Montag, November 09, 2009

ein (p)fund mp3 (230)

anfang des jahres hatten wir über sie berichtet, da stand "bourgeois beat" noch aus, nun ist das album draußen und svc hat sich neben fridabear records stark gemacht, bravo!:
the skydrops - swimming with fishes (2009)
the skydrops - truth is (2009)
the skydrops - hang on (2007)
indiecater records hat das wahr gemacht, was andere online (download only) labels wohl auch gern täten, sie haben ihren ersten physischen release auf den weg gebracht, entschieden haben sie sich für das tolle album "in the dream of sea life", die dazugehörige band spricht ausführlich über das wehe und werden des albums und unternimmt ende des jahres eine "welttournee" und wir sind dabei, nachzulesen hier:
candy claws - catamaran
nachfolgend: die neuen, jungen, frischen, aufstrebenden? hören wir mal rein, zunächst bei dieser kanadischen folkband mit osteuropäischer frontfrau, drei veröffentlichungen gab es in 2008, für 2010 ist die nächste geplant:
olenka & the autumn lovers – eggshells
ein minialbum steht bei ihnen ins kerbholz geritzt "hymns of love and spirits", hook geladene folkeuphorie (folkorie gewissermaßen):
the wilderness of manitoba – bluebirds
und nun noch eine siebenköpfige truppe, die sich aus anderen bands ihrer heimatstadt saskatoon rekrutiert, am start sind so banjo, violine, lap steal usw., die sich zu alt country zusammenfügen, wie der song heißt auch das debut:
slow down, molasses – i’m an old believer
das duo stammt aus manchester bzw. norwich, plustert sich manchmal auch zu fünfen auf, hat seine erste 4track single demnächst am start und wartet auf feedback (nett: "the label is where it's at is where you are, and the catalogue number is wiaiwya038"):
the middle ones - young explorer
plastilina records, das label aus peru, ist immer für eine überraschung gut, diesmal heißt sie "antiques - the best of the dubious brothers" und nimmt uns mit auf eine reise in die 80iger und ganz nah an c86!:
the dubious brothers - my goodness! this bazaar is like a jumble
"fate unholds" erscheint am 01. dezember auf better looking records und soll von flamenco über krautrock bis hin zu punk einiges zu bieten haben:
tristeza - manitas (2009)
tristeza - tension futura (2009)
"childish prodigy" sollte mittlerweile in allen regalen stehen, wer es versäumt hat, kann sich hierzu nachfolgend inspiration holen:
kurt vile - overnite religion
kurt vile - hunchback

Sonntag, November 08, 2009

neue töne (696): early winter recordings

überschrieben mit "folksongs, improvisations and musical mystery" geht early winter recordings an den start. das kleine label ist mehr oder weniger die kopfgeburt von james green, seines zeichens schalter und walter von the big eyes, siehe post vom vortag. auf early winter recordings tobt er sich quasi auf solopfaden aus bzw. lädt andere dazu ein. mit "tempers" legt er denn auch vor und hält seine ersten soloaufnahmen bereit, 14 an der zahl. es handelt sich um eine sammlung von improvisierten gitarrenstücken, aufgenommen im eigenen studio in sheffield auf einem 2track recorder. ein auszug:
james green - 2 (2004)
neben green agiert als big eyes mitglied u.a. auch david jaycock auf early winter recordings werken, hier auf "gadzocks!", einer veröffentlichung von the broken blackbird ensemble, dabei handelt es sich um eine sechsköpfige truppe, die sich an noise-, sound- experimenten versucht und dabei folk, klezmer, acid rock und vieles andere mehr vermischt, heruntergebrochen würde man heute vielleicht "free folk" dazu sagen:
the broken blackbird ensemble - bambino (2005)
ein besonderer release auf ewr ist denn die arbeit von james william hindle, einem burschen, den ich verloren hatte. seine alben sind labsal und trost und doch vergaß ich ihn. nun erscheint er hier mit einer arbeit, die auf den namen "joshong" hört und gar als das vierte offizielle werk geführt wird. vielleicht muss man es auch eher als compilation verstehen, denn als eigenständiges werk. die elf tracks darauf entstanden in sheffield als auch in brooklyn zwischen 2003 und 2005 und spiegeln eine intime atmosphäre wieder. traumhafte melodien, an deren fleischfreien knochen man sich kaum mehr waiden kann, blank liegen sie da. und der genuss erzwingt sich aus der kühlen konzentration. james tritt an mit "acoustic guitar, bluegrass banjo, harp, percussion, vocals and some manipulated sounds":
james william hindle - bleak house (2006)
die vierte veröffentlichung ist schließlich ein erstes soloalbum von david jaycock, sie heißt "the improvised killing of uncle faustus and other mythologies" und erstaunt mit einem reifen werk, das sich aus jaycocks liebe zur klassischen, zur barockmusik speist sowie seinem faible für ein breites instrumentarium, denn alle instrumente auf dem 14 tracks umfassenden album spielt der bursche selbst: "classical guitar, piano, strings, analogue keyboards and drums". weiter schreibt das label: "He sings a little too. An overall sound description would be a tall order, but suffice to say there are waves of sinister fairground melodies, a touch of flamenco, intricate chamber-pieces, 70s BBC drama atmospheres and some blurry folksong. If you are grasping for a comparison then look perhaps to Broadcast or possibly the Incredible String Band (only in miniature)."
david jaycock - tremolo study (2006)
das vorerst letzte album stammt von acolytes action squad und heißt "winkle time", es brauchte mehr als fünf jahre, um diese aufnahmen endgültig in den kasten zu bekommen, kreiert wurde hier eine wüstenei aus soundscapes, überlagerungen und krachigen elementen, stimmengewirr, mäandernden kangspielereien und vielem mehr, was alex neilson zu folgenden worten zwang: “It recalls the meticulously deconstructed miniatures of astral arbiters such as Alastair Galbraith or Peter Jefferies. In fact, on Winkle Time, a whole spectrum of avant traditions are reconstituted and pished out again. This disk don’t really sound like anything ever to have been sired in the City of Steel….amen to that!”
acolytes action squad - the yak's head pts. 1-2 (2006)

