Montag, Juli 21, 2008

neue töne (354): the vanguard

mit dem bandnamen haben sie sich keinen gefallen getan. denn die suche nach "the vanguard" endet zumeist in einem dschungel aus kneipen, fanzines und alten norwegischen popkapellen. die werden zwar mit einem 's' am ende geschrieben, drängen sich aber dennoch auf. da die hier auf die bühne gehobenen the vanguard aber außerordentlich jung sind, kann man hoffen, dass sie sich noch einen namen machen werden. heute ist es zeit für diese band, weil ihre debut ep seit ende juni zu haben ist und sie sich außerdem daran machen, ihr erstes album zu produzieren. der sound der new yorker ist erfrischend und rhythmusbetont (das muss man catchy nennen). im vordergrund steht immer etwas zum mitsummen. außerdem werden gepflegte gitarren geboten, britpop- einflüsse ohne große geste behandelt.
eine bunt zusammengewürfelte truppe hat sich da im herzen new yorks gefunden. zwei ostblockemigranten: david zawadzki (guitars) und rasko ristic (bass), die ergänzt werden durch den argentinier luciano rovner (drums) und schließlich durch frontmann aaron barr, einen waschechten ami aus virginia.

Sonntag, Juli 20, 2008

mix it (3)

frischlinge und aktualitäten




1. summercats - burnt toast / 2. connor oberst - danny callahan / 3. the low lows - sparrows / 4. ra ra riot - dying is fine / 5. joseph arthur - lovely cost / 6. liz durrett - wild as them / 7. parenthetical girls - a song for ellie greenwich / 8. josephine foster - i love you and the springtime blues / 9. pelle carlberg - 1983 / 10. boy genius - radio silence / 11. the blank tapes - smoke and mirrors / 12. ben weaver - white snow / 13. the greencoats - honey / 14. the jersey barrier - crack the roof

neue töne (353): decibully

über "sing out america" hatte ich mich einst hier ausgiebig ausgelassen. es war eine jener rezensionen, bei der ich während des schreibens und gleichzeitig auch hörens der scheibe meine meinung über das werk änderte. anfängliche begeisterung schlug um in eine moderatere sichtweise. auf der suche nach vokabeln an der wirklichkeit zerschellt. so schlimm war es nicht. aber ernüchternd. und dennoch lege ich die platte von decibully nach wie vor gern auf. sie hat ihren 3 1/2 sterne ruf behalten und vergnügt mit ausgewachsenem americana sound, großartigen melodien und rauchigem gesang. daneben bewerkstelligt die band arrangements, die sich mit den großen der branche messen können.
nun, ein neues werk steht auf dem plan, decibully verkündigen die news:
vor anderthalb jahren begonnen ist nun das neue werk im kasten. es wird "world travels fast" heißen und 13 tracks mit über 53 minuten genuss aufbieten. es wurde an verschiedenen plätzen aufgenommen, von einer abgerissen milchfabrik bis hin zur nachmittäglich ruhenden hauptstraße. mitglieder von the championship, wooden robot, juniper tar und celebrated working man unterstützten die auf sieben köpfe (neu: andy menchal (bass) und jim neumeyer (guitar)) angewachsene band aus milwaukee.
auf myspace kann man zwei der neuen songs bereits hören. sie zeugen davon, dass decibully konsequent ihren eingeschlagenen weg verfolgen. wann die platte veröffentlicht wird, ist noch nicht raus. wir werden informiert. IHR werdet informiert. labelheimat ist übrigens polyvinyl.
Decibully - Penny, Look Down
Decibully - Tables Turn

Samstag, Juli 19, 2008

ein (p)fund mp3 (123)

die pre-order für das album "madame owl" ist gestartet, erwartet kann es dann ab august werden:
Jeff Hanson - If Only I Knew
Jeff Hanson - Hiding Behind the Moon
"shining violence" erscheint als cd anfang september auf misra:
The Low Lows - Sparrows
von den fans sehnlichst erwartet, alle anderen hoffen darauf, dass der vermutlich neuerliche hype schnell wieder abflacht, album am 05.08. auf merge:
Conor Oberst - Danny Callahan
album kommt am 19.08. auf den markt (barsuk) und heißt "the rhumb line":
Ra Ra Riot - Dying Is Fine
Ra Ra Riot - Each Year (From Daytrotter Session)
nicht zu verwechseln mit den zwei kleinen schwedenhappen, mädels, mein ich: "maps and legends" heißt das aktuelle werk:
Taxi Taxi - Empty Handed
die vierte ep als vorbereitung auf das im september kommende album, sie heißt "foreign girls":
Joseph Arthur - Lovely Cost
gehen ganz schön packend zu werke, "portuguese prince" wird am 26. august in die läden kommen:
Goldcure - Make It Stop
Goldcure - Too Long
hier sprechen namen bände:
King Khan & The Shrines - Torture
"outside our gates" wird am 09.09. erscheinen und beendet die lange, lange, lange durststrecke:
Liz Durrett - Wild as Them
Liz Durrett - All of Them All
von "entanglements", das anfang september herauskommt und voller spannung erwartet wird:
Parenthetical Girls - A Song for Ellie Greenwich
und noch ein tip für chr.: der menomena drummer danny seim mit seinem sideproject, "your anchor" kommt am 09.09., auf barsuk:
_
15.11. Hamburg – Knust
17.11. Berlin - Postbahnhof
18.11. München - Registratur

