Mittwoch, Dezember 07, 2016

eingestreut (1006): mariee sioux


lange hat man nichts von mariee sioux gehört, zumindest in musikalischer hinsicht. dass sie politisch aktiv ist, konnte man aber schon wissen. den jüngsten (teil-) erfolg im fernen amerika feiert sie nun gebührend mit einem song betitelt "black snakes", zu dem sie schreibt: "this song is a prayer for our times, for water protectors across the globe, and for the brave souls standing up and putting their lives on the line to defeat the black snake at standing rock." und weiter: "hopefully we can start illuminating these black snakes of corporate greed and fear and oppression, that tear through our lands and our sick systems, from the inside out..." tom menig, der vater von alela diane, übernahm die produktion in seinem studio und half bei der verbreitung. auch die lyrics seien vorgestellt: 

"our skin tied over the drum an elder's eyes into the woods did run. 
children tied into the drum a newborn's tears with the river did run. 
an eagle cries over the drum, an ancient seed smiled into the light of the sun. 
while madusa's head of black snakes, tears the the loss and what remains, 
praying as dogs snap between labor pains, empty words spoken again and again,
the sacred hoop broken that we're trying to mend. 
so well split the light in two well split the light in two... 
we'll spit the light in you."

neue töne (1698): adrian hermes


photo by kathleen pracht

die aneinandereihung von fakten hilft zunächst, um eine ordnung, wenngleich noch keine einordnung zu ermöglichen. mit adrian hermes treffen wir auf einen musiker aus berlin, der unter der solofahne sein heil sucht. aufgewachsen ist er in ostfriesland, wo er sich (vermutlich) mit dem indieglanz der achtziger und neunziger jahre umgab. die faktentreue schwindet also, denn man muss nun das anvertraute wissen mit dem persönlich erlebten in einklang bringen. apropos klang. hermes veröffentlicht im kommenden februar sein debütalbum. hierzu gründete er eigens ein labels namens "lofi industries", das nicht zuletzt wiederspiegelt, worauf es der musiker abgesehen hat. unabhängigkeit. die bekommt man tatsächlich umsonst. muss dafür aber einiges in kauf nehmen. will er. sagt er.

wer sich den d.i.y. gedanken an die stirn pinnt, der macht am ende alles selbst. die lieder schreiben, sie aufnehmen und eben auch veröffentlichen, siehe oben. heraus kommt eine lofi gegründete, in kargheit gewonnene und aber auch in reinheit geronnene singer/songwriter-, pop-, folk-mixtur, die dominiert wird von einer wenig vordergründigen drummachine, einer e-gitarre, die weiß, an welcher ecke sie ihre melodie abholen darf, einer juvenilen und doch ernsthaften stimme und schließlich einer synthiewolke, die über allem steht. hermes geht seine lieder in ruhe an, man spürt, wie sie sich entwickeln, groß werden durften, aber auch wie an ihnen gearbeitet wurde. der detailreichtum drängt sich nicht auf, im gegenteil wird er erst mittendrin, im hörgenuss gegenwärtig. hier die schlanke harmonie, dort das perkussive wispern. hier die betonung, dort die pause. das macht alles sinn. und wer "dimension" gehört hat, der weiß, dass hermes neben vertriebsprinzipien auch yo la tengo studiert hat. mit "errors" wurde am 02. dezember die erste single losgelassen, da generiert das kleinstlabel ähnliche strategien wie die großen. das video dazu sei unten angefügt.

Dienstag, Dezember 06, 2016

neue töne (1697): thisell (konzert, album, präsentation)


photo by camilla anders

die violine der karin wiberg schafft weite, während das akkordeon des david odlöw zum boden zwingt. zwischen den fahrten taucht eine getupfte gitarre auf, grollendes schlagwerken, das alles andere als bedrohlich wirkt, dann eine stimme, die man mit keiner zweiten vergleichen kann. ihr wohnt eine traurigkeit inne, die man mit dem nordmann verbinden möchte. der sich zwischen den elementen wähnt, der voll von glück ist und doch den trost wie das brot zum leben braucht. der mehr weiß, als er zu verraten imstande ist. und weil ihn quält, was ihn umtreibt, singt er. mit sanftmut und reife, mitsamt der begrenztheit, die ihn ausmacht. sie sucht nicht den mangel zu überwinden, die vollkommenheit zu erreichen, sondern den mut zu begreifen sich zu offenbaren. doch dem zwang wurde stattgegeben und so steht der sänger wie zwischen den zeiten als ein zurückgelassener, noch nicht wieder eingeholter und ruft hierhin und mahnt dorthin, nicht zu vergessen, nachzukommen. man möchte ihn bei der hand nehmen, man möchte an die hand genommen werden.
peter thisell liest sich wie ein gebrochener, der immer wieder neu aufgestanden ist. er klingt wie ein getäuschter, dem man nicht den letzten mut rauben kann. ein nordmann eben. dann flirrt etwas in der luft, volkstümliches macht sich breit, im walzerschritt bewegt sich der etwas hüftsteife sänger und seine jugendliche crew folgt behände. mit "thisell II" liegt seit dem september endlich ein nachfolger auf jellyfant vor, den die schweden wenig naseweis benannten.

an vielen orten wird man thisell finden, dort wo der schmerz sitzt, aber auch dort, wo man in geselliger runde die hoffnung besingt. die lap steel, das piano, das dräuen des kommenden, der stille bass, das saitenstreichen und das befinden von einem mehr, von dem es nur eine ahnung gibt. was anklingt, ist bereits vorhanden, auch wenn es vielleicht undeutlich bleibt und der augenblick, da man es erhascht, so kurz ist und endlich scheint.
thisell gelingt eine gangart, die zwischen den stilen eine eigene heimstatt findet, eine art psychfolk, dem man die herkunft nicht verbieten kann, der aber doch eine universelle wirkung erzielt. er wird verstanden, hier und dort, zwischen den welten ebenso. wir werden peter und die seinen abholen.

am 09. dezember spielt der bärtige schwede im atelier gut in der münchner pfeuferstraße 38, ab 20 uhr solltet Ihr Euch einfinden. david odlöw und tomas larsson werden peter begleiten und dem sentiment einen glitzerrand verleihen. zum event geht es hier lang: klick!

09.12. münchen, atelier gut 


Montag, Dezember 05, 2016

neue töne (1596): abigail lapell


diese stimme hat eine tiefe, die immer auch ein wenig unvollendet scheint, nie ganz erreicht. das macht vielleicht ihren zauber aus. sie ist zudem etwas rauchig, hat eine würzige bluesnote und dabei impliziert sie eine weite, wie aus erfahrung und einsicht geboren. abigail lapells gesang glänzt mit koloraturen, die kaum wahrnehmbar sind, kehlig bringt sie die töne hevor, warm letztlich und voller gefühl. schwärmerisch darf man über die kanadierin berichten, weil sich neben dieses außergewöhnlich schöne organ auch eine musik stellt, die nicht nur unterstreichend agiert.
mit "hide nor hair" steht ein neues album an,  das am 20. januar veröffentlicht werden wird (danke an p. aus b. für den hinweis). darauf enthalten sind unter anderem die beiden songs "fur and feathers" und "jordan". ersterer gelingt im feld einer akustischen, sparsamen instrumentierung, hat den charakter eines traditionals und nimmt in aller vertrautheit kontakt zum hörer auf. schnell wird man sich eins. zweiterer entsteht am piano, die bindung trifft das folkloristische im lieblich melodischen. das ist keine form des steine erweichens, dafür ist die kunst in sich zu fest, aber es geht ans herz, so viel ist gewiss.

abigail lapell ist kanadierin. sie stammt aus toronto, schreibt ihre songs selbst und ist an vielen instrumenten begabt. während sie noch auf der suche nach sich und diesem dasein war, lebte sie in montreal und tauchte in die dortige szene ein, spielte in bands, unterstützte theaterprojekte. ihr erstes album erschien schließlich 2011: "great survivor".  sie fand in heather kirby (ohbijou) nicht nur eine hervorragende produzentin, sondern etliche großartige mitstreiter, musiker wie lisa bozikovic oder aaron lumley. das album wurde nicht nur bemerkt, es wurde prämiert und landete auf einem sensationellen dritten platz der kanadischen folkcharts.
lapell hat seit dem mit acts wie first aid kit, rae spoon oder tuneyards die bühne gekreuzt, hat etliche touren hinter sich gebracht und neben dem nördlichen amerika auch europa bereist.
für das neue album "hide nor hair" konnte sie chris stringer (timber timbre u.a.) gewinnen, ihr im studio zu helfen, es erscheint in bälde und sollte den ausnahmestatus dieser noch jungen künstlerin unterstreichen.

Sonntag, Dezember 04, 2016

eingestreut (1005): pascal gamboni & rees coray (tour)


pascal gamboni stammt aus der schweiz, allerdings aus einer ecke, in der nur ein paar zehntausend einheimische rätoromanisch sprechen. nicht zwingend, dass man den nachbarn einen ort weiter versteht. das ist nicht die einzige besonderheit in sachen gamboni. seit geraumer zeit, seit langem eigentlich schon macht er musik und hat es damit immerhin auf das montreaux festival geschafft. ob er dort in englisch gesungen hat? gemeinsam mit dem virutosen basser rees coray legt er dieser tage ein neues, das zweite album des duos auf r-tunes vor. es heißt "veta gloriusa" und enthält vierzehn tracks, die sich in sachen sprache nicht ganz einig sind. denn gamboni zwingt dem vertrauten dialekt auch gern das englische auf, so dass es immer wieder zu gelungenen verunreinigungen kommen kann. auch bei den musikalischen stilen ist man sich nicht einig. singer/songwriter wird von bluesigen nummern abgelöst, jazzverhaltenes gibt sich die klinke mit folkanleihen, nichts ist sicher, vieles möglich auf diesem erstaunlichen release. das album  wird im januar im gepäck sein, wenn das duo auf ausgedehnte promotour gehen wird. die daten für hiesige landstriche führen wir an:

