Sonntag, Dezember 27, 2009

listenterror: die besten blogs 2009

meine lieblingsblogs des scheidenden jahres sind kaum mehr andere als die des vorjahres. warum auch? so sie denn ihr niveau gehalten haben, weckten sie auch fürderhin mein interesse, regelmäßig, bei manchen mehr als das, nämlich täglich nachzulesen. so grenzt man sein persönliches territorium ein, befriedet aber zugleich dank übersichtlichkeit auch den großkampfplatz internet, findet sein habitat. auf armlänge finden sich so die deutschsprachigen musikblogs, die neben dem konkurrenzgedanken, der sich bei mir sehr verkümmert darstellt, auch freundschaftliche gefühle aufkommen lassen. darüber hinaus präsentiert sich eine breite flut an global operierenden seiten, deren thema ein und dasselbe ist: musik. charts? weg damit! mainstream und die frische suppe, die per email aktualitäten an alle handlungsreisenden im metier herüberschwappt? mitnichten! nischenguides? nö!
am liebsten sind mir jene, die breit aufgestellt, aber zugleich neugierig sind. sie werden immer frank und frei nach nase notieren. so steuere ich jeden morgen auf die frischen beiträge meiner kollegen zu, neugierig und lüstern auf entdeckungen, die ich noch nicht gemacht habe. eifersucht und neid sind in der szene keine themen, sie spielen aber eine große rolle. eine blogrolle. wer wen wann aufnimmt, usw. vielleicht ist dies aber auch nur ein nationales ding. schaut man über den tellerrand, stellt sich einiges ganz anders dar. hier sind die besten und wer mehr zu ihnen wissen will, kann mich fragen oder selbst nachschauen 'gehen'!


ein (p)fund mp3 (238)

ein paar vielleicht zu unrecht zu kurz gekommene alben, die ich gar nicht oder zu wenig beschrieben habe, einfach einige perlen, die kurz vor dem jahreswechsel noch einen glanzpunkt setzen sollen, album + label ergänzen die musikalische information:
von "feral harmonic", erschienen im oktober auf saddle creek:
old canes - trust
old canes - little bird courage
erschien im august auf secretly canadian, "creaturesque":
throw me the statue - ancestors
throw me the statue - hi-fi goon
von "barn nova", erschienen im herbst auf ecstatic peace:
mv&ee - summer magic
von "because i was in love", als selfrelease erschienen:
sharon van etten - for you
sharon van etten - tornado
von "III", erschinen im oktober auf drag city:
espers - caroline
"enemy mine", bereits zu anfang des jahres erschienen, auf jagjaguwar:
swan lake - spider
swan lake - spanish gold, 2044
noch einmal jagjaguwar, das album: "gorgeous johnny", kam im juli heraus:
skygreen leopards - dixie cups in the dead grass
"tenebrae" kam auf amish records heraus:
theo angell - higher something

official secrets act
22.02. Hamburg - Grünspan
23.02. Köln - Bürgerhaus Stollwerck
24.02. Karlsruhe - Substage
25.02. Dortmund - FZW
26.02. Dresden - Alter Schlachthof


richmond fontaine
18.02. Leipzig - UT Connewitz
19.02. Geislingen - Rätsche
20.02. Münster - Gleis 22


savoy grand
27.02. Saarbrücken - Sparte 4
28.02. Frankfurt - Brotfabrik
01.03. Hamburg - Knust
02.03. Halle - Objekt 5
03.03. Jena - Rosenkeller
04.03. Chemnitz - Atomino
09.03. Dresden - Societätstheater
10.03. Berlin - Magnet
11.03. Karlsruhe - Jubez
12.03. Stuttgart - Laboratorium
23.05. Beverungen - Orange Blossom Special XIV

Samstag, Dezember 26, 2009

listenterror: beste konzerte 2009


(01) bill callahan, ampere münchen ****1/2
(02) horse feathers, asta kneipe rosenheim ****1/2
(03) scott matthew, 59:1 münchen ****1/2

(04) kristofer ragnstam, obs beverungen ****-****1/2
(05) the ballet, ampere münchen ****
(06) scott matthew, muffatcafé münchen ****
(07) real ones, obs beverungen ****
(08) marissa nadler, obs beverungen ****
(09) liz green, südstadt münchen ****
(10) rose kemp, orangehouse münchen ****
(11) karl blau, südstadt münchen ****
(12) washington, obs beverungen ****
(13) laura gibson, rote sonne münchen ***1/2 - ****
(14) the low anthem, atomic café münchen ***1/2 - ****
(15) hugo race & true spirit, kulturhaus wldkrbg. ***1/2 - ****
(16) the miserable rich, obs beverungen ***1/2 - ****
(17) kristofer aström, obs beverungen ***1/2 - ****
(18) j. tillman, orangehouse münchen ***1/2 - ****
(19) mumford & sons, atomic café münchen ***1/2 - ****
(20) baskery, obs beverungen ***1/2 - ****
(21) get well soon, obs beverungen ***1/2 - ****
(22) chris eckman, obs beverungen ***1/2 - ****
(23) alela diane, ampere münchen ***1/2
(24) chris garneu, on3 radio festival, münchen ***1/2
(25) pere ubu, feierwerk münchen ***1/2
(26) royal bangs, on3 radio festival, münchen ***1/2
(27) kissogram, kuahgartn open air ***1/2
(28) baby universal, obs beverungen ***1/2
(29) my little pony, on3 radio festival, münchen ***1/2
(30) element of crime, atomic café ***1/2
(31) blue mountain, kulturhaus wlkrbg. ***1/2
(32) the great bertholinis, on3 radio festival, münchen ***1/2
(33) katzenjammer, kuahgartn open air ***1/2
(34) embryo, john's obing ***1/2
(35) chis jagger & charlie hart, john's obing ***1/2
(36) the fabulous penetrators, obs beverungen ***1/2
(37) maria taylor, obs beverungen *** - ***1/2
(38) calexico, muffathalle münchen ***-***1/2
(39) gods of blitz, obs beverungen ***-***1/2
(40) black rust, obs beverungen ***-***1/2
(41) kleinmeister, on3 radio festival, münchen ***
(42) tenfold loadstar, obs beverungen ***
(43) benedicte braenden, obs beverungen ***
(44) crooked still, kulturhaus wlkrbg. ***
(45) anajo, kuahgartn open air ***

abschließend, im wahrsten sinne des wortes, weil u.a. auch das letzte konzert des jahres, noch einige brocken zu huckleberry five. ein fünfer, der die zeit überdauert, und dass nicht nur, weil er sich an klassiker hält, nein, auch weil er mit rüdiger helbig einen klassiker in seinen reihen führt, und weil sich die truppe nicht zu schade ist, dem nachwuchs eine chance zu geben. so durften wir in froher, ca. fünzig köpfiger runde, am 17.12. im oklahoma, knapp an der stadtgrenze münchens, einen leidenschaftlichen, akustischen wie eindringlichen und anspruchsvollen auftritt erleben. das trägt mich übers jahr. ein paar bilder, um diesem post den rest zu geben.

neue töne (719): we are the willows

ganz ausführlich hatten wir hier amble down reocrds vorgestellt. ausgespart hatten wir ohne scham we are the willows. denn wirklich was vorzulegen hatte peter miller damals noch nicht. ist nun aber anders. und wer bock darauf hat, mal wieder so ein paar ganz persönliche stories um die ohren geschleudert zu bekommen, hört bei seiner musikalischen unternehmung mit dem wunderbaren namen we are the willows hinein.
stammen tut der bursche eigentlich aus eau claire, wohnt mittlerweile aber in minneapolis, wo er tief in die musikszene eingedrungen ist, auftrat, aufnahm, aufsog. im wahrsten sinne des wortes. viele der sounds, die er infiltrierte, lässt er auf seinen werken wieder frei. und man bekommt szenerien spendiert, von café- über eisenbahn- bis hin zu einkaufsmomenten. und das nicht etwa vordergründig, sondern sanft eingeschlossen in den ohnehin schon spannenden kosmos des peter millers. was einst als sideproject gedacht und anfänglich auch so betrieben wurde (neben seinem dayjob als vorschullehrer spielte peter in der in minneapolis beheimateten indierock band red fox grey fox), nahm mehr und mehr raum ein. dieses selbstgesuchte exil, um abseits eines bandgefüges songwriting zu betreiben, taugte dem burschen ganz gut. in 2007 empfahl er sich mit einer ersten ep, "bravery" setzte dabei auf akustische gitarre und den countertenor gesang millers. "a collection of sounds and something like the plague" heißt nun das ende november erschienende erste full length. das gönnt Euch mal, denn es hat etwas zu erzählen und blendet nicht, denn es gibt was auf die ohren und das tut unheimlich gut!
we are the willows - a funeral dressed as a birthday (2009)
we are the willows - isabel's song (2009)
we are the willows - winter is almost over (2006)

Freitag, Dezember 25, 2009

neue töne (718): green blossoms

digitalis recordings präsentiert uns als einen seiner letzten outputs "whiskey leaves" von the green blossoms. dass das werk bereits im sommer erschienen ist, macht überhaupt nichts, denn etwas wärme kann man angesichts der arktischen kälte dieser tage gut gebrauchen. bei the green blossoms handelt es sich um das paar aiko koga und anthony guerra. sie ist für den gesang und das spiel auf der ukulele verantwortlich, während er ebenfalls seine stimme beisteuert sowie das bedienen diversen instrumentariums (acoustic guitar, electric guitar, mandolin, second ukulele, synthesiser, percussion, pitch pipes) als eine weitere aufgabe ansieht. als musikerkollektiv verstehen sich die beiden seit ca. 2005, als sie gemeinsam nach japan gingen. ihr erstes album hieß "stones and ecstasy" und erschien auf dem neuseeländischen label pseudoarcana. nun darf der werte hörer "whiskey leaves" zur hand nehmen und sich auf eine sehr intime musik freuen. es ist, als könnte man in das herzen des ungleichen paars blicken. aikos stimme, zart und doch sehr präsent, ist der mittelpunkt, um den herum alles andere sich dreht, wie trabanten um einen planeten. sparsame perkussion, die stets muntere ukulele, samtene chorale begleitung, häufig selbst auch von aiko übernommen. es entsteht ein sog, der dich tiefer und tiefer in die akustische welt der beiden hinab zieht. schmeichelnde melodien bahnen den weg, an dessen rändern handclaps dafür sorgen, dass du in der spur bleibst. tenniscoats sind eine erste assoziation.
the green blossoms - hana akari
the green blossoms - whiskey leaves

listenterror: beste eps 2009


1.) julianna barwick – florine ep **** - ****1/2
2.) alasdair roberts – the wyrd meme ep ****
3.) alela diane feat. alina hardin – alela & alina ep ****
4.) sleep whale – little brite ****
5.) bon iver – blood bank ep ****
6.) lewis & clarke – light time ep ****
7.) mountain man – s/t ep ***1/2 - ****
8.) kaki king – mexican teenagers ***1/2 - ****
9.) ronnie fauss – new songs for the old frontier volume 1 ***1/2 - ****
10.) mountain goats and john vanderslice - moon colony bloodbath ep ***1/2 - ****
11.) trespassers william – the natural order of things ***1/2 - ****
12.) saw fist tree – s/t ***1/2
13.) bearhug – birds ep ***
14.) snowglobe – no need to light a night light on a night like tonight
15.) dark mean – frankencottage ep ***

Donnerstag, Dezember 24, 2009

zu gehör getragen (112)

wand – hard knox (2009)
> ungeprägtes, freizügiges singer/songwriter album, das sich gern ein transparentes kleidchen überwirft, 3-3,5/5

wilco – wilco the album (2009)
> hier drückte sich die ideenarmut schon im titel des albums aus, der profit aus früheren werken ist doch längst verspielt, mensch, 2,5-3/5

venice is sinking – azar (2009)
> flirrendes, verwoben atmosphärisches, poptaugliches ding mit viel angriffsfläche zu mehr, ideen gehörten zuweilen gebündelt, 2,5-3/5

throw me the statue – creaturesque (2009)
> wavepop, der noch dem dicksten hype das fürchten lernen kann dank der kombination aus konzentrat und fitness, 3/5

ein (p)fund mp3 (237): merry christmas

ein weihnachtsmuffel bin ich nicht. da sind die kids vor. aber ich bin gewiss keiner, der das ganze unternehmen auch noch unterstützt und fördert. und auch muss mein blog nicht zu jedem fest- und feiertag mit antreten. das ist eine seuche, dass selbst zu halloween und ostern passende songs gesucht werden müssen, um sie dem gelangweilten leser vors ohr zu brettern. aber - und dies wird sicher keine tradition, obgleich wir auch im letzten jahr dabei waren - ein paar weihnachtshit gilt es zu präsentieren. vorab eine staffel älterer und später, mit vermerkt die neuen. ab morgen geht es dann mit dem 'listenterror' los, dann wird diesem jahr der letzte stoss erteilt. ois dann, ein frohes fest und eine ruhige, erholsame, von mir aus auch besinnliche zeit wünscht Euch, liebe leser, das klienicum!
irene - christmas on the beach
bobby baby - santa claus is coming to town
celestialsaving up her wishes (for another christmas)
die frischen, viel mehr davon gibt es hier:
those transatlantics - tannenbombs
the amish girls - we wish you a merry christmas
lightning love - winter once again
buttermilk daydream - sleigh ride
jeremy porter - scarf

