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Mittwoch, März 06, 2019

new rhythm (3): the spaghetti wings


der nachbar führt den handstaubsauger präzise durch sein auto. auf und ab, zunächst lichte linien auf dem mattschwarzen, glanzlosen kofferraumsims hinterlassend. mit zunehmendem werkeln entsteht eine immer dichtere struktur, eine linienvermengung, eine grenzsprengung, aus ordnung wird chaos, das chaos zu einem augenschmeichler. weil sich das auge im wirrwarr der muster wohlig verliert. im auftauchen beginnt die suche nach einem neuen ort der kontemplation.

ende märz erscheint auf from lo-fi to disco! das neue album der hamburger the spaghetti wings. das duo aus karsten j. genz und daniel freieck transfomiert mit ihrem zweitling namens "cherry picker" erneut d.i.y.-spektakel in eine ausgefeilte, finessenreiche und tragfähige, dabei nie überladene und dennoch spannende produktion.

der etwas duselige beat, die verhuschten spacesounds, der bedeckte gesang und eine stets im mittelpunkt zirkulierende gitarre bilden das geviert, in dem sich längst noch mehr elemente zu tummeln wissen. dicht verschnittenes, homogen gefügtes, kontrolliert abweichendes.

der billige pop wird in seine schranken verwiesen, dem wütenden rock der garaus gemacht, gesetzt wird auf die karten kraut, psych und elektro, und ohne verlegenheit auf melodie. jener heiteren konstante, die aus diesen homerecordingsessions in die welt lacht. wenn man sie ernst nimmt. wenn sie in unverbrämter atmosphäre an die hand genommen wird.

wir erinnern uns des wohnzimmerkonzerts vor ca. drei jahren, da die beiden herren uns musizierten, auf eine art, die man vielleicht mit einem freundlich durch das kopfhaar wuscheln umschreiben könnte. es ist ein beleben, ein anstupsen, den man unbedingt folgen will. ein aha-moment, doch wieder aufs spielfeld zurückzukehren. dafür sagen wir danke.

Freitag, Januar 20, 2017

eingestreut (1026): lokomoko


manchmal möchte man einfach nur zu den fans der ersten stunde gehören. tun wir. bei lokomoko auf jeden fall. der hamburger neue single heißt "sugarplum" und sie klingt genauso, wie sie heißt. wir sind höchst angetan. über die webseite, welche die singlepremiere übernahm, erfuhren wir nun endlich auch, woher der bandname stammt. verraten wir aber nicht, guckt doch selbst.

Donnerstag, Dezember 08, 2016

glotzt nicht so romantisch (747): rainwater / lokomoko


dass wir der zeit häufig genug voraus sind, wissen wir ja. da wurden schon künstler ausgegraben, die hatte die letzte indieschleuder noch nicht auf dem plan. aber immer wieder müssen wir auch nachtragen. all die graberei bringt also keine wirklichen vorteile. am ball bleiben, und schließlich geht es um fördern, befördern, geht es um liebe, die saat pflegen und auf ein kleines pflänzchen hoffen. mit rainwater hatten wir uns auseinandergesetzt, wobei wir gerade den hauptcharakter dieser truppe, blake luley, schon lange begleiten.
die gitarre spult munter die melodie herunter, wie selbstverständlich in einer schönheit und klarheit und vertrautheit, wie nur selten gehört. etwas synthieklänge gabeln sich unter, das schlagwerk ist präsent, aber ausreichend wenig deutlich, dass es mehr unterstreicht, denn dick aufträgt. es mischt sich blakes stimme dazu, die so weich klingt, als wäre sie von imaginären winden aufgerieben und ihrer kantigkeit beraubt. doch es braucht hier keinen grat, an dem sich die harmonien brechen. tiefe ist längst gegeben. das vorgetragene liedgut schwebt in saxophonen, hall verschlagenen klängen hinfort. anziehende elektronika, die wir bereits von ajnabi kennen, umhüllen das gewerk. das klienicum, 08/16
das debütwerk "swimming in sunlight"" dieses neuen kollektivs warf auch den track "lonesome you" ab, der nun in bewegte bilder getaucht wurde. darin seht ihr die tänzerin rebecca hadley ihrer kunst nachgehen, sehens- und natürlich auch hörenswert.





einer band, der wir es ebenfalls von herzen gönnten, dass sie die welt eroberte oder von der welt erobert würde, ist lokomoko aus hamburg, gerade mal eine single ist ins kerbholz geritzt, da rückt man mit der vertrautheit nahe, dass eine ep im neuen jahr anstünde, "harold weir" ist angekündigt, da passt zum fest das aktuelle video zum tollen track "more love".
"more love" klingt einfach, ist ein schlachtruf der entsetzten, mausert sich jedoch aus der knochigen beatperspektive zu einem synthieschunkler, aus dessen tiefe eine stimme stösst, die so wenig eine geschlechterfalle besitzt wie strafende härte, auf die jäh zu stossen man jeden moment erwartet. denkste, grindiges hallweichen, geschnippstes und aufgebügelter soundspaß. "your nose", die flip, unterwandert mit einer hellschichtigen gitarre das formidable gefühl von sicherheit, ein schlingern unterm blechernen schlagwerk. das klienicum, 08/16