Samstag, November 07, 2009

megafaun - gather, form & fly (2009)

bei megafaun versagt in aller regelmäßigkeit der erste blick. schimmerig entweicht die klare aussage. wie das cover einen waldweg preisgibt, dessen boden im gleißenden licht zu einer undefinierbaren spur aus gelb und braunrot wird, um sich zwischen den stämmen flüssig hindurch zu schieben. als flösse lava aus den nahe gelegenen chapel hills hinab in die niederungen, wo die drei, joe westerlund, philip cook und bradly cook, ihre pferde weiden lassen. auch dieses bild gilt es auf dem artwork des aktuellen albums „gather, form & fly“ zu beachten. das trio zu pferde. beileibe aber nicht nur, um sich abbilden zu lassen. von links: eine demütige szene. ein stoischer augenblick. ein fatalistischer moment. in gänze? brauchts musik, um hinter die kulissen zu schauen.
doch die lässt sich nicht zusammenraufen wie gekehrter abfall. hier musst du in aller aufmerksamkeit sortieren und die spreu vom weizen trennen. und so es dir gelingt, bist du gefordert, wieder zueinander zu fügen, was nach ordnung verlangt. den rest überlässt du sich selbst. so viel genügsamkeit muss sein.
das häufchen zu oberst ist eine unfreche mixture aus country, folk, blues, americana, aus heimatlichen klängen, aus zugewinn und abgesang, aus aufweichen und abledern, aus trennen und einfordern. in der mitte findet sich eine klebrige masse. ein stoff, der riecht, mieft vielmehr. ein muff, der in alten klamotten sitzt, der sich akkumuliert aus dem baustoff lehm, der allgegenwart von kuhmist, dem rauch der feuer, der feuchte des nebels, dem gestank alter männer. am boden findet sich eine essenz, die in ihrer klarheit nach oben drängt. sie strahlt, und wäre man von anfang an wirklich aufmerksam gewesen, hätte man das goldene band erkennen können, das sich bereits durch die oberen schichten schiebt. hier kriegst du die abreibung von romantik-feinden, einen einlauf von sehnsuchts geplagten, einen tritt von krachledernen. die halten dich für einen bretzensalzer! wehr dich, sing mit!
doch! haudrauf sieht anders aus. sparsame routine erst recht. das ist eine einfädelei, wie sie beim klöppeln an den rand des wahnsinns bringen muss. das ist experiment ohne wissenschaftliche methode. das ist das gegenteil von überdruss. das ist der habitus des hand- und des kunstwerkers zugleich.
megafaun gelingt eine melange aus tradiertem, so dass man ihnen jederzeit das geschliffene rundholz abnimmt, und aus neuzeitlichem experiment, das soundcollagen, drone und findigen notenbesatz beinhaltet, so dass man ihnen auch aus rostigen schlüsseln fressen würde. "peace will reside / fall in perfect time / a wave goodbye / one for yours and one for mine / gesture of tides / peace will reside", singen sie uns zum abschluss ihres innovativen albums, das einen weg aufzeigt, um der neu formulierten folkfraktion den zwang zu nehmen. "gather, form & fly" erschien auf hometapes/crammed discs.
megafaun - the fade (2009)

13-Nov FRANCE PARIS POINT EPHEMERE W/ AKRON/FAMILY
25-Nov GERMANY DRESDEN BEATPOL W/ THE DODOS

Freitag, November 06, 2009

zu gehör getragen (105)


pastels/tenniscoats – two sunsets (2009)

> von großer sacht- und bedachtheit berührt, ein taumel im sekundenrausch, grenz-, aber nicht genreüberschreitendes projekt, 3,5-4/5

polite sleeper – lake effect (2009)
> hier lugt um jede ecke das engagement und der wille, die arrangements sind pfiffig, aber lieber weniger im vordergrund und mehr in der hinterhand, dennoch 3,5/5

megafaun – gather, form & fly (2009)
> csn&y wagen psych folk, werden aber von ihren müttern immer wieder durch gesundes essen und frisch gezapftes wasser auf den rechten weg gebracht, 4/5

the deep dark woods – winter hours (2009)
> hingebungsvoller, geradezu lupenreiner und mit abgestimmter geste vorgeführter, aber ebenso überraschungsarmer country folk, 3-3,5/5

eingestreut (71): daniel, fred & julie

was für eine spezielle kombi! wen haben wir denn da? zunächst unser aller herzlichst julie doiron. die immer noch gern angepriesen wird, indem man sie mit eric's trip in verbindung bringt, auf die zusammenarbeit mit mount eerie, herman dune oder wooden stars hinweist. dabei genügte es mittlerweile, sie für sich stehen zu lassen, für ihren einnehmenden, gehaltvollen solooutput. dann hätten wir daniel romano. der hat sich bei attack in black einen namen gemacht. schließlich noch den guten fred squire, bei calm down it's monday unter vertrag und umtriebig bei allen zugange, die ihn brauchen, rufen. zuallererst hängt dabei wohl immer wieder julie doiron an der strippe. gemeinsam haben sie nun ein projekt aus dem boden stampft, das sich ganz dem folk hinwendet. die geschichte dazu ist flott erzählt. daniel machte sich auf den weg nach sackville, im gepäck trug er seine gitarren und einen satz mit folk liederbüchern. in freds garage platzierte man ein aufnahmegerät, ein mikro "was placed on the floor in front of a semi-circle of folding chairs." die arrangements hatte man schnell beieinander, auch die lyrics schrieben sich wie von alleine. daniel und fred übernahmen die gitarrenparts, gesungen wurde zu dritt. so hatte man in ein paar tagen das album beisammen. wie sich das anhört, gibt der appetizer schon preis. karger auftritt, warmherziger auszug und harmonie, wenngleich die texte es nicht immer hergeben. zwei neue songs von dan sind am start (u.a. "runner"), daneben bekannte, ältere tracks in nun neuem gewand. "daniel, fred & julie" erscheint am 01.12.09 auf you've changed records.
01. The Gambler and His Bride / 02. Runner / 03. I Dream of Jeanie / 04. No One Knew My Name / 05. Hallelujah, I'm a Bum / 06. Down By the Weeping Willow / 07. Bonnie Black Bess / 08. Clementine / 09. Your Love / 10. Johnny Sands
daniel, fred & julie - runner

Donnerstag, November 05, 2009

plattenbau (4)

die nächste runde bestreitet coolmikado und er erklärt sich und seinen plattenbau folgendermaßen: "Meinen diversen Umzügen ist es geschuldet, dass es bei mir nicht (mehr) so aussieht wie im Klienicum. Durch striktes Streichen und Aussortieren (ggf. auf HDD) blieb von ca. 10.000 Tonträgern nur noch dieser überschaubare Rest zurück. Dafür kann ich jetzt jederzeit blind ins Regal greifen und habe immer einen Hochkaräter zur Hand...."

