
aoife o'donovan ist wohl klar die frontfrau, sie macht die ansagen. ihr gesang tendiert zu den höheren tönen und man spürt an diesem abend, dass sie ihre stimme den übersichtlichen gegebenheiten anpasst, ansonsten aber eine menge mehr fetzen könnte. denn manchmal klingt es durch, das volle organ. ihre endungen sind zigfach unsauber, als bekäme sie keine luft, andererseits macht sie einem schnell glauben, dass es an ihrer atmung keinen mangel geben kann: dann hält sie inne und trägt die töne, dehnt sie, macht sie sich herr. klasse. sie singt nicht sehr wandlungsfähig, dafür dem genre zuträglich. nebenher bedient sie immer wieder gitarren unterschiedlichster größen, vorwiegend um dem rhythmus etwas mehr verve zu verleihen. direkt neben ihr postiert das optische highlight: brittany haas an der five string fiddle. sie
verleiht aber nicht nur durch ihr wunderbares aussehen glanz, sondern fast mehr noch durch ihr unstrittiges spiel. ihr melodienläufe: genial, ihr gefühl: atemberaubend, ihr einsatz: enorm! und dies im blinden einverständnis mit dem ebenfalls erst vor ca. einem jahr zur band hinzugestossenen tristan clarridge am cello. er definiert zusammen mit corey dimario am double bass den beat. mehr noch: sie bieten der musik von crooked still ein gerüst, einen rahmen, ein fundament. und zugleich, denn sie geben sich nicht mit höfischem gehabe zufrieden, bedienen sie harmonische notwendigkeiten, die sich aus dem komplexen
spiel dieses quintetts ergeben. hier ein faden, dort ein fädchen, dort ein bündel von dem ab-, dort eines, zudem aufgerollt werden soll. dass dieses exklusive unternehmen nicht irre fährt, dafür sorgt schließlich dr. gregory liszt mit seinem banjo. als läge er einen teppich aus, bereite weichen flies, auf dem sich seine begleiter betten können. er stabilisiert, kontert zuweilen, gleicht aus. sein verzücken ist das eines kontrolleurs. und dennoch bleibt er nicht verhalten oder gar bleich, sondern greift sein instrument wie ein e-gitarrist, reisst am holmen, wackelt mit den hüften und spiegelt grimassierend auch seine wagemutigen, melodiösen, harmoniebeflügelnden passagen.so pumpt der bass, das cello sägt, die violine fegt, das banjo treibt und die sängerin übertönt und bildet gleichzeitig den hellen putz, der von einem stabilen, trockenen haus zu berichten weiß. womöglich der einzige makel. dissonanzen vermisst man, auf- und überdreher. ein wenig jammen, ja man ahnt es, da das karussel fahrt aufnimmt, das offenbare schludern aoife o'donovans, wenn sie den tönen das reißaus nicht übel nimmt, all das weist auf spontanität und mut hin, den die band doch bewies, als sie ihr letztes album "still crooked" live aufnahm und die einzelnen tracks in ein bis zwei takes aufs band meisselte. ihr zusammenspiel hat etwas perfektes, rundes und forderte zuweilen zu wenig die aufmerksamkeit. aber das sind marginalien. abschluss: ich allein auf dem radl nach hause. licht defekt. durch den wald. schiss in der büx. au backe...
Crooked Still - Undone In SorrowCrooked Still - Can't You Hear Me Callin?
Crooked Still - Little Sadie




2 Kommentare:
Gefällt mir richtig gut! Der Bericht, das Banjo, der Gesang, der an Fairport Convention (in modern) erinnernde Sound und die Fiedel. Brittany Haas darf gerne einmal in meinem Wohnzimmer vorbeischauen. Wie weit ist es von Waldkraiburg zu Euch? Du hättest sie doch auf dem Radl mitnehmen können. Stell ich mir romatisch vor: Ein bayrischer Blogger, ein altes Rad, eine hübsche amerikanische Geigerin und ein dunkler deutscher Wald...
8km durch finstersten wald, ich behalf mich schließlich mit der kameraleuchte (die alle halbe minute aussetzte...). mit nem mädel dabei, ich garantiere nicht für unfallfreiheit.
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