Freitag, September 09, 2011

red heart the ticker - your name is secret i would write (2011)

vor zwei jahren hatte ich mit freude über das album "oh my! mountains below" von red heart the ticker berichtet. robin mcarthur und tyler gibbons hatten unter dem seltsamen moniker ein wunderschönes indiefolk album vorgelegt. nun schickte mir das paar aus marlboro, vermont, ihr aktuelles werk zu. "your name in secret i would write" wird am 20. september auf auger down records erscheinen und dabei einen ganz besonderen glanz ausstrahlen. denn es ist angefüllt mit einer kollektion von traditionellen new england songs, welche robin von ihrer großmutter lernte, der folksängerin margaret macarthur.

eigentlich aus dem norden arizonas stammend, zog robins gandma in den vierziger jahren auf eine uralte farm in southern vermont, wo sie begann alte folksongs aufzuspüren, zu katalogisieren und sie letztlich auch zu singen und zu spielen. das irre dabei ist, dass die dame einen wollensak reel-to-reel tape recorder auftrieb und mit ihm und ihrer zwei jahre alten tochter loszog, um originalstimmen, mehr noch die gesänge der einheimischen aufzunehmen. 1962 bekam moses asch von margaret macarthur wind, er war damals der chef von flokways records, und bat sie um einige tracks. daraufhin setzte sich die lady abends, wenn die fünf kinder im bett lagen, mit ihrem rekorder an den küchentisch und sang ihre lieder ein. sechs monate nachdem sie die bänder eingeschickt hatte, bekam sie ihre platte zugesandt, "folksongs of vermont" war dier erste von insgesamt neun platten ihrer karriere.
in dem zimmer, in dem sie die lieder lernte und sang, verstarb sie 2006 auch. noch auf dem totenbett, und sie war dank morphiums wie von sinnen und ein goßteil ihres erinenrungsvermögens war bereits verschwunden, erinnerte sie noch die lyrics einzelner songs, nach denen man sie fragte. in dieser frau kulminierten sich landschaft und der geist ihrer musik.

robin mcarthur und tyler gibbons zogen nach einigen jahren in new york und philadelphia wieder nach vermont und bauten sich ein kleines haus ganz in der nähe des farmhauses der großeltern. 2010 bekamen sie einen offiziellen auftrag zur neuaufnahme von margarets song. mit mikrofon und laptop bewaffnet, setzten sich die beiden beauftragten in margarets zimmer, jenes, in dem sie verstarb, und begannen mit den aufnahmen zu "your name in secret i would write".
neben den instrumenten der großmutter, u.a. der 1961er martin oder ihrer dulcimer, fügten red heart the ticker ihre eigenen hinzu: eine 1951er lady gibson, ein fretless banjo (vom großvater robins 1970 gebaut), ein weiteres banjo aus dem jahr 1890, eine kinderorgel aus der jahrundertwende, viola, bass, elektrische gitarre und anderes mehr.

das haus wurde während der session auf eine besondere weise lebendig, die dielen knarrten, die vielfachen stimmen erklangen in wirre, das drumkit übernachtete auf dem flur, das scharren der schuhe war zu hören ebenso wie die vielen instrumente an den wänden widerhallten. dass robin meint, sie käme nicht an den gesang und den ausdruck ihrer großmutter heran, ehrt sie. doch sie hat eine eigene wesenheit und lässt die alten lieder mit einer ganz besonderen note wiedererklingen.
von einer beseeltheit durchströmt, die sich nur aus vertrautheit speisen kann, erklingen diese zwölf, oft sehr unterschiedlichen songs. manchmal leicht stampfend, dann wieder vergnügt und aufgeräumt, hier entzückt, dort verzagt. mal verspielt, dann wieder karg und ausgeschabt. die arrangements sind von einer himmlischen reinheit, immer im vordergrund der gesang, gedoppelt, in harmonie. das sparsame wird dem bild der vergangenen zeit gerecht. robin singt mit versteckter wonne, mit herzlichkeit und güte und dankbarkeit. in sepia getaucht auch der musikalische background. die vorstellung, dass die in arbeitskleidung gesteckten künstler, auf einer holzterrasse beieinander hocken und stundenlang zum eigenen vergnügen aufspielen, wird zur standhaften aufnahme.
am 20. september ist es soweit, auger down records. hier hat die band eine eigene seite zum album eingerichtet.

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