Freitag, September 19, 2008

rose kemp - unholy majesty (2008)

das licht des neuen tages naht. das mädchen kippt ihr letztes glas milch, wischt sich mit dem ärmel des ausgeblichenen kleides über den mund. es steckt sich einen brocken brot in die tasche und steht vom tisch auf. das sackerl liegt bereit. es hievt das leinen über die schulter. schwerer wiegt das vor ihr liegende.
das haus verschwindet in ihrem rücken.

das wird nicht einfacher. hatte ich hier bereits einige vorahnungen geäußert, verstärkt sich nun die gewissheit dahingehend, dass rose kemps neues album keine leichte nummer wird. "a hand full of hurricanes" war es nicht und "unholy majesty" noch viel weniger. die junge frau erarbeitet sich ihr eigenes terrain und geht dabei über prog-, heavy- und folkrockleichen, gleichsam zerstörerisch wie sie ihre herkunft plan fährt - gefangene macht sie keine. wartet sie zunächst noch nicht mit der gesamten farbpalette ihres gesangsorgans auf und verheißen die erste töne frieden, so spürt man doch schon im ersten track "dirt glow" die unheilige allianz, die sich dem hörer entgegenschwingt.
so geradlinig und verschwurbelt, so dissonant und klar, die dialektik kempschen tuns. synthesizer, chorgesänge aus dem off, die schwere gitarrenbrut, sinniger kann kein heavykomplott geschmiedet werden. ich nehme sie dabei ernst. stampfte sie sonst über mich.
du musst klaren verstandes sein, willst du dich diesem ewigen für und wider aussetzen. das rohe moment, sträflich vernachlässigt in den folkbeseelten ersatzmomenten meiner musikalischen zuletzt- sozialisation, entstaubt die mit süßkram verstopften poren. es ist kein hinhalten, mehr ein miteinbezogen sein, wie sie, die neue königin des grunge, sich dem hörer zuwendet und in aller wandlungsfähigkeit hoffiert und freundlich affimiert und sich nicht über, sondern neben dich schwingt, um dich mitzunehmen. auf eine aufregende, herzattackierende reise.
wenn abschließend für gute neun minuten "the unholy" aufsteigt, bissig die gitarren kreisen, während rose die aufwartung macht und die düstere soundpackung erschlägt, rotiert die erinnerung an ein unaufgeräumtes album im weich geklopften schädelrund. doch rose kemp wäre nicht sie selbst, würde sie nicht den sprung von pol zu pol wagen. so grast nebem dem kriegsbewährten rappen der lichte schimmel, dessen flügel nur einen lidschlag weit entfernt sind vom aufstieg. "nature's hymn" oder "flawless" bilden den antrieb für das schwerelose gleiten. die innige hingabe, das verletzliche tun, die präsenz, die ausstrahlung, das beiwohnen dürfen. bei aller wandlungsfähigkeit, bei allem auskosten ihres stimmlichen volumens und der harten arbeit am text, schürt rose kemp nicht die theatralik, sondern ihre feuer.
der vogel des vaters beisst sich wund. die schritte des mädchens sind zu fest. die krone wirft sie ab. der tag kommt. kein blick zurück. die sonne wärmt. das mädchen breitet die arme.
Rose Kemp - Vacancies
Rose Kemp - Nanny's World

09. Okt. 2008 20:00 Popkomm Berlin
25. Okt. 2008 20:00
Rockpalast Bonn

Donnerstag, September 18, 2008

neue töne (407): cloudberry

cloudberry gehört ehre und ruhm, bekleckern wir sie heute auf ein neues. denn es findet sich die 100. veröffentlichung im regal. nun ist eine 100 natürlich eine 100 und will gebührend gefeiert werden. warum nicht gleich zwei veröffentlichungen herausbringen, die dieses jubiläum entsprechend unterstreichen. gedacht, getan!
mit "emotinal self destruction" treten sie an und mit dem wildesten cover seit es cloudberry für uns gibt, aus new york mit welligem pop:
"summer kiss" heißt die 3'' von my lily of the valley. die auskopplung, zum download losgelassen, ist ein fabelhafter schwedischer popmoment:
hoffen wir auf weitere und weitere einhundert releases auf diesem vorzeigelabel, das tradition und moderne aufs geschickteste verbindet. erst recht, wenn man sich demnächst auf vinylsingles freuen darf. die ersten namen stehen schon und machen ganz unruhig.

neue töne (406): eagle and talon

einer der bloggerkollegen schrieb neulich recht ausführlich darüber, wie er täglich mit mp3s und infos zugemüllt würde. er fühlte sich bemüßigt aufzuklären, wie er mit all dem zeug umzugehen gedenke. der rest: auch wieder für Euer phantasialand. nur so viel: wer so offensiv werbung für andere menschen betreibt, sich nach lust und laune auf den webseiten von musikern, labels und promoagenturen bedient und damit öffentlich hausieren geht, braucht sich nicht wundern, wenn er angequatscht wird. es handelt sich im übrigen um einen recht etablierten blog. das ist wie mit den promis. irgendwann kann man sich vor ansprache nicht mehr retten. aber das gehört - verdammt noch mal - zum geschäft.
die "village voice", namentlich bekannt, ob ich je ein heft in der hand hatte, weiß ich nicht, berichtete nicht unwillig über das duo eagle and talon, nämlich erkannten sie in der musik der beiden mädels: "jagged post punk that has fun in it even when it's being serious".
nach einer ep in 2006 "eagle and talon cares" folgt im herbst das erste full length. kim und alice talon wollen auf "thracian" weniger dem minimalistischen rock frönen, wie sie es noch auf der ep taten, sondern zur heldentat ausholen. während die eine die gitarre bedient und sich mit worten müht, kloppt die zweite feste auf die felle ihrer dums und hat dennoch einen blick frei für ihre diversen casios. die sorgen für die besondere note der zwei ungleichen schwestern. oder: "The assaultive guitars, encrypted tunings, furious drums and dueling casios are still there. But the girls have ditched rock minimalism for a more expansive sound, employing organs, flugal horn, piano,+ "himalayan ice" and lead guitar noise by Andrew Jeffords (Anchors for Architects)."
eagle and talon - hot caught

Mittwoch, September 17, 2008

ein (p)fund mp3 (138)

ein neuer song, geschrieben für einen wim wenders film:
"The Going and The Gone" heißt die debut ep der bostoner:
kimi records spendieren einen song zum einjährigen:
das zweite full length kommt, am 07.10. auf safranin sound, "awake" wurde es getauft, erste hörprobe hier:
electrohoppop aus schweden, joakim johnsson mit neuer ep:
"bluebird's rooms" heißt das debutalbum der londoner, heiße ware auf blang, versprochen!:
ach, sie (saddle creek + band) spendieren einen zweiten einblick:
die band erinnert mich immer an diesen klasse track von..., na, wie hieß sie gleich noch..., hier vom album "o my heart":
from "Berlin: Live at St. Ann’s Warehouse" (kommt am 21.10.):
Lou Reed - Caroline Says Pt. 2
überraschung! bereits wieder da, mit "bruce parry presents amazon tribe songs for survival":
Ruby Suns - Birthday (Beatles cover)
Ruby Suns - Palmitos Park (El Guincho cover)
the ruby suns
14. Nov. 2008 20:00 Point Ephemere w/ The Dodos Paris
17. Nov. 2008 20:00
Nachtleben w/ The Dodos Frankfurt
18. Nov. 2008 20:00
Headcrash w/ The Dodos Hamburg
21. Nov. 2008 20:00
Knaack w/ The Dodos Berlin
23. Nov. 2008 20:00
59-1 w/ The Dodos Munich