12.01.2017 Bamberg, Freiraum
13.01.2017 Bad Frankenhausen, Panorama Museum
14.01.2017 Solingen, Pub Tom Bombadil
15.01.2017 Berlin, Nussbreite
16.01.2017 Hamburg, Kulturcafé Komm Du
18.01.2017 Köln, Die Lichtung
19.01.2017 Aalen, Frapé
20.01.2017 Salzburg, Plan B

Samstag, Dezember 03, 2016

ein (p)fund mp3 (542), teil 2

das trio aus glasgow bzw. london ist doch glattweg durch die decke gegangen, dabei liegen erst zwei offizielle singles vor, wie es so gehen kann; zwischen sleater kinney und slit, heißt es, bitte gegenkontrolle vornehmen: dama scout:


der neue release "above the desert" wird wohl ende dezember auf dronarivm erscheinen, aber eine wirklich offizielle bestätigung gibt es noch nicht, dafür einen ersten track des japaners, den wir gerne vorstellen: chihei hatakeyama:


gut einen monat später, also im januar veröffentlicht pleasence records das neue album des rührigen kanadiers, der hier sich hier mit der einen hälfte von shield patterns zusammengetan hat, einen ausschnitt aus "delirious things" mit: aidan baker & claire brentnall:


den folk nehmen wir auf die eine, die langjährige zugehörigkeit zum kanadischen indierock auf die andere seite, heraus kommt das album "solidarity", das mitte februar auf pheromone recordings erscheinen wird, viel spaß mit: bill & joel plaskett:


noch einen track aus dem hause hardly art, der auch über das jahresende hinausschaut, die dazugehörige langspielplatte des dreiers aus seattle heißt "sincerely" und wird am 24. februar erscheinen: dude york:


eine spannende geschichte rankt sich um die team love veröffentlichung dieser beiden alben: "at longview farm" von 1979 und das aktuelle werk "when you get old", alle infos bekommt Ihr auf der labelseite, hier einen eindruck: jemima james:

ein (p)fund mp3 (542)

mit "texas monthly" erschien dieser tage der erste song seit dreizehn jahren, den die in texas beheimatete band ans licht der öffentlichkeit ließ, geschehen anfang november via keeled scales records, auf dem auch das neue album "reproduction" im kommenden märz erscheinen wird: knife in the water:


am 09. dezember erscheint das album "david welles", das nicht zuletzt den hauptakteur benennt, um welchen sich eine immer wieder wechselnde schar mitmusiker schart, um einen ganz eigenen sound aus no wave, house und krautrock zu kreieren: onwe:


wirklich eine starke debütsingle, die diese junge, neue band aus wales da vorlegt, der track "pwysau", in landessprache vorgetragen, hat einen ganz eigenen flow, so stark, dicht und ernsthaft, dabei mit einer musikalischen leichtigkeit versehen, auf decidedly records erschienen: adwaith:


das wunderbare instrumentalprojekt um sarah kemp kommt uns mit einer neuen veröffentlichung auf sound in silence, "secret hope" wurde mitte november veröffentlicht und nähert sich dem ausverkauft status, beeilen: brave timbers:


das vorab benannte label begeistert mit handgefertigten und handnummerierten kleinen ausgaben, zu denen aktuell auch das duo aus richard walker und karine charff mit ihrem neuesten release "switched on and live" beizutragen weiß: amp:


he, das sind großartige nachrichten, ein neues album im köcher und dann anfang des nächsten jahres noch einige tourtermine bei uns, "preservation" erscheint am 03. märz: nadia reid:

Freitag, Dezember 02, 2016

glotzt nicht so romantisch (746): strand of oaks


photo by maclay hariot

den weg ins wochenende bereitet uns tim showalter, der die ersten aufnahmen aus "hard love", dem neuen album, welches mitte februar auf dead oceans erscheinen wird, freigibt. "radio kids" heißt die erste single und sie wurde gleich mal ins recht licht gerückt. produziert wurde das neue werk von nicolas vernhes, der schon für the war on drugs oder dirty projectors verantwortlich zeichnete. an der gitarre stand jason anderson zur verfügung. thematisch dreht sich alles um die diskrepanz zwischen dem genuss auf der einen und der verantwortung auf der anderen seite. einen reim werden wir uns machen, wenn wir das gesamte neue album gehört haben: strand of oaks:

glotzt nicht so romantisch (745): tim darcy / cian nugent / john southworth:

ach mensch, da werden erinnerung wach, woran denkt Ihr , wenn Ihr "tall glass of water” vom kommenen album "saturday night" desbandmitglieds von ought, das am 17. februar auf jagjaguwar erscheinen wird, hört, na?: tim darcy:



"night fiction" ist ja bereits vor einiger zeit auf woodsist records erschienen, nicht zuletzt um auf die anstehenden konzerte (siehe links) vorzubereiten, aber auch weil ganz frisch hier das aktuelle video zu "lost your way" zu sehen ist:  cian nugent:


das album "small town water tower" ist pures understatement und eine kleine popsensation, erschienen auf tin angel records, enthält es "champion of love", das nun auch bewegte bilder erhielt, bitte sehr: john southworth: