Samstag, Juli 09, 2011

neue töne (1010): annie crane

die nachfolgenden namen sollten dem interessierten nicht gänzlich unbekannt sein: frank hoier - male vocals, slide guitar, all percussion; eric wolfson - electric bass; jason benjamin - trumpet; alexa woodward - banjo und sarah bowman - cello sind die truppe, die annie crane bei den aufnahmen zu ihrem neuen album "jump with a child's heart" unterstützte. hoier coproduzierte, wolfson ist zudem ihr eheman, benjamin ist unter anderem gründer von the red hook ramblers, bowman schafft sich ansonsten bei dem international bekannten americana duo the bowmans und alexa woodward hatten wir angesichts eines neues album hier erst kürzlich gerühmt. beste voraussetzungen also, um ein album einzuspielen, das annie crane unter folgendes motto stellt: "do it without complaint, to do it honestly and with the purity of a child’s heart". ein leitspruch auch für alle jene, die jedes jahr nach new york kommen, um hier ihr glück zu machen. crane weiß, wovon sie spricht, denn sie kam selbst in 2006 nach new york und hatte einen steinigen weg vor sich. open mic sessions waren der beginn, dem aber nach und nach anerkennung und unterstützung folgten. nicht zuletzt, weil sich crane nicht für die kleinen jobs zu schade war, überlebte sie. neben der songschreiberei verdingte sie sich unter anderem auch als hundeführerin, bis zu drei hatte sie jeweils an der leine, wenn es hieß gassi zu gehen. crane stammt aus rochester, studierte an der eastman school of music und war schon recht früh auf klassisches getrimmt. doch ebenfalls recht früh merkte annie, dass sie in andere richtungen tendierte. folkgrößen wie joni mitchell, sandy denny oder gillian welch rauschen mit durch ihre stimmbänder, wenn sie singt. ihre ganz eigene art zu singen. etwas kehlig und doch mit weite, mit tiefe, mit einem grund, auf dem sich die geschichten sammelten. sie hat eine klare stimme, die schimmerig klingt, deren verhang ein gewollter zu sein scheint, der mehr fassen möchte, als ihm anfänglich zugestanden wurde. wie ein kleines mädchen, das den warnungen trotzte. nicht die zeit wird bringen, was man und wer man ist, sondern man hat es selbst in der hand, wie man mit der gegebenen zeit umgeht. crane lässt sich nicht irritieren und geht ihren weg. der führte sie bereits an die unterschiedlichsten gestade dieser welt, ob in paris viel gerühmt oder in berlin, kentucky oder kopenhagen, überall erhielt sie beifall für ihre auftritte. für ihre musik. folk musik, die sich unterschiedlicher herkünfte bedient. vom americana über die verwandten aus den sechzigern bis hin zu irish music und keltischen sounds. diese unbefangene art des umgangs mit stilen und genres und der kraftvolle und zugleich sensible auftritt machen die faszination von crane aus. sie verstellt sich gleichzeitig nicht pop- und rockströmungen und bleibt offen für immer neue einflüsse.

zu ihrem neuen album "jump with a child's heart", welches im red hook, brooklyn aufgenommen wurde und am 04. oktober auf constant clip records erscheinen wird, sagte crane, es wäre ein großer schritt vorwärts in ihrer künstlerischen entwicklung. sie fühle sich mit diesem album mehr zuhause, als sie es je von etwas anderem sagen könne, was sie bisher getan habe. der nachfolger zu "through the farmlands and the cities", das vor knapp zwei jahren erschien, stellt sich mit neun track sehr sparsam auf, ist aber an diversität kaum zu übertreffen. hier ein leicht stampfender folkrocker, dort der wispernde rauner, hier ein verschusseltes liedchen, dort das entrückte verzücken. die instrumentierung ist angelehnt, meisterhaft zurückhaltend, schlicht ornamentierend. doch wenn sich anfänge offerieren wie in "the island manhattan", mit stolpernder akustischer gitarre und wacher trompete, dann weiß man spätestens, dass die begleitmusiker nicht nur billige staffage sind. sie schaffen ein wohlfeiles soundbild, in dem die geschichten der annie crane wirkung erzielen. ob sie von ihren reiseeindrücken, unter anderem ausführliche trips nach europa, erzählt, vom verlust der stimme und wie sie in einem restaurant zu arbeiten begann, um weniger sprechen zu müssen als beim job einer stadtführerin (was natürlich misslang) oder die geschichte des toten mannes, dessen geist hört, wie seine frau über ihn redet in der annahme, sie sei allein. alles fügt sich so zu einer einheit. der stolze gesang, die gewichteten lyrics, die lichten arrangements. bis oktober ist es noch ein weilchen, aber der sommer kann eine auffrischung vertragen. so gibt es zumindest einen appetizer und vorgeschmack auf annie crane und ihr zweites album.
annie crane - jump with a child’s heart

Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Annie Crane kenne ich von meinem Wohnzimmer:

http://meinzuhausemeinblog.blogspot.com/2010/04/alexa-woodward-annie-crane-170410.html

E. hat gesagt…

ja, die labelgenossinnen auch bei dir unter einem dach. wie stehts eigentlich um eine neue bude für Euch?

Oliver Peel hat gesagt…

Noch keine neue Bude. Aber um es in der Fußballersprache zu sagen: "ich habe noch Vertrag bis Dezember".

Bis dahin muß ein neues Dach gefunden werden, inklusive toleranter Nachbarn, die unsere Sessions ertragen.

Oliver Peel hat gesagt…

Die neue Bude ist längst da, aber das Album von Annie habe ich immer noch nicht. Verflixt!