Donnerstag, Oktober 13, 2011

neue töne (1053): people get ready

mit people get ready kommt ein spannendes projekt auf uns zu. zunächst haben wir da steven reker aus arizona, der die wege von luke fasano kreuzte, beide auf der suche nach einer ausdrucksform, die gepaart ist aus tanz und livemusik. nicht von ungefähr, dass man sich bei solcherart performances immer wieder traf. in 2009 gründeten sie people get ready, um eigene ideen umgesetzt zu sehen. während fasano perkussion bei yeasayer betrieb, verdingte sich reker als tänzer und gitarrist auf der welttourneee von david byrne. bereits im dezember 2009 hatten sie ihre erste eigene show im rahmen der dance and process series im berühmten new yorker the kitchen. die musik zum auftritt hatte reker noch während der tour mit byrne geschrieben. das echo war so großartig, dass reker erneut gebucht wurde. im sommer ergänzten jen goma von a sunny day in glasgow und james rickman von slow gherkin das lineup der noch frischen truppe. die hatte sich nun derart aufgestellt, dass sie sowohl ausdruckstanz veranstaltungen als auch normale livesession bespielen konnte. so gestalteten sie eine abendfüllende show im the kitchen, aber traten auch in vielen bars und kneipen in brooklyn und manhattan auf. gebucht sind sie aktuell für vielerlei veranstaltungen in nordamerika, sowohl in theatern und kunsttempeln als auch in rockvenues.
ihre musik hat denn auch etwas bewegungsanregendes, so viel ist nach dem ersten hören schnell klar. fein ziseliertes zusammenspiel, drumming voller finessen, rockistische gitarrenansätze, verhallter gesang, wo es nottut und harmonien, dass man ohne weiteres auf eine popkombo tippen könnte. die selbstbetitelte 4track ep erscheint am 08. november auf quite scientific records und sollte auf dem zenit der moderne außenwirkung haben. auch ohne tanz. ganz für sich.

people get ready - uncanny by quite scientific records

Mittwoch, Oktober 12, 2011

konzert: moon duo, 10.10.11

kleine flieger konnte ich ausmachen. blitzschnell fegten sie durch den raum. an der decke sorgten ihre reflexionen zigfach für irritierenden, optischen widerhall. alles blinkte und glitzerte, blitzte. satelliten, raumfähren, sterne, monde und planeten. schnuppen fielen herab, augenblicke besonderer schönheit. zur besinnung war keine zeit. tierkreiszeichen, ineinander verschränkt, gesprächsangebote von den sirenen des nächtlichen himmelszeltes. freie blicke. leuchtbahnen durchzogen das rund, die zuversicht in die stabilität des noch wankenden bodens schwand. irrlichterndes. wesen, deren fingerzeige weisungen enthielten. horch. wiege dich. bewege dich. lass den schall durch dich fahren und ausloten die tiefe des zellulären raums. ein spiel der elemente. die tosende tonale attacke versus den gleichzeitigen verlust von mobilität, bewußtsein und glauben. die eindringlichkeit der musikalischen konzeption von moon duo entzog dem hörer stückchenweise grade an selbstbestimmtheit und lockte ihn auf das eisfeld, das transparenten schimmerte und den blick auf ein darunter freilegte, von dem zu deuten unmöglich war, ob es der himmel oder das verschwiegene meer sei.
der drumcomputer war nur einen knopfdruck entfernt von einer öden komposition aneinandergereihter beats. stumpfe kreationen, die in energischem gegensatz zur spiel- und experimentierfreude des duos aus san francisco standen. was hölzern pochte erhielt kontrapunktierend den spiegel vor augen: sanae yamada, hinter einer kleinen ansammlung elektrischen geräts postiert, wirkte an diffizilen sounds und rhythmen, ripley johnson zelebrierte das hohelied des elektrogitarristen und sang den begeisterten jüngern ein ums andere lied. die tatsächlichen effekte ergaben sich aus dem sinfonischen miteinander, einer space- wie fuzz- und psychrock infizierten show. der manische beat, dem im gegenrhythmus häufig unrecht widerfuhr, kreiselte wie die zentrale andockstation taumelnd und doch sicher durch den kosmos, die finessereichen ornamentierungsmuster und belebenden texturen aus dem keyboard, die sich bei aller diversität repetitiven schleifen ergaben und schließlich das halluzinogene schwert einer schwarz getränkten sechssaitigen, die, wie ein blitz geführt, ordnungsprinzipien wieder herzustellen wusste.

der raum entzog sich jedweder zuordnung und definition. im moment der ausdehnung bewirkte er eine art befreiung, im moment des sich zusammenziehens verfiel man in einen geradezu klaustrophoben zustand. einer vollkommenen klarheit standen beständig traumatische videoanimationen, die besitzergreifende konstante einer klauen bewehrten, um sich greifenden musik und das berauschtsein einer menschlichen masse entgegen. diese wogte beflissen hin und zurück, kontrolliert von zwei selbst in die mangel genommenen protagonisten, offensichtlich nicht immun gegenüber der losgelassenen bestie.

kurze momente, in denen welten erstarben. aus dem traum erwacht, um in den nächsten zu stürzen, um sich erneut unheimlich heimisch zu fühlen, obwohl doch das enterieur so befremdlich stimmte. das wilde orange der siebziger im 59:1 zu münchen, basis meiner entrücktheit. die hätte volle entfaltung gefunden, wären die einzelnen tracks des moon duos ineinander über gegangen. so wurde man immer wieder seiner hypnose entrissen und suchte ein ums andere mal sich in die tiefe eines songs zu stürzen. "run around" mit seiner sprühenden wucht, aufgesplittert in einzelteile und doch im ganzen ein monolith, "in the sun" - geruderter gestus, "fallout" - das quicklebendige stürmische etwas im stoizismus dieser großartigen kapelle, der rest:
setlist: stumbling / run around / dead west / fallout / catch / motorcycle / in the sun / when you cut / set it
moon duo - mazes

male bonding, die eröffnungsband des abends, ließ es sich dagegen nicht nehmen, ihre gewaltorgie aus drei gitarren und einem beton zersplitternden schlagwerk ohne unterbrechung, und wenn vereinzelnd, dann langte es lediglich für einen kurzen gruß, durchzuziehen. die schlecht gemischte sosse ergoss sich über die vielfach anwesenden eher wie gestocktes denn einer wirklich liquiden masse. erkennbar war eine musikalische idee, doch sie wurde einem stickigen soundbrei geopfert, der brettharte gitarren offerierte, die nur wirklich selten stimmig miteinander konnten, und einem drumming, das gesundheitsgefährdend schepperte.

dass es mir das trommelfell zerschlug, lag aber wahrscheinlich nur daran, dass ich mich auf der suche nach kultur nicht ausreichend schützte. nicht minder bitter war es, dass der gesang kaum zu verstehen war, so dass eine wesentliche komponente des noise-pop trios, an diesem abend um einen kompagnon aufgestockt, fast vollständig verloren ging. sehr schade, denn die auf tonträger gute laune verbreitende truppe um kevin hendrick, nebst robin silas christian und john arthur webb hatte die rechten songs am start, fast das komplette "endless now" wurde geboten
setlist: paradise vendors / tame the sun / what's that scene / weird feelings / channeling your fears / before it's gone / dig you out / can't dream / seems to notice now / all things this way / bones / year's not long
male bonding - tame the sun
male bonding - bones
abschließend noch der hinweis auf die nächsten moon duo daten. wobei Ihr daran denken solltet, Euch die auf 1000 stück limitierte "horror tour" ep abzugreifen- nummer 553 steht nun in meinem plattenregal und glänzt neben den vier neuen tracks auch mit den stationen der tour 2011:
12.10.11 Wien
13.10.11 Budapest
14.10.11 Zagreb
15.10.11 Belgrad
16.10.11 Ljubljana

Dienstag, Oktober 11, 2011

neue töne (1052): case studies

jesse lortz hatte sich jüngst erst einen namen mit the dutchess and the duke gemacht (im klienicum hier). der auflösung dieses projekts ging voraus, dass es den protagonisten keinen spaß mehr gemacht hätte. einen besseren grund findst du nicht. dass lortz ohne musik nicht kann, wird nicht zuletzt am neuen unternehmen deutlich. mit case studies setzt der amerikaner, wohnhaft aktuell in seattle, auf einen fast schon verhuschten folk, der ganz in der tradition eines leonard cohen stehen könnte. kann, vielleicht, doch jesse lortz scheint zu sehr auf seine arbeit konzentriert, als dass er ausschau nach auswärts halten könnte. einer mittelbaren beeinflussung steht allerdings nichts im weg.

"the world is just a shape to fill the night" heißt das erste produkt seiner jüngsten anstrengungen. das album ist mitte august auf sacred bones erschienen und enthält größtenteils songs, die im februar mit greg ashley (gris gris) aufgenommen wurden. eine kleine hütte in sequim, wa, war der hort, an den man sich zurückzog. doch die rückzugsidylle täuscht, denn lortz lud eine menge leutchen zur unterstützung ein. er sprach davon, dass er in den vergangenen jahren sehr oft allein aufgenommen hatte und bei diesem album offen für die dynamik war, die entstehen würde, wenn mehrere musiker sich beteiligen würden. von einer band distanzierte er sich aber zugleich. er war daran interessiert, das konzept offen zu halten, um die songs auch mit anderen kollegen vortragen zu können. so bleiben die arrangements sparsam und wie hingeworfen, perkussion, backgroundgesang, nicht viel mehr. dennoch ausreichend für einige sehr ans herz gehende titel. neben tief anrührender emotionalität finden sich auch tracks, die hoffnungsschwanger klingen, aufmunternd, entspannt. diese lesart ist sicher darauf zurückzuführen, dass sich lortz seltener so aufgeräumt fühlte, wie zu den zeiten der aufnahmen zum vorliegenden album. er beschäftigte sich nebenher mit tausenderlei anderen disziplinen, u.a. schmuck herzustellen, malen und dem schreiben von texten, die nichts mit musik zu tun hatten. "i am genuinely excited to be making music for probably the first time in my life.", resümierte er denn auch. melodien zum greifen, ein schwung, der aus dem sessel hilft, mädchengesang, der durch den tag begleitet, die schwermütige stimme des kräftigen burschen, die nachhängt, lieder, die vertraut klingen, bilder, die entstehen. mehr verlange ich nicht von einem album, das prädestinierter nicht für den beginnenden herbst sein könnte.
case studies - lies

case studies - the eagle, or the serpent by sacredbones

Montag, Oktober 10, 2011

glotzt nicht so romantisch (255): charlie parr / the driftwood manor / cowboy and indian / thomas mery / jamie n commons

eher bunt, aber stets mit einem verhältnismäßig aktuellen anlass, eine neue runde glotzt nicht so romantisch, diverse, meist ist es der song, manchmal die visuelle qualität, lasst Euch überraschen!
die tourdaten hätte ich aus neid fast für mich behalten, denn charlie parr kommt auf seiner herbsttournee nicht nach münchen, dafür aber steuert er am 23.11.11 das monarch in berlin, am 25.11.11 das theater von dortmund und am 26.11.11 das kampnagel in hamburg an, zu feiern gibt es die compilation, eine best of "cheap wine" auf tin angel records:



nun der hinweis auf ein spannendes irisches avant-folk projekt namens the driftwood manor, das gerade "the same figure (leaving)" auf rusted rail /slow loris veröffentlicht hat, das video sollte neugierig auf mehr machen:



dieser zuweilen auf einen sechser aufgestockte haufen stammt aus austin und spielt den folk mit leidernschaft und verve, ihr full length debut haben cowboy and indian gerade in der mache und man darf wirklich darauf gespannt sein:



jemand, den man unbedingt im auge behalten muss, ist thomas mery, der französische tausendsassa ist ein wahrer künstler auf der sechsaitigen, "les couleurs, les ombres" hieß seine letzte veröffentlichg (im mai auf own records):



das debutalbum wird eine ep sein, am 21. oktober erscheint "the baron" von jamie n commons via luv luv luv records / cooperative music, konzerte: 21.10. berlin, magnet; 22.10. hamburg, molotow; 24.10. koeln, blue shell:

neue töne (1051): mirel wagner

am 21. oktober kommt lyrische akustik über uns. die schwere düsternis hatte sich bis dahin längst über finnland gelegt. passt, das dunkle, das die nennung dieses landes impliziert. das cover von "mirel wagner" ist schwarz und aus der schwärze formt sich ein gesicht. jugendlich und zugleich mit tiefblickenden augen, mit einem erwachsenen schwung um die lippen, einer tiefen scharte um die wangen, einer gestrengen stirn. wenn die in äthiopien geborene und in finnland aufgewachsene mirel singt, dann klingt etwas kindliches in ihr an und dann nimmt sie die großen themen in die hand. ein zwiespalt öffnet sich, in den man erst nach und nach seine zweifel fallen lässt.
die gitarre kommt direkt, die töne entfahren ihr mit natürlichem klang, hell und klar. in leichtem hall, wie das gesicht auf dem album, versunken die stimme mirel wagners. jedoch keineswegs disparat, in fester korrelation zum instrument. zwei verwachsene elemente, die zueinander gehören, wie die schwere der sonne in der mittagshitze. etwas lastendes hinterlässt auch die junge sängerin mit jedem lied. im nachhall blendet der tod, das fahle eines getroffenen augenblicks. selten findet sich ausgesprochene natürlichkeit, der wahnwitz der offenbarung so nah neben dem wissen der in düsternis verhafteten. kein schleifen, kein anraunen in der stimme wagners, im gegenteil ist die auf artikulation bedachte phrasierung durch beängstigende klarheit geprägt. die worte eines mädchens treffen zielsicher. nach für nach, ohne unterlass.
vielleicht hatte sie einen deutschen großvater, der nachname lädt zu spekulationen ein. espoo aber hieß ihr heimatort, nachdem sie aus afrika nach europa kam. früh begann ihre musikalische erziehung. mit sieben geigenunterricht, mit 13 greift sie zur gitarre, einige jahre später entstehen die ersten eigenen songs. nun, mit anfang zwanzig liegt das selbstbetitelte debut vor.
bone voyage hat sich des albums, welches bereits passenderweise im vergangenen winter in finnland veröffentlicht wurde, angenommen und hat den release für den 21. oktober geplant. nicht zuletzt ausgangspunkt für einige auftritte mirels. gloomy blues- und folksongs, die wie müd lächelnde greise trotzig kreise drehen, sollten auch in der livedarbietung eine schauerlich schöne atmosphäre bereiten. nur, und dies sei abschließend bemerkt, geht es der finnin nicht um schau. die aufrichtigkeit ist präsenter anteil dieser produktion.

mirel wagner - dream by bone voyage

mirel wagner - no death by bone voyage



15.10.2011 Utrecht, Ekko Netherlands
21.10.2011 Luzern, Sedel Switzerland
22.10.2011 Yverdon, L'Amalgame Switzerland
23.10.2011 Zürich, Viadukt Switzerland
25.10.2011 Freiburg, Atlantik Germany
26.10.2011 Nürnberg, MuZ Club Germany
27.10.2011 Münster, Gleis 22 Germany
28.10.2011 Weinheim, Cafe Central Germany

Sonntag, Oktober 09, 2011

eingestreut (326): chuck johnson

"the flying spire don't have no mercy" habe ich mir mittlerweile ein dutzend mal angehört. chuck johnson entwirft eine poetische miniatur, die sich über die saiten seiner steel string guitar ausbreitet wie schützender vlies, der vor angriffen von außen bewahrt. man fühlt sich wie unter einer dunstglocke, in der die töne leicht widerhallen. anfang der neunziger begann johnson in der tradition der american primitive, stellvertretend seien elizabeth cotten, etta baker genannt, seine gitarre als soloinstrument zu verstehen und gab erste konzerte. doch bis zum ersten soloalbum sollte es noch etwas dauern. zunächst spielte er in verschiedenen formationen, in denen er die aufnahmen zu beachteten werken förderte. zum beispiel mit idyll swords oder shark quest, die auf three lobed bzw. merge veröffentlichten. zudem engagierte sich johnson sehr im bereich der filmmusik. im november wird nun aber sein debut auf strange attractors audio house erscheinen. der erwähnte track ist natürlich auch darauf enthalten. "a struggle not a thought" wird den vergleichen mit einem glenn jones oder steffen basho-junghans sicher standhalten, wenngleich die aufnahme des herrn johnson in den pantheon der akustik gitarristen erst noch erfolgen muss.

the flying spire don't have no mercy by strange attractors

ein (p)fund mp3 (364)

"delicate friction" heißt ihr neues album, es kommt am 18. oktober (dromedary records) und bietet indiepop der gefühlvollen sorte, der vierer aus brooklyn legt schon mit dem appetithappen die latte der erwartungen recht hoch:
mommyheads - hello friends
via sargent house wird am 25. november das neue album "new album" auf den verkaufstresen landen, unglaublich, was das japanische trio sowohl qualitativ als auch quantitativ rauszuhauen in der lage ist:
boris - spoon (via pitchfork)
auf dem dubliner the delphi label erschien jüngst seine neue ep, die aber nur der vorspann zu einem full length sein wird, das im kommenden jahr veröffentlicht wird, delphi mausert sich, merkt Ihr es, erst we cut corners und nun..., ein erster neuer song vom iren: deaf joe:
deaf joe - the softest touch by the delphi label

der erste freie download aus ihrer "gebbie st. ruined my life" (ab 07. oktober via humming records) bietet sich an wie die heiße version eines rocksongs, die truppe aus brisbane macht keine gefangenen und rockt demnächst auch hiesige gefilde (10.10.2011 Hamburg - Molotow, 11.10.2011 Berlin - Comet Club): dz deathrays:
dz deathrays - gebbie st by humming records

powerpop nennt man das, was die truppe aus san francisco aufs parkett legt, mit "something about you" legt der energetische dreier eine zweite single vor, die am 11. oktober auf slumberland kommt: terry malts:
terry malts - something about you by slumberland records

wäre schon mal interessant, was Ihr von diesem trio aus chicago haltet, immerhin bringen sie mittlerweile ihr viertes album auf den markt ("empros", ab 25. oktober auf sargent house), nur attitüde oder doch eine besondere qualität:
russian circles - mladek
eine besondere vermählung sind die beiden poplegenden hier eingegangen, die aufnahme zeigt dan treacy und television personalities mitglied texas bob an der gitarre, inkl. flip als single ab 18. oktober auf labrador:
acid house kings feat. dan treacy - heaven knows i miss him now
beliehen bei der hear ya session, die im sommer stattgefunden hat, und die es zum download hier zu finden gibt, fünf tracks feinsten folksongs, wer nicht vertraut ist mit dem protagonisten, dem lege ich die ep "nation of heat" ans herz:
joe pug – how good you are
joe pug - nobody’s man

sie haben gerade einen vertrag bei eenie meenie unterschrieben, ihr debutalbum "birds of belize" ist noch ganz frisch, der punkifizierte dreier aus williamsburg macht mir freude, man muss ihm einfach auch beim musizieren zusehen: old monk:



hübscher name, mit "bad penny" ein hübsches debut (ab 25. oktober auf slumberland records) des gerade mal 21 jahre alten louis jones aus dem uk, der mixt kräftig pop, doo wop, garage und eine prise soul, um einen ganz eigenen angeschlagenen sound zu kreieren:
spectrals - big baby
sie verbreiten eine wunderbare popnote im indierock, die in fülle via selbstbetiteltem album am 08. november auf addenda records erscheinen wird, ein vierer aus chicago, hört hört:
mannequin men - hobby girl
einen besonderen ausklang gibt es für diese runde "ein (p)fund mp3" mit einem schaurigen freefolk rührstück aus dem selbstbetitelten album, der releasetermin war im september (critical heights), fast ausverkauft, heißt es:
savaging spires - bending the rules of time

