Samstag, März 16, 2013

konzert: yo la tengo, 12.03.13



 es ist durch die fanbrille gesehen, gehört und abschließend beurteilt. wenn yo la tengo antreten, werde ich nie in die verlegenheit kommen, objektiv sein zu müssen. eine band, die mich seit fast zwei jahrzehnten ob ihrer wandlungsfähigkeit, ihres hohen maßes an kreativität und ob ihrer ungezwungenen juvenilität in ihren bann zieht, enttäusche ich nicht mit marginalien. kleinigkeiten, die einem bei einem der wenigen auftritte auffallen würden, die letztlich nur jenen ins blickfeld kommen, die sich nicht in die bewegte welt des dreiers aus hoboken ziehen lassen wollen. angesprochen wurden später die songauswahl, der sound, die umsetzung dieses oder jenes bekannten tracks. mir trat das gesamtpaket mit ausgesprochen hoher konzentration, mit verve und einem gezügelten enthusiasmus entgegen, wie ich ihn liebe. ausbruch und stoische besinnung paaren sich zu einem komplexen vierhufer, der durch die halle galoppiert und sich die zweifler herauspickt, um sie auf hörnern erneut der bühne zuzuführen. dort entstehen nähe und auseinandersetzung auf eine ganz neue weise.


wenngleich ihnen das alter so manchen schabernack getrieben hat, georgia und ira erinnern in gestus und ausstrahlung an die frühen tagen, da sie auf dem backcover von "ride the tiger" durch den schnee hüpfen. das kontrollierte moment in ihrem bühnendasein mag man als distanziertheit beurteilen, vielleicht ist es auch nur ihre übersetzung von professionalität. sparsam ist der umgang mit dem publikum, auf eine kommende pause wird aufmerksam gemacht, betont, dass jacken und getränke nichts auf der bühne zu suchen hätten, vor allem wenn dadurch die setlist unlesbar würde. der wesentlichere austausch findet auf der bühne statt. dort nehmen die beiden altsemester den neuling, wie er oft noch von hardcorefans genannt wird, in die mitte. james mcnew, seit undenkbar langen zeiten im circle dieser ausnahmeband, ist der lächler des teams, der aufatmer, der kontrolleur der gutlaunigkeit. immer einen schritt im abseits und doch jederzeit bereit, dank einer bassline, eines jugendlich wirkenden gesangparts oder einer flotten moogschneidigkeit kontrapunkte zu setzen. während die kurzhaarige georgia für drive hinter ihrer oft nur mager ausgestatteten schießbude sorgt, pickt ira an diversen e-gitarren note für note, um sie zu memorablen melodien aneinander zu reihen. es entstehen lieder, die die tage überdauern und die sich im schutz all des mülls, der sich tagtäglich auf hörwillige ergiesst, zu großtaten mausern.


wenn im ersten, sehr akustisch gehaltenen set mit "big day coming" ein klassiker aus den frühen tagen erschallt, 1993 erschien der track als single, dann sticht er gerade deshalb aus der masse an neuen liedern heraus, weil ihm nicht nur bestimmte harmonien, licks oder andere zurückliegende erinnerungen anhaften, sondern weil sich worte wie tattoos unter die haut brachten, um in alle ewigkeit gemeinsam gesungen werden zu können: "let's be undecided, let's take our time / and sooner or later, we will know our mind / we'll be on the outside, we won't care / cause we're together, that's somewhere / and there's a big day coming, about a mile away / there's a big day coming, i can hardly wait." doch es wird nur geringe zeit beanspruchen, dass wir uns in ähnlicher weise songs wie "ohm", einem beispiel aus dem aktuellen album "fade", gegenüber sehen. denn zum klassiker lässt er sich eben nur berufen, wenn etwas patina an der zu schleifen geführten melodie klebt. doch schon heute vollführt er den hymnentanz, der ihn später zu einer gediegenen nummer werden lässt.

