Sonntag, November 13, 2011

the great park - now wash your hands (2011)

noch vor jahr und tag hatte ich den einen oder anderen tonträger von the great park in der mache, und hätte am ende keinen von ihnen mit "now wash your hands" verglichen. mehr auf den punkt, geschlossener hat stephen burch nie geklungen. noch immer würgt das drängende wehklagen den gegenüber, doch das fatale ist nicht mehr gänzlich ohne ausweg. die fidel quengelt in "lover o lover" und im gegenzug präsentiert die munter angeschlagene akustische ein stückchen hoffnungsfetzen und so fährt der trügerische zug durch die lyrics, die eine liebe beschreibt, deren qual nicht die leidenschaft, sondern eine lüge besiegelt. als hätte burch einen weg gefunden, um den dingen auf den grund und nicht mehr auf den leim zu gehen. wie dem klezmer der brünstige schmerz innewohnt, der nach anteilnahme ruft, so bürstet der brite seine gedanken nun auf links. ein leichter trotz, nichts leicht zu nehmen, aber dem ernst auch nicht die oberhand zu überlassen. die melodien sind von anschmiegsamer qualität. das narrative moment ist längst nicht verloren, aber dank der schlüsserigen harmonien sind die bedeutungschwangeren lyrics deutlich leichter zu verfolgen. und schließlich erlangen einzelne songs eine größe, die sie aus dem schlichten moment heraus transportieren und ihnen einen platz zuweisen, der nur von wenigen sonst besetzt wird. eine elegische phantasie, ein drapierter reigen, ein gekonnter streich. hier baut erfahrung auf wissen, auf können.
im für und wider, an den polen schreckt der labelbetreiber, der unzählige konzerte spielende zurück. nicht die blanke angst richtet ihn, erst der blick dahinter. wer würde da nicht in bitteren spott verfallen. die instrumentierung (aufgestellt um "volker and dea from the solistenensemble kaleidoscop chamber orchestra, johny lam of thirty pounds of bone, fee reega and stefanie netwich of vivian void") ist griffig, dichter, das früher stets allzu karge wird gebrochen um für taumel geeignetes gewerk.
das verlassen und verlassen werden ist eine tragödie ungeahnten ausmasses, die leiden sind spürbar als würde einem der sprichwörtliche nagel durch den fuß jagen, der splint im auge stecken. einige pianoschläge, ein gitarrezupfen, im gemeinsamen müden tanz unterstreichen sie die worte, das greinen, den waidwunden sänger: "and he lost his wife and he said to me please put me on the first train home i tell ya cause i aint nothing without her here". er folgt tradiertem und ist selbst so nah am gegenstand, dass man ihm die treue nicht vorwerfen kann. doch burch kennt den notausstieg, wenn er auch die lösung nicht kennt. was ihn das leben gelehrt hat, gibt er weiter. das gebrochensein ist nur ein halber scherz. darunter verbirgt sich ein rauer kerl, der dir im zweifel immer einen spruch hinterherschickt. keine lösungen, aber einen privaten notausgang.
"key" meint "there are some things in life we are just not meant to hold", das akkordeon bündelt, was burch und seine gitarre in aller stille weissagen. "limmat" glänzt mit dunklem saitenspiel, die gestrichene akustische brilliert zum belegten gesang, eine violine ornamentiert. zwischenzeitliches tempo aufnehmen lenkt vom vielsagenden ab. "song for no one" fährt mit subtilem schwung: "well i will not wash my hands of you and i will not clean my sheets of you", räsoniert der in berlin lebende liedermacher, um später anzuheben: "and i will not cease the hunt for you and i will not wake the dream of you". die unmittelbarkeit spürt man wie selten zuvor, wie burch den gegenüber in sein meinungsspiel bindet. "red barn, red barn, tree" führt eine melodica ins feld und hat doch alles andere als lieblichkeit zu bieten. im zweifel brauchts einen zweiten blick. "make a dead one of it" hat hörner und weiblichen backgroundgesang und reue.
burch ist kundig. wer die welt wie er bereist hat, er kennt wohl jede spelunke zwischen hier und kalkutta, macht erfahrungen, um deren nachhaltigkeit man streiten wollte. doch erst im verarbeiten wertet man sie auf oder ab. der sänger hat seine wahrheiten formuliert, der erst schritte für ein zurechtfinden in dieser welt. dass er uns daran teilhaben lässt, macht ihn so besonders. ob man dann am ende den folk mit der vorsilbe dark versieht, liegt wohl im auge des betrachters.
"now wash your hands" erschien im september auf woodland recordings.

lover o lover by thegreatpark

make a dead one of it (live 28/07/11) by thegreatpark

25/11/11 Intersoup, Berlin - with Haruko
16/12/11 Prinz Willy, Kiel
17/12/11 Haus III&70, Hamburg
18/12/11 HH Projekt, Hamburg
19/12/11 Pony Bar, Hamburg

Kommentare:

gudrun.thaeter hat gesagt…

Wieder mal ein sehr interessanter Tipp für mich. Habe mir gerade ein Exemplar geordert.

E. hat gesagt…

hoffentlich klappt das, gudrun. hatte erst gestern eine notiz stephens gelesen, dass das album ausverkauft wäre. drücke die daumen. sag bitte bescheid, wenn du kein exemplar bekommen solltest.

coolmikado hat gesagt…

"CURRENTLY SOLD OUT - BANDCAMP DOWNLOAD ONLY" schade eigentlich...

gudrun.thaeter hat gesagt…

Hab tatsächlich kein Exemplar mehr bekommen. Statt dessen eine Entschuldigungsmail und einen Rücktransfer meines Geldes. Danach ist wohl dann der "paypal" bottom weggekommen... Im Moment scheint es aber so, als würde ich wenigstens live eine Chance bekommen. Ich bin Do und Fr dienstlich in Berlin und habe nun einen Anlass erst am Samstag weiter zu fahren. Typisch für meine persönliche Verpeiltheit hatte ich zunächst nur aufgemerkt, weil Haruko an dem Abend spielt und dann beim reinhören in den anderen act, dämmerte mir über mehrere Stufen erst, dass der zweite Name ja genau der Typ ist, dessen limitierte CD ich gerade so nicht bekommen habe... Dies schließlich der Grund, heute hier noch einmal vorbeizuschauen.

gudrun.thaeter hat gesagt…

Leider ist aus mir und dem Konzert im Intersoup nichts geworden. Wenigstens konnte ich aber eine Nach- oder wohl eher Verlegenheitsauflage der CD erwerben und ein paar Worte mit Stephen wechseln.

Ich war wirklich traurig und enttäuscht. Aber in einem winzigen Kellerraum ohne Fenster von Rauchern zugequalmt zu werden, wollte ich mir nicht geben.