Samstag, Oktober 08, 2011

eingestreut (325): andrew iafrate

so eine webseite kommt mir sehr entgegen. hier steht die musik im vordergrund, der fast völlige verzicht auf schnickschnack. andrew iafrate stellt dabei neben einigen exzellenten covertracks auch eine handvoll eigener lieder zur verfügung. der junge mann aus louisville hat computer science an der indiana university southeast studiert, sollte sich aber meiner meinung noch mehr mit musik beschäftigen. immer wieder trifft man ihn übrigens auch mit jonathan glen wood an. in den vergangenen jahren hat iafrate mehrere hundert songs geschrieben, die er stets auch auf tonträger zu bannen wusste. so erschien 2005 sein debut "hallowed be our wayward ways". nicht einfach sind seine pfade nachzuverfolgen, es verliert sich einiges im nirgendwo. 2007 kam sein zweites werk, "the ravages" erhielt viele positive kritiken, die rockinfizierte folkidee kam gut an. wenn man etwas genauer recherchiert findet man zudem heraus, dass zwischen den beiden alben eine lediglich im internet vertriebene ep namens "when i am stone dead" erschienen war. insgesamt ist von fünf bis sechs alben die rede. mehrere umzüge, die sprichwörtliche umtriebigkeit auch in sachen bandkonstellationen, iafrate spielte in allen erdenklichen kapellen hardcore, punk, country and western, wirkte sich vermutlich vor allem auf die konstanz seines tuns aus. nichtsdestotrotz dürfen wir uns an seinen tunes erfreuen. das paul simon cover übrigens ist frischer natur und wirklich gelungen!
andrew iafrate - graceland (paul simon cover)
andrew iafrate - king of carrot flowers, pt. 1 (neutral milk hotel cover)
andrew iafrate - when i was shaken
andrew iafrate - put upon your planet

neue töne (1050): pree

über pree hatte ich im dezember 2008 räsoniert und mir gehör dahingehend erbeten, dass ich eine große karriere voraussagte: "ich nenne nur kurz den namen, mehr nicht, den namen. was sich abzeichnet vielleicht auch. aber mehr nicht. pree. entlehnt einem neutral milk hotel song und damit in der wertigkeitsskala schon mal ganz weit vorn. aber mehr? ok. angeführt wird die truppe von may tabol (le loup, you know?), dazu gesellen sich chris dewitt an den drums, vanessa degrassi an der mandoline und flöte sowie david barker an der elektrischen. für den märz haben sie ein album auf kora records angekündigt. "a chapping block" wird es heißen und, ich hänge mich nun doch etwas aus dem fenster, es wird großartig werden."

ein paar veränderungen hat es in der zwischenzeit in der band aus washington gegeben. mal abgesehen davon, dass das vorbenannte album die umlaufbahnen nicht wirklich erreicht hatte. mit ethan brasseaux bedient ein neuer kollege bass, drums und percussion und mit ben usie stieß ein weiteres männliches mitglied hinzu (drums, bass, musical saw). die beiden ergänzen die truppe um die nach wie vor an vorderster front agierende may tabol (main vox, guitar, keys) neben vanessa degrassi (flute, guitar, ukulele, bass, glockenspiel, melodica). ebenfalls neu ist der vertragspartner. auf kora folgte paper garden records und dort wird am 18. des laufenden monats "folly" erscheinen. das album war eine recht beschwerliche geburt, verschiedene location, in denen aufgenommen werden musste, unterschiedlichste besetzungen, die zusammen spielen mussten, dazu gesellten sich gerichtliche auseinandersetzungen, ein wirres auf und nieder. "folly" wird ausdruck dieses unsteten lebens sein und vielleicht gerade deshalb etwas besonderes. die musik des vierers offeriert sich eh schon via klecksen, die sich erst zusammengefügt zu einem homogenen bild ergeben. die große stärke der mit folkansätzen arbeitenden band sind der diffizile perkussionseinsatz, die lieblichen melodien und das beiwerk, das sanft ornamentiert denn zukleistert. piano, e-gitarre auf akzentsuche, dazu diese stimme, die mehr an joanna newsom erinnert als viele vor ihr. nicht anders werden sich die so auf unterschiedliche weise entstandenen songs zueinander fügen. also, rantrauen und freuen auf "folly" von pree.
hier gibt es ein video eines knapp eine dreiviertel stunde währenden konzerts aus dem jahr 2010. einige der aktuell veröffentlichten lieder sind auch dort im programm: klick.

pree - lemon tree by paper garden records

Freitag, Oktober 07, 2011

glotzt nicht so romantisch (254): european daughters

die amsterdamer truppe european daughters ist noch ganz frisch auf dem tableau, gerade deshalb macht es vielleicht so viel spaß ihnen bei der arbeit zuzusehen. bislang gibt es lediglich zwei demosongs zu bewundern sowie einige livevideos. doch die sparsame auswahl weist bereits einige qualitäten aus, feinste melodien, beherrschung ihrer instrumente, um soli zu setzen, tempoforcierungen vorzunehmen, ihren songs einen ganz persönlichen glanz zu verleihen. mit robbi (vocals, guitar), rosa (vocals, bass), jasmine (guitar) und eyal (drums) stellt sich eine junge truppe aus dem nachbarland vor, die die schmale grenze zwischen pop und rock zukunftssicher betritt. denn wenngleich gerade "first love" in der akustikversion wunderbar daherkommt, kriegt er mit ruppigem ausgang in der fullbandversion doch erst die angemessene note. ich bin gespannt, wie es mit dem holländischen vierer, vor allem mit der grandiosen gitarristin weitergeht. wir bleiben dran!





neue töne (1049): dirty mittens

2008 war ein großes jahr, so viel steht mal fest. denn immer wieder kann man aus dem klienicum fische ziehen, die zu jener zeit frisch gelaicht abgelegt wurden. mit den dirty mittens beschrieben wir damals einen fünfer aus portland, der auf feinsten pop abgestimmt war, angetrieben durch die angeschickerte stimme chelsea morriseys, durch flotte beats (dance beats, floor-tom beats, punk beats), jangelnde gitarren, hooks und brüche. gerade chelsea sieht heute, ein paar jahre später, deutlich erwachsener aus, und nach guten fünf jahren bandgeschichte haben es die dirty mittens im sommer auch geschafft, ihren ersten longplayer zu heben. "heart of town" erschien auf magic marker records, womit sich die mittens einen großen gefallen getan haben, denn das portlander unternehmen beherbergt viele weitere großartig enthusiastischtöner, so dass sich auch das quintett hier wohlfühlen sollte. bereits im letzten jahr hatte man die zusammenarbeit mit einer 2track ep aufgenommen. fortgeführt sieht man dieses projekt nun mit dem 12 lieder umfassenden longplayer. der klingt ausgereift und verströmt den odem von glanz und verbindungstreue, von einer innigkeit und freundschaft, die man in dieser enge und rigorosität vielleicht nur in künstlerkreisen zustande bringt. so kann eine euphorisch wie zugewandte produktion entstehen, die zu höherem berufen ist, als in gymnasien vorgestellt zu werden. aufgenommen wurde über zwei jahre hinweg mit jim brunberg, zu hilfe standen u.a. laura gibson, steve berlin von den los lobos. ganz einfach war das alles nicht, denn die truppe hatte definitiv kein geld, um studiokosten zu begleichen. da sich aber der befreundete produzent so begeistert von der musik zeigte, bot er an, kostenlos in seiner freizeit für die dirty mittens zu arbeiten. nebenher leisteten diese erfolgreiche werbung für sich, indem sie in portland und umgebung jeden noch so kleinen club rockten. die performance aus aufnahme und livedarbietung gehört für die band zu einer ordentlichen biografie dazu. in diesem zusammenhang muss man darauf hinweisen, dass alle bandmitglieder feste jobs haben, denen in sie in der haupttageszeit nachgehen müssen. witzig die geschichte, die chelsea in sachen studioarbeit zu erzählen wusste, als sie sich das erste mal fett produziert zu gehör kriegte: sie glaubte, ein 250kilo weibsbild singen zu hören. die dirty mittens sind sympathisch, haben einen ganz eigenen stil, sind voll von power und hoffnung, daraus sollte doch noch etwas werden. auch wenn alles ein wenig länger dauert, als vielleicht bei anderen kapellen. glück auf!

dirty mittens - arcadia

Donnerstag, Oktober 06, 2011

eingestreut (324): moon duo

gelobt hab ich die beiden protagonisten des projekts moon duo in wahrlich umfangreichem maße, zuletzt mit der nachricht zum erstling mazes, der im frühjahr auf souterrain transmissions erschienen war. der wooden shijps mann ripley johnson und seine partnerin sanae yamada verfolgten auch auf dem ep nachfolger ("killing time", 2009; "escape", 2010) konsequent ihr konzept eines ausdauernden fuzz- bzw. psychrocks. den wird es demnächst live zu erleben geben und ich kann nur anraten, dieses schauspiel nicht zu verpassen! die tourdaten gibt es unten angeheftet, vorab zudem einen ausgewählten track und ein livevideo zum mund wässrig machen.
stop, gerade kam noch die kunde von einer frischen ep herein. sie soll halloween inspiriert sein. "horror tour" erscheint dann auch konsequenter weise am ende des monats. "it'll be mostly instrumental tracks, but vocalist and wooden shjips member ripley johnson sings on this slowburner", schreibt pitchfork, die frühnachrichtenzentrale.
moon duo - mazes

08.10.11 DE BerlinFestsaal Kreuzberg
09.10.11 DE Leipzig Central Theater
10.10.11 DE Munich 59 to 1
11.10.11 CZ Prague Club 007
12.10.11 AT Vienna Rhiz

eingestreut (323): spring breakup / susie asado

mit dem präsentieren haben wir es hier auf dem klienicum nicht so. klingt despektierlich und abgehoben, dekadent und befremdlich. aber..., Ihr ahnt es schon, aber es gibt einige geschichtchen, für die lassen wir uns gern einspannen. und es ist ja nicht so, dass, wenn irgendwo 'das klienicum' draufsteht, auch gleich mehr los ist. doch der gute name unseres alten blechhauses möchte nicht nur bedeutend scheinen, sondern vielmehr einladend von plakaten glotzen. in diesem sinne nehmt doch bitte an nachfolgend beschriebener tournee von spring breakup nebst susie asado teil und gleicht unsere euphorie mit Eurer wahrnehmung ab.
the burning hell hatte ich vor gut einem jahr kurz portraitiert. angesichts einiger auftritte der kanadischen band um den ehemaligen geschichtslehrer mathias kom in hiesigen landen musste man zwangsläufig werbung betreiben. denn mathias und co. machen nicht nur musikalisch was her, sondern sind auch höchst sympathisch. was sicher auch auf kim barlow zutreffend ist. sie wird kom unter dem moniker spring breakup als duettpartnerin auf einer tour durch deutschland und die schweiz begleiten. hand in hand gehen hier ukulele und banjo, gitarre und elektronische spielereien, gesang und gesang einen gemeinsamen weg. kleine, geschmackvoll inszenierte songs entspringen den beiden wie lustige hasen dem zylinder eines zauberers. zwei tonträger gibt es von spring breakup bereits, zum einen das anfang 2011 erschienene "it's me, it's not you" mit 13 tracks (auf fantastic) sowie das selbstbetitelte debut aus 2009.
spring breakup - i’m sorry that i tried to punch you in the face
spring breakup - the effect i have on women
spring breakup - it's not you, it's me



begleitet werden die beiden vollblutmusiker von der berliner singer / songwriterin susie asado (nebst ihrem violinisten marko hefele). die dame aus der hauptstadt machte vor einigen jahren mit einem tollen debut auf sich aufmerksam, "hello antenna" zuckelte locker über windschiefe melodien hinweg und erzählte dabei geschichtchen, wie noch niemand in hiesigen landen geschichtchen erzählt hat. das zweite album der crazy for jane sängerin wird tunlichst erwartet, vielleicht hat sie es ja dabei. die verführerische komplexität ihrer abhandlungen wird susie asado sicher auch live hingebogen bekommen. darauf bin ich wohl am meisten gespannt.
diesen doppelpack sollte man sich also nicht entgehen lassen. die tour startet am 08. dezember in berlin und wird via deutschland- und schweizdaten auch wieder in berlin enden, siehe unten. seid dabei und herzlichst eingeladen!



tourdaten:
08.12. BERLIN - Schokoladen
09.12. TRIEPKENDORF/Feldberger Seenlandschaft - Gasthof Tenzo
10.12. HAMBURG - Hasenschaukel
11.12. HANNOVER - TBC
12.12. GÖTTINGEN - Apex
13.12. ERFURT - Woodstock
14.12. DARMSTADT - Hoffart-Theater (w/ Mine)
15.12. TÜBINGEN - Wilhelma
16.12. CH-BERN - Café Kairo
17.12. CH-TROGEN - Le Viertel
18.12. CH-LAUSANNE - Brasserie du Château
19.12. CH-MOUTIER - Le Pantographe
20.12. CH-ZÜRICH - Café Henrici
21.12. NÜRNBERG - Galerie Bernsteinzimmer
22.12. BERLIN - Hauskonzert "Pink Melon Joy"

