Mittwoch, Mai 18, 2016

konzert: orange blossom special festival 20, teil 4


für die abgegriffene beschreibung 'keine gefangenen machen' pfeffern wir diesmal gern einen heiermann ins phrasenschwein. denn auf the loranes trifft sie zu wie die faust aufs auge. oder in den magen. denn dahin ging die show der dreiköpfigen kapelle aus berlin. saftig, scheppernd, großkariert. das war echt amtlich. krachledern, bluesig, garagig, trefflicher rock wars, was da von der bühne herunter blutete. anfangs noch ohne großen schnack zogen die jungs eine nummer nach der anderen durch. mit zunehmender songanzahl wurden die burschen, vielmehr frontmann pat etwas gesprächiger. am ende wusste man bei ihm nicht, ob er die rocker- oder die schwiegersohnnummer schieben wollte (irgendwo unter den ganz vorne stehenden fans hatte er sich einen herausgepickt, dem er nicht nur eine flasche wasser rüberschmiss, sondern später noch sein plektrum). eine ruhige kugel garantiert nicht. aus seiner gitarre holte er das letzte heraus, am mikro stand er seinen ganzen mann. nicht weniger seine kollegen. gleich neben pat postierte sich mammut. der ex-kadavar-basser griff nicht nur wieselflink sein brett ab und schob an, sondern sang ebenso energisch wie sein frontmann mit. jede zeile, jeden refrain, abgestimmt auf tempo und diktion. nur ohne mikro. das war schon fantastisch anzuschauen. nicht weniger, was der felleklopfer so drauf hatte. fast gänzlich beschränkt auf die snare erklang aus dem hintergrund ein handfestes scheppern, das sich zugleich wendig und different zeigte.


wer zum frühen nachmittag noch nicht vollends in den wachzustand gefunden hatte, sollte zumindest zu diesem zeitpunkt im zweiten festivaltag angekommen sein. die performance, abgeliefert ohne großes bohei, heruntergebrochen auf das gerüst einer gemeinen rockband, zündete und lieferte mal wieder den beweis dafür, wie wenig für gute unterhaltung reicht. spruch des tages: gestern noch vor, heute schon auf der bühne.
black cat white cat / servant of fear / easy / dead end road / suicide leaders / lonely girl / hey (you said!) /breath in / bore me to death / she ain't you



die nächsten im bunde waren zum frühen nachmittag josefin öhrn and the liberation. die schweden mussten schon etwas mit den winden kämpfen, aber ihre musik passte sich dem leicht verwehten charakter des tages an. ihr set fühlte sich an, als würde ein einzelner song mit kurzen pausen durchgespielt, so fügte sich lied an lied und ließ die homogenität des materials des sky gazing ensembles erahnen. josefin öhrn bewegte sich in der front leicht im takt, gab ihren haaren freien lauf und hauchte mehr denn als sie sang und brachte ihre stimme so als einen bestandteil in den kollektiven reigen ein. wenn sie später selbst zur gitarre griff, waren derer drei aufeinander abzustimmen, dazu ein synthesizer, bass und schlagzeug. doch der runde, fein austarierte klangkosmos, den die band anbot, schien von fehlern, aber auch von zweifeln frei. hier wurde nicht auf effekte gesetzt, hier wurden noten mit bedacht gesetzt. der sich mählich ausbreitende zauberreigen fasste das geviert und ließ die menschen darin in bewegung versetzen. 


wenn dann zwischendurch auch noch die sonne durch die wolken lugte, breitete sich eine leicht magisch zu nennende stimmung aus. die gitarren webten, die orgelklänge erklommen lichte höhen, ein fügsames sausen dann doch, während das überragende drumming grundierendes einwarf, gravitätisch tätig war. "anything so bright" wird in erinnerung bleiben mit seiner inwändigkeit, mit seiner kalkuliertheit, der majestätischen getragenheit, aus der heraus sich ein irres zusammenspiel entwickelte, zu dem alle bandmitglieder zu gleichen teilen beizutragen hatten. mit dem verweis auf "free" beende ich den kurzen blick auf dieses konzert. der song bewies auch die rockqualitäten von josefin und co., die gitarren durften jubilieren, die schießbude knattern und sogar die sängerin kam etwas aus sich heraus. 
dunes, sunny afternoon, sanity, free, anything so bright, take me beyond, talk, green blue fields


an dieser stelle kann ich es vorwegnehmen. aidan knight bot das beste konzert des festivals. dabei sind die erstaunlichkeit und die größe des kanadiers und seiner band kaum zu fassen. diese belegte stimmung, diese fast schüchterne zurückhaltung und dann doch diese durchdringende begehrlichkeit, die nach dem hörer fasste. wenn sich die songs, diese sperrigen, abgewandten dinger, feingliedrig und ausgemustert offenlegten, dann nur um dich irre zu führen, wenn sich diese lieder in ihrer verwobenheit diebisch zeigten, weil sie dir deine seele klauten. meine berührtheit habe ich definitiv geteilt, das bewies der blick in die runde. mit stoischer gelassenheit trotzten sowohl das publikum als auch die band den wettern, vor allem dem wind und den düsteren wolken. das käme wohl einem kanadischen sommer gleich, meinte der frontmann gelassen. als zu "each other" wenigstens für einen augenblick die sonne die szenerie einfasste, musste sich zwangsläufig magisches wiederspiegeln. trompeten von rechts, die der klärung dienten, wie sich das diesjährige festival überhaupt sehr bläseraffin offerierte, unterlegt von e-pianoklängen nebst einiger elektronischer soundfinessen, dazu eine griffige rhythmusmannschaft und die sämige stimme aidan knights. 


das blieb ohne ausgewählte höhepunkte, weil sich das set insgesamt zu einem höhepunkt hochpulste. weil man nach und nach in diesen kreisel sorgsamen und bedachten musizierens hineingezogen wurde. die füsse nahmen den beat auf, die knie bewegten sich mit, aus der hüfte kam das melodische beisammensein und der kopf begriff die stimmung und vielleicht auch ein wenig von dem, was uns mitgegeben werden sollte. was sich auf dem aktuellen album der truppe im wahrsten sinne des wortes so einsichtig zeigt, bewies sich im konzert schließlich als eine möglichkeit des offensiveren teilens. wunderbar.
you are not here / the arp / each other / all clear / the funeral singers / what light never goes dim  / master's call / altar boys / a mirror / you will see the good in everyone

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Huhu Eike, tausend Dank! Kleine Berichtigung: "Mammut" heißt der Basser von The Loranes, nicht "Monster". Viele Grüße, Rembert

E. hat gesagt…

haha, danke für den hinweis, rembert. ich habs auf deren homepage noch einmal erlesen und dann doch anders geschrieben, wer weiß, was dahinter steckt...
ist natürlich fix korrigiert.