neue töne (405): the social services

es gibt so einige präferierte möglichkeiten, angenehm in den morgen zu starten. welche, überlasse ich Eurer phantasie. eine ist auf jeden fall, richtig gute musik zu hören. besonders charmant wird die geschichte dann, wenn es sich um ein neues stück handelt, wenn bisher nicht dagewesenes mein herz erobert.
so geschehen heute. ich geb das gleich mal an Euch weiter. sonst gibts beschwerden, hinterher. the social services bringen anfang oktober ihr debut (It's Nothing Personal, It's National Security) auf stereo test kit records (lange war es still um das label von we are soldiers we have guns, pajo oder auch dear euphoria) heraus, vorab verschenken sie per mp3- download die single "the baltic sea". und um die herum schwärme ich.
unvermittelt dreht sich die melodie ins ohr, hat was von beatles, aber mehr noch eine schwedische note, zaubert ein lächeln ins gesicht. so möchte ich den ganzen tag daherkommen!
the social services sind zwei glasgower mädels, emma naismith - bass/piano/vocals, lucy cathcart - piano/bass/vocals und ein schwede, martin frödén - drums/guitar/vocals.
lasst Euch auch von den in stockholm residierenden the social services verzaubern und den tag mit einem lachen beginnen!
und hört Euch bei gelegenheit auch auf ihrer myspace seite um, da ist mehr zu entdecken. diese band sollten wir gemeinsam im auge behalten.
the social services - the baltic sea
the social services - the final countdown

Dienstag, September 16, 2008

neue töne (404): minisnap

wenn auf magig marker records etwas passiert, sollte man immer hellhörig sein. nicht immer kann es auch kommentiert werden. der mündige leser weiß eh selbst am besten, worauf er wann und wo zugreifen muss. als lumpiger multiplikator ist man als blogger eh nur 'ne billige nutte. oder so.
the manhattan love suicide, the owls, the bridal shop und boat hielten zuletzt das label gekonnt über wasser. mit minisnap hat man einen neuen act an land gezogen. die vierköpfige band stammt aus christchurch, kiwiland. das ist gar nicht despektierlich gemeint, sondern einnehmend freundlich, weil die musikszene neuseelands nur gutes verheißt. und wenn mit kaye woodward auch noch ein the bats mitglied das ruder in der hand hält, kann kaum noch etwas schief gehen. nach zwei eps erschien nun das erste full length. "bounce arround" heißt es und poprockt, dass es eine wonne ist.
minisnap - crooked mile
the bats - bells

neue töne (403): h-burns

als ich den (band-) namen das erste mal hörte, winkte ich sofort ab. h-burns, leute, die zeit ist knapp, für solche bands reicht sie nicht. nun kam der tipp aber vom lieben freund oliver vom konzerttagebuch (konzertreview), also musste ich wenigstens mal reinhören. der kerl erwartete eine rückmeldung.
die ersten klänge, die ich dann hörte, nahmen mich unvermittelt ein für ein folkig angehauchtes, americana getränktes soundbild. das banjo gepickt, die singende säge beflügelt, die steelguitar perlt, die mandoline schwitzt und über allem der sehnsuchtsfliehende gesang von renaud brustlein. als soloprojekt funktionierte noch der erstling "songs from the electric sky”, 2007 auf boxson erschienen. "how strange it is to be anything at all" heißt der neue longplayer, selbes label, neues jahr, im märz 2008 auf den markt gekommen. unterstützung erhielt renaud durch stéphane milochevitch (thousand and bramier), antoine pinet, jonathan morali (syd matters). so hat das projekt mehr breite als es das akustische erstlingswerk leisten konnt. gallischer folk? funktioniert das? jawohl, und zwar so gut, dass sich renaud brustlein auf amerikatour begeben konnte und mehr als achtungserfolge einfuhr. wer all die großen songwriter namen aufführen muss, um h-burns' musik einzuordnen, hat weit verfehlt. hier ruft jemand aus der tradition heraus nach etwas neuem, unverbrauchtem. das braucht zeit. und mit nichts ist ihm mehr geschadet, als die übergroßen fußstapfen der dylans, springsteens, van zandts, der cohens und chesnutts vor ihm in den staub zu zeichnen.
h-burns - big city blues
h-burns - hogtown (session planet claire)
h-burns - footsteps (session planet claire)
h-burns - the rifle (session planet claire)

Montag, September 15, 2008

ein (p)fund mp3 (137): mimi records

die labelschau nimmt heute mimi unter augenschein. es handelt sich dabei um ein portugiesisches kleinlabel. es wurde im zuge eines traditionellen konzerts japanischer musik in der japanischen botschaft portugals gegründet. es soll u.a. die freundschaftlichen verbindungen, die portugal und japan hegen, unterstreichen. ob es wirklich 450 jahre geben und nehmen waren, sei dahingestellt. das hier und heute wird jedenfalls durch interessante releases vor allem aus den bereichen folktronic, electronic und ambient befeuert.
die künstler kommen denn auch vornehmlich aus beiden genannten ländern und haben es gemeinsam bereits auf knapp einhundert veröffentlichungen gebracht. diese erscheinen zumeist im mp3- format, hin und wieder in cdr- sondereditionen. ein paar projekte und eine menge mehr musik seien vorgestellt. noch viel mehr gibt es auf der homepage zu entdecken!
siebenköpfiges, japanisches kollektiv mit zweitem full length, folktronic, sehr sparsam:
vierköpfiges ensemble aus japan mit einer über 38 minütigen ambient- session:
ein portugiese, der schon einige veröffentlichungen auf dem buckel hat, 08er ep mit kontemplativer elektronik:
vitor afonso steckt dahinter, ein fahrensmann mit einem guten dutzend releases, ganz frisch die ep "how blue was my sky", schrill:
sie wurde 1975 in südjapan geboren und behauptet sich unter den kerlen mit ambienter elektronik, die ep "spectrum" aus 2008:

neue töne (402): she keeps bees

seltener war es unkomplizierter als mit she keeps bees, um an zusätzliche, die homepage ergänzende informationen zu kommen. eine solche bereitwilligkeit und offenheit träfe man gern öfter an.
am 19.08., so der offizielle teil, erschien das zweite full length der band um jessica larrabee und andy laplant namens "nests". es ist eine rohe situationsaufnahme, ein gemeines machwerk zweier liebender. es ist ausdruck verschwitzter zugehörigkeit, ein zwitter aus soul und rock, aus blues und garage. weniger alleinstellungsmerkmal denn tatsächlich nur auffallend und vordergründig eingesetzt: die stimme jessicas, ein ausladendes, hyperventilierendes, agiles und fleischfressendes organ. es ist beseelt und hungrig und aggressiv und so sensibel, wie es sich geziemt, wenn man den unangenehmen dingen des lebens einen namen geben will. stolz, stärke und so was wie weisheit paaren sich hier (p.j. harvey & chan marshall, so wurden nun genannt). dazu die straff geführte e-guitar und die befeuerung durch heavydrums! dass das ganze eine akzentuierte note erhält, ist der soulnähe und der dramatischen note zu verdanken, die im auf und ab der einzelnen tracks bedeutung finden.
ich wollte unbedingt wissen, wer hinter dieser unbehauenen musik steckte und machte mich daran, einige antworten auf wenige fragen zu erhalten.
zunächst interessierte mich der hintergrund des bandnamens, ob da mehr dahintersteckte als die imker- assoziation. jessica antwortete mir jeweils, hier: "The band name came from my last name (Larrabee) I wanted to be something like .. BeeKeeper ... but I saw there was already someone out there with that name.. so I decided to be the lady that keeps them :) Bees are the life-blood of every living thing. Music is my bee in a way."
dann folgte die unvermeidbare frage nach der bandkonstellation: "We are in love. Andy is my true love. We don't like to flaunt it...not something we advertise in the band."
die musikalischen einflüsse sind kaum zu übersehen. meine nächste frage zielte vielmehr auf die ganz intimen musikalischen berührungspunkte, die man kaum teilen möchte: "I'm influenced by everything. That is what is so incredible about being a musician nowadays. You can take from everything. Mostly I love listening to Betty Harris, Howlin Wolf, Nina Simone... old soul and blues-something that gets me dancing in the living room. The most intimate music to me- i'm blessed to say is my friends music. The Love Story... Sharon Van Etten... Ivana XL, they are a part of my daily soul-sings... music i must hear a little of everyday."
und wie sah es daheim aus? welche musik hörten die eltern, gibt es ein musikalisches trauma?
"My parents listened to lots of old R&B, Blues, and Soul. My mom loved her Disco too. My dad is a badass drummer... he taught me drums whenI was 14. Both taught me to appreciate music and feel healed from it. Music saved my life so many times. It's the way I let out poison."
antworten, was?! die art und weise wie jessica antwortet, gibt viel mehr einblick in ihre art zu musizieren, als ich es hier beschreiben könnte. die nächste frage war, ob sie sich nach einem label umtun würden und ob es harte zeiten wären, um ein rockstar zu sein: "Right now, we are our own label. We are open to everything. We really want to tour Europe. Please feel free to contact us if you want to help us out. :) Not a bad time to play music. In fact I think the world needs more reasons to release tension."
die frage nach jobs, von denen sich leben ließ, schloss sich unmittelbar an: "Yes :) Andy is an audio engineer and i do nanny work."
aus der reihe "fragen, die sich meiner bemächtigten, ohne dass ich mich wehren konnte": woran denkt Ihr, wenn Ihr 'germany' hört?: "BEER!! and FOOD!! and Jess and Andy drinking and eating happily in Germany!!"
abschließend wollte ich wissen, welche art bücher sie am liebsten lesen würden: "I love non-fiction. I love my Wholistic Face-Reading book and my History of Sexual Customs book. Andy loves fiction. He just finished reading The Brothers Karamazov."
ich wünsche den beiden nicht nur, dass ihre liebe hält, sondern dass sie gemeinsam auch einen erfolgreichen musikalischen weg gehen werden. ihre musik, laut gehört, vertreibt sorgen! kauft she keeps bees.
she keeps bees - release (wma)
she keeps bees - gimmie (wma)

Sonntag, September 14, 2008

zu gehör getragen (82)

jens carelius - the first songs (2008)
> tritt aus dem nick drake schatten, behilft und bedient sich vielmehr gekonnt bei bert jansch und anderen britfolk größen, 3-3,5/5

july skies - the weather clock (2008)
> schwereloses, kontemplatives ding, birgt die gefahr des entschlummerns, 3-3,5/5

the weepies - hideaway (2008)
> schluffiger folk, furchtbar harmlos, 2,5/5

michael hurley - snockgrass (1980)
> sparsam, ernsthaft, bewegend, intim; unverzeihlich, so lange hurley nicht beachtet zu haben, 4,5/5

Samstag, September 13, 2008

neue töne (401): liz durrett

gezupfte gitarrensaite, geschneebeste drum. davor, dicht, so dicht, liz durretts stimme. geigenwerk, der bass. liz singt eindringlicher. "wake to believe" nimmt wieder fahrt heraus. gezupfte gitarrensaite, besenklopfen. geigen, die den rhythmus flitzen. und erneut vollführt der innige reigen sich vor unseren ohren.
so muten wunder an. liz durrett ist keine fremde hier. anfang des letzten jahres stellten wir sie kurz vor und kamen in 2008 im zuge des neuen ham1 albums wiederum auf sie zu sprechen. damals musste man noch konstatieren, dass liz sich um alles mögliche kümmerte, nur nicht um ihre eigene karriere. doch weit gefehlt, hier waren wir wohl einem irrtum aufgesessen. offensichtlich war es ihr gelungen, neben den beiträgen zu ham1, vic chesnutt, phosphorescent und wem auch immer songs zu schreiben und aufzunehmen. herausgekommen ist dabei "outside the gates" (09.09., warm records), ein mit jedem weiteren lied eindringlicher werdendes album. der schwung von "wild as them", dem zweiten track, der mit trompeten und streitlustigen gitarren aufwartet, verfängt sich in "in the eaves", erfährt eine salbung mittels geräuschmodulation und einer gitarre in moll, einem fernen klavier und eine radioanmoderation ("der lang erwartete roman über die wiedervereinigung"...) sowie weiteren samples. wieder hat onkel vic chesnutt zur seite gestanden, aber auch eric bachmann und die jungs von ham1.
dem jungen und offenen und offenbar von dunkler vergangenheit freien gesicht liz durretts kann man kaum die geschichten glauben, die sie so glaubhaft intoniert. wie schwer sich der gitarre töne zum drehen bringen lassen und beängstigend im hintergrund metalle ihre kreise ziehen. dass durrett "we build bridges" folgen lässt, muss man ihr auf die knie gesunken danken. eine leicht verhallte offenbarung, von warmer geige getragen, von sittsamer gitarre rhythmisiert. der refrain lässt blut gefrieren, im background männlicher segen. und "lost hiker " entlässt den zuhörer nicht aus diesem bann, wie eine unsichtbare leine hält einen die kombination aus angeschlagenem klavier, unberechenbarer gitarre und liz' eindringlichem gesang zurück. aber "all of them all" hilft. freundlicher, sonniger das kleid, das sich die herausragende sängerin hier übergezogen hat. das verwobene streicherspiel, die straffe saitenarbeit, die dunklen trommeln fordern dennoch tribut. die aufmerksamkeit war selten so gestählt worden. ohne gewisse kondition, ist man der eindringlichkeit nicht gewachsen. liz durrett gelingt es immer wieder, das dunkle mit dem lichten zu versöhnen, dem hellen einen schleier vorzuhängen, ohne den das brennen in den augen nicht auszuhalten wäre.
Liz Durrett - Wild as Them (neu)
Liz Durrett - Cup On The Counter
Liz Durrett - The Mezzanine
Liz Durrett - Perfect Day (live)
Liz Durrett - Husk
Liz Durrett - Ablaze

Freitag, September 12, 2008

neue töne (400): dekorder

mit dekorder möchte ich ein kleines label vorstellen, dass sich der freien improvisation und der elektronischen experimentalmusik verschrieben hat. die unternehmung gibt es seit gut fünf jahren (anfang 2008 feierte man das jubiläum) und ist in hamburg stationiert.
so bunt wie sich die homepage des labels zeigt, so bunt ist auch die ansammlung der künstler, die dekorder unter vertrag nahm. john hegre ist vielleicht einer der bekannteren dabei. nicht nur solo agiert er, sondern ist in vielen kollektiven anzutreffen: kaptein kaliber, jazzkammer, starmix, reaktor... verstörend kann sein, was er tut, aber auch angenehm und weise. guido möbius, der komplexe soundcollagen mit hilfe eines riesigen arsenals an vor allem akustischen instrumenten entwirft, maja ratkje, die wunderlich schöne mit elektronisch manipulierter musik zur unterstützung hegres (aber auch mit solowerken aktiv), dazu die finnin kuupuu mit soundverwebungen, matt wand, voks mit narrativer, minimalistischer elektronik, black to comm, hevoset und viele mehr. bitte seht Euch auf der homepage um und greift zu den soundangeboten, es verstecken sich viele kleinode. ein paar habe ich herausgepult.

in fester hand (12): der beat from bagdad

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute: TheBlackPope aus d. (vol. 1, vol. 2):


Der Beat from Bagdad – Me and my rhythm guitar
(Glitterhouse, 1987)