Mittwoch, Oktober 05, 2011

glotzt nicht so romantisch (253): beth jeans houghton

vom anfang des letzten jahres stammt die letzte nachricht in diesem blog über die junge dame aus newcastle (klick), die bislang u.a. auf static caravan veröffentlicht hatte, um alsbald als entdeckt zu gelten und mit mute den weg in die weite welt zu bestreiten. "yours truly cellophane nose" wird der im januar erscheinende longplayer heißen (viel vorschusslorbeeren bisher!), auf den die eine oder andere perfekt lancierte single noch hinweisen wird. mit "liliputt" erscheint ein erster appetizer auf das spannende unternehmen der etwas gezügelten, neuen folkpopqueen beth jeans houghton mitsamt ihrer begleittruppe the hooves of destiny.

neue töne (1048): tiny cities

vermutlich gehts nun einfacher. denn "matter & light" liegt vor. die erste offizielle veröffentlichung, die erste ep von j. alexander beyer ist nur das erste anschimmern, von all dem, was da noch kommen könnte. denn in der reserve, im köcher scharren noch einige songs mehr mit ihren hufen. dass sie bald entlassung erfahren, kann man nur schwer hoffen, hat man sich erst einmal auf die vier tracks von "matter & light" eingelassen. der auf bedroom tapes erschienene kurzplayer (27. september) hat alles, was ein genretreues kunstwerk aus der folk und singer/songwriter schmiede haben muss. die besinnlich befahrene allee, das zerstoben von herbstlaub, das abdriften auf den randstein, in den graben. zu seinen songs inspirieren ließ sich der unter dem moniker tiny cities werkelnde von u.a. den späten jahren des 1600 jahrhunderts, von japanischen haikus (thema: tod), von der eigenen hochzeit, von "the mortality and weakness in familial bonds", von den bäumen im süden. beyer stammt aus philadelphia und kann abgehen wie ein großer sohn der stadt. dann stampft der fuß, das schlagwerk trümmert und die mandoline balletiert, um auf dem laufenden zu bleiben. in "magnolia" scheppert noch anderes gewerk, das leicht zu identifizieren ist, denn die produktion ist bei aller komplexität offen und zugänglich. was sich nach einem lofi- produkt anhört, offeriert sich als ein erstklassig aufgenommenes kunststück. der "matter & light" track schiebt sich wie ein schluffiger lagerfeuerschunkler an, erhält leichte forcierung dank eines verhaltenen drummings und des leichten anhebens der stimme beyers, einem vom wehen gereizten organ, das an der spitze längst nicht mit den wölfen heulen kann. muss es aber auch nicht. "fairfax" bspw. durchdringt auch ohne größeren aufwand die mögliche barriere zum hörer, die immer, immer zunächst gegeben ist. hier mangelt es weder an schwung noch an leidenschaft. für mich allerdings der herausragende beitrag auf dieser ep ist der an letzter stelle platzierte song "readings from r.h. blyth". mit still befingerter gitarre, einem an klagen gemahnenden gesang, einer seelenvollen präsentation. konterkarierende glitzertöne zur schabenden stimme und einer vergifteten e-gitarre. hier fügen sich die schutzheiligen in rechter not zur letzten stunde. diesen, ihm ganz eigenen stil hat beyer wohl seinen ausgiebigen studien von "western classical (baroque and spanish) and appalachian folk", wie es das label schreibt, zu verdanken. wir nicken das ab und freuen uns über die entdeckung eines ganz besonderen talents.

magnolia by tinycities

fairfax by tinycities

Dienstag, Oktober 04, 2011

glotzt nicht so romantisch (252): trwbador

schlotteriger geht es kaum. die elektronika sind gesetzt wie stolperfallen und gerieren sich wie elefanten im berühmten porzellanladen. das folkloristische gewerk nebst kindsweiblichem gesang dagegen sucht die stabilität. trwbador sind owain gwilym und angharad van rijswijk, die als duo im letzten jahr ihre erste ep "it snowed a lot this year" veröffentlicht haben und heuer im august den zweitling "sun in the winter" nachlegten. die beiden südwaliser haben sich nach dem studium gemeinsam in ihr schlafzimmer verzogen, um dort mit zauberei wieder hervorzubrechen und all jene in verzückung zu bringen, die etwas für diese verrücktheiten übrig haben, die fern jeglicher logik ton an ton setzen, klänge mixen, dissonanzen zeugen. doch die beiden können es auch reduzierter, dezenter, wie einige der videos bezeugen. ihre neigung zum coversong finde ich übrigens ganz ausgezeichnet, denn sie bringt weitere perlen zum vorschein. owlet music zeichnet übrigens für die releases verantwortlich, einkaufen ist dort auch möglich. ich bin den beiden verfallen. wie geht es Euch?

once i had a love by trwbador

red handkerchiefs by trwbador







neue töne (1047): shelflife records

das rührige label shelflife records aus portland bzw. san francisco steht fest in der tradition von sarah records oder factory. wir werfen leider nur gelegentlich einen blick hinüber und haben so zuletzt einiges verpasst. was nachzuholen gilt. in aller kürze mit musikalischer würze und dem versprechen, wieder etwas kontinuierlicher am ball zu bleiben. denn auch die nahe zukunft verspricht einiges auf shelflife.

ist ja nicht so, dass ich mich dagegen gewehrt hätte, aber eine band aus russland ist mir bisher wohl nicht untergekommen. mit white wishes aus st. petersburg ist es nun so weit. nikita p. zeichnet für den "pure pop" verantwortlich, der sich mit "classic c86 influences" auf einer ersten single austobt und dabei "fuzz fillend and blissfully simple" klingt. die zitate entstammen allesamt der beschreibung des veröffentlichenden labels shelflife records, die "come and say hello" mitsamt der b- seite "jimmy" anfang september herausbrachten. die vergleiche richtung sarah records kommen denn auch notgedrungen, sogar stephen pastel wird bemüht, um den gesang nikitas abzudecken. hört selbst und bereichert Euch, konsumiert!
white wishes - come and say hello

für den 15. november sind balloon magic angekündigt, die auf energiegeladene songs mit jangelnden gitarren, melodischen basslines und eindeutiger drumgeste setzen. dazu einen gesang, he! "always genuine and heartfelt". vier tracks enthält die "mornings ep" der vierköpfigen truppe aus odense, die recht spontan zustande kam. jonatan hatte eine songidee, teilte diese seinen kumpels mit und die zückten ihre instrumente und flugs ward balloon magic gegründet. im nächsten jahr soll dann auch auf die kurze das debut in ausgewachsener lp form nachgereicht werden.
balloon magic - i'd like to build a house

die burning hearts hatten wir bereits öfter im blog erwähnt und sei es nur, dass wir "aboa sleeping" (aus 2009) ewig in den bestenlisten mitführten. seit ihrem debut haben der cats on fire drummer und multiinstrumentalist henry ojala und die le futur pompiste sängerin jessika rapo fleißig weiter an ihrem gemeinsamen projekt gearbeitet. mit "night animal" erschien im letzten jahr eine single, der wiederum im juni eine ep namens "into the wilderness" folgte. pop der güteklasse a erwartet Euch hier. dieser nachtrag steht vor allem fest mit der hoffnung verbunden, dass der zweitling bald erscheinen möge, geplant ist "extinctions" schon auf jeden fall!
burning hearts - into the wilderness

Montag, Oktober 03, 2011

eingestreut (322): youngfuck

sie stammen aus göteborg und führen einen gewöhnungsbedürftigen namen. wer sich youngfuck nennt, hat nun nicht unweigerlich bei mir verloren. aber die offensive erzeugt scheu. das muss ich wohl meinem alter schulden, vielleicht hätte ich mich früher als musizierender jungspund auch ähnlich benannt. dann aber wohl eher mit 'the' und einem 's' am ende. egal, die band eine 7inch eingespielt, die auf cloudberry records am 10. oktober ihren release feiern wird. mit "black tulips" liegt einer der beiden songs zum download vor und wir tragen ihn Euch an, denn er geht wunderbar schmerzhaft ins ohr, die perfekte verbindung, wie süß-sauer nur eben anders.
youngfuck - black tulips

neue töne (1046): elizabeth devlin

eine stimme zwischen den momenten. eine stimme, die sich in einer sphäre verloren hat, zu der es für uns keinen zugang gibt. wir dürfen sie durch die vorhänge hindurch hörend erahnen. sie klingt wie feenstaub zur erde fällt, wie ein apfel reift, wie der regen den morgentau greifen mag, wie der liebsten lippen fassen. sie schlingert die kurven, sie keckert die höhen, sie trällert und nutzt den jargon der kühlen weisen. sie bleibt. ist eindringlich und verfänglich. die autoharp ist ein treuer begleiter und förderer der depressiven, ätherischen grundstimmung. sollmomente, die sich dem ideal verpflichtet sehen. wen hier - ob nun hörer, bekannter oder anverwandter - nicht die kalten schauer überfallen, der ist abgeklärt und gegen emotion gefeit.
gypsy, klezmer, balkan, cabaret, spoken word, einige stile mehr fielen mir ein, um annähernd das zu beschreiben, was elizabeth devlin da treibt. am ende stünden sie allesamt der jungen dame mit dem ausgefallenen äußeren polar gegenüber. ihr neuestes full length "for whom the angels names" erschien, etwas extravagant ist es nach wie vor nur auf vinyl zu setzen, am 22. september und kann via bandcamp erworben werden. das 1o tracks werk wurde unter der regie von daniel santint im new yorker flux studio aufgenommen, in nur einer nacht. man hatte gegen 10 uhr abends begonnen und schloss die aufnahmen zwei uhr in der früh ab. alles live und lediglich mit stimme, mikro und der unvergleichlichen autoharp. diesem album gingen übrigens die "all are releativ" (2008) benannte platte sowie die 7" "ladybug" (jan. 2011) voraus. leider liegen vom neuen album noch keine frei verfügbaren downloads vor, dafür begnügen wir uns mit älteren tracks und videos.
elizabeth devlin - once again sleep
elizabeth devlin - blue bird



Sonntag, Oktober 02, 2011

neue töne (1045): thunderegg

wenn man immer wieder das besondere herausposaunt wissen will, ist für das delikate kaum noch platz. doch räumt ein wenig zusammen, schafft freiheit für eine band, die Euch fordern wird, sowohl hinsichtlich des ausmaßes an zur verfügung zu stellender fläche (tonträger!) als auch in ideeler hinsicht: thunderegg. sie haben mich überrollt, übermannt, fast mit der ersten note überzeugt. einige takte im netz, später das 15. album auf einer nächtlichen heimfahrt. immer wieder eine besondere situation, wenn die sonne verschwindet, ihren besonderen glanz hinterlässt und eine zur stimmung passende musik für emotionale ergänzung sorgt. ich hatte dergestalt einige bewegende momente. zum beispiel meine erste fahrt auf die alpen zu, im cd player lief damals das recht frisch veröffentlichte "graceland", eine offenbarung für mich, zu dieser zeit, an diesem ort. das wuchtige sonnenrot, das seine entwürfe an die berge zwang. irre dazu die fremdländische und zugleich vertraute musik.
denkbar anders vor einigen tagen, als ich thunderegg erstmalig wirklich wahrnahm. mit "line line" lief ein jüngst veröffentlichtes album, das mich sofort begeisterte, das sich aber weder von der abendlichen atmosphäre, noch von mir präferierter tonaler kunst großartig abhob. im gegenteil bediente es meine vorlieben und schaffte so eine zugewandtheit der besonderen art. lofi rock mit pop attitüde, mit folkigem einschlag und ansätzen zu space und indiependent. doch was sich so locker runterschreiben lässt, geht auch so flockig ins ohr. denn dieser melodienreichtum, der einschluss mehrerer gängiger harmonien pro song ist atemberaubend, geradezu unwahrscheinlich. während sich die grundthemen schlüssig hergeben, wird im hintergrund gezaubert, was das instrument (autoharp, dulcimer, horn, piano, pedal steel) so hergibt. vertrautheit schaffend und zugleich aufmerksamkeit heischend, das ist die große kunst. den hörer binden und ihm aufgaben mitgeben, die lieder zu ergründen, ihrer herr zu werden. verstecktes, feinheiten, graduierungen, ornamentierungen, blitzwerk. hinzu gesellt sich die stimme des frontmannes und projektgründers will georgantas, ein zugängliches, wie munteres organ, das sich dem limit widersetzt. so entsteht eine musik, die immer wieder an der selbstverständlichkeit schrammt, zu eingängig zu sein, an der schamlosigkeit, mit der der schlager von seinen hörern angenommen wird, an der offenbarungsqualität von relegiösen schriften, am kitsch gar. doch die waage wird gehalten, keine sorge. zumindest für "line line" lege ich schon mal meine hand ins feuer, mit dem restlichen oeuvre, dieser seit ca. 1995 bestehenden band beschäftige ich mich nun garantiert ausgiebiger.

