Montag, Dezember 22, 2014

neue töne (1473): julie odell


ob es bereits veröffentlichungen von julie odell gab, weiß ich nicht (vermutlich nicht). dass es sich lohnen würde, steht außer frage. da spricht ihre stimme dafür, ein tief gegründetes, warmes, mal weiches, mal raues organ, das sich nicht zwingen lässt. dafür spricht ein von lockerer hand geborenes songwriting mit dem hang zum erinnerungswürdigen. dafür spricht zudem, dass es julie odell gelingt, ihre songs jeweils zu etwas einzigartigem zu gestalten. "around and around" zum beispiel erhält ein flair, als sei es den sümpfen new orleans entstiegen. irgendwo dort muss die junge künstlerin auch beheimatet sein, die uns über ihre soundcloud seite an liedern und damit ganz persönlichen eindrücken teilhaben lässt. die gestrichene akustische bebildert den in den hintergrund gedrängten gesang, die stimme steigt und gibt sich zu erkennen. fähige muster lassen sich nicht erkennen, als würde die künstlerin naseweis die hacken schlagen, um sich nicht erkennbar, identifizierbar zu machen.

da gelingt ihr das balladeske, folkloristische, dann wieder stibitzt sie mit einem stampfenden rhythmus um die ecke und treibt die winde vor sich her, einen moment später führt sie ein altes lied an der hand und intoniert, wie es die vorfahren zu tun pflegten, die hand auf der brust, den kopf überstreckt und die strimme zwischen die sonnenstrahlen gelegt. dass darüber hinaus der blues gelingt, keine frage. allesamt demos, überzeugen die aufnahmen dennoch mit stärke und ausdruckskraft und lassen sich leicht mit der hoffnung auf mehr verbinden.

mit pretty wild yellow gibt es außerdem eine band, in der sich julie seit einiger zeit gütlich tut, vielleicht hören wir dann auch aus dieser richtung bald etwas zählenswertes. das neue jahr wirds bringen.
Euch eine schöne zeit mit julie odell und natürlich auch darüber hinaus.

Sonntag, Dezember 21, 2014

glotzt nicht so romantisch (600): the turns


the turns sind marco cortes, michael eng, johnny toomey und danny winebarger aus los angeles. ihr psychfest stabiler rock impliziert einen rückwärtigen blick durch die genre und jahrzehnte, ist doch aber durchaus im hier und jetzt verhaftet. der angang immerhin ist modern, Ihr werdet hören, was ich meine. allein der sound ist so rein und klar wie ein gebirgsbach. das hätten die damals doch im leben nicht so hinbekommen. ansonsten, schaut nur auf die frisen, die klamotten, ist einiges zum verwechseln ähnlich.

shelflife records hat sich der truppe aus dem sonnigen kalifornien angenommen, wo eben nicht nur die sonne, sondern vielmehr noch die gitarre glitzern kann. mit drei tracks fühlt sich die debüt ep (09. dezember) recht karg an, kann aber qualitativ durchweg überzeugen. mir gefallen am besten die momente, da man meint, die bandmitglieder würden von ihrer eigenen saumseligen musiksoße aufgesogen, herrlich, hört mal bei "you'll see in the turns" rein. ursprünglich war der release erst für 2015 geplant, nun hat man aber eine digital only variante auf den markt geworfen, wobei sich lollipop records um eine kassettenedition gekümmert hat. wer spacemen 3 denkt, darf auch mit ride oder loop korrespondieren.


eingestreut (749): homemade empire


das ist ehre und freude zugleich. wir dürfen ganz unaufgefordert auf die erste single aus bart de kroons neuem album aufmerksam machen. unter homemade empire kann man den holländer erwischen. er zeichnet präzise folkstudien. sie sind von minimalistischen texturen gekennzeichnet, dabei einzigartig, prägnant. wir dazu 2012 und nach livezauber 2014.
auf "first trees" wird der neueste tonträger hören und am 09. februar auf subroutine records erscheinen. "where are the monuments? / dog shampoo spoiled the scent of evergreen" ist eine nummer daraus und sie hält einiges bereits. vom in bekannten gewässern mäandernden trübefolk bis hin zum fuzz befohlenen noiserock. dabei erhält bart energische unterstützung vom wolvon drummer bram nighten. das hat es in sich und weckt zwangsweise neugier auf den gesamten tonträger. dazu dann mehr. bis dahin:

Samstag, Dezember 20, 2014

neue töne (1472): c. strøm


ein fixes einsprengsel, bevor sich das jahr 2014 zu grabe trägt. das wunderbar lichte und zeitlose tape von c. strøm möchte ich nicht unterschlagen wissen. es ruht in all seiner unfreiwilligen brillanz auf dem heimischen rekorder, bang in der erwartung, hoffend der aussicht auf ein neuerliches abspielen. 
wenn das veröffentlichende label dying for bad music über den knapp bemessenen kassettenrelease von 50 stück schreibt, dass es sich dabei um bis auf die knochen heruntergebrochenen lofi- americana handelt, der leser überlese die dem klienicum implizierte übertreibung nicht, dann liegt es durchaus richtig. dem aus norwegen stammenden musiker attestiert man darüber hinaus eine wilde, blümerante songauswahl, die von j.davis & c.mitchell über traditionals bis hin zu beethoven reicht. die tracklist hänge ich unten mit an. aufgenommen hat der aus alesund stammende in einer alten hütte auf ellingsøy, umgeben von der wilden see. "i have heard of a land" ist in nebel getauchter, schwer verwurzelter folk, den man schnell in den amerikanischen norden verweisen könnte. doch die wesenheit dieser musik findet sich, der moderne sei dank, längst in der dna der gesamten menschheit, so dass mit ihr aus allen himmelsrichtungen zu rechnen ist.


christian strøm nachzuspüren, dürfte nicht einfach werden, er scheint im wirklich leben abgetaucht zu sein. da muss man schon mit seiner musik verwachsen. zurückgezogen auf norwegisches eiland, bekam man vor einigen jahren aufnahmen via telefon zu hören, später einiges, das bereits auf dying for bad music veröffentlicht wurde. deshalb auch an dieser stelle ein ausdrücklicher und herzlicher dank an marcus obst von dfbm für seinen einsatz, das gespür.
nun lass ich Euch aber allein mit dieser so nahbaren musik.



SIDE A
Farewell Jamaica Medley (I.Burgie)
You Are My Sunshine (J.Davis/ C.Mitchell)
Europa - A Variation of B. (Beethoven)
Just Like a Gypsy (Simons / N.Bayes)
Johnny Todd (traditional)

SIDE B
I Have Heard of a Land (James Moore)
Fair Maidens Medley (traditional)
The Storms May Rule (traditional)
Fare Thee Well Tune (traditional)
When We Go A-Hunting (C. Strøm)
How I Love My Medley (traditional)
The Minstrel Boy to the War Has Gone (T. Moore)

Freitag, Dezember 19, 2014

neue töne (1471): plumes ensemble


plumes ensemble ist ein steter quell der veränderung und des daraus erwachsenden reichtums. ehemals nur auf plumes hören, zuvor schon unter flotilla firmierend, ergötzen wir uns an den chamber folkigen großtaten der jeweiligen truppe unter der führenden hand von veronica charnley. sie zeichnet nicht nur für den wunderbaren gesang verantwortlich, sondern auch für einen großteil der songs.

mit dem plumes ensemble legten sie und ihre sechs mitstreiter am 01. dezember ein erstes, sechzehn tracks umfassendes kompendium vor. es mutmaßt sich als debütwerk dieser neuen bandkonstellation und stellt sich aus neuen tracks und coverversionen von béla bartók- (aus "twenty hundarian folk songs", 1929) sowie luciano berio- ("folk songs", 1964) stücken zusammen.

es scheint kein wunder, dass zunächst die bandeigenen titel besser, geläufiger ins ohr gehen. hier haben wir viele vertraute konstanten. seht nur das instrumentarium der band, das sich in seiner akustischen ausrichtung ganz traulich des hörers ohr zuneigt. die arrangements sind aufgeräumt und präzise und dennoch mit dekor. etwas anders verhält es sich mit den bartók- und berio- "coverversionen". vor allem bartók fremdelt etwas. die ungewöhnlichen harmonien erschliessen sich dennoch bald und sei es , weil längst zurückliegende erinnerungen an fade morgen in staubigen klassenzimmern auftauchen, die einen musikunterricht zeichnen, der alles andere als zukunftsträchtig war.

dass wir dennoch interesse an der schönsten kunstform haben, legen wir solchen menschen wie veronica charnley in die hand, die, in welcher konstellation auch immer, stets bemüht ist, tradierten werten einen hauch aktualität, eigenes maß zu verleihen. auch mit dem plumes ensemble ist ihr das aufs neue sehr gelungen. dieser musikerverbund besitzt neben der fähigkeit zur grazilen ausführung auch die nötige verve, um nach- und ausdruck zu verleihen. eine treffliche kombination!

Donnerstag, Dezember 18, 2014

eingestreut (748): frontier ruckus (tour)


im kommenden jahr werden frontier ruckus durch europa touren, erneut, im gepäck das nach wie vor frische album "sitcom afterlife". dass sich das lohnen könnte, darüber haben wir an dieser stelle mehrfach referiert. wir drücken einfach nur den empfehlungsstempel auf diese unternehmung und Ihr solltet folge leisten, indem Ihr Euch die termine schon einmal hinters ohr tätowiert. ach ja, den 28.02. müssen uns die dresdner allerdings noch erklären.
abschließend: hier gehts zur aktuellen daytrotter session der amerikanischen ausnahmeband: klick.

Mittwoch, Dezember 17, 2014

eingestreut (747): innen:welt.festival


eines der besten, attraktivsten und spannendsten münchner festivals wird auch 2015 wieder stattfinden und damit die beste möglichkeit geben, in das neue konzertjahr zu starten. und dass man dabei nicht in den wiederholungsmodus rutscht, dafür sorgen die potenten macher des innen:welt.festivals ein ums andere mal, was natürlich staunend macht. nicht dass die szene übersichtlich wäre, aber es ist eine kunst, jedes jahr bands und künstler an den start zu bringen, die nicht nur weitgehend unbekannt, sondern darüber hinaus vor allem begabt und der kunst einen ganz eigenen schlag zu verpassen in der lage sind.

auch 2015 wird das nicht anders sein. das lineup mit gedanken der macher inkl. nachfolgend:

Lingby (Köln, Orchestral-Indie-Pop)
Musik braucht immer das Unerwartete. Und das, was ihre Botschaft trägt. Lingbys Musik hat das. In diesem Fall ist es: Keine Furcht vor Schönheit und Melancholie. Und die Bläsersätze, die genau die weiter bis ins Herz tragen. Wenn sich Indie-Gitarren, sehnsüchtiger Gesang, Posaune und Horn mischen, gehen drei Sonnen auf. Eine Band aus Köln als strahlend-schönes Gewächs zwischen rheinischem Beton! 2015 veröffentlichen Lingby ein neues Album – bei uns hört ihr einige Songs zum ersten Mal. In einer besonders innen:-weltischen-Dreierbesetzung. Zeit zu lauschen und zu staunen.
We Stood Like Kings (Brüssel, Postrock/Filmkonzert) …es geht um Musik. Einen Film. Und eine Premiere: Das erste Filmkonzert bei innen.aussen.raum! Für den Streifen kommt die “Premiere” bei uns spät – er ist aus wilden 20ern. Für die Band genau richtig. Denn We Stood Like Kings haben zum schwarz-weißen Werk mit dem Titel “Berlin 1927″ ihr erstes Album eingespielt. Zu dritt; mit kunstvollen Piouretten schlagenden Klavierparts, in weite Ferne ziehenden Gitarren und einem rastlosen Gerüst aus Drumschlägen. Wenn dazu Bilder einer Stadt und die Gesichter von Menschen aus einer anderen Welt, einer Zeit über die Leinwand flimmern, bleibt nur: Staunen für eine knappe Stunde, die auch einmal lange vergangen sein wird.
Bruno Bavota (Neapel, Neo-Classical)
Beim Gedanken an die Stadt Neapel mag einem spontan einiges in den Sinn kommen. Das, was Bruno Bavota weit in Europas Süden an Klängen erschafft, gehört vermutlich nicht dazu: Tiefe, satte Klavierklänge… -“The Secret of The Sea” heißt sein Album, und der Titel führt auf die richtige Fährte: In kühl-schattige, schwelgerische Traumbilder. Mit 88 Tasten auf der Suche nach dem vergessenen Rätsel. Manchmal hilft eine Gitarre. Zeit zum Durchatmen in den Unter- und Innenwelten.
Julian Nantes (Salzburg, Folk)
Folk; Mensch, Gitarre und Song sind eine wunderbare Sache. Aber jetzt bitte auch: Leidenschaft! Julian Nantes aus dem lieblichen Bergnest Salzburg bringt davon mehr als genug auf die Bühne – also gerade das richtige Maß. Dabei hilft ihm eine Kickdrum. Und vor allem dieses seltsam flatterhafte Mojo, das die Songs einiger, weniger Musiker umweht. Ja, es sind die alten Akkorde – aber sie klingen so magisch wie einst bei den britischen Songwritern. Oder eben jenen Musikern bei denen ihr Mensch, Gitarre und Song schätzen gelernt habt. Immer neu, immer suchend – immer Leidenschaft.
Haut (München, Synth-Ambient-Pop)
München… Auch die gefühlt kleinste Großstadt der Welt hat immer wieder ihre Entdeckungen. Warm, dicht und das ganze Innen umspannend: Haut! Drei Jungs, darunter ein paar bekannte Gesichter, weben aus elektronischen Klängen, Pluckern, Gitarren und Tiefenbass den Sound, der euch wie ein guter Teppich sanft in den Abend tragen wird. Das Beste: Die Musik klingt neu und trotzdem, als wäre sie schon immer in dieser Stadt gewesen; irgendwie zwischen relaxtem Ambient, funkelndem Licht und sachter Nachteuphorie. Das ist gekommen um zu bleiben.
Jaschar Vossoug (Berlin, Loop-Show)
Manchmal – selten – macht man als Musikfreund unerwartete Bekanntschaften. Zum Beispiel, wenn auf einer Neuköllner Bar-Bühne ein junger Herr auftritt, von dem im Internet auf Anhieb noch nicht einmal ein winziger Soundschnipsel zu finden ist. Und der dann, so ganz unerwartet und aus dem Nichts, mit der lässigen Eleganz eines Altmeisters Hooks, Melodien und Songzitate wie Asse aus dem Ärmel wirft. Aus einer E-Gitarre und ein paar Reglern ein buntes, lautes, wildes Mashup aus Indie-Gitarren und elektronischen Beats in den Raum stellt. Dann wird das Sofa zur Aussichtsplattform, beschlagen die Scheiben – und ein neuer Festivalgast ist gefunden.
die wichtigsten daten nun noch in aller gebotenen kürze:

das innen: welt.-festival 2015 findet am 10.01.2015 von 17.00 – 05.00 uhr statt
im kafe kult, oberföhringer str. 156 (bus: bürgerpark oberföhring)

tickets kann man sich über den vorverkauf sichern, der preis von 12 euro gilt bis 22. dezember, danach kosten die karten jeweils 15 euro, wie später an der abendskasse auch. wir sehen uns.