Samstag, Mai 18, 2019

hicks!: the vernes


nicht wenige bands, die sich hinter genrebezeichnungen verstecken wollen. nicht so the vernes, sie bieten lediglich eine von vielen möglichen spielarten auf, wenn sie auf ihrer homepage "garage pop" verzeichnen. eine gewisse rotzigkeit lässt sich an mancher stelle finden, etwas distortion vielleicht auch, aber der rest  ist dann doch eher ganz einfach pop als irgendeine art von haudrauf. der vierer aus philadelphia hat zudem zuletzt etwas für verwirrung gesorgt, als das neue mini- album auf bandcamp angekündigt ward, um dann doch wieder zurückgezogen zu werden. mit dem 17. mai trat aber ordnung ins veröffentlichungsreich und damit nun auch klarheit in unser aller kleines fanleben: "yr of the rat" ist da. und es ist phantastisch, weil es diese kleine perlen aufbietet, die man sich so gern auf ein band zieht, um es schließlich um den hals zu tragen, so bunt und doch so hervorragend zueinander passend. es kleidet uns so sehr!
zarte melodien, die mit einem juvenilen touch vorgetragen werden, dazu eine hin- und herschwingende gitarre, die nicht ungern zart gezupft wird, das drumming ist zögernd, im richtigen moment aber von feuer getauft. reinhören ist hier pflicht für alle, die früher so auf catbird records zeug standen. zuvor gab es frühe aufnahmen und ein debütalbum. also los, entdecken!

Samstag, Mai 11, 2019

hicks!: monnone alone


großartiges zweites album von monnone alone, das mit "summer of the mosquito" einem mehr als formidablen ...ähm... "sommer"- hit an den start bringt. niemandem wird es hier langweilig, klar, ne ecke pop, nicht umsonst hat man sich einen the lucksmiths heroen an bordn geholt, aber nie zu süffig, da stehen eine menge gitarren und holzklopfen dagegen, so dass es vielfach einfach nur schön bratzt. dazu etwas space und surf und schon hat man feinstes australia, wie wir das heute mal taufen wollen, was der vierer da vorgestern veröffentlicht hat. natürlich auf the lost and lonesome recording co.

Montag, Mai 06, 2019

hicks!: lucy roleff


im juli 2016 war es, da schrieben wir u.a. folgende sätze:
der erste eindruck ist mächtig. die tiefe, die unerbittlichkeit des gefühligen fortschreitens. die leichtigkeit, mit der lucy roleff durch ihre lieder streift. das stabile gerüst der kompositionen ist nur bloße grundlage für ihren engelsgleichen, für ihren ätherischen gesang. der kommt nicht von ungefähr, stammt doch die junge australierin von einem deutschen opernsänger und einer maltesischen mutter ab. da wurde ihr eine menge in die wiege gelegt, nicht zuletzt die liebe zu klassischer musik. aber eben auch zum folk und zu einer bestimmten art des erzählens. ihre narrative variante erinnert stark an joni mitchell, sucht vergleiche im gesang mit sandy denny oder linda perhacs. dazu das fragile gerüst der arrangements, das luzide moment in den übergängen. fast etwas joanna newsom haftes.
der neue release "left open in a room" klingt auf den ersten eindruck nicht weniger verheißungsvoll. zwei erste singles wurden für die mitte mai- veröffentlichung preisgegeben. neben the lost and lonesome recordings co. zeichnet auch oscarson aus deutschland (vinyl) für den release verantwortlich.

Sonntag, Mai 05, 2019

konzert: the furrow collective, 27.04.19


dem lang gehegten wunsch endlich folgend, fanden wir uns am abend des 27. april in hackney, einem nördlichen stadtteil londons, rechtzeitig im dem cafe oto nahen diner ein, um pünktlich einem konzert in der sagen umwobenen spielstätte des musikalischen undergrounds beiwohnen zu können. der empfang schließlich, wir hatten uns ausreichend gestärkt, war herzlich, ein älteres paar strich uns akkurat von der liste und ließ die vermutung zu, dass beide für das wohl und wehe dieses ortes verantwortlich zeichneten. der raum war bereits gut gefüllt, die meisten stühle besetzt, angekündigt war beim ticketkauf eh, dass man rechtzeitig kommen sollte, ansonsten müsste man stehen. dieses schicksal blieb uns erspart, neben einem älteren herrn nahmen wir etwas abseits, jedoch mit bestem blick auf das geschehen platz.

alasdair robert, vielleicht der prominenteste im the furrow collective, kam erst nach uns ins cafe und ward schnell in gespräche eingebunden, die ihn davon abhielten, auf die bühne zu treten, um beispielsweise einer emily portman beim soundcheck hilfe zu leisten. die emsige musikerin sah man stets quirlig die reihen rauf und runter eilen, zugeständnisse ihrer kolleginnen entgegen nehmend, um alsbald wieder auf der bühne dies und jenes zu richten. eine sehr entspannte atmosphäre umgab überhaupt die gesamte örtlichkeit und seine insassen. das publikum schien vor allem aus älteren semestern zu bestehen, die meisten mit einer wesenheit des folkweisen ausgestattet. das paulaner schmeckte wie daheim und so konnte man in aller gelassenheit dem kommenden entgegen sehen.


und das war überzeugend, letztlich den erwartungen entsprechend. die vier zögerten nicht mehr lange und gaben uns ihre erstaunlich konzentrierten pretiosen preis. vor allem der kollektive esprit begeisterte, wenngleich jedem einzelnen die ehre zu erweisen wäre. von links die wunderbare emily portman, die mit banjo und concertina für belebte akzente sorgte, die aber mit einem gesangsorgan gesegnet ist, das sich absetzt, weil es unaufgeregt, aber rein und klar jedem lied den stempel aufdrückt. daneben aufgestellt der erstaunlich zurückhaltende alasdair roberts, der mit akustischer, aber längstens mit einer e-gitarre bewährt durch den abend begleitete, waren doch die damen im bunde die dominierende partei. doch die rolle stand dem schotten sehr gut, brachte er sich pointiert und zielsicher ins gebinde ein. schließlich folgte lucy farrell, der man in dieser runde eine art hauptrolle zusprechen musste, führte sich doch häufig das wort, um launige zwischenakkorde zu setzen. leider war lucy an diesem abend etwas indisponiert und ihr gesang scheuerte immer wieder unter dem zu treffenden ton. in abrede konnte man aber weder ihr einsatz mit der viola, noch an der singenden säge gestellt werden. mit rachel newton hatte sie zudem einen sidepart, der jederzeit in die bresche springen konnte. die harfe newtons betonte die zartheit manchen liedes und unterstrich die gewandtheit des ensembles. ganz zu schweigen von ihren gesangseinlagen, engeln gleich.


es war ein inniges verschmelzen all der kleinen puzzleteile, die die vier einzubringen in der lage waren. die traditionellen und auch die songs neueren datums bildeten eine faszinierende einheit greifbarer lebendiger kultur. man wiegte sich bei "many's the night's rest", hielt den atem bei "my son david" an und sang schließlich bei "hind horn" kräftig mit. ein einverständnis lag unausgesprochen in der luft und hielt noch an, als die zugabe längst verklungen war. wem die vier in die stadt ziehen sollten, der muss die gelegenheit nutzen. selten wird sich perfekte gesangsharmonie so sehr mit gelassenheit und freude gepaart erleben lassen. danke nach london!

Dienstag, April 23, 2019

hicks!: jo schornikow


im september 2012 stand hier:
es ist nicht so einfach, an fakten über jo schornikow zu gelangen. zum beispiel nur eine booking agentur gibt etwas mehr über die singer/songwriterin, die mulitinstrumentalistin preis. ihre eigenen webseiten strotzen vor nichtinformation. wenn ich nicht bereits eine affinität für the shivers hegte, die kollaboration von joanne mit keith zarriello, wüsste ich zunächst auch nicht, wohin mit der jungen dame. deshalb hier nur ein paar details. was sich zunächst nach einer stinknormalen karriere im rock 'n' roll business anhört, hat seine anfänge in strömen, die nur selten von jenen befahren werden, die sich auf den bühnen wiederfinden, die nun auch schornikow bespielt. denn sie begann zunächst als jazzpianistin, gewann etliche preise und brachte ein studium zu ende. der new yorker pianist fred hersch nahm sich darüber hinaus ihrer an. ein nicht unwesentlicher aspekt, denn während dieser zusammenarbeit traf sie auf eben jenen keith zarriello, dessen songwriting sie nachdrücklich inspirierte. und so zog sie, die in melbourne aufgewachsene, nach new york, um mit ihm the shivers zu gründen. das war in 2008. ihre vielfachen tätigkeiten für befreundete kollegen, etwa kelli scarr (moby), jack howard (hunters & collectors) oder die arbeit für elvis costellos "discovered" oder mit peter & the wolf, hinderte sie nicht an soloarbeiten. daneben ist sie auch weiterhin als klavierlehrerin, als organistin in einer kirche und als jazzpianistin tätig.doch noch einmal zurück zum solowerk, um das es hier ja vorwiegend gehen soll. abseits all ihrer vielzähligen tätigkeiten gelang schornikow mit "first time, long time" ihr debut, welches im märz diesen jahres erschien. es wurde in kirchen und schlafzimmer rund um melbourne und new york aufgenommen. 12 tracks, die aus dem off heraus zu strömen scheinen, mit einer eindringlichkeit und distanzlosigkeit, dass man zunächst gewillt ist zurück zu ziehen. doch die offenheit, die ehrlichkeit, die rechtschaffenheit schornikows sind unausweichlicher gruß, offenbarung, einladung. mit einer attitüde tritt die junge frau auf, dass man meint, einer heroin gegenüber zu stehen, einer altgedienten. dabei zeigt sie ein jugendliches antlitz, das gern einmal falten schlägt. auf fotos neigt sie die dazu, den kopf zu senken. in dieser pose scheint sie auch ihre lieder zu singen. mit "what could have been" legte joanne im juni einen 5tracker nach, der nicht weniger anregend ist. die hohe qualitative dichte ihres materials ist bezeichnend.
 mit "secret weapon" ist nun ein neues album erschienen. an der intensität der musik hat sich nichts geändert. in der zwischenzeit hat sie zwei kinder bekommen (matthew houck (phosphorescent) ist der vater). irgendwo liegt die wahrheit.

Samstag, April 20, 2019

zu gehör getragen (211)

aldous harding - designer (2019)
> den faden zu den vorgängeralben aufnehmend, nicht weniger reduziert, aber doch deutlich gefälliger und berechenbarer, potential zu einer echten großen songwriterin hat die neuseeländerin aber allemal, 3-3,5/5

heather woods broderick - invitations (2019)
> die suche nach antworten gerät zu einem ausflug in dekoratives, natürlich nicht ohne hie und da sphärisch-schöne momente zu hinterlassen, in der gesamtheit bei allem synthpomp aber zu schlicht, 2,5/5

chris forsyth - all time present (2019)
> ein am ende den unterschiedlichsten genres zugeneigtes gitarrenrockalbum, das sich in größter gelassenheit dem ausufernden hingibt, ohne uninspiriert zu sein oder dem langmut zu frönen, 3,5-4/5

strand of oaks - eraserland (2019)
> erstaunlich dichte , intensive und persönliche platte, die showalter mit hilfe einiger prominenter unterstützer (my morning jacket, jason isbell...) ablieferte, live eingespielt bei toller produktion, 3,5-4/5

Montag, April 15, 2019

hicks!: jeanines

slumberland records mit einem ganz feinen release im juni, brooklyns duo jeanines mit seinem debütalbum:

Sonntag, April 14, 2019

hicks!: joanna sternberg


man kann nur hoffen, dass sich alle von der rsd-euphorie erholt haben. der unsägliche kommerzquark ist jährlich ein ärgernis. dafür:
noch ein junges ding, aber mit einem tiefen anstrich. joanna sternberg aus new york wird im juli ihr album "then i try some more" auf team love record herausbringen.

Samstag, April 13, 2019

hicks!: living hour


bei manchem reicht es zum album des tages. aber "softer faces" kann mehr. es genügt höheren ansprüchen. im dreampop zuhause ist es unverfänglich und anziehend zugleich. es überzieht den alltag mit einem grauschleier, der von allen seiten illuminiert ein zauberhaftes plaid ergibt, unter dem es sich heimelig einrichten lässt. das album ist im frühen frühjahr erschienen und ward gestaltet von sam sarty (lead vocals, casiotone keyboard, trombone), adam soloway (electric guitar, backing vocals, omnichord), gil carroll (electric guitar, acoustic guitar) und alex chochinov (drums, trumpet). unterstützt wurde die truppe aus wimmipeg vom produzenten kurt feldman (the pains of being pure at heart, chairlift, no joy). spaeti palace hat den kanine records release mit einer kassetten veröffentlichung unterstützt: living hour.
ach ja, boykott rsd!

Sonntag, April 07, 2019

hicks!: micro pop week 2019


wir haben in den vergangenen jahren mehrfach über die micro pop week in düsseldorf geschrieben, nicht zuletzt weil wir auch gern zugegen waren. leider klappt es auch heuer nicht, dieser wunderbaren, über eine woche anwährenden offenbarung der hiesigen, aber auch darüber hinaus lebendigen d.i.y.-szene beizuwohnen. deshalb fühlt Ihr Euch umso mehr dazu aufgerufen, der einen oder anderen veranstaltung zu mehr glanz zu verhelfen. in den verschiedensten lokationen trefft Ihr auf die unterschiedlichsten künstler und kunstformen. ich habe mir beispielgebend ein paar herausgesucht:
am 08.04. spielen interbellum (lib) und die spaghetti wings aus hamburg in der birkenstr. 71,
als konkurrenzveranstaltung zur selben zeit, am selben tag nur eben im fft kann man sich laura gibson antun, holla,
am 10.04. spielen nathan shubert (can) und simeon walker (uk) in der tonfabrik, herausragend auch:
am 13.04. die zusammenstellung des abschlusskonzerts: the fire harvest (nl), thot (bel) und watt!.

obendrauf gibt es einen bastelworkshop oder einen filmeabend, vieles andere mehr, die übersicht gibt es her:


Samstag, April 06, 2019

hicks!: julia shapiro

da hörst du schon am ersten gitarrenstreifen aus welcher werkstatt diese nummer kommt: "natural" ist die erste single aus dem solodebüt von julia shapiro, "perfect vision" wird am 14. juni auf hardly art erscheinen :

Montag, April 01, 2019

konzert: good cop / wirtschaftskammer, 29.03.19

natürlich stand auch alles unter dem eindruck dieser neu entdeckten stadt. dieser so erstaunlich sauberen stadt. als ginge ihr unter der reinheit der charakter verloren. wäre da nicht die monstrosität, die größe, die macht und die erhabenheit, die längst alles deckten. habe ich in wien ein viertel gesehen, dass mich nicht beeindruckt hätte? vielleicht am prater. diesem volkstümlichen geviert, da man zwischen etlichen geisterbahnen und diversen fahrgeschäften flohmarkt abhalten, der wiener sportgemeinschaft frönen und zugleich dem stimmengewirr etlicher nationen folgen kann. alles geerdet, alles ohne übertriebenheit, irgendwie echt. ähnlich wie dem venster 99. einer kleiner lokation unter der bahn, wie sie ähnlich auch an der schönhauser allee in berlin zu finden sein könnte. eher dem punk zugeneigt, die aufspielenden kapellen würden wir wohl im münchner kafe kult antreffen, wenn sie denn richtung westen weiterreisten, an diesem abend wurden good cop und wirtschaftskammer erwartet. letztere um ihre debütalbumveröffentlichung zu lobpreisen.

der dreier von good cop schob ordentlich an, mit der rechten prise rotz und verwegenheit hieb man auf sein publikum ein. des sängers stimme entglitt mitunter ins falsett, etwa als er "o.b.c.t." intonierte, aber der handfesten vorstellung tat dies keinen abbruch. zudem gab es von bass und schlagwerk stets unterstützung, auch in sachen gesang. die musik der wiener band lässt sich wohl am ehesten im punkrock verorten, wenngleich auch immer mal wieder etwas new wave haltiges durchzulugen schien. guter auftakt, highlight "ex files" mit schönen weiblichen vocals.



manch einer schaute sich verdutzt um, da war die dreiköpfige kapelle namens wirtschaftskammer bereits kräftig am tun, als sänger clemens denk sich dazu gesellte, um dann doch eher abseitig zu agieren. dass er sich gänzlich dem auditorium zuwandte, war eher selten. und was er sang, war stets die halbe wahrheit, und wie er es tat, mehr ein sprechsingen, denn ein auf die note gtrimmter wohlklang. kein ort prädestinierter. und vielleicht sang er dann doch nicht nur in die ohren solcher, die eh schon auf linie sind. vielleicht waren an jenem abend auch menschen anwesend, denen man etwas beibringen konnte, die noch nicht jenseits von gut und böse agieren, in einer welt aus smartphonie und kaufbetäubung. 

doch der ungelenke kerl da vorne ist wahrlich kein agitator, aber seine statements wirken nach, subcutanes gut, das sich in die seele frisst. wer sich einmal gefangen hatte, konnte sicher dem launigen auftritt der frisch zusammengeschusterten truppe einiges abgewinnen. die batterie schoss gewaltig, fast aggressiv, dem bass konnte man zigfach feine lines abringen, die dennoch eine wucht besaßen, ganz zu schweigen vom klugen gitarrespiel der jungen dame im bunde. und dann eben clemens denk. "kaufkraft" geht ihm flink von den lippen, man spürt förmlich, wie er sich im text zuhause fühlt, und wie sehr ihn die darbietung anstrengt. zwischen den liedern verzieht er sich in den hintergrund. der hintergründige. 

"rechnung" ist statement und ein kapitaler brocken auch auf dem gerade erst auf cut surface erschienen selbstbetitelten album. das meiste ging ihm wohl leicht von der hand, konzipiert und vorausberechnet war da eher nix. und für den fremden hat das österreichische idiom sowie noch einen mehrwert. "elba", ja. ganz pragmatisch ist's , wenn er ans mikro muss, die einsätze passen und du spürst, dass sich die texte nicht ins musikalische drängen, das gehört zusammen, als hätte vor sich hin gemurmeltes eine melodie bekommen, wie ein spatz auf dem ast einen sonnenstahl ab, der sich durchs dichte geäst einen weg zu ihm bahnte.

für die welt ist herr denk ein fremder, und andersherum vermutlich auch. ich fühle mich dem nahe, was er zu sagen hat. und mir langt das angedeutete und die halbheiten. dahinter ist, was du selbst einfangen musst. wie auch sonst im leben.

am 15. april spielen wirtschaftskammer in hamburg. geht da hin!

Samstag, März 23, 2019

new rhythm (5): wirtschaftskammer


ende märz erscheint auf cut surface ein neues album, das unter "wirtschaftskammer" firmiert. die musikalienmeister haben sich zur vereinfachung den gleichen namen gegeben. oder umgekehrt. kompliziert ist es allemal. oder nicht. googelt man dem kompositum hinterher, kann es durchaus lustig werden, etwa wenn man auf den kirren werbespot der österreichischen wirtschaftskammer trifft, die den 12-stunden-arbeitstag ganz famos verkaufen will. einen shitstorm gab es trotzdem. meistens aber wirds ernst. denn schließlich wollen die interessen der gewerblichen wirtschaftstreibenden vertreten werden. romantisch ist anders. dies wäre aber sicher auch nicht der zusammenfassende terminus für die auf lp gepresste unternehmung der wiener band um clemens denk.

die nämlich setzt auf kapitale kritik. am system, an den simplizitäten der momente, in denen wir zum konsumieren motiviert werden, in welchen wir konsumieren resp. in denen wir dem ursprungszustand nachtrauern, weit bevor wir zum willigen opfer wurden. dass das ganze nicht gradlinig ins ohr gehen soll, dürfte angesichts der besonderen mitarbeit des texters, sängers und nicht zuletzt obmanns clemens denk vorausgesetzt sein. der wiener künstler arbeitet mit versatz, mit andeutungen und täuschungen, mit schnitt und wiederholung und nutzt dabei fleißig den quirl in seinem kunst-punk, damit die krude suppe auch fein am köcheln bleibt. knabbern am "zementohr"? nicht wirklich lecker. geschweige denn, wenn du die "rechnung" präsentiert bekommst. unsere "kaufkraft" im lamento der werbung und gescheuert am getunten interesse. im verlauf der dreizehn titel kommt man selbst immer mehr in verruf. vielleicht ist das ja einer der hintersinne der wirtschaftskammer. der aufkommende spaß bleibt gerne mal im halse stecken.
kaufen ab 29.03. via cut surface. die releaseparty steigt am selben tag im wiener venster 99.

Samstag, März 16, 2019

hicks!: the ballet


auf fika recordings passen die burschen bestens, wenngleich ihr sound doch eher singulärer, unverkennbarer natur ist, etwas süßlich, catchy, eingängig und doch mit einem leichten schmerz, das new yorker queere duo aus greg und craig kommt endlich mit einem neuen album um die ecke, "matchy matchy" wird im mai erscheinen, einen ersten appetithappen gibt es bereits: the ballet:
(wir empfehlen die bandcamp-seite der band mit den vorgängeralben):

Dienstag, März 12, 2019

hicks!: evan thomas way


dunkler und einen ticken persönlicher seien die songs evan thomas ways gegenüber jenen, die er für parson red heads schrieb. nur dass "don't surprise me" nicht ganz in dieses horn bläst, ein warmer, freundlicher sound, der uns da melodiegelassen und fußwipp-animierend entgegenströmt. lässig lässt es sich zur wiederholungstasten greifen. "long distance" heißt das dazugehörige album, welches anfang mai auf lung records erscheinen wird.

Sonntag, März 10, 2019

new rhythm (4): the fire harvest


da sind sie wieder, diese ganz besonderen melodischen wendungen, emotionsgerändert, angestaucht durch eine fremde wesenheit. unergründlich, warum der zirkel stoppt. das karge organ, das markant über die saiten schleift, in sinniger koalition mit dem langsamen, sehr langsamen alt-country-gefährt. mit "open water" warten die holländer von the fire harvest mit neuem material nach dem 2016er debütalbum "singing, dancing, drinking" auf, wir berichteten: "der grind der klage ist hart und alt und fest. und wenn er abgetragen, findet sich darunter frisches, wundes gewebe. den finger drauf. wenn bouwer singt, fahren wir in unsere eigenen schnitte. wie er die harmonien trifft und sich einzelnen tönen widmet. wie er malträtiert und wie er schönheit abringt. wie er im instrumentellen gleichklang stolpert und sich wieder fängt."
satt die gezähmten ausstösse der elektrischen, gesittet das passagere innehalten, dominant die wenigen solofahrten, immer jedoch nah am thema, dieser konstruierten und doch so belebten weisheit.

der vierer besteht aus gerben houwer, gibson houwer, nicolai adolfs und jacco van elst. während die utrechter den erstling noch gemeinsam mit daniel romano aufnahmen, stand ihnen nun michael feuerstack zur seite. mit dem kanadier werden sie nun auch auf tour sein, die daten, wir verweisen u.a. auf die anstehende micro pop week in düsseldorf, aber auch weitere deutschlandtermine findet Ihr auf der webseite der band. erschienen ist "open water" anfang märz auf snowstar records / subroutine record.

Samstag, März 09, 2019

hicks!: c joynes and the furlong bray


mit "triennale" dürfen wir in diese erstaunliche kollaboration hineinhören, die ende mai in einem album namens "the borametz tree" kulminiert, beisammen sind neben c joynes und dem dead rat orchestra auch unterstützer wie cam deas oder nick jonah davis. lasst Euch erstaunen:

Mittwoch, März 06, 2019

new rhythm (3): the spaghetti wings


der nachbar führt den handstaubsauger präzise durch sein auto. auf und ab, zunächst lichte linien auf dem mattschwarzen, glanzlosen kofferraumsims hinterlassend. mit zunehmendem werkeln entsteht eine immer dichtere struktur, eine linienvermengung, eine grenzsprengung, aus ordnung wird chaos, das chaos zu einem augenschmeichler. weil sich das auge im wirrwarr der muster wohlig verliert. im auftauchen beginnt die suche nach einem neuen ort der kontemplation.

ende märz erscheint auf from lo-fi to disco! das neue album der hamburger the spaghetti wings. das duo aus karsten j. genz und daniel freieck transfomiert mit ihrem zweitling namens "cherry picker" erneut d.i.y.-spektakel in eine ausgefeilte, finessenreiche und tragfähige, dabei nie überladene und dennoch spannende produktion.

der etwas duselige beat, die verhuschten spacesounds, der bedeckte gesang und eine stets im mittelpunkt zirkulierende gitarre bilden das geviert, in dem sich längst noch mehr elemente zu tummeln wissen. dicht verschnittenes, homogen gefügtes, kontrolliert abweichendes.

der billige pop wird in seine schranken verwiesen, dem wütenden rock der garaus gemacht, gesetzt wird auf die karten kraut, psych und elektro, und ohne verlegenheit auf melodie. jener heiteren konstante, die aus diesen homerecordingsessions in die welt lacht. wenn man sie ernst nimmt. wenn sie in unverbrämter atmosphäre an die hand genommen wird.

wir erinnern uns des wohnzimmerkonzerts vor ca. drei jahren, da die beiden herren uns musizierten, auf eine art, die man vielleicht mit einem freundlich durch das kopfhaar wuscheln umschreiben könnte. es ist ein beleben, ein anstupsen, den man unbedingt folgen will. ein aha-moment, doch wieder aufs spielfeld zurückzukehren. dafür sagen wir danke.

Sonntag, März 03, 2019

hicks!: kevin morby


photo taken by barrett emke

das scheint vielfach besonders zu werden. mit "no halo" hören wir in den ersten ausschnitt des neuen albums "oh my god", welches ende april auf dead oceans erscheinen wird. kevin morby mit zauberhaften klängen:

Freitag, März 01, 2019

hicks!: she keeps bees


photo by anna groth-shive

"kinship" heißt der neuling, der am 10. mai via bb*island bzw. ba da bing veröffentlicht werden wird, die erste single lautet "coyote" und ist bereits mit bildern bemustert, mit altbewährten tugenden: she keeps bees:

Donnerstag, Februar 28, 2019

hicks!: foxwarren

sehet und höret, sound, der die seele rührt, bilder, die mehr als stimmung suggerieren, das selbstbetitelte album ist gerade auf anti- (im letzten jahr auf arts & crafts) erschienen und bietet mit "sunset canyon" nicht nur ein kleinod auf: foxwarren:

Sonntag, Februar 24, 2019

hicks!: china


 viel anpassungsfähiger kann sich folkrock nicht gerieren und doch geht er zweifelsohne perfekt ins ohr. die zutaten stimmen einfach. das sanfte vokale, das anstreichen der vielfachen saiten, der gebremste beat. "marnie" ist ein appetithappen auf das neue album" an the nothing happened" (22. februar) des vierers aus san francisco:

Montag, Februar 18, 2019

hicks!: rosie tucker


so viel selbstverständnis, so viel erdige gelassenheit, so viel unband, freude, ernsthaftigkeit, die aus los angeles stammende rosi tucker veröffentlicht ihr neues album "never not never not never not" über new professor music am 08. märz, ein ausschnitt:

Sonntag, Februar 17, 2019

hicks!: flying fish cove


aus seattle, verantwortlich für erfrischenden indiepop, "johnny paper" ist ein erster hinweis auf das kommende debütalbum des vierers, der "at moonset" im april auf help yourself records veröffentlichen wird: flying fish cove:

Samstag, Februar 09, 2019

hicks!: lady lamb

anfang april erst erscheint das neue album von lady lamb, zuvor aber gibt es bereits mit dem titeltrack einen appetithappen und aussicht auf etwas intensives, kraftvolles und zugleich gefühliges:

Samstag, Februar 02, 2019

hicks!: rozi plain

so wir so, vor etlichen jahren: "vielleicht gibt es ja wirklich musik, die man besser versteht. nicht im analytischen sinne, sondern im emotionalen. die einen durchdringt und die in jeder zelle eine note platziert. die sich breit macht, ausströmt, eins wird mit dir. die dieselbe dna struktur aufweist, die jederzeit problemlos andocken kann, die den schlüssel besitzt, zu herz, hirn und seele."
um rozi plain ging es damals und ihr album "joined sometimes unjoined". die zeit verging und die eigentlich unter rosalind leyden firmierende künstlerin tourte und tourte, gern an der seite von oder mit this is the kit.
mit"symmetrical" hören wir nun erst einmal in das neue album "what a boost" hinein, das am 05. april über memphis industries erscheinen wird:

Dienstag, Januar 29, 2019

hicks!: h-burns

das album "midlife" ist für ende märz zu erwarten, vorab gibt es das formidable "crazy ones", zu welchem es sich easy tanzen lässt: h-burns (infos: elf jahre alt):

Montag, Januar 28, 2019

kitty solaris - cold city (2019)


eine zeile macht noch keinen sommer. die vergleiche hinken. sprichtwörter sind zum anlehnen dar. in berlin macht alles einen sinn. wo läge der unterschied? makel drängen sich auf. nichts, was man offensiv begutachtete. auseinandersetzung allerorten.
das treffen vor dem fenstersims nimmt gesichtslose gestalten auf, all die fremden im geviert. sind nicht neu. das war so, bleibt. und doch ist da bewegung. bedeutungen für heimat buchstabieren. ein leichtes. redundanzen vermeiden.

ein blick auf die stadt, auf sich in der stadt und die stadt in einem. im vexirbild des tränenreichen exzerpts eine buntheit, diversität, die zum stillen tanz einlädt. das verlassen ist ein ankommen. neu ist nur der gedanke daran. hilfe naht, wenn man sie ruft.
"cold city" ist bildstark und energisch, ist voller seele und vermittelt das hin- und hergerissen sein im bombastisch ruinösem. die verzweiflung ist längst kanalisiert und muss doch nicht im zynismus ertränkt werden.

kitty solaris brilliert mit gestochener unaufgeregtheit und ward selten ernsthafter. die selfmade attitüde ist gedämpft, die sideparts viel zu stark. steffen schlosser (drums, guitar), lucio capese (klarinette), roderick miller (keys).
saftiges gitarrenspiel, eindeutigkeit im drumming, das umfeld bewegt sich sacht cholorierend, die solaris singt mit verve und drängt doch mehr das thematische in den vordergrund als das eigene hübsche köpfchen. wenn vergleiche dann das ruppige des lou reed, die feierlichkeit einer patti smith, das unromantisch-politisierende eines billy bragg. doch das hier ist:
heimatsound!

"cold city" erscheint am 22. februar auf solaris empire.
 

Sonntag, Januar 27, 2019

hicks!: chris cohen

schöne nachricht: chris cohen legt ende märz nach, "green eyes" ist der erste hinweis auf das selbstbetitelte neue album:

Samstag, Januar 05, 2019

Hauskonzert – Ryan Lee Crosby & Band, 05.11.18

Wer kann, sollte stets ausblenden, dass der intime Blick in die eigene Häuslichkeit etwas Besonderes ist. Atmosphäre, das Loslösen vom Alltag, wenn es gelingt, die dicht gesponnenen Fäden der hier lebenden Persönlichkeiten, das Streitbare und der Frieden, die Behauptungen und die Beschlüsse. Wer kann, sollte dem Gewinn einen Augenblick gönnen, dem Gewinn an Freizügigkeit, an Begegnung, an Mut. Der Mut des Gegenübers sich zu präsentieren, der Mut jener, die sich in die Lebenswelt anderer begeben, um Anteil zu nehmenn.
Das sind von Zeit zu Zeit mal mehr, mal weniger. Aber stets eine illustre, immer wieder sich neu aufstellende Schar Neugieriger. Das wechselnde Publikum unserer Hauskonzerte offeriert, wie lebendig solch eine Unternehmung sein kann.