will georgantas erschuf thunderegg mit ersten aufnahmen, die er daheim auf einen tascam rekorder bannte. zur jahrtausendwende hatte er bereits sieben alben beieinander, jedes neue immer etwas ausgefeilter als das vorherige. 2005 startete der musiker aus connecticut eine unternehmung, bei der er jede woche einen neuen song aufnahm und auf der bandwebseite veröffentlichte. ein jahr später brachte will schließlich ein kompendium der besonderen art heraus, die 231 songs fassende anthologie "open book" inkl. lyrics bezog einen großteil seiner bis dahin geleisteten arbeit mit ein. das kritikerlob war ihm sicher. zu dieser zeit entschloss sich will, das nächste album mit einer band einzuspielen. zu sechst richtete man sich in den sound music studios in richmond ein und brachte mit hilfe von alan weatherhead, der u.a. für den sparklehorse sound (auch hotel lights oder jason molina hatte er in der mache) verantwortlich zeichnete, die bis dahin besten songs thundereggs auf band. doch satte vier jahre blieben sie unveröffentlicht, die gründe hierfür, so will, würden ganze seiten füllen. doch am 13. september erschien "line line" und kann in seiner formvollendung endlich genossen werden. der wunderbar euphorisch stimmende opener "the scheduled show" etwa mit bläsersatz und "ahh"- harmoniegesang, schwindelnder e-gitarre und klingklong klavier im background oder das sich gemächlich anbietende "long way from home" mit slide und echo und allem drum und dran, um sich verbindlich in die gehörgänge schleichen zu dürfen, inklusive nachfolgender aufräumarbeiten in selbigen. als single fungiert das melodisch auf ausgestreckter höhe befindliche "glass of water", eine belämmernde erinnerung an die letzte nacht. schon "your pretty little angels" packt wieder die beziehungskiste an und hebt sich daran..., einen bruch? das spinett, das frohlockende drumming, die keyboardverdichtung und der feine gesang wills: "your pretty little angels". ganz zu schweigen vom seelenglockenden "it's not me (it's her)". oder vom forcierten "i died today (for just a minute)", einem punkrock, an dessen klassischer struktur kein makel zu finden ist. das beschwingt, beautiful southsche "if you knew me so well", das lagerfeuermentale "a poem and a mirror", das narrativ orientierte "skeletons" mit groove, samples und bläsern. schließlich das ungeschliffene the crests cover "sweetest one". ein rundes album, eines, wie es mich jedes jahr neuerlich erwischt, mal heypenny, dann liz durrett, mal out like lambs, dann scott matthew. nun thunderegg?
ein hammer, ein wahnsinn, bis hierhin noch nichts von dieser band gehört zu haben. es gibt einiges nachzuholen. für dich, für mich, für alle.

glass of water by thunderegg

long way from home by thunderegg

Samstag, Oktober 01, 2011

ein (p)fund mp3 (363)

sie stellt eine neue single vor und hat gleichmal bon iver an ihrer seite, "wapusk" erschien auf zoe/rounder und bereitet auf das "voyageur" benannte album vor: kathleen edwards:

kathleen edwards - wapusk (featuring bon iver) by kathleen edwards

neugierig war ich längst auf das album "gracious tide, take me home" der band aus newcastle upon tyne, welches am 23. september erschien (bella union) und den sechser in bester spiel- und schwelgelaune sieht: lanterns on the lake:

keep on trying by lanterns on the lake

eine mischung aus..., da fiele mir nur gelumpe ein, doch die fuzzrocker sind klasse und die single "roman holiday / my stupid brain", die am 22. november auf fat possum erscheinen wird, auch: fanzine:
roman holiday by fanzine

auch hierauf falle ich bereitwillig herein, die erste single zum anfang 2012 zu veröffentlichenden album, irgendwo zwischen nico, stephen malkmus, faust und syd barrett: cate le bon:
cate le bon - puts me to work

"whatever i want" und "whenever i want" sind die neuen soloalben, als excerpt erscheint zudem "whatever/whenever" mit 14 der insgesamt 26 titel für die neugierigen, die genügsamen, ab dem 25. oktober auf in the red: mark sultan:
mark sultan - song in grey by forcefieldpr

wer mit wiederholungen ein problem hat, hüpfe einen beitrag weiter, aber für das zum 25. oktober beabsichtigte "bright and vivid" (file under: music) machen wir gern mit etwas musik und vorschusslorbeeren werbung: kathryn calder:
kathryn calder - who are you? by killbeat music

neu auf own records ist dieser junge mann aus japan, der sich dem minmal verschrieben hat, jedoch die wärme seines geburtslandes brasilien genauso sucht wie die besonderheiten seiner heimat, "otoha" erscheint am 11. november:
tomoyoshi date - unfurling of young leaves
hier bin ich schon von der grundkonstellation neugierig, ein duo, in chapel hill wohnhaft, er songwriter, sie für die instrumente verantwortlich, akustisch und elektrisch, mit fiedel und mandoline, "haste make/hard hearted stranger" erscheint wie das letztjährige debut im selfrelease:
mandolin orange - haste make
flink gestrichen, erhebend gesungen, punk 'n' folk oder was auch immer hier gefeiert wird, das duo vaughn walters und jenny parrott greift auf "yay" definitiv an, das debut der beiden kommt am 06. dezember:
loves it - my so called life
eine leicht verhangene nummer ist der appetizer auf "sketch", welches am 15. november veröffentlicht wird, jedoch dräuen die gitarren ganz ordentlich und der gesang ist mehr als engagiert, also, auf gehts mit der band aus miami:
ex-norwegian - upper hand
post modern pop?, was das ist? hört doch bei dieser band (vielköpfig, aus lexington) mal rein, sie veröffentlicht auf garden gate records ende oktober ihr aktuelles album "moneychasers":
big fresh - rumours
das postfach drückend, "ghost in the night" kommt am 14. oktober und ist etwas ganz besonderes, fast schon sinfonischer pop aus boston von einem hochsympathischen vierer, der sich selbst zwischen wilco, spoon und the super furry animals verortet sieht, auch ok: stereo soul future:
if i... by stereo soul future

architecture in helsinki
11.10. Muenster, Gleis 22
12.10. Berlin, Lido
13.10. Schorndorf, Manufaktur

true widow
14.10. Schorndorf, Club Manufaktur
17.10. Hamburg, Hafenklang
18.10. Berlin, Jaegerklause
19.10. Muenchen, Sunny Red

yuck
18.10. Koeln, Underground
19.10. Muenchen, Ampere
20.10. Offenbach, Hafen 2
01.11. Berlin, Magnet