Sonntag, November 27, 2011

konzert: on3 festival 2011, 26.11.11, teil 1

die letzten jahren hatte es gezeigt, ein besuch beim on3 festival in den studios des bayerischen funkhauses sollte kurz vor dem jahresende immer fest im terminplaner verankert sein. wenngleich vor allem die letzten beiden veranstaltungen meine persönlichen präferenzen weniger ansprachen, zog sich doch der überraschungseffekt quer durch die konzerterlebnisse. da konnte man in 2010 born ruffians oder crystal fighters und heuer moop mama oder team me gegen scout niblett, the felice brothers oder cat power halten. die wertigkeit entsteht nicht über den namen, den bekanntsheitsgrad, sondern einzig und allein über die gebotene performance. insofern ist es und war es je ein plus des großartig organisierten festivals, dass es auch den mut zeigt, auf unbekannte größen, darüber hinaus auf den bayerischen nachwuchs zu setzen und so zu fordern und zu fördern.

einer der diesjährigen schwerpunkte lag auf der präsentation des soundtracks der jüngsten ägyptischen revolution, denn mit wust el-balad, deep und neobyrd hatte man drei künstler bzw. bands nach münchen geladen, die mit ihrer musikalischen untermalung keinen geringen anteil an den erfolgreichen bestrebungen ihrer landsleute zum sturz des regimes hatten. dass ich keinen der drei acts gesehen habe, lag weder am mangelnden interesse noch an ausweglosigkeit. mehr am timetable, der sich jährlich als herausforderung darstellt. vorrangiges problem ist dabei der sehr späte zeitpunkt, zu dem man erstmals einen blick auf die studioverteilung der bands und ihre antrittszeiten werfen kann. sich überschneidene programme zwingen zudem, sich für einen auftrittsort zu entscheiden, wenn man, vorausgesetzt, komplette konzerte erleben will.

studio 1 bot unserer meinung das zunächst spannenste, ausgewogenste programm. mit team me begann man hier zudem mit einer frohnaturkapelle, die man gut und gerne auch als headliner in den tiefen der nacht hätte erwarten können. die quirligen norweger machten keinen hehl aus ihrer vornahme, das anwesende publikum aus seiner anfangslethargie zu befreien. die befeuerung von der bühne war eine einzige lustvolle salve aus manischen synthiekonfettistreifen, randvollen beattonnen, gitarrenlicks, die wie geburtstagskanönchen abgeschossen wurden und harmoniegesängen, die einem schreien näher kamen und doch begeisterndes sinnbild für den skranglepop des sechsers aus dem europäischen norden sind.

wenn sängerin synne mal keine schokolade herstellt, versteht sie sich als frontfrau (natürlich neben bandgründer und kopf marius) eines gleichsam bewegungsreichen kollektivs, das der tief in die musik versunkenen kleinen frau in nichts nachsteht. reisst sie den mund auf, um dem song um eine facette zu ergänzen, tun es ihr die kollegen gleich, zieht sie die reissleine, um eine neue explosion zu zünden, haben die jungs bereits ihren willen demonstriert. die masse bewegt sich zu dieser bei allem kraftvollen ausdruck fein ziselierten und abgestimmten popmusik und gibt zurück, was ein gutes publikum an eine ausgezeichnete band zurückgeben kann. das schlagzeug agiert aus dem hintergrund mit einer routinierten festigkeit und wird dabei von einem wenig durchtriebenen, dafür aber stützenden bass begleitet, das rhythmuspaket ist sich seiner rolle in dieser bandkonstellation bewusst. es ist ein fundament, von dem aus die raketen, in vielen kleinen flaschen gezündet, starten dürfen.

hits wie "dear sister" entfalten sich in der addition aus flotter gangart und ohrwurmmelodie, wobei sich live noch der augenschmaus hinzufügen lässt ob der leidenschaft aller beteiligten. die band hat zwar erst eine ep am start, will aber baldigst mit einem longplayer folgen. zugreifen, kann man an dieser stelle nur empfehlen! dass die sechsköpfige truppe auch anders kann, nämlich wesentlich ruhiger, gewogener, beweist sie auf plattformen wie myspace, auf dem on3 festival aber zogen sie ordentlich vom leder. randbemerkung: nach dem konzert waren sie in den weitläufigen hallen des senders begehrter linsenschmaus. ständig war ein kamerateam um das jungvolk herum und begleitete die aufgedrehten spunde bei all ihren spaßigen blödeleien. sehr ausgelassen, sehr spontan und überaus freundlich. ein echter genuss!

team me - dear sister

der zweite und dritte teil unseres berichts wird sich mit dem furiosen auftritt von moop mama, den soundproblemen der schwedischen supergroup serenades und der vorstellung von neon indian beschäftigen, den man bereits auf den neuen, jungen, nächsten tagen terminieren musste. morgen gehts hier weiter.

Kommentare:

Tom hat gesagt…

Servus Eike!

Find ich spannend, du hast einen ganz anderen Timetable gewählt als ich, offenbar einen besseren.

Ich war gestern herb enttäuscht von einigen Acts, von Oh Land und soft.nerd, aber ganz besonders von Neon Indian. (Dafür war Ghostpoet eine positive Überraschung und ebow und Candelilla waren zumindest unterhaltsam).

E. hat gesagt…

Hi Tom, ja, da sind wir wohl aneinander vorbei laviert. Moop Mama fügte sich sehr positiv zu Team me. Neon Indian befand ich vor allem soundtechnisch schwach. Die guten Songs lugten schon hervor.