Mittwoch, Dezember 23, 2009

zu gehör getragen (111)

conor oberst – outer south (2009)
> solide, aber austauschbar und kaum mehr ohne die ihm eigene magie, verloren an den americana, 2,5/5

brown bird – the devil dancing (2009)
> countryesker bluefolk oder so, auf jeden fall mit seele und zur rechten zeit mit der nötigen portion verve, 3/5

david sylvian – manafon (2009)
> gemessen am potential ein fades schauspiel, dem zu folgen ein gerüttelt maß berauschung abgerungen werden muss, 3/5

james yorkston and the big eyes family players – folk songs (2009)
> intim, aber nicht am sentiment geritten, wird folk aufbereitet, wie er unschuldiger und doch gründlicher nicht sein kann, 3,5-4/5

eingestreut (77): wolf people

ein sound, den ich in diesem jahr etwas vermisst habe. schleifender bluesrock, an dem sich eine mundharmonika wetzt, völlig angeschrägt und irre die e-gitarre gniedelt, der kollektive murmel- und beschwörungsgesang aus der tiefe steigt und alles hand und fuß hat. wenn man von dieser gattung bestiegen werden will. wolf people heißt die kapelle, die für diesen anachronismus verantwortlich zeichnet. und sie sind die erste englische band, die jagjaguwar in ihr programm aufgenommen hat. kommt nicht von ungefähr. wenigstens haben sie interesse an britischem klassischen rock. der katalog hat ja in dieser hinsicht einiges zu bieten.
apropos katalog. der der wolf people wurde kräftig durchforstet und so stellt "tidings", das für den februar anvisierte erste album, eine kollektion ihres bisherigen schaffens dar. wenn ich mich nicht gänzlich verhauen habe, so brachten es die londoner bisher auf vier singles und eine ep. die mussten natürlich auch erhalten, um das full length passabel zu ergänzen. so findet sich zum beispiel der unten aufgeführte track "october fires" bereits auf der 2006 erschienen 7" gleichen namens. ändert aber nichts daran, dass es sich bei "tidings" um ein kraftvoll sattes spektakel handelt, dem man gerne referenzen an bands wie faust oder jethro tull zubilligt. ergänzend seien ein paar worte aufgeführt: feedback, noise, psychedelic, hardrock, gitarrensolo, acid rock, blues, english folk. abschließend: der vierer hat es bereits in das vorprogramm so illustrer wie qualitativ hochwertiger bands wie dinosaur jr, tinariwen, witchcraft, sleepy sun, malcolm mooney oder voice of the seven woods geschafft.
wolf people - october fires

Dienstag, Dezember 22, 2009

glotzt nicht so romantisch (76): laura gibson

die oliver peel session aus paris haben mal wieder zu einem qualitätssprung angesetzt. laura gibson, die sich auf ihren letzten schleifen der europatour befand, schaute im heimischen wohnzimmer vorbei und taute die gemeinschaft mit herzerwärmenden auf. mit dabei, die zwei jungs von musee mecanique, die uns auch in münchen begegneten. so genug, der rest ist genuss (ach, den ausführlichen und leidenschaftlichen bericht olivers gibt es hier, danke an u. für die videos!):





neue töne (717): peppermill records

peppermill records, das sich vor allem dadurch auszeichnet, dass es regelmäßig kleinode musikalischer provenienz herausbringt, auf die man dann auch noch kostenfrei zugreifen kann, veranstaltet nebenher auch noch ein kleines festival. im sommer geht es dafür seit zwei jahren an den rohr lake. einige aufnahmen des diesjährigen augusts kann man nun nachhören. und ich verspreche Euch, dass es sich lohnt. neben dem flackern der lagerfeuer hört man einige grandiose musikstücke, entdeckt neue bands und künstler und erwärmt sich an der wunderbaren atmosphäre (gespräche zwischen den musikern und dem auditorium sowieso, bei einem song paleos weht der wind ganz beutlerisch zwischen die noten). beispiele gibt es nachfolgend, den gesamten packen, ein 24 track umfassendes kompendium kann man sich dann auch hier herunterladen inklusive einiger fotos. besonders für mich waren vor allem fabi reyna, die sich neben den solobemühungen auch bei code rainbow und the silver series schafft, aus austin stammt und mitsamt ihrer gitarre und ihrer selbstbewussten stimme einiges losmacht, ilana cameron und kurt goltz, die, in sehr klassisches songwriterkleid gewandet, bestens in die umgebung gepasst haben mussten, und schließlich nick caceres, den man sich nur mal vor augen führen muss, um zu wissen, dass man hier was spannendes erwarten darf. so, nun ist auch für Euch noch ausreichend platz zum entdecken da.
ilana cameron and kurt goltz - swimming in september
a hawk and a hacksaw - the man who sold his beard
fabi reyna - explosion catastrophe
nick caceres - did you see the words

Montag, Dezember 21, 2009

zu gehör getragen (110)

mediengruppe telekommander - einer muss in führung gehen (2009)
> fast schon anachronistische mutmache in sachen mundartrock mit anspruch, dafür gibts, 3/5

jens carelius – the beat of travel (2009)
> dichter und süffiger als der erstling, nur verschluckt man sich hin und wieder an der rotweinseligen staffage, 3/5

at swim to birds – before you left (2009)
> zu wenig für ein konzert unter den großen, zu viel, um abtauchen zu müssen, der ergriffenheit die segel streichen, bitte, 2-2,5/5

brian harnetty & bonnie ‚prince’ billy – silent city (2009)
> changiert zwischen existentialistischem großmut und fein drapierter kacke und scheitert schließlich an seiner selbstreferenz, 3-3,5/5

neue töne (716): maritime fist glee club

enthusiastische ideen teile ich schnell. so kann ich dem gedanken, ein eigenes label zu gründen, mehr als nur ein interesse abgewinnen. da ist definitiv mehr. wie schnell sich so eine idee allerdings auch wieder verflüchtigen kann, beweisen unzählige webseiten, auf denen das angebot ins stocken geraten ist. da lesen sich dann die letzten einträge noch, als wären sie erst gestern geschrieben. doch bei genauerem hinsehen, drängt sich die wahrheit auf, das datum beweist es: 2005, 2006...
mit dem maritime fist glee club haben wir auch so eine sich in warteschleife befindliche institution. da ich das sehr schade finde und die bisherige arbeit lobenswert, will ich gerne eine kurze retrospektive anstrengen. dorchester ist die heimat des labels, das die idee einer eigenen plattform in den späten jahren des letzten jahrhunderts gebar, um daraufhin recht gemächlich release für release herauszubringen. 15 veröffentlichungen stehen bisher zu buche. das letzte aus dem sommer 08. wir hören mal rein.

diese band hat drei alben am start, das letzte "three o'clock target" markiert die scheide zwischen labelarbeit und hoffentlich nur einer pause, der dreier (jeff richardson, jeff cooper, blaine palmer) aus norman (oklahoma) arbeitet zwsichen garage artigen ausfällen und dem frohsinn und der hoffnungsstiftenden attitüde des countryrock, für 2009 war eigentlich ein neues album geplant, aber bisher keine notiz davon, die band hatte in den vergangenen jahren vor allem sehr viel mit sich selbst zu tun, etliche mitgliederwechsel sorgten wohl für genügend abwechslung:
locust avenue - skeletons (from: "three o'clock target")
locust avenue - safe distance (from: "the new originals")
locust avenue - flat ones (from: "songs for the shortwave")

über diese band hatte ich mich an anderer stelle bereits ausführlicher ausgelassen, hier nämlich, eine art dronefolk galt es damals zu bestaunen, nur labeltechnisch waren wir zu dieser zeit noch nicht ganz auf der höhe, zogen aber das 2006 erschienende "new crusaders of the eleventh commandment" bereits zu rate, "cosmic yes" heißt übrigens der letzte auswurf dieser gereiften kapelle und erschien auf house of alchemy, unbedingt reinhören, mehr als bereichernd, immer auch inspirierende, meine ich, so man denn selbst ein instrument bedienen kann:
anvil salute - plushies unite (from: "new crusaders...")
anvil salute - stylish cope (from: "new crusaders...")

und diese band stammt aus tacoma, washington, und geht nicht selbst, aber via label, mit der referenz "frühe r.e.m." hausieren, ganz von ungefähr kommt das aber auch nicht, der schrammelsound, die quergestellte stimmt mit knödelgesang, der so wunderbar die melodien aufweicht, das alles paßt perfekt ins bild; was die band seit den tagen des debutalbums, also seit juni 2007 so treibt, ich weiß es jedenfalls nicht, schade, wie sie so klanglos in der versenkung versunken sind:
the greebies - me and pancho (from: "yesteryear again")
the greebies - mikey (from: "yesteryear again")
so und abschließend gibts noch eine handvoll musikstücke auf die ohren, die das bild des labels abrunden helfen sollen, einige sehr spannende soundmalereien darunter, verbunden mit der hoffnung, dass es hier bald weiter gehen wird:
stephen j. - big blue house (from: "midwest in mono")
gavagai - eori soma (from: "guardian of the cattle")
spagirus - felt without skin (from: "ever now those before")
dreamt of by armadillos - srand (from: "dreamt of by armadillos")

Sonntag, Dezember 20, 2009

neue töne (715): jordaan mason & the horse museum

mensch, den jordaan mason und seine kumpanen hätte ich fast übersehen. dabei haben sie ein kleines folk kleinod vorgelegt, dem ein wenig beachtung sicher noch gut täte, bevor wir ins neue jahr abtauchen. die musik ist karg und ungeschliffen und zugleich von sicherer hand geführt, als schiele das bewußtsein von einer wohlgestalten ordnung immer mit um die ecke. also geplante willkür? scheint so. die herrschaften, die joordan mason da um sich scharte und den namen 'the horse museum' verliehen bekamen, sind mitglieder von sarah d., whatever jailer, i am not dynamite, klessa, the owle bird, richard laviolette, chris yang and the hidden cameras. toronto ist also demnach das pflaster, von dem aus gestartet wurde. dreieinhalb jahre schuftete man an diesem runzeligen, vollbärtigen, faltigen, müffelnden etwas. doch das impliziert nicht notwendiger weise abkehr. im gegenteil. hier handelt es sich um jene figur, die in es in jeder stadt gibt. jeder kennt ihn oder sie, jeder weiß eine geschichte zu erzählen, jeder hat eine persönliche begegnung gehabt. zur abscheu ob der hygienischen mängel fügt sich die neugier angesichts von unabhängigkeit, freizügigkeit und losgelöstheit von sämtlichen konventionen. so kann jordaan über alles singen, was ihm durch den schädel stobt: "sex and sickness and the decline of (stupid fucking) western civilization" usw., you know. ob die beschreibung dunkler plätze, der narrative abrieb triebgesteuerten erlebens oder die weissagungen über krieg und verderbtheit, alles findet seine lyrische form. worte formt er wie ein weiser, singen tut er sie wie einer mit langem atem. da dehnt und überstreckt sich das organ und es wuselt ganz verzückt allerlei instrument um ihn herum. doch sparsamst ist das angelegt, die arrangements sind licht und luftdurchflutet.
drei jahre hats für das werk namens "divorce lawyers i shaved my head" (auf oh! map records) gebraucht und es geriert sich so, als wäre es in einem rutsch aufgenommen. es gibt so leute, die ziehen sich bewusst nachlässig an. das sieht, merkt man. bei diesem album sitzt alles am rechten fleck, obwohl hier ein hemd aus der hose lugt, dort die krawatte verrutscht ist oder der hut über den ohren abzurutschen droht. es ist echt. und hierin liegt vielleicht die eigentlich stärke. kein geschönter auftritt ist es, der sich einem darbietet, keine übertreibung. hier liegt waidwund (dennis!) am boden, was nach durchzechtem leben erst langsam wieder zu kräften kommen muss. hört Euch den jordaan mal an. und wenn das album taugt, dann gibt seine kleine discographie noch den einen oder anderen fund her.
jordaan mason & the horse museum - bird's nest
jordaan mason & the horse museum - wild dogs: divorce

Samstag, Dezember 19, 2009

zu gehör getragen (109)

jackie-o-motherfucker – ballads of the revolution (2009)
> der krude, nur zu selten wirklich magische mix aus noiserock/drone/ambient & redundanz wird in aller gebotenen seelenruhe zelebriert, 3/5

lady of the sunshine – smoking gun (2009)
> jäher absturz in die bedeutungslosigkeit dank realitätsverlust und fehlender geschwisterlicher kontrolle, 2/5

bibio – vignetting the compost (2009)
> kirrer electro-folk, der sich nicht immer auf sich selbst zu konzentrieren weiß, um dann in schwebe frech zu glotzen, 3-3,5/5

califone – all my friends are funeral singers (2009)
> stillose magerkost, die ideen in die höhe stemmt wie ein wrestler den überdimensionierten gürtel des schattenkampfsiegers, 2,5/5

neue töne (714): dragon turtle

la société expéditionnaire lässt sich nicht lumpen und wirft kurz vor dem jahreswechsel noch einmal einen release unters volk, der sich gewaschen hat. mit "almanac" handelt es sich dabei um das debutalbum des duos brian lightbody und tom asselin. sie nennen den sound, den sie kreieren, ambient-winter-calypso-space-folk. die unberechenbarkeit dieser begrifflichkeit kommt nicht von ungefähr. schon die produktionsbedingungen sind besonders. während lightbody als creativ director in brooklyn lebt (und seit einigen tagen wissen wir: das ist nicht das zentrum der welt, am 18.12. lest Ihr im interview mit the ballet, warum das so ist), agiert asselin aus dem nordosten pennsylvanias, wo er im übrigen ein studio führt und in einer baumschule arbeitet, oder umgekehrt. unter dem bandnamen dragon turtle dengeln sie eine mischung aus fliehenden stürmen, eisig zirkulierenden winden und schlingernd flüsternden lüftchen. diese atmosphärische tauglichkeit für viele, wirklich viele lebenslage drückt sich letztlich auch in den songtiteln aus, etwa "island of broken glass", da man förmlich spüren kann, wie dünn die decke ist, auf der man zu gehen wagt. ihre ersten schritte führten die beiden auch eher zaghaft aus. 2006 veröffentlichten sie zwar auf la société expéditionnaire eine split 7" gemeinsam mit strand of oaks, aber da spielte tom noch selbst zu großen teilen eher bei strand of oaks und brian designte label packages. als die nächste split folgte (gemeinsam mit goodnight star, goodnight air), standen die zeichen schon auf full length. doch vorher gab es mit "spill out the night" eine siebzehn minütige exkursion dragon turtles, "a jubilant acceptance of embracing challenge, exploration and discovery through natural wonder." das neun tracks umfassende "almanac" stellt nun den höhepunkt dieser schaffensperiode dar. es besteht aus den verschiedensten ingredenzien, die zu einer frei wirkenden masse verwoben werden. die ambienten bestandteile, die vordergründig für den spaceigen anflug sorgen, werden sauber unterlegt mit electronic, krautrockigen einflechtungen und der wüsten, aber dezent angerichteten verzweiflung der zweiten punkwelle. das geht durchaus zusammen, über originalität brauchen wir aber wohl nicht mehr weiter reden. die band sieht sich bei aller eigenständigkeit beeinflusst durch robert smithson, michio kaku, adonis und art bell. wer vinyl haben will, sollte sich beeilen, das limit liegt bei 500.
dragon turtle - moon fallout
dragon turtle - island of broken glass

Freitag, Dezember 18, 2009

interview: the ballet

als ich the ballet auf dem candy club fest traf, wurde mir recht schnell klar, hier passen mensch und musik zusammen, hier kann man zwei identische schablonen übereinander legen und durch das eingestanzte loch lugen. der blick ist frei. worauf? nun, auf sympathische und sehr freundliche zeitgenossen, auf ein neues album, "bear life", und damit auch auf eine menge offener fragen. die hat mir greg, seines zeichens sänger der new yorker band aufs freundlichste via email beantwortet. den humor und sprachwitz, den der bursche an den tag legte, werde ich wohl kaum adäquat übersetzen haben. aber ich habs versucht. zudem liess ich einiges unberührt, im original. viel spaß! und: "bear life" kaufen!

das klienicum: greg, kannst du uns zunächst etwas über die bandmitglieder erzählen? wir kennen zwar ihre namen, wissen aber ansonsten recht wenig über sie.
greg: ich komme aus new york, craig stammt aus miami und marina aus madrid. wir sind alle schwul/lesbisch. wir lieben klatsch, trinken tee und sprechen über bücher und filme. wir sind nerds!
das klienicum: wie seid Ihr zusammen gekommen? seit wann spielt Ihr gemeinsam?
greg: craig und ich trafen uns an einer weiterführenden schule. abgesehen davon, dass wir bei the ballet waren, schrieben wir essays und arbeiteten gemeinsam an akademischen projekten. zudem waren wir in einer weiteren band, the mean corner, bevor wir the the ballet ins leben riefen, mit dabei ein kunstgeschichte student. marina trafen wir bei einer geburtstagsparty für linton (von aisler's set) und wir dachten, dass marina sehr charmant ist und es spaß machen würde, mit ihr in einer band zu arbeiten. denn grundsätzlich finde ich, dass es besser ist mit freunden zu spielen als mit professionellen musikern.
das klienicum: geht Ihr arbeiten? was macht Ihr so tagsüber?
greg: ich habe mein soziologie studium abgeschlossen und suche derzeit einen job als universitätprofessor. craig ist gerade dabei, sein studium zu beenden (ebenfalls in soziologie), und marina kehrte gerade wieder in die schule zurück, sie beschäftigt sich mit maschinenbau und computer programmierung. wie ich sagte, wir sind nerds.
das klienicum: eine bekannte möchte gern wissen, ob Ihr noch zuhause wohnt (weil Ihr noch so jung seid, meint sie).
greg: keiner von uns lebt noch bei den eltern. ich denke, es ist häufiger in europa anzutreffen, dass junge leute nach beendigung des studiums noch zuhause wohnen. und: wir sind nicht mehr wirklich jung!
das klienicum: jeden tag kann man etwas lesen über eine neue band, neue künstler aus brooklyn. seht Ihr, erfahrt Ihr das auch so? warum kommen so viele gute bands aus dieser gegend? liegt es an den verschiedenen kulturellen einflüssen? was meint Ihr?
greg: ich denke, dass new york schon immer ein magnet für kulturelle aktivitäten war, aber im zeitalter von internet kann neue, interessante, innovative musik überall gemacht werden und sich schnell ausbreiten. die idee einer brooklyner musikszene ist wohl etwas, das von journalisten und der musikindustrie geschaffen wurde, um den eindruck einer art von kultureller besonderheit zu schaffen. es ist nur ein weg, um etwas zu verstehen, um es wichtig erscheinen zu lassen und um es zu verpacken und an die welt zu verkaufen. niemand spricht zum beispiel von they might be giants als einer brooklyner band, aber sie waren in williamsburg, lange bevor all die anderen bands auftauchten. und: jeder geht nach new york! wenn deine band zehn jahre lang in omaha lebt und nun nach brooklyn zieht, seid ihr dann eine brooklyner band? das macht doch keinen sinn.
das klienicum: kannst du behaupten, dass the ballet ein lebendiger teil der brooklyner musikszene ist? habt Ihr viele kontakte zu anderen musikern und bands?
greg: the ballet wurde übrigens bereits eine brooklyner band genannt, als ich noch in manhattan lebte! nun, haben wir viele kontakte? ich weß nicht. je mehr man spielt, desto mehr leute lernt man kennen. es ist zwar wahr, dass es viel leichter ist, mit menschen vor ort zu arbeiten. aber wir haben viele musikerfreunde auf der ganzen welt. würde ich in barcelona leben, wäre vielleicht guille milkyway auf dem album.
das klienicum: kann sich eine band wie Eure mit so einer besonderen musik einen gewichtigen platz in der brooklyner szene erarbeiten? ist es schwer, sich dort durchzusetzen?
greg: ich weiß nicht, wo wir in diese idee einer brooklyner musikszene hineinpassen sollten. aber ich denke, wir haben einen platz in der new yorker d.i.y./schwulen/lesben und indiepop szene. sollte mal jemand in der new york times einen artikel über den "new york queer indiepop" schreiben, wird diese szene vielleicht zu einer realen angelegenheit und die menschen werden beginnen, mit diesem etikett umzugehen, bands darauf fest zu machen, und plattenlabel werden ihre praktikanten losschicken, um die neuesten ungesignten bands einzufangen.
das klienicum: wir können kaki king und auch scott matthew auf Eurem neuen album hören. kennt Ihr die beiden schon länger? konnten sie schnell für Euer projekt gewonnen werden?
greg: kaki ist eine alte freundin marinas und scott trafen wir im januar in münchen durch thomas lechner, der queerbeat betreibt, und natürlich während der candy club jubiläums party. ich denke, kaki und scott sind beide so unglaublich talentiert und ich fragte sie einfach, ob sie auf unserem neuen album tätig sein wollten und sie sagten "ja" und kamen ins studio.
das klienicum: Eure musik lebt von diesen unschlagbaren, eingängigen melodien und einem kompakten design, was die arrangements betrifft. kurz und knackig. ist es das, was du kreieren möchtest, wenn du dabei bist musik zu schreiben? ist es eine art konzept?
greg: ja, eingängige melodien sind sehr wichtig für mich. es liegt etwas magisches in einer catchy melodie. und etwas kraftvolles. ich bin überrascht, dass nicht mehr musiker von der macht einer eingängigen melodie verführt werden. solcherart prägnanz finde ich auch im allgemeinen wichtig, und sie ist, glaube ich, auch für unsere art musik gut. "I will find a song catchy for 3 minutes, but if it goes on for 5 minutes, it can become annoying. A song should leave you wanting more."
zudem interessieren mich noch andere dinge sehr. ich möchte wissen, was die leute zum tanzen bringt. ich möchte einen killer tanzsong schreiben, mit dem gewissen etwas! ich möchte einen song für ein kleines orchester schreiben, mit einem leicht barocken einschlag. ich möchte etwas mit so einem motown feeling schreiben. ich bin an allen facetten der popmusik interessiert. deshalb bin ich auch fan von guille milkyway. er versteht die 'bubblegum music' einer jeden dekade.
das klienicum: welchen namen gebt Ihr selbst Eurer musik? electropop?
greg: electropop! ja, das album ist sehr electropop. aber es gibt auch andere sachen darauf. ich würde indiepop dazu sagen. "Instruments come and go, but DIY is forever... or until you run out of money, whichever comes first."
das klienicum: was denkt Ihr, ist der größte unterschied von "bear life" zum ersten album "mattachine!"? ich vermisse die geigen! und ich denke, dass das neue album etwas lieblicher geworden ist. die melodien sind aufs erste nicht ganz so eindringlich, aber sie setzen sich bald fest. und klar, der sound ist etwas breiter.
greg: "Sorry about the strings! I will give you some strings on the next album, I promise." ich habe der veredelung dieser songs, mehr als jenen auf "mattachine!, zeit gegeben. ich habe auch dem umstand mehr aufmerksamkeit geschenkt, wie die einzelnen songs auf dem album zusammenpassen sollten, lyrisch, strukturell, inhaltlich und stilistisch. meine lieblingsalben haben so tiefe klangschichten, dass du meinst, deine zähne hineinschlagen zu können. eine solche tiefe habe ich versucht, auch unserem album zu verleihen. ich hoffe, dass das album die hörer überrascht und über jahre hinweg interessiert.
das klienicum: als wir uns in münchen trafen, sprachen wir über die d.i.y. philosophie. sie ist auch in deutschland ein durchaus populäres konzept. seht Ihr the ballet als ein d.i.y. projekt? und wie sieht das in der umsetzung aus? vor allem in bezug auf das neue album? und: ist es eine bedeutende idee oder nur eine art zwang, weil es schwierig ist, die industrie für kleine bands zu begeistern?
greg: es ist eine bedeutende idee und ich wünschte mehr bands würden d.i.y. praktizieren, nicht aus praktischen, sondern aus ideologischen gründen. aber klar: es ist hart. es ist schwer, geld zu verdienen und anerkennung für seine arbeit zu bekommen. manchmal wünschte ich auch, dass unser album in größeren publikationen erwähnung finden würde. ich will ernst genommen werden. aber d.i.y. ist eben auch sehr lohnend. wir treffen viele menschen, so wie dich, allein durch mundpropaganda. ich geniesse sehr diese intimität. und überhaupt, was ist so großartig daran, 10000 oder 100000 fans zu haben? warum soll das besser sein als nur 100? ich bevorzuge qualität gegenüber quantität.
es hilft mir natürlich auch, dass ich eine zweite karriere habe, ich muss von der musik nicht mein leben bestreiten.
das klienicum: ist es richtig zu behaupten, dass du mehr ideen hast, als du tatsächlich umsetzen kannst, weil dir die mittel dazu fehlen?
greg: meinst du, dass, wenn wir ein größeres produktionsbudget hätten, wir mehr mit unserem sound hätten machen können? wahrscheinlich nicht viel mehr. klar, ich würde gern ein orchester mieten, und ja, ich würde mehr geld und zeit in das mischen des albums investieren, aber der unterschied würde nicht sehr groß sein. mit einem computer kann man schon eine menge machen.
das klienicum: ist es richtig, wenn ich behaupte, "tenure tracks" (steht auf dem albumcover) ist keine reale record company?
greg: doch, es ist eine, mit einem album: "bear life"! was soll ich sagen? wir sind sehr wählerisch!
das klienicum: welches sind Eure musikalischen einflüsse? und seht Ihr Euch in einer linie mit bands wie the hidden cameras und the magnetic fields? ist die gender diskussion auch eure diskussion? schließlich: wie soll man den song "i'm going through a personal transformation" verstehen?
greg: stephin merritt ist ein großer einfluss, aber es gibt viele andere einflüsse darüber hinaus. so bin ich, wie ich bereits erwähnte, ein großer fan des spanischen musikers guille milkyway und seiner imaginären band la casa azul. und ja, auch the hidden cameras mag ich sehr. generell glaube ich, bin ich mehr von bestimmten songs als von musikern beeinflusst.
"i'm going through a personal transformation" ist ein bewusst zweideutiger text. man kann ihn, so hoffe ich, auf verschiedene weise verstehen. ich mag geschichten über persönliche neuerfindung, und ich dachte, scott wäre für diesen song perfekt. wenn er singt "i'm going through a personal transformation", glaube ich ihm. "When I sing the song, I don't believe myself. I sound like I'm fooling myself, which is also evocative, but not what I wanted for the album. I sound like I'm fooling myself, which is also evocative, but not what I wanted for the album."
in bezug auf die geschlechter diskussion versuche ich texte zu schreiben, die raum für interpretation lassen. ich möchte aber auch ein wenig, auf sanfte weise, necken und herausfinden: mann oder frau. allerdings sollen sich in den lyrics auch menschen mit den verschiedensten geschlechtlichen ausdrucksformen wiederfinden.
das klienicum: in deinen texten lässt sich fast ausschließlich bzw. sehr häufig das thema "beziehungen" finden. richtig?
greg: ja, ich schreibe viel über beziehungen, ich bin soziologe!
das klienicum: kannst du schon etwas über die ersten raktionen auf "bear life" sagen?
greg: hmmmm... ich weiß nicht. ich glaube, die leute sind noch am aufsaugen.
das klienicum: und abschließend, was sind die wichtigsten, vielleicht auch sichtbarsten veränderungen seit obama die geschicke des landes führt?
greg: "This is a tough question. We elect politicians and we want to think of them as leaders, especially the better ones, but from the perspective of an enormous network of laws, bureaucracy, economic markets, military and non-governmental organizations, leaders are not very significant, except insofar as they help to legitimate the political system. This might seem like a cynical perspective, but it's one that I find truthful. Probably not the type of answer you were looking for..."
das klienicum: welches sind Eure all time favoriten und welche alben beeindruckten im laufenden jahr?
greg: "Of all time: El Sonido Efervescente de La Casa Azul (La Casa Azul), Wasps' Nests (The 6ths), Get Lost (The Magnetic Fields), Lincoln (They Might Be Giants), George Best (The Wedding Present), And Then Along Comes The Association (The Association), The Life Pursuit (Belle & Sebastian), The Queen is Dead (The Smiths), Emperor Tomato Ketchup (Stereolab) This year: The Pains of Being Pure at Heart and, I'm embarrassed to admit: that Owl City album. It's total junk food, but there is a place for it in my life."
das klienicum: thank you so much, greg!

the ballet - the house on fire (2009)
the ballet - i hate the war (2006)
the ballet - in my head (2006)

Donnerstag, Dezember 17, 2009

zu gehör getragen (108)

camera obscura – my maudlin career (2009)
> den liebreiz gepachtet, mehr neckisch unter den wimpern gelugt, denn lüstern geschmachtet, twee magie, 3/5

casiotone for the painfully alone – advance base battery life (2009)
> fast gänzlich seiner spannungsmomente beraubt, stöbert nur noch selten der alte geist duchs geviert des einst in den adelsstand gehobenen, 2,5/5

blackbird raum – swidden (2009)
> die quetsche pfeffert übers parkett wie dreckige finger den speck auf der jacke frisch verreiben, anarchie in folkhausen, 3,5-4/5

edward sharpe & the magnetic zeros – from below (2009)
> durchaus fetziges konzept, dem nur zu flott der atem ausgeht, folkpop für die feste und feiern, an denen lang und schwer getrunken wird, 2,5-3/5

ein (p)fund mp3 (236)

dub und noise rock sind nur zwei gewürze der scharfen sosse, die die texaner anrühren, eine neue single (dazugehöriges album: fever) gilt es zu begrüßen, die kommt etwas geruhsamer als üblich daher:
the laughing - help me
the laughing - runner
bei "loneliest generation" handelt es sich um das debut dieser band aus new york (auf baby jackal records), fett produziert und was das ansinnen angeht, mein gott, die wollen mehr und greifen dabei ganz tief in die mott..., ähm traditionskiste, digital jetzt, als tonträger im april erhältlich:
harper blynn - christmas ain't no good without you
harper blynn - centrifugal motion
eine single liess sich noch aus dem letzten release pressen, "notes to an absent lover" (monotreme records) hat es schließlich auch vielfach zu guten bis sehr guten bewertungen gebracht:
barzin - look what love has turned us into
barzin - nobody told to me
das dazugehörige album heißt wie die band sich nennt, auf tapete:
anajo und das poporchester - franzi +2
beim label bleiben wir, die musik hat etwas mehr verve, am 27.11. erschien bereits "halt's maul - mach musik", hören wir mal rein:
rantanplan - peking bordell
ein digitaler release als gruß an die welt, die ep heißt "does anyone love me now":
blue roses - doubtful comforts
"the monitor" heißt das neue album, es kommt am 09. märz und gehört, zumindest was den namen angeht, zu den weniger spannenden neuerscheinungen des kommenden jahres:
titus andronicus - four score and seven (part one)
titus andronicus - four score and seven (part two)
"conquest" kommt am 12.01., geht flott voran, auf ardent music:
the scruffs - treasure girls
als rausschmeisser ein freejazz trio, das sich an hammond, double bass und perkussion die kante gibt, auf bo'weavil mit zwei aktuellen release, "the deep" und "spirit", bewegliche, royale nummern fast:
decoy - outside in (sample, from: "spirit")
decoy - first call (sample, from: "the deep")

Mittwoch, Dezember 16, 2009

neue töne (713): cast spells / good old war

der jahresabschluss will geschafft sein, dieses kurze 2009 abgeschlossen. nachhaltigkeit werfe ich ihm zwar noch nicht vor, aber einiges wird bleiben. sicher. wie es josephine foster gelang, emily dickinson verse zu vertonen, wie scott matthew selbstquälerisch auftrumpfte oder wie yo la tengo die qualitätsschraube bedienten. daneben gab es folk, folkrock, weirdfolk und allerlei andere taugliche subsparten. sind andere zu kurz gekommen? vielleicht. so etwas wie avantgarde pop hatten wir recht wenig, möchte ich meinen. muss man ja finden. kann man nicht einfach zugreifen. kommen wir deshalb flugs zu david davison.

manch einer wird ihn im zusammenhang mit maps and atlases oder hey!tonal kennen. seine debut ep "bright works and baton", unter dem moniker cast spells auf sargent house veröffentlicht, bietet genau diese galante, unverschämt arrogante version des melodienverhaus. aber bitte, das macht gute laune, instant! sechs tracks umfasst die ep, die davison gemeinsam mit jason cupp aufnahm. letzterer hat sich schon an den nurses und the elected gütlich getan, zwei mannschaften, die im klienicum auch verehrt werden. sie kreierten in einer kurzen, aber knalligen phase 28 songs, hoben sich nach verstofflichung der ep die restlichen 22 für zukünftige werke auf. besonderheiten? meist musste der 'first take' herhalten. zu zweit gelang ihnen ein luftiges, herziges release, auf dem vor allem davisons kehlig, helles organ glänzt. die ep kann man sich hier vollständig anhören.
so, wer gefallen hat an der nonchalanten und wenig auftrumpfenden art des herrn davison kann sich mit der aktuellen split veröffentlichung von cast spells und good old war beschäftigen. zwei neue tracks sind darauf zu hören. "all brass", dieses schluffig, verträumte und zugleich anrührende midtempostück, könnt Ihr Euch unten geniessen. good old war kommen uns etwas griffiger. ihr ding ist eher der folk, rockig, etwas breiter angelegt. aber deshalb nicht weniger gut. harmoniegesänge, gerne, sologitarre, auch, aber nicht nur und nicht darauf konzentriert. irgendwie gegensätzlich die beiden, die sich da auf der "split ep" zusammengefunden haben. aber wer das ding rotieren lässt, wird schnell merken, dass das ganz gut funktioniert, harmoniert. good old war, bei wems da noch nicht wirklich läutet, das trio (keith goodwin - vocals, guitar, keys, dan schwartz - guitars, vocals und tim arnold - drums, keys, accordian, vocals) hat in 2008 das album "only way to be alone" herausgebracht. später tourten sie mit cast spells und der schritt zu gemeinsamer arbeit inkl. aufnahme war nicht weit. das ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. hört selbst!





cast spells - war story hellos
good old war - looking for shelter

cast spells
feb 27, espace b, paris

Dienstag, Dezember 15, 2009

glotzt nicht so romantisch (75): john fairhurst

immer mit einem fuss in einer anderen kultur findet man john fairhurst. so treibt er sich nicht nur musikalisch an den verschiedensten gestaden herum, sondern tatsächlich auch geografisch und erkundet vor ort, vor nicht allzu langer zeit zum beispiel in ostasien, was die jeweils ansässigen kollegen an- und umtreibt. dass sich diese erkenntnisse auch in seiner musik wiederspiegeln, keine frage. folk und bluegrass finden jedoch immer ein zuhause, in seiner variabilität und diversität erdet ihn die heimatliche tradition, das fundament ist fest gefügt und wird gern durch rag, americana und stomp ergänzt. vergleiche mit bert jansch oder davy graham braucht er nicht zu scheuen. sein album "joys of spring" erschien in 2008 auf humble soul und ist ein reines instrumentalalbum. abschließend: der brite ist immer auch zur stellen, wenn es gilt, freunden den rücken zu stärken, u.a. einer nancy elizabeth oder einem denis jones. ich habe einige sehr unterschiedliche bewegte bilder ausgesucht, die die wandlungsfähigkeit des burschen aufzeigen sollten.





neue töne (712): peter broderick

unbeeindruckt all der launen des statischen business treibt vor allem in den letzten monaten und jahren einer sein unwesen in allen möglichen formationen und, man möchte meinen, situationen. von peter broderick ist die rede, der nicht nur solo auf sich aufmerksam, sondern mit horse feathers und in einer vielzahl von kollaborationen von sich reden macht. nachdem in 2008 mit "home" und "float" zwei hervorragende alben unter seinem namen veröffentlicht wurden, startete broderick in 2009 mit "music for falling from trees" durch, einer tanztheateruntermalung, die kraft ihrer selbst strahlte und für sich stehen konnte. type recordings legten später "4 track songs", eine kollektion früher lofi aufnahmen des künstlers aus oregon neu auf, die erstmals 2006 aufs tableau gehoben wurden.
zu "blank grey canvas sky", einem der neuesten elaborate, tat sich der mittlerweile in berlin lebende mit dem niederländischen künstler rutger zuydervelt alias machinefabriek zusammen, um für fang bomb ein kontemplatives, fliessendes werk aus soundscapes, drone und instrumentellen verflechtungen aufzunehmen. zum am 14. novemver dieses jahres erschienenden release sagte broderick selbst: "We tried a lot of different things on this album, pushing ourselves to explore new areas... And for me the result is the collection of music I feel most proud of so far."
ganz frisch nun aber ist das werk, welches broderick für slaapwel records schuf. "music for sleeping sculpture" wird seit dem 14. dezember verschickt und wer eines der handgefertigten exemplare haben möchte, sollte sich beeilen. denn das gute stück ist auf 500 exemplare limitiert. und tatsächlich eignet es sich am besten für diese persönliche blaue stunde im bett, kurz vor dem wegtreten, kopfhörer übergestreift und ab mit peters gesang, violinenklängen und getupften fieldrecordings ins traumland. eine gute halbe stunde sollte dabei reichen, um den alltag abzustreifen. ein spannendes projekt wieder einmal von einem interessanten, jungen musiker, multiinstrumentalisten der er ist, und wagemutigen klangforscher. ich bin sehr gespannt, was uns peter broderick in den nächsten jahren zu bieten hat. ein paar klangbeispiele aus den letzten veröffentlichungen habe ich zusammengetragen und biete sie unten stehend an.

peter broderick & machinefabriek - kites:


<a href="http://slaapwel.bandcamp.com/album/peter-broderick-music-for-a-sleeping-sculpture-of-peter-broderick">Music for a Sleeping Sculpture of Peter Broderick (Excerpt) by Slaapwel Records</a>

peter broderickbelow it (from: "home")

Montag, Dezember 14, 2009

abschied (9): pacific ocean fire

geht das gut aus?, fragt man sich bei mancher stimme, wenn sie aneckt, manch höhe nicht stemmt, fadenscheinig versinkt. verzeihlich sind jedoch auch diverse momente, da sich solcherart gesang nicht nur in sich selbst versteigt, sondern dem text verbunden, der melodie verschrieben ist. wenn man pacific ocean fire folgt, muss man sich immer mal wieder damit auseinandersetzen. aber es ist kein wehe, ist kein ach, vielmehr ein augenblick. ab dann zählt nur noch der folkrock, der americana der band aus leicester. doch zu welch unglücklichem moment treten wir an, um eine kapelle vorzustellen, die im sterben liegt? ziert doch der spruch "november 2009 - pacific ocean fire is dead" die newspage ihrer webseite. zudem wird kolportiert, dass das aktuelle album "hibernation songs", das fünfte der truppe bereits, auch das letzte sein wird. bereits im september drang diese nachricht durch. sehr schade. doch anzeichen waren immer wieder zu vernehmen. vor allem das rastlose leben des vorstands jon bennett stand im rampenlicht. nach einem gig gemeinsam mit drugstore wurde das ende von pacific ocean fire besiegelt, so die legende. auf azar records wird - wie angedacht - hoffentlich noch "hibernation songs" erscheinen, zur zeit gibt es keine info dazu. denn das letzte zeichen dieser truppe hat durchaus potential, um länger in erinnerung zu bleiben. fast etwas poppig nähert sich die band großartigen melodien, mitschunkelarien und zwiegesängen. vor allem die mitwirkung von sophia marshall am mikro tut der seelenvollen musik sehr gut.
pacific ocean fire - leaving dusty footprints

Sonntag, Dezember 13, 2009

neue töne (711): upcoming releases 2010

ein loser und unverbindlicher sowie garantiefreier blick ins jahr 2010. was kommt auf uns zu? ergänzungen werden von mir nicht ohne weiteres vorgenommen. ein tipp wird selbstverständlich gern eingefügt.

januar
05.01. the octagon - warm love and cool dreams forever (serious business)
the octagon - cross tops
08.01. vampire weekend - contra (xl recordings)
08.01. lawrence arabia - chant darling (bella union)
12.01. laura veirs - july flame (raven marching band rec.)
laura veirs - wide eyed, legless
12.01. woodpigeon - die stadt muzikanten (boompa)
woodpigeon - morningside
12.01. final fantasy - heartland (domino)
12.01. blunt mechanic - world record (barsuk)
12.01. rauelsson - la siembra la espera y la cosecha (hush records)
12.01. the scruffs - conquest (ardent music)
the scruffs - treasure girls
12.01. jason boesel - hustler's son (team love)
jason boesel - hand of god
15.01. scout niblett - the calcination of scout niblett (drag city)
15.01. motorpsycho - heavy metal fruit (rune grammofon)
18.01. these new puritans - hidden (domino)
19.01. eels - end times (vagrant)
19.01. spoon - transference (merge)
19.01. cold war kids - behave yourself (downtown)
19.01. red krayola with art & language - five american portraits (drag city)
22.01. sons of bill - one town away (blue rose)
22.01. elva snow - s/t (glitterhouse, vrstl. erst im frühjahr)
22.01. get well soon - vexations (city slang)
22.01. jackie oates - hyperboreans (one little indian)
25.01. four tet - there is love in you (domino)
25.01. tindersticks - falling down a mountain (4ad)
tindersticks - black smoke
25.01. beach house - teen dream (sub pop)
beach house - norway
25.01. first aid kit - the big black and the blue (wichita)
26.01. joan of arc - don’t mind control (polyvinyl)
26.01. kevin barker - you and me (gnomonsong)
26.01. harvey milk - s/t (hydra head records)
26.01. bird show band - s/t (amish records)
26.01. slow six - tomorrow becomes you (western vinyl)
26.01. cars & trains - the roots, the leaves (fake four inc.)
cars & trains - intimidated by silence
26.01. los campesinos! - romance is boring (wichita)
26.01. mondo drag - new rituals (alive records)
26.01. boy genius - staggering (greenpop recordings)
boy genius - ramona saves the day
boy genius - old new england
26.01. the magnetic fields - realism (nonesuch)
26.01. charlotte gainsbourg & beck - irm (warner)
26.01. woodhands - remorsecapade (paper bag records)
woodhands - pockets
26.01. basia bulat - heart of my own (rough trade)
basia bulatgold rush
26.01. home - seventeen (jagjaguwar)
home - photographed with ease
26.01. citay - dream get together (dead oceans)
citay - careful with that hat
27.01. i'm from barcelona - 27 songs from barcelona (mute)
29.01. delphic - acolyte (chimeric records)
januar: the electric pop group - seconds (matinée)

februar
01.02. midlake - the courage of others (bella union)
01.02. tom mcrae - alphabet of hurricanes (cooking vinyl)
02.02. the album leaf - a chorus of storytellers (sub pop)
02.02. the heligoats - goodness gracious (grey day records)
the heligoats - fishsticks
02.02. king of prussia - the time of great forgetting (kindercore)
king of prussia - waintin' for something
02.02. the soft pack - s/t (kemado)
the soft pack - c'mon
05.02. scary mansion - make me cry (talitres)
09.02. hot chip - one life stand (parlophone)
09.02. galactic - ya-ka-may (anti)
09.02. yukon blonde - s/t (bumstead)
yukon blonde - wind blows
09.02. phantogram - eyelid movies (barsuk)
phantogram - when i'm small
09.02. laura gibson and ethan rose - bridge carols (holoscene music)
09.02. massive attack - heligoland (virgin records)
09.02. shellshag - rumors in disguise (don giovanni records)
shellshag - resilient bastard
09.02. pantha du prince - black noise (rough trade)
pantha du prince - the splendour
09.02. yeasayer - odd blood (secretly canadian)
yeasayer - ambling alp
12.02. kathryn williams - 50 white lines (one little indian)
14.02. the go find - everybody knows it’s gonna happen, only not tonight (morr)
the go find - everybody knows it’s gonna happen, only not tonight
16.02. daniel martin moore and ben sollee - dear companion (sub pop)
16.02. excepter - presidence (paw tracks)
16.02. field music - measure (memphis industries)
16.02. lightspeed champion - life is sweet! nice to meet you (domino)
16.02. matt pond pa - the dark leaves (altitude records)
16.02. thee silver mt. zion memorial orchestra - kollaps tradixionales (constellation)
19.02. tamikrest - adagh (glitterhouse)
19.02. blood red shoes - fire like this (v2)
23.02. shearwater - the golden archipelago (matador)
shearwater - castaways
23.02. xiu xiu - dear god, i hate myself (kill rock stars)
23.02. balmorhea - constellations (western vinyl)
23.02. elaine lachica - i think i can see the ocean (stunning models on display)
elaine lachica - behind my mind
23.02. we are the world - clay stones (manimal vinyl)
23.02. toro y moi - causers (carpark records)
toro y moi - blessa
23.02. wolf people - tidings (jagjaguwar)
wolf people - october fires
23.02. shout out louds - work (merge)
shout out louds - walls
23.02. efterklang - magic chairs (4ad)
efterklang - modern drift
23.02. rocky votolato - true devotion (barsuk)
ende februar: holly miranda - the magician’s private library (xl recordings)
holly miranda - forest green oh forest green
februar: interference - s/t (the social registry)
interference - excerpt #1, vision 1
februar: puerto muerto - drumming for pistols (fire records)
puerto muerto - drumming for pistols

märz
01.03. tunng - and then we saw land (full time hobby)
01.03. archie bronson outfit - coconut (domino)
01.03. babybird - ex-maniac (unison music)
02.03. the ruby suns - fight softly (sub pop)
02.03. rogue wave - permalight (brushfire)
02.03. the whigs - in the dark (ato records)
05.03. frightened rabbit - the winter of mixed drinks (fat cat)
05.03. two door cinema club - tourist history (kitsuné)
08.03. liars - sisterworld (mute)
liars - scissors
09.03. ted leo - the brutalist brick (matador)
ted leo - even heroes have to die
09.03. seabear - we built a fire (morr)
09..03. titus andronicus - the monitor (xl recordings)
09.03. aloha - home acres (polyvinyl)
09.03. the besnard lakes - the besnard lakes are the roaring night (jagjaguwar)
09.03. extra life - made flesh (loaf records)
09.03. alberta cross - broken side of time (ato records)
09.03. black rebel motorcycle club - beat the devil's tattoo (abstract dragon)
09.03. the morning benders - big echo (rough trade)
09.03. ortolan - time on a string (sounds familyre records)
ortolan - i'll see you there
16.03. drive-by truckers - the big to do (ato records)
23.03. she & him - volume two (merge)

april
06.04. harlem - hippies (matador)
harlem - friendly ghost
april: the kissaway trail - sleep mountain (bella union)
the kissaway trail - sdp

kommen, aber wann?

Samstag, Dezember 12, 2009

eingestreut (76): balmorhea

neue nachrichten von der western vinyl band balmorhea. am 23.02.2010 soll "constellations" erscheinen und wird dann den nachfolger zu "all is wild, all is silent" (2009) und "rivers arms" (2008) darstellen. wir hatten im juli über das bis zu siebenköpfige ensemble aus austin berichtet und vor allem die spannenden melodischen ausflüge gelobt. wird sich zukünftig wohl nicht ändern, das konzept. etwas einfacher vielleicht, etwas limitierter. der verzicht auf den affekt zugunsten der intimität. klingt besonders spannend, wenn man sich einige ältere stücke von der von den beiden songwritern rob lowe und michael muller geführten truppe anhört. auf solche müssen wir derzeit auch noch zurückgreifen, weil es aktuelles klangwerk noch nicht gibt. also, anhören, staunen und vergewissern, dass sich die ganze chose noch ein bißchen verteufelter anhören kann, wenn man in die reduktion taucht. "meditation", ohne in panik geraten zu müssen, früher oder später wegzunicken.
balmorhea - harm and boon (sample, from: "all is wild, all is silent")
balmorhea - remembrance (sample, from: "all is wild, all is silent")
balmorhea - the winter (sample, from "rivers arms")
balmorhea - lament (sample, from "rivers arms")

neue töne (710): the dimes

(photo: inger klekacz)

anfang november schrien sie es hinaus in die welt. the dimes feierten die ankunft ihrer neuen, aktuellen cd. "the king can drink the harbour dry" heißt das zweite full length dieser in 'klienicum'- kreisen durchaus bekannten und wertgeschätzten band. leider verliert sich die spur dorthin, wo bereits über sie berichtet wurde... aber das ist ein anderes thema.
the dimes haben sich vor allem einen namen gemacht, weil es ihnen gelang, neben einer ansprechenden musikalie auch inhalte zu transportieren. dabei setzen sie sich mit zeitgeschichte auseinander, konzeptionell, tiefschürfend und ansprechend aufbereitet. die geschichte hinter der aktuellen veröffentlichung findet sich hier. ein paar worte aber gleich noch, direkt der homepage der band entnommen: "A Union soldier who lay dying on the battlefield calls out to his lover, a young Miss Clara Barton - pioneer, nurse, and founder of The American Red Cross. A fireman paints a vivid impression of The Great Boston Fire of 1872, before it "swallowed him whole." Glowing four-part harmonies and an enchanting melody escort Mary Dyer to the gallows in 1660, retelling her tragic tale and saluting her courage and martyrdom. A brave abolitionist battles slavery with words, ink, and his printing press - taking shape as a radical newspaper known as “The Liberator.”
angemischt wird das ganze mit folkpop, der sich gern an den harmonien der sechziger rubbelt, alt. country mehr als streift und unbefangen simpel, aber immer allerliebst arrangiert, daherkommt. die portlander band hat sich zu guter letzt von der vierer besetzung, zumindest vorübergehend, auf ein septett hochgeschraubt, um neben cello auch pedal steel und weiteres interessantes gewerk mit an bord zu nehmen. dass sich das ausgezahlt hat, kann man auf dem album sicher spitzhören. (meinen dank an p. aus b., der mich an den release erinnert hat, vielleicht schreibt er mal bei gelegenheit, wie ihm das album gefällt.)
the dimesthe forgotten william dawes (demo)

Freitag, Dezember 11, 2009

neue töne (709): evening hymns

relativ frischer name in der szene und doch schon ordentlich mit gepäck unterwegs. die rede ist von jonas bonnetta alias evening hymns. unter diesem moniker treibt er sich gerade zigfach in der musikpresse herum und sorgt für etwas aufregung. ein hype ist sicher etwas anderes. ist sicher aber auch der jeweiligen musik geschuldet, wie hoch die wellen schlagen. der junge mann hat bereits eine erkleckliche biographie zustande gebracht. sie besteht zuvorderst aus den beiden selfreleases "farewell to harmony" aus 2006 und "let's all get happy together" aus 2007. mit der hilfe einiger mitglieder von ohbijou, aber auch von the d'urbervilles und anderen mehr gelang nun das aktuelle werk "spirit guides", welches darüber hinaus sogar ein label an sich binden konnte, out of this spark heißt es. live treten zu den bereits genannten auch noch kollegen von the wooden sky und the magic. tolle runde, die was bewegt. neben den herzen ihrer zuhörer wird dabei vor allem auf folkrock gesetzt. der darf gern den charakter von himmelsstürmern tragen und federn und abheben und tolle kreise am firmament ziehen. da steht keiner davor und holt die enteilten wieder zurück. hier könnt Ihr ein paar tracks hören und nachstehend bewegte bilder von der record release party sehen (beruhigend und erschreckend zugleich, dass es anderenorts genauso undiszipliniertes volk gibt). bindend für mich sind einige schicke ideen, die in vielen songs versteckt sind, das gefühl für bienenfleißige melodien, die honiglike kleben bleiben und die stimme bonnettas, die genau die waage hält zwischen kitzelnd angeraut und dem harmonischen anschlag eines nimmermüden songwriters.
evening hymns - cedars



Donnerstag, Dezember 10, 2009

glotzt nicht so romantisch (74): candy claws

das internet bietet ausreichend verrückte nachrichten und kuriositäten. bloggerkollegen sammeln solches tag für tag. es treibt blüten. ideen werden gefiltert, die es zu bejubeln gilt. eine solche finde ich nachstehende, an der ich mich, nach anfrage, sogleich beteiligte. candy claws, eine band aus fort collins, colorado, die es auf indiecater zu einer gewissen berühmtheit brachte, indem sie dort ihr wunderbares album "in the dream of the sea life" remastered veröffentlichte, machte sich dieser tage auf eine welttournee. aber es handelt sich dabei nicht um eine gewöhnliche konzertreise, sondern um eine virtuelle stippvisite rund um den globus. dabei besucht die band die unterschiedlichsten blogs auf dieser erde und hinterlässt einen musikalischen gruß. von colorado ging es über new york nach kanada und seit dem 07.12. befinden sich die candy claws in europa, zunächst in liverpool bei the devil has the best tuna, tags darauf in irland, gestern in norwegen bei eardrums und heute dürfen wir sie in deutschland begrüßen. dazu gibt es ein exklusives video inkl. einer individuellen grußbotschaft. bitte sehr:

Catamaran - Candy Claws Online World Tour - Day 14 from Candy Claws on Vimeo.

Hallo Deutschland! It has arrived, the day we visit on our blog tour for "In the Dream of the Sea Life." We hope to make it there in real life someday, it seems beautiful. The universe has smiled down upon you, for here is a brand new video to the "single" of the album, a song we call Catamaran. You will notice the huge glow behind the scenery. It is the sun in my window on a flight to Mexico, and the rest is Bucerias in all its seaside charm. What does it mean? No, instead: How does it feel? You can stream the entire album, read reviews, and pick up a copy (digital or physical) at Indiecater. Visit our blog to catch up on the tour and see a full list of dates and links. We just came from Eardrums Music in Norway. Tomorrow we're off to Song, by Toad in Scotland. Thanks for watching, see you soon!
candy claws - catamaran

Mittwoch, Dezember 09, 2009

ein (p)fund mp3 (235)

endet das jahr noch oder beginnt das nächste schon? ich hasse die übergänge. bereits anfang dezember werden die listen an besten alben, songs etc. gefertigt, und ich hocke noch da, um meine zu vervollständigen, hoffe auf den tonträger schlechthin und sinniere über platzierungen und andere ungerechtigkeiten. 2009 hat noch was vor mit uns, da bin ich sicher. listen kommen. aber erst zur rechten zeit.
neue single auf labrador, ohne widerhaken, versprochen, und frei!, drei weitere tracks (zum unten aufgeführten) vollenden das werk, für sechs euro:
sound of arrows - into the clouds
bin ich der letzte?, ha, wenn schon, ändert nichts an der tatsache, dass auch hier, im klienicum, die vorfreude groß ist (die begeisterung ob des appetizers allerdings nicht): auf das am 23.02. erscheindende neue album "the golden archipelago", auf matador:
shearwater - castaways
ebenfalls am 23.02. wird ihr neues album erwartet, es wird dann namentlich etwas kürzer ausfallen und doch ausreichend aussage transportieren: "work", auf merge:
shout out louds - walls
eine single collection steht bei ihnen an, kommt allerdings einen ticken früher, nämlich am 26.01. und hört auf "couple tracks", auch matador:
fucked up - neat parts
heißt vermutlich: "the magician’s private library" und soll ende februar auf xl recordings erscheinen:
holly miranda - forest green oh forest green
"casual victim pile: austin 2010" erscheint am 26.01. auf matador und enthält tracks unveröffentlichter natur von bands aus austin un denton, mehr als spannend, hier zwei beispiele:
follow that bird! - the ghosts that wake you
love collector - first 48
"die stadt muzikanten" nennt sich der neueste auswurf mark hamiltons aus alberta, es ist sein dritter longplayer und er wird über den ladentisch gehen, da das weihnachtsfest längst gelaufen ist: 12.01., boompa zeichnet verantwortlich:
woodpigeon - morningside (bbc live recording)
"the brutalist brick" heißt doch tatsächlich das neue album, veröffentlicht wird es im märz auf..., ja, auch auf matador, die sind fließig wie die bienchen, ick freu mir:
ted leo - even eroes have to die
haben europa wieder verlassen...:
megafaun - kaufman's ballad
zum thema lieblinge hier noch ein verweis, serious business records legt nach oder auf, "warm love and cool dreams forever" erscheint am 05.01.:
the octagon - cross tops
...und zudem kommen uns die beiden bengel noch mit einem live album, "live in new york" kommt, zumindest erst einmal digital, am 12.01., hype hype hype:
the two man gentlemen band - me, i get high in reefer

boy division
10.12. Hamburg - Nachtasyl

chris cacavas
29.01. Aachen - Musikbunker
30.01. Wesel - JZ Karo
01.02. Hamburg - Knust
02.02. Gera - Haus Der Pioniere
03.02. Parchim - Irish Pub
05.02. Singwitz - Kesselhaus Lager
07.02. Potsdam - Waschhaus
09.02. Halle - Objekt 5
10.02. Erfurt - Museumskeller
17.02. Karlsruhe - Jubez
18.02. Nürnberg - K4
19.02. Bad Frankenhausen - Panoramamuseum
20.02. Meidelstetten - Adler
21.02. Waldkraiburg - Haus Der Kultur


wer were promised jetpacks

18.01. Dortmund - FZW
19.01. Stuttgart - Schocken
20.01. Heidelberg - Karlstorbahnhof
21.01. CH-Zürich - Rockwoche
23.01. München - 59:1
27.01. Osnabrück - Glanz & Gloria

Dienstag, Dezember 08, 2009

eingestreut (75): the green kingdom

schüttere sounds, die wie wirrer flockenfall nieder gehen. ein lichterfluten. augenzwicken. in der folge: -kneifen. blenden und zwacken. den kopf eingezogen weiter gehen. unter den füssen krascht das gefrorene gras. die nebel dünsten. farblose welt. "twig and twine" heißt der neueste auswurf auf own records, dem unbeirrbarem label aus luxemburg, michael cottone der künstler hinter the green kingdom. zwischen akustischem ding-machen und elektronischen verwehungen. die flucht vor dem konkreten. das schemenhafte als abbild des undefinierten seins. körperloses. aber es ist nicht unfassbar, was der mann aus michigan fabriziert. im gegenteil. die wohlklänge steuern den hörer sicheren fusses durch die unbekannte landschaft. ein aufnehmen hier, ein ablegen dort. kein beteuern notwendig. im oeuvre des sounddesigners ließe sich graben. die suche erschwert, dass er viele labels bediente. hier nun: ein ausgangspunkt. na. los!
the green kingdom - river bends park

Montag, Dezember 07, 2009

zu gehör getragen (107)

mountain man - s/t ep (2009)
> drei stimmakrobatinnen erobern gipfel, ohne vergessen zu haben, kieselsteine fallen zu lassen, für den weg zurück, 3,5-4/5

wild beasts - two dancers (2009)
> verstockte euphorie in beklemmend engem korsett, den ausbruch gebannt erwartend ihr alter fan aus oberbayern, 3,5/5

simon joyner - out into the snow (2009)
> wie man sich einen platz erobert zwischen den dylans, cohens und youngs, ohne vorwürfe einholen zu müssen, dem einen oder anderen nachzustellen, 4/5

the moonband - songs we like to listen to while traveling through open space (2009)
> sind auf jeden fall auf dem richtigen weg, um die sterne vom folkhimmel zu fischen, aufrichtiges und freudiges erstwerk, 3,5/5

neue töne (708): the smiles and frowns

hübsches ding, das da das licht dieser musikwelt erblickt hat. etwas antiquierter anklang, dafür umso weicher und runder im abgang. the smiles and frowns sind adam mattson und christopher james, die vielfaches instrument bedienen, neben den obligaten gitarren schlagwerk, keyboard, synthies, tambourine usw. herauskommt dabei ein wiegenfestfolk, ein breitwandcinemascopesoul, ein nebelscheinwerferschauerpop, der diktiert wird von einer deutlich betonten gesangsspur. so sitzen dir die beiden musiker direkt gegenüber und flöten dir ins ohr. das erinnert an vieles und hat doch alleinstellungsmerkmal. da klingen simon & garfunkel an, the beatles angesichts von hochmelodiösität, oder gar seventies band im stile von tir na nog. doch dieser an den rändern abgerundete sound, das flächig produzierte, die stringenten arrangements und die frivolen spielerchen ("mätzchen" in anderen teilen des landes) lassen das werk zu etwas neuem, originärem verschmelzen. etwas süsslich und vordergründig verträumt hier, und doch romantisch und herzerwärmend dort. die 7" "mechanical songs" trat zuvorderst an, erhält nun aber rückendeckung durch das erste full length, das glanzlos auf "s/t" hört. erhältlich ist das teil über die webseite der beiden.
the smiles and frowns - the echoes of time
the smiles and frowns - mechanical songs
the smiles and frowns - sam

Sonntag, Dezember 06, 2009

neue töne (707): the moonband

die "funerals & duels" benannte ep aus dem jahresbruch, auf 200 stück limitiert, deutete schon an, wo die qualitäten dieser fünfköpfigen bayerischen kapelle liegen: im sentiment, in der tiefgeschürften dringlichkeit nach harmonie und konsonanz, in der ästhetik einer eigens kreierten welt, die weit über den tellerrand hinausblickt. nämlich in die unendlichen weiten, wo es raumanzüge braucht, in denen man schiffe besteigt, um welten zu erkunden, die noch keine menschenseele gesehen hat.
drei songs der ep haben es nun auch auf das erste full length der seit 2006 gemeinsam aufspielenden band geschafft. "songs we like to listen to while traveling through open space", so der programmatische titel, gibt die richtung vor. wenn wir uns nicht gut genug unterhalten wissen, besorgen wir es uns eben selbst. und so schießt die kleine rakete mit ihren fünf insassen (eugen mondbasis - gesang, gitarre, banjo, bouzouki, harp, chris houston - gesang, gitarre, slide, percussion, katrin bobek - gesang, mandoline, ukulele, banjo, glockenspiel, andy henningsen - kontrabass und elena tschaffon - percussion) in die ferne und hinterlässt uns, den daheimgebliebenen, wenigstens ihren reisesoundtrack.

zwar zog sich the moonband für die aufnahmen zum album nicht auf den im bandnamen geführten himmelsgiganten zurück, sondern lediglich in einen entlegenen winkel der böhmischen schweiz, aber weit genug weg war auch dieser ort. um in einklang dem nachzuspüren, was die band sonst mit viel (vor-) liebe live darbietet: enthusiastischen akustikfolk, dominiert von mehrstimmigem gesang, den die beiden käptn mondbasis und houston vorgeben, den die copilotin bobek abrundet, und der so eindringlich, aber akzentuiert und feinsinnig in ein freiatmiges und doch kalorienreiches soundbild eingesponnen ist. verantwortlich dafür der gründene bass, die sparsame, dienliche perkussion nebst weiterem vielfältigen handwerkszeug: von der unstrittigen mandoline über das drippelnde banjo und die flinke ukelele bis hin zum hellen glockenspiel. vor allem die munter genutzten saiten, neben den allgegenwärtigen gitarren punktuell ins feld geführt, fordern die aufmerksamkeit, geben der sanftmut einen widerhaken.
jedem song ist eine verfängliche melodie anheim und die arrangements sind sorgfältig aufbereitet. der gesang ist anhänglich, das timbre warm. die gemeinschaft trägt, das herzstück ist die auf touren gebrachte kollektive maschine. das spürt man. und so braucht man sich um die zukunft dieser band keine sorgen machen. wenngleich es eine schande ist, dass sie nach wie vor kein label im rücken hat. dafür gilt der dank rockville, die sie wenigstens insoweit unter die fittiche nahmen, dass das aktuelle album regulär verkauft werden kann (wer zugreifen mag, geht die herrschaften bitte direkt an).
the moonband - we don't care

Samstag, Dezember 05, 2009

eingestreut (74): john vanderslice

da hat sich john vanderslice höchstselbst hingesetzt und emails verschickt. macht offenbar sonst keiner für ihn. die nachricht, die es zu publizieren galt, ist, dass vier alben, die zum teil seit langem vergriffen sind, neu aufgelegt werden: in vinyl. es handelt sich um die longplayer "cellar door", "life and death of an american fourtracker", "time travel is lonely" und "pixel revolt". die einzelnen scheiben oder auch das vierer paket zum vorzugspreis gibt es ab 08.12. via afternoon records. inklusive ist jeweils ein mp3 download code. "pixel revolt" ("the kingdom") und "life and death..." ("kyoto pond") führen benannte songs als bonus mit. vielmehr kann ich Euch diese geschichte nicht schmackhaft machen. die musik ist eh gut. vielleicht also noch ein paar tracks zur besseren vorbereitung. fürs fest ist jedes einzelne album auf jeden fall eine gute idee!
john vanderslice - trance manual (2005, "pixel revol")
john vanderslice - pale horse (2004, "cellar door")
john vanderslice - nikki oh nikki (2002, "life and death...")
john vanderslice - time travel is lonely (2001, "time travel is lonely")

neue töne (706): meursault

meursault ist ein kleiner ort im burgund, berühmt für seinen wein. süffig ist auch die musik, die die band gleichen namens prägt. sie stammt allerdings aus edinburgh und hinterlässt weder kater, kopf- oder gliederschmerzen, erinnerungslücken und peinlichkeiten. im gegenteil bewegt man sich im geiste noch nach, auch wenn die letzten töne bereits verklungen sind. zur truppe gehören, und so können wir auch gleich einen blick auf das umfangreiche instrumentarium werfen: neil pennycook (voice/electronics/guitars/accordion/autoharp/ukulele/banjo), fraser calder (drums/guitars/electronics/cajon/voice), chris bryant (guitars/ukulele/banjo/electronics/voice), calum macleod (guitars/ukelele/banjo/voice), phillip quirie (electric guitars) und pete harvey (cello). besonders verdient um die band hat sich neben dem hauseigenen label bear scotland music auch song, by toad records gemacht, das die beiden auswürfe des schottischen sechsers, der immer mal wieder in unterschiedlicher mannschaftsstärke antritt, herausbrachte. als da wären: der "pissing on bonfires/kissing with tongues" longplayer, der im dezember des letzten jahres veröffentlicht wurde, und die "nothing broke" ep, die erste kürzlich erschien. mit der musik von meursault kann jeder etwas anfangen, der dem aktuellen folkvorgehen etwas abgewinnen kann: beschwingt, aber ernsthaft, hook geladen, aber nicht aufgeregt und anbiedernd, versonnen und hymnisch, aber mit polternder attitüde, mit dem glanz wurmstichiger gitarren und rottiger banjos. hinzu kommt als besonderheit die extravagante stimme pennycooks, der zugleich für das warmherzige, weltumspannende und freizügige songwriting verantwortlich zeichnet. in den früheren aufnahmen herrschen noch einige verwirrende electronica momente. die haben durchaus ihren reiz, durften aber immer mehr den folkloristischen elementen weichen. nicht ganz zu unrecht, wenngleich ein imac durchaus seine reize versprühen kann. lasst Euch also mit aufnehmen in den kreis der meursault verehrer.
meursault - nothing broke (from: "nothing broke" ep, 2009)
meursault - the furnace (from: "pissing on bonfires/kissing with tongues")
meursault - a few kind words (from: "pissing on bonfires/kissing with tongues")

Freitag, Dezember 04, 2009

konzert: horse feathers, 02.12.09

junger mann. nimmt befangen die gitarre aus dem koffer. schließt sie an, setzt sich strumpfsockert auf den ersten stuhl. die bühne. ein wenig rötlich licht. unvermittelt der beginn. traktiertes instrument. dumpf geschlagen das saitenwerk. aus wenig viel. macht sinn. harmonien entweichen dem kehlig brüchigen organ. autist, denke ich. bis er zu uns spricht. dass er nicht sprechen will. kann. nicht sein ding. genau. spiel weiter. rasantes werkeln. dem man gebannt folgt. der kann das. so jung. und schon so viel wut. so gebrannt. lost name. was noch? ein winden. abfangen will man. ihn. das gebranntsein. die energie. die manie. unter verschluss. abseits der beeindruckten. da wendet er sich später. lächelt. ich bezahle. und denke. wenn er das auch auf tonträger gebannt bekommen hat, nehme ich was richtig wertvolles mit nach hause. der zieht sich glatt nackt aus. und alle schauen zu. meine fresse.

nachdem der junge einheimische geendet hatte, dauerte es nicht sehr lange und die vier bandmitglieder von horse feathers bestiegen die bühne der asta kneipe zu rosenheim, die somit zu ungeahnter ehre kam. denn mit justin ringle zeigte sich in tiefster oberbayerischer provinz ein portlander großkaliber in sachen musik. um sich gescharrt hatte er, da er ohne die brodericks reist, nathan crockett, der die violine, immer wieder auch mal die säge bediente und beim backgroundgesang für ein volumiges standing sorgte, dazu catherine odell, die nicht nur optisch auflockerung schaffte, sondern vor allem dem cello warme, aber auch ihrem stimmorgan grazile töne entlockte, und sam cooper, den schütteren, der sich in erster linie des banjos bediente, aber auch diversen perkussionsgeräten auf die sprünge half und selten, dann aber mit viel gefühl die mandoline spielte. wie überhaupt alle vier feinsinnig aufeinander abgestimmt waren. ein tuning, wie es sonst wohl nur aufgemotzten karren zugute kommt. so wurde jeder neue song mit einer saitenakrobatik begonnen und auf die frage ringles, wie denn "enough" zu übersetzen sei, rief jemand: "bascht scho!". ein lacher. ein running gag.

humor spielt bei horse feathers konzerten sicher nur eine nebengeordnete rolle, spielt aber eine. dem frontmann reisst eine seite und er tritt ins abseits, um seine gitarre zu reparieren. während dessen brilliert seine truppe mit "falling in love" in einer bluegrass version. zauberhaft. mit verve und einem in elvis manier intonierenden sam cooper. doch alsbald kehrt der vierer zurück in diese kollektive entrücktheit, um im gemeinsamen kreisel ihrer musik zu frönen. einer betörenden musik, die sich nicht versteigen muss. denn sie ist lebendig, aber nicht krakelend lebhaft, sie ist gurrend herzlich, aber nicht herzhaft satt, sie ist segenreich und wärmend, aber nicht von schamhafter geste und weltfremdem blick. eine musik, die unter spannung steht, die niemals loslässt. richtig. die sich nicht gehen lässt. die nicht ohne den hörer davon fährt. es ist, als warte sie so lange, bis auch der letzte aufsteigt. und immer schwingt der beat mit, auch wenn es ganz still ist. und justin singt leise, ganz leise, noch leiser, nichts regt sich mehr und doch rhythmisiert es dir durch mark und bein. musik, die von den ungespielten noten zwischen den tönen genauso lebt wie vom fluten und abebben, von den stimmungswechseln, den übergängen aus dem gestrichenen ins gezupfte und wenn notwendig wieder zurück. und von justin ringle. dem mann mit fliehender stirn und fliehender stimme. so hell und klar wie die melodien, die sie produziert. und dann gurrt sie wieder, verdreht sich, nimmt von ganz unten anlauf, drängt herauf, zieht bögen. der mann dazu. singt mit leichter schiefhaltung. immer die gitarre bedrängt. die muss mit. gibt vor. den anderen dreien.

ca. sechzig zuhörer waren von der ersten minute an gebannt. kaum ein muckser. und selbst, wenn der letzte druck genommen war und justin nur zu flüstern schien, selbst dann hörte man vielleicht lediglich das quietschen der kneipentür, wenn sie in ihren angeln unsaft bewegt wurde. andächtige aufmerksamkeit, als "curs in the weeds" langsam fahrt aufnahm, freudiges staunen, als "albina" munter vorwärts zuckelte, ein glücklicher rufer bei den ersten tönen zu "heathen's kiss", strahlen zu "this is what" und ein verständiges mitnicken bei "finch on saturday". mir am liebsten waren die pure energie nach dem sanftmütigen anschleichen von "dustbowl" und der schmeichelnde reigen von "in our blood". allen songs gemein: sie gehörten zu einem der schönsten konzerte. dem zum abschluss folgendes gelang: ein gegenseitiges bestätigen von dankbarkeit. hier applaus, johlen, pfeifen, dort eine akustikzugabe, bei der die mikrofone auf der bühne zurückgelassen wurden, alles andere aber mitgenommen wurde. thanks.

horse feathers - curs in the weeds

Donnerstag, Dezember 03, 2009

simon joyner - out into the snow (2009)

aus der tiefe raspelt joyners streitbares organ. glasklar dagegen die begleitende gitarre, die ornamentierende slide, das dämpfende bläserensemble. karikierte stimmung längst vergessener zeiten. allein an der stimme des sängers scheitern eherne gesetze. dabei sind verwebungen sein metier, das haken schlagen, das treueversprechen für das ornament. er tritt einem ohne scheu gegenüber. der blick von unten ist lediglich dem umstand geschuldet, dass er sitzt.
alles ist offenbar so einfach, wenn man bei joyner zweimal hinschaut. seine discography ist mittlerweile so dick und nebulös wie die bibel. nur gründen sich auf ihr viel weniger verbrechen. im gegenteil kannst du sicher sein, eine heimat zu finden. dort, wo aus der schwärze eines gestauchten bronchialapparats bewegte noten zu klängen reifen, dargereicht an ausufernder narration. denn gewiss ist, eine geschichte kriegst du aufgebrummt, ob du willst oder nicht. denn darum schert sich ein simon joyner einen feuchten kehricht. genauso wie um schönklang. der verträgt sich nicht mit der attitüde des amerikanischen sentimentalisten. da darf das klimpernde klavier entgeistern, die slide versteuern, die violinen stacheln streuen und der sänger vom weg abkommen.
"out into the snow" ist ein album, das sich für den wiederholten einsatz anbietet. es ist weder zu blümerant, um billig aufzustossen, noch eckt und kantet es in willenloser manier an. es schreibt geschichten, malt sie nicht nur sprachlich aus, sondern bietet auch musikalisch nistplätze, weideflächen und ausgiebige wanderpfade. es ist zeitversetzt, beruft sich dabei aber nur auf weggefährten, vorbilder und referenzgrößen. kopisten beackern anderes gebiet, joyner tritt mit seinem zwölften album nur mehr in eigene fussstapfen. und berichtet diesmal von einem, der vor der vergangenheit vermeintlicher verfolgung flieht, nur um noch mehr in identitätsprobleme gestürzt zu werden, von liebenden, die die entfernung zwischen sich nur schwerlich überbrücken können. dabei erzählt der an cohen gemahnende die einfachen geschichten. die, die unser vertrauen bergen, an die wir uns anlehnen wollen, denen wir folgen können. so wie im titelstück, das die frage nach dem persönlichen engagement und risiko birgt. und neben der erzählerischen "gewalt" brilliert der von john peel goutierte auch durch bestechende finesse in seinen arrangements. bögen, aufwerfungen, einsatz von chören und die seitenstichen gleichen instrumentellen einkehren. die überlagerten ministrierenden und greinenden violinen im opener, das reduzierte von klavier und stimme in "the arsonist", das nach zwei dritteln in flötensoundgelee gelegt wird, um daraus gestärkt hervorzugehen, die glöckchen und das mehrstimmige anschwellen, sowie die kirren streicher in "ambulances", die feingliedrige zeichnung von "sunday morning song for sara", der fiebrige desertsound von "last evening on earth", die wackeren untersreichungen in "peace in my time", flirrend zuweilen. ich liebe auch das plinkerklavier und den zwiegesang in "out into the snow". schließlich verschafft sich joyner, vermeintlich beim absturz in einer honyk tonky bar selbst den rauswurf. na, vielen dank.
ein album nicht nur für eine gute dreiviertel stunde, da steckt wesentlich mehr drin. und joyner hat, nicht zum ersten mal, ein bewegliches ding geschaffen, dem man, ohne fünfer ins phrasenschwein, auf den grund kommen muss. denn die mechanik sitzt etwas tiefer.
simon joyner - out into the snow
simon joyner - roll on

Mittwoch, Dezember 02, 2009

glotzt nicht so romantisch (74): troy von balthazar

über das faszinierende engagement meines bloggerkollegen und -freundes aus paris oliver hatte ich bereits berichtet. wie er in sein pariser wohnstüberl immer wieder die tollsten acts eingeladen bekommt, ist der hammer, ein wunder, großartig! nun spielte am 21. november troy von balthazar bei ihm auf. neben simone white vermutlich der künstler, den ich mir am liebsten aus dieser sessionreihe selbst direkt vor ort angesehen hätte. zum glück lässt uns oliver immer wieder an den konzerten teilhaben, seine ausführlichen berichte finden sich hier. nur das segment video bedarf des ausbaus, dann kann sich die "oliver peel session" auch mit anderen formaten wie black cab session oder den pink couch session messen. zum glück kamen wir für dieses letzte konzert an eine kleine aufnahme heran, der dank geht hier hin, und kommen so in den genuss eines neuen songs des chokebore mitglieds. viel spaß! (bonus: sessionlinks zu: karo, leopold skin & mad man, the wind whistles & entertainment for the braindead, vera gogh & kacey johansing und simone white.

ein (p)fund mp3 (234)

"machines to make us wet" erscheint am 09. dezember und wurde stringent konstruiert von der jungen dame aus halifax:
jenocide - junglefk (i want it)
jenocide - 28 mansions
knuffiger sound, der da als appetizer fungiert, als single und damit zum einläuten des ende januar erscheinenden albums "dream get together":
citay - careful with that hat
auf saved by radio erschien am 01.12. das album "you should have killed when you had the chance" der torontiner mit dem etwas irreleitenden namen:
the parkas - the gang's all gone
die wiederholung muss man aushalten, schließlich findet die vorgängernotizen dazu kaum noch jemand: am 12.01. des kommenden jahres erscheint das siebte soloalbum, "july flame" getauft:
laura veirs - wide eyed, legless
die letzten 7" auf cloudberry in aller kürze, über die würze brauchen wir nicht streiten, die bringen die dort antretenden eh mit:
horowitz - how to look imploring
the parallelograms - dream on daisy
zudem gibt es auf dem selben verein eine aktuelle 3 inch cd-r classics zu vermelden, ein 5 track gerät mit powerpop in reinnatur:
the speedpuppies - the killing time
der track heißt so, wie er daherkommt, satt!, es handelt sich um die einstandssingle des albums "buddah electrostorm", robert schneider ist in dieser combo frontmann, ansonsten verdingt er sich ja bei apples in stereo und als mitbegründer des elephant 6 kollektivs, das album ist gerade auf garden gate records erschienen:
thee american revolution - power house
die dänen wollen nun auch in den staaten mit dabei sein, "sleep mountain" soll sie dabei unterstützen, es erscheint im april via bella union, wir sind schon mal am start:
the kissaway trail - sdp
synthpop und lichter elektro wird hier geboten, und ich widerum böte es Euch nicht an, wenn es nicht g'schmackig und gut geniessbar wäre, versprochen:
pretty girls and lasers - track 1
pretty girls and lasers - track 2
wer es noch nicht kennt: ein elliott smith cover:
taxi taxi - rose parade
und krönend für diese runde einen livetrack einer band, die mir persönlich in den vergangenen jahre viel freude, uns allen zwei alben bereitet hat:
deer tick - baltimore blues no. 1 (live)

Dienstag, Dezember 01, 2009

neue töne (705): ryland bouchard

über ryland bouchard hatte ich bereits berichtet. mehrmals. unter dem moniker the robot ate me stand er all jenen zur seite, die auf homerecording, d.i.y. und lofi standen und dabei nie die melodie aus den augen verloren. "cowbirds and cuckoos" erschien im november 2009 auf swim slowly records und markiert erneut einen abschnitt in der karriere des neu zum leben erwachten ryland bouchard, nachdem er im vergangenen jahr mit der "seeds" box, darin enthalten immerhin vier 7", mehrere cds, t-shirt, tasche und vieles mehr, seiner vergangenheit aufs erste abschwor. der sich über zwei langspielplatten erstreckende neue auswurf verheißt melancholische spielerei, dazu den sanftmut bouchards nicht ganz unschuldiger stimme nebst gewöhnlicher elektronik, verquickt mit altbekanntem instrumentarium aus der schublade (schau nach, du hast ähnliches daheim). da nur auf 500 kopien limitiert, heißt es, sich zu beeilen.
ryland bouchard - climb to the top
ryland bouchard - no blood is new
ryland bouchard - snowbird #2

Montag, November 30, 2009

on3 radio festival 2009, teil 2

insignien

alle studios waren von anfang an gut gefüllt. aber nie so brechend voll, dass man mit seinen nebenleuten auf gedeih und verderb kuscheln musste. gut so. transpirieren sollten schließlich die menschen auf der bühne. oder? nun, wenn royal bangs antreten, kommt auch der gemeine konzertbesucher nicht umhin, mit dem hinterteil zu wackeln. wenigstens.

aber dazu später mehr. zunächst ging es um den part singer/songwriter. mit chris garneau kam ein gast aus der brutstätte des musikbusiness schlechthin: brooklyn. eine kleine bude soll er dort haben und sich darin mit lampenschirmen aller art sowie tasteninstrumenten, möglichst antiker natur, umgeben. ein solch altes teil hatte er bei sich. ein geschoss von keyboard, dessen sound zwischen hammondorgel und holzstichigem klavier alternierte. und so einen trefflichen klang zu tage förderte, der chris zwang, seinen lieder das letzte hemd überzustreifen. denn es ging ums ganze. kein trompetchen, das verloren geglaubte noten einholt, kein geschlagen blech, das grenzen setzt, kein hall, der abfedert. lediglich eine cellistin hatte der überaus kleine mann bei sich. doch die setzte nur selten, dann aber dezent und gekonnt, ihren bogen an. hier ein refrain unterstützt, dort das spiegeln der regentropfen gezupft: "hands on the radio" war ein gänsehautmoment. die angeschlagenen tasten hinterliessen das glitzern wie es auf den fensterscheiben schimmert, wenn der regen fortzog, um den ersten sonnenstrahlen den platz zu räumen. ein paar wasserblasen noch, tropf - zupf, tropf - zupf, tropf - zupf. chris garneau erinnert sehr an den bayerischen unhelden kübelböck. die größe, die gestik, die mimik. manchmal auch die stimme, eine helle, lichte präsenz. aber seine lieder katapultieren ihn selbstredend in eine andere liga. innig, unumwunden liebeswund, herzensschwer. als trüge er hoffnungen zu grabe, jeden tag, wie einen job, den es zu erfüllen gilt. und so hockt er denn da, in schweren stiefeln, in ein altes t-shirt gewandet, strubbeliges schwarzes haar auf dem haupt, leicht verloren auf der großen bühne, abseits von theatralischem gewerk, wie es ihn zeitweise auf seinen tonträgern unterstützt. und er meistert die situation gleichsam introvertiert als auch gelassen. seine ersten schritte in deutschland sind wohlgesetzt. das publikum, zu großen teilen wegen ihm im studio erschienen, war aufmerksam und zollte der darbietung respekt und dank.
chris garneau - black & blue
chris garneau - dirty night clowns

mein persönlicher festivalabschluss, wir befinden uns bereits im morgengrauen des sonntags, wird von royal bangs gestaltet. die illustre truppe aus knoxville, gerade mit ihrem zweiten album "let it beep" in aller munde, bläst sofort die fanfaren. zwei e-gitarren, ein bass und das zu drangsalierende drumset bilden das rhythmusgeflecht. akzente werden nicht gesetzt, sondern geschlagen. die saiteninstrumente müssen dem sturmwind rudernder arme standhalten ebenso wie die felle der trommeln. der glanz: polythythmik, der man nicht sofort auf den grund kommt. wer sich bewegen will, muss sich erst einmal klarmachen, wonach. zudem giftet sich sänger sam stratton durch die fontanelle ins hirn und gräbt sich dort tief in die hintersten bereiche. sein hoch angesetztes, gällendes organ fetzt über allem hinweg. immer wieder freundlich durchschnitten von einer tragenden melodie, die eine der gitarren wie einen diamanten glänzend darbietet. ein wildes, wüstes theater. alle sind in bewegung. der basser unterstreicht sein manisches tun mit kniegymnastik, die gitarristen arbeiten beängstigend nah in verletzungsgefährdenden bereichen. das soundbild wird gestreckt: die elektronik, versinnbildlicht durch 'zwei synthies auf regal', poltert, klackert, sprotzelt und sennst. bedient durch sam, den tausendsassa, das kleine, nicht stoppende etwas. eine show! die songs haben die passenden namen: "war bells", "brainbow", "waking up weird".
ein grandioses ende. das konzept des festivals ist aufgegangen. die mischung war ausgewogen und bot neben den neuentdeckungen aus in-, um und ausland auch eine plattform, um alten bekannten zu begegnen. doch wir wissen (noch) nicht, wie der auftritt von kettcar gelaufen ist... dies und vieles andere gibt es nachzulesen auf der on3 page. dort auch ein sack voll mp3s, videos, interviews...

Sonntag, November 29, 2009

on3 radio festival 2009, teil 1

herzlichen dank vorab an einen ausgezeichneten veranstalter, der eine wohlfühlatmosphäre aufs parkett legte, wie man sie nur selten findet. ein rundumsorglospaket für besucher und, wie ich meine, auch für die musiker. information, catering, zu- und abgang, personal, alles prima. in so einem klima konnte auch das etwas abgewandelte konzept - hin zu mehr regionaler präsenz und weg von größeren internationalen acts - gelingen. ansonsten: alles wie immer. drei studios in den hallen des bayerischen rundfunks, die rund um die uhr mit konzerten glänzten. mit einem kleinen, handlichen festivalplaner ausgerüstet, konnte der werte zuhörer sein eigenes, ganz persönliches event kreieren.
the great bertholinis sollten mein einstieg sein, doch durch meinen rechtzeitigen antritt gelang vorab der besuch des kleinmeister konzertes. diese band stammt aus rosenheim, rekrutiert sich aus drei studenten und zwingt zur bewegung im auditorium mittels gitarre, bass und schlagzeug. simpler könnten die voraussetzungen nicht sein, doch was die oberbayern daraus machen, ist aller ehren wert. wildes drauflosgekloppe ist ihre sache nicht.

hier wird auf melodie gesetzt, die von simon mit in höhen angestifteter stimme energisch und mit schmackes vorgetragen wird. das rhythmuskonzept ist ständiger unruheherd und dennoch wetvoll unterstreichend. da hibbelt basser max, der bruder des sängers, über die bühne und entwedelt seinem gerät schwungvollen beat, wie ihn johannes, der schlagzeuger mit aller macht vorgibt. überhaupt, die schießbude: satter knall aus dem hintergrund. und die jungs, die zuletzt eine zehn wochen begleitung durch den bayerischen rundfunk erfahren haben, sind zudem nicht auf den mund gefallen. fallen auf durch kecke sprüche, ein gutes miteinander, wie es eben hier in bergnähe so üblich ist. höhepunkt des auf vierzig minuten begrenzten auftritts sicher "cynical girl", ein hookgeladener song, der dank flirrender gitarre, drippelnden basses und des - eh klar - satten drumeinsatzes sowie einer flotten melodie sofort ins ohr geht. setlist: end of november / jesse / common tuesday / you are worse / nosfalgia /cynical girl / love
kleinmeister - common tuesday

nach diesem fetzigen aufgalopp sollte es noch etwas aufgeregter werden. the great bertholinis standen auf dem programm. eine achtköpfige truppe aus franken, die sich einem kruden mix aus marschmusik, polka, balkanbeat und blaugras verschrieben hat. wusste man ja vorher. aber ob sie das auch gekonnt auf die bühne bringen würden, stand im raum. und ob sie es konnten. ohne zu zögern bretterten die jungs los, die e-gitarre des ungarisch anmahnenden zweitsängers oszkar schnitt umgehend schmackhafte brocken vom hausgebackenen brot aus bläsersätzen, die weder übertönten noch übertünchten, einem wieselflinken schlagwerk, das sich fein ziseliert unter die vielschichtige darbietung schob, der akustischen, dem banjo, je nach belieben und dem wirklich feinen organ von todor, der zuweilen mehr deklamierte denn sang. kein wirklicher entertainer, aber ein frontmann, der sich seiner rolle bewusst war. so trieb er seine mannen mit ausholender gestik immer wieder voran und stürmte, wenn es not tat, auch mit gewaltigem "marching on, marching on" voran.

dass er sich hin und wieder den gesangspart mit seinem kollegen oszkar teilte, war nur gut, wenn sie im duo ihre stimmen verschmelzen liessen. oszkars stimme allein wies doch recht deutlich auf die magere statur des schnauzbärtigen gitarristen hin und damit auf mangelnde resonanz. etwas dünn. "time machine" ein vorzüglicher stomp, "whispering fools" ein stimmiger schmeichler und "the waltz and the failure" ein aufgeräumtes und zugleich großspuriges brasstheater. die jungs haben eine menge zu bieten und wer sie erwischt, geht hin. setlist: intro / the day i leave / the waltz and the failure / don't hurt / someday someone / i'll be fine / time machine / guest conductor / run to hide / whispering fools
the great bertholinis - the waltz and the failure

die truppe mit dem besonderen humor trat nachfolgend an den bühnenrand, my little pony aus norwegen. liebe deutsche ansage, honigsüsse popsongs im anschluss. im gepäck das 08er album "think to much". und zwischendrin den einen oder anderen griffigen text. das ganze abgehalten irgendwo zwischen twee, jingle jangle (ohne jingle jangle) und den waglosen melodien von the lucksmiths oder billie the vision and the dancers. das haute hin und versetzte umgehend das publikum in grinsehaltung. ok, nicht sofort. es brauchte ein paar minuten des warmwerdens. aber spätestens als der "macgyver blues" eintrippelte. die melodie so grazil, die mundharmonika wenig fordernd unterstreichend, das zusammenspiel gekonnt und warmherzig. in ergänzung weiblicher und männlicher gesang, zart umschmeichelnd, harmonie in reinform, wenn da nicht die luftigen stellen zwischen den textzeilen wären. weniger vorsichtig setzte sich einer der nachfolgenden songs mit einer aktuellen thematik auseinander. "do you really love me or am i just in your network?", gesungen von nina in solo, brachte spätestens auch die männlichen besucher in stellung, angesichts von anmut und stimmlicher reinheit. dazu der sämige harmonieschmelz. herrlich. ola übernahm wieder das mikro und es ging fort mit "i don't know" und dem augenzwinkernden "a song for you (on your 40th birthday)", den sich die jungspunde vermutlich noch gar nicht vorstellen können. als schließlich noch streicher und ein paar bläser die bühne enterten war es auch um die contenance von frontmann ola geschehen. gemeinsam mit gitarrist simen versuchte er sich im dauergrinsen angesichts der kraftvollen unterstützung aus dem hintergrund.

schön zu sehen, wie beeindruckt und erfreut die truppe war. das ende des elf songs umfassenden sets (die setlist war schlecht gepinsel, meine gott!), bildete der aktuelle song "capitol of norway". zuvor noch "skipping down the stree", der opener des albums, "west wing", "fragments" (?), "dead" (?), "grass"(?).
my little pony - macgyver blues
my little pony - do you really love me or am i just in your network?
teil 2 folgt mit berichten zu chris garneau und royal bangs.
alle tracks live vom on3 radio festival, via on3radio.de

Donnerstag, November 26, 2009

eingestreut (73): james and the express

herzöffner. türen, die weit aufschwingen. james & the express aus olympia sorgen dafür. feinster pop, der sich aus seligen melodien speist und dabei so sorglos und unprätentiös wie möglich präsentiert wird. keine vorgabe, aber klare umsetzung. für den release zeichnet mal wieder series two records verantwortlich. und ich kann chris vom label gut verstehen, dass er sich diese rumpelige gewandtheit ins boot geholt hat. neben james mackison (vocals, guitar, bass, keyboards, other stuff) vertreibt sich vor allem mike levesque an den drums die zeit bei james and the express. zusätzlich hält dem du billy slappy die stange, sein part wird mit "taffy puller" überschrieben. und humor ist das letzte, was man den jungs absprechen wollte. freut Euch also auf handclaps, dengeling gitarren und das harte klopfen alteingesessener trommeln. "are your tomatoes safe?" heißt der aktuelle, seit herbst erhältliche output und enthält neben den unten stehenden drei tracks neun weitere muntere kompositionen.
james & the express - in my sights
james & the express - kiss 123
james & the express - built for two

Mittwoch, November 25, 2009

neue töne (704): laura veirs

ich weiß zwar nicht, wie er darauf kommt (oder hat er, ja natürlich, er hat es tatsächlich schon gehört?!), jedoch behauptet kein geringerer als colin meloy, dass es sich bei "july flame" um das beste album des jahres 2010 handeln wird. seine hellseherischen fähigkeiten mal außen vor gelassen, bleibt bis zum 12. januar ja noch eine ecke zeit, um dem portlander überhaupt zu folgen. dann wird das siebte soloalbum von laura veirs erscheinen. auf raven marching band records natürlich, dem hauseigenen label. die geschichte zum album bzw. titeltrack geht so: "On a day in late July 2008, when the sun was hot enough to melt the skin, Veirs and a friend stumbled upon a booth at the Portland, Ore. farmer’s market selling July Flame peaches. Veirs so liked the name that she suggested she and her friend each write a song with that title. They bought a bunch of peaches and canned them in their bathing suits on the hottest day that summer." laura selbst sagt: “I’d been in a songwriting slump at that time and writing that song pushed me over my plateau and into a new place where I was surprising myself again. I invented oddball tunings so I was really using my ear to search out new-sounding melodies and patterns. I wrote this album from a searching, soulful place. I hope it elicits a real gut feeling.”
jim james (my morning jacket), karl blau und steve moore, eyvind kang, stephen barber und tucker martine sind an bord zwecks unterstützung bei spiel, komposition bzw. produktion.
ich durfte in "july flame" ebenfalls hineinlauschen und bin ebenfalls schwer angetan. das album hat etwas luftiges, leichthin beschwingtes, ohne den glockenrock entstauben zu müssen. da ist die flinke gitarre lauras, einige choräle, die nicht unangenehm an die fleet foxes erinnern. auf den aktuellen promofotos erscheint laura veirs ohne brille. vielleicht ist dieser umstand sinnbild für zurückgewonnenes. für leichtigkeit, für das entsagen von bedenken und animositäten. gerade letzteres ist natürlich blödsinn, denn wenn jemand je auf affektiertes getue verzichtet hat, dann laura.
laura veirs - wide eyed, legless (2009)
laura veirs - i can see your tracks (live)
laura veirs - wildwood flower (von: "two beers veirs ep")
laura veirs - green cowgirl (vom selbstbetitelten, selbstveröffentlichten und ausverkauften debut)
laura veirs - jailhouse fire (von: "the triumphs and travials of orphan mae")
laura veirs - bedroom eyes (von: "troubled by the fire")

29.01.10 Paris at Café de la Danse
02.02.10 Köln at Studio 672
03.02.10 Muenster at Gleis 22
05.02.10 Berlin at Lido
06.02.10 Hamburg at Uebel & Gefaehrlich
http://www.wikio.de