neue töne (695): the big eyes family players

geh ich nach der arbeit mit dem wilden vierbeiner auf laufrunde, kommen wir garantiert im dunklen heim. erschreckend weit das jahr. was dann hilft ist neben tee, grog oder warmen bier, eine erdende musik, die so sanft flutet wie die erde draußen dampfend nach einem reichen sommer, nach einem satten herbst und einem langen winter riecht. wem es gelingt, die hand genau nach jenem tonträger auszufahren, der stimmungen unterstreichen kann und passgenau in den färbungen vibriert, wie es das zentralorgan des körpers vorgibt, der hat all mein bestaunen und die verwunderung ob des eigenen dilettantischen tuns. das ist bestimmt von missgriffen und einer art des danebenliegens, die den humor der anderen nicht scheut, aber vor meinem groll nicht sicher ist. ich müsste mich vorbereiten. immer dann, wenn ich eine musik höre, die ich einem bestimmten zustand zuschreiben könnte, müsste ich dies wohlfeil formulieren und notieren, um es dann zu rate zu ziehen, wann sich genau dieser zustand meiner bemächtigt.
"warm room" (26.10.09), über das es hier zu reden gilt, ist das aktuelle album von the big eyes family players, ja, genau der truppe, die jüngst mit james yorkston das formidable "folk songs" einspielte. dass das fünfköpfige künstlerkollektiv auch alleine kann, beweist es nicht erst seit kurzem, sondern seit geraumer zeit. denn das vierte album wird auf den weg gebracht, nachdem es mit "do the musiking", "donkeysongs" und benanntem "folk songs" entsprechende vorgängerwerke gibt. auf pickled egg erschien vor wenigen wochen ein sanfter riese, eingespielt vom kopf der band james green (vocals, guitar, piano, harmonium, cello, percussion, shahi baja, loops, organ, harp, zither) mitsamt seiner etwas umgestellten mannschaft: ellie bond (violin), gemma green (harmonium), chris boyd (drums) und heather ditch (vocals). gemeinsam visierten sie ein album an, das eine art ode an die "folk music" darstellen sollte. "There are ‘songs’, in the form of the traditional pieces (the despairing ‘False True Love’) and original numbers (the dream-story ‘White Bones’ and bloody Spanish lament ‘Rojo’), but elsewhere the focus is on texture, the landscape and the mood of the traditional folk form, and is reflected in pieces such as the love-song-raga ‘A Lick and A Promise’, the pastoral ecstasy of ‘Galapagos’, the chaotic skip of ‘The Great Pin Dance’ and closer ‘Song for Newborough Warren’ (inspired by the great sand dunes of the nature reserve on Anglesey, Wales).", schreibt das label. the big eyes family players haben also das genre durch ihre filter gepresst. was dabei herausgekommen ist, kann man nachhören. ich nehme es für solche kühlen herbstabende her.
the big eyes family players - for cognac (2006)
the big eyes family players - die nacht (2006)
the big eyes family players - gentle neck (2003)
the big eyes family players - the victim (2002)

Mittwoch, November 04, 2009

eingestreut (70): the idyllists

das geht auch mal. reminiszenzen an die sixties, verwurzelung im mod und irgendwo die große popnote mit untergebracht. hört sich alles britisch an, ist es aber nur teilweise. denn the idyllists stammen aus los angeles, lediglich sänger ian webber stammt aus britannien. in 2009 haben die sechs ihr debut "the long hours between sunset & morning" auf den markt gebracht, produziert wurde es von david cobb und aufgenommen von greg gordon. es klängelt und dengelt aufs erfrischenste, genau richtig, um den herbsttagen etwas entgegen zu halten. zudem ist es covertechnisch ein glanzlicht, wie es sich an das blue note artwork anschmeichelt und zugleich in warmen farben tönt.
the idyllists - great love story
the idyllists - you’re gonna break my heart someday
the idyllists - one true love

konzert: mumford & sons, 02.11.09

unterhaltsamer abend, fürwahr. mumford & sons standen auf der bühne des atomic café und machten schnell deutlich, dass sich hier eine geschulte, junge band einfand, die noch weder die freude am spiel als auch nicht den kontakt zum publikum verloren hat. erfrischend die ansagen und die kommunikation zwischen den einzelnen titeln des eine gute stunde füllenden sets. im rund allerorten zufriedenheit auf den zumeist unter dreißig jahren beanspruchten gesichtern. eng an eng stand man in den ersten zehn reihen, danach etwas windschiefe lockerheit unter den vielen amazon gewinnern, deren einsatz via mail traf oder jenen, die als freunde mitschlurfen durften. so kungelten denn die vorgeblich eingeschworen mit karohemd und/oder lässig geneigtem mützchen (so hässlich) und die anderen, die zum teil noch nie von der londoner band gehört hatten, ein wenig um die besten plätze. doch nicht einmal unmut kam auf, als sich die band ob des champions league disasters der bayern zu anfang des jahrtausends lächerlich machten. echte kerle fehlten im auditorium. spätestens als die vier briten sich beklagten, dass sie keinerlei kontakte zu deutschen "fraulein" hergestellt bekämen, wäre es an der zeit gewesen, den insulanern einzuheizen. denn vorzeigbare bubis mit backenbartbehaarung und traurigem sitz der hosen haben wir doch allemal. ob es denen allerdings gelänge, auch so enthusiastisch und unverwerflich krawallig musik zu machen, die den folk mit voller wucht trifft und den rock 'n' roll auf knallendem bass und geschredderter gitarr' schraffiert, bezweifeln manche. in welcher tradition man stehen muss, und die briten sind da gut bestückt, überlass ich dem leser, um solcherart scheunenparty zu feiern, aber einen neuzeitlichen zugang gibt es allemal. die fleet foxes, kolportiert man, wären eine referenz. doch ganz so weit möchte der geneigte hörer nicht gehen, da die harmoniegesänge des quartetts keinswegs so gestochen kommen, wie es die amerikanischen kollegen tönen lassen können. grobschlächtiger möchte man meinen, weniger am wetzstein massiert. nur der melodien wegen braucht man sich auf dem eiland jenseits des kanals nicht zu schämen. lauter memorabler stoff. dass sich der vor allem vom aktuellen album rekrutiert, versteht sich von selbst, da im vorhinein, bis auf eps und 7", nichts aktenkundig wurde, was die qualitätskontrolle von marcus mumford, country winston, ben lovett und ted dwane passierte hätte. so goutierte die runde das aufgeregte "winter winds" mit flinker guitar und dem allgegenwärtigen banjo nebst gänsehaut-harmoniegesang, "the cave", das so anmutig beginnt, "sigh no more", das im breitwandgesang an der spitze ins programm geführt wurde und sofort für aufmerksam sorgte, das hüpfende "little lion man" mit dem energischen gesang, "dust bowl dance", dem ich verfalle, noch bevor der dritte, vierte ton im keyboard versinkt. der schweiss ran, die socken brannten, bühnenbilder wären beim vorletzten stomp gestürzt, doch die burschten brachten ihren auftritt sauber inklusive schlagzeugeinsatz (für eingeweihte) nach hause. im abgang der dank, im wiederkehren auch. ein lied und wieder dank und abgang. dass sich die vier für "sister" noch einmal einfanden, verdankten sie einem aufgewiegelten publikum, einer münchner runde, wie man sie doch eher selten vorfindet. der flott/betulich rhythmus, der wechsel von laut auf leise und das charisma manches der bandmitglieder glühten unterkühlte hauptstädter auf. dicht an dicht mit ihren fans brachten mumford & sons ein akustisches ständchen, das, wie sie glaubhaft versicherten, garantiert der letzte akt sein würde. in einer perfekten inszenierung.

Dienstag, November 03, 2009

eingestreut (69): strand of oaks

strand of oaks album "leave ruin" habe ich im aktuellen listenterror unter ferner liefen aufgeführt. leider. denn der bursche hinter dem unsachlichen moniker hat einiges zu bieten. intensität, gefühl für stimmungen und ein unheilvolles organ. das fährt er aber viel zu selten aus. resonanzraum wäre vorhande. nun spielte timothy showalter eine kleine feine hearya live session und ich habe daraus den wirklich großartigen track "end in flames" herausgepickt. er ist göttlich und in der live eingespielten version nicht weniger bedeutungsvoll, als ich ihn bereits vom album herab anerkannte. dazu die bewegten bilder und ein bis dato unveröffentliches lied mit "daniel's blues". have fun.
strand of oaks – end in flames
strand of oaks – daniel’s blues (previously unreleased)

Montag, November 02, 2009

glotzt nicht so romantisch (70): the leisure society

mal wieder nur ein paar worte, schweigen wäre wohl eher angebracht. eine le hiboo live aufnahme von the leisure society. aha, und der cellist und der violinist gehören gar nicht zu the miserable rich oder doch, oder nein, ja? im zweiten teil dann der song im originalvideo:



ein (p)fund mp3 (229)

am 17. november erscheint "score! 20 years of merge records", mit dabei u.a. dieser track hier:
xiu xiu - volcana (i hope you hear the train crashes remix)
den besten pop gibts auf cloudberry, im november dann die 7"er "how to look imploring" von einer in diesen kreisen nicht gänzlich unbekannten band:
horowitz - how to look imploring
zudem erscheint am 10.11. ein split, der sich namentlich ganz einfach nur auf die beteiligten kapellen bezieht, hier twee, dort powerpop:
madamm - lately i've been so blue
taggarna ut - the secretary
neu auf secretly canadian sind jene nicht ganz unbekannten gestalten, zunächst yeasager und wohl was-auch-immer-meiner mit der 12" "ambling alp":
yeasayer - ambling alp
und dann kommt uns dieses blitzsaubere paar und will wohl herbststürme begreinen, auf dass der winter zügig erscheinen möge:
molina and johnson - twenty cycles to the ground
molina and johnson - almost let you in
"childish prodigy" erschien am 6. des oktober auf matador records, der the war on drugs gitarrist hat den sprung zum major offenbar gut verdaut:
kurt vile - overnite religion
kurt vile - hunchback
ein wenig frauenpower und dafür unsere herzlichste unterstützung, im januar kommt das neue album "heart of my own":
basia bulat – gold rush
ein spaß, das ganze album gibt es ebenso im freien download-verkehr, nämlich hier:
ukulele loki's gadabout orchestra - daylight savings
auch eine der schöneren nachrichten der letzten tage, ein neues album kommt, hört auf "received pronunciation", releasedate ist der 10.11.:
pants yell! - cold hands
einstellen auf "islands", das am 04.11. den startschuss um die ohren gejagt bekommt, auf labrador, klar:
the mary onettes - puzzles
the mary onettes - dare

emily jane white
23.11. Dresden – Dreikönigskirche
24.11. Langenau – Kapilio
25.11. Offenburg – Spitalkeller
26.11. Magedburg – Volksbad Buckau
27.11. Dortmund - Subrosa
28.11. Wesel – JZ Karo

Sonntag, November 01, 2009

plattenbau (3)

die dritte runde im 'plattenbau' führt uns in die hauptstadt, wo uns dennisdet begegnet, ebenfalls mitglied in der last.fm gruppe! vielen dank!

neue töne (694): marshmallow coast

ein sound, der mich zurückbeamt in eine zeit, da ich samstag nachmittage vor der glotze hing, um abgefahrene science fiction filme zu gucken. die waren immer mit so sinistrer musik unterlegt. ein pfeifen und sirren, voller sternschnuppen eben. das wabern und röcheln und atmosphärisieren. gelungen vor allem, wenn dazu silberfarbene elemente durchs bild hüpften. ganz so weit wollte man bei marshmallow coast nicht gehen. aber diese unherbe lieblichkeit, die haben sie auch. "phreak phantasy" ist ihr letztes und aktuelles album und es lechzt danach, gehört zu werden, benutzt, gebraucht zu sein. so wie ein absolvent, der in die mangel genommen werden will, dessen engagement nicht auf halbmast baumeln, der nicht die papierkörbe nach brauchbarem absuchen will, um alte schnipsel auf bleistifte aufzuspiessen, um sie, in reihe aufgestellt, später zu kommandieren.
happy happy birthday to me ist die company, welche solcherart produkte vertreibt. und wer sich nicht schon an bunnygrunt, afternoon naps oder casper & the cookies herangeschmissen hat, der sollte es vielleicht mit andy und sara aus athens versuchen. die beiden treiben ihren lofi sound schon seit '96 auf die spitze und haben dabei so viele labels genutzt wie andere unterhosen. naja, nicht beide, vor allem er. also, das nutzen von labels, nicht unterhosen. denn andy gonzales ist ohne zweifel der kopf dieser unternehmung, der es nie an popappeal mangelt und durch deren vermeintlich gemeinen charakter immer wieder die größe eines george gershwin schimmert. ehrlich.
marshmallow coast - hangin' on a cloud (from "phreak phantasy")
marshmallow coast - sailing around the world (from: "say it in slang")
marshmallow coast - so's with emeralds (from: "ride the lightnin")
marshmallow coast - chameleon (from: "ride the lightnin")
marshmallow coast - seniors and juniors (from: "seniors & juniors")

Samstag, Oktober 31, 2009

neue töne (693): science of sound

science of sound hatte mir ursprünglich singuläre freuden bereit. da kümmerte ich mich lediglich um sleeping in the aviary bzw. pale young gentlemen. lässt man aber seinen blick ausgiebiger über das label aus madison streifen, trifft man immer wieder neue und/oder/auch zukünftig gern gesehene bekannte.
so sind mir auch die auf schmalspur komponierenden burschen nick und carl unter die finger gekommen. sie stammen ebenfalls aus madison und brachten "coffins" zunächst im selfrelease heraus, bevor sich science of sound nochmals seiner annahm, um einen rerelease zu starten, geschehen im mai dieses jahres. glücklicherweise, sonst käme man wohl nicht so leicht an diese luftigen popsongs, die irgendwie eine dunkle note verströmen. die sondert sich aber nicht so mir nichts dir nichts ab, die kommt von irgendwo und will wahrgenommen werden wie eine diva:
icarus himself - coffins
icarus himself - sometimes i can't stand you, but...
icarus himself - 35 to life
ein paar monate zuvor erschien eine split 7er, auf der sich zwei punkorientierte kapellen einfanden, zum einen die von mir bereits vielfach beschriebene band, die sich um eine neue banddame reicher sieht, zum anderen ein two piece, das sich gewaltig an der schießbude, garageig an der gitarre gibt, um gemeinsam durchs mikrofon zu blasen; das scheibchen ist mit fünf tracks gut bestückt:
sleeping in the aviary - automatic (for krol)
the hussy - one time
schließlich haben wir als jüngstes produkt von science of sound noch auf das dritte album dieser kapelle hinzuweisen: "the mighty lunge" erschien am 20.10. und umfasst acht tracks in knapp 30 minuten, also auf den punkt gebracht von diesem äußerst sympathischen vierer, der ebenfalls aus der region stammt, förderung des eigenen bezugskreises steht hier also im vordergrund, seit anfang des jahrtausends spielt die band zusammen und hat, wie bereits erwähnt, schon ein respektables ergebnis in form von tonträgern vorgelegt:
his & her vanities - hits like hail
his & her vanities - wait it out
und zur erinnerung gibt es älteres material ganz kurz und knackig in form von hörbeispielen:
sleeping in the aviary - write on (2008)
sleeping in the aviary - pop song (2007)
pale young gentlemen - kettle drum (2008)
whatfor - fast asleep (2008)
she is so beautiful/she is so blonde - days (2007)
charlemagne - pink and silver (2006)
his & her vanities - into the wall (2004)

Freitag, Oktober 30, 2009

eingestreut (68): get well soon

mal in kürze, wie die überschrift es verlangt. bezüglich get well soon hat mich der beverunger auftritt zu pfingsten eines besseren belehrt und ich war der band um konstantin gropper zugetan. am achten januar wird das neue album auf city slang erscheinen und ich sonne mich mit vielen anderen in vorfreude. vielleicht ist meine nicht so ausgeprägt, aber dennoch vorhanden. "vexations" soll das neuwerk heißen und wird großtönig agieren, an bord streicher- und bläserquartette, aufgenommen in einem professionellen tonstudio. alles neu, obwohl man es bei der professionellen gangart des burschen nicht eh schon glaubte. inhalt: die stoiker. also jene, die auf ganzheitlichkeit setzen, aus der sich heraus das göttliche prinzip schält. mutig, aber türen öffnend für jede form von opulenz. unzulänglichkeiten hat er sich diesmal gespart, meint denn gropper auch mutig in die zukunft schauend. wir sind gespannt.
tracklist: 01. Nausea / 02. Seneca's Silence / 03. We Are Free 04. Red Nose Day / 05. 5 Steps / 7 Swords / 06. We Are Still... / 07. A Voice In The Louvre / 08. Werner Herzog Gets Shot / 09. That Love / 10. Aureate! / 11. We Are Ghosts / 12. A Burial At Sea / 13. Angry Young Man / 14. We Are The Roman Empire
get well soon - if this hat is missing (i have gone hunting) (2008)

eingestreut (67): the ballet

hatten wir neulich noch frohlockt, dass ein neues agnes kain album erscheint, jubilieren wir angesichts der tatsache, dass nun endlich the ballets zweitling erscheinen wird. schon im oktober 2007 machten wir auf "bear life" und eine mögliche tracklist aufmerksam. und als wir die band im januar auf der candy club party trafen, versprach uns greg goldberg ein exemplar. welches ich ohne zu zögern einfordern werde. denn diese art von musik sollte niemand verpassen. sie weitet die arterien und lässt nach atem ringen vor lauter sauerstoff! pop, electro und die weichspülernote einer feinen orgel, eines verzückten keyboards machen the ballet aus, dazu handclaps, gewinnendes lächeln und ein drive, der sich von hinten ganz zaghaft an einen heranmacht. außerdem ist die truppe so sympathisch, dass man sie allesamt einladen möchte, um sie mit essen und trinken vollzustopfen. schmal sind sie ja. am 21. november erscheint denn "bear lif", an dem u.a. auch scott matthew und kaki king mitgewirkt haben sollen. so schließen sich wieder einmal kreise.
1 — Chinatown / 2 — Dangerous / 3 — The House on Fire / 4 — Teenage Medusa / 5 — Kitty / 6 — I’m Going Through a Personal Transformation / 7 — Rough Trade / 8 — You Call Me / 9 — Girlfriends / 10 — Never Go Home / 11 — Murder at the Discotheque / 12 — Expectations
the ballet - the house on fire (2009)
the ballet - i hate the war (2006)
the ballet - in my head (2006)

Donnerstag, Oktober 29, 2009

neue töne (692): midlake

traditioneller britischer folk soll angeblich beherrschend sein: auf dem neuen midlake album. da wähnt man sich im traumland. hätte ich mir wünschen dürfen, in welche richtung sich die band aus denton entwickeln sollte, ich hätte genau auf diese stelle mit meinem finger gewiesen. "the courage of others" erscheint am 29.01. des kommenden jahres auf bella union/cooperative music und wird dann glatte vier jahre zwischen sich und dem vorgänger "the trials of can occupanther" gebracht haben. ein stolzer zeitraum für eine band, die für ihre arbeit den lohn erhielt, den man sich wünschen kann. volle häuser und einen guten absatz zumindest des letzten albums, das in der presse durchweg gut ankam. die soften, hymnischen und eindringlichen songs trafen den nerv und nahmen kapellen wie die fleet foxes fast ein wenig vorweg. dennoch lobenswert, dass der fünfer nicht weiter auf diese karte setzt, sondern versucht, sich neu zu orientieren, sich neu zu erfinden, neue angebote zu machen.
tim smith beschreibt den charakter der neuen lieder: "closer to my heart than those of the first two albums, because, I don’t feel I’m looking at the songs through someone else’s eyes. I’ve tried to keep it as true to myself as I could." wirklich lässig ging ihnen die arbeit am neuen werk aber nicht von der hand. der erwartungsdruck infolge des hervorragenden feedbacks hemmte eher und stand ihnen etwas im wege. eric pulido, seines zeichens gitarrist, meint dazu: "there were lots of growing pains. with time comes struggle - personally, financially, and motivation. but we didn’t want to make the same album as 'van occupanther', so we carried on moving and creating and pushing for a newer sound and emotion.” so soll "the courage of others" noch ruhiger, dafür dunkler und atmosphärisch gespenstischer geworden sein. kann man die spannung besser anheizen?
tracklist: Acts of Man / Winter Dies / Small Mountain / Core of Nature / Fortune / Rulers, Ruling All Things / Children of the Grounds / Bring Down / The Horn / The Courage of Others / In The Ground
(konzertreview aus 2007 / albumrezension "van occupanther")
midlake - we gathered in spring (2006)
midlake - van occupanther (2006, live bbc)

Mittwoch, Oktober 28, 2009

plattenbau (2)

ghacktes aus der 'klienicum' last.fm gruppe zieht nach und gewährt uns einen einblick in seinen plattenbau. danke dafür!

evangelista - prince of truth (2009)