Donnerstag, Oktober 06, 2016

glotzt nicht so romantisch (728): jakönigja


ach mensch, das passte ja heute vortrefflich. noch eine deutsche kapelle, noch einmal wald, noch einmal ein frisches video. viel freude mit jakönigja und dem titeltrack:

12.11.2016 Düsseldorf Forum Freies Theater 
13.11.2016 Münster Pension Schmidt 
19.11.2016 Frankfurt Mousonturm 
20.11.2016 Dresden Societaetstheater Dresden 
21.11.2016 Hamburg Nach Tasyl (im Thalia Theater) 
23.11.2016 Osnabrück Kleine Freiheit 
30.11.2016 Berlin Monarch Berlin

Sonntag, September 25, 2016

neue töne (1669): summer crowd stereo


das cover, in grautönen gehalten, deutet einen torso an, der zweifelsohne vorhandene kopf jedoch wird ins nebulöse verfrachtet, als lösten sich mit den gedanken, worten, liedern die identität ihres erschaffers auf. als wäre alles gesagt, getan, um sich der fesseln, die ein zweifelsfrei zu erkennendes konterfei bedeuten, zu entledigen. doch so ganz einfach wird es nicht mit summer crowd stereo, dem musikalischen soloausdruck, hinter dem sich der hamburger sven weiss verbirgt.

er singt mit angesengter stimme, die falsett variante hielt zweifelsohne eine zeitlang, da sich junge männer entschieden, der rockmusik eine neue färbung zu verpassen. bei summer crowd stereo drängt sie sich auf und macht dennoch nicht den eindruck von konzeption, sondern bebildert eher ein bedrängnis, eine notwendigkeit, als wäre diesem großen, kräftigen kerl die luft enzogen. doch auch das trifft nicht ganz. weiss ist in seinen lieder beheimatet, er hat hier ein zuhause, ein wohlbefinden tritt an den hörer heran, das nicht von unbill, ungnade oder fehlender befriedigung erzählen könnte. freilich kann auch weiss diese welt nicht verstehen, aber er hat einen weg gefunden, ihr einen namen zu geben. mitsamt der akustischen gitarre, die mehr als nur ein begleitinstrument denn angetraute, mitwisserin ist, tastet er sich durch eine ganz persönliche harmonienwelt. die songs sind einträglich und fassen zumeist umgehend, manchen kann man noch im nachgang mit den eigenen lippen formen. summer crowd stereo geht noch einen schritt weiter und formt manche nummer aus, etwas hall und ein paar spuren addiert, so dass aus dem hintergrund elemente eingebunden werden, die eine fülle versprechen, wie sie der oft karge beginn nicht erahnen lassen wollte.

und doch sind die stärksten momente jene, in denen töne nachwabern, in denen die stille das nachebben von worten ermöglicht, die in ihrer einfachheit und klarheit die konturen schärfen. für den blick auf diesen singer/songwriter, der sich regelmäßig auf den bühnen dieses landes sehen lässt, der so gar nicht ins nebulöse gerückt werden will. im gegenteil möchte er dem gegenüber ins auge sehen.
eine erste gelegenheit ist dieses neue album, "parallels and meridians" ist ende august auf couch 'n' candle erschienen, eine andere u.a. die nachfolgenden konzerttermine.

28.09.16 Café Waldi, Leipzig
29.09.16 &Rausch, Dresden
06.10.16 Sissikingkong, Dortmund
10.10.16 Goldene Krone, Darmstadt
12.10.16 Ohrwurm, Frankfurt
14.10.16 Fermac's, Mannheim

Donnerstag, August 04, 2016

neue töne (1651): lokomoko


die jungen bands stampfen sich aus den böden, die schon lange kein neuland mehr sind. also sind sie da, wo andere waren und doch sind sie neu. nur tragen sie ein erbe mit sich, das größer ist als jener packen, den andere auf den rücken geschnallt bekamen, als sie erstmals durchs erdreich lugten. das ist so und wird so bleiben. mit jedem jahrzehnt seit installation des rock 'n' roll wird es ungleich schwerer sich in form und inhalt abzusetzen. da braucht es ideen und mut, dem individuellen willen und gebahren tribut zu zollen.

mit dem folgend zu beschreibenden vierer aus hamburg hat es eine bewandtnis. lokomoko fabriziert eine musik, die sich weltläufig und entlastet zeigt, die fadenscheinigkeit entlarvt und penibel auf ausdruck setzt. das hat eine geste, selbst das ausladende haftet ihr an, ist aber frei von pose. ist pop und bebildert doch leichterdings so etwas wie tanz für fortgeschrittene. meinungsmache in echt. oder irgendwas, was man mit st. pauli verbinden kann. ich bitte!

