Mittwoch, Juni 08, 2011

neue töne (994): hospital ships

im märz hatte ich noch im rahmen der mp3- rubrik darauf hingewiesen, dass jordan geiger aka hospital ships ein neues album veröffentlichen wird, nun ist es bereits fast einen monat alt. doch das ist noch lange kein grund, hier und heute nicht noch einmal den fokus auf "lonely twin" zu richten. denn wenn geiger noch auf "if oh, ramona", seinem debut album, ganz dem bedroom pop verfallen war, so knallt er uns auf seinem neuling ein ums andere mal einen ordentlich bratz vor den latz. mittlerweile scharte der aus lawrence, kansas stammende musiker auch einige labels um sich, damit seine extravaganzen auch auf der ganzen welt gehör finden. für frankreich bzw. europa stieg kütu folk records für ihn ins boot, in den staaten sorgt graveface für die rechte vermarktung. und die machen das sicher gerne angesichts eines differenzierten elektroaffinen popsounds, der sich nicht mit beats und orgelriffs begnügt, sondern feinste perkussion ergänzt und mit diesem unvergleichlichen gesang ornamentiert. irgendwo zwischen chad vangaalen und windmill kriege ich jordan geiger verortet. er hat etwas selbstreferentielles, redundantes, immer wieder verzeibares, weil die sehnsuchtskomponente und das verstiegene überwiegen. und wenn er dann noch das fuzzen anfängt, genial. wer für sein ego noch ein bisschen futter benötigt, bevor er sich mit so einem einzelgänger beschäftigt, dem werfen wir folgende brocken hin: geiger ist shearwater und the appleseed cast gründungsmitglied und schaffte sich bei minus story. nicht von ungefähr, dass er sich mit john congleton einen fitten mixer, der u.a. für explosions in the sky, modest mouse, the mountain goats oder the polyphonic spree arbeitete, angeln konnte. am ende wird es schwierig, das geigersche produkt und das seiner kollegen, denn mittlerweile arbeitete er nicht mehr gänzlich solo, zu definieren, geschweige denn zu katalogisieren und so übernehme ich einen vorschlag des französischen labels: midwestern existential fuzz-pop. und Ihr? Ihr hört!
TRACKLISTING : 1. LOVE OR DEATH / 2. HONEY, PLEASE / 3. BIRD IN FURS / 4. GALAXIES / 5. PHANTOM LIMB / 6. CARRY ON / 7. ANYONE, EVERYONE / 8. OLD SKIN / 9. REPRISE / 10. LITTLE DEAD LEAF / 11. NEW LIFE
hospital ships - love or death (2011)
hospital ships - let me in (2010)


hospital ships - anyone everyone' by graveface records

Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Schöne Vorstellung!

Hospital Ships haben kürzlich in Paris gespielt, aber ich habe sie leider verpasst. Sie waren zu früh angesetzt.

Ein ständig wiederkehrendes Ärgernis, vor allem in der Flèche d'or. Eher ruhige Folkacts (und die Leute die schon da waren, beschreiben mir das Ganze eher als getragen und nicht so rockig und fuzzig wie auf der zweiten CD) werden verbraten und nur wenige Leute bekommen davon was mit. Wenn dann alle da sind, wird mit lauteren, aber oft uninteressanteren Bands nachgelegt. Die Liste derjenigen, die zu früh dort angesetzt wurden ist lang. Mia Doi Todd, Laura Gibson, Sea of Bees,Horse Feathers, Hospital Ships, Karl Blau, all diese feinen Künstler wurden als Erste auf die Bühne gejagt, oft vor halbleeren Rängen.

Es hilft alles nichts, ich brauche meine eigene Indie-Loaction in Paris, in der ich das Programm und die Abfolge bestimme. Dann wird den richtig guten Künstlern, auch die Aufmerksamkeit zuteil, die sie verdienen. Die Suche gestaltet sich freilich als schwierig...

E. hat gesagt…

das hört sich nach einer recht dümmlichen planung an. da als vorheizer zu fungieren, ist sicher kein genuss. du würdest das bestimmt besser machen.

Oliver Peel hat gesagt…

Das ist zu viel des Lobes, Eike. Ich weiß nicht, ob ich es besser machen würde. Ich würde es aber zumindest versuchen.

Man könnte mir natürlich vorwerfen, daß ich immer zu spät komme und das Problem nicht bestünde, wenn ich frühzeitig da wäre. Das träfe die Sache aber nur zum Teil. Denn es gibt auch viele andere, die die erste Band regelmäßig verpassen. Die besten Bands sollten zur prime time spielen, basta.

Wir haben es hier aber auch mit einem Pähnomen der heutigen Zeit zu tun. Der Event-Mentalität der Zuschauer.Kaum jemand gibt sich die Mühe, ruhigeren Musikern konzentriert zuzuhören. In den meisten Fällen wird dann der unberechtigte Vorwurf der Langweile laut. Für die meisten Leute muss es immer richtig scheppern, damit sie von einem guten Konzert reden.

Gegen diese Mentalität anzukämpfen, scheint mir sehr schwierig. Wohl oder übel muss man wohl hinnehmen, daß feiner, reduzierter Folk nur einen ganz kleinen Personenkreis anspricht. Das erklärt auch in gewisser Weise den Erfolg und die Notwendigkiet von Wohnzimmerkonzerten. Da kommt niemand zufällig vorbei.

E. hat gesagt…

es hat sich wirklich in den letzten jahren verschlimmert. das publikum wird unaufmerksamer. ich meide so bereits einige clubs und suche jene, in denen ich die geniesser weiß.
für mich gehört zu einem schönen konzertabend immer auch die erste band resp. alle, die vor der hauptband spielen. das ist teil meines events. dafür bin ich auch zu neugierig, was die newcomer oder mir unbekannten zu bieten haben.
folk, und da gebe ich dir unumwunden recht, wird es in seiner leisetreterischen variante immer schwer haben. aber schau dir mumford, low anthem oder auch die foxes an, welchen zulauf sie haben. irre.