eine form von wochenenderholung. im angeschlagenen, hölzernen bürostuhl, die füsse auf dem schreibtisch lagernd, mehr liegend als sitzend musik hören. es läuft "prince of truth" von evangelista. dabei in sam shepards "rolling thunder" blättern, stellenweise lesend. eine gespenstisch gut funktionierende verbindung, eine symbiose aus fleckenteppich und größflächiger bepinselung. die schemenhaften beschreibungen des die comeback tournee dylans begleitenden schauspielers und schriftstellers ornamentieren den düsteren reigen kakophonischer gothiktrümpfe. die wegelagerei des dylantrupps, das bekämpfen von langeweile abseits der konzerte, die auseinandersetzungen um individualiät und persönliche freiräume erhalten untermalung durch den griffig staunenswerten stoff der band um carla bozulich. im hexentanz umrunden perkussive elemente und ausdauernde saiteninstrumente einander, wie von tauen gehalten, am langen band der charismatischen sängerin. in deren textliche erprobungen fliessen die beobachtungen shepards, dieser mal oberflächlich amüsiert (dylan und co. agieren gekünstelt vor der kamera), mal aufgeregt (dylans frau soll kommen, wie wird sich die konkurrenzsituation zu joni mitchell und joan baez darstellen?), mal witzig (dylan kauft eine maske seiner selbst und tritt mit ihr auf, das publikum ist sich auch dann nicht sicher, wen es vor sich hat, als der meister das teil ablegen muss, um mundharmonika zu spielen), mal übertrieben ruppig (ich bin so geil, vor mir wäre selbst ein loch in der luft nicht sicher).
eine koexistenz, die unterschiedlicher nicht besetzt sein könnte. dort die wankelmütige karawane, hier die unerschrockene erprobung detaillierten stillstands. "gospel noise" nennt bozulich das unterfangen aus konstruktion und dekonstruktion, das mit konzentrierter besessenheit und aufopfernder dynamik nach kontextueller versöhnung sucht.
schöpferisch ist carla bozulich sicher an einem höhepunkt angelangt. die stationen the geraldine fibbers, ethyl meatplow oder scarnella wollten genommen werden, um carlas ausdruck zu schärfen, theatralische symbolik abzulegen, um das wettern und flüstern so zu üben, dass es, jeglicher selbstreferenz abhold, alltagstauglichkeit beweist. unterstützer dabei die herausragende mannschaft um tara barnes, dominic cramp und nels cline: shahzad ismaily, ches smith, jessica catron, devin hoff, thierry amar, nadia moss und jonah fortune.
"am i here to watch over you/am i here to destroy you/am i here just to think it matters what i do", heißt es im opener "the slayer", carla sticht in ihrer eigenbrötlerischen art die worte zwischen die schneidenden gitarrenspuren und den haufen marodisierender geräuschemacher. hupe, säge, gongs und bass fahren auch durch die parade, als carla in "tremble dragonfly" mit ihrem schutzbedürftigen organ singend formuliert: "tremble dragonfly. tremble on. on. touch me with your wing. wicked flying thing" und dominante streicherarrangements oberhand gewinnen wollen. doch: "i will let you win. dusty wing span moving so fast. still it stained itself like a church. glass dipped in dirty sound never touch the ground. everybody wants to pin you down".
nichts ist unerlässlicher als sich zu bewegen und herr seiner selbst zu sein. die wahrheit zu suchen, ist eine aufgabe, die sich nicht losgelöst von der tatsache betrachten lässt, dass es keine gibt, die sich einfach nur auflesen ließe. carla ist radikaler denn je. und überrascht bei aller gezielten dissonanz mit harmonie und einklängen, die sich wie in "i lay there in front of me covered in ice" an gitarrensentenzen und einer von cramp weissagenden orgel genüsslich schuppern. "you are a jaguar" katapultiert aggression und nimmt atem, spitzfeuriger kannst du die saiten nicht schreien! weitere vier tracks später steht die gewissheit auf festem grund, dass der vorzüglich besetzten band inklusive ihrer außergewöhnlichen frontfrau ein genrefernes bzw. -übergreifendes und zugleich radikal maßstäbe setzendes werk aus noise, improvisation, post-industrial, gothic, experiment und musique concrete gelungen ist.
"rolling thunder" endet in einer szene, die sich aus dem stoned-sein der protagonisten speist, dylan stört aggressiv die premiere eines shepard stückes. "die kritiker wissen nicht, was sie davon halten sollen. ist ihnen etwas entgangen? wer war der maskierte, der eben im roten mantel mit gauchohut brüllend vorbeigesprengt ist? ist das stück schon zu ende?"
"prince of truth" erschien anfang oktober auf constellation.
evangelista - the slayer

Dienstag, Oktober 27, 2009

glotzt nicht so romantisch (69): yo la tengo

ohne worte. dank an 'don't look down' + pitchfork: tv.



neue töne (691): ólöf arnalds

12 tónar ist für die wenigsten ein begriff. so gehen denn auch veröffentlichungen, die auf labels dieser größe an den start gehen, zumeist unter. dabei hat das isländische unternehmen, das auch einen plattenlanden in reykjavik beherbergt, einiges zu bieten. unter anderem ólöf arnalds, die im jahre 2007 ihr erstes soloalbum "vid og vid" veröffentlichte. die presse, zumindest sie nahm wahr und tat dies kund, war einhellig begeistert von der schimmerigen atmosphäre, die dieses sparsam ausgestattete werk zu bieten hatte. die stimme ólöfs changiert zwischen den polen kath bloom, und ist dabei nicht so brüchig und alternd, und joanna newsom, und vermeidet doch das kieksend kindliche, das überschlagende. im gegenteil fühlt man bodenhaftung, gar standhaftigkeit, als gelte es die formulierten wahrheiten demonstrativ zu bestärken. und doch ist "vid og vid" fragil und luftig. zum feingliedrigen organ arnalds' fügen sich genügsam die instrumente. gitarre, viola, spielerisch untermalend, selten akzentuiert aufdringlich, charongo und koto, die das außergewöhnliche und fremde der musik der jungen isländerin unterstreichen. und doch fühlt man sich verbunden, gar hingezogen zu den verwinkelten fährten, die ólöf legt, will spurensucher sein, die weichförmigen verwehungen im schnee ergründen, zwischen dünnen birkenstämmen nach den feen spähen. das herz ist weit geöffnet und lässt einlass.
one little indian schickt sich nun an, "vid og vid" noch einmal eine chance zu geben und veröffentlicht es am 30.11. neuerlich. verkaufstaktisch klug, da die junge songwriterin, die unter anderem auch tourmitglied bei múm ist, in den vergangenen jahren nicht auf der faulen haut lag und bald ein neues album präsentieren kann. wer also das 07er werk nicht kennt, nutzt es als appetithappen auf den im neuen jahr erwarteten frischling "ókídókí", der wie der vorgänger von kjartan sveinsson (sigur rós) produziert wurde. nachstehend ein erster hinweis darauf, wohin es gehen wird (und abschließend der hinweis, dass es sich bei ólöf selbstverständlich um die cousine von olafur arnalds handelt, mißverständnisse ausgeschlossen):
ólöf arnalds - vinur minn (rough mix, via stereogum)

Montag, Oktober 26, 2009

ein (p)fund mp3 (228)

"let's just stay here" kam mitte oktober auf mint records heraus:
carolyn mark - all time low
am 24.11. erscheint "big deal. what's he done lately?" und wir krachen uns schon einmal ein wenig warm (wird es plagiatsvorwürfe geben?):
brimstone howl - suicide blues
"sunset/sunrise" ist der aktuelle output der band aus seattle und erschien auf hardly art, wir hören mal rein, gell:
the dutchess and the duke - living this life
the dutchess and the duke - hands
lieblich lieblich, das album heißt "arrow" (auf frog stand), wohin geht die reise von:
clare & the reasons - ooh you hurt me so
auf "the conformist" darf man schon einmal aufmerksam machen:
doveman - breathing out
doveman - the best thing
"washington" erscheint mitte november auf peapod (wir hatten hier bereits einmal ausführlich über diese schnieke company berichtet), robinson-band aus biddeford, maine:
south china - escape (sample)
south china - painting (sample)
south china - terry head (unreleased)
schneidig, "you should have killed when you had the chance" erscheint am 1. dezember auf saved by radio, beim bandnamen hätte ich auf twee getippt, aber der erste eindruck weist auf deutlich rockigere komponenten:
parkas - the gang's all gone
etwas flockiger und relaxter kommen sie uns mit einer acht track free compilation auf ihrer homepage:
bend sinister - jimmy brown
auf own records gibt es einen neuen alten release zu begrüßen, "the bowery" hat ein europäisches label gefunden und erfährt eine widerbelebung, zu recht (wir schwärmten im sommer des letzten jahres):
the firekites - same suburb different park