Innerhalb kürzester Zeit durften wir Ryan Lee Crosby, den stets sehr jugendlich wirkenden Bostoner Musiker in unseren vier Wänden begrüßen. Dass ihn diesmal eine Band begleiten sollte, machte das freudige Ereignis geradezu aufregend. Im März hatte er noch den Schweden Peter Thisell an seiner Seite gewusst, der jedoch ein eigenes Set zu spielen gedachte. Diesmal säumten den bärtigen Bluesbarden die beiden Musiker Jay Scheffler und Grant Smith.

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Während Grant am Boden sitzend die Kalabash „bediente“, verdingte sich Jay an der Mundharmonika. Zu dritt brachten sie eine Musikalie an den Mann, die sich zwischen Blues und afrikanischen Rhythmen und Klängen einen Weg zu bahnen wusste. Ryan und Jay beschäftigten sich konzentriert mit den drei Akkorden über zwölf Takte, nur Grant driftete immer wieder in eine eigene Welt ab. Sein stampfender Beat oder sein finessenreiches Spiel auf der aufgeschnittenen Gemüseschale belebten das Ensemblespiel ungemein. Hinzufügte sich der unaufgeregte, leicht gutturale Gesang Ryans, der uns schon so vertraut ist. Seine Lieder sind Fächer, die an heißen Sommertagen Kühle versprechen.

Doch irgendwie ist das alles auch mehr. Über das Konzert hinaus. Über die Lieder, die eigenen, die gecoverten Songs hinaus. Über die erste und zweite Begegnung hinaus. Es ist dieses Aufeinandertreffen zunächst fremder, sich später immer näher kommender Welten. Es sind die Gespräche, die Verquickung von Gedanken, das schnelle Einigen auf Werte und die Verabredung zu einer Gemeinsamkeit. Das ist so einfach und so wertvoll und so unwiederbringlich bestärkend. Man wollte multiplizieren. Und kann es dann doch nur immer wieder tun und dieser Welt etwas davon zutragen.

Hauskonzert – Cup & Wolf, 21.09.18

Sie sagen, ihre Texte seien vollkommen unpolitisch. Sie handeln von der Familie, von Freunden, von all jenen, die ihnen wichtig sind. Hier entspringen die Geschichten. Ganz einfach. Und doch emotional, nahe bei, wie man so sagt. Sei freundlich, das ist die Botschaft. Wenn das nicht politisch ist, sage ich. Gerade in diesen Zeiten. Dass sie in Chemnitz gespielt haben, als sie gerufen wurden, war selbstverständlich. In unserem Wohnzimmer? Ja, auch diesem Ruf sind Cup & Wolf aus Schweden gefolgt. How to keep caring.

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Hausshows sind fragile Angelegenheiten, von so vielen Indikatoren abhängig. Die Intimität, das Momentum, wenn die Musiker den Kontakt zum Publikum wagen, die Biersorte. Das Komödiantische ist jeglichem Versuch die Nähe zu überwinden immanent. Hier gilt es auszuhalten. Wer es wagt, gewinnt nur. Nur zu wagen, genügt aber auch nicht. Man muss sich einbringen, zwangsläufig. Dann bildet sich Gemeinschaft, schnell und auf Dauer angelegt. Wie eine Art Zwangsehe. Sobald der Funke springt, so lehrten es die letzten Veranstaltungen, gibt es kein Halten mehr. Die Musiker übten eine Stunde Beziehungslehre. Griffig die Ansprache, griffiger das Tasten unter der Haut. Obwohl die Noten brachen, die Rhythmik hieb- und stichfest war, die Gitarren munter lichterten, ging es uns an. Weil da die Worte Nähe zeugten und ein Talent entwarfen, Momenten einen Namen zu geben, das wir nur zögerlich empfangen könnten.

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Das erste Album wurde feierlich begangen und dem neuen schwer gehuldigt. Wie man es auch tun durfte. Finden sich doch Popmomente, an denen sich auch dauerhafter knabbern ließe. Weil sie Nehmerqualitäten haben, weil sie der Kritik trotzen, allzu wohlgeformt zu sein. Nein, mitnichten sind sie das. Sie sind energisch und wechselhaft, sind im Widerstreit des Kollektivs erwachsen und längst ein Zeugnis mannigfacher Erosion, gewappnet für den Dauereinsatz. Mittanzen wollte man, wenn es zwangloser wäre, mitsingen, wäre man der Worte mächtig gewesen. So sprangen lediglich die Noten von Mann zu Mann, das strahlende Lächeln, ausgetauscht auf hellen Gesichtern, ein Vergnügen in der Mitte des Seins.
Die Nacht war längst über uns, die Biere getrunken, die Gespräche noch im Gange, da leerten sich die Gedanken abschließend. Ein solcher Abend braucht kein Fazit. Aber er zieht die Lehren wie Motten das Licht. Seid freundlich.