die band, bestehend aus kasia dworatzek, tom otte, karlotta freier und mario schöning, hat schon einige tracks ins hinterland gestellt, da muss man etwas suchen oder der gunst der stunde die ehre erweisen, aber zur veröffentlichung hat es gerade erst zu einer single gereicht. oder immerhin. oddwop heißt die dazugehörige company, die sich diesem entschlossenen tonalen gebahren gerade erst widmete, das hier aus einer a- und dort aus einer b-seite besteht. "more love" klingt einfach, ist ein schlachtruf der entsetzten, mausert sich jedoch aus der knochigen beatperspektive zu einem synthieschunkler, aus dessen tiefe eine stimme stösst, die so wenig eine geschlechterfalle besitzt wie strafende härte, auf die jäh zu stossen man jeden moment erwartet. denkste, grindiges hallweichen, geschnippstes und aufgebügelter soundspaß. "your nose", die flip, unterwandert mit einer hellschichtigen gitarre das formidable gefühl von sicherheit, ein schlingern unterm blechernen schlagwerk.

wir sind einvernehmlich auch mit dem blick auf die reservebank. dort entdecken wir stücke aus dem jahr 2015, aufgebürstet und bereit für eine neue welt, in die irgendwann auch frische kapellen geboren werden, welche sich nicht von diesem erbe hier freimachen können. so viel ist gewiß.

Freitag, Februar 12, 2016

konzert: israel nash, 09.02.16


manchmal ist es nur das drumherum, die leute, mit denen man unterwegs ist, der ort, an welchem man sich aufhält. das reicht. das event wird zum selbstläufer. irgendwo eingeklemmt zwischen dem großgewachsenen sohn und dem nicht weniger großen freund, den man viel zu selten sieht, abseits eines betonpfeilers, der manchem die sicht nahm, platziert in einem hamburger laden, der sich zwischen reeperbahn und hafenstraße geklemmt sieht und sich dabei von seiner besten seite zeigte, nimmt man einen geniessergestus ein. der nochtspeicher hat freundliches personal und leckeres bier, aufgeräumte gäste, die zumeist längst die volle-haar-grenze überschritten haben. sie warten geduldig auf israel nash, die umgetaufte israel nash gripka gruppierung, aus der heraus der namenspatron sticht mit ewiglich wachsendem rauschebart, haaren, die fusselig die schultern bewachsen und in branchenübliches lederhemd gewandet. der texaner ist aufgeräumt, geradezu entspannt, als ihm erste beifälle entgegen schlagen. das rund reagiert enthusiastisch, ob auf ältere songs, die mittlerweile zur verfügung stehen, oder auf aktuelles material, da die band ihr viertes album zu markte trägt.


das konzept der vorstellung ist schnell erklärt, denn es ähnelt sich durch die bank bei allen dargebotenen songs. im midtempo angesiedelt, steigt die truppe schnell in voller stärke in die ersten takte ein, der frontmann brilliert mit einer tiefen, rauen stimme in seinen warmseeligen liedern und fühlt sich dabei aufgehoben in dem gezügelten drill seiner kompagnons. hier der läufige bass, dort das flexible schlagwerken, hier die herzmedizinische pedal steel, dort die exquisite gitarrenagilität. der fünfer funktioniert reibungslos, pulst ohne ecken und kanten durch die entsprechende songlandschaft. hier kann man friedlich abtauchen und sich treiben lassen. wütend wird es erst, wenn die gitarren aufgerissen werden und sich zu ende der sachten strukturen verwerfungen auftun. dann wird geschrubbt, das holz benutzt, dann wird von hinten geschoben und von der seite hineingestopft. das fetzt zuweilen und kontert die liquiden elemente. vorne wird getanzt, hinten gejohlt, jedem das seine und uns das beste von einer band, die irgendwie immer noch unter dem radar dahinschwebt und der das nicht wirklich weh zu tun scheint. denn immer findet sich publikum, das zugänglichkeit und dankbarkeit zeigt, dem man selbst überschwenglich danken kann. ein geben und nehmen, die sprüchwörtliche einfachheit, die man sich so hart erarbeiten muss.
die stimmungen sind präzise und brechen einen erinnerungsreigen auf, in welchem csny ein zuhause finden, die harmoniegesänge funktionieren meist aufs feinste, aber auch gene clark bis hin zu jonathan wilson oder my morning jacket. americana, folk, ein lichter psychedelischer hauch, fertig.


während vom neuen album "silver season" rund die hälfte aller songs gespielt wurden (gefettet), stammten vom 2013er vorgängerwerk "rain plans" immerhin noch fünf, vom 2011er zweitling "barn doors and concrete floors" der rest lieder.
am ende zählt der mensch. die menschen um einen herum, die gaben, die genossen, die begleiteten. alles stimme. passte. haargenau.
setlist: goodbye ghost / woman at the well / willow / parlour song / l.a. lately / lavendula / antebellum / mariner’s ode / strangers / just like water / mansions / rexanimarum / encore: baltimore / rain plans