinander passend. es kleidet uns so sehr!
zarte melodien, die mit einem juvenilen touch vorgetragen werden, dazu eine hin- und herschwingende gitarre, die nicht ungern zart gezupft wird, das drumming ist zögernd, im richtigen moment aber von feuer getauft. reinhören ist hier pflicht für alle, die früher so auf catbird records zeug standen. zuvor gab es frühe aufnahmen und ein debütalbum. also los, entdecken!

Samstag, Mai 11, 2019

hicks!: monnone alone


großartiges zweites album von monnone alone, das mit "summer of the mosquito" einem mehr als formidablen ...ähm... "sommer"- hit an den start bringt. niemandem wird es hier langweilig, klar, ne ecke pop, nicht umsonst hat man sich einen the lucksmiths heroen an bordn geholt, aber nie zu süffig, da stehen eine menge gitarren und holzklopfen dagegen, so dass es vielfach einfach nur schön bratzt. dazu etwas space und surf und schon hat man feinstes australia, wie wir das heute mal taufen wollen, was der vierer da vorgestern veröffentlicht hat. natürlich auf the lost and lonesome recording co.

Montag, Mai 06, 2019

hicks!: lucy roleff


im juli 2016 war es, da schrieben wir u.a. folgende sätze:
der erste eindruck ist mächtig. die tiefe, die unerbittlichkeit des gefühligen fortschreitens. die leichtigkeit, mit der lucy roleff durch ihre lieder streift. das stabile gerüst der kompositionen ist nur bloße grundlage für ihren engelsgleichen, für ihren ätherischen gesang. der kommt nicht von ungefähr, stammt doch die junge australierin von einem deutschen opernsänger und einer maltesischen mutter ab. da wurde ihr eine menge in die wiege gelegt, nicht zuletzt die liebe zu klassischer musik. aber eben auch zum folk und zu einer bestimmten art des erzählens. ihre narrative variante erinnert stark an joni mitchell, sucht vergleiche im gesang mit sandy denny oder linda perhacs. dazu das fragile gerüst der arrangements, das luzide moment in den übergängen. fast etwas joanna newsom haftes.
der neue release "left open in a room" klingt auf den ersten eindruck nicht weniger verheißungsvoll. zwei erste singles wurden für die mitte mai- veröffentlichung preisgegeben. neben the lost and lonesome recordings co. zeichnet auch oscarson aus deutschland (vinyl) für den release verantwortlich.

Sonntag, Mai 05, 2019

konzert: the furrow collective, 27.04.19


dem lang gehegten wunsch endlich folgend, fanden wir uns am abend des 27. april in hackney, einem nördlichen stadtteil londons, rechtzeitig im dem cafe oto nahen diner ein, um pünktlich einem konzert in der sagen umwobenen spielstätte des musikalischen undergrounds beiwohnen zu können. der empfang schließlich, wir hatten uns ausreichend gestärkt, war herzlich, ein älteres paar strich uns akkurat von der liste und ließ die vermutung zu, dass beide für das wohl und wehe dieses ortes verantwortlich zeichneten. der raum war bereits gut gefüllt, die meisten stühle besetzt, angekündigt war beim ticketkauf eh, dass man rechtzeitig kommen sollte, ansonsten müsste man stehen. dieses schicksal blieb uns erspart, neben einem älteren herrn nahmen wir etwas abseits, jedoch mit bestem blick auf das geschehen platz.

alasdair robert, vielleicht der prominenteste im the furrow collective, kam erst nach uns ins cafe und ward schnell in gespräche eingebunden, die ihn davon abhielten, auf die bühne zu treten, um beispielsweise einer emily portman beim soundcheck hilfe zu leisten. die emsige musikerin sah man stets quirlig die reihen rauf und runter eilen, zugeständnisse ihrer kolleginnen entgegen nehmend, um alsbald wieder auf der bühne dies und jenes zu richten. eine sehr entspannte atmosphäre umgab überhaupt die gesamte örtlichkeit und seine insassen. das publikum schien vor allem aus älteren semestern zu bestehen, die meisten mit einer wesenheit des folkweisen ausgestattet. das paulaner schmeckte wie daheim und so konnte man in aller gelassenheit dem kommenden entgegen sehen.


und das war überzeugend, letztlich den erwartungen entsprechend. die vier zögerten nicht mehr lange und gaben uns ihre erstaunlich konzentrierten pretiosen preis. vor allem der kollektive esprit begeisterte, wenngleich jedem einzelnen die ehre zu erweisen wäre. von links die wunderbare emily portman, die mit banjo und concertina für belebte akzente sorgte, die aber mit einem gesangsorgan gesegnet ist, das sich absetzt, weil es unaufgeregt, aber rein und klar jedem lied den stempel aufdrückt. daneben aufgestellt der erstaunlich zurückhaltende alasdair roberts, der mit akustischer, aber längstens mit einer e-gitarre bewährt durch den abend begleitete, waren doch die damen im bunde die dominierende partei. doch die rolle stand dem schotten sehr gut, brachte er sich pointiert und zielsicher ins gebinde ein. schließlich folgte lucy farrell, der man in dieser runde eine art hauptrolle zusprechen musste, führte sich doch häufig das wort, um launige zwischenakkorde zu setzen. leider war lucy an diesem abend etwas indisponiert und ihr gesang scheuerte immer wieder unter dem zu treffenden ton. in abrede konnte man aber weder ihr einsatz mit der viola, noch an der singenden säge gestellt werden. mit rachel newton hatte sie zudem einen sidepart, der jederzeit in die bresche springen konnte. die harfe newtons betonte die zartheit manchen liedes und unterstrich die gewandtheit des ensembles. ganz zu schweigen von ihren gesangseinlagen, engeln gleich.