rolling stone weekender
06., 07.11. - weißenhäuser strand/ostsee

eingestreut (66): agnes kain

auf diese nachricht warte ich geschlagene zwei jahre. ein neues album von agnes kain. an der konstellation hat sich nichts geändert. es handelt sich immer noch nicht um eine einzelne akteurin, sondern um das singende und musizierende paar chanelle afford und stefan simunic. "keep walking or i'll kill you" hieß das debut in 2007 und erschien ebenso wie der nun nachfolgende longplayer auf half a cow records. wenigstens dem heimatlichen label ist man treu geblieben, denn die beiden stammen zwar ursprünglich aus australien, zogen aber bald auf die insel, auf der sie mittlerweile einen festen wohnsitz in london gefunden haben. ist ja alles legitim und vielleicht auch nachvollziehbar, dort warm, hier kalt und nass. tut der musik zum glück keinen abbruch. während sich chanelle auf ihren samtenen und irgendwie kleinkind-freundlichen und dennoch wissenden gesang konzentriert, macht ihr stefan per gitarre und backgroundgesang ständig komplimente. so wurde das was in 2007. und in 2009 heißt es "across the ocean grey" und klingt nicht weniger freundlich und anschmiegsam. nur ernsthafter, will ich meinen. als träfen sie die punkte, die sie schon vormals avisiert hatten, besser. die vergangenen zwei jahre haben die beiden genutzt, um sich die welt anzusehen, vielmehr "the northern hemisphere", wie sie es selbst formulieren. im dunkeln bleibt, wo sie sich überall herumgetrieben haben. fest steht, es war eine spannende zeit, in der sie an den unmöglichsten orten übernachteten, essen teilten, viele neue menschen kennenlernten usw., vieles davon lässt sich auf dem neuen album wiederfinden. aufgenommen wurde in london, das mastering erfolgte in glasgow. ich freu mich auf "across the ocean grey". zur einstimmung empfehle ich die myspace seite, auf der man vier neue tracks bestaunen darf. unten anstehend ein aktuelles video.

Sonntag, Oktober 25, 2009

neue töne (690): serious business records

wie ein gutes wirtshaus. hier kannst du immer einkehren und bist auch gern gesehen (hier und hier), selbst wenn du dich ein paar jahre hast rar gemacht. und die bedienung ist freundlich und nennt dich beim namen. die speisen sind variantenreich und von immer gleicher qualität. wer ein wenig serious business records vernachlässigt hat, dem wird es ähnlich ergehen. wie ein gutes wirtshaus geriert sich das label aus new york. die letzten neuigkeiten wollen nun berichtet sein und so geben wir uns mühe, dies in aller knapp- und angemessenheit zu erledigen.
der letzte release stammt von annie nero und josh kaufman und ist eine drei track ep, aufgenommen auf einem 4track kassetten recorder in 2002/2003. "francypants" erschien bereits im jahr zuvor, wurde aber via sbr noch einmal neu aufgelegt, und ist die zweite veröffentlichung des paares (dawn landes hat übrigens auf ihrem album "sweet heart rodeo" einen song der beiden gecovert), ein geruhsamer shuffle im zwiegesang:
jack and the pulpits - franypants (2009)
jack and the pulpits - dance area (2005)
sie haben im september eine ep unters volk geschmissen, free, free, free, getauft wurde sie auf "arm brain heart and liver", bevor in 2010 der neue longplayer an den start gehen wird
the octagon - suicide kings (2009)
the octagon - love will turn you around (2006)
ganz am beginn des jahres haben die beiden ihr unwesen getrieben und mit "drip dryin'" zumindest bei eingeweihten für aufregung gesorgt, sie sind u.a. ein grund, warum ich immer wieder zu serious business zurückkehre, banjo und bass, zwei launige stimmen und die volle lust am tun:
two man gentlemen band - drip dyin' (2009)
two man gentlemen band - fancy beer (2009)
two man gentlemen band - prime numbers (2006)
sein letztes werk liegt genau ein jahr zurück und war die 12" "...and the tightens", dafür gibt es aktuell einen mehr als hörenswerten livetrack:
benji cossa - april (live, 2008)
benji cossa - volcano (2008)
alles, was nun noch länger zurückliegt, könnt Ihr selbst nachholen, indem Ihr auf diese seite wechselt. es lohnt allesamt!

Samstag, Oktober 24, 2009

plattenbau

der (das) blog war nie als selbstreferentielle geschichte angelegt. im gegenteil ging und geht es um die musik anderer. insofern blieb der blogmacher außen vor. außer, abseits der natürlichen beeinflussung durch vorlieben, sozialisation usw., außer es ging um einen ganz persönlichen blick auf die dinge. in der rubrik "in fester hand" wurden so besonders wichtige alben zum thema gemacht. und nun soll es darum gehen, hinter die oder vielmehr in die kulissen jener musikaffinicados zu schauen, die hier worten beine machen und musikalische kunde verbreiten, aber auch jener, die mitlesen und durch kommentare beiträge für austausch und miteinander leisten. fühlt Euch also aufgefordert, wer und wo immer Ihr auch seid, via fotografischer ergüsse einen blick freizugeben auf Euren schallplatten-, cd,- kassetten- und/oder tapeschatz (email an: klienicum@yahoo.de). so sieht die welt aus! in den häusern und wohnungen! dort, wo die ware musik hingeht, nachdem sie ein künstler geboren hat.

'plattenbau' assoziiert die 'platte', die düstere architektonik des ostens (aber nicht nur), die sich im karrée zusammenfand, um darin angeblich unmündige vergeblich einzuschließen. funktionierte ja nicht auf dauer. plattenbau impliziert dünnwandigkeit, geringe mengen mörtel zwischen dem gegossenen beton, instabilität. wer heute noch das zweifelhafte glück hat, sich einen solchen bau anzusehen, kann mal versuchen, die flucht zu suchen, sie wird wenigstens auf halber höhe des gebäudes im nirgendwo verschwinden. platten sind aber auch schallplatten, hier zusammengefasst unter tonträger, die geordnet, gehortet und sortiert sein wollen. und sich zueinander gesellen wie die platten eines plattenbaus. wie das beim einzelnen aussieht, ist das spannende. auch eine systemfrage. und, abschließend, ein bau ist auch eine rückzugsbehausung. in diesem sinne gehört eine sammlung dorthin, wo man sie auch geniessen kann.

den anfang will ich gerne machen. und nehme mich fortan zurück. denn als gutes beispiel kann ich kaum dienen. derzeit landet alles, was ich an tonträgern kaufe, auf haufen. diese unordnung ist mir selbst ein graus und die gelobte besserung harrt dennoch eines schönen tages. renovierungsarbeiten hier halten dort die notwendige systematik auf. sag ich mir. immer wieder. zudem halte ich es mit den errungenschaften der jüngeren jahrzehnte und schwenkte flott von vinyl auf cd und mp3 um. und nur selten wieder zurück.
auf drei verschiedene räume aufgeteilt, lässt sich alles finden, was sich an musik in unserem haushalt angesammelt hat. im schlafzimmer das vinyl (vorwiegend 70iger und früher 80iger jahre reggae, jazz und liedermacher), im wohnzimmer teile des buchstaben 'a' aus zeiten, als ich nach alphabet zu ordnen versucht war, in meinem arbeitskabuff der rest, mancherorts in zweierreihen 'sortiert'. wer die bilder in der richtigen reihenfolge aneinander fädelt, kann sich in diesem raum fast einmal um 360° drehen. viel spaß (die tastatur zeichnet übrigens den blog-arbeitsplatz aus, die aktuellen plattendreher anbei).
howling bells - into the chaos
pinback - chaos engine
kaki king - bone chaos in the castle

neue töne (689): anneliese monseré

als wir hier vor kurzem auf morc records aufmerksam machten, hatten wir natürlich auch, vielleicht vor allem annelies monseré im hinterkopf (recherche, recherche, gott lob!). doch die jugend sollte zunächst ran. außerdem lag das album von the puddle parade weiter zurück. nun aber hat die bis 2008 auf morc veröffentlichende belgische songwriterin die labelheimat gewechselt und justament ihr "marit" getauftes werk auf auetic etabliert. die schwedische musikschmiede ist ein kind des library tapes mitglieds david wenngren und "marit" der erste release. auf dem neuen album, das 12 tracks bereithält, haben neben monseré mitgewirkt: jessica bailiff (langjährige kollegin und kooperationspartnerin, wir berichteten bereits), nathan amundson (von den rivulets), micheal anderson (von drekkaa), ellen evers (aha!, the puddle parade), dazu justin und nathan vollmar. annelies selbst beteiligte sich mit gesang, spiel von piano, guitar, cello, glockenspiel und melodica.
was sich nach einer dichten produktion anhört, bleibt doch im ergebnis karg und besonders. in kein launiges gewand verpackt, und so muss man den verzicht auf farbtupfer durch die konzentration ersetzen, geriert sich "marit" als situationsarmes und doch bewegtes aufspiel. vordergründig das geruhsame organ annelies monserés, dahinter (daneben, darüber) das dahin tropfende des beigesteuerten, mehr nur ornamentierenden instrument (der plural kommt wirklich selten zur geltung). es ward an der zeit für dieses album, denn einige versprengte tracks galt es zu bündeln. gelungen! sehr. aufgenommen wurde übrigens in hilversum, holland und in gent, belgien.
annelies monseré - have you heard
annelies monseré - common ground (from: "untitled ep", 2008, mit j. bailiff)
annelies monseré - golden (from: "somewhere someone", 2008)

Freitag, Oktober 23, 2009

glotzt nicht so romantisch (68): nat johnson & the figureheads

das debut (release letztes jahr, neuer anlauf heuer, damage good records/thee spc), hatten all jene erwartet, die auf diese art lustvolle, aber nie auf dicke hose machende popmusik stehen. da brauchts keinen wall of sound, im gegenteil sorgen die lücken und ihre büßer für die erhebende belebung. hinzu kommt eine americana note, wie sie so nonchalant nur briten hinbekommen. zwei singles gab es von nat johnson & the figureheads vorab, die dazugehörigen video haben definitiv charme (und wer meint, wir kramen hier in der mottenkiste, dem geben wir recht! es müffelt so schön!):



eingestreut (65): the puddle parade

und nun gilt es, ein ohr zu leihen, um später für zehn bucks zuzuschlagen und sich und der jungen musikerin eine freude zu machen: morc records.
the puddle parade - claim

Donnerstag, Oktober 22, 2009

zu gehör getragen (104)

bearhug - birds ep (2009)
> schrullig schauriger acidfolk, der moment zwischen der letzten bohrung und dem erheben aus dem zahnarztstuhl, 3/5

hope sandoval & the warm inventions – through the devil softly (2009)
> unter hypnose bei frau doctor seelenvoll, mannigfaltig die entdeckungen zwischen zart besaitetem und der gehauchten deklination, 3,5-4/5

the devil makes three – do wrong right (2009)
> gemächlich und/aber gekonnt aufgespielter bluegrass-, country und punktuell blues- verschnitt, an höhepunkten jedoch zu arm, 3/5

eels – hombre lobo (2009)
> talentfrei ist anders, überragend allerdings auch, erst recht, wenn man weiß, dass mr. e. es deutlich besser kann, 2,5-3/5

neue töne (688): holopaw

ein ganz guter einstieg, wenn es um neue bands geht, ist es, einen blick über das personal und sein instrumentarium schweifen zu lassen. na denn, die kapelle holopaw aus gainesville besteht aus: john orth (vocals), jeff mcmullen (bass), patrick quinney (guitar), jody bilinski (drums), jeff hays (guitars, keyboards, pedal steel, vocals) und krista molinaro (cello, accordian). gerade die letzten beiden protagonisten sorgen mit verschiedenen gerätschaften für erste spannung und die nötige unruhe, um sich etwas intensiver mit dem sechser aus dem bundesstaat kalifornien zu beschäftigen.

die alben "s/t" in 2001 und "quit +/or fight" in 2005 waren die bisherigen stationen, denen nun ein neues werk folgt. "oh, glory. oh, wildernes" erscheint anfang november und ist das ergebnis einer von großräumiger umbesetzung betroffenen band. dazwischen haben die einen babys gezeugt und andere sich mit kunst abseits von musik beschäftigt. ein paar verließen holopaw, andere stießen hinzu. so entwickelte sich aus dem zwischenzeitlich zu einem duo geschrumpften gefüge eine wieder vollständige, schlagkräftige mannschaft, die nun auch die bereits fertigen songs zur vollen reife führen konnte. sieben monate dauerte es an, bis das aktuelle album im kasten war. gezuckert wurde das teil mittels des einsatzes von horn, violine, piano und calvinet und der zuzüglichen sangesarbeit von erin tobey. erscheinen wird das werk schließlich auf bakery outlet records.
die musik ist wenig arty, aber anspruchsvoll dennoch und feingliedrig arrangiert. pop, rock, irgendwo dazwischen, so dass sich immer wieder nuancen finden lassen, die in die eine wie in die andere richtung einfärben. schwungvolles maßnehmen, so nenne ich das mal. Ihr kennt das, wenn jemand halt mit besonderem elan an eine arbeit geht und man sich urplötzlich auch selbst motiviert sieht.
holopaw - the art teacher and the little stallion (from: "oh, glory. oh, wildernes")
holopaw - little stallion with a glass jaw (from: "oh, glory. oh, wildernes")
holopaw - black lacquered shame (from: "oh, glory. oh, wildernes")
holopaw - biggest light (k. bloom cover)
holopaw - curious (from: "quit +/or fight")
holopaw - cinders (from: "s/t")