Freitag, November 18, 2011

konzert: josiah and liz wolf, 16.11.11

josiah wolf hat 2010 mit "jet lag" ein mindestens gutes debutalbum als soloartist unters musikinteressierte volk geworfen. um seine diffizilen songs auch live an den mann, die frau zu bringen, entschied er sich aus dem alleingang einen zweigang zu machen und hievte liz hodson an bord. sie sollte den drummer der band why? vor allem darin unterstützen, den per loops gesteuerten und unter einsatz einer vielzahl an instrumenten ausgeleuchteten liedern auf der konzertbühne leben einzuhauchen. doch liz, mittlerweile selbst eine wolf, denn der stets mit einem bart gezeichnete bursche hatte das hübsche ding vom fleck weg geheiratet, verleiht der musik des nun frisch vermählten einen ganz eigenen charakter. nicht nur die sechs tracks umfassende "under lovers covers" ep (siehe bandcamp), welche im oktober des letzten jahres als erste gemeinsame tat erschien, gibt beredtes zeugnis davon ab, noch viel mehr kommt die tragende rolle von liz in der vis a vis begegnung zur geltung.

die antrittszeit für das duo aus ohio war längst verstrichen, da tummelte sich im orangehouse zu münchen nur eine versprengte anzahl menschen. am ende zählte ich neunzehn, die liz und josiah die aufwartung machten. entsprechend motiviert traten die beiden auf die vollgestellte bühne. dort wartete neben einer klobigen hammond und einem halbwegs ausgewachsenen schlagzeug allerlei elektronisches gerät. diese instrumentale architektur brachten die künstler in erstaunlichen einklang. das muss man sich in etwas so vorstellen: zur linken der gelernte schlagwerker in tosender aktion, immer wieder bereit zwischendurch einen akkord an der gitarre mit dem schlegel zu streichen oder eine loopmaschine zu bedienen oder gar das xylophon zu bearbeiten. zur rechten die mit einer göttlichen stimme versehene liz, die am brummenden elektroklavier schuftete und ebenfalls gerätschaften bediente, deren namen mir in etwa so geläufig sind wie autotypen, die zuweilen einen bass über den schoss legte, ansonsten in inbrunst versunken die auge verschloss. im ergebnis erschufen die zwei ein vollbekleidetes soundbild, aus dem heraus die harmonien schipperten wie unruhig auf dem meer bewegte nussschalen. begleitet von einer klangwelt, die ihresgleichen sucht, indifferent, mutig, zuweilen dissonanten nah, aber immer emotionsgeladen, gefühlig. die beiden tauten zudem nach und nach auf, denn der zuspruch aus dem kleinen auditorium war genauso entschlossen und frei von hemmung. hier puschte man sich quasi gegenseitig. die volle stunde war bald erreicht, die zugabe kam von herzen. zwei bonussongs, denke ich, die uns tapferen knapp zwanzig vergönnt wurden, weil wir ahnten, in welcher barmungswürdiger haut die beiden steckten angesichts solchen mangels an interesse.

wer sich mit liz und josiah wolf beschäftigt, wird sich in ein ganz eigenes klangunsiversum begeben, in dem fahrt aufgenommen wird, indem man sich das lied zunächst konstruiert. dem entwurf folgend wird geloopt, gesampelt, stimmen gedoppelt, ein akkord in die schlaufe genommen, beigefügt, zugemengt, ergänzt. die gesänge binden das ganze und formen am ende ein auf geschwindigkeit gekommenes etwas. während josiah sicher limitiert ist, was seine stimme betrifft, durchbricht liz ohne weiteres schallmauern. das war zuweilen atemberaubend. mit "ain't no sunshine" gab es ein cover der besonderen art, hinreissend vorgetragen. ansonsten erinnere ich vor allem songs aus dem "jet lag" album, zum beispiel das wunderbar verspielte "the opposite of breathing" oder das verschlungene "the trailer and the truck". nehmt die verbleibenden termin wahr, es lohnt wirklich.
11/18/11 HAMBURG Hafenklang
11/19/11 BERLIN Kantine @ Berghain

Kommentare:

gudrun.thaeter hat gesagt…

Auf der Cover-CD bei Bandcamp ist "Ain't no sunshine" auch für mich das herausragende. Kann mir vorstellen, dass das Live noch zu allen möglichen tollen Performances wachsen kann.

Gruß!

E. hat gesagt…

ja, sehr verspielt, doch nie verkopft. eher kraftvoll und intensiv.