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Sonntag, Mai 05, 2019

konzert: the furrow collective, 27.04.19


dem lang gehegten wunsch endlich folgend, fanden wir uns am abend des 27. april in hackney, einem nördlichen stadtteil londons, rechtzeitig im dem cafe oto nahen diner ein, um pünktlich einem konzert in der sagen umwobenen spielstätte des musikalischen undergrounds beiwohnen zu können. der empfang schließlich, wir hatten uns ausreichend gestärkt, war herzlich, ein älteres paar strich uns akkurat von der liste und ließ die vermutung zu, dass beide für das wohl und wehe dieses ortes verantwortlich zeichneten. der raum war bereits gut gefüllt, die meisten stühle besetzt, angekündigt war beim ticketkauf eh, dass man rechtzeitig kommen sollte, ansonsten müsste man stehen. dieses schicksal blieb uns erspart, neben einem älteren herrn nahmen wir etwas abseits, jedoch mit bestem blick auf das geschehen platz.

alasdair robert, vielleicht der prominenteste im the furrow collective, kam erst nach uns ins cafe und ward schnell in gespräche eingebunden, die ihn davon abhielten, auf die bühne zu treten, um beispielsweise einer emily portman beim soundcheck hilfe zu leisten. die emsige musikerin sah man stets quirlig die reihen rauf und runter eilen, zugeständnisse ihrer kolleginnen entgegen nehmend, um alsbald wieder auf der bühne dies und jenes zu richten. eine sehr entspannte atmosphäre umgab überhaupt die gesamte örtlichkeit und seine insassen. das publikum schien vor allem aus älteren semestern zu bestehen, die meisten mit einer wesenheit des folkweisen ausgestattet. das paulaner schmeckte wie daheim und so konnte man in aller gelassenheit dem kommenden entgegen sehen.


und das war überzeugend, letztlich den erwartungen entsprechend. die vier zögerten nicht mehr lange und gaben uns ihre erstaunlich konzentrierten pretiosen preis. vor allem der kollektive esprit begeisterte, wenngleich jedem einzelnen die ehre zu erweisen wäre. von links die wunderbare emily portman, die mit banjo und concertina für belebte akzente sorgte, die aber mit einem gesangsorgan gesegnet ist, das sich absetzt, weil es unaufgeregt, aber rein und klar jedem lied den stempel aufdrückt. daneben aufgestellt der erstaunlich zurückhaltende alasdair roberts, der mit akustischer, aber längstens mit einer e-gitarre bewährt durch den abend begleitete, waren doch die damen im bunde die dominierende partei. doch die rolle stand dem schotten sehr gut, brachte er sich pointiert und zielsicher ins gebinde ein. schließlich folgte lucy farrell, der man in dieser runde eine art hauptrolle zusprechen musste, führte sich doch häufig das wort, um launige zwischenakkorde zu setzen. leider war lucy an diesem abend etwas indisponiert und ihr gesang scheuerte immer wieder unter dem zu treffenden ton. in abrede konnte man aber weder ihr einsatz mit der viola, noch an der singenden säge gestellt werden. mit rachel newton hatte sie zudem einen sidepart, der jederzeit in die bresche springen konnte. die harfe newtons betonte die zartheit manchen liedes und unterstrich die gewandtheit des ensembles. ganz zu schweigen von ihren gesangseinlagen, engeln gleich.


es war ein inniges verschmelzen all der kleinen puzzleteile, die die vier einzubringen in der lage waren. die traditionellen und auch die songs neueren datums bildeten eine faszinierende einheit greifbarer lebendiger kultur. man wiegte sich bei "many's the night's rest", hielt den atem bei "my son david" an und sang schließlich bei "hind horn" kräftig mit. ein einverständnis lag unausgesprochen in der luft und hielt noch an, als die zugabe längst verklungen war. wem die vier in die stadt ziehen sollten, der muss die gelegenheit nutzen. selten wird sich perfekte gesangsharmonie so sehr mit gelassenheit und freude gepaart erleben lassen. danke nach london!

Donnerstag, November 10, 2016

glotzt nicht so romantisch (740): giant burger


ebenfalls aus london, hier aus dem osten, stammt der vierer giant burger. er legt uns mit "tono tono" eine griffige nummer vor, die von der drummerin ins rechte bild gerückt wurde. die single verweist auf das kommende full length debüt der band, die es in ihrer bisherigen vierjährigen geschichte auf zwei 7er und eine ep in kassettenform gebracht hat. macht ja nüscht, nun sind sie also gerüstet für mehr, veröffentlicht wird am 25. november auf odd box records.

glotzt nicht so romantisch (739): virgin kids


man kann sich die truppe ganz prima auf einer bühne vorstellen, der zackige sound ließe sich gut in bewegung transkribieren. mit "be your friend" legen virgin kids die bislang letzte single, eine nicht nur schwungvolle, sondern auch garagepoppige, aus ihrem debütalbum vor, fein in ein d.i.y.- gewand gekleidet. erschienen ist "greasewheel", Ihr wisst es längst, anfang des jahres via fluffer records bzw. burger records. die londoner werden sicher in bälde bei uns aufspielen.


Montag, November 07, 2016

neue töne (1687): the clang group


die süffigkeit des progs, der jammen als weiheerlebnis versteht, die kühle und strenge des englischen exzentrikpops, dazu etwas jazzinfizierte verspieltheit, weil die persönliche befindlichkeit nach ausgleich giert. jubilierende hymnen an krautgewitter, elemente im konter, dichte notenfolgen, die in eine ernüchternde leere stürzen. 

das album "practice", vorgelegt von einem dreier aus london, der nicht mehr gepäck herumtragen könnte, ist ein ausbund an wohlformulierter art und weise die langeweile zu besiegen. nicht von ungefähr also, dass wir es hier mit dem produzenten und deaf school gründungsmitglied clive langer zu tun bekommen. der nämlich beschloss mit sechzig lenzen endlich eine rockband zu gründen. an seiner seite andy mackay von roxy music und suggs von madness. eine irrere kombination muss man sich erst einmal ausmalen, nicht weniger irr ist die musikalie. the clang group umschiffen clever peinlichkeiten, konzentrieren sich neben dem handwerk auf songwriterischen schliff und erreichen dabei eine güte, die man heutzutage nur noch selten findet.

so flink von der hand, wie mancher dieser zehn tracks klingen mag, so brillant formuliert ist er. die kunstvoll arrangierte atmosphäre, in der die nie zum kassenschlager tauglichen songs auftauchen, könnte ein markenzeichen clive langers und seiner kollegen sein. hier offeriert sich die jahrzehntelange erfahrung eines alten fahrensmannes der internationalen produzentenszene, der es mit morrissey, david bowie, elvis costello und vielen anderen mehr zu tun bekam.

"practice" scheint eine art abziehbild dieser karriere zu sein, es nascht an allem und jedem, und ist dennoch so eigenständig wie es eine züchtung einer neuen birnensorte wäre. man kennt die frucht, erinnert den geschmack und ist doch überrascht, ob der bis dato unbekannten nuance. domino records hat das debütalbum der briten ende september herausgebracht. es folgt damit auf den erstling, die "the clang group ep", welche anfang des vergangenen jahres an den mann gebracht wurde.

interview mit clive langer im m-magazine.

Donnerstag, November 26, 2015

neue töne (1598): chorusgirl


"[...] chorusgirl [...], dabei handelt es sich um einen londoner vierer, der sich ganz dem janglepop  ("rock") verschrieben hat. im rahmen der the 100 club series auf odd box records bietet er mit seinem zweitracker hervorragende arbeit im stile von lush oder the breeders. herrlich unaufgegeregt kreisen die sechssaiter, das drumming ist stilbewusst, der weibliche gesang behält die contenance, im background schwebt das ansinnen vorüber. der refrain nimmt die bis dato (fast) vermisste fahrt auf. hier wird nicht versprochen, hier wird eingelöst."
so schrieben wir neulich, um uns mit oder auf chorusgirl einzugrooven. die vorbereitung war vor allem zeitlich hervorragend gewählt. denn mit dem selbstbetitelten debütalbum kommt die londoner band gerade auf fortuna pop hervor. sich um die aus köln stammende frontfrau silvi wersing ringend, brilliert die vierköpfige kapelle auch hier mit einem leichtläufigen und zugleich lustvollem sound, der sowohl das tanzbein, als auch die synapsen in angestammter hirnregion in bewegung setzt.

thematisch erinnern die lyrics zwar an momente der trauer, des aufgebens, an entfremdung und einsamkeit, musikalisch aber wird dem eine stilvolle und ungemein euphorische ensembleleistung entgegengesetzt. vorbildlich wie sich dieser herrlich erdige gesang in leichten hall schieben lässt, das flink pulsierende schlagwerken bestätigt die ausrichtung, ein synthiefegen wischt die nummer "no moon" ins intransparente. nicht weniger verstiegen der einstieg in "girls of 1926", bei dem silvis stimme aus dem off schlingert, empfangen von schwebesounds, einer hin- und hergeschwenkten gitarre und einem treublassen beat. masse und druck gewinnt noch jeder song, oft im wechsel mit sittsameren passagen. meist ist alles irgendwie in bewegung, jedoch mit ganz unterschiedlicher power und intensität.

die songs auf "chorusgirl" spiegeln wieder, dass es silvi wersing gelungen ist, einen ausdruck für manch schwierige lebenssituation zu finden. das passt in dieser bandkonstellation hervorragend. denn auch in sachen bandfindung war alles nicht ganz so einfach für das mädel, das über ostwestfalen-lippe und köln in die englische hauptstadt fand. frühere bands gingen in die brüche oder projekte verliefen im sand, so dass sich silvi schließlich ein herz fasste, um selbst aktiv zu werden und udo westhoff (bass), michael boyle (drums) und diogo oliveira (guitar) um sich zu scharren. ausreichend material war zu diesem zeitpunkt längst gebunkert. aufpoliert wurden die songs schließlich im kölner studio von locas in love.

melodiefreudig, popglücklich, zärtelnd fast, "we care about you" rennt ungebremst auf schleife, die bridge ruft die teenagerliebe auf den plan. worte, die vielsagend von einer angestrichenen gitarre begleitet werden, im hüpfegalopp erfährt das arrangement, dass es keiner zügelung bedarf, "shivers" ist ein raues ruhekissen. "this town kills" rudert mit ausgestreckten armen, hymnisch erfährt der letzte, was es zu sagen gibt. gitarrenpop wie er seine bereitschaft für die laufende dekade bezeugt. dankesgrüße nach london.
die lp "chorusgirl" könnt Ihr über die bandcamp seite der band oder über fortuna pop beziehen. müsst.