Mittwoch, April 21, 2010

neue töne (772): ora cogan

sie ist keine fremde in unseren gefilden. ora cogan. berichtet hatten wir hier. dennoch seien an dieser stelle aus aktuellem anlass ein paar daten zusammengefasst. geboren wurde ora in salt spring island, an der westküste kanadas. früh bekam sie es mit studioaufnahmen und der funktion des elternhauses als herberge, mit musikanten und allerlei verquerem volk zu tun. mit zwölf jahren fängt sie an, ihre eigenen songs zu schreiben. im immer noch zarten alter bringt sie sich den umgang mit gitarre, violine, piano und dulcimer bei. später wird sie zu einer ikone der indipendent szene. sie spielt weltweit auf und hat kollaborationen vorzuweisen, von denen andere ihr leben lang träumen werden. so konnte sie an der seite des agnostic mountain gospel choir angetroffen werden, ebenso wie an der von the be good tanyas oder rio en medio, anni rossi. gemeinsam mit frazey ford, matt anderson und khari mcclelland singt sie acappella im gospel chor. fast jedes jahr legt sie seit 2004 ein neues album vor (2004 "sparrow" / 2006 "tatter" / 2007 "peep creek" / 2008 "harbouring" / 2009 "leaves of life" / 2009 "beautiful star" / 2009 "the boggy mire" / 2010 "the quarry").
"the quarry" heißt also das aktuelle, erschienen auf isolated now waves / borne recordings. nachdem sie bereits mit hope sandoval die bühne teilte und intensives touren sowohl durch europa als auch durch die staaten gewöhnt ist, machte sich ora dieser tage erneut auf die reise (daten siehe unten), um "the quarry" zu promoten. das passiert genauso wenig laut, wie auch das album eher die leisen töne bevorzugt. allerdings wird nicht nur der folkfreund beglückt. im gegenteil begeistert "the quarry" vor allem dank seiner fast schon düsteren atmosphäre. das cover des albums gibt einen kleinen einblick in diese unbestimmtheit (es zeigt das foyer eines hotels in castelló, spanien). kein wirklich beklemmendes ambiente, aber ein ungezähmter moment. nichts, was sich unmittelbar aufzudrängen scheint, sich aber wie leiser schauer über den rücken zieht. ora singt zur gitarre, die man wie ihre stimme oft aus der anderen ecke des zimmers kommend zu hören meint oder wie aus halb geöffnetem kleiderschrank. doch die gleiche atemluft zu teilen, ist ja schon genug. lichtene, geisterhafte stimmung. nebelschwaden, durch die sich das epische vergnügen drängt. ora spielt alle instrumente selbst, die elektrische gitarre, violine, dulciner, drums. das album enthält zwei cover, zum einen sam cookes "troubled mind" und das traditional "down to the river" in einer erstaunlich verschlagenen version, die sehr an marissa nadler gemahnt. zwei instrumentals ergänzen das werk. das besondere an "the quarry" ist der ausdruck von gleichzeitiger unbekümmertheit und ernsthaftigkeit. manche tracks fühlen sich an, als wären sie spontane eingebungen und müssten unvermittelt vorgetragen werden. dabei aber mit inbrunst und dem tiefen gefühl, dem augenblick etwas wirklich wichtiges schenken zu können. "glass towers", zuvorderst ein auf die gitarre konzentriertes stück, tendiert zur strenge und rändert doch aus. "mean as the sun" vergreift sich an orientalischen anklängen, "gather" dräut scheu und doch ist es lieblich, versöhnlich, beweglich. "the quarry" ist ein album voller aufrichtiger momente, die bild- und soundsprache folgt eigenen mustern, denen strenge und agilität zugleich anhaftet. ein folkalbum, aber originär, auf subtile weise exzentrisch, mutig.
isolated now waves hält übrigens noch die kassette "the boggy mire" bereit, auf der ora cogan coverversionen von songs von u.a. rio en medio, elizabeth cotton, irma thomas usw. vorträgt.
konzertbericht im konzerttagebuch: klick!
ora cogan - all god's children (from: "sparrow")
ora cogan - china doll (from: "sparrow")

28.04.2010 Luzern (CH) Treibhaus
29.04.2010 Geneva (CH) Le Contretemps
01.05.2010 Stuttgart (DE) FFUS
02.05.2010 Karlsruhe (DE) Kohi
05.05.2010 Prague (CZ) Kavárna POTRVÁ
06.05.2010 Berlin (DE) Schokoladen w/ Dufus
07.05.2010 Nuernberg (DE) K4 w/ Black Heart Procession
08.05.2010 Bremen (DE) Spedition
09.05.2010 Krefeld (DE) Unrock
10.05.2010 Gent (BE) Cafe Video
12.05.2010 Groningen (NL) de Trefkoel
13.05.2010 Utrecht (NL) DB’s
14.05.2010 Hamburg (DE) Hasenschaukel

Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Danke für den Link, Eike! Erst beim genaueren Hinsehen gefunden, wollte schon meckern.

Ora ist fleißig, das liest man gern. Schöne Beschreibung, wie immer! Aber warum läßt sie dieses Jahr Paris aus?

Oliver Peel hat gesagt…

Dieses Foto von Ora ist übrigens sehr schön. Wer hat es geschossen? Auf Last Fm hat sie mein Bildchen genommen :)