Sonntag, März 20, 2016

konzert joan shelley, 18.03.16


wenn kentucky ins wohnzimmer lugt, dann ist die freundliche joan shelley zu gast. dieses aufgeräumte, zugängliche und doch etwas scheue wesen gelangt erst in ihren lieder ganz zu sich, meint man. die am losen band geführte stimme, die von allen seiten begehbar ist, gönnt sich ein schwanken hier, ein zittern dort und wirkt dennoch wie eine feste in der brandung. das mag an den themen liegen, die sie besingt. der blick auf die heimat und ihre menschen. das ist einfach und ehrlich und geht zu herzen, weil man sich nie vorgeführt fühlt. der zuschauer fungiert nicht als projektionsfläche, sondern ist unmittelbarer ansprechpartner. so gelingt es die stille des raums durch tiefe zu potenzieren. und so hängt man an den lippen der künstlerin und während sie "stay on my shore" intoniert, flattert das herz und die gänsehaut ist echt, wie sie schauern macht. der song ist eine einzige sehnsucht, ein halt, ein bann, diese eine stelle, diese harmonie, man wollte sie festhalten. während der kongeniale partner nathan salsburg die saiten springen lässt, als würde man den quell des wassers direkt berühren können, greift joan in gerade zu lichte höhen. das zusammentun des duos ist erfrischend, auf zeit tauglich gebunden und für eine ewigkeit bestimmt.



zwischen isar und viktualienmarkt schraubt sich die rumfordstraße durchs viertel. wenn du die falsche seite, den entgegengesetzten straßenbeginn anvisierst, kannst du dem jüdischen museum einen besuch abstatten. am anderen ende wartet das isartor. kurz davor biegt man in einen hinterhof ab. im freundlichen geviert findet sich eine schreinerei. sie wurde feierlich mit kerzen und retrolampen ausgeleuchtet. das fahle licht taucht das vertraut wirkende ambiente in wärme. das gestapelte holz duftet, im schein des blitzlichts tanzt der staub. die atemwege sind irgendwann dicht, aber der musikalische ausgleich hebt diese begrenzung auf. da ist die in aller reinheit jubilierende sängerin, da ist der so formal und zugleich virtuos agierende gitarrist, da ist ein weiterer mitmusiker, der seine stimme dem harmoniegesang leiht. die vielfachen momente sind an feierlichkeit kaum zu überbieten. wie sich "wine and honey" über die köpfe der vielfachen zuschauer erhebt und sich zu den menschen bettet. auf die teppiche, die zum sitzen, liegen ausgebreitet wurden, auf die holzstapel, auf denen junge und ältere beieinander ruhen, hinter die werkbänke, wo sich neugierige postieren.
joan shelley bietet einen trog voll neuer lieder an, "over and eben" veröffentlichte sie im letzten jahr, setzt mit dem kate wolf cover "here in california" einen wunderbaren kontrapunkt. das konzert hätte stunden weiter gehen können.
ein großer dank gilt den machern von hauskonzerte münchen, die nicht nur die "richtigen" künstler einladen, sondern ein gutes händchen bei der wahl der jeweiligen location beweisen.
zu ergänzen bleibt, dass nathan salsburg das vorprogramm mit fast ausschließlich instrumentalmusik bestritt, was fraglos ausgezeichnet war.

Kommentare:

gerhardemmerkunst hat gesagt…

Feiner Bericht. Hab auch mit dem Gedanken gespielt, aber es kann leider nicht jeder Abend für Konzerte reserviert sein.... ;-))
Viele Grüße,
Gerhard

E. hat gesagt…

danke.
ich würde ja gern öfter, aber das ist vor allem zeitlich nicht zu stemmen. seis drum, umso mehr werden solche ausflüge dann genossen.