eine vermutung, die ich mit dem ortskundigen h. durchaus teile. jener zeigte uns nicht nur die schillernden seiten düsseldorfs, sondern nahm uns mit in umgebaute geburtskliniken, die nun als restauration erhalten müssen, in geschäfte, die das bunte und diverse zum alleinstellungsmerkmal erheben, in stadtteile, die sich von der alternative entwöhnen, aber auch in ein pralles stadtleben, das vom flüchtigen argwöhnisch betrachtet werden muss. die geruhsamen ecken dagegen versprachen kontemplation und eine willkommene vorbereitung auf den auftritt von yo la tengo im zakk. das empfing uns mit guter befüllung, die veranstalter schwärmten von einem sehr guten vor-, der allerdings keinen ausverkauf versprach. so war der breite wie lange club hervorragend besucht, die dagewesenen hatten in jedem fall genügend platz, um die plautze zum atmen zu bewegen. denn in die jahre waren hier die meisten gekommen, begleiter dieser ganz besonderen band durch die zeit. die stimmung war gut, nie oberbordend, aber willig und herzlich.



dem beginn mit diversen tracks aus "fade", unter anderem mit "is that enough", "the point of it", "cornelia and jane", folgte die kraftvoll elektrisierte variante, der eine umbaupause von ca. einer halben stunde vorausging. etwas langatmig das ganze, aber umso willkommener der stromstoss über weitere gut zehn songs hinaus. "stupid things", ebenfalls vom jüngsten album, nahm den faden also auf, leitete doch jedoch alsbald zum besten output der band über: "i can hear the heart beating as one" aus dem jahr 97 wurde angemessen sowohl mit "we're an american band" als auch mit "autumns sweater" (in einer allerdings sehr mageren orgelversion) und dem grandiosen "sugarcube" geehrt. dazwischen tauchten "(straigt down to the) bitter end" von "electr-o-pura" sowie die beiden "fade" tracks "well you better" und "before we run" und das kleine "shaker ep" highlight gleichen namens auf. "ohm" in seiner ausgewachsenen form komplettierte das unternehmen nebst dem gern gespielten "more stars that there are in heaven" vom album "popular songs". mit nur einem zugabenset entzog sich die band früher als gewohnt. doch nach pünktlichem beginn gegen 20:30 uhr hatte längst gegen mitternacht erschöpfung um sich gegriffen.


so hatte sich schließlich die reise quer durch die republik gelohnt. der blick auf die liebenswerte georgia, die so routiniert trommelt und gleichzeitig so schwer emotional zu singen in der lage ist. auf ira, den kapitän, der sein schiff durch die wildesten fahrwasser mit sicherer hand zu führen weiß, obgleich er den risiken in form von ausgelassenen, ausufernden feedback gewittern, nicht ausweicht. auf james, den gewichtigen ruhepol. die gemeinsam für ein erinnerungswürdiges schauspiel sorgten. danke.
set 1 (acoustic): ohm / is that enough / double dare / butchie’s tune (lovin’ spoonful) / the point of it / cornelia and jane / i’ll be around / black flowers / big day coming (slow painful version) 
set 2 (electric): stupid things / we’re an american band / straight down to the bitter end / autumn sweater /  well you better / before we run / shaker / sugarcube / ohm / more stars than there are in heaven 
encore: she’s my best friend (velvet underground) / with a girl like you (the troggs) / time fades away (neil young) / yellow sarong (the scene is now) 
sugarcube - yo la tengo

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

schöner bericht. hätte sie auch gerne gesehen, münchen stand aber leider (wieder mal!) nicht auf dem tourplan. hab sie auch glaub ich bisher erst einmal live gesehen, vor unzeiten in der theaterfabrik unterföhring (lang, lang ist's her). war damals eine grobe feedback-orgie, die combo war wohl gerade in ihrer "vu-white-light-white-heat"-phase. bin ihnen aber über die jahre trotzdem gewogen geblieben, sie haben ja regelmäßig sehr schöne platten abgeliefert....;-)))

E. hat gesagt…

ich hatte sie erstmals im kulturzentrum ost gesehen. kannst du dich noch an diese zeit erinnern, mit vielen kleineren clubs und so? ist locker 15, 16 jahre her, incognito hieß der laden, vorband: the pastels.
feedback orgien gibts heute auch noch, ist iras droge. und ich fahr da auch voll drauf ab.

Anonym hat gesagt…

kunstpark ost, klar. auch eine sehr genehme örtlichkeit. gab da ja mindestens 3 hallen unterschiedlicher größe (babylon ? incognito, wie du sagst und noch eine größere...namen weiß ich nicht mehr...). das theaterfabrik-konzi war da noch um einiges früher, muss die "fakebook"-zeit gewesen sein, 1990, 1991, irgendwann in der zeit. war ein doppelpack mit eleventh dream day, die hatten da glaub ich gerade die phantastische "lived to tell" am start, war demnach wohl eher 1991. wie doch die zeit vergeht...