Was macht Paul Fantini heute? 1987 nahm er ein Album auf – „recorded on 2-track stereo at home in the spring of `87“. So ist es rückseitig auf der LP vermerkt. Gedankt wird außerdem noch Bob Blue, Bill Black, Jack Green, Hank Brown und Stan White „for making this album possible“. Man muss nicht als Miss Marple durch die Gegend kullern um zu merken, dass es sich hier um leidlich phantasievolle Pseudonyme für ein und dieselbe Person handelt (ebenfalls rückseitig abgedruckte Bilder stellen das ohnehin klar): Paul Fantini. Wer aber ist Paul Fantini?
Auf der zweiten Der Beat from Bagdad – „Big Beat“ sind bereits drei Musiker am Werk (und nicht nur einer mit drei Namen); einer von ihnen: Bill – nicht mehr Paul, zumindest dem Namen nach – Fantini. Auf der dritten Der Beat (jetzt ohne from Bagdad) wurde dann als Quartett musiziert (eine Frau Leinemann kam singend hinzu); ebenfalls unter der Leitung von Bill. Aber – egal ob Paul oder Bill – wer war (bzw. ist) dieser Fantini? Google? – vergiss' es!
Ist er ein Enkel von Syd Barrett, ein Neffe von Jonathan Richman, der verlorene Zwilling von Calvin Johnson? Könnte alles sein,... Das Lo-Fi-Juwel aus der deutschen Provinz (?) könnte heute noch „frisch“ auf K-Records erscheinen, und ich glaube, wenn diese Platte zur Hochzeit des derzeit weniger medial präsenten Anti-Folk als Re-Release entsprechend platziert worden wäre – vielleicht hätte sich das gute Stück wie geschnitten Brot verkauft, die Moldy Peaches (Adam Green war ja 'ne zeitlang eh dauernd in Deutschland unterwegs) hätten Paul/Bill Fantini ausfindig gemacht und mit ihm ein Comeback-Album aufgenommen. Wäre vielleicht scheiße geworden, aber egal... Die Frage bleibt offen: Wer und wo ist Paul/Bill Fantini?
Ein Wort noch zur Musik: 14 minimal instrumentierte Stücke, trocken, locker und luftig rausgenudelt – inkl. kongenialer „Play with Fire“ (Stones) Cover-Version. Gitarre (hauptsächlich), Schlagzeug (wenig), Herumgeorgel (noch weniger) und hier und da Mundharmonika (klar, den Dylan konnte er auch, der Paul/Bill!). Schönes Wörterbuch-Englisch dazu, vorgetragen mit hübsch-hartem Akzent – ideal zum Mitsingen, einfacher geht's nicht. Könnte man denken...
A-B-E-R, so einfach scheint es nicht zu sein. Denn die beiden mir bekannten und bereits erwähnten Nachfolge-Alben kommen weit weniger charmant daher wie die „Me and my rhythm guitar“: „Big Beat“, Album No. 2, kann zwar schon mit doppelt so viel Aufnahmespuren protzen (4-Track-Recordings, Luxus!) und ist noch sehr okay, aber doch nur halb so schön. Das „Talk to his picture“ Album von Der Beat ist schlecht, ich behalte es trotzdem.
Uneingeschränkt empfehlenswert aber sind das erste Album und die (erste?) Single (mit „Off the Hook“-Cover-Version und „dedicated to Eddie Van Halen“, Scherzkeks). Viel Glück beim Suchen...
Ungeklärt bleibt: wer und wo ist Paul/Bill Fantini? Der Hund, der auf allen Plattenhüllen der Band abgebildet ist, wird wohl nicht mehr leben – ist Paul/Bill auch tot? Keine Fehlfarben-Kalauer jetzt, das ist 'ne ernste Sache und eine hervorragende Platte: „Me and my ryhthm guitar“.

Donnerstag, September 11, 2008

ein (p)fund mp3 (136)

auf merge erscheint eine rückschau-compilation:
auf selbigem label mit "now or heaven" am start:
zuletzt immer wieder positiv aufgefallen:
"The Mighty Ship" kam am 09.09. auf Thrill Jockey:
"carried to dust" kann man schon geniessen:
album und track tragen den selben namen, beggars:
hier gehts auf dem selbstbetitelten album ganz flott zur sache, lohnt:
ein datum, das es zu merken gilt: 07. oktober, die freigabe von "offend maggie":
"caught in the trees" heißt sein neues werk, der erste eindruck: sehr positiv:
fast schon ein bißchen spannend klingt der track und macht neugierig auf "the new year":
jung, dynamisch, gut, bringen "look at life again soon" heraus, mitnehmen!:

listenterror: beste alben 2008

update september

****1/2
1.) portishead – third
2.) fleet foxes – s/t

**** - ****1/2
3.) the magnetic fields – distortion
4.) ida – lovers prayer
5.) evangelista – hello voyager
6.) mia doi todd – gea
7.) merz - moi et mon camion
8.) the felice brothers – s/t
9.) samamidon – all is well
10.) said the shark – silly killings

****
11.) beatbeat whisper – wonder continental
12.) shearwater – rook
13.) nalle – the sirens wave
14.) wild beasts – limbo, panto
15.) bodies of water – a certain feeling
16.) the dodos - visiter
17.) plants and animals – parc avenue
18.) lau nau – nukkuu
19.) alina simone – everyone is crying out to me, beware
20.) robert forster – the evangelist
21.) cat power – jukebox

***1/2 - ****
22.) matt bauer – the island moves in the storm
23.) essie jain – the inbetween
24.) billy bragg – mr love & justice
25.) joanne robertson – the lighter
26.) malcolm middleton – sleight of heart
27.) scott matthew – s/t
28.) toumani diabate - the mande variations
29.) johnny flynn – a larum
30.) thao nguyen & the get down stay down - we brave bee stings and all
31.) white hinterland – phylactery factory
32.) kaki king – dreaming of revenge
33.) tall firs – to old to die young
34.) baby dee – safe inside the day

***1/2
35.) bowery boy blue – stalk that myth
36.) constantines – kensington heights
37.) vampire weekend – s/t
38.) benjamin wetherill – laura
39.) the moondoggies – don’t be a stranger
40.) adem - takes
41.) mates of state – re-arrange us
42.) glorytellers – s/t
43.) silver summit – s/t
44.) sharron kraus – the fox’s wedding
45.) the last shadow puppets – the age of the understatement
46.) pia fraus – after summer
47.) carcrashlander – s/t
48.) monade – monster comic
49.) little annie and paul wallfisch - when good things happen to bad pianos
50.) the ruby suns – sea lion
51.) ports of call – like thieves
52.) beach house – devotion
53.) spires that in the sunset rise – curse the traced bird
54.) my morning jacket – evil urges
55.) micah p. hinson and the red empire orchestra – s/t
56.) me and the grownups – battling the mountains, the sky and the sea
57.) dead meadow – old growth
58.) deus – vantage point

*** - ***1/2
59.) bonnie prince billy – lie down in the light
60.) autistic daughters – uneasy flowers
61.) duffy – rockferry
62.) a weather – cove
63.) sunny day sets fire – summer palace
64.) the helio sequence - keep your eyes ahead
65.) xiu xiu – woman as lovers
66.) tindersticks – the hungry saw
67.) audrey – the fierce and the longing
68.) hills like white elephants – himalaya
69.) 22 pistepirkko - (well you know) stuff is like
70.) the war on drugs – wagonwheel blues
71.) teitur – the singer
72.) levon helm – dirt farmer
73.) lightspeed champion - falling off the lavender bridge
74.) free kitten - inherit
75.) colin meloy – sings live

***
76.) k.d. lang - watershed
77.) get well soon - rest now, weary head, you will get well soon
78.) the mountain goats – heretic pride
79.) the billionaires - really real for forever
80.) school of language - sea from shore
81.) the notwist – the devil, you and me
82.) the black keys – attack & release
83.) chuck prophet – dreaming waylon’s dreams
84.) throw me the state - moonbeams
85.) camille – music hole
86.) eef barzelay – lose big
87.) jason collett – here’s is to being here
88.) gary louris - vagabonds
89.) timesbold – ill see ill sung
90.) syd matters – ghost days
91.) friska viljor – tour de hearts
92.) have a nice life - deathconsciousness
93.) devotchka – a mad and faithfull telling
94.) dawn landes - fireproof
95.) adam green – sixes and sevens
96.) brent cash – how will i know if i’m awake
97.) destroyer - trouble in dreams
98.) the delano orchestra - a little boy, a little girl, and the all the snails they have drawn
99.) kathryn williams & neill maccoll – two
100.) hello, blue roses - the portrait is finished and i have fail to capture your beauty…
101.) aaron thomas – follow the elephants
102.) british sea power – do you like rock music?
103.) bernard allison – chills & thrills
104.) say hi - the wishes and the glitch

**1/2 - ***
105.) tyler ramsey - a long dream about swimming across the sea
106.) the gutter twins – saturnalia
107.) billy harvey – grow garden grow
108.) colour revolt - plunder, beg, and curse
109.) aiden moffat – i can hear your heart
110.) sons & daughters – this gift
111.) chris walla - field manual
112.) hot chip – made in the dark
113.) girls in hawaii- plan your escape
114.) nels andrews – off track betting
115.) willy deville – pistola
116.) times new viking - rip it off

**1/2
117.) the ting tings – we started nothing
118.) foals - antidotes
119.) stefanie heinzmann – masterplan
120.) keith caputo - a fondness for hometown scars
121.) ben sheehan – soft landing

Mittwoch, September 10, 2008

konzert: neva dinova, 09.09.08

eine figur! die ganze manische suppe, die sich von der bühne auf einen ergiesst, rettet lediglich jack bellows. seine gekonnten eindrehungen am mikro, seine veranstaltungen an der gitarre und die hübschen reden zwischen den songs. ansonsten muss man ehrlicherweise konstatieren, dass der rockistische, 90er jahre inspirierte indieschotter, den er und seine mannen von neva dinova an den mann zu bringen versuchen, überholt ist und fahl klingt.

ihn gänzlich zu verteufeln, wäre aber nicht gerecht. denn bienenfleißig sammelte der splissbehaarte freak aus omaha melodiechen und harmoniechen, mit denen er immer wieder punkten kann. auch die frechen und derben querschläger an der gitarre können, vor allem wenn sie gekonnt mit der arbeit der anderen zwei gitarristen vermixt werden, zuweilen überzeugen. das erste mal in europa wissen die mannen um bellow noch nicht so genau, wie man sich in der fremde bewegt. kontaktscheu sind sie dabei nicht, dampfen schon mal locker mit einer fremden kreditkarte davon, um sich kippen zu ziehen, nehmen ohne hemmungen spendierten wiskey auf der bühne zu sich und erkundigen sich, ob ich, neben der box stehend, ohrenstöpsel intus hätte. als ich andeutete, dass ich auch ohne ganz prima geniessen kann, grinste der vorstand.
bellows ist ein frontmann, wie man ihn sich wünscht. er singt, spricht mit den zuhörern, er zählt die songs ein und kann sich einer spröden, bewegungsarmen mannschaft gewiss sein. gut erzogen wohl.

dabei hopst immer mal wieder einer der gitarristen (mike kratky bzw. tim haes) von der engen holzbühne des orangehouses. für einige songs langt dann sogar die triobesetzung. die konzentration auf die rhythmusmaschine roger lewis an den drums und den bassisten heath koontz hatte zum vorteil, dass jake bellows etwas mehr musikalische dominanz gewinnen konnte. die stärke seiner songs wurde allemal deutlicher, als würde sie überbratzt von kräftigen stromgitarren. die bassläufe fliessen elegant vorbei, die trommeln spielen gedrillt auf und dem sänger steigen die worte zu kopf. eine variante optimaleren tuns. doch bellows kann auch allein, wird mehr und mehr zum entertainer und hat spaß an whiskey und der aufgeregten meute. ach ja, knapp dreißig leutchen fanden sich ein, um hauptsächlich songs aus dem aktuellen werk "you may already be dreaming" zu hören zu bekommen, z.b.: "clouds" und "will the ladies send your flowers", da wir dem amerika näher sein durften, wie es nur amerikaner wirklich zu spüren bekommen. etwas mehr von dieser art heimatlichen esprits täte der musik neva dinovas gut. im vorprogramm gab es eine band aus münchen zu hören. no snakes in heaven spielten ihre als singer/songwriter auswiesene, aber eher nach lagerfeuerromantik und und jute-/greenpeace erinnernde musik auf zwei gitarren plus cello. es war ermüdend und keinesfalls willkommener opener für den auftritt der nachfolgenden amerikaner.

neva dinova - clouds

neue töne (399): land of talk

die halle war noch nicht gänzlich gefüllt, dennoch mühten sich auf der bühne drei menschen gewaltig ab, um denen einen oder anderen auf sich aufmerksam zu machen. insbesondere elizabeth powell machte dabei mit ihrer gewaltigen stimme eindruck. druck! druckvoll stöhnte sich die musik durch die boxengasse. allerdings durften die einheizer von the decemberists nur mit halber kraft spielen. so schien es zumindest. das ist ein knappes jahr her. den longplayer nahm ich damals mit und habe ihn immer wieder gern eingelegt. "applause cheer boo hiss" bot die selbe power, wie man sie vor der bühne erleben durfte. nun steht das neue album an. mittlerweile ist die band in den staaten bei saddle creek untergekommen und teilt sich dort das kopfkissen mit cursive, bright eyes, two gallants... aufgenommen wurde "some are lakes" in einer alten kirche außerhalb montreals und, bitte aufmerken, unterstützt wurde diese produktion nicht unwesentlich von justin vernon, bon iver, you know. aufgrund dessen soll das neue album etwas frischer klingen, als es die debut ep zustande brachte. und tatsache, heller klingen die aufnahme, so als stieße sich die band immer mal wieder vom boden ab, um luft zu schnappen. tut der dame mit dem immer etwas trüben gesicht und ihren jungs sehr gut.
land of talk - some are lakes

Dienstag, September 09, 2008

neue töne (398): welcome to the cinema

"welcome to the cinema" ist ein prima empfang. wer nicht sehen will, muss hören! oder muss sich beim hören ein bißchen kopfkino gefallen lassen. am 26. august erschien das full length debut der band aus south dakota, die sich diesen ungewöhnlichen namen verpasst hat. die haudraufparolen haben sie sich dann allerdings für den inhalt aufgespart. ihr album heißt "blocks and hills" und garantiert einen starken auftritt. die drums knüppeln zuweilen, jedoch nur um den song voranzutreiben, ein lauteres vorhaben (verantwortlich: cody brown). die girarren flirren und fühlen sich manches mal irritiert an ob der unverdriesslichen noten, die sie imstande sind zu produzieren (am werkeln andrew eide und darin dahlmeier), der bass spielt zuwider und immer wieder zu großer form auf und zwackt läufe ab, die keinem großen in irgendwas nachstehen würden (hierfür steht zeke richter gerade), während tom weismantel für das harmonische und das verschlagene in die tasten seines synthies greift und schließlich wolllüstet über allem der gesang von darin dahlmeier.
beeindruckt bin ich vor allem von der wandlungsfähigkeit der band. der output reicht von einem simplen synthieschleicher wie "holy ghost" über skaifizierte tanzhappen wie "ireland" bis zu popperlen, etwa "the sound of thingking". wer darüber allerdings lange beratschlagt, bekommt "tundra" um die ohren gerockt. dafür, dass die jungs erst seit 2006 beisammen sind, haben sie schon einiges auf die beine gestellt. bravo!
Welcome To The Cinema - Tasty Taste
Welcome To The Cinema - Holy Ghost
Welcome To The Cinema - Shark Vs. Boat

Montag, September 08, 2008

neue töne (397): entertainment for the braindead

aaahh records haben uns schon die famosen the wind whistles dargebracht. der erste release auf aaahh war deren "window sills". als netlabel konzipiert, garantiert das kleine unternehmen einen freien zugriff auf die veröffentlichungen. so kann man sich auch den neuesten auswurf herunterladen. die rede ist von entertainment for the braindead. dahinter versteckt sich die 21-jährige julia kotowski aus köln. "guitar and ukulele to paper bins and pepper mills: so das arsenal an instrumenten, mit dem die junge dame aufwartet. "hydrophobia" heißt die ep, die ihrem damals noch labellosen debut "hypersomnia" folgt. kleine, schmucke lieder reihen sich aneinander und lassen bei sparsamer instrumentierung viel raum für eine klare und wandlungsfähige stimme. mancher song erinnert an eine weise, dabei würde ab und an ein paukenschlag dem dahin fließenden, um nicht plätschernden zu verwenden, gut tun. das gitarrenspiel ist versiert, jederzeit dezent, die einschlüsse aus flöte und allerlei passen gut ins gesamtbild. hier präsentiert sich in jedem fall eine junge künstlerin mit viel potential, die neben der musik auch für das artwork ihrer veröffentlichung verantwortlich zeichnet. alle achtung!
Entertainment For The Braindead - Resolutions
Entertainment For The Braindead - Run!
Entertainment For The Braindead - Colours (Live @ Hertz 87,9)
Entertainment For The Braindead - What You Get (Live @ Hertz 87,9)

Sonntag, September 07, 2008

konzert: the hidden cameras, 06.09.08 (2)

ein paar nachreichungen zum the hidden cameras konzert. vor allem der hinweis auf weitere konzertberichte, die verdeutlichen, dass die kanadier auch anders können. verkleidet und mit einer menge mehr an "mit-mach-aktionen" u.a. im april 2008 in köln. zwei weitere berichte findet Ihr bei den freunden vom konzerttagebuch. ein paar fotos hinterlasse ich noch und einige mp3s für einen eindruck vom gestrigen abend.

the hidden cameras - awoo (live seattle, 2006)

the hidden cameras - lollipop (live seattle, 2006)
the hidden cameras - music is my boyfriend (live seattle, 2006)

konzert: the hidden cameras, 06.09.08

dass joel gibb eine zeitlang in berlin lebte, hört man. denn seine aussprache und der reichtum an deutschen vokabeln ist gut. sollten sich die zuhörer und zuseher mehr richtig bühne bewegen, sagte er: "bitte, etwas näher spazieren!". eine verschwitzte stunde später fragt er gar, ob traunstein bereit zum ausflippen wäre und hakt nach: "wirklich, seid Ihr bereit?". traunstein war bereit. wenngleich es auf vielen seiten ein zögern gab. zunächst waren die ca. 100 traunsteiner, daruntern vereinzelte besucher aus salzburg und extra aus münchen angereiste, skeptisch und ließen sich von den sechs menschen auf der viel zu kleinen bühne nur zum kopfnicken und fuß- rhythmus-schlagen anregen. doch nachdem man näher zueinander gerückt war, die musiker um joel gibb und er höchselbst immer wieder die bühnengrenze richtig auditorium überschritten hatten, gab es für die crowd kein halten mehr. gehüpft wurde, unverdrossen getanzt und die animierten armbewegungen wurden nachgewunken, -geschwenkt.

wer glaubte, dass es sich um einen irrtum handelte, dass die band aus toronto, die vor allem mit ihrem auftritt im olympiastadion zum abschiedsspiel des dauerverletzten und angeblichen indie-musik-fetischisten scholl für furore sorgten, wirklich in traunstein auflaufen würde, hatte sich schwer getäuscht. der kleine club "metropolitain", unscheinbar in einer bahnhofnahen seitenstraße liegend, hatte laut tourmanager the hidden cameras angefordert und die waren bereit für einen ausflug in die bajuwarische provinz. wer von den anwesenden im vorhinein gewußt hatte, mit wem er es zu tun bekommen sollte, war sicher an einer hand abzuzählen. genauso herrschte vermutlich unwissenheit darüber, dass sich die band seit vielen jahren aktiv in der lesben- und schwulenszene zeigt und vielerorts dem queerpop zugeordnet wird (sie selbst nannten es gern auch gay church folk). davon abgesehen, würde sich heute mittag manches junge ding an den kopf schlagen, wenn es wüsste, dass der verschwitzte kerl von gestern nacht lieber mit jungs in die falle schlüpft als mit mädels.
dass das widerum an diesem abend keine rolle spielte, ist einer in entwicklung befindlichen band zu verdanken, die weniger offensiv mit ihren idealen, wünschen, vorstellungen und meinungen umgeht.
gestern mit am start: jens aus münchen am bass, meist unscheinbar im hintergrund stehend, sorgte er auch für backgroundgesang und wildes rufen, das zwischendurch immer wieder nottat, um textliche avancen zu unterstützen. markus, ebenfalls aus münchen, das küken der band, bediente die drums, sehr sehr versiert steuerte er durch das anspruchsvolle, sich vor allem immer wieder durch tempiwechsel auszeichnende programm. jamie mccarthy, der "platterte" violinist, war neben dem sänger gibb der auffälligste. er verliert sich unmittelbar in der musik und musste obacht geben, dass er mit seinem bogen im wilden tanz niemanden aufspießte. sehr virtuos sein spiel, sehr freundlich seine gesten, wie überhaupt der kontakt der band intra- und interpersonell beispiellos war. ivan spielte das cello, ein junger, hübscher kerl, der sein gerät, groß wie es war, auch hochriss, um die wilden bewegungen seiner kollegen mitzugehen. ein kraftakt allenthalben, aber auch ein zeichen für den starken zusammenhalt der sechs. laura barrett wurde vermisst. sie bedient sonst das keyboard. für sie eingesprungen: ein junger wiener, der spindeldürre, mit matrosenhut bemützte, verdichtete den sound, der anfangs sehr nach electropop klang, sich zunehmend aber etwas entzweite, um einen folkigeren charakter anzunehmen.
mit "awoo" an früher prominenter stelle wurde zügig ein hit zum besten gegeben. aber auf das in 2006 veröffentlichte album gleichen namens verließ sich the hidden cameras nicht. alle vier longplayer kamen zu gehör. ob highlights wie "golden streams" oder "smells like happiness" vom 03er "the smell of our own" über "high upon the churchground" (das herrlich mit "macht kaputt, was Euch kaputt macht" verschmolzen wurde) und "the international m.m.a. the mild mannered army" vom debut "ecce homo" bis zu "music is my boyfriend" von "mississauga goddam" von 2004 sowie "death of a tune" und dem sagenhaften, die zugabe abschließenden "lollipop" vom album "awoo".
das insgesamt fast zweistündige konzert versüsste einen schönen abend, eine belebte nacht und ließ die rückfahrt kürzer erscheinen, als die langwierige anreise verhieß. wer auch immer in traunstein und umgebung am 06.09./07.09. eine kneipe besuchte, den heimischen fernseher bewachte oder vor dem computer nach partnern suchte, hatte ein ausgezeichnetes konzert verpasst.

Samstag, September 06, 2008

ein (p)fund mp3 (135): series two records

es gibt sie. die nerds, die alles, was an frei verfügbaren mp3s zu haben ist, auf ihren rechner laden und bunkern. irgendwann ergibt sich eine pralle zahl, die vorzeigbar ist und mit der man in konkurrenz zu anderen freaks treten kann. sind eine million tracks viel? ob diese gehört werden, möchte ich hier nicht erläutern. nur die frage stellen, ob ich solchen herrschaften zuarbeiten möchte.
series two records hat seinen sitz in columbus, im staate nebraska. es ist ein cdr label. das kann man sich auf die fahne schreiben. die produktionskosten sind gering und die auswahl umso größer. vorteile, von denen normale labels nur träumen können. dass die vielfalt gefahren birgt, steht dabei außer frage. ein gewisses händchen und einen kühlen kopf braucht der chef dieses unternehmens schon. christopher hat ihn. angefixt durch bands wie den desaparecidos oder the faint, startete er in 2006 sein kleines label. er arbeitete von anfang an eng mit collegeradios in den staaten und kanada, aber auch mit internationalen radiostationen zusammen. es entstanden kontakte zu schwedischen pop- und twee- bands, aber auch solchen aus den usa, dem uk, deutschland, china, costa rica usw, schließlich rund um den erdball.
mit oh! custer oder peace in our time gibt es zwei alte bekannte auf dem label zu bewundern, die auch im klienicum bereits erwähnung fanden. daneben mehr als erwähnenswert flannel und the pristines, springfactory, tafra und andere mehr.
die aktuellste nachricht auf series two record ist, dass vier neue album in den startlöchern stehen. veröffentlichungen von anthony rochester, le man avec les lunettes, the big picture und desmond reed stehen bevor. daneben wird es eine fünf cd umfassende compilation geben, die künstler aus aller herren länder vereint. die aktivitäten verheißen großes. damit Ihr eine andeutung davon erhaltet, was zu erwarten ist auf diesem rührigen label, ein blick in die vergangenheit mit einem stapel mp3 (nicht für sammel-nerds!):
josefine und johan, schweden-pop-duo, veröffentlichten auf bedroom records, nun split und solo- karriere:
ebenfalls fleißige schweden, die nebenher in weiteren projekten durchstarten:
bereits auch auf cloudberry veröffentlicht hat der japaner:
soloprojekte, einmal schwede, einmal norweger:
schwedische projekte mit langzeitgarantie:
aus england und schon richtig lange dabei und schon richtig lange auf labelsuche, zum verzweifeln, wenn man sieht, welche perlen unaufgelesen auf der straße liegen:
mehr sounds gibt es auf der homepage des labels. denkt daran: nur ein einkauf stärkt diese kleinen unternehmungen und bringt uns in den genuss solch wunderbarer musik!

Freitag, September 05, 2008

neue töne (396): jayber crow

jayber crow kommen aus minneapolis und folken auf teufel komm raus. pete nelson und zach hawkins, banjo und gitarre befeuern die herzlichen stimmen, die entschlossen die alten und neuen geschichten schreien. wer nicht weiß, wie sich amerika heute noch anhört, nachdem es gestern bereits so klang, sollte bei diesen beiden hineinhören. ein erstes full length legten sie im april mit "two short stories" vor. ihr erstling ist eine ep namens "the farmer and the nomad". zum einsatz kommen im laufe des albums auch tambourine, gitjo, mandoline und harmonica. wobei sie die instrumente auf differente weise verwenden und so immer wieder neue sounds entstehen. ein geheimnis der beiden. auf die anderen werdet Ihr beim hören der musik von selber kommen.
jayber crow - the limited voice of the american crow
jayber crow - oh my god when i drop dead
jayber crow - saint anthony
jayber crow - devil and the desert

Donnerstag, September 04, 2008

neue töne (395): the charade

bei fußballern hasse ich nichts mehr als ständigen vereinswechsel. diese treuelosigkeit, diese art des modernen söldnertums vergällt mir vor allem den saisonbeginn. bis man sich innerhalb der neuen mannschaftsgefüge zurechtgefunden hat, ist die halbe saison bereits vergangen und die aktuellsten transfergerüchte machen dann schon wieder die runde. bei musikern ist das ähnlich, wenngleich sie häufig genug das schicksal in die arme neuer record companies treibt. andererseits wechseln viele von kleinen zu großen firmen, um den bisherigen erfolg zu steigern.
ein neues album von the charade aber - es kommt im november - bedeutet, in treue auf skipping stones records setzen. "keeping up appearances" wird - auch eine konstante - von ingela matsson – vocals, mikael atsson – keyboards, bass & programming und magnus karlsson – acoustic & electric guitars + backing vocals vorgetragen. alle bedeutenden information rund um die band gibt es übersichtlich auf deren website. freuen wir uns auf ein sonnig- poppiges album, das uns den herbst und den darauf folgenden winter sicherlicher etwas erwärmen wird. auch hierauf kann man sich verlassen, bei diesen schweden aus stockholm.
The Charade - Keeping Up Appearances (from "keeping up appearances")
The Charade - Monday Morning (from their first album "The Best is Yet to Come")
The Charade - A Tough Decision (from their second album "A Real Life Drama")
The Charade - My Song to You (from their second album "A Real Life Drama")

Mittwoch, September 03, 2008

neue töne (394): the moondoggies

wanderlust guitar? ein herrlicher terminus, den amerikaner benutzen. ob er über die akustische variante hinausgeht, wäre zu ermitteln. doch wir befinden uns schon mitten im americana. diese variante hier ist weder feist und pausbacken, noch modern mutiert oder verwegen anders. irgendwie ganz normal. schreibt sich ja einfach, was? aber the moondoggies aus seattle bieten nun mal wenig aufreger und machen aufgrund einfachster, aber inniger harmonien doch etwas her. deshalb auch im klienicum eine notiz. die gitarren federn die magische orgel ab, der gemeinsame gesang ist mehr zum auftanzen denn zum wandern geeignet. wenn die gesammelte perkussion scheppert, bahnt sich emotion den weg.
garagig sind es die jungs von the moodoggies noch in teenagerjahren angegangen. damals nannten sie sich the familiairs. die musik wurde gesetzter, aber nicht weniger befeuert. ccr höre ich, aber auch wilco, mit denen der transfer ins aktuelle jahrtausend gelingt. stomp, hardrock und blues luken gelegentlich unter den gedrillten arrangements hindurch, ebenso boogie und unverkennbar die einflüsse von the byrds, the band, the flying burrito brothers und the beta band. "don't be a stranger" heißt der erstling, der auf hardly art im vergangenen monat erschienen ist. er sollte sich seinen weg durch die bestenlisten weit nach oben bahnen können.
musik für wanderlustige? bandvorstand murphy meint, dass die leute heute wie gestern gern beieinander sitzen, um miteinander musik zu machen. das ist nichts überholtes. ob auf der straße oder gemeinsam am feuer. aus tradition gut, sozusagen.
the moondoggies - changing

in eigener sache (25)

hier wie gewohnt die playlist der gestrigen stone.fm sendung, auch wie gehabt der versuch, mittels videoaufnahmen unter beweis zu stellen, dass diese songs tatsächlich existieren, diesmal war es besonders schwierig, zu exponiert die auswahl, deshalb ergänzungen mittels mp3:
1.) 6 day riot – the last stand (mp3)
2.) breathe owl breathe – playing dead (mp3)
3.) the rural alberta advantage – rush apart (mp3)
4.) perhapst – alamand
5.) benjamin wetherill – for all the headlines
6.) bowery boy blue – great dead town (mp3)
7.) domingo – the ground
8.) matt bauer – rose and vine (mp3)
9.) the transmissionary six – zero gravity (video)
10.) forest fire – fortune teller (live)
11.) flowers from the man who shot your cousin – lay down your arms (standbild)
12.) johnny flynn – the box (video)
13.) mockingbird, wish me luck – let’s watch the sunrise (mp3)
14.) the rest – apples & allergies (mp3)
15.) it hugs back – sometimes the sun
16.) okkervil river – stand ins, one
17.) okkervil river – lost coastlines (live)
18.) firekites – last ships
19.) baskervilles – a little more time (mp3)

Dienstag, September 02, 2008

in fester hand (11): the verve

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute: spiral-stairs aus euskirchen (vol. 1):



The Verve - Forth
(Parlophone, 2008)

Ich leg mich fest. The Verves viertes Album, richtigerweise “Forth” genannt (”fourth” hätte auch gepasst), ist ein moderner Klassiker. Gerade mal ein paar Tage alt, ist sie schon in meinen Olymp der Lieblingsalben emporgestiegen. The Verve schaffen mit “Forth” das, was die Charlatans mit “You cross my path” vorgemacht haben, was andere Bands jedoch nie erreicht haben oder erreichen werden. The Verve bleiben sich treu, biedern sich nicht an an die moderne britische Musik der Kooks oder der Klaxons. The Verve klingen daher und trotzdem vielleicht alt, aber nicht altbacken. Von Beginn an hört man ein typisches Verve Album. “Sit and wonder” beginnt ruhig mit einem leisen Gitarrenrauschen. Als das Schlagzeug einsetzt, startet der Rhythmus. Leicht, mellow und bedächtig erhebt sich Richard Ashcrofts Stimme: “I sit and wonder”. “Sit and wonder” ist neben “Rather be” das am bekanntesten klingende Stück mit dem höchsten “The Verve”-Wert. Beide erinnern an die “Urban Hymns” Phase und sind definitive Hits. Bei “Rather be” musste ich mehr als zweimal an “Space and time” oder “Lucky man” denken. Man kann im Refrain (oder kurz davor) auch bequem “i just can make it alone” summen, ohne aus der Spur zu geraten. Trotzdem ist “Rather be” kein billiges Plagiat, es ist eher eine Fortsetzung mit selbständiger Handlung im alten Muster. So wie Jack Bauers zweiter Tag. Ein weiterer Anspieltipps ist “Love is noise”, die perfekte Radiosingle und der Versuch eines Dance-Pops-Songs. Eigentlich ist es ein Witz. Es klingt wie eine schlechte New Order Tanznummer und als ich es zum ersten Mal in Luxemburg bei Rock a Field hörte, mochte ich es gar nicht. Doch nachdem es jetzt dreimal pro Tag auf 1live zu hören ist, gefällt es mir von mal zu mal besser. Ich hab es mir schön gehört und jetzt ist es mein derzeitiges Lieblingslied. Der Geheimtipp des Albums ist das elegisch ausufernde “Noise Epic”. Es gefiel mir auf Anhieb. Es ist das krasse Gegenstück zu “Love is noise”. Mit 8 Minuten 13 ist es das längste Stück auf “Forth”. “Noise Epic” ist vollkommen radioinkompatibel und folgt der Tradition der früheren Verve Sachen. Viel Gitarrensound, sehr psychedelisch. Nach vier Minuten ist es eigentlich schon zu Ende, bekommt dann aber durch das treibende Schlagzeug nochmals fahrt und holt zum grossen Gitarrenwandfinale aus. Hier klingt Richard Ashcroft wie Lee Ranaldo und The Verve wie Sonic Youth. The Verve haben sich zurückgemeldet. Oder wie Richard Ashcroft sagen würde: “We are the Verve and this is music.”

Montag, September 01, 2008

neuen töne (393): bridges and powerlines

bereits im april dieses jahres erschienen, ist "ghost types" der zweitling der band bridges and powerlines, nachdem mit der selftitled ep in 2006 ein debut vorgelegt werden konnte. ep hin oder her, eine anstrengung ist es allemal, musik auf einen silberling zu pressen. ob es sich dann um sechs bis acht oder acht bis zwölf titel handelt, egal, jegliche diskussion darüber ermüdet mich. spannender ist, was auf dem vinyl, der cd enthalten ist. die brooklyner lassen sich nur schwer verorten. gern werden vergleiche mit the rakes gezogen oder we are scientists. viel besser gefällt mir der hinweis auf die clash- gitarren. die stimme von andrew wood ist gut für das gespreizte wie für den eindringlichen gesang. spaß macht bei dieser band vor allem ihr variables songgestaltungswerk. manchmal halsbrecherisch, dann wiederum vollkommen lustgeprägt.

in fester hand (10): billy bragg

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute mit klienicum aus ampfing (vol. 1):

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billy bragg - talking with the taxman about poetry
(go! discs, 1986)

ein vertrauter. ein begleiter. irgendwie auch ein behüter. ein mentor vielleicht. in meinem verhältnis zu billy bragg könnte ich viele namen zücken, die ihn trefflich beschreiben würden. negatives würde nicht dazu zählen. zu sehr habe ich mich an ihn gewöhnt, mich in seiner liebenswert limitierten stimme wiedergefunden, seinen treuherzigen, immer ehrlichen geschichten beigewohnt, seinen wandel vom rebell und verächter zum weniger schweigsamen, dennoch auf rückzug befindlichen und belehrten aufmerksam verfolgt. seine these vom "socialism of the heart" habe ich verinnerlicht, wie ich sonst kein programm gelten ließe. denn es beruht auf der erkenntnis eines irrtums, den bragg offen zugab, den er nicht verheimlichte, wie es viele seiner helden taten. für sie sang er auf der bühne des festivals des politischen liedes, für sie ließ er sich gebrauchen, war waffe im aussichtslosen kampf für das proletariat.
ob mit band oder lediglich einer gitarre plus verstärker, on stage ist bragg auf der höhe, entertainer, connoisseur, lebendiger anheizer, multiplikator für fußballweisheiten, zoten, politische dreistigkeiten, jokes. der griff zur gitarre lässt auditorien verstummen, gegenseitige lippenbekenntnisse und treue, verbundenheit bis zur hymne "a new england". dass sie sich nicht auf "talking with the taxman about poetry" befindet, ist ihr einziger makel.
das album erreichte mich als müde amiga- pressung, dem ein entscheidender song, vermutlich aufgrund von lizenzbestimmungen, fehlte: "train train", im original von the count bishops, 1976 auf chiswick veröffentlicht. an zweiter stelle platziert setzt er aufgrund seines abrupten, energischen endes einen wirkungstreffer bevor "the marriage" von hörnern eingeläutet wird:
"... love is just a moment of giving
and marriage is when we admit our parents were right
i just don't understand it
what makes our love a sin
how can it make that difference
if you and i are wearing that bloody, bloody ring
if i share my bed with you
must i also share my life
love is just a moment of giving
and marriage is when we admit our parents were right..."

mit "greetings to the new brunette" und "wishing the days away" eines der schönsten liebeslieder, die billy bragg schrieb.
ob die private gängelung oder die gesellschaftliche ungereimtheit, subtil oder offensiv, bragg prangert sie alle an: "there is a power in a union" richtete sich nicht nur an die männer in der grube, "help save the youth of america" nicht nur an die teens und twens. majakowskis worte als titel für sein zweites full length zu wählen, kam nicht von ungefähr: den gegenüber ernst nehmen.
dabei hat sich auch die musikalische sprache braggs stetig entwickelt. der einzelkämpfer wurde zum teamplayer. mit kenny craddock, kirsty maccoll und johnny marr, simon moreton und john porter wusste der londoner profis an seiner seite, die weniger untermalten, denn gewichtigen anteil an der songaussage hatten, sogar narrative funktionen übernahmen. so wie eine fußballmannschaft nicht ohne mittelfeld, abwehr oder torwart auskommt. lediglich zu stürmen, führte zu einer menge gegentore.
bragg bietet folk, protestsong, agitpop, traditional, rock. kompromisslosigkeit, mut und ehrlichkeit als alternativen. ein mann, der blank zieht, ohne sich lächerlich zu machen. ich mochte das immer.
oft habe ich mir eine direktere produktion gewünscht, da braggs stimme weniger aus dem off herüber hallt. nichts jedoch wird mir die freude an diesem album nehmen, das mir heute als weißes vinyl zur vefügung steht. passend zum protagonisten.