Dienstag, Juli 14, 2009

neue töne (630): austin lucas with the takers

hatte ich suburban home records schon mal im programm? ich muss mal recherchieren. wundern würde es mich jedenfalls nicht, denn die haben eine menge qualität am start. nicht zuletzt austin lucas. der hatte in 2008 mit "somebody loves you" einen echten hit abgeliefert. aufgewachsen in bloomington, indian, mittlerweile in portland lebend, wurde austin durch seinen vater robert, ebenfalls musiker, in den bannkreis dieses kulturellen ausdrucks geführt. vom kinderchor bis zur etwas erwachseneren ausführung war es kein allzu weiter weg, bereits mit 12 wendete er sich von den chorälen ab und dem punk und grindcore zu. aber auch dies ließ er hinter sich, um sich dem alt. country, bluegrass, americana, dem folk zuzuwenden. hier scheint der beleibte musiker seine passion gefunden zu haben. einen einblick in das dritte soloalbum, das erste, das er auf suburban home records veröffentlichte, geben wir mit dem kleinen player nachfolgend (mp3 wie immer anhängend).


ganz frisch ist nun die kollaboration lucas' mit den neuen labelmates the takers.

eine 7" ist eingespielt, enthält zwei neue tracks sowie zwei coverversionen und steht zur preorder bereits. the takers sind eine outlaw country band aus florida und allein diese kombi macht doch appetit auf eine hörprobe, oder? der sechser und austin lucas spielen zusammen auf, als hätten sie in ihrem leben nichts anderes gemacht. von einzelnen versöhnlichen tönen nicht kirre machen, die jungs rocken!
the takers - taker easy
the takers - curse of a drunk
austin lucas - somebody loves you

Montag, Juli 13, 2009

neue töne (629): western vinyl

für manchen künstler ließe man sich gerne mehr zeit. wenn man selbige in ausreichendem maße zur verfügung hätte. interessanter, aber eben auch nachvollziehbarer weise tummeln sich solche kreativen häufig auch unter einem dach, labeldach. da ist es ein leichtes bzw. weniger aufwändig, zusammenzufassen. hatten wir in der vergangenheit, in loser folge auch immer wieder getan.
so denn auch heute mit der bewunderung für western vinyl und sein attraktives programm. wer wusste denn schon, dass es hier bereits frühe gehversuche von songs:ohia, windsor for the derby, knife in the water, appendix out oder bonnie "blue" billy gab? neben den frühen dirty projectors oder bexar bexar (wir hatten berichtet), madagascar und julie sokolow, slow six und goldmund gibt es natürlich die ganz aktuellen acts wie balmorhea, j. tillman, christopher tignor, here we go magic, shuta hasunuma und peter broderick. und viele andere mehr.
eine stilistische ausrichtung lässt sich nicht festmachen, aber sicher die notwendigkeit, sich abseits vom mainstream zu behaupten, ob im rahmen von mäandernden gitarrenklängen, elektronischen grenzerfahrungen oder deutlichem indierock, immer wieder wird neuland erobert. und das, obwohl das label in austin, texas beheimatet ist. da erwartet man doch andere klänge, gell?
hören wir in einige projekte hinein und verteilen die neugier auf einige neue köpfe, vielleicht dockt auch Ihr mal bei western vinyl an.
ihren melodischen fäden folgt man einfach unheimlich gern, auch wenn sie sich kopflos verdrehen, so saumselig wie sich das gestaltet, ist die eigene wirrnis danach und mittendrin vermutlich geplant und letztlich eine art droge, so klare handwerkliche spuren, das dritte album ist erst vor kurzem erschienen (mittlerweile ist "all is wild, all is silent" bereits von einigen musikern im remix neu vertont, der dritte track ist ein auszug daraus), das siebenköpfige ensemble aus austin braucht mehr zuhörer:
balmorhea - harm and boon
balmorhea - remembrance
helios - truth
er hat eigentlich eine andere heimat (type, hush), aber für die musik zu einer tanzchoreography ließ er sich auf western vinyl nieder, ein paar eckdaten finden sich aus dem november 07 bereits im klienicum, hier ein kontemplatives, visuell anregendes werk, schließt die augen:
peter broderick - the path to recovery
er bläst in ein ähnliches rohr, zumindest was die sachtheit seiner musikalischen vorgehensweise betrifft, behutsam nähert er sich mit seinen elaboraten dem hörer und fördert dennoch originäres und zugleich anschmiegsames material zutage, distanzlosigkeit durch elektronische kühle und im selben moment empathische zuwendung, vermittelt durch den poppigen sog, dem tokyoter auf der spur:
shuta hasunuma - power osci
eine der schönsten entdeckungen sind sicher sie, aus den früheren mom hervorgegangen und nun mit "little brite" ihren erstling vorlegend, bruce blay und joel north mit unterstützung, erzeugen auf saiteninstrumenten und mit hilfe elektronischer patterns wunderbarste, tranceartige geräuschzustände, der warme anstrich, das süffige seufzen:
sleep whale - josh likes me
so abschließend gibt es noch einige tracks (zum teil nur ausschnitte), die auf weitere künstler aufmerksam machen sollen. ich hoffe, es war etwas für Euch dabei.
here we go magic - only pieces
j. tillman - james blues
callers - more than right
goldmund - leading

Sonntag, Juli 12, 2009

eingestreut (42): mediengruppe telekommander

"einer muss in führung gehen und alle andern auf der strecke lassen...", heißt es unzeitgemäßg in "einer muss in führung gehen", dem appetizer auf das kommende album (ende august) der mediengruppe telekommander (= florian zwietnig und gerald mandl aus berlin. der song gellt diebisch gut und man heimst sich ins fäustchen, freut sich, dass es diesen anachronistischen sound heute noch gibt. die single (und später auch das full length gleichen titels) gibts auf staatsakt (vielleicht noch, wenn nicht alle anderen wieder schneller waren).
mediengruppe telekommander - einer muss in führung gehen



18.07.09 D-Gräfenhainichen-Melt Festival
23.07.09 D-München-Free & Easy Festival
24.07.09 A-St Pölten-Beatpatrol Festival
25.07.09 D-Heidelberg-Karlstorbahnhof Sommerfest
31.07.09 A-Feldkirch-Poolbar Festival
01.08.09 D-Freising-Prima Leben und Stereo
07.08.09.D-Eschwege-Open Flair
08.08.09 D-Rothenburg-Taubertalfestival
14.08.09 D-Hamburg-Dockville Festival
21.08.09 D-Hannover-Bootboohook

Samstag, Juli 11, 2009

konzert: calexico, 09.07.09

ein schöner abend wars. v. und ich reisten hin und wieder zurück. unterhielten uns vorher kurz über calexico und hinterher ebenso. ein paar worte genügten, um die vorfreude auszudrücken und um schließlich ein resumee des erlebten abzufassen. euphorische ausbrüche blieben dabei aus. die überließen wir den hardcore fans der band aus tucson. wir gingen das wesentlich entspannter an. das schien mir auch mehr zu joey burns, john convertino und konsorten zu passen. denn ein solch umfassendes und zugleich differenziertes soundbild zu kreieren und dabei so versonnen dreinzugucken, kriegen nur die wenigsten hin.

die muffathalle zu münchen war gut gefüllt, die biere via speiseröhre gut im magen geparkt, so dass die billigen, alkohol provozierten glücksgefühle ausströmen konnten, der merchandisingstand beäugt und das publikum ausreichend gemustert, um zu wissen, dass beheimatung anders aussieht. egal, ich war hier schließlich nicht auf meiner geliebten folksause, sondern auf einer party von calexico beglückten und davon gibt es doch reichlich, meist über die dreißig hinaus, bauchbeschwert und mit lichterem haar. an der seite dieser jünger oft das geehelichte weib, enthusiastisch wie der partner. ungelenk tanzend wäre eine weitere eigenschaft, die ich diesen zeitgenossen anheften müsste, denke ich an den weiteren verlauf dieses konzertabends.

zunächst beglückte uns aber depedro im vorprogramm. ansonsten auch im gefüge des calexico clan zu finden, gab er einige solonummern zum besten, wurde aber auch hier schon teilweise durch die bandmitglieder unterstützt. seine stimme ist großartig, variabel und voll und doch durch den besonderen klang des spanischen - für mich jedenfalls - irgendwie belegt. der auftakt aber war ordentlich und dank der unterstützung von joey burns und co. sogar mit verve besetzt, befürchtete man anfangs doch eher eine einschläfernde variante des spanish pop.
wenige minuten später enterte die gesamte crew die bühne und führte zu siebt den wohl üblichen calexico tanz auf. die mischung aus texmex, mariachi und rock 'n' roll, wenngleich sich letzterer in dieser aufstellung allzu profan anhört, so ist er doch wesentlicher teil der musik dieser popoptimisten, übergab sich sofort an das münchner publikum. dies reagierte mit klatschen, johlen, tänzeln ( siehe oben) und regelmäßigem pfeifen. mein nachbar ergänzte dieses letztlich doch verhalten bleibende gebahren durch unrhythmisches fingerschnipsen. der sound war klasse und so durfte ich dieser darbietung nur optisch folgen, er war einfach zu leise. dazu wurde geschunkelt und schmissig mit den schultern gewackelt, wenige, die es ausufern ließen. vielleicht paßt das nicht zu calexico, doch zuweilen hatte ich das gefühl, dass joey oder depedro zu wenig feedback aus dem auditorium bekamen. immer wieder erhoben sie auffordernd den arm oder den blick, um so jubel und frenetischen beifall zu ernten.
joey burns brillierte als entertainer, gitarrist und außerordentlicher sänger. seiner stimme kann man einfach nur freudestahlend und irgendwie beglückt folgen. ein segen solch ein organ so weise einzusetzen. denn er ist kein verfechter von lautstärke und so hebt er nur selten zum großen wurf an. die leisen töne zeichnen ihn aus, die betonungen. dazu schuftet im hintergrund john convertino, ein arbeitstier, das sich durch timing, konzentration und spielerische eleganz auszeichnet. wie er frei die arme schwingt und sie leicht angewinkelt auf die drums zurücksinken lässt, ist ein schauspiel für sich. seine rhythmen sind so vielfältig wie seine grimassierungen.
dem basser oblag es, zahm das gerüst zu stützen, er fiel mir gestern kaum auf, obwohl ich diesem instrument gerne etwas mehr aufmerksamkeit zukommen lasse. abgelenkt wurde ich sicher durch die bläser, zu zweit untermalten sie das festlich mittelamerikanische aufspiel mit den trompeten von mexico. immer wieder ein belebendes und stimulierendes element. steel guitar, keyboard und einige elektronische einsprengsel schlossen den kreis des eingesetzten instrumentariums. herauszuheben ist dabei sicher paul niehaus, der nicht nur die steel vordergründig, aber nicht aufdringlich bediente, sondern auch filigrane gitarrenspuren ins rund entsandte.
freude meinerseits gab es angesichts von "sunken waltz" und "minas de cobre" sowie der begegnung mit den songs des neuen albums. alles in allem eine runde sache, ein feines konzert.

wer mich in der truppe am meisten beeindruckte, kann man unschwer an den fotos erkennen. wenigstens am ende gelang es mir noch, die gesamte truppe ins visier zu nehmen (wenngleich von zweifelhafter fotografischer qualität).
calexico - stray
calexico - the black light
calexico - across the wire

Freitag, Juli 10, 2009

neue töne (628): chris garneau

mit "music for tourists" ist mir chris garneau vor einigen jahren begegnet. die ins klavier geklöppelten liebenswerten melodien, getragen von einer fast wispernden, fast flüsternden stimme hatten einiges in mir bewegt. einen act präsent zu haben, ein albumcover zu erinnern, eine note zu summen, ist für einen musikaffinicado kein problem. aus der masse muss dennoch erstmal ein künstler und sein werk hervorlugen können. chris konnte das.
mit "el radio" erscheint nun das regulär zweite album des jungen beaus aus brooklyn. elektronischer die hauptkomponenten? man möchte meinen, dass statischer klimpert, was die songs treibt. verspielter dennoch das ansinnen? absolutely kosher trägt verantwortung für das wieder einmal mit einschmeichelnden harmonien bestückte werk. hinzu kommt die sanft anrüchig stimme garneaus, die sich anschleicht wie eine jener katzen, die bei bester gelegenheit schwer faucht und kratzt und sich ihrer haut erwehrt, obwohl ihr niemand zu nahe will. diese art von verletzlichkeit, die schmale, schüchterne jungs wie einen schweren rucksack tragen. sie ist quell der mit tiefgang versehenen songs. sie leben häufig nur von andeutungen, von schmaler spur, auf der man sich kaum halten kann. am bordstein reibt sich der hörer, kratzt sich die knie auf. bin gespannt, wie sich das in gänze macht. manieriertheit ohne selbstgefälligkeit, theatralik ohne aufgesetztheit, das kann funktionieren, kann aber auch derb in die hose gehen. aber wer so etwas wie "fireflies" auf den weg bringen kann, kriegt auch die restlichen zwölf songs rechtzeitig zur feier auf hymnisch poliert. "no more pirates" lebt von den hooks, der spielmannszugrhythmik, den leuchtenden trompeten und einem aufgeweckten sänger. "hometown girls" dagegen mutet wie ein tragischer versuch an, den man nicht vorenthalten darf. das wird was, freunde!
chris garneau - fireflies (from: "el radio")
chris garneau - not nice (from: "music for tourists")
chris garneau - it's almost christmas (from: "c sides")

Donnerstag, Juli 09, 2009

ein (p)fund mp3 (206)

die touren nicht umsont mit o'death, letztes jahr das letzte release, müsste mal wieder was kommen:
Elliott BroodWrite It All Down For You
in aller munde und doch so frei, ein cover von beirut vorzutragen:
Florence & The MachinePostcards From Italy
"the eternal" setzt sich massiv in vorderen listenpositionen fest, fast schon beängstigend, wenn man nicht wüsste, von wem die musike stammt:
Sonic YouthSacred Trickster
Sonic YouthIncinerate
schon gehört?, was neues:
Fleet FoxesBlue Spotted Tail (live on BBC6)
selbstbetiteltes, kirre machendes album kommt am 22.09.:
The Almighty Defenders - Bow Down and Die
"the shape of energy" erscheint auf afternoon mitte oktober, bis dahin begnügen wir uns mit diesem schwungvollen exzerpt:
We All Have Hooks for Hands - Made Up of Tiny Lights
ha, von "from the night ahead", neugierig?:
The Twilight Sad - Reflection of the Television
abandoned love records hat noch mehr als virgin of the birds zu bieten, die wir neulich mit im programm hatten, hier einige weitere beispiele, unbedingt ausprobieren:
the loveley sparrows - department of forseeable outcomes
the loveley sparrows - chemicals change
parker street cinema - these precious seconds
parker street cinema - midnight shakes the memory
nire - girl in the moon
grumpy bear - luis bunuel
the capstan shafts - chandelier of bad ideas
wovon kriegt man nicht genug?, nutella?, ab 04.08. im laden: "radiolarians III":
Medeski Martin and Wood - Undone
Medeski Martin and Wood - Amber Gris
ein highlight sicher im herbst, "six" im oktober:
Black Heart Procession - Rats

Michael J. Sheehy & The Hired Mourners
24.09.2009 Nürnberg - K4
25.09.2009 Hamburg - Reeperbahnfestival
27.09.2009 Berlin - Café Zapata
30.09.2009 A-Wien - B 72
03.10.2009 Geislingen - Rätschenmühle
04.10.2009 CH-Zürich - El Lokal

Mittwoch, Juli 08, 2009

neue töne (627): or, the whale

eine feine luxury wafers show haben or, the whale kürzlich gespielt. die vielköpfige band hat einen wunderbaren sound am start, der sich aus alt. country, folk und rock addiert. rhythmus betont, mit harmoniegesängen garniert, gewandter pedal steel, mandoline und harmonica. die melodien fetzen und reissen sofort mit. "light poles and pines" heißt das debut album der truppe aus san francisco. viel spaß mit:
a.p. robins: vocals, guitar, banjo
matt sartain: vocals, guitar, harmonica, mandolin
lindsay garfield: vocals, frog, percussion
julie ann thomasson: vocals, keyboards, accordion, percussion, washboard
justin fantl: bass
jesse hunt: drums
tim marcus: pedal steel

or, the whale - datura
or, the whale - no death
or, the whale - isn' she awful


Dienstag, Juli 07, 2009

glotzt nicht so romantisch (66)

tracklist: Ratify The New / In the NA / He Falls To Me / Colour Of A Man / Do I Belong / Walk On / Kingdom Come / Origin:Orphan / Underage / The Little Bit / Silence Can Be A Headline
"walk on" heißt der erste free track aus dem neuen album von the hidden cameras. das ist eine nachricht! und hier könnt Ihr das teil abrufen. arts & crafts sorgt für eine personengebundene zusendung. wir haben es uns natürlich schon gegeben und sind angesichts der opulenz sehr zufrieden. "origin: orphan" wird im september erscheinen, anlass genug, um einige kleine meisterwerke der kanadier in erinnerung zu rufen. (konzertbericht aus dem september letzten jahres: hier und hier.)





neue töne (626): pacific theater

whale heart records, nicht vergessen, große nummern, größere warten noch. erinnert an und befasst Euch mit little horn, duchess leo, the station myth!
pacific theater - lions
the station myth - noise floor

Montag, Juli 06, 2009

neue töne (625): nurses

ick freu mir uff "apple's acre". kann ick mit fug und recht so behaupten. schließlich jeht mir "caterpillar playground" dermaßen entspannt in die omme, dass ick 's ja nich beschreiben kann. is doch dufte oder knorke oder wie de willst, hauptsache is, dat die scheibe der sojenannten band nurses ab 04. aujust inne läden steht.
wieder einmal dead oceans möchte man rufen. wieder einmal das label, das sich jüngst erst john vanderslice und die bowerbirds an land zog, das mit evangelicals und bishop allen hypes jagt, mit phosphorescent und white hinterland mehr als nur nischen bedient. wieder einmal portland möchte man rufen, wieder einmal die stadt, die u.a. the decemberists, the gossip, the dandy warhols, m. ward beheimatet. und wieder einmal ein bandname, der bestens ins klienicum passt.
nun sind die nurses allerdings aaron chapman, john bowers, und james mitchell. macht nichts, solange sie weiterhin ihren ingeniösen psychpop zelebrieren. in unreinheit gebadet, senden die drei töne voller zufriedener unmotiviertheit und inzestuöser klangwerkeleien in die welt. so als wollten sie diese erobern, ohne dass das dem gegenüber in irgendeiner weise auffallen sollte. ist es aber. nun kann mir einer mit den fleet foxes kommen, ich würde vor ihm auf die füße fallen und für den tag danken, an dem diese jungs das licht erblickten, aber vergleichen würde ich sie nicht mit den nurses. die setzen zwar auch auf harmoniegesänge, sind aber in ihren mitteln diffuser, inkonsequenter, verspielter. ihre wegscheide trieb sie zum weird, bevor die rutschfahrt ins seichte abdriften konnte. die tracks der band sind scheinbar unkonstruierte, zum teil sich wüst gebährdende gebilde, wobei in aller unaufgeregtheit gehandwerkt wird. nur fühlt man sich inmitten bunten jahrmarktreibens, zunächst orientierungslos und blind ob der fülle, der farben, der töne. doch ist man endlich angekommen, hat sich sowohl psychisch als auch physisch auf das treiben eingestellt, füllen sich die sinne mit reizen an. die kunst, einer überflutung entgegen zu treten, beherrschen die drei 25jährigen aufs feinste. auf die verquickung von beach boys und animal collective (letztlich findet sich auf dem album ein exkurs durch die musikgeschichte) anzuspielen, wie es einige rezensenten tun, finde ich nicht unpassend. bekannte texturen übertragen ins aktuelle jahrtausend.
am ende kann man nicht entscheiden, ob das gehörte ein folk- oder ein popsong war. letztlich entstehen sie immer in aller würde am klavier oder auf der gitarre, ganz im sinne klassischen songwritings. doch die grundlage wird sauber verarbeitet, zum einsatz kommt elektronisches equipment in seiner ganzen breite. der besondere effekt, so erzählt chapman, ist es, sounds zu kreieren, von denen man hinterher nicht mehr sagen kann, wer sie erzeugt hat. keyboards und sequenzer, die die rolle von gitarren oder drums übernehmen.
irgendwie sommermusik und doch auch passend zu den leidigen regengüssen dieser tage.
Nurses - Caterpillar Playground

Sonntag, Juli 05, 2009

neue töne (624): dooley wilson

sucht man im netz nach dooley wilson, landet man bei jenem dooley wilson, der 1886 in texas geboren wurde und film- und theaterschauspieler, aber auch jazzmusiker war. zwar als arthur geboren, wurde er bald unter dem namen dooley bekannt, weil er den song "mr. dooley" immer wieder auf der bühne präsentierte. seine rolle des "sam" in casablanca ist wohl eine der bekanntesten nebenrollen überhaupt.
um einen musiker soll es denn hier auch gehen. der aber wesentlich schwieriger aufzutreiben ist. nun ist bekannt, dass dieser dooley weiß ist, aus south toledo, ohio, stammt und den mississippi/lousiana blues feiert. wobei es seine spielerische eigenart ist, eine kombination aus slide und bottleneck zu spielen. dazu ist der typ zum verzweifeln jung und rotzt sein programm in lässigster manier vor sein stets verschwitztes und begeistertes publikum. nicht umsonst hat er sich das label: "Solo Delta Blues Performer Extraordinaire" ans revers heften lassen.
geht man etwas zurück, trifft man wilson in der mitte der neunziger im indie-blues outfit henry & june an, das er mit anführt und mit dem er die single “goin’ back to memphis” herausbringt. der song errang etwas mehr bekanntheit, als ihn die white stripes in ihre liveauftritte einbanden. 2001 steht für den umzug nach new orleans und das mischen unter musiker, die dem traditionellen american blues frönen. 2003 kehrt er zurück nach toledo und verbündet sich mit seinem alten henry & june kompagnon jimmy danger, um fortan als powerhouse blues rock trio boogaloosa prayer um die häuser zu ziehen. nebenbei treibt er seine solokarriere voran, kommt u.a. ins finale der international blues challenge in memphis. 2004 und 2005 tourt dooley wilson auch in europa, er supportet die soledad brothers und gewinnt eine menge fans außerhalb der staaten. ende 2005 tourt er noch einmal durch großbritannien, spielt mit the high plane drifters auf und bringt eine 7" ep auf dem damals frischen don't tell clare record label heraus. derzeit hält sich wilson also in toledo auf, verfolgt diverse projekte und macht die clubs der umgebung unsicher.
dooley wilson - goin' back to memphis
dooley wilson - bundle up and go
dooley wilson - back to tennesse
dooley wilson - jesus is on the mainline
henry & june - drunk
henry & june - roadside blues
boogaloosa prayer - sittin' on the top of the world

Samstag, Juli 04, 2009

neue töne (623): shannon stephens

mal wieder zeit, um sich ein wenig aus dem fenster zu hängen. ein kleines, leuchtendes album gilt es zu beweihräuchern. denn es sollte mit dem teufel zugehen, wenn es shannon stephens nicht gelingen sollte, mit ihrem zweiten album "the breadwinner" die herzen vieler fans zu erobern. seit jahren hat man so richtig nichts von ihr gehört und manchem wuchs vor lauter warten schon ein bart. die engagements, die sie so zwischenzeitlich hatte, sind gegenüber ihrem solowerk eigentlich nur ablenkung. kennen hätte man sie können, wenn man mit marzuki umherzog, einer band aus michigan, der matt haseltine, sufjan stevens und jamie kempker angehörten. als die band schließlich zerbricht, ist das jahr 1999 heran und shannon nimmt ihr erstes album auf. josj jackson vom paste magazine kürte das selbstbetitelte album in seinem blog unter die "Five Amazing Albums in My iTunes You’ve Never Heard Of". insbesondere die "gut punch" lyrics hatten es ihm angetan. shannon zog nach seattle und arbeitete fortan für viele andere künstler, u.a. rosie thomas, damien jurado, denison witmer. bald jedoch brannte sie aus, zudem wurden die bedingungen in der bush ära schlechter und shannon zog sich in ihr häusliches umfeld zurück. sie rückte fortan nur noch ihrer tochter, ihrem mann und dem garten auf den leib.
das neue album kommt ganz sacht, pirscht sich auf samtenen pfoten heran. exzellente musiker begleiten die nach wie vor in seattle stationierte shannon, u.a. dabei nathan smurthwaite, bei the marrying type und the abodox aktiv, dazu steve moore an der trompete, eddy key am bass, außerdem james mcalister an den drums, der name tauchte schon bei sufjan stevens, bei richard swift und easter drang auf, dazu am cello der groß phil peterson (nada surf, mastodon, chronicles of narnia soundtrack). "the breadwinner" wird am 08.09. auf asthmatic kitty erscheinen. dabei sein! es wartet eine der schönsten stimmen der neuzeit auf Euch!
shannon stephens - in summer in the heat
shannon stephens - so gentle your arms (from selftitled album)
shannon stephens - i'll be glad (from selftitled album)

Freitag, Juli 03, 2009

ein (p)fund mp3 (205)

das album hört auf den namen "novel sounds of the south", die band stammt aus springfield und veröffentlicht auf bloodshot:
Ha Ha Tonka - Walking on the Devil's Backbone
Ha Ha Tonka - Close Every Valve to Your Bleeding Heart
"Goodbye to the Holy Mountain" erscheint am 07.07., die band stammt aus nova scotia und veröffentlicht auf from here to there records:
Bloodsport - Swallowing Werewolves (I Heard Mary Timony Used to Live There)
rockig und ganz indie-muckelig, sie veröffentlichen "sahalee" am 14.07. auf noyes records:
The Got To Get Got - Gettin' Dirty In The Afterlife
The Got To Get Got - Rattle Off
ganz interessante kiste das hier, das album hört auf "less than lion", wird im selbstvertrieb erscheinen, terminiert für mitte august, bearbeitet vom los angeles duo shola (vocals) und dem drummer albert sadia:
divisible - love is the cost
divisible - exit music (for a film) (radiohead cover)
"primary colours" erscheint am 14. juli, die band stammt aus nova scotia und veröffentlicht auf noyes records:
kestrels - our velocity
hört mal bei ihm rein, gefällt mir sehr gut, eine ep hat der los angelino gerade frisch am start, entspannt, aber beschwingt:
Charlie Wadhams - Someone to Kiss
von ihnen gibt es eine erste single, die sie wirklich fleißig beworben haben, interessant ist das elektrofrickelwerk allemal, zumal sie sich mit eloquenten themen auseinandersetzen: "‘Soft Silver Young’ is loosely based on the family who jumped off Beachy Head recently with their young son, who had died from illness, in a rucksack with some of his toys. ‘Heartland Half Seizure’ is about Oswald Mosley and Jeffrey Hamm and the anti-fascist riot in Tonypandy in 1936.", heißt es auf odd box records, wo auch die single samt artwork gedownloadet werden kann:
golau glau - heartland half seizure (.zip)
gute nachrichten von ihm, seine neue ep gibt es für lau, einfach auf der homepage die eigene email adresse eingeben und schwups landet sie im postkasten, ich habe sie gehört und bleibe bewunderer wie schon nach "nation of heat":
joe pug - in the meantime
und wenn wir schon bei den free eps sind, die wir auch goutieren, also, hier kommt uns nicht jedes krautverwurzelte auf den tisch, dann müssen wir diesen seattler benennen, "every rival" ist der nachfolger auf die 07er "mixed choir" geschimpfte full length angelegenheit, hier nun ein track und der file für die dazugehörige ep:
virgin of the birds - i loved john
virgin of the birds - sisters at the sound of dawn (2007)
virgin of the birds - every rival (.zip)

cracker
12.10. Münster – Gleis 22
13.10. Freiburg – Swamp
14.10. Weinheim – Café Central
15.10. Köln – MTC
16.10. Halle – Objekt 5
17.10. Reitwein – Heiratsmarkt
18.10. Hamburg - Knust


rose kemp
17.07. Herzberg - Burg Herzberg Festival

scott matthew
15.07. Montreux – Jazz Festival / Miles Davis Hall *
18.07. Eching – Sonnenrot Festival
24.07. Lörrach – Stimmen Festival #
* mit Antony & The Johnsons
# mit Tracy Chapman

Donnerstag, Juli 02, 2009

neue töne (622): alive natural sounds records

hübsches label aus den staaten, nennt sich alive records natural sounds oder alive natural sounds records, bin ich mir noch nicht ganz einig, werde aber zukünftig auf alive abkürzen. spart energie. das tun die auf diesem label gesignten band ganz sicher nicht. gewohnter weise hören wir bei dieser oder jener hinein und geben ein statement und einen brocken musik ab. die company hat ihren sitz übrigens in burbank, und wenn die erste namen fallen, werdet Ihr schnell so etwas wie einen aha- effekt verspüren. die haben nämlich einige auf den weg gebracht.

hier haben wir zunächst ein bestes beispiel dafür, dass o'death und die felice bros. nicht allein auf dieser welt bühnen wütend bestampfen müssen, auch die jungs aus san francisco finden über die etwas wüstere country passage ein ventil (cowpunk, yeah!), offene gitarren und bluegrass style - das funktioniert bei aller skepsis, und dass sie dabei sentiment mitbringen, zeigt der hier aufgeführte zweite, folkig gehaltene song, "the perch" heißt das aktuelle album des vierers, der es im august auf tour fleißig promoten wird, bei uns vorerst wohl nicht:
trainwreck riders - safety of a back
trainwreck riders - chug along

hinter diesem projekt versteckt sich der ex soledad brothers und greenhornes gitarrist henry oliver, der auf einen frühen siebziger jahr rock abziehlt, sich dabei aber nicht unbeeinflusst sieht von den späten sechzigern, stax durchflutet und hier ein wenig glam, dort ein bißchen chicago blues, zudem ist die musik, siehe nachfolgenden track, leicht vernebelt, psychedelisch durchweht, mitgewirkt haben am solodebut des mannes aus cincinnati u.a. jared mc kinney und craig fox von den greenhornes, dazu mike weinel, bekannt aus heartless bastard zusammenhängen und dan allaire, der einen haufen zeit mit the brian jonestown massacre verbrachte:
brian olive - there is love

überraschender bandname, denn darunter firmiert ebenso eine kleine lofi combo, aber he, das hat hiermit gar nichts zu tun, denn es kommen uns die saftigsten bluesrocker seit rory gallagher, das ist deftigster psychedelicblues, saftig geschossen für die dunklen tanzräume, die nischen jeder stadt, he, das klotzt dermassen gelungen heran, dass man immer wieder auf diesen zug aufspringen will, auch wenn er gen moskau düsen sollte, die rhythmus sektion arbeitet mit breiter stiefelsohle, die drumbass durchgetreten, die snare scheppert im dauereinsatz, der bass pumpt und nebendran agieren steile bretter, dazu groovt die chose irre, aus iowa sind uns zugeschaltet: parker griggs, zach anderson und cory berry, mit zwei alben bisher:
radio moscow - broke down

einen grandiosen soulsänger hat die mannschaft von alive auch am start, der in 1944 geborene sänger, der im letzten jahr zu früh verstarb, wurde durch sein 1962 verlöffentlichtes "village of love" bekannt, das raue organ des in detroit beheimatet gewesenen ist markenzeichen und verkaufsgarant zugleich, die aufnahmen, die sich alive an land zogen, entstanden mit unterstützung von u.a. the black keys, outrageous cherry und the dirtbomb, so sind zwei alben entstanden, die "why don’t you give it to me?" und "why won’t you let me be black" getauft wurden, mehr als hörenswert:
nathaniel mayer - i'm a lonely man
noch ein paar kurze:
zu diesen beiden muss man nicht viel sagen, sie haben ihren weg gemacht, aber der musste eben auch irgendwo seinen ausgangspunkt haben, mit "the throwes", der "nothing to you" ep und der 7" "i'm her man/fail hard" haben die beiden aus san francisco früh ihr branding gesetzt:
two gallants - nothing to you
die jungs klingen genau so, wie sie heißen, relaxt, aber nicht unscheinbar, die dampfen sich gemächlich, aber konsequent voran: swampy american bluesrock, zwei brüder und kompagnon, aus cincinnati:
buffalo killers - if i get myself anywhere
sie hören sich wie eine abgefeimte version von p.i.l. an, der vierer aus huntsville, alabama, macht feinsten punkrock, auf ihrem debutalbum verzichten sie gleichzeitig nicht auf waveeinflüsse, vorstand josh macero klingt darüber hinaus sehr nach tom verlaine:
thomas function - conspiracy
es gibt noch einiges mehr auf diesem label zu entdecken. aber das ist Euer job, ich kann Euch nur auf den weg bringen. wer auf the black keys steht, der wird hier fündig werden, denn dan auerbach hat seine finger in manchem dieser projekte drin. und: das album "the big come up" von the black keys fungierte auf alive auch als sprungbrett für die band.

Mittwoch, Juli 01, 2009

ein (p)fund mp3 (204): frontier ruckus

Frontier Ruckus: ja, sie kommen, und für diesen einen termin in good old germany machen wir noch ein bißchen werbung, freunde. am 18. Jul. 2009 spielt diese grandiose band um 19:00 auf dem woody bash festival in der hasenschaukel in hamburg. dass es dazu kommen konnte, ist nicht zu geringem anteil unser verdienst. ob wir allerdings selbst vor ort sein werden, ist noch fraglich. leider. zur überbrückung vorerst ein paar demos:
Frontier Ruckus - Abigail
Frontier Ruckus - Adirondack Amish Holler
Frontier Ruckus - Animals Need Animals
Frontier Ruckus - Ann Arbortown
Frontier Ruckus - The Back-Lot World / Funeral Family Flowers
Frontier Ruckus - Bethlehem
Frontier Ruckus - The Blood
Frontier Ruckus - Dark Autumn Hour
Frontier Ruckus - The Deep-Yard Dream
Frontier Ruckus - Does Me In
Frontier Ruckus - Driving Home, Christmas Eve (w/ Greensleeves)
für zwanzig dollar gibt es mittlerweile auch das doppel vinyl von "the orion songbook": hier entlang.

Dienstag, Juni 30, 2009

neue töne (621): left with pictures

die superlative purzeln nur so, wenn man etwas von left with pictures erfahren will. dem ungewöhnlichen bandnamen steht eine außergewöhnliche, beschreibende wortwahl in nichts nach. mancher versteigt sich gar zur vokabel 'brilliant'! was die drei londoner stuart barter, toby knowles und rober wilkes aufs parkett bringen, ist gut unter dem begriff chamber pop zu subsumieren, wenngleich man die gehörige note folk, insbesondere das echo des englischen, nicht unterdrücken darf. auf organ grinder records erschien jüngst mit "every stitch, every line" eine single als appetithappen auf das bald folgende debutalbum des trios (es gibt zig fotos mit vier typen darauf und kollektivanzeigen, in denen sogar fünf namen auftauchen,...). doch ganz so unbedarft sind left with pictures nicht, denn mit "secretly" und "making chalk" hat man bereits zwei eps veröffentlicht und damit elf tracks auf tonträger gebannt. die resonanz darauf war jeweils positiv und so schürt denn auch die aktuelle single weiter die hohen erwartungen an ein ausgewachsenen produkt. extrem unterhaltsam spielen die mannen mit stimmungen und stilen, der gemeinsame harmoniegesang sorgt für aufgehobenheit. zudem sind die arrangements lieblich, aber nie süsslich, abwechslungsreich und mit esprit versehen. hier ein kleiner shuffle, dort die verwegene geige, glockenspiel, banjo... also, da geht was und Ihr könnt dabei sein.
ergänzend: die black cab session der guys.
Left With Pictures - Professional Help (from: "secretly")
Left With Pictures - Caliper Boy Pt. 2 (from: "making chalk")

Montag, Juni 29, 2009

glotzt nicht so romantisch (65): simone white

hier hatten wir erst über die im pariser chic stattfindenden konzerte berichtet und hoffentlich den mund etwas wässrig gemacht im hinblick auf eine mögliche session von simone white in den räumlichkeiten unseres fleißigen bloggerfreundes oliver. eine sensation wurde wahr. dieses leuchtende antlitz tauchte tatsächlich auf und gab lied um lied zum besten. hier zum nachlesen, bei uns wenigstens ein paar bewegte bilder. ich bin ganz hin!
als bonus noch ein video von thos henley, ebenfalls mit auftritt im "appartement nicht um die ecke".



in fester hand (17): neil young

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute mit klienicum aus ampfing (vol. 1, vol. 2):

-

neil young - comes a time
(warner bros., 1978)

meine reifezeit habe ich in einer gemeinschaft verlebt, die wert auf ernste auseinandersetzung legte, auf das herauskehren des innersten, auf ehrlichkeit, auf preisgabe der eigenen befindlichkeit und des maßes an zugewandtheit gegenüber der gruppe und jedes einzelnen mitglieds darin. politisch engagiert, dabei unverblümt im ansinnen, ungetrübt in der hoffung, unverrückbar in den sichtweisen und werturteilen. ein reife-zeugnis legte ich glücklicherweise dort nicht ab. rückblickend erscheint mir diese zeit als segen und als bürde zugleich. was sich an meinungen formen konnte, unterlag stets einer zwar wohlwollenden, wenngleich gebieterischen kontrolle. was ich an positiven gefühlen gebar, war unterwirbelt von unsicherheit, mutlosigkeit und moralinsaurer kurzsicht. doch mir widerfuhr in jenen tagen auch die vielfache begegnung mit neuer musik. der soundtrack des damals ungelenken miteinanders wurde geschrieben von the doors, paul simon, cat stevens, tom waits und neil young. unter dem glücklich beschwingten dach von "comes a time" hegte ich die hoffnung auf eine unbeschwertere zukunft und erholte mich von den wundmalen, die ich mir auf den schlachtfeldern der kontroverse und diktion holte. heute gibt es nichts schöneres, als den wunderbaren melodien dieses albums zu folgen und in erinnerungen zu schwelgen, die, weil sie der eigenen jugend gelten, lichten durchflutet sind und ungetrübt scheinen. während die kollegen den knochenweg wählten, ging ich zunächst mit herrn young aus, um mich später an kant, schopenhauer und nietzsche zu verbeissen.
"comes a time" ist 1978 die rückkehr zum country, zum durchlässigeren, willfähigen folkwerk. oder handwerk. die spuren jahrelanger ausbeutung machten sich bezahlt. die melodien fliessen, die bearbeitung der songs ist sparsam, aber ausgereift, das wogen weiter, im satten gelb stehender felder ist ebenso spürbar, wie das einvernehmliche verständnis derer, die hier miteinander tun. ben keith, tim mulligan und david briggs zeichnen neben young für die produktion verantwortlich. das "gone with the wind" orchestra (einst sollte das album "ode to the wind" heißen, einzelne exemplare mit entsprechendem aufdruck erfreuen sich heute hoher beliebtheit) bürgt für den geschmeidigen, unprätentiösen charakter: niccolette larson mit den album prägenden harmony vocals, ben keith an der steel, tim drummond am bass, spooner oldham am piano, rufus thibodeaux an der fiddle, larrie londin an den drums, um nur einige beispiele der ca. zwanzigköpfigen combo exlusive des streichorchesters zu nennen.

1. Goin' Back: "i feel like goin' back, back where there's nowhere to stay", eine frühe zerrissenheit, von der ich beim ersten hören noch gar nichts wusste, die fremden länder waren noch mittelbar, und so wird man sacht in das album gehoben, wie dem ängstlichen die helfende hand gereicht wird, wenn er erstmals in ein boot steigt; die hochtönende gitarre, straff geschlagen, die dräuende, bedrohliche hammond im hintergrund, der erfahrungshorizont mannigfaltig, vielgestalt geweitet,
2. Comes a Time: aus dem rotierenden karussell mit nicolette larson befreit, unterwirft man sich der gierigen fiddel, dem munteren rhythmus einer im schritt beweglichen melodie und neil youngs unfreien, aber weissagenden stimme: "there comes a time", was gab es schöneres als dieses hoffnungsschwangere zitat?,
3. Look out for My Love: ein album, das auch von seinen wundern gleichen übergängen lebt, oder hat man sie sich aus gewohnheit weich gehört, so dass sie ineinander überfließen, sich den stimmungen ergeben oder, dort wo es nottut, entgegen wirken?, mit crazy horse wie im folgetrack spielt young einen seiner schönsten songs, der variabel strophe, refrain und bridge abarbeitet, der eine lebhafte elektrische bietet genauso wie harmoniegesang, tempozügelung genauso wie das temporäre verblassen des instrumentariums, der youngs reife dokumentiert als songwriter, sänger und frontmann,
4. Lotta Love: wie zerbrechlich das youngsche konzept zuweilen ist, zeigt sich hier, da außer klimperklavier, schepperndem schlagzeug und ein paar gitarren nichts zwischen youngs überschlagender stimme und dem song steht, dass es funktioniert, muss hier nicht ausgeschlachtet werden, erstklassig zum mitsingen resp. gröhlen, wie ich das gesamte album jahr für jahr laut mitsang,
5. Peace of Mind: der saitenanschlag, die ersten töne auf dem klavier, diese kombi geht mir noch heute nahe, da ich sie zum tausendsten mal höre, ein balladesker schauer, zurück zu nicolette, die gemeinsam mit dem meister, der steel und den stakkati im gitarrenmeer unterzugehen droht: "you know it takes a long, long time",
6. Human Highway: ganz wunderbarer country-grass song, in zwietracht die gitarren und das banjo, young/larson wieder im duett,
7. Already One: ein besinnlicher und doch wacher schaukler, den die steel in lichte höhen webt, den die geige schwelgerisch unterlegt, den young brüchig vorträgt und den die rhythmusfraktion in sicheren bahnen hält,
8. Field of Opportunity: bluegrass stomp, rough der saitenanschlag, gieriger kann sich eine fiedel kaum geben, die steel besticht durch freudiges jaulen,
9. Motorcycle Mama: ein aufmerker, mit gesalzener melodieführung, giftiger fiddle, strenger gitarre und einer auffordernd agierenden nicolette, inspiriert wurde neil young durch eine vom barhocker fallende dame in fort lauderdale,
10. Four Strong Winds: das cover von ian tyson rundet das album ab, wiegende geige, rhythmisch flagelante gitarren, warmer streichersegen und das duo larsen/young, zauberhaft.
ein album, das zur rechten zeit zur hand war, das mir an seinen gutmütigen gestaden halt gab. ein album, dem ich heute noch so treu folge wie damals. und nicht von ungefähr sind jene alben meine liebsten, die sich an mir gerieben haben, denen ich auf tausend verschiedene weisen begegnen konnte/musste.

Sonntag, Juni 28, 2009

eingestreut (41): richmond fontaine

am 20.07. erscheint die erste single als appetithappen auf und erste auskopplung aus dem neuen album von richmond fontaine. ein rocker hier (im typischen rf- gewand natürlich) und eine ballade auf der flip. "we used to think the freeway sounded like a river" ist der etwas umständliche name für das neue werk, welches im september via decor/indigo erscheint. die bewerben es bereits fleißig und meinen gar, es würde die letzten drei meisterwerke übertreffen. willy vlautin seinerseits macht sich auf lesereise und gibt natürlich dabei mit der neuen single und dem kommenden full length an. nicht verpassen!
richmond fontaine - you can move back here

Fri 18.09. - Paris – La Java
Tues 22.09. – Berlin – White Trash Fast Food

neue töne (620): opsvik & jennings

die album release party von opsvik & jennings neuem tonalen werk "a dream i used to remember" fand am 15.06. im nublu statt. warum ich das hier notiere? nun, ein detail eben. erzählt gehört genauso, dass das brooklyner electro-acoustic, chamber-pop quartett, geführt vom bassisten eivind opsvik und dem gitarristen aaron jennings (an ihrer seite brian drye an farfisa und dave christian an den drums) zuvor bereits zwei alben herausbrachten: in 2005 "fløyel files" auf ncm east und "commuter anthems" zwei jahre später auf rune grammofon. das neue album erschien nun auf loyal label, einer heimatlichen company, und ist bereits auch in vinylversion erhältlich. das werk wurde 2007 und 2008 in new york bzw. oslo aufgenommen, wobei damit auch die beiden markierungen benannt wurden, die sich auf biografische fixpunkte der beiden hauptprotagonisten beziehen.
mit "a dream i used to remember" wollten die beiden sich etwas mehr von einer rein elektronischen ausrichtung ihrer musik entfernen und mehr einem band typischen sound gestalt verleihen. so konstruierten sie zunächst zehn einfache, popbasierte, memorable themen und bereiteten diese in mühevoller kleinarbeit auf. sie experimentierten dabei mit verschiedensten aufnahmetechniken und orchestrierungen, nutzten gitarren, upright bass, old school keyboards, banjos, gar einen chor. das ergebnis ist ein verzweigtes, detailversessenes klangprodukt, dem man nicht so leicht auf die schlicht kommt. vieltönig, mehrspurig, durchwirkt von moderne und doch rückwärtsgewandt. im anschlag der saiten, im fahrigen banjo oder im sanften raunen der orgel glaubt man sich in eine frühere zeit versetzt. und doch täuscht man sich nicht, als hielte fest eine hand den arm, jenen, der den rückweg einschlagen will. zu gerissen. die elektronische finesse, die an dieser musik arbeitet, ist unverhohlen hörbar. und wer sich ihr ergibt, wird herr der symbiose aus alt und neu. opsvik & jennings schaffen neue welten. fürwahr, neue welten.
Opsvik & Jennings - Windswept (2009)
Opsvik & Jennings - Anchor Lane Parade (2009)
Opsvik & Jennings - September and Starry-eyed (2009)
Opsvik & Jennings - Silverlake (2007)
Opsvik & Jennings - The Pendler (2007)
Opsvik & Jennings - Thread (2005)

Samstag, Juni 27, 2009

neue töne (619): an horse

die "rearrange beds" getaufte scheibe ist zwar schon aus anfang 2009, aber ein blick der würdigung und ein zwei worte sind dennoch angebracht. der verdammten veröffentlichungsflut hastet man eh nur hinterher, ein zwischenstopp tut da not. aber an horse sind derart ausgeschlafen, dass die atemlosigkeit anhält. das duo dampft ordentlich voran, immer eine lecker punkattitüde an bord, immer derbe aufs trommelfell. dank kate coopers lieblichen gesangs aber nie übers ziel hinaus. neben ihr agiert damon cox an den drums, die hauptparts überlässt er der kollegin, die auch den griffigen gitarrensound beisteuert. die beiden stammen aus brisbane, kate verdingte sich bei iron on, während damon mitglied von intercooler war. in 2008 tourten sie erstmals durch die staaten, eröffneten u.a. für tegan and sara. für death cab for cutie taten sie dasselbe, nur wieder auf heimatlichem untergrund. "not really scard" heißt ihre erste ep, der schließlich "rearrange beds" folgte.
kennengelernt haben sie sich übrigens in einem indieplattenladen names "skinny's". seit 2007 musizieren sie zusammen. ergebnis: ihren "postcards" song nutzte mercedes benz zur werbung ihrer clc class, und in 2009 traten die beiden in der letterman show mit "camp out" auf. doller weg. dolle songs. gepusht hat hier vor allem der zufall, hier den richtigen partner getroffen, dort die passende band-namen-idee, hier die besten tourpartner in tegan and sara, dort die umwerbung von werbung und fernsehen. wem das missfällt, halte sich kräftig die ohren zu. regler auf!
An HorsePostcards
An HorseCamp Out

Freitag, Juni 26, 2009

glotzt nicht so romantisch (64): saintseneca

hier ist man sich wohl noch uneins, ob die kapelle zusammen oder getrennt schreibt. mir doch egal, der powerfolk geht saftig ins ohr: saintseneca aus columbus: zac little plays guitar, banjo, dulcimer, stomps, claps, and sings; steva jacobs plays guitar, banjo, trash can, stomps, claps, and sings; grace chang plays violin, stomps, claps, and sings; luke smith plays trash can, guitar, dulcimer, stomps, claps, and sings.



eingestreut (40): ben reynolds

die silbrigen strings des ben reynolds können für ein ungetrübtes entweichen sorgen. und wer wollte das nicht, da die tage so blass wie im diesjährigen sommer daherkommen? die leuchtenden farben, die durch die ungezwungene art des gitarrespiels reynolds entstehen, sind aber eher die farben des indian summer, des amerikanischen frühherbstes, das goldene gelb, das burgundene rot und das smaragdgrün. warm und herzlich. reynolds gelingt es, die satten kolorierungen mit dem klang der britischen insel zu vereinbaren, ohne darauf verzichten zu müssen, dass ihm der american style eines john fahey schon sehr nahe steht. anderenfalls denke man an bert jansch oder davy graham.
der schotte ben reynolds ist darüber hinaus in verschiedensten projekten engagiert, u.a. mit alex neilson unter dem moniker motor ghost, bei baby dee, ashtray navigations, directing hand oder auch nalle, mit denen er demnächst auch in deutschland auf tour sein wird. mit trembling bells gab es zudem erst eine frische aufnahme, "carbeth" erschien im april auf honest jon's.
auf tompkins square dagegen erblickte reynolds neues solowerk das licht der welt: "how day earnt it's night".
ben reynolds - england

Donnerstag, Juni 25, 2009

ein (p)fund mp3 (203)

die sau wurde auch schon zigfach durchs dorf getrieben, aber nun sind auch wir dabei, denn missen wollen wir diese frohe kunde auf unserem board nicht, am 15.09. erscheint auf team love records sein zwölftes album, "out into the snow", reinhören erlaubt:
simon joyner - roll on
simon joyner - javelin (2008)
etwas übersehen, zwischen den felice bros. und eben jenem joyner auch kein wunder, aber durchaus die mühe wert, "the last laugh" erschien anfang april ebenfalls auf team love, helena costas versteckt sich hinter dem signet und überzeugt mit schmeichelndem organ, die ausstaffierung tut ihr übriges:
joker's daughter - worm's head
joker's daughter - the bull bites back
auf cloudberry ein neues ding im 7"er bereich, zupacken, bevor es alle anderen getan haben, die band ist eh eine bekannte:
Socialist Leisure Party - Turktown Saints
leckerlies (seit higgins eines der wichtigsten wörter in unserem intrafamiliären vokabular) auf bradley's almanac, ausschnitte aus einem konzert mitte april in cambridge, ma:
the wooden birds - hailey
the wooden birds - the other one
auf weepop! neu ist zunächst der release der "if the wave loves two suns" genannten 5track 3"cdr mit grinse-lofi-pop aus manchester:
amida - you've changed, baby girl
zudem gibt es ein selftitled album mit 12 titeln, noch lofier mit niklas vestberg und will harrison, einem schweden und einem australier!:
moustache of insanity - imagine
es ist bereits ein wenig ausgebeutet, doch: "upper air" kommt und ist trotz des frühen urteils eine reise wert, ganz sicher:
bowerbirds - beneath your tree
auf fidel bastro erscheint nun ihre erste lp "whole days in the trees" (03.07.), zur vorbereitung auf die hamburger mädelsband einige ältere amusements:
tschilp - gelb mit rosa punkten
tschilp - hig fidelity street

Kings Of Convenience

08.10. Berlin Huxleys
09.10. Dortmund Konzerthaus
10.10. Hamburg Kampnagel


dinosaur jr
16.09.2009 Schorndorf - Manufaktur
17.09.2009 Düsseldorf - Zakk
18.09.2009 München - Muffathalle
20.09.2009 Frankfurt - Mousonturm
21.09.2009 Berlin - Astra
23.09.2009 Dresden - Beatpol
24.09.2009 Hamburg - Reeperbahn Festival


the felice brothers
12. Okt. 2009 20:00 Lido Berlin, Germany
13. Okt. 2009 20:00 Ubel und Gefahrlich Hamburg, Germany
14. Okt. 2009 20:00 Kulturkirche Cologne, Germany
15. Okt. 2009 20:00 Atomic Munich, Germany
27. Okt. 2009 20:00 Batschkapp Frankfurt, Germany

Mittwoch, Juni 24, 2009

neue töne (618): mike downey

chris von series two records "droht" bereits wieder mit der nächsten ladung neuer alben. die kataloganzeige weist nämlich bereits die nummern 70 bis 78 aus. eine genauere erklärung/resp. der informationsoverkill fehlt derzeit noch. das gibt uns die gelegenheit, in der jüngeren vergangenheit zu stochern. aufgetrieben haben wir dabei mike downey, der mit der nummer 66 das album "total hearts" vorlegt. mit downey beweist series two mal wieder ein überaus glückliches händchen. umso ärgerlicher ist gleichzeitig die geringe resonanz auf solch zauberwerk. meint neben der allgemeinen veröffentlichungspolitik natürlich auch im speziellen den auswurf downeys.
die musik des in chicago geborenen hört sich, insbesondere in den popmomenten, sehr nach schweden an. dort wohnt downey mittlerweile auch, um genauer zu sein in stockholm. seinen weg begann er (ca. 1996) aber in heimatlichen gefilden mit der beteiligung in bands wie wolfie (parasol/kindercore), mathlete (blackbean and placenta) oder the national splits (blackbean and placenta/kittridge). ab 2005 entschloss sich downey, unter eigenem namen zu arbeiten bzw. zu veröffentlichen und zog schließlich auch in den europäischen norden. seine musik ist eine irre mischung aus electrocore, elektronic, lofi, pop und diversen anderen stilistischen streifzügen. remix- und samplekultur finden bei ihm ebenso ein zuhause wie lyrische finesse und spitzfindigkeit. das aktuelle 12track werk ist voller substanz. es besitzt ein stabiles substrat aus zig ideen, auf dem sich downey vielgestalt austobt. aber nie hat man das gefühl, er würde einen seiner unzähligen fäden verlieren. so strickt er sich nicht nur durch die musikgeschichte, auch durch sein eigenes werk. referenzen an alte werke, kollaborationen und auftragswerke. demnächst wird er wohl auch deshalb ein vier scheiben = 100 songs umfassendes werk herausbringen, um der output masse herr zu werden. eine übersicht nur.
Mike Downey - I'm Looking Into It
Mike Downey - Arches Lark
Mike Downey - Total Hearts

Dienstag, Juni 23, 2009

neue töne (617): elizabeth butters

das wunderbare label

nun, elizabeth butters ist in boston geboren, ist mittlerweile 24 und wurde in 2008 schon mal zu den stylistischen bostonern gezählt (siehe hier). was sie vielmehr auszeichnet, ist ihr musikalisches talent, angebunden an den appalachian sound ihrer heimat und eingebunden in die lokale folkszene. dass sie den zwanziger, dreißigern und auch vierzigern jahren anhängt, sieht man nicht nur anhand ihrer kleider. in ihren liedern spiegeln sich die geschichten von "open roads" und die wilden erzählungen der vorfahren, siehe "bonnie & clyde", wieder. elizabeth spielt gitarre und agiert auf dem dulcimer und singt natürlich. häufig wird ihre musik ergänzt durch eine singende säge, bedient von david goligorsky. ihre konzentration liegt auf den überlieferten songs, angetan haben es ihr die obskuren, wilden und verrückten stories, sie erzählt sie mit ihrer hohen stimme und gibt sie mit einer authenzität wieder, als hätte sie sie selbst erlebt. auf myspace kann man in einige weitere tracks hören. es wird zeit, dass sie aus dem schatten ihrer mannigfaltigen begleiter tritt und selbst den großen musikalischen auftritt sucht. ich freu mich drauf!
- hang me oh hang me

Montag, Juni 22, 2009

konzert: karl blau, 20.06.09

so verrückt und uneinnehmbar die musik von karl blau ist (hier versucht zu beschreiben), so schwierig ist es, den vorgestrigen abend zu beleuchten. die musikalische darbietung war 1a, die rahmenbedingungen dagegen zweifelhaft. von vorn. ich fand mich sehr, sehr früh im südstadt ein. das moped spulte die kilometer wie am schnürchen, so dass ich kurz nach acht mein erstes radler bestellen konnte. karl war mitten im soundcheck und eine freundliche kraft der kneipe klärte mich darüber auf, dass ein clubabend stattfinden werde, wobei sich dj und künstler in ihren darbietungen abwechseln würden. ungewöhnliche konzeption, dachte ich mir. trank, grübelte und genoss schließlich, karl blau dabei zuzusehen, wie er aus einem bastelset cdrs fertigte. hier ein bildchen zurecht geschnitten, dort einen sticker abgezogen, um ihn auf eine cd zu kleben. abschließend noch einen, um die hülle zu verschließen. nebenher quasselte er mit kind und weib, beide zugetan und sehr relaxt. wie der vater und ehemann eben auch.

der begann dann gegen 22:00 uhr sein abenteuer. zwei stunden später erzählte er mir, dass er sein spiel genossen habe, ganz für sich war. die frage, die ich ihm zuvor gestellt hatte, lautete: "war dies das beschissenste konzert, das du je gespielt hast?". er grinste und war froh, dass auch ich mit humor nahm, was sich in den vorangegangen stunden ereignet hatte. nun, es war wenig besonderes, wenn man davon absieht, dass karl gegen eine stimmenfront ankämpfen musste, wie ich sie noch nie erlebt hatte. das sukzessive ins südstadt strömende clubpublikum nahm den auftritt des unbekannten zwar wahr, aber wenig ernst. gegen den (musikalischen) lärm wurde angekämpft und sich gehör verschafft. die knapp dreißig wirklich interessierten gruppierten sich um den künstler und konnten auf diese fast schon kuschelige weise ein konzert der besonderen art geniessen. karl, allein mit seiner gitarre und einigen effektgeräten, machte das beste aus diesen misslichen umständen.

mit "dragon song" ging es auf straff geführter gitarre, einem alten, mit bunten aufklebern bespickten brett, erwartungsgemäß erfrischend los. alles, was sich an zierart auf scheibe findet (den track gibt es auf "beneath waves"), bastelt sich karl live selbst zurecht. wie das vonstatten geht? er beugt sich zu seinen gerätschaften herab, beatboxt in ein zweites mikro, rhythmisiert danach mit aufgeblasenen backen und schrammelt zur not auch noch einen gitarrenpart hinein. in schleife abgespult ergibt das einen passablen hintergrundsound, über den der furchtbar nette kerl dann seine songs feiert. hin und wieder benötigt es dazu nicht mal eine gitarre, dann schnappt karl sich lieber ein zweites mikrofon, aus dem seine stimme einige oktaven höher erschallt. so ist es ihm möglich, zwiegesänge abzuhalten, ohne dass es einen partner, standortwechsel oder andere sperenzen bräuchte. apropos sperenzen, darauf verzichtet der mann aus dem bundesstaat washington gänzlich. bis auf einige freundliche kommentare und ein aufmunterndes lächeln sowie eine aufgeräumte mitmachrunde liegt seine gesamte konzentration auf seiner musik. "my johnny" folgt als zweiter song, behäbiger beginn, im original bläser ornamentiert, verlässt karl sich live auf seine magerausstattung. ist man erst einmal zum kern des konzepts vorgedrungen, wird man warm mit programm und den pretiosen. erging den umstehenden wohl auch so. sie wurden enthusiastischer, was ihrem beifall zunehmend mehr verve verlieh. "crashing waves" zuckelt leger daher, karl singt inspiriert, beseelt zuweilen. besonders schön in passagen, wenn er die hände (außer den mikros) frei hat und mit den armen, leicht angewinkelt, schlenkern kann. dann sieht man, wie verwachsen und eins er mit seinen liedern ist. dass er davon eine menge hat, beweist er im folgenden. es folgt eines auf das nächste.

"ode to demons" ist so ein stiller funken. die melodie mäandert über einer bewegungsarmen gitarrenspur. manchmal hebt karl im falsett ab und erinnert dann an justin vernon. man möchte die augen schließen, wären nicht all die nebengeräusche, die ein intensives eintauchen unmöglich machen. karl wird es dann auch zu bunt und bittet darum, dass der nebenher über einen beamer laufende (stumm-) film abgeschaltet wird. dass darauf nicht ganz jugendfreie szenen zu sehen waren, ist insofern erwähnenswert, weil diese zusätzlich für ablenkung im ansonsten (angestrengt) aufmerksamen auditorium sorgten. "ode to ocean" ist dann bereits der fünfte song, der vom auf krec erschienenden "beneath waves" album stammt. elegant in der rhythmik, sparsam begleitet vom vertraut klingenden saiteninstrument und verhangen gesungen vom pullover entledigten sänger. es folgen mehr als zwanzig weitere songs. höhepunkt für mich sicher "that's how i got to memphis", diesen zwitter aus seventies nashville country und dem indierock des nordwestens. oder "two becomes one", das lässig vorangetriebene juwel, da karl die stimme hebt: "all the hardships…sail away", irre. oder "mockingbird diet", das so schwungvoll wie elegant daherkommt und sich folgsam durch die elektrische unterbrechen lässt. oder... eine menge anderer. ich poste mal die setlist, wobei ich mich auf vollständigkeit nicht festlegen lasse. karl performte in der zugabe einen song auf zuruf. leider verstand ich den wunsch nicht.
ein verrückter abend, der für mich einen würdigen abschluss in einer mit überhöhter geschwindkeit zurückgelegten rückfahrt erhielt. da war eine menge frust dabei, der über den auspuff schließlich ins freie gelante.
setlist: dragon song / my johnny / crashing waves / ode to demons / ode to oceans / two becomes one / it's the stars / take you for granted / are you done / put me back / poor me / stream / stream of ganders / in the morning / baby baby / heatherwood / mockingbird diet/ memphis / tender kiss / nothing / kevin's song / take you for granted / spring morning / deception pass / dark, magic sea / slow down, joe / call me / in to the nada / megadose
karl blau - two becomes one (live)
karl blau - crashing waves
karl blau - mockingbird diet

Sonntag, Juni 21, 2009

glotzt nicht so romantisch (63): chairlift

in aller munde und ohne frage zurecht, haben sich nun chairlift bei laundro zur matinee eingefunden. wir bilden hier etwas ab und befeuern damit lediglich Eure neugier. mehr unter den vielfach angegebenen links. ab:





Chairlift - Planet Health
Chairlift - Bruises
Chairlift - Le Flying Saucer Hat

neue töne (616): almost charlie

dirk homuth hat starke begleiter: sven muehlbradt am bass und pelle hinrichsen an den drums (sowie bert wenndorff am piano) begleiten den gitarristen, pianisten und vor allem sänger und vorstand der band almost charlie. letzteren platz muss er sich aber streitig machen mit charlie mason. obwohl beide einander noch nie gesehen haben, sind sie eng verbunden. in 2003 war es, als mason via anzeige nach einem komponisten für seine texte suchte. homuth meldete sich und das projekt almost charlie ward geboren.
während das debut "loving counterclockwise" 2006 noch als self release herauskam, nahm sich mit words on music (u.a. magic bulletts, the meeting places) nun ein professionelles label des aktuellen werks "the plural of yes" an. und das schürt die hoffnung, dass dieser fragile pop des berliner dreiers nun auch mehr hörer erreicht. selten hörte man, dass so viel wert auf ein luftiges ganzes gelegt wurde, zugleich aber eine fülle an details erkennbar, die distanz zwischen den instrumenten gering, aber überwindbar bleibt. ein fest für die ohren. zudem verfügt sänger homuth über ein sehr zugängliches organ, das schmeicheln, aber auch kraftvoll zupacken kann.
1. everyone deserves to love: zögerlicher beginn, gegen gestrichen, violinen kreisen, eine gitarre mahnt und man ahnt schon den appeal (appell) des albums, der charakter des werks erhält die erste färbung,
2. love condensed: forciert durch ein flinkes piano im auftakt, im refrain, matt geritten durch die strophen, begleitet durch sanftmütige streicher, ornamentiert von rasseln fein,
3. leaving is easy: dem titel kann man nicht widersprechen, frönt man der erfrischenden mundharmonika, folgt man den treibenden gitarrenakkorden und der persönlichen ansprache homuths,
4. beyond and above: das klavier warm, die drums sacht getrimmt, erinnert sehr an element of crime, homuths stimme jedoch hat eine ganz andere färbung als regeners, sie ist dem tirilieren näher als dem sehnsuchtschwangeren, wenngleich sie die berührenden themen aus nähe, verzweiflung und liebe genauso feilbieten kann,
5. the monster and frankenstein: ganz großes popgewitter, ohne die geste zu überholen, hier stimmen harmonie, kontraste von strophe, bridge und refrain, die fulminante (und immer wieder leise, das geheimnis dieser scheibe) begleitung,
6. so far and yet so near: warme gitarrenpattern, ein streichen, ein verweben, im hall versteckte stimme, ein raunen im hintergrund, ein glockenspiel erleuchtet,
7. in another life: wieder so einer, da man unvermittelt mitpfeifen mag, die holprige rhythmik, das freudige im gesang, die stop and go's und die giftige gitarre (ausreichend stilisiert, um hier nicht zu konterkarieren),
8. for the both of us: eine 6/8 ballade, ein schwelgen,
9. the world is full of supermen: wer hier auf beatles kommt, hat seine lektionen in musikgeschichte gut gelernt, harmoniegesang, galante komposition und ein spitzfindiges arrangement,
10. will you still be here: wieder so ein schmeichler, smooth getrieben, in der spitze gefeiert, manchmal reicht eben die gepfefferte gitarre, ein bißchen schlagwerk und ein banjo,
11. empty heart: das luftige des vorgängers übernommen und verwertet, nur wieder eine neue melodie, ein neues festliches gewand,
12. formerly smilin' jack: ein song, der sich entwickeln darf, immer wieder eine neue wendung nimmt, die vergleiche mit elliott smiths finde ich so abwegig nicht,
13. the plural of yes: "der letzte, titelgebende track des albums ist eine von einem streichquartett getragene komposition im geister der bryter layter- ära nick drakes.", schreibt das label.
es finden sich kaum schwachstellen auf "the plural of yes", vielleicht ist das sein einziger makel. es läuft und läuft und die stimmungen greifen ineinander, die bindungen sind eng, so dass kein unfall droht. etwas gebieterisches zuweilen, ein ausbruch, eine belebung hätte ich mir gewünscht. bei alledem: diese dichte an hervorragenden melodien und gestochenen arrangements findet sich selten.
Almost Charlie Love Condensed

24. Jun. 2009 20:00 Blaumilchkanal Berlin
17. Jul. 2009 19:00 Kieler Brückenfestival Kiel
18. Jul. 2009 20:00 Bornholdt Meldorf
30. Jul. 2009 20:00 Profete Königs Wusterhausen
26. Sep. 2009 21:00 Knaack Klub-CD Release Party Berlin
31. Okt. 2009 20:00 Zimmer 16 Berlin/ Pankow

Samstag, Juni 20, 2009

neue töne (615): zach vinson

zach vinson ist ein humoriger kerl. auf seiner webseite lässt er über sich in dritter person vom stapel und erzählt, dass seine eltern seine musik für "gut" halten. mmh. und sein bruder hat gar eine seiner cds gekauft. seine großmutter wiederum geniesst seine auswürfe, hat jedoch probleme die lyrics zu verstehen. vinson stammt aus sheboygan, wisconsin. vielleicht muss man aus so einer ecke stammen, um etwas giftiger das leben zu reflektieren. wenn das aber so gekonnt wie bei vinson daherkommt, der mit brillanten melodien hausiert, nimmt man die kalten leiber gern in kauf.
zwei scheibchen stehen auf dem kerbhold des jungen kerls, der gerade mal 23 lenze zählt. die letzte hört auf "cracked open" und kann über die myspace seite bezogen werden. gerne fliehende harmonien, dazu eine schwebend singende gitarre, ein flinkes piano und ein mal träges, dann aber auch wieder ungemein engagiertes schlagwerk. limitiert zeigt sich das album aber nur in quantitativer hinsicht. man stelle sich einfach vor, wie großmutter das essen bereitet, welches von vater und mutter bereits sitzend erwartet wird, während der zweite sohn an der tischdecke nestelt und von mädchen träumt. abseits hockt zach und ficht mittels gitarre an, dass es sich so nicht leben lässt. anmutige melodien, die einer indiepop herausforderung jederzeit statthalten. denn es kann durchaus gewerkiger zugehen, als man es einem songwriter zugestehen mag. die ersten vier tracks (siehe unten) sind demos einiger songs, die auf das o.g. album gelangten, "so much to blame" stammt gar von ihm. und der hat pfeffer. bin gespannt, ob und wann man wieder von zach vinson hören wird.
Zach Vinson - It don't come easy
Zach Vinson - We've got our kinks
Zach Vinson - I'm tired
Zach Vinson - Christee Christee (acoustic version)

Freitag, Juni 19, 2009

konzert: embryo, 17.06.09

ein abwägen fand nicht wirklich statt, aber eine wahl war zu treffen: neil young vs. embryo. ich hatte mich für letztere entschieden. vielleicht, weil der fahrtweg kürzer, vielleicht, weil der eintrittspreis geringer war. vielleicht aber auch, weil ich schlicht und ergreifend neugierig auf ein paar altgediente war, die ich noch nie live gesehen hatte (obwohl sie wahrlich fleißig tingeln). wer von beiden mittlerweile länger auf der bühne steht, mag ich nicht entscheiden. aber die vierzig jahre, die embryo mittlerweile auf dem buckel haben, haben ihre spuren hinterlassen. nicht nur in der hochgradigen professionalität ihres musikalischen auftritts, auch in den gesichtern. zumindest der beiden gesellen, die schon lang den betrieb der unternehmung, des projektes embryo aufrecht erhalten. denn eines ist klar. so richtig durchsichtig ist das nicht, was die münchner band seit jahrzehnten veranstaltet. nicht nur, dass sie sich umtriebig auf allen kontinenten aufgehalten haben, sie haben von dort auch immer wieder musiker, stile und instrumente importiert. dass dies gleichzeitig die verortung der band und ihres outputs erschwert, versteht sich von selbst.
so war auch nicht unbedingt klar, was den hörer im biergarten zu john's in obing erwarten würde (zumindest für jenen teil, der sich nicht fortlaufend auf den neuesten stand in sachen embryo bringt). neben dem trachtenverein, der sein stammhaus in unmittelbarer nähe hat, und in freiluft noch so manches bier einnahm, fanden sich auch ca. dreißig interessierte ein, denen man den künstlerisch rezeptionellen freigeist nicht nur an den kleidern ansah.

neugierig konnte man dann beobachten, wie sich fünf musiker ungezwungen auf ein sittsames konzert vorbereiteten. hier die gestandenen: mit seinem vibraphon christian burchard (gründungsmitglied und einzige konstante im kosmos embryo) und an den orange schimmernden, glänzenden drums dieter serfas, langzeitgenosse und ebenfalls in würde ergraut. als besonderen gast in der runde konnte man cristina mazza aus italien am altosax begrüßen, die man ihres altes wegen mit zu den bejahrten zählen muss. ihre anfahrt verzögerte sich etwas, so dass der geplante frühe beginn auf eine angenehm verspätete uhrzeit verlegt werden konnte.
und dort die jugendliche fraktion: an der orgel bzw. dem keyboard die tochter buchards marja. und abschließend ein junger mann am bass. dessen name fiel christian während der vorstellung seiner kapelle auch nicht mehr ein, er ist mir ebenso nicht mehr präsent. sorry.
ohne großes brimborium nahm die fuhre fahrt auf und machte schnell klar, wohin es an diesem abend gehen sollte. jazz ohne firlefanz, konstruiert auf einem sicheren, aber jederzeit spannendem rhythmusgeflecht aus fein geschlagenen trommelfellen und einem konstruktiven und anmutig bedientem bass, angelehnt an eine inspirierte und frohlockende orgel, abgerundet durch einen saxophonumgang erster güte und einen vibraphonisten, der sich spielfreudig, quirlig und am instrument manisch zeigte. nebenher gab sich burchard angenehm zurückhaltend, genau so wie man sich einen kerl mit vierzig jahren bühnenerfahrung vorstellt. er sagt seine songs an, gibt kurze erklärungen: "der song handelt, so könnte man sagen, von einem kerl, der gerade den gendarmen entwischt ist." oder "hier ein song zum träumen.". alles sehr launig, ungezwungen, den temperaturen angemessen. und obwohl einige wichtige vertreter der band fehlen, setzen die jungen kollegen und besonders die dame aus italien, die gern auch als die "prima donna" der heimatlichen jazzszene bezeichnet wird, deutliche akzente und heizen den immer wieder begeisternd klatschenden zuhörwilligen ordentlich ein. das abschließende "rock my soul" aus der feder mal waldrons steht ganz im zeichen der ehrerbietung burchards für den ausnahmejazzer, den er bereits 1967 kennenlernte und mit dem er viele jahre zusammen musizierte. ein schöner abend in lauschiger umgebung, hervorragend untermalt von einer strebsamen band, die man jedem nur ans herz legen kann, der weniger der erweckung, denn der entspannung bedarf.

fußnoten/gedanken: öfter mal bei jazz einfinden. ungezwungener der umgang, unverklärter der blick, spannender die entwicklungen, überraschender die verzauberung. marja - immer wieder mit glanz auf dem gesicht, mit einem lächeln auf den lippen und einem gestus, der die versenkung spiegelte. die drums habe ich selten so gerissen, subtil verschlagen bedient gesehen.
embryo - banaras in pasing (2008)
embryo - wieder das erste mal (2006)

Donnerstag, Juni 18, 2009

zu gehör getragen (97)


a hawk and a hacksaw – delivrance (2009)

> die pusztaklore knallt ambitioniert, mir fehlt der ledernde folk der alten tage, musikalisch selbstredend einwandfrei, 2,5-3/5

bowerbirds – upper air (2009)
> leider verstiegen sie sich heuer nicht in himmlische regionen, bekannte, mittlerweile verblasste muster einer großen hoffnung, 3/5

james blackshaw – the glass bead game (2009)
> unstrittig großartig, stringkaskaden, pulsierende gitarrenkoloraturen, quellende beweise eines strebsamen könners, 4/5

woods - songs of shame (2009)
> verlässlicher acid verschnitt, anmutig gegen den stricht gebürstet, 3-3,5/5

neue töne (614): like bells

ich wollte immer schon mal nach oberlin, ein ort in ohio, der seinen namen wohl aufgrund schwerhörigkeit oder eines tiefen seufzers wegen erhielt. ansässig sind dort like bells, eine dreimannformation, die ihren ruf vor allem auf einer ungewöhnlichen instrumentenkonstellation aufbaut. bzw. vielmehr darauf, was sie daraus machen. gabe baker spielt gitarre, wenig besonderes dabei, garret openshaw agiert an der violine und singt, schließlich will mason an den drums und am keyboard. doch nicht so doll, gell? aber die herren bieten ein solch staunenswertes konzept auf, dass man dem besonderen tribut zollen muss, auch wenn es sich hinter vorgehaltener hand versteckt. die arrangements der mitunter ausufernden tracks sind versponnen und feinziseliert, mitunter driftend und rollend, nie überbordend oder zu sehr verspielt. in der violine findet sich ein segensreiches geist, der aber nie ins sakrale abweicht. die perkussion kann den stützenden part übernehmen, aber selbst auch für einen parforceritt sorgen. gäbe es die gitarre nicht, fiele das lose gerüst in sich zusammen. so, wie die drei einander bedingen, so betonenswert sind ihre jeweilige individualität. die musik, die daraus entsteht, ist rock mit jazzigen anleihen und experimentellen stehversuchen. letztere erfahren eine zusätzlichen schub durch die gelegentliche nutzung elektronischen hilfspersonals. feine tune, loops etc. lockern die atmosphäre zu fast wolkenfreiem himmel.
kennengelernt haben sich die musiker als studenten am oberliner college bzw. am konservatorium. einen guten ruf haben sie sich mit fleißigem touren aufgebaut, vor allem in der gegend um cleveland sind sie mittlerweile ein sehr geachteter act. zwischen knoxville (tn) und columbia (sc) haben sie wohl alle clubs abgegrast. mittlerweile war es an der zeit, mit einem album den markt zu beleben. mit ihrem selftitled debut auf exit stencil fügen sie ihrer musikalischen karriere ein weiteres bausteinchen hinzu. die musik erinnert in vielen teilen an mogwai, aphex twin oder matmos. sie hat aber ihren eigenen charakter. sie ist nicht linientreu, vertraut nicht nur auf die eine melodie und ist in sich verwachsen und verwoben. immer spannend und in der wiederholung neuerlich warm und anregend.
like bells - yeti
like bells - atlas

Mittwoch, Juni 17, 2009

neue töne (613): leaves of life

arborea sind in meiner gunst enorm gestiegen, nachdem ich "house of sticks" hören durfte. tolles werk, notizen dazu hier. neben der arbeit am eigenen werk kuratiert buck curran eine kompilation zu gunsten der un food aid agency. "leaves of life" versammelt die wohl derzeit besten folker und kommt am 23. juni auf borne recordings heraus. lest Euch mal die aufstellung durch, wahnsinn! dazu kommt, dass es sich bei einigen cuts um wahrlich exklusive tracks handelt. die digitale version des albums wird einige bonustracks enthalten, mit dabei sind dann plains, jozef van wissem, denise dill und laurent brondel.

01 Alela Diane with Mariee Sioux - Cuckoo Bird
02 Rio En Medio + Israel Cilio - Mary
03 Fern Knight - Our Mountain The Mother
04 Marissa Nadler & Black Hole Infinity - Dead Wives Club
05 Devendra Banhart - Hotel St Sebastian [demo]
06 Arborea - Son Of The Moon, Daughter Of The Sun
07 Micah Blue Smaldone - The Clearing
08 Larkin Grimm - The Butcher
09 Mi & L’au - The Funeral, The Pray
10 Mica Jones - Best Life
11 Starless & Bible Black - All The Finest Beams
12 Cursillistas - Mothers Taught
13 Silver Summit - Oaks
14 Big Blood - Sick With Information
15 Eric Carbonara - Sundown At Parakeet Park
16 David Garland - Splinter Heart
17 Magic Leaves - Lasso Reason
18 Citay - Little Kingdom
19 Ora Cogan feat. Anni Rossi - My Belle

Alela Diane with Mariee Sioux - Cuckoo Bird
Alela Diane - The Cuckoo (live)
Citay - First Fantasy
Arborea - Red Bird

eingestreut (39): the empty set

die wären mir fast durch die lappen gegangen. hat auch immer was damit zu tun, ob die bands selbst aktuell sind, sprich ihre webseiten auf vordermann halten. ist ja leider oft nicht der fall. so auch bei the empty set. deren seite endet mit einem eintrag vom dezember letzten jahres. da wurde höchstselbst der kommende tonträger angekündigt. mittlerweile, und das weiß auch wenigstens das myspace portal des duos, ist das 9track werk "as neat as a new pin" auf dem markt (auf tough love records). mit 'pastoral folk' finde ich die musik ganz wunderbar umschrieben, die tom und dan da zaubern. sie selbst stellen sich übrigens ganz reizend folgendermaßen vor: "The Empty Set is a little pop group from England: Tommy Ogden of Manchester and Dan Simons of London. We sing our songs of love and science and play along with melodies on ukulele, violin, guitar, harmonium, viola, piano, glockenspiel, synthesiser, and anything else we can get our mitts on." im sommer 2005 fassten sie den entschluss, gemeinsam musik zu machen. ich bin dankbar dafür.

Tracklisting:
1. Portia, I Dreamt You Were Real
2. My Girl's On The Other Side Of The World
3. A Challenge To Copernicus
4. George, You Must Write Better
5. Your Hay Fever
6. Some Candy Talking
7. Stephanie, Ne Pleure Pas
8. Alice & Bob (Forlorn Photon Love)
9. You're The Top

Dienstag, Juni 16, 2009

ein (p)fund mp3 (202)

aufmerksam machen möchte ich auf die drive" ep, die es "zur not" auch noch frei zum download gibt, ein paar cent sollten allerdings übrig sein für spooky musik von jana risher aus austin:
"burn tape" heißt sein neuerster erguss, auf exit stencil zu haben und ist wieder ein freudenfeuer an ideen und lofi highlights, an der schnittstelle zwischen d. banhart und iron & wine:
Blake Miller - When the Sky Turns to Black (the rain is all around)
im juli erscheint "chinese leftovers", das neue album der los angelinos, verantwortlich zeichnet starfish records:
"Things Fall Apart" heißt ihr neuester output, auf sonic records, und der will promotet werden, mit dicke eier riffs und einem eddie cochran cover:
neu auf fat cat sind diese franzosen, album "carpet madness" erscheint im herbst, bis dahin müssen wir uns mit diesem und jenem verlustieren:
und fassen wir die aktualitäten auf jagjaguwar noch zusammen, die herrschaften sind so fleißig, respekt:
Sunset Rubdown - Idiot Heart (from: "Dragonslayer", released: 06/23/09)
Dinosaur Jr. - I Want You To Know (from: "Farm", released: 06/23/09)
Oneida - I Will Haunt You (from: "Rated O", released: 07/07/09)
Oneida - Saturday (from: "Rated O", released: 07/07/09)
Oneida - What's Up, Jackal? (from: "Rated O", released: 07/07/09)
Lightning Dust - I Knew (from: "Infinite Light", released: 08/04/09)

pere ubu
28.09. Köln, Gebäude 9
03.10.Berlin, Passionskirche
04.10.Leipzig, Werk II
05.10.Hamburg, Fabrik
08.10. München, Feierwerk

bill callahan
09. August 2009 Ampere, München
10. August 2009 Club Manufaktur, Schorndorf
11. August 2009 Lido, Berlin
13. August 2009 Stadtgarten, Köln
14. August 2009 Dockville Festival, Elbinsel, Hamburg
28.August 2009 Rock En Seine, Paris

Montag, Juni 15, 2009

neue töne (612): the phenomenal handclap band

bei the phenomenal handclap band handelt es sich um einen großen haufen menschen, der sich vorwiegend aus musikern und künstlern lower manhattans und brooklyns zusammensetzt. das selftitled debutalbum des acht mitglieder starken ensembles erscheint am 23.06. auf friendly fire recordings. die band, so schreibt das in brooklyn ansässige label richtig, "blend psychedelic space disco & smooth 60s-style soul perfectly with early hip hop, and moody, synth-soaked hooks". prog darf man nachlegen und electro und betont gleichzeitig die orchestrale ausrichtung der unternehmung. in dessen mittelpunkt stehen daniel collás und sean marquand, die zunächst als underground djs arbeiteten, aber irgendwann die nase voll hatten, nur die musik anderer aufzulegen. mit ihrem riesigen wissensschatz machten sie sich ans werk, um erst verblasste soul- und zukunftsträchtige rockacts zu unterstützen, aber später the phenomenal handclap band aus der taufe zu heben. integriert sind einige der besten musiker der indierock- und underground soulszene der musikalisch wohl derzeit fittesten stadt der welt: patrick wood (drums - vocals), luke o'malley (guitar - vocals), bing ji ling (guitar - vocals), laura marin (vocals - percussion), joan tick (vocals - percussion) und nicholas movshon (bass).
das label schreibt zu einigen tracks folgendes: "The album begins with the meditative strains of the epic "Journey to Serra da Estrela" which erupts into a driving synthesized force, and foreshadows the arrival of "Testimony", in which Jaleel Bunton (TV on the Radio) provides a fiery psychedelic guitar backdrop for Aurelio Valle's (Calla) voodoo incantations. Carol C (Sí Se) lends her considerable vocal talents to "You'll Disappear", a cosmic disco floor-filler that sets the stage for The Lady Tigra's (L'Trimm) jump-rope rhymes on the soon-to-be classic summer jam, "15 to 20"." meine ersten höreindrücke waren ausgezeichnet. referenzadressen ließen sich in den letzten vierzig jahren finden. sly and the family stone oder george clinton sind dabei sicher nur zwei verweise, denen etwas deckung gelingt. packend die aufstellung und die großartigen arrangements. da bleibt viel hängen. wer sich lust auf sommer machen will, hört bei denen rein. und live sollen sie zudem die ganz große sause starten. noch nicht in unseren breiten, aber wir werden die augen aufhalten.
the phenomenal handclap band - 15 to 20

Sonntag, Juni 14, 2009

eingestreut (38): shelley short

im oktober, um genau zu sein am 13.10., erwartet uns das neue album von shelley short. es heißt dann wohl "a cave, a canoe" (auf hush records, natürlich). um uns die wartezeit etwas abzukürzen, gibt es einen ersten track: "time machine / submarine" angerichtet mit bewegten bildern. um einer weiteren einstimmung vorschub zu leisten, hänge ich zwei ältere songs mit hinten an. (hier geht es außerdem zur daytrotter session.)
Shelley Short - Time Machine / Submarine (from: "A Cave, A Canoe")
Shelley Short - Swimming (from: "Water For The Day")
Shelley Short - Like Anything It’s Small (from: "Captain Wildhorse…")

the early judgement (29): deer tick

mit "war elephant" hatten john mccauley und co. einen meilenstein im countryrock genannten genre gesetzt. einst auf feow! records herausgekommen (label von jana hunter), nahm sich partisan records seiner an, um einer weltweiteren verbreitung auf die sprünge zu helfen. was gelang. nun ist selbiger verein verantwortlich, um das neue werk von deer tick unter die menschen zu bringen. "born on flag day" (23.06.) ist nicht weniger treu einem genre, das sich seit jahrzehnten großer beliebtheit erfreut, auch außerhalb der grenzen des grenzenlosen amerika gilt americana bzw. alt. country etwas.
und so war in den letzten jahren vielfach die rede von den hobos und umtriebigen, siehe bon iver, von den verrückten und ausgeflippten, siehe o'death oder den gewaltlosen radaubrüdern und feiernden, siehe the felice brothers. eine schnittmenge, schließlich eine lesart aus den genannten sind deer tick. hier trifft sich das rauchig-kehlige des kneipenjargons und der großen schlücke an whiskey oder met, das geschliffene, vielfach geprobte des dauerauftritts, das multinstrumentale des auf sich geworfenen und das heulen des verwaisten, in not geratenen. abgerundet durch die liebe zum leben, zum gemeinsinn.
während "war elephant" konsequenter auf den rockfaktor setzte, mehr galoppierte statt im schritt voran zu zuckeln, nimmt sich "born on flag day" etwas mehr zeit und gewinnt meter, in dem es den gäulen zwar die sporen, aber immer wieder auch zeit zum wasser saufen gibt.
während sich auf "war elephant" hitverdächtige runner finden, allein die ersten vier tracks sind locker dazu zu zählen, und sie drängen sich unmittelbar auf, hebt der neuling zu mehr gelassenheit an.
wenn in "little white lies" die slide jault, glaubt man seinen ohren nicht zu trauen. mccauley als crooner, eigentlich unvorstellbar. und doch, es funktioniert. er schiebt die tracks wie ein geistesabwesender barkeeper den bierkrug auf ungescheuertem grund über den tresen. betriebsamkeit sieht anders aus. doch der täuschung sollte man nicht aufsitzen. süffig werden in "smith hill" die stimmen erhoben und die gitarren knarren unversonnen. nur der walzerrhythmus beweist nibelungentreue zum stil, zur heimatlichen ausrichtung des vierers aus rhode island. strebsam, ja, wie jungs, die bemüht sind der referendarin zu gefallen. zumeist gelingt das ja mit geputztem lächeln.
ganz so weit gehen deer tick nicht. in "song about a man" zücken sie ganz eigennützig eine mundharmonika und jodeln lagerfeuer like und ganz und gar nicht im sinne des aktuellen rolling stone, der wissen will, dass fotzenhobel nicht zeitgemäß sind. seis drum. hier passt es. ebenso wie das launige gitarrensolo in "straight into a storm". wie sich überhaupt spielfreude zeigt, manches wesentlich frischer und spontaner klingt als auf dem vorgängeralbum. liegt vielleicht daran, dass mit andy tobiassen, dennis ryan und chris ryan drei neue mannen an bord sind, die aus der vornehmlichen ego-, sprich mccauleyeschen, eine bandperspektive kreierten. das geht gar so weit, dass der kauzige bursche das mikro teilt. "friday xiii" wird so zu einem der stärksten tracks auf dem album. liz isenberg unterstützt den dennoch uneingeschränkten frontmann und die beiden erinnern ungemein an op8.
das album hat identität, die sich aus den alten und immer wieder neuen geschichten speist, die mccauley mit einer stimme vorzutragen weiß, die an originalität kaum zu übertreffen ist. die hinwendung zu countryeskem aufspiel mag nicht jedem gefallen, aber die verschiedenen gezündeten feuer bieten vielfach platz zum ausruhen, anlehnen und träumen. vorerst ein guter ***1/2.
deer tick - easy