Donnerstag, Juni 28, 2012

neue töne (1156): port st. willow

extravagant ins falsett verschoben, der gesang nick principes ist etwas ganz besonderes. wenn man den jungen kerl sieht, glaubt man, er müsse sich arg verstellen. aber so rein und klar, wie die stimme aus den lautsprechern flieht, kann sich nur ein freier wille ergiessen. umsäumt von wabernden soundflächen und betonenden klavierstössen, einem willentlich perkussiv tut principe zusätzliche freiflächen auf. unbenanntes terrain, auf dem sich des hörers phantasie tummeln kann. manchmal erinnert der bursche an den holmes vorstand kristoffer bolander, nicht weniger die musikalie selbst, die ich aber auch gern richtung peter broderick verortet sähe.
das aktuelle album, es ist im mai erschienen, heißt "holiday" und hat das zeug zu einem virtuellen flug auf die ganz persönliche trauminsel. es ist wie ein sog, der nur bei wenigen fernsehfilmen gelingt, wenn man in den flimmerkasten gezogen wird, weil der bann so stark, die erlebte welt so begeisternd ist. und während man staunend aus einem kino kommt, ist die gewalt des häuslichen erlebnisses noch viel stärker. das zurückgeworfensein auf die allzu bekannte umgebung lässt das traumwandlerische imaginärer erscheinen. wie von fremden mächten gepackt schwebt es sich leicht auf den von einer e-gitarre kreierten klangwolken, die in ihrer verstiegenheit nicht ängstigend sind. dem fall wird dank energischem, aber akzentuiertem drumming vorgebeugt. die harmonien laden zur kontemplation ein und das erlebnis fühlt sich rein und richtig an. der in brooklyn beheimatete künstler kündigte "holiday" nicht umsonst als einen im ganzen durchzuhörenden tonträger an.
nick principe hat 2009 unter dem alias port st. willow mit aufnahmen begonnen. er lebte in portland, als er seine erste ep "even//wasteland" einspielte. das war im herbst 2009. der 4tracker gab die richtung bereits vor, war aber lange nicht so komplex und gebündelt, wie sich" holiday" nun darstellt. nach einigen live- experimenten (es muss spannend mit anzusehen sein, wie er die texturen auf der bühne hinzuwerfen in der lage ist), nahm er sich ein jahr zeit, um den erstling einzuspielen. principe findet hier eine reflexion von familie und selbstbetrachtung, der hörer wird seine eigene welt widergespiegelt sehen.

amawalk by port st. willow

put the armor on the mantle by port st. willow

Kommentare:

gudrun.thaeter hat gesagt…

Die Musik trifft bei mir ins Scharze!

E. hat gesagt…

sehr schön, freut mich!