es war ein inniges verschmelzen all der kleinen puzzleteile, die die vier einzubringen in der lage waren. die traditionellen und auch die songs neueren datums bildeten eine faszinierende einheit greifbarer lebendiger kultur. man wiegte sich bei "many's the night's rest", hielt den atem bei "my son david" an und sang schließlich bei "hind horn" kräftig mit. ein einverständnis lag unausgesprochen in der luft und hielt noch an, als die zugabe längst verklungen war. wem die vier in die stadt ziehen sollten, der muss die gelegenheit nutzen. selten wird sich perfekte gesangsharmonie so sehr mit gelassenheit und freude gepaart erleben lassen. danke nach london!

Dienstag, April 23, 2019

hicks!: jo schornikow


im september 2012 stand hier:
es ist nicht so einfach, an fakten über jo schornikow zu gelangen. zum beispiel nur eine booking agentur gibt etwas mehr über die singer/songwriterin, die mulitinstrumentalistin preis. ihre eigenen webseiten strotzen vor nichtinformation. wenn ich nicht bereits eine affinität für the shivers hegte, die kollaboration von joanne mit keith zarriello, wüsste ich zunächst auch nicht, wohin mit der jungen dame. deshalb hier nur ein paar details. was sich zunächst nach einer stinknormalen karriere im rock 'n' roll business anhört, hat seine anfänge in strömen, die nur selten von jenen befahren werden, die sich auf den bühnen wiederfinden, die nun auch schornikow bespielt. denn sie begann zunächst als jazzpianistin, gewann etliche preise und brachte ein studium zu ende. der new yorker pianist fred hersch nahm sich darüber hinaus ihrer an. ein nicht unwesentlicher aspekt, denn während dieser zusammenarbeit traf sie auf eben jenen keith zarriello, dessen songwriting sie nachdrücklich inspirierte. und so zog sie, die in melbourne aufgewachsene, nach new york, um mit ihm the shivers zu gründen. das war in 2008. ihre vielfachen tätigkeiten für befreundete kollegen, etwa kelli scarr (moby), jack howard (hunters & collectors) oder die arbeit für elvis costellos "discovered" oder mit peter & the wolf, hinderte sie nicht an soloarbeiten. daneben ist sie auch weiterhin als klavierlehrerin, als organistin in einer kirche und als jazzpianistin tätig.doch noch einmal zurück zum solowerk, um das es hier ja vorwiegend gehen soll. abseits all ihrer vielzähligen tätigkeiten gelang schornikow mit "first time, long time" ihr debut, welches im märz diesen jahres erschien. es wurde in kirchen und schlafzimmer rund um melbourne und new york aufgenommen. 12 tracks, die aus dem off heraus zu strömen scheinen, mit einer eindringlichkeit und distanzlosigkeit, dass man zunächst gewillt ist zurück zu ziehen. doch die offenheit, die ehrlichkeit, die rechtschaffenheit schornikows sind unausweichlicher gruß, offenbarung, einladung. mit einer attitüde tritt die junge frau auf, dass man meint, einer heroin gegenüber zu stehen, einer altgedienten. dabei zeigt sie ein jugendliches antlitz, das gern einmal falten schlägt. auf fotos neigt sie die dazu, den kopf zu senken. in dieser pose scheint sie auch ihre lieder zu singen. mit "what could have been" legte joanne im juni einen 5tracker nach, der nicht weniger anregend ist. die hohe qualitative dichte ihres materials ist bezeichnend.
 mit "secret weapon" ist nun ein neues album erschienen. an der intensität der musik hat sich nichts geändert. in der zwischenzeit hat sie zwei kinder bekommen (matthew houck (phosphorescent) ist der vater). irgendwo liegt die wahrheit.

Samstag, April 20, 2019

zu gehör getragen (211)

aldous harding - designer (2019)
> den faden zu den vorgängeralben aufnehmend, nicht weniger reduziert, aber doch deutlich gefälliger und berechenbarer, potential zu einer echten großen songwriterin hat die neuseeländerin aber allemal, 3-3,5/5

heather woods broderick - invitations (2019)
> die suche nach antworten gerät zu einem ausflug in dekoratives, natürlich nicht ohne hie und da sphärisch-schöne momente zu hinterlassen, in der gesamtheit bei allem synthpomp aber zu schlicht, 2,5/5

chris forsyth - all time present (2019)
> ein am ende den unterschiedlichsten genres zugeneigtes gitarrenrockalbum, das sich in größter gelassenheit dem ausufernden hingibt, ohne uninspiriert zu sein oder dem langmut zu frönen, 3,5-4/5

strand of oaks - eraserland (2019)
> erstaunlich dichte , intensive und persönliche platte, die showalter mit hilfe einiger prominenter unterstützer (my morning jacket, jason isbell...) ablieferte, live eingespielt bei toller produktion, 3,5-4/5