Freitag, Januar 21, 2011

konzert:: 22 pistepirkko, 19.01.11

für ein ungeplantes interview mit den drei herren von 22 pistepirkko hatte ich kräftig mein finnisch aufpoliert. gut vorbereitet fühlte ich mich, nachdem ich die reihung mehrerer mir bekannter nordmannischer künstler-, sportler- und welches ruhmes auch immer gewürdigter persönlichkeiten am stück und in individueller aussprache qualifiziert vor mich hin murmeln konnte. so übte ich noch vor betreten der kranhalle im feierwerk münchen die beispielhafte aufzählung von pellonpää - kaurismäki - häkkinen, flocht gar martti oiva kalevi ahtisaari zur auflockerung ein, über raikkönen - kovalainen - hautamaeki schloß ich schließlich mit paaslinna - sillanpää - nurmi ab. als einstieg befand ich dies recht großartig. schon an der kasse aber die unvermittelte ausnüchterung. kein gästelistenplatz, keine begleitung durch hostess gleiches personal auf die reservierten sitze, kein aufmischen der szenerie durch besondere beachtung und schon kein bock mehr auf gespräche in fremden sprachen. da war sie hin die gute laune, die ich über eine stunde autofahrt so fleißig bemuttert hatte. zudem musste ich mir vom ausschank noch erklären lassen, wie die hier übliche formel für das bestellen eines lumpigen hellen bieres wäre. man war ich angefressen. hatte ich doch glatt vergessen, ein "bitte" mit einzuflechten. ich trat mir selbst auf die füße und zwang mich zur ordnung. schließlich wäre es für alle beteiligten von nachteil gewesen, wenn ich das mobiliar, die bar, den kleinen zuschauerraum, die anlage, ach, das gesamte feierwerk zerlegt hätte. zudem hatte ich begleitung, die ich unter keinen umständen einer peinlichen situation aussetzen wollte. ich schlürfte also mit den hufen scharrend an meinem teuren bier und harrte der dinge, die da kommen würden. die drei finnen asko (bass, keyboard, effektgerät), pk keränen (gitarre, gesang) und espe haverinen (drums, gesang) hatte ich zuletzt im april 2008 im 59:1 gesehen. ein auftritt, der u.a. deshalb so gut in erinnerung blieb, weil er von der veröffentlichung des sehr guten "(well you know) stuff is like we yeah" begleitet war. auf ähnliche unterstützung musste man dieses mal verzichten, denn der neue output des dreiers wird erst im frühjahr erscheinen. doch dies tat dem auftritt von 22 pistepirkko keinen abbruch. die drei fesselten von der ersten sekunde an. nicht unüblich, dass sich zunächst pk keränen in solo die ehre gab und zwei zur gitarre begleitete songs zum besten gab. schon bald aber stiessen die kollegen dazu.

espe, dieses mal wesentlich aufgeräumter, munterer, agiler, an den drums, unschlagbar, im wahrsten sinne des wortes, forcierend, eingrenzend beizeiten, tempo herausnehmend, betonend, immer akzente setzend, und pk's bruder asko, der immer wieder für belustigung sorgende basser, keyboarder und gelegentliche ansager, der neben seinen musikalischen fähigkeiten vor allem mit seiner gelenkigkeit punktete. die hakeligen bewegungsabläufe, da ein bein das andere umrundete und sich der oberkörper über schwerpunkte hinwegsetzte, sind ein schauspiel für sich. gemeinsam zelebrierten sie über gute ein einhalb stunden hinweg ihr fantastisches finngarage- konzept. eine mischung aus blues, garagerock und psychedelic. nicht selten, dass asko via keyboard oder am boden befindliche gerätschaften für giftige schleifen sorgte, für tonale abwanderungen, für verzerrungen, noiseattacken, ergänzt um die kleinen feedback veranstaltungen seines bruders an der elektrischen und gelegentliche feuerwerke aus richtung des kleines drumsets. sehr belebend. im gegensatz zu dem in recht dürftiger anzahl angetretenen publikum (100?) und seiner nur als magelhaft zu bezeichnenden jubelattacken. das war schon eher reserviert. schade.

denn die finnen hätten sicher noch eine schippe drauflegen können. so blieb das miteinander nicht nur symbolisch durch einen breiten graben zwischen bühne und den ersten zuhörern ausgedrückt. ich hatte dennoch meinen spaß. egal, ob espe sang, er begab sich dazu nach vorn und brachte innig ständchen, mit einer warmen, etwas trocken klingenden stimme, oder ob pk mit seinem hellen, von zu viel dunkelheit gestreiften gesang antrat. die drei hielten zusammen und blieben bei aller routine und eingeschworenheit flexibel und innovativ.

hervorzuheben sind pk's gitarrespiel, ob mit bottleneck, über die saiten schleifend töne entlockend oder straff angerichtet, immer eine freude, perlend, aggressiv oder mit freundlichem ausdruck (und dabei erinnert er mich unaufhörlich an den ollen neil young, den gesichtszügen, den bewegungsmustern an der gitarre nach usw.). darüber hinaus liebe ich das unaufgeregte und dennoch so beflissentliche drumming, das so wundervoll durch den rutschbereiten und quirligen bass askos, der ständig in bewegung und deshalb kaum ins bild zu rücken war, ergänzt wurde.

die setlist muss ich Euch vorenthalten, dafür bin ich in der breiten diskografie der finnen nicht ausreichend beheimatet, dafür spielen sie zu oft aus dem bauch und füllen ihr set um unzählige cover auf. dank des tourmanagers weiß ich aber, dass jedes der aktuellen konzerte eine mischung aus altem und ganz neuem material darstellt. insofern, es lohnt sich, die jungs auf den zukünftigen stationen nicht zu verpassen. übt vorher noch ein wenig finnisch, dass Ihr im bedarfsfall akzentfrei auf was auch immer reagieren könnt.

zu guter letzt sollen dos hermanos nicht unerwähnt bleiben, die den sehr gelungenen abend (abgesehen vom start, you know) eröffneten. bei diesem duo handelt es sich um die g.rag y los hermanos patchekos mitglieder senor g.rag, der via megaphon verfremdet sang und gitarre spielte und allerhand bekloppte (siehe foto) und josé aka the black rider, der ebenfalls eine gitarre bediente, ebenfalls perkussion betrieb und zudem sang, allerdings ohne zusätzliche verstärkung, die ein angeschlossenes mikrofon nicht liefern könnte. ihr repertoire umfasste neben eigenen stücken auch werke von hank williams oder fats domino. sie gefielen mir als eine mischung aus two man gentlemen band, trio und the baptist generals. wer damit nichts anzufangen weiß, kann sich über die audiobeispiele hinaus gern einmal mit diesen beiden gewieften burschen beschäftigen.
dos hermanos - schipper
dos hermanos - outside the palace

22 pistepirkko
21.1.2011 Salzburg, Arge A
22.1.2011 Ebensee, Kino
23.1.2011 Wien, Chelsea
10.2.2011 Amsterdam, Bitterzoet
11.2.2011 Arlon, L'Entrepot
12.2.2011 Bruxelles, Le Botanique
17.2.2011 Paris, Batofar

Kommentare:

cucuracha hat gesagt…

schöner bericht! war ein super konzert :)

E. hat gesagt…

yepp, absolut!

Oliver Peel hat gesagt…

Frechheit, daß man einen Bloggertitanen wie dich nicht mit einer Sänfte auf den Gratisplatz getragen hat! In unserer Position hätten wir ja zudem eine vollbusige Kellnerin verdient, die uns Freibier bringt, bis wir abwinken. Pah!

Schöner Bericht, sehr lebendig, tolle Band. Mein finnischer Lieblingssportler war Jari Puikkonen, der Skispringer. Mit dem Aussprechen seines Namens hätte ich dann aufgetrumpft.