Mittwoch, Oktober 12, 2011

konzert: moon duo, 10.10.11

kleine flieger konnte ich ausmachen. blitzschnell fegten sie durch den raum. an der decke sorgten ihre reflexionen zigfach für irritierenden, optischen widerhall. alles blinkte und glitzerte, blitzte. satelliten, raumfähren, sterne, monde und planeten. schnuppen fielen herab, augenblicke besonderer schönheit. zur besinnung war keine zeit. tierkreiszeichen, ineinander verschränkt, gesprächsangebote von den sirenen des nächtlichen himmelszeltes. freie blicke. leuchtbahnen durchzogen das rund, die zuversicht in die stabilität des noch wankenden bodens schwand. irrlichterndes. wesen, deren fingerzeige weisungen enthielten. horch. wiege dich. bewege dich. lass den schall durch dich fahren und ausloten die tiefe des zellulären raums. ein spiel der elemente. die tosende tonale attacke versus den gleichzeitigen verlust von mobilität, bewußtsein und glauben. die eindringlichkeit der musikalischen konzeption von moon duo entzog dem hörer stückchenweise grade an selbstbestimmtheit und lockte ihn auf das eisfeld, das transparenten schimmerte und den blick auf ein darunter freilegte, von dem zu deuten unmöglich war, ob es der himmel oder das verschwiegene meer sei.
der drumcomputer war nur einen knopfdruck entfernt von einer öden komposition aneinandergereihter beats. stumpfe kreationen, die in energischem gegensatz zur spiel- und experimentierfreude des duos aus san francisco standen. was hölzern pochte erhielt kontrapunktierend den spiegel vor augen: sanae yamada, hinter einer kleinen ansammlung elektrischen geräts postiert, wirkte an diffizilen sounds und rhythmen, ripley johnson zelebrierte das hohelied des elektrogitarristen und sang den begeisterten jüngern ein ums andere lied. die tatsächlichen effekte ergaben sich aus dem sinfonischen miteinander, einer space- wie fuzz- und psychrock infizierten show. der manische beat, dem im gegenrhythmus häufig unrecht widerfuhr, kreiselte wie die zentrale andockstation taumelnd und doch sicher durch den kosmos, die finessereichen ornamentierungsmuster und belebenden texturen aus dem keyboard, die sich bei aller diversität repetitiven schleifen ergaben und schließlich das halluzinogene schwert einer schwarz getränkten sechssaitigen, die, wie ein blitz geführt, ordnungsprinzipien wieder herzustellen wusste.

der raum entzog sich jedweder zuordnung und definition. im moment der ausdehnung bewirkte er eine art befreiung, im moment des sich zusammenziehens verfiel man in einen geradezu klaustrophoben zustand. einer vollkommenen klarheit standen beständig traumatische videoanimationen, die besitzergreifende konstante einer klauen bewehrten, um sich greifenden musik und das berauschtsein einer menschlichen masse entgegen. diese wogte beflissen hin und zurück, kontrolliert von zwei selbst in die mangel genommenen protagonisten, offensichtlich nicht immun gegenüber der losgelassenen bestie.

kurze momente, in denen welten erstarben. aus dem traum erwacht, um in den nächsten zu stürzen, um sich erneut unheimlich heimisch zu fühlen, obwohl doch das enterieur so befremdlich stimmte. das wilde orange der siebziger im 59:1 zu münchen, basis meiner entrücktheit. die hätte volle entfaltung gefunden, wären die einzelnen tracks des moon duos ineinander über gegangen. so wurde man immer wieder seiner hypnose entrissen und suchte ein ums andere mal sich in die tiefe eines songs zu stürzen. "run around" mit seiner sprühenden wucht, aufgesplittert in einzelteile und doch im ganzen ein monolith, "in the sun" - geruderter gestus, "fallout" - das quicklebendige stürmische etwas im stoizismus dieser großartigen kapelle, der rest:
setlist: stumbling / run around / dead west / fallout / catch / motorcycle / in the sun / when you cut / set it
moon duo - mazes

male bonding, die eröffnungsband des abends, ließ es sich dagegen nicht nehmen, ihre gewaltorgie aus drei gitarren und einem beton zersplitternden schlagwerk ohne unterbrechung, und wenn vereinzelnd, dann langte es lediglich für einen kurzen gruß, durchzuziehen. die schlecht gemischte sosse ergoss sich über die vielfach anwesenden eher wie gestocktes denn einer wirklich liquiden masse. erkennbar war eine musikalische idee, doch sie wurde einem stickigen soundbrei geopfert, der brettharte gitarren offerierte, die nur wirklich selten stimmig miteinander konnten, und einem drumming, das gesundheitsgefährdend schepperte.

dass es mir das trommelfell zerschlug, lag aber wahrscheinlich nur daran, dass ich mich auf der suche nach kultur nicht ausreichend schützte. nicht minder bitter war es, dass der gesang kaum zu verstehen war, so dass eine wesentliche komponente des noise-pop trios, an diesem abend um einen kompagnon aufgestockt, fast vollständig verloren ging. sehr schade, denn die auf tonträger gute laune verbreitende truppe um kevin hendrick, nebst robin silas christian und john arthur webb hatte die rechten songs am start, fast das komplette "endless now" wurde geboten
setlist: paradise vendors / tame the sun / what's that scene / weird feelings / channeling your fears / before it's gone / dig you out / can't dream / seems to notice now / all things this way / bones / year's not long
male bonding - tame the sun
male bonding - bones
abschließend noch der hinweis auf die nächsten moon duo daten. wobei Ihr daran denken solltet, Euch die auf 1000 stück limitierte "horror tour" ep abzugreifen- nummer 553 steht nun in meinem plattenregal und glänzt neben den vier neuen tracks auch mit den stationen der tour 2011:
12.10.11 Wien
13.10.11 Budapest
14.10.11 Zagreb
15.10.11 Belgrad
16.10.11 Ljubljana

Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Enorm metapherngetränkter Bericht (sehr schön!), dem ich entnehme, daß das Moon Duo überzeugt hat, aber es dennoch Dinge auszusetzen gab?

Male Bonding habe ich auch kürzlich in Paris gesehen, bin nach drei Liedern abgehauen, fands viel zu krachig und unmelodiös.

E. hat gesagt…

mit dem moon duo war ich doch sehr zufrieden, entführten sie mich in eine andere welt. ok, der drumcomputer hat ein eigenleben und das pausieren zwischen den songs, störten mein ganz persönliches erleben. das wäre was gewesen, wenn die einzelnen lieder ineinander über gegangen wären. aber sonst? großartig!