Donnerstag, Juni 16, 2011

konzert: orange blossom special 15, teil 4

der samstag sah weitere sieben auftritte vor. und: es gab nur eine bühne. und: es wurde jedem act eine spielzeit zugestanden, die man locker auch bei einem "normalen", ausgewachsenen konzert erzielt. auch das ist das obs. dass man nicht alles hunderprozentig mitnehmen kann, versteht sich von selbst. pausen sind notwendig, zuweilen zwingend.
so gingen die auftritte von miraculous mule und the great bertholinis etwas an mir vorbei. ein paar worte seien ihnen aber geschuldet. die mccarthy brüder lassen es sich längst nicht mehr nehmen, an pfingsten dem örtchen beverungen einen besuch abzustatten. in welcher formation, unter welchem namen auch immer, sie rocken das haus. ihre eherne wie brettharte musik schiesst aus dem katapult auf angriff geschalteter gitarren direkt auf das pulsierende herz. ich habe sie gesehen.

sie hatten einen spaß, sie waren bei stimme und sie hotteten, was das zeug hielt. für die beschreibung der musikalie greife ich auf den shake baby shake blog zurück, der vermittelte: "Tatsächlich eine erstklassige, zeitgemässe und geschmackvolle Mischung aus Harry Smith seiner Anthology Of American Folk Music Box, PreWar Blues, dem Katalog von Chicago's Chess Label, Alan Lomax mit dem Mikro im Cottonfield, religiösen Acapella-Einpeitschungen in Südstaaten-Gottesdiensten, Superfuzz Bigmuff (auf einigen Tunes), sowie die Southside, die Crossroads und die falsche Seite der Bahnschienen. In Töne gegossen." die bilder sollten ergänzen.

the great bertholinis waren sehr gut, hieß es. kann ich glauben, denn beim on3 festival liefen sie mir bereits einmal über den weg. und das war klasse. die truppe in satter besetzung machte aus ihrer balkanade kein hehl! klasse!

kommen wir zu den konzerten, die über die gesamte länge und mit aller gebührenden aufmerksamkeit verfolgt wurden. zunächst stand am nachmittag marie fisker an. die stolze dänin trat in rüschenbluse, enger schwarzer hose und pumps an. ihr musikalischer auftritt ist vergleichsweise rauer, griffiger und besser zu packen, doch nicht weniger aufwändig und detailliert zu benoten. stets etwas zögerlich beginnend, strukturen konstruierend, bisweilen dräuend startend endeten ihre atmosphärisch dichten songs oft in mäandernden, endlos wirkenden fahrten, die sich zum teil in euphorisches zusammenspiel aller beteiligten verstiegen.

"good till now" begann mit einer zarten melodie auf maries gitarre, wurde ergänzt um einen weiteren gitarrenpart und erging sich schließlich in ein bollwerk aus schwerfälligen drums und einem satten bass und den durcheinander strömenden ergüssen, die sich aus den beflissenen sechssaitigen ergaben. "ghost of love" ist ein träge vor sich hin schleifender song, der sich in der liveversion teuer verkaufte, dem die sängerin genau das abrang, was er ist, was er kann: ein lieblich, verstohlenes ding (sein). der dame las ich von den lippen, die alles trugen, was man sich wünschen kann. liebreiz und kraftvolles anstimmen, verzücken und ergriffenheit. "city lies" hat einen schlenker, einen hippen drive, fiskers gesang passte sich dem an, wirkte angeschlagen und verletzt. doch spätestens als sich die drums, die sticks ergänzt um einen zusätzlichen schellenbaum, hinzu gesellen, erhält das lied eine form, "yeah yeah, yeah yeah yeaaah". so gelang der vierköpfigen aufstellung ein wirklich bemerkenswerter auftritt, dessen nachhaltigkeit sich weniger aus dem unmittelbar erlebten, denn aus dem nachhall ergibt. irre schöne geheimniskrämerei.
setlist: devilish / my love my honey / ghosts of love / devil tears / so hoes / hold on / mirror / 7 days / city lies / good till now

ihre präsenz ist eine eigentümliche. sie wirkt stark und in sich ruhend und zugleich hat man das gefühl, ein kleines mädel vor sich zu haben, das sich seiner sache nicht ganz so sicher ist. dabei bringt emily jane white alles mit, was sie zu einer großen songwriterin macht. ein gespür für harmonien, treffsichere wortwahl und die verschmelzung derselben zu memorablen liedern. dass sie diese beim obs 15 vortragen würde, war eine der vielen guten nachrichten, die dem festival des jahres 2011 vorauseilten. sie startete mit "the cliff" von "ode to sentience", einem song, der sich gnadenlos auf seine melodie verlassen kann, die widerum von emilys mehr als einnehmenden organ mit größtmöglichem sentiment vorgetragen wurde. der knappen dreierbesetzung gelang es dabei, einen atmosphärisch dichten wie akzentuierten sound zu kreieren.

besonders die leistung des kerls an der e-gitarre bzw. an der slide muss hervorgehoben werden. was er zuweilen an klängen gebar, war sensationell. er schuf ganz eigene soundpattern, unterhielt endlosläufe und wirkte bindend oder auftrumpfend, ganz wie es der jeweilige song erforderte. "bessie smith" zum beispiel benötigt eine förderliche, eine zwingende, ein leichthin antreibende untermalung, "frozen heart" einen verzückt sehnsüchtigen sound oder "stairs" einen metallenen hintergrund. ihm gelang dies einwandfrei. das set war voller höhepunkte, "time on your side" wurde jedoch zum einmaligen erlebnis, wie es erstand, sich verdichtete und wieder verging. an den lippen emilys klebend, löste ich mich erst spät aus einer starre der glückseligen benommenheit. schön, dass sie aus all ihren drei platten lieder erklingen ließ. ich war es sehr zufrieden. und der zuspruch aus den dicht gefüllten reihen verhieß gleiches.
setlist: the cliff / bessie smith / oh katherine / california / broken words / a shot rang out / frozen heart / stairs / dandelion daze / liza / time on your side / black oak / black silk / hole in the middle

bekommen wir hier noch dan mangan unter? es wird knapp, denn der verrückte kerl aus kanada beflügelte mit seiner ungezwungen und ansteckenden art das publikum. er brauchte keine minute, um fest vertäuter teil dieses festivals zu sein und er tat anschließend alles, um sich im kollektiven gedächtnis zu verankern. ob nun mittels seines charmes, die obigen bilder fangen nur einen bruchteil seiner mimischen kommunikation ein, seiner einwürfe, seiner musik und seiner aktionen (mitten ins publikum, mitsing- und mitklatschaktionen, you know). höchst sympathisch zudem.

"tina's glorious comeback" shuffelte sich so lustvoll voran und hatte eine melodische schleife, die dir die haut vom fleisch riss, eine pause, deren ende du herbeisehntest, "robots", das publikum sang über den bedarf hinaus noch, "sold" wurde ebenso gemeinsam gefeiert und "road regrets" hatte das sehnsuchtsvolle für sich gepachtet, da blieb kein auge trocken, "the indie queens are waiting" brach mein herz. ich konnte all die schmachtenden mädels verstehen, der typ hatte was. und der gitarrist war auch hier besonders gut, das fingerflitzen war oft nur schwer auszumachen, und der basser hatte seinen spaß und sah glücklich aus, auch mit diesem cap, und der trompeter zauberte, bildete erstaunliche sounds mittels einer kleinen apparatur, die an sein instrument angeschlossen war, und der drummer trieb erbarmungslos voran. live klang das wesentlich frischer, freier, entlasteter als auf album. ein glück, den dan mangan nicht verpasst zu haben. fand die große rund auch und feierte den bärtigen songwriter nach gebühr!

Kommentare:

coolmikado hat gesagt…

ja, schön geschrieben. Da waren tolle Festivalmomente dabei. Immer wieder positiv zu erwähnen, wie auf dem OBS auch ruhigere, vordergründig unspektakuläre Künstler mit Interesse verfolgt werde...

E. hat gesagt…

ja, sogar sehr erstaunlich zuweilen. denn gerade marie fisker, aber auch emily jane white sind nicht immer sofort zu erobern, vor allem wenn man vorher noch nichts von ihnen gehört hat.
den künstlern wurde mit aufmerksamkeit und respekt begegnet.