Montag, Januar 25, 2010

konzert: we were promised jetpacks, 23.01.10

fast schon schüchtern das agieren des adam thompson am mikrofon - wenn er das publikum während der pausen zwischen den killersongs unterhalten wissen will. auf ein "hä?" wiederholt er gar in langsam den gesamten sermon, den er wenige sekunden zuvor erst abgelassen hatte und entschuldigt sich obendrein, weil er wohl etwas zu schnell gesprochen hätte. wäre wirklich nicht nötig gewesen. wir haben verstanden, dass eine neue ep auf uns wartet und wir in kürze mit einem weiteren ohrenbetäubenden gewaltakt rechnen können. und prompt blasen die rigorosen gitarrenspuren über uns hinweg, dass man förmlich den kopf einzuziehen gewillt ist. die drums brechen die wälle und klopfen den puls in geordnete, wenngleich viel zu schnelle bahnen. dem kirren bass kann dann nur noch derjenige folgen, dem es gelingt, das gewalt markierende soundgewitter in einzelteile zu zerlegen. ansonsten musste man sich damit begnügen, dass das von sean smith geführte instrument fundamentierender bestandteil einer perfekt funktionierenden musikmaschinerie war. in den konzeptuell angeordneten leiseren passagen, die viele songs der glasgower von we were promised jetpacks durchziehen, beutelte die viersaitige weniger und gab gar feinsinnige texturen preis.

zurück zu adam thompson. während seine entertainerqualitäten eher bescheidener natur sind, tritt er diesen teil seiner persönlichkeit während der darbietung in den schatten. dann nämlich singt er wie er besessener, berserker, ein derwisch. in metallermanier wirft er seinen untrainierten oberkörper nach hinten, überreisst den kopf und schwenkt unversehens wieder retour, um sogleich viel weniger hölzern vokal neue tiraden ins publikum zu schleudern. das ist dankbar und frisst aus der hand. im vorderen drittel des fast vollständig ausverkauften 59:1 steppt der mob, ein crowd surf versuch gelingt gar, aber die statisch wenig vertrauen erweckende aktion findet keine nachahmer. zum glück, ich hatte eh keine hand frei. in unmittelbarer nähe werden die texte lauthals so mitgegrölt, dass es glauben macht, hier hätte man es nur mit refrains zu tun. so einprägsam, so andauernd, so mitreissend ist das leicht verständliche und verrenkungsfreie vokabular von adam und co.

entladungen allenthalben. na klar, vor allem bei den "klassikern": "quiet little voices" ("I'd run to you. I'll come for you. I'd die for you. Quiet little voices. Quiet little monsters.") bietet einen leicht zu definierenden einstieg und versetzte abrupt das auditorium in zukunftsselige verzückung. alles befand sich in bewegung, die dynamik, die von der bühne herüberschwappte, setzte sich lückenlos im publikum fort. die welle brandete schließlich am thresen, von dem sich regelmäßig nachschub geholt wurde, um den eigenen schweißtreibenden aktivitäten nicht später dank dehydration tribut zollen zu müssen. meine argumentation. für die anderen. ich stand eher etwas schockiert inmitten der feierlaunigen. und kämpfte eine zeitlang mit der überraschung ob einer feuerfesten und markigen band. hatte ich doch mit energiegeladen songs gerechnet, aber nicht mit kraftstrotzender, schier übermannender explosivität. die exaktheit im spiel, das spürbar erprobte miteinander sorgten zudem für einen zusätzlichen spannungsrahmen, der ein paket zusammenhielt, das, hätte es auch keine adresse enthalten, immer einen abnehmer finden würde. dafür sorgte allein schon sänger adam thompson. ich komme nicht umsonst immer wieder auf ihn zurück. seine gebährden, der raumgreifende gestus, die grimmige mimik, wie er einen meter vom mikro entfernt brüllt und die fetzen an unsere ohren gelangen. wie er sinnierend innehält. fabelhaft. glaubhaft. keine clowneske, sondern ein musiker bei der arbeit. die drei kollegen gehen bei dieser geschichte etwas unter. sie trugen aber wahrlich einen wesentlich teil zum gelingen bei.

denn es stimmte die balance, nicht zu sehr ins hymnische, um alte 80iger jahre schlachtrösser zu feiern, nicht zu sehr verbraten, um der harmonie willen. da das repertoire noch übersichtlich, vor allem rekrutiert aus dem debut "these four walls" (fat cat) und nur genau deswegen, verdammt, gab es keine zugabe. der bubenhafte darren lackie kletterte als letzter von der bühne, sein drumsticks legte er ordentlich auf der trommel nieder, michael palmer fuhr sich durch die dicken locken, smith hob den daumen und thompson ward da schon nicht mehr gesehen. ich stopfte die hände in die hosentaschen und verschwand trotzig murmelnd in der kalten münchner nacht.
we were promised jetpacks - quiet little voices
we were promised jetpacks - it's thunder and it's lightning

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Jan 28 2010 Loppen Copenhagen

Kommentare:

f. hat gesagt…

Ja, "Energie" ist wohl das Schlagwort für das Konzert - mir bleibt besonders im Kopf, wie er das Mikro wegklappt, und trotzdem immer noch deutlich hörbar (zumindest seitlich der Bühne) singt, schreit..

Oliver Peel hat gesagt…

Die Fotos können noch besser werden, der Text ist allerdings nicht zu toppen! Wie immer also. Ein paar Deiner Ausdrücke müsste ich mir glatt aufschreiben, gehören sie doch nicht zu meinem Vokabular."Er überreisst den Kopf", einfach geil.

Großes Lob, diese Lektüre hat wieder viel Spaß gemacht!

Gut, daß Du schreibst, Daß der Sound nicht zu sehr ins Hymnische gegangen ist, das ist ein Argument für einen Konzertbesuch. Aber für das Konzert in Paris habe ich keine Karte, keine Akkreditation, nichts! Was tun?

E. hat gesagt…

ah, der fallenleger, schön. vielleicht sollten wir einfach mal besser koordinieren und beim nächsten gemeisamen konzert einen schwatz halten?

qoliver: bezüglich fotos hast du natürlich recht. wobei ich besonders hier auf effekte abzielte. die hochgeschleuderten händen, die dynamik sowohl im publikum als auch auf der bühne. mein gerät ist aber sehr limitiert. die planungen sind da fest auf etwas neues fixiert. ob die show in paris ausverkauft sein wird? sei doch wagemutig und probiers! ein abend, um den kopf frei zu bekommen!

Oliver Peel hat gesagt…

Der Kommentar zu den Fotos war keineswegs als Kritik zu verstehen. Ich wollte nur ausdrücken, daß Deine Berichte perfekt und nicht mehr zu toppen sind. Bei den Fotos bleibt da noch ein bißchen Luft nach oben. Für einen Blog sind sie absolut ausreichend und sie belegen das Wesentliche.

Das Konzert in Paris ist tatsächlich ausverkauft, das ist ja das Problem. Mit OK Go haben sie zudem einen Headliner verpflichtet, der wahrscheinlich eher nichts für mich ist. Schau' mer mal...