Mittwoch, Oktober 21, 2009

ein (p)fund mp3 (227)

riesen freude über den aktuellen release auf parks and records, sein (cory gray) erstling war einer meiner favoriten im letzten jahr (notiz), nach dem "s/t" werk folgt nun "where to swim":
carcrashlander - landmines (2009)
carcrashlander - gold sunset (2008)
"constellation" heißt das selfrelease dieser bostoner band unter den fittichen des songwriters noel kelly, gehört erwähnt und angehört, das debut kann man via myspace downloaden:
the hush now - hoping and waiting
auf hometapes dieser tage erschienen: der erste studio longplayer namens "beast rest forth mouth" des vierers, der aktuell in brooklyn residiert:
bear in heaven - wholehearted mess
bear in heaven - lovesick teenagers
bear in heaven - bag of bags (from: "red bloom of the boom")
"gambol" erscheint am 3. november auf fuzzy logic, das dritte album der ein-mann- electropop-band:
Gravity Wave - The Great One
Gravity Wave - Yo-Yo
heilige sternchen umflirren den musikantenhorizont, auf fortuna pop mit einer single namens "fireworks" am start, unwahrscheinlich, aber wahr, das ganze auch noch frei:
tender trap - fireworks
tender trap - grand national
schnell und hibbelig, die "younger limbs" ep erschien gerade auf the creative motel, inc.:
old wives’ tale - amphetamine
old wives’ tale - royal fresh
er veröffentlicht auf alchemist records fleißig single um single, so dass am ende bald ein longplayer zusammen kommt:
eric sarmiento - strange power
eric sarmiento - so she says

mark eitzel
27.10. Norderstedt - Musicstar
28.10. Berlin – Café Zapata


leroy stagger
21.10. Frankfurt – Sinkkasten
22.10. Heilbronn .- Stereo Total
23.10. Stuttgart – Laboratorium
24.10. Lahr – Schlachthof
25.10. Gelsenkirchen – Dietrich-Bonhoeffer-Haus
27.10. Solingen – Café Stückgut
28.10. Mühlheim – (House Concert)
30.10. Wesel – JZ Karo
31.10. Lauchhammer – Real Music Club


the twilight sad
03.11. Köln – Luxor
06.11. Hamburg – Molotow
07.11. Berlin - Bang Bang Club
09.11. Frankfurt – Nachtleben
15.11. München - Atomic Café
17.11. Schorndorf – Manufaktur
18.11. Heidelberg – Karlstorbahnhof
19.11. Münster – Gleis 22

Dienstag, Oktober 20, 2009

glotzt nicht so romantisch (67): pink mountaintops

neue, hervorragende session auf they shoot music..., diesmal mit pink mountaintops. hier nicht nur verehrt, sondern auch, fast zwangsläufig, erwähnt und belobhudelt. mit "vampire", "plastic man, you’re the devil" und "leslie" wurde eine tolle songauswahl getroffen, die atmosphäre ist entspannt und aufgeräumt und dies immerhin vor einem konzert in der wiener location "arena", holla! seht und staunt selbst.





neue töne (687): horse shoes

alex roulette zeichnet für das verflixt noch mal heilige cover artwork der aktuellen horse shoes ep verantwortlich, die gerade im september auf shelflife records das licht des universums erblickte. der kerl fabuliert auf leinwand, das es eine schau ist. kolossale bildauswahl mit nicht auf den ersten blick zu ergründenden motiven und szenarien. immer wieder steht der adoleszente im mittelpunkt einer unwirklich scheinenden welt. doch der zweite blick gibt die möglichkeit frei, als entpellte sich die situation aus einem erzählstrang. der fand dann aber bereits im eigenen schädel statt. irre. also, sich auf seiner webseite + blog umzusehen lohnt sehr.
die band selbst kennen wir bereits von holiday records. die dort im mai bzw. august erschienenen singles "believing in god" und "i wish i meant more to you" sorgten nicht nur musikalisch für aufregung, nein, auch hier war jeweils das cover eine besondere dreingabe. drew driver und sein kompagnon jacob graham, von the drums bekannt, folgen also einem ganzheitlichen stilauftrag. die beiden lernten sich vor einigen jahren kennen, als sie noch in verschiedenen bands musizierten. ihre gemeinsame liebe zum ekzessiven the smiths- hören brachte sie schließlich zusammen und zu besagtem projekt horse shoes. "the imperial school" reduziert sich stilistisch so einwandfrei wie das outfit der beiden brooklyner musiker auf das wesentliche. hier die alles pulverisierende, weil erhabene und eindringliche melodie, dort die unzarte und lautere geek- variante. die vornahme? nun: "We wanted to make something that everyone could relate to and feel a connection to. The songs are all about growing up out in the country, spending perfect childhood summers with your family and having your heart broken for the hundredth time by the age of sixteen.", schreiben sie.
sarah records goldet an jeder ecke funkelig, schwedenpop sowieso, aber auch die achtziger lugen vergnügt ins lauschige gemeinschaftszimmer. wer ein wenig schwüle nicht vertragen kann, soll sich gleich um die ecke schinden und an der bushaltestelle auf jene warten, die das tanzbein mal gekonnt, mal ungelenk wackeln lassen wollen. in bälde gibt es einen longlayer. und dann laden wir zur sause auch die nachbarn ein!
horse shoes - changing winds
horse shoes - the imperial school

Montag, Oktober 19, 2009

neue töne (686): slumberland records

ein besuch bei slumberland lohnte in der jüngeren vergangenheit immer. das pausieren sollten sie man auch mal schön bleiben lassen. fassen wir nun einige der letzten bewegungen zusammen::
passen natürlich peferkt auf das label, mit der "don't you rise" ep (im oktober erschienen) wird noch einmal stolz an der eigenen karriere flaniert und die wichtigkeit einer neuseeländischen band in der welt abgemessen, sollte es allerdings keine zweifel geben, woran auch immer:
the bats - face inside the sun
ein the membranes cover, das weit zurückblicken lässt, thatcher war noch wer und der punk schien aus den untiefen emporzusteigen, ein strohfeuer, heute noch mal entfacht, eine single, zwei seiten, hier die flip:
sarandon - spike miligans tape recorder
album, single, single, ep, die band lässt nichts anbrennen und legt kaum eine pause ein, "higher than the stars" kann nun auch Euer motto werden:
the pains of being pure at heart - higher than the stars
the pains of being pure at heart - come saturday (vom 's/t' album)
er steigt neu bei slumberland ein und hat bereits ein album in planung, bis er damit rausrückt, betreibt er mittels des nachfolgenden titels (+ dazugehöriger single) gewinnbringend werbung:
devon williams - sufferer
nachfolgend noch ein paar zurückliegende musikstücke mit hinweis auf das zugehörige tonträgerium:
sic alps - l. mansion (from: single "l.mansion", sept. 09)
brown recluse - night train (from: ep "soft skin", aug. 09)
liechtenstein - this must be heaven (from: split "various artists, earching for the now 5", aug 09)
the faintest ideas - procrastination of every day tasks (from: split "various artists, earching for the now 5", aug 09)

Sonntag, Oktober 18, 2009

ein (p)fund mp3 (226)

"north carolina" heißt ihr album auf lost in the woods" (13. oktober) und kommt ganz schön verwoben und heimelig:
Lee & Willbee - Love’s Not Worth It
Lee & Willbee - Day of Sunshine
als selfrelease erscheint am 27. oktober das album "fever", feurig das ansinnen allemal, die zwei track, die uns vorab zur verfügung stehen, stellen verheißungsvolles in aussicht: dancerock:
The Laughing - Runner
The Laughing - Elevators
tin cat und altamont pass heißen die beiden bands, in denen er sich sonst noch so vergnügt, ansonsten bietet der amerikaner solo seine kost, "tk" nannte er seinen erstling mit rockigen und trotzdem an der leine geführten songs:
erik ostrom - one and the same
erik ostrom - everything you read
erik ostrom - by your side
sehr interessante kombination, der mittlerweile in berlin lebende italiener gemeinsam mit dem australischen trio, auf low point erschien bereits im juli "near and faraway":
Fabio Orsi & Seaworthy - Near And Faraway
Fabio Orsi & Seaworthy - Branch And Stone
auf lefse erscheint mitte november "mountain debris":
a grave with no name - open water
selber verein (lefse), selber termin (17.11.), anderes album, nämlich namens "ghost":
tape deck mountain - ghost colony
ihr debut "are you afraid of..." erschien bereits im juli, aber wer hat das schon mitbekommen und zudem brauchts eine frische brise, gell:
the danks – die young
the danks – treaty connector
the danks – i mean, come on

Samstag, Oktober 17, 2009

glotzt nicht so romantisch (66): the devil makes three

über die bluegrasser von the devil makes three wollte ich lange schon mal geschrieben haben. was mich davon abhielt, war lediglich die tatsache, dass keine vernünftigen mp3s vorlagen, die ich dem geneigten hörer zur verfügung hätte stellen können. manche bandseite bzw. manches label weisen eben nichts aus, woran mich sich auditiv gesehen festhalten könnte. und ohne geht im klienicum nichts! eine weitere möglichkeit allerdings sind jedoch videos. und da die hier ins visier genommene band bei kexp 90.4 fm seattle vorbeischaute und an diesem 28.05. des jahres 2009 auch gefilmt wurde, können wir bewegte bilder an Euch weitergeben, die sehr gut das darstellen, was das trio auf dem kasten hat. neben der bluegrass spur, die die band auf jeden fall fährt, muss man sich auf elemente des ragtime, country, folks und rockabilly gefasst machen. das drummer lose trio besteht aus dem frontmann und gitarristen pete bernhard, der stand-up bassistin lucia turino und dem gitarristen und banjoplayer cooper mcbean. "do wrong right" heißt das aktuelle album der band, es erschien im frühjahr dieses jahres und hält alles, was ich hier versprochen habe. kaufen!



neue töne (685): headlights

"wildlife". naja. es tropft lieblich aus den lautsprechern, die stimme charmant und umschmeichelnd. eine musik, zu der man sich gern im sessel räkelt, vor allem, wenn die heizung bollert und für mollige wärme sorgt. das cover des neuen albums von headlights verspricht denn auch einen sanften übergang vom sommer zum herbst. dabei hatte es die truppe aus champaign zunächst gar nicht so einfach. es galt, ein bandmitglied abzuringen und dessen verlust zu verkraften, der ehemals fünfer tritt nun zu viert an. die gruppendynamischen prozesse brauchten ihre zeit. ob sich dies tatsächlich in einer mehr elegisch ausgerichteten musik niederschlagen musste, sei dahin gestellt, aber es ist nun mal, wie es ist. liebreiz und charm gelten als stichworte, um halt am grifflosen musikkonstrukt der band zu finden. wenn das despektierlich klingt, dann ist es gewiss nicht so gemeint. denn wer schwelgt nicht gern. und atmen sollten die neuen songs. und schließlich wissen die mannen um erin fein auch, wie man für kleine wellenbrecher sorgt, sei es durch ein mit finessen ausgestattes schlagwerk oder eine schleifende gitarre. polyvinyl records sollte sich die band warm halten. auch auf ihrem dritten longplayer weiß die nämlich an sich zu binden, den hörer. das label die band. die band das label. das label die hörer. wenn es nur immer so wäre...
headlights - get going

Freitag, Oktober 16, 2009

neue töne (684): mv & ee

auf die idee zu kommen und zu sagen, dass es nun endlich wieder ein album von mv & ee gäbe, käme man so schnell nicht. dafür liefern die beiden, gern in kombination mit 'the golden road' oder 'the bummer road' , zu regelmäßig ihre longplayer ab. da sich allerdings qualitativ selten durchschnittliches einschleicht, bleibt die frage danach luftig am firmament. wie die lustvollen gitarrenspuren des psych-jam-kollektivs auf dem neuesten werk "barn nova", das am 13. oktober auf ecstatic peace erschienen ist. das acht tracks umfassende album sieht sich begleitet von einer riege ausgezeichneter musiker: doc dunn: pedal steel, rhythm guitar, vocal, drums; mike smith: rickenbacker 4001, vocal, j mascis: drums, guitar, plate reverb; eremy earl: vocal, drums und justin pizzoferrato: percussion, space echo, bank, die neben matt valentine: guitars, harmonica, vocal und erika elder: electric firebird mandolin, lap steel, vocal agieren "dürfen". "summer magic" gibt einen ersten hinweise darauf, worauf man hoffen kann und gleichzeitig, wie man mit dem begonnenen herbst umgehen kann: "summer magic is gone" und die schleifen werden über geflochtenem gedreht. "feelin fine" könnte einer dieser entspannten songs neil youngs aus den "prairie wind" tagen sein.
Track Listing: 1. Feelin' Fine / 2. Get Right Church / 3. Snapperhead / 4. Summer Magic / 5. Wandering Nomad / 6. Bedroom Eyes / 7. Fully Tanked / 8. You Feel
MV/EE with The Golden Road - Feelin Fine
MV/EE with The Golden Road - Summer Magic

in eigener sache (37): clicky overload

die aktion "ein herz für blogs" von stylespion war im frühjahr eine hübsche angelegenheit, da man persönliche blogfavoriten hervorheben sollte, um sie einer breiteren öffentlichkeit zugänglich zu machen. da die idee noch nicht waidwund war, wurde sie nochmals aufs tableau gehoben und am heutigen freitag wiederholt. wer sich daran beteiligen wollte, übernahm das angebotene logo oder kreierte eine eigene variante und machte sich daran, einen text über die internetseiten zu schreiben, die unbedingt auch von anderen usern mehr beachtung finden sollten.
wo ist eigentlich der blogroll beim initiator? wer macht auf wen aufmerksam? und warum? was spricht gegen vernetzung, was dafür?
was plakatiert besser als der eigene, abgemessene kosmos die persönlichkeit des jeweiligen blogbetreibers? wie lange ist ein blog noch ein persönliches ding? und ist ein blog noch ein persönliches forum, ein schauplatz eines individuums, ein hort der selbstbeachtung und des streichelns eines unreifen egos? was ist die vornahme "blog" noch wert?
solange es blogs wie "clicky overload" noch gibt, ist das frühere ansinnen, sich und sein leben via blog zu präsentieren, um somit ein teil, ein bestandteilchen der welt, des internets, der lebendigen gesellschaft zu sein, nicht gestorben. im gegenteil. so bunt und ausgelassen, so feierlich-ungestüm, so unfertig und grünschnäbelig und dabei neugierig und hellwach, so ich-fixiert und zugleich reflexiv dieser blog geführt wird, so ist das leben. und wer zudem, wie die betreiberin ileana, mit wachem (kamera-) auge durch die landschaft galoppiert, der findet noch viel mehr, was erwähnenswert ist. ob feste beschrieben werden oder witzige dinge des alltags, ob konzerte besucht werden oder jemand zu besucht kommt, ob ein spaziergang ansteht oder ein drachenflug, die dinge werden mit liebe beschrieben, immer mit einem augenaufschlag, einem zwinkern oder einer träne im knopfloch. mitfühlsam. nie wird sich über den gegenstand der beschreibung erhoben. wer lust hat auf eine junge dame, die das leben lustvoll und wach nimmt, schaut regelmäßig hier (http://www.the-cuddly-cactus.blogspot.com/) vorbei.

Donnerstag, Oktober 15, 2009

eingestreut (64): ronnie fauss

wer sich noch erinnern kann. wir hatten vor gar nicht so langer zeit über ronnie fauss berichtet. wieder hat er sich dankbarerweise bei mir gerührt. rührend. diesmal bot er an, mir seine aktuelle ep zukommen zu lassen, was ich selbstredend dankbar annahm. "i can't make you happy" ist ein karger, fast schon spartanischer song, ronnie zur gitarre. eine klage, wenn man eben, was man auch tut, den anderen nicht fröhlich, glücklich machen kann. dagegen kommt uns "one eye open" wesentlich aufgeschlossener, frischer entgegen. das banjo locker, die gitarre fest und ronnie aufgeräumt. der track kommt dem bekannten sehr nahe, wohin gegen die neue note, die der opener setzt, nichts einzuwenden ist. "another song" schließlich ist noch einmal ein flinker einschmeichler, der diese feine ep abrundet und ihr einen geschmack nach terrasse mit aussicht, abendwind und einem frischen kühl bier gibt.
ronnie fauss - i can't make you happy

Mittwoch, Oktober 14, 2009

neue töne (683): aktuelle alben 2009

gut, interessierte freunde und bekannte zu haben. denn die stossen einen immer wieder auf aktuelle oder auch etwas zurückliegende releases, die man selbst übersehen hat oder die ungerechtfertigter weise in der warteschleife hängen geblieben sind. nachfolgend sei auf einige dieser alben hingewiesen. denn sie gehören definitiv in den wertekodex und kontext dieses blogs.
mit volcano choir startet diese kleine und übersichtliche rundreise, weil der letzte hinweis, von d. aus b., der jüngst zurückliegende war und somit anlass und ausgangspunkt für diese kleine exkursion ist. sechs musiker aus wisconsin taten sich bei diesem projekt zusammen, um gemeinsam abzuheben. darunter justin vernon (bon iver) - in dessen studio an einem wochenende das album "unmap" aufgenommen wurde - sowie die mitglieder von collections of colonies of bees. abheben ist denn wirklich auch das stichwort für das auf jagjaguwar erschienene werk. luftige, karierte musikalie mit stimmigen loops, chorälen und viel luft und raum und platz...:
volcano choir - island, is
"there is no enemy" heißt der sich seit 06.10. am start befindende auswurf von built to spill. doug martsch, kapitän der unternehmung, bastelte mit den seinen dreieinhalb jahre am nachfolger vom schon sehr guten "you in reserve", das nach mehr als fünf jahren so etwas wie einen neubeginn darstellte. der appetizer track ist ein schlüpfrig, vertrautes ding, nicht, weil man es direkt built to spill zugeordnet hätte, sondern weil es so gut ins ohr geht, mit sattem sound, einer slide, die etwas bremst und dem versöhnliche glanz verleiht
built to spill - hindsight
lou barlow hatte sich wieder eingefunden bei den jungs von dinosaur jr., zudem dafür gesorgt, dass drei sebadoh alben als reissue das licht der welt erblickten und nun auch noch sein neues soloalbum fertig gestellt. man kann ihm eh nicht viel vorwerfen, aber auf keinen fall bequemlichkeit oder gar faulheit. dennoch sind vier jahre ins land gegangen, seit er mit "emoh" ein leuchtendes zeichen setzte. "goodnight unknown" heißt das aktuelle werk auf merge. reduzierter vorwärtsdrang, der gern an vergangenes erinnert. giftig die gitarren, gestapelt das gewaltwerk:
lou barlow - gravitate (2009)
lou barlow - home (from: "emoh", 2005)
trauliche stimme, helles gitarrengewand, ganz schön einnehmend der junge bursche, der mit "when the devil's loose" sein zweites album auf den markt wirft (fat possum). dass aa bondy sich the felice brothers auf ihrer tour durch europäische städte anschließen durfte, spricht für sein talent und für regionales engagement. denn roman moore, so sein real name, lebt wie die brüder in den catskill mountain. er ist verheiratet und hat einen sohn. wer wissen wie der kerl zu seinem moniker kam, liest am besten auf den labelseite genau nach. eine schöne geschichte, passend zur musik:
aa bondy - when the devil’s loose
aa bondy - i can see the pines are dancing

Dienstag, Oktober 13, 2009

eingestreut (63): tom waits

"free glitter and doom live" heißt das neue werk des alten grummlers tom waits. erscheinungstermin ist der 24.11. doch es gibt bereits die möglichkeit, in acht tracks hinein zu hören. das unten aufgeführte tool wird Euch dabei behilflich sein.
die zwei discs umfassende neue liedsammlung splittet sich in die zunächst besten tracks, die während der 08er "glitter and doom tour" durch die staaten und durch europa aufgenommen wurden. dabei wurde darauf geachtet, dass sich das teil so anhört, als würden die songs nur einer performance zugehörig sein (u.a. dabei paris, mailand, dublin, tulsa, atlanta...). "Disc Two is a bonus compendium called TOM TALES, which is a selection of the comic bromides, strange musings, and unusual facts that Tom traditionally shares with his audience during the piano set. Waits' topics range from the ritual of insects to the last dying breath of Henry Ford.", kann man auf toms seite lesen. dort auch die möglichkeit zur preorder.
dabei fällt mir ein, dass es gehörig an der zeit ist, mal wieder die satte und ungeheuer aufregende "orphans" box zu geniessen.









tracklist: DISC 1 01. Lucinda / Ain't Goin Down 02. Singapore 03. Get Behind The Mule 04. Fannin_Street 05. Dirt In The Ground 06. Such A Scream 07. Live Circus 08. Goin' Out West 09. Falling Down 10. The Part You Throw Away 11. Trampled Rose 12. Metropolitan Glide 13. I'll Shoot The Moon 14. Green Grass 15. Make It Rain 16. Story 17. Lucky Day DISC 2 1. Tom Tales

neue töne (682): half-handed cloud

wenn john ringhofer etwas garantiert ist, dann das abziehbildchen für einen diy musiker, einen freak, einen überlebenskünstler. es tut dabei keinen abbruch, dass er sich fest an das gestänge des wunderbaren labels asthmatic kitty geklammert hat. neben sufjan stevens ist er einer der ersten veröffentlicher auf asthmatic und mittlerweile wohl auch einer der etabliertesten und fleißigsten. am 03. november erscheint nun ein rundumschlag, zusammengestaucht auf 46 tracks, in dem raritäten, singles, b-seiten und vielfach schwer zugängliches von half-handed cloud zusammengefasst wurden. "cut me down & count my rings" ist dabei ein slang, der sich auch auf dem im 2010 erscheinenden fünften full length befinden wird. das bunte theater nimmt also wieder fahrt auf und den zwischenstopp kosten wir aus, um altes, unbekanntes, aber jederzeit erfrischend aufbereitetes zu hören. genutzt wurden bei der auswahl dieser erstaunlichen kollektion siebzehn verschiedene veröffentlichungen, erschienen zwischen 2000 und 2009 auf asthmatic kitty und sounds familyre. und nun anschnüffeln oder richtig reinlegen:
half-handed cloud - we're greatly loved (from: "we havent just been told, we have been loved")
half-handed cloud - to love like the father and son love each other (from: "learning about your scale")
half-handed cloud - once, twice, seven times a werewolf (from: "cut me down & count my rings")
half-handed cloud - animals are cut in two (from: "thy is a word & feet need lamps")

Montag, Oktober 12, 2009

zu gehör getragen (103)


yo la tengo - popular songs (2009)

> mir fehlen die fulminanten stösse des vorgängers, aber dennoch ein meisterlicher, weil wie stets abwechslungsreich und hinreissend formulierter nachfolger, 4,5/5

kurt vile - god is saying this to you (2009)
> schweingeil abgehangener blues, der so luftig wabert wie die note whiskey nach dem ersten schluck, 3,5-4/5

le loup - family (2009)
> gelungene balance zwischen lagerfeuerromantik, rockistischen abscenzen und experimenteller bearbeitung, 3,5-4/5

j. tillman - year in the kingdom (2009)
> keine angespeckte fleet foxes variante, karg zwar, aber zutiefst emotional und persönlich, mir nie zuwieder, was dem album an gefühligkeit innewohnt, 4/5

yo la tengo - popular songs (2009)

an keinen ausfall kann ich mich erinnern. an kein album, das meinem mittlerweile polierten wertekodex nicht standhalten würde. auf so hohem niveau zu agieren, birgt gefahren. doch wer nicht hochmütig ist, braucht sich vor einem fall nicht zu fürchten. yo la tengo spielen sich verteufelt leichtfüssig durch die jahrzehnte und nehmen immer mehr fans auf ihre reise mit. die gründe hierfür sind schnell auszumachen. melodienreichtum, der sich gern ins mitpfeifbare verliert, tolerante beats, die das machbare ausloten, aber immer unweit des verstiegenen grasen, dazu der mut, grenzen zu verrücken. und wenn es eben sein muss, werden orgien ausgerufen, zu denen alle eingeladen sind. dann werden die wüstesten partys gefeiert. unzweifelhaft, dass die festen bande innerhalb des trios, einer der wichtigsten gründe ist für den exquisiten output. georgia hubley und ira kaplan, das in ringelpulli eingelullte ehepaar, das sich die vocals teilt wie vermutlich auch die frühstückseier, dazu der basser james mcnew, der bei aller gemütlichkeit ausstrahlenden ruhe, mehr drive im hintern hat, als viele der jungspunde, die jedes jahr aufs neue bühnen entern, um als hype gefeiert zu werden und baldigst in der versenkung zu verschwinden. mißtrauen ist bei yo la tengo nicht gefragt, sie spielen mit offenen karten. der mindere einsatz von electronica ist der ausstaffierung und dem kunstanspruch geschuldet. im umgang wird nicht geschludert und dezent an den reglern (nach-) gearbeitet. ich erinnere mich an ein konzert in den früheren neunzigern, bei dem es genügte, eine taste mit tape abzukleben, um einen dauerton zu erzeugen, der die einzige konstante bei dem nachfolgend gespielten song war. yo la tengo sind innovativ, mutig und ganz bei sich.
1. Here To Fall: einschwinger, nachebbend, schwereres geschütz aus dem background, segelnde steichanimation, dicker beat, schepperndes gewerk, grützelndes keyboard, "i'm hear to fall with you", als hätte es nach "i am not afraid of you and i will beat your ass" keine schier endlos geglaubte pause gegeben, *****
2. Avalon Or Someone Very Similar: erinnert an die zeit von "may without you", da solch sonnige songspritzer ein ganzes album in grelles gelb tauchen konnten, georgia haucht, wie es einer dame ihres alters gerade noch zusteht, ansonsten: alles gewinnend, die orgel, der beat, der umschwung in den refrain, ganz zu schweigen von der yo la tengo bridge, die so galant keine andere band hinbekommt, ****1/2
3. By Two's: die elektrophase anschneidend, der beat verzögert, ein soundkleid umwabert den statischen ton, georgia singt angemessen sparsam, auf viereinhalb minuten statik geniessen, ****
4. Nothing To Hide: noisig dengelnde gitarren, rücksichtslos vorwärts dreschend, die melodie legt sofort lahm, der gesang im duo, im refrain stösst die orgel hinzu und baldigst darf ira sein saiteninstrument lumpen, tengo in reinkultur, spätestens hier kommt der fan in mir durch: *****
5. Periodically Double Or Triple: orgiastischer groove, gibt es so was überhaupt?, hooked and bassed, das vielleicht?, die orgel enthusiasmiert, angeschlagen wie im halbschlaf bzw. als müsse man sich zwischenzeitlich darauf abstützen, der beat steif gedroschen, der bass on the line, iras gesang weniger theatralisch denn nah bei sich, ****
6. If It s True: läufiger bass und großtönerharmonie auf der hammond, dazu das ehepaar im sixties singsang, trompeten und streicher garnieren das rührselige stück, wer hier nicht schmunzeln muss, ****
7. I'm On My Way: neue töne, so kam nie ein ylt song daher, soulig, rumba rhythmik, iras stimme ganz zahm, lieblich verstiegen mit einer unmenge finesse, die spitze perkussion, die glitzernde gitarre, die muntere orgel = ****
8. When It s Dark: georgia singt wieder und sie ist einfach das zugpferd für diese unmutigen und doch so herz angreifenden melodien, balance im schütteren rhythmus, im gemeinsam intonierten refrain, und ich schwelge, wenn sie nur ein wenig die stimme anhebt, ****
9. All Your Secrets: ira in kopfstimme, ein wunderschönes thema auf der präsenten orgel, die darf schimmerig zittern, das schlagwerk exakt, entrückte romantik, aus wenig so viel gemacht, *****
10. More Stars Than There Are In Heaven: orgelspur, wabernd, anhebend, wie ein nachtlied wärme webend, kräuselnde gitarre, gesang der beiden verheirateten, zunehmend mäandernd, andauernd, genügend zeit, um sich einzurichten, ***1/2-****
11. The Fireside: eine improvisation im hall, die gitarre schnellt vor, lässt die töne ergeben ziehen, im hintergrund ein stilles funkeln wie das leuchten über arktischen himmeln, nach gut sieben minuten ein erstes singen von ira kaplan, ein zweites thema ab minute neun, meine ich, ****
12. And The Glitter Is Gone: gut sortiertes noisegewitter, live wird sich kaplan enorm einen zusammenschrubben, ich freu mich drauf, die hierarchien sind dabei klar verteilt: diffizile pianoklänge, straffes drumming, crushiger background, die zwitschernde gitarre als geschoss und gegenwärtiges, bestimmendes element zugleich, ****
arithemtisch ein mit 4,4 zu bewertendes album, gefühlt sind es *****. denn der band aus hoboken gelingt, woran viele epigonen immer wieder scheitern: sich neu erfinden, ohne die eigenen wurzeln aus den augen zu verlieren, verzicht auf experimente, ohne innovation außer acht zu lassen, überraschen, ohne wert- und identitätsverlust. "popular songs" ist ein album mit hits und der integrierten aufforderung zu genauerem hinhören.
yo la tengo - periodically double or triple
yo la tengo - here to fall

10. Nov. 2009 20:00 Forum Bielefeld
19. Nov. 2009 20:00 Markthalle Hamburg
22. Nov. 2009 20:00 Zakk Dusseldorf
23. Nov. 2009 20:00 Postbahnhof Berlin
26. Nov. 2009 20:00 Arena Vienna
30. Nov. 2009 20:00 Bataclan Paris

Sonntag, Oktober 11, 2009

eingestreut (62): malcolm holcombe

"for the mission baby" heißt der aktuelle release von malcolm holcombe. während der aufnahmen entstand unter anderem der nachfolgende track, der unveröffentlicht blieb, aber einen ersten eindruck auf die lustvolle variante des blues machen kann, die holcombe zu spielen pflegt. er hat ein aufgewetztes organ, zu dem die klare und sauber angeschlagene gitarre oft einen kontrast darstellt. interessant ist es vor allem, seine musikalische biografie zurück zu verfolgen. lohnend für alle, die diesem genre zugetan sind. einige beispiele aus der seit 1985 auf tonträger gebannten karriere sind unten ebenfalls angehängt. die leichte countrylädierung, die neigung zum folk werden ihm viele einfach nicht übel nehmen können. denn so wie sein gesicht keine lügen verträgt, so zeigt sich der sänger auch in seinen texten als ehrliche haut. macht sehr, sehr neugierig auf mehr.
malcolm holcombe - hardcore dollar (2009)
malcolm holcombe - love abides (sample, 2003)
malcolm holcombe - a hundred lies (sample, 1999)
malcolm holcombe - a long way's this mornin' (1994)

the early judgement (31): mohna

diese mohna schreibt man mit 'h'. es hätte schon künstler gegeben, die hätten sich dann auch 'mohna mit h' genannt. albern. bleibt dennoch die frage offen, warum sich mona steinwidder, ihres zeichens keyboarderin und sängerin der hamburger band me succeeds um jenes ominöse 'h' bemühte. ein bezug zum ersten soloalbum? auf dem sie ein-drücke ihrer kindheit verarbeitet. aber nicht nur die narben, wunden und anderen hinterlassenschaften gilt es auf "1985-1994" zu beleuchten, sondern auch die wunder und aufmerksamkeiten, das der erwachsenenwelt ausgesparte und nur durch die temporäre kleinwüchsigkeit und den messbaren horizont beeinflusste. ein 'h' also, das ebenso für 'heimat' und 'hort' steht wie für 'haltlos' und 'hilflosigkeit". wollte man weiterspinnen, müsste steinwidder bei einem neuen album einen anderen buchstaben zwischen 'mo'und 'na' einfügen. molna, mosna, mofna, mokna...
aus ihrer residenz 'heimatliches wohnzimmer' heraus zog die junge hamburgerin ein zartes pflänzchen heran. die muster karg, wie eine mit geübter hand ausgesuchte tapete, nicht zu aufdringlich, nicht zu sparsam, so dass der dazugehörige raum einen ausdruck gewinnen kann. das klavierspiel deutlich, dennoch nie ausfüllend, zugige fluchten entstehen lassend, langen, dunklen fluren gleich, von denen zimmer abzweigen, wie säle unermesslich. das kind mohna mit aufgerissenen augen darin. was ist wahr, was hat noch bestand in der späteren reflexion? was entspringt der phantasie, wird angedichtet? mit kindlicher neugier versucht steinwidder dem auf den grund zu gehen. die gefahr, dabei schiffbruch zu erleiden, ist groß.
doch die planken sind fest gefügt, es stolpert kein pfund darüber. es balletöst ein luftiges etwas, das angereichert ist mit feinen linien, auf denen klavierspuren dahinfahren, mit fluffigen wölkchen, in denen mohnas stimmchen beheimatet ist, das weissagt, mutig besticht, kieksend anhebt, bespricht, mit sachter bemalung aus indirekter perkussion, teilzeitklarinette, diversitäten auf parkett, bass und geige.
möglichkeiten zur assoziation entstehen, weil wahrheiten vermieden werden und weil sich die melodien durch das album schieben wie der große stuhl, den das kleine mädchen zum tisch bewegen will, zentimeter um zentimeter. nach gut 34 minuten ist schon schluß. ein "uff" entpufft, doch die ungezierte songsammlung muss noch einmal ran. mir gefallen die verweise auf erik satie und max richter, die das verantwortliche label sunday service auftischt. verloren wirkende andickungen der kompositorisch dünnen, aber dennoch gehaltvollen suppe unterstreichen den charakter von 'zart', 'vorsicht' und 'ernsthaft'. am 06.11. erscheint "1985-1994" und erhält vorab: ***1/2-****
mohna - hold them

19.11.09 Hamburg - Golden Pudel Club (Release-Party)

Samstag, Oktober 10, 2009

neue töne (681): language arts

"where were you in the wild?", fragt die truppe language arts. keine ahnung, antworte ich, wie ich zunächst ebenso ratlos dem output der band aus east vancouver gegenüberstehe. das ende oktober erscheinende gleichnamige album hat alles, was mir zauberhaft und glühend verehrt entgegenkommt. diese lässige folknote, ohne in tradition zu verharren, den pop, der dich beschwingter durch den alltag ziehen lässt, die memorable idee, das unsteife in der harmonie und doch manch schlanken dreher beinhaltend. sängerin kristen cudmore hat zudem eine stimme, der das kieksige joanna newsoms genauso innewohnt wie die herrliche schwere eine laura veirs. der song treibt durch die diversen täler, jagt über berge und ist in seiner unbändigkeit ein wonneproppen. in einer anderen welt... ein hit eben. und doch bleib ich skeptisch. vielleicht weil enttäuschungen in dieser mann/frau- kombi vorprogrammiert scheinen. da klappt das erste album eine seite auf, die ungeöffnet erfunden gehörte. und dann kommt neues material nach und alles vorherige wird hinfort- oder besser weichgespült. macht das sinn? im voraus das kommende beklagen? nein. also, lebendig entgegen nehmen, was einem von kristen und ihrem kompagnon gregor phillips zugetragen wird! und außerdem ist das kommende album nicht ihr erstling, die hörner wurden mit dem selbstbetitelten full length in 2007 und der "small run" ep in 2008 bereits abgestossen.
auffällig am spiel der beiden ist der immer wieder stolpernde beat, das hohe maß an sensibilität im umgang mit dem eigenen material, das wie ein rohes ei durch das arrangement getragen wird. außerdem können die beiden wohl jedes erdenkliche instrument bedienen und bilden so ein flexibles, auf eventualitäten ausgerichtetes team.
in der heimat haben sie bereits für einige furore gesorgt, wurden auf festivals herumgereicht und die tonträger wurden ihnen aus der hand gerissen. das neue werk kommt trotz allem als self release heraus und muss wohl auf tour oder aber über das web bestellt werden.
language arts - where were you in the wild?

ein (p)fund mp3 (225)

auf flemish eye ist zuletzt das debut "snow blindness is crystal antz" erschienen, bisher zu haben im amerikanischen norden, sehr dringliche note im musikgeschehen:
Black Mold - Metal Spider Webs
Black Mold - Tetra Pack Heads
seit ende august gibt es auch neuigkeiten auf badman recording, nämlich von einem, yeah!, pianorocker, sein album heißt "invincible criminal" und wurde unter anderem unterstützt von hold steady sänger craig finn und dem violinisten shannon frid von cloud cult, na denn:
mark mallman - death wish
auf soft abuse kann man immer wieder gern zurückgreifen, diesmal mit exzentrischer popmusik aus brisbane, "orange trumpet" ist in 400er auflage auf lp erschienen:
the deadnotes - broken wheel
beachtenswert bitte auch auf selbem label die aktuelle 7" "lunettes", staubig, stumpf, aus der bronx:
pigeons - tendresse
da haben wohl einige drauf gewartet, der sechste oktober ist offizieller termin für "spells":
the happy hollows - faces
the happy hollows - high wire
ein toller song stammt von der fünf track ep "elder schoolhouse", unbedingt mitnehmen, die band kommt aus halifax:
dog day - synastry
der fleißige und hier zu erinnerung an "skitter on takeoff":
vic chesnutt - dick cheney
american lofi gibt es ab 10.11. auf weewerk zu hören, dann nämlich erscheint "burnout" und der erste eindruck verheißt gutes:
ox - burnout (2009)
ox - miss idaho (2006
ox - weaving (2004)
der 03. november steht für den release von "safe or free" und zwar auf independent, bitte sehr, gefühlig und warm kommt der appetizer daher:
matt epp - this old house
wieder mal staatsakt, ein porjekt von erobique and jacques palminger, das album "ohne peinlichkeit und hass" erscheint am 23.10., toller appetizer:
songs for joy - wann strahlst du

Freitag, Oktober 09, 2009

konzert: pere ubu, 08.10.09

szenen einer irrfahrt. das the wave pictures konzert stand auf dem plan. ziel war die senftlstraße, anzusteuern ein lokal namens laab. gefunden, aber keinen parkplatz. schließlich mehrfach das geviert umrundet und dabei ins lokal gelinst. durch die fenster sah man viele köpfe. böse vorahnung, trotz autoabstellmöglichkeit. längeren fußweg in kauf genommen, um festzustellen, dass die hütte brechend voll und eng war, und dass sich auf der bühne bereits die vorband freschard tummelte. bereits viertel nach acht. umdisponiert. pere ubu sind in der stadt. hin! navi spielt verrückt, wir drehen uns im kreis. schließlich erreichen wir das feierwerk. kasse. ich: zweimal, bitte!, er: 40€. mein blick geht zur begleitung. die hebt die schultern. keine knete einstecken. bis wir einen geldautomaten gefunden haben, dreht sich munter der minutenzeiger. wir kehren zur konzertstätte zurück. immer noch 40€ teuer. der kassierer ist irritiert, dass wir in seiner meinung nach recht kurzer zeit geld aufgetrieben habe. wir sind angespannt, david thomas und co. stehen bereits auf der bühne, im ersten akt.

mit "long live père ubu" hat david thomas das theaterstück "ubu roi" als eine art rockoper auf die bühne gebracht. wer, so wie wir, unvorbereitet auf die sechsköpfige truppe traf, war zunächst irritiert, da am bühnenrand ein schwergeschöpfiger david thomas deklamierte. dank einblendung von akt- und szenenbeschreibungen kam man dennoch flott ins geschehen um den offizier francois ubu, der seinen könig stürzt, um selbst den polnischen thron zu besteigen. er meuchelt und mordet unter den adeligen und beamten, tyrannisiert sein volk. ein abtrünniger ruft den russischen zaren zu hilfe. der zieht gegen ubu ins gefecht. währenddessen wird ubus frau in der heimat gestürzt. beiden können schließlich fliehen.
das stück wurde 1896 uraufgeführt und geht auf eine schülertravestie auf einen physiklehrer zurück.

noch wie vor jahrhunderten geben einzelne darsteller massenaufläufe oder heerscharen wieder. gestochenen schritts geht es über die bühne, ihre sprache ist monoton, zum teil werden masken getragen. ubu ist grobschlächtig, mächtig, vulgär. das groteske seiner figur und seines handelns lädt immer wieder zum lachen ein, wobei sein auftritt alles andere als lächerlich ist. david thomas verkörpert die figur außerhalb jeglicher selbstinszenierung, wird mit dem tyrannen eins und bietet sowohl vom sprachlichen (tief brummelnd, brabbelnd, im gutturalen singsang verhaftend, mädchenhaft verlockend säuselnd...) als auch vom darstellerischen ausdruck eine breite palette.
im hintergrund werden einzelne szenen grafisch und auch mittels kleiner animationsfilme unterstützt. das gemetzel auf dem schlachtfeld oder auch das schiff auf dem baltischen meer, mère und père ubu auf der flucht. musikstücke begleiten die inszenierung und lockern auch für den zuschauer ungemein auf. irritation besteht allenthalben. die wenigsten werden gewusst haben, was sie erwartet.

nicht immer ist klar, was schauspiel ist, was echt. kurze unterbrechungen finden statt. thomas verlässt wütend die bühne. im gang hinter der bühne läuft er mit geschlossenen augen, murmelnd, vor sich hin. er trinkt. maßlos. wein, aus einem flachmann. später zeigt er sich nüchtern, schelmisch lächelnd. ein wirrkopf, eine nummer. er steht im mittelpunkt, wird aber gleichsam von sehr guten musiker und darstellern umringt: keith moliné (gitarre), robert wheeler (synthesizer, theremin), gagarin (electronica), michele temple (bass), steve mehlman (drums, percussion).
das ende ist abrupt, zwei songs als zugabe und schon sitzt der alte mann am bühnenrand, bewaffnet mit einem karton neuer cds. nun wird verkauft. ein großer taschentuch reinigt den glänzenden schädel. nicht unzufrieden beschließen auch wir den abend.

the early judgement (30): emily jane white

mit "victorian america" legt emily jane white ihr zweites album vor. nachdem sich "dark undercoat" langsam zum grower entwickelt hatte, der immer wieder neu aufgelegt werden musste, zuletzt bei important records mit bonus track, war es schlichtweg an der zeit, dem geneigten fan etwas aktuelles vorzulegen. nun geschehen. und mit allergrößter sorgfalt. griff der erstling in gänze mit kühler hand nach den eingeweiden, spulen sich die tracks auf "victorian america" nicht so ohne weiteres ab. höchste konzentration verdient jedes einzelne lied, weil es mit bedacht arrangiert und wie ein stück keramik in die hände des käufers dem hörer angediehen wird. drei jahre sind ins land gegangen, in denen sich die junge frau abseits der großstadt auf songwriting und kompositionelle details konzentrierte. und sie kolportiert, dass es einfach nicht ihr job sei, fröhliche musik zu machen. "i'm drawn to writing sad songs. reflective, contemplative songs..." so geschehen über zwölf nummern hinweg, die sich aneinander zu lehnen scheinen, denn je tiefer man in whites welt vordringen darf, umso vertrauter, verständlicher und geschlossener wird das auskommen der kalifornierin. und wer meint, ihre musik würde von distanz diktiert, nur weil sie dem dunklen näher als der gleißenden sonne ihrer heimat ist, dem sei ins poesiealbum geschrieben, dass wärme durch das album strömt, wie selten gehört. unzweifelhaft hat dabei emily janes stimme einen großen anteil daran. dieses feste, weibliche organ, dass den stimmungen treue und den wendungen ehrlichkeit und ernsthaftigkeit verleihen kann. der direkte ausdruck ist das maß.
1. Never Dead: ein wunderschönes ding, wie es hätte nicht besser auf "dark undercoat" passen können, doch als opener ein kongenialer übergang von einem album zum nächsten, warm "sun, morning sun", emphatisch "come, friendship come", aufgehoben in einem versöhnlichen refrain, da sich die slide fiebrig schüttelt, die rhythmik countryesk zuckelt, "gone, are you truly gone",
2. Stairs: eine verbindung, die ich bis auf diesen song nie hergestellt hätte, die stimme steil, erinnert emily kurz an alela diane, stampfender beat, die "pirate's gospel" erinnerung stösst jedoch nicht auf, die singende säge, eine auszeit im sechsminütigen stück, das redundanzen vermeidet und sich wie eine verliebte ziert, gleichzeitig aber alle ihre besten seiten zeigt, tempoverschärfung, dramaturgie, inszenierung,
3. Victorian America: das titelstück wird via streicher eingeführt, als träte im ballsaal die königin an, fortgeführt an einfacher gitarrenspur, um im refrain wieder aufzutrumpfen, blech stösst auf, nur emily jane white bleibt,
4. The Baby: ein midtempo stück, das von einem belebten refrain lebt, der stilistisch einwandlosen begleitung, ungefärbt, aber nuanciert,
5. Frozen Heart: matt, mystisch zunächst, fahrt aufnehmend, aufhellend, eine linie, die sich durch das gesamte werk zieht, als tröste sich die junge dame selbst, als gelte es, einen guten eindruck zu bösen gedanken zu machen,
6. The Country Life: was zu überlegen ist, und da sie sich eh auf rückzug befand, poetische bilder in stilechtem gewand, rumpelige gitarre, slide, gedoppelter gesang,
7. Liza: die gitarre etwas beschwingter, ein streicher beherzt und emily mit offener, aber leicht belegter stimme, schließlich wird das tempo angezogen, dringend benötigt, erlösung für minuten unter spannung,
8. The Ravens: ausgeholt, mehr als sieben minuten währt das poetische ansinnen, spürbarer, hautnaher kriegst du whites stimme nicht, weit vorn angelegt, nur von einer akustischen begleitet, sanft von streichern umgarnt, wenn es der raum zulässt, wunderschön und keine minute zu lang,
9. Red Serpent: schimmerig und finster federt die gitarre, leicht verhallt der gesang, im "huhuhuuu" wabert sinister die orgel,
10. Red Dress: die orgel hat gefallen am mittun gefunden, verlockend in hammond manier ihr stabiles wirken, in ausgewachsener runde geht sie unter, da die e-gitarre schiebt und die drums scheppern, dann ein aufheben, ein stoisches treiben, eine düstere konstante, erinnerungen an rose kemp,
11. A Shot Rang Out: flirrend die gitarre, mitsingen möchte man, jane machts vor,
12. Ghost Of Horse: der abschluss gelingt in vollem ornat, streicher, perkussion, gitarren und in harmonie.
mit sechzig minuten ein ausgewachsenes album, das sich letztlich eine versöhnliche note setzt. es hat höhepunkte, wie man sie einerseits nach "dark undercoat" erwarten (opener), wie man sie aber überraschenderweise auch hören durfte ("the ravens"). das album hat aber auch einige längen, insbesondere im mittelpunkt, wo sich die ruhigen stücke aneinanderreihen, ohne kontrapunkte zu setzen. dennoch, das gründliche vorgehen, mit dem "victorian america" angelegt wurde, ist ein großes plus. dass man immer wieder nach der zwielichtigen emily sucht, liegt im tollen erstling begründet. die junge frau hat sich weiterentwickelt. es wird jenen zupass kommen, denen "dark undercoat" zu karg war, es wird anderen, die gerade das düstere und unfertige des debuts liebten, gegen den strich gehen. ***1/2 - **** ("victorian american, 12.10.09, talitres)
Emily Jane White - Victorian America (2009)
Emily Jane White - Bessie Smith (from "dark undercoat")
Emily Jane White - Time On Your Side (from "dark undercoat")
Emily Jane White - The Demon (from "dark undercoat")

19. Nov. 2009 20:00 Winterthur Gaswerk, Germany
20. Nov. 2009 20:00 Vienna (tba) Vienna, Austria
21. Nov. 2009 20:00 Vienna Blue Bird Festival Vienna, Austria
23. Nov. 2009 20:00 Dreikönigskirche Dresden, Germany
24. Nov. 2009 20:00 Kapilio Langenau, Germany
25. Nov. 2009 20:00 Offenburg tba Offenburg, Germany
26. Nov. 2009 20:00 Volksbad Buckau Madgeburg, Germany
28. Nov. 2009 20:00 JZ Karo Wesel, Germany

Donnerstag, Oktober 08, 2009

le loup - family (2009)

das bunte, floristische des aktuellen albums "family" von le loup ist abschreckend. so abschreckend, dass man meint, die mit dem tonträger inniglich verbundene musik gar nicht hören zu können. schließe nicht vom cover auf den inhalt, beschloss ich und zog lieber andere referenzen zu rate. da wäre zunächst hardly art, das rührige label, welches uns mit bereits mit the moondoggies beglückte oder mit the pica beats oder arthur and yu usw. usf. und zugleich muss man natürlich auch talitres nennen, die sich für den europäischen boden verantwortlich fühlen und uns nahe bringen, wovor wir zunächst zurückschreckten.
der 21.09. war releasedate für das zweite album der band aus baltimore und die sachte zuführung mittels eines wenig sachlichen covers weckte denn doch neugier. die vorbehalte konnten schnell über bord geworfen werden und der erste vergleich, nämlich mit anathallo, sorgte für den grad an entspannung, den es braucht, um sich der musik des fünfers hinzugeben.
die ist großartig im wahrsten sinne des wortes. denn hier wird abgehoben auf polyphone rhythmen und harmoniegesänge, die lediglich, weil sie einer dämpfung mittels hall und abfederung im soundkleid unterworfen sind, keinen hymnischen status erhalten. leichte handbremse, aber keinesweg des saftes beraubt. das album hat zigfach übermannende momente zu bieten, dass es sich gebietet, keinen einzelnen track hervorzuheben. um jedoch die machart darzustellen, soll zunächst die konzentration auf "go east" gerichtet sein, dem siebten stück des elf track umfassenden "family". der song beginnt mit einem aus der tiefe kommenden synthiebild, schwillt an, wird ergänzt um ein munteres banjo, das thema zieht sich, kreiselt an der hand des banjoplayers, schließlich greift die percussion ein, rasseln, leichtes trommeln, gesang, der fast choralen charakter trägt. im ersten anheben, nimmt die musik fahrt auf und rundet sich auf der melodie ab. es werden keine großen schlieren hinterlassen, aber der hörer folgt auch so. in der redundanz liegt ein kleiner teil der wahrheit, die le loup auszustrahlen in der lage sind. während die harmonien entschwinden, hofft man schon auf fortsetzung.
le loup startete einst als eine art schlafzimmerprojekt von sam simkoff. mittlerweile ist das bandgefüge auf fünf mannen angeschwollen und allesamt verdienen sich credits an songwriting und, hervorzuheben, auch am gesang. zudem wird die chose selbst produziert, woran neben simkoff auch bandmitglied christian ervin großen anteil trägt. beide achten sehr darauf, dass die musik von le loup ihren organischen charakter beibehält, um nicht im dunst der synthesizer und der elektronischen nachbearbeitung verloren zu gehen. so entstand ein album, das sich der üblichen rezeption entzieht. es bedarf aufgrund der brillanz, das es ausstrahlt, aufgrund der farbigkeit, und somit steht das artwork in patenschaft zum inhalt, aufgrund der entschleunigung, die sich weniger auf geschwindigkeit, denn auf entsagung vom getrieben sein bezieht, eine neue lesart. einem album gilt es zu huldigen, dem die balance gelingt zwischen lagerfeuerromantik, rockistischen abscenzen und den experimentellen bearbeitungen, die erweckungscharakter, lebensfreude und eine art von munterkeit unterstreichen, die verloren schien. ich fühle mich heimgeholt.
le loup sind: jim thomson, sam simkoff, robby sahm, michael ferguson, christian ervin.
le loup - we are gods! we are wolves! (from: "the throne..., 2007)
le loup - forgive me (from: "family", 2009)
le loup - beach town (from: "family", 2009)

Mittwoch, Oktober 07, 2009

eingestreut (61): cotton jones

wenn es so etwas wie ein klärendes wort gibt, gibt es auch ein klärendes musikstück. es grunzt 'heile welt' und öffnet die tore für gleissendes licht. das überblendet, wenigstens für diesen augenblick, die grauen, stumpfen sorgen. "where you stop for a minute" ist so ein track. zunächst die quängelnde guitar, dazu jault dann die orgel bedeckter als andere kolleginnen und die sangesleistung der beiden cotton jones' michael nau und whitney mcgraw ist so bemerkenswert kühl-warm, das sich in ihr die eigene welt spiegeln kann. zu finden ist diese kleine unglaublichkeit auf der anfang september auf quite scientific erschienenden "rio ranger ep", die insgesamt fünf tracks umfasst und im hardcover book herausgegeben wird. wie bereits zwei kurze zuvor, ist auch diese ep stark limitiert. während es die vorgänger bereits nicht mehr auf handelsüblichem wege zu erwerben gibt, kann man sich schließlich bei dem neuen gerät noch versuchen zu beeilen.
cotton jones - where you stop for a minute (from: "rio ranger ep")
cotton jones - midnight monday and a telescop (from: "the archery ep")

neue töne (680): the watts ensemble

foto: ramon felix
muss hier mal eine lanze brechen. für zeitgenössischen jazz. immer mal wieder vertan und als nicht konkurrenzfähig abgetan gegenüber den heroen aus der mitte des letzten jahrhunderts. aber. ein aber gilt es ohne zu zögern zu formulieren. finesse und ehrgeiz, findigkeit und kreativät lassen sich auch heute noch leicht finden. auf kill shaman zum beispiel hat the watts ensemble ein album abgegeben, wie es so voll von mut und herrschaftlichem chaos nur selten eines gibt. da bläst dir der wind direkt ins gesicht und trotz der stärke und impulsivität drehst du dich nicht ab, sondern hälst hin, aus, wie auch immer. fast schon orchestrale stärke hat das ensemble und diese wucht macht den sound besonders. denn hier lebt man nicht nur von lautstärke, sondern genauso von stille füllenden pausen. coltrane und mingus sind in der musik des vielköpfigen musikalischen monstrums zuhause, ebenso wie die klassik eines strawinsky. die formation fand sich eher zufällig, hier eine bekanntschaft, dort eine begegnung, so wie die noten auf dem wirklich tollen album "crime and time" nicht voneinander lassen können, so blieben die mitglieder dieser band zusammen. der montag gehörte ihnen. in einer garage bei einer bottle bier suchten sie woche für woche nach ihrem platz in der musikhistorie. jetzt haben sie ihn gefunden!
the watts ensemble - spring
the watts ensemble - funny cigarettes

Dienstag, Oktober 06, 2009

konzert: hugo race & true spirit, 05.10.09

eine verlässliche livezusammensetzung für true spirit gibt es vermutlich nicht, so muss man gespannt und neugierig bleiben, wer einem gegenüber tritt, wenn hugo race auf dem plan steht. neben dem erfahrenen groover diesmal dabei das langzeitmitglied und damit wenigstens eine konstante: an den drums chris hughes. ergänzt werden die beiden altgedienten durch den jungen dave allen am bass sowie an der e-gitarre bzw. steel den nicht viel älteren hellhound brown. der zog im haus der kultur zu waldkraiburg, das mit mageren 30 zuhörern spärlichst besetzt blieb, zunächst solo auf. seiner gewienerten, hochglanzpolierten steel entlockte er einen willigen blues, wie wir ihn von den baumwollfeldern nachhallen hören können. mittels bottelneck ließ er sich dabei auf keine kompromisse ein und spielte dennoch rhythmisch und melodiös auf höchstem niveau. dass ihm hugo race bei seinem aktuellen soloalbum unter die arme griff, war angesichts dieser gefälligen performance kein wunder. die halbstündige schau endete unter so viel applaus, wie er möglich scheint, wenn wenige händepaare alles geben.
zunächst zu dritt, ohne den abgetretenen solisten, starteten hugo race & true spirit und schnell wurde klar, hier werden heute abend keine gefangenen gemacht. der sound war derbe, roh und schroff, dampfte dumpf und zischend aus den boxen. hugo gabelte an seiner lieblingsklampfe die unter der hand vertriebenen melodien auf und sang sich die seele aus dem leib. warm werden, erst einmal. ein motto, das wohl eher den vereinzelten im auditorium galt. die zumeist altsemestrigen hatten sich vermutlich auf einen abzunickenden abend eingestellt, dabei vollführten die bald zu einem vierer ergänzten musiker einen sattsamen perforceritt. bietet das letzte album "53rd state" (glitterhouse) vielfach depressives material, so wurde doch eher das galoppierende auf die setlist gesetzt. neben acht songs vom 08er album tauchten aber auch pretiosen aus früheren dekaden auf, so z.b. das erfrischende "keep it on" von "last frontier" in der zugabe oder das gemütlich sich selbst umschiffende "on the bright side" vom 06er werk "taoist priests". daneben glänzten vier auszüge von der hervorragenden "the goldstreet session" scheibe aus 2003.
die vier funktionierten wie ein schweizer uhrwerk und dabei brachte jeder von ihnen eine persönliche besonderheit mit ein, die das klangbild erst formen sollte. dem jungen basser kam sicher der gediegenste part zu, da er für stabilität, für ein fundament zu sorgen hatte. denn die rhythmusfraktion belief sich fast ausschließlich auf ihn allein, weil der drummer, weil der geniale chris hughes alles andere tat, aber nie nur stoisch diktierte. im gegenteil vollführte er höchst konzentriert, dabei immer wieder matt geradeaus stierend, eine drummingkunst, wie ich sie nur selten sah. agilität gepaart mit einer antizipierenden spielweise, als erahne er die nächsten winkelzüge seiner vorderleute. unter seinen federnden beats geriet jedes arrangement zu einer abwechslungsreichen vorführung, ohne längen, ohne wirkungsarme passagen. das war hohe kunst und ich war lange nicht so beeindruckt worden. doch ohne brown an steel und e-gitarre wäre der zinnober ohne rechte kanalisierung geblieben. es schien, als würde der schlaksige kerl alle fäden, die von den drei mitmusikern abgerollt wurden, aufnehmen, um sie gebündelt, auf heiß umwachster kerze miteinander zu verschmelzen. dabei stand er unscheinbar, dem licht der scheinwerfer ausweichend, abseits und konzentrierte sich auf die helle belebung des klangs auf den dünnen saiten seiner instrumente.

im mittelpunkt der darbietung blieb bei allem glanz der kollegen aber hugo race selbst. seine düstere, schaurige mär, die ihn seinem alten fahrensmann n. cave so ähnlich macht, dräut durch jedes kapitel seines programms. er bietet nie schonkost. dennoch bleibt er ein magerer hund, als ginge ihm selbst immer neu zu nieren, was er zu erzählen hat. er macht keine show und keine anstalten, er spielt ungebremst und dennoch ohne palaver. seine gesten sind ungefeilt. seine gestalt, die eines hobos, eines weitgereisten. dem australier nimmt man schier alles ab. auch sein lächeln ob der begeisterung im rund. dafür, dass sich hier nur so wenige menschen eingefunden hatten, dafür spielte die band ein außerordentlich warmherziges und dynamisches konzert, das sich wie stets einer genrebeteuerung entzog.
setlist: high on love / on the bright side / we create tomorrow / make me mean / dumb down / girl called sunset / is yr love strong / whem midnight comes / midas touch / 53rd state / sodium rum / mystery world / zugabe: lsd is dead / coming clean / keep it on

06.10 Frankfurt – Sinkkasten
07.10 Köln – Underground
08.10 Aachen – Musikbunker
09.10 Essen – Grend
10.10 Hannover – Musikzentrum
11.10 Hamburg-Norderstedt – Music Star
13.10 Berlin – Frannz Club
14.10 Halle – Objekt 5