cold war kids
12.11. Hamburg Knust
15.11. Berlin Lido
18.11. München Atomic Cafe

the hold steady
11.10. Hamburg knust
12.10. Köln luxor
20.10. Berlin columbia club
22.10. München ampere

Freitag, Juli 18, 2008

neue töne (352): breathe owl breathe

bereits im märz hatte ich über sie berichtet. damals war die "ghost glacier" ep von breathe owl breathe noch recht frisch, acht tracks zauberhaften folks mit vielerlei finessen konnte ich bis heute immer wieder geniessen. ein klarer vier sterner. es zeichnete sich ab, dass die band diese ep zu einem album anwachsen lassen wird. wann, wo und wie waren dennoch lange unbekannt. mittlerweile führt fox on a hill das album als aktuellen release und verschickt es auch, macht aber dennoch ein geheimnis darum, als gält es fort knox einzunehmen. weder eine tracklist wird auf der seite des labels angezeigt, noch beteiligte usw. völlig unverständlich, warum man die promotion dieses werks so nachlässig betreibt.
auch auf der myspace seite der band gibt es keine näheren angaben zum "ghost glacier" album. die namentliche deckungsgleichheit beider veröffentlichungen ist zudem sehr hinderlich. eine tracklist und einige angaben zu den mitwirkenden verdanke ich dem jungen musikmaniac k., ein herzliches dankeschön an dieser stelle.
tracklist:
1. Twilight
2. Window
3. Don't
4. Sylvia Plath
5. Baseball Diamond
6. Cold Ship
7. Sabertooth Tiger
8. Drop And Roll
9. Linda
10. Boat
11. Photos Upon Pianos
12. Last Dance
13. Playing Dead
d.h., es wurden fünf songs von der ep für das album übernommen.
micah middaugh: vocals, acoustic, classical and electric guitars, thumb piano, field story, baby grand piano: 5;
trevor hobbs: vocals, drumset and percussion, marimba, baby grand piano: 3, 6, wandering genie: 7, 11, wurlitzer: 1;
andréa moreno-beals: vocals, cello, cello orchestra: 2, 4, 7, 13, baby grand piano: 3, 13, upright bass: 1, 5, 12, banjo: 3, 11, fiddle: 3, glockenspiel: 13

Donnerstag, Juli 17, 2008

neue töne (351): josephine foster

auf bo' weavil recordings kann man dieser tage schon das neue album von josphine foster bestellen. hinter vorgehaltener hand hat man darüber geraunt, aber wirklich ans tageslicht wollte diese info noch nicht (vinyl im september). "this coming gladness" heißt das werk und kommt mit einem eigentümlichen cover daher. darauf abgebildet eine frau, die eine mischung aus joni mitchell und rickie lee jones darstellen könnte. begleitet wird die folkerin, die ihre karriere mit the supposed begann, später mit born heller verfolgte und mit the children’s hour ergänzte, vom gitarristen victor herrero und dem perkussionisten alex nielson (u.a. will oldham, current 93, directing hand, tight meat duo, trembling bells). art rock, eine traum von psychedelic, dazu die erwärmende und stolze stimme fosters. 'transcendental art-rock songs' nennt sie es selber. die record company sagt: "The record "unites rarely united royal realms: self-penned operatic art songs cast in freely rendered blues" driven a long by some out there guitar parts and pulsating drums."
mit ihrem vierten album vollführt foster neuerlich einen bogen. sie schließt nicht, sondern öffnet. nach psychedelic rock mit the supposed, der wiederentdeckung und aufbereitung alter folksongs auf "hazel eyes, i will lead you" in 2005 und dem einsingen von deutschem liedgut in 2006 geht sie wiederum neue wege. neue töne.

Mittwoch, Juli 16, 2008

neue töne (350): pelle carlberg

pelles neues album wird auf den namen "the lilac time" hören und soll am 27.08. erscheinen. eine vorab free mp3 single trägt den humorigen titel "1983 (Pelle & Sebastian)" und "is a seductive breeze of a melancholic Swedish summer, borrowed percussion from Rio de Janerio and late nights with Love's "Forever changes" in the headphones.", so das label labrador.
nachdem pelle carlberg seine "in a nutshell" tour im januar 08 beendet hatte, kaufte er sich "an abandoned church in a desolated area of the island of Gotland and spends six weeks there. "– I had to leave Stockholm to make this album. In the middle of nowhere it’s easy to write in soulful and relaxed"., so heißt es weiter.

in fester hand (8): sonic youth

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute: spiral-stairs aus euskirchen:


Sonic Youth - Goo
(Geffen, 1990)

1991: Ich betrete zum ersten Mal das Zimmer meiner Freundin. Es ist klein, kaum größer als ein Schuhkarton. Über dem Heizkörper an der rechten Wand hängt ein Poster. In schwarz / weiß gezeichnet sind ein Mann und eine rauchende Frau dargestellt. Sie sitzen, der Mann legt den Arm um die Frau. Die Frau sagt etwas, ein Anzeichen einer Sprechblase ist oben rechts zu sehen. Es ist ein Cover-Poster des Sonic Youth Albums „Goo". Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich Sonic Youth nicht, auch nicht Mudhoney (was ein anderes Thema ist). Grunge stand vor der Tür. Meine Favoriten saßen noch in England oder hießen „The Pixies". Sonic Youth waren neu, obwohl dies schon ihr 7. Album war. „Tunic" kannte ich flüchtig von Indiependent-Disco Tanzflächen. Das ist also von Sonic Youth?! Aha. Kim Gordons monotone, leicht morbid klingende Stimme zu Gitarrengewittern und eisigen Rückkopplungswänden lässt nur minimalste Bewegungen zu. „Dirty boots" – dieses Gitarrenspiel ergreift mich sofort. „Kool thing" war lange mein zweitliebstes Lied auf dem Album. Kim Gordons Stimme sei dank („Hey Kool Thing, come here, sit down beside me, i’ve got something to tell you..."). Das kommt so unnahbar, so cool so urban rüber, fantastisch. Und Chuck D. gibt dem ganzen den Rest. Perfekt! „My friend Goo" ist Punk im klarsten 2 Minuten Format und damit ein bisschen gerader, zügiger und unverschachtelter als die vorherigen Stücke. "Mildred Peace" wirkt verstörend zerstörend und endet im Chaos. Ist das noch Musik im traditionellen Sinn oder schon Krach? „Disappear" und "Mote" sowie „Titanium Expose" (klingt wie es der Titel vermuten lässt) und „Scooter and Jinx" komplettieren das Album. Nachdem ich das Album immer und immer wieder hörte, eröffneten sich langsam Neue Welten. Ich entdeckte den amerikanischen Kontinent intensiver, Screaming Trees, Mudhoney, Lemonheads und viele andere hätte ich ohne Goo nicht so früh kennengelernt. Vielleicht auch nie. Vielleicht.
Zurück im Zimmer: Auf dem Heizkörper steht der Sprechblasentext nochmals mit Edding geschrieben. Das Resultat einer komischen Nacht, erfahre ich. Seltsame Zeiten. 1991 the year everything broke.

Dienstag, Juli 15, 2008

neue töne (349): julie doiron

einst, nun ja, es war 1997, bei sub pop erschienen, kommt "loneliest in the morning" am 22.07. als rerelease via jagjaguwar erneut auf den ladentisch. es war das zweite soloalbum julie doirons und das erste unter ihrem eigenen namen. "loneliest in the morning" wurde in memphis gemeinsam mit dave shouse von den grifters aufgenommen. die neuauflage enthält mit "second time", "who will be the one" und "too much" drei bonustracks, welche zuvor nur auf seltenen 7ern zu finden waren. hier gibt es bereits einige anmerkungen zur ausnahmekünstlerin + weitere songs.

neue töne (348): castledoor

bei manchen scheiben ist man sich ganz sicher, mit wem man sie wird teilen können. ein paar takte, ein paar töne und schon stählt sich die gewissheit und im abglanz der hirnrinde spiegelt sich das portrait dessen, mit dem man alsbald gemeinsam schwelgen oder rocken wird.
bei castledoor fielen mir auch einige namen ein. und bei der vorstellung, dass man hier wieder einmal eine band ohne plattendeal ankündigen muss, fährt mir die galle auf. auch etwas, was ich mit einigen menschen teilen kann.
in welche schublade man die sechs kalifornier auch steckt (irgendwo las ich 'smile-pop'), am ende wird es immer auf eine art indie- herauslaufen, ob mit endung auf -rock oder -pop, -tronic oder was auch immer. jedenfalls gibt es eine feierliche, hymnische note und hooks und glimmer, schunkel und freudengesänge, klimper und viel viel melodie.
zwei jahre nachdem die band ihre "follow the dove" ep veröffentlichte, folgt nun die 7er "'til we sink". eigentlich war ein full length geplant, aber es fand sich keine record company, um diesen auftrag auszuführen. sehr, sehr schade. freunde vom seven inch project brachten sie schließlich auf die idee, ein 3track vinyl auf den weg zu bringen. so geschah es auch. nachdem rio en medio den fünften release auf diesem kleinen label (u.a. luke tempel, half-handed cloud!!!) verantwortete, folgt nummero sechs mit castledoor auf dem fuße. am 29. juli ist offizieller termin für alle kaufwilligen. alle drei titel können auf der myspace seite vorgehört werden. hier gibt es ein prima interview (mit ordentlich hintergrundinfos und zwei zusätzlichen songs).
Castledoor - Dumpster Diving

Montag, Juli 14, 2008

neue töne (347): boy genius

mittlerweile checke ich hin und wieder, wenn ich einen neuen post starte, ob ich von der zu behandelnden kapelle nicht schon was beim klienicum finde. so auch diesmal. boy genius, da trügte mich meine erinnerung nicht, unterlaufen mich diesmal auch nicht. bei cloudberry hatten sie eine 3track herausgebracht und wurden darob innerhalb des breiten katalogs vorgestellt. aus brooklyn erreicht uns diese band wieder einmal, ein schmelztiegel, ich wiederhole mich gern. jason k. - vocals, guitar, harmonica, words, lisa k - drums, melodica, backing vocals, jeffrey mensch - bass, acoustic guitar, backing vocals und marisa cerio - lead guitar, backing vocals fabrizieren einen fürchterlich einnehmenden sound aus 80iger anleihen, die man dem collegerock zugestehen muss, da erinnern sie etwas an die schramms, die frühen tengos, also die ganz frühen so um "ride the tiger". drumherum ließe sich ein bunter referenzreigen basteln: felt, gun club, beat happening, go-betweens usw., einer schöner als der andere. kurz und saftig, harmonie und melodie, dazu die kreisenden gitarren, gesang hin und her zwischen manderl und weiberl, auf dass es eine pracht ist. die ep "eureka" sorgte anno 2007 schon für einigen wirbel. mit "anchorage" wollen sie nun die himmel erobern. 11 tracks, die an die "harborcoat"- ära r.e.m.'s erinnern soll, wobei trompeten unbedingt addiert gehören.
boy genius - radio silence

Sonntag, Juli 13, 2008

in fester hand (7): speedball baby

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute: TheBlackPope aus d. (vol. 1):


Speedball Baby – Uptight!
(In the Red Records 2000)

Cut-up lyrics in a Burroughs-Beat-Poetry-kinda-Style – dazu Musik, die an jazzigen Spielarten des No Wave (John Luries Lounge Lizards, James Chance) ebenso geschult ist, wie an der lebenstüchtigen Sickness, die die Cramps von jeher zelebrieren. Auch frühe Cpt. Beefheart kann hören, wer Ohren hat, oder den Wahnsinn der Birthday Party (a la „Big-Jesus-Trash-Can“). Ebenso ist für Verträumtes Platz – surrealer Art, wie „In Dreams“ (Roy Orbison) in Blue Velvet (David Lynch).
Tja, was soll ich sagen? So ein New-York-Lower-East-Side-Ding eben: „Uptight“, der Titel der Platte ist Programm.
Rahmendaten: die Band veröffentlichte von 1995 („Get straight for the Last Supper“ 10“) bis 2005 („Cool Drink of Water“ auf „Salvo Of 24 Gunshots – Tribute To Gun Club“ 2xLP/CD).
Matt Verta-Ray (Gitarre) zieht heute mit Jon Spencer als Heavy Trash durch die Lande und Ron Ward (Vocals) veröffentlicht demnächst auf Bang!-Records mit Five Dollar Priest eine neue Platte.
Das von mir Geschriebene liest sich jetzt wie ein Eintrag ins Lexikon, da guck' ich doch zum Vergleich noch mal, was in der Great Indie Rock Discograpy zu Speedball Baby steht. Und da steht u.a. (Seite 992, 2. Auflage): „The Band careered into the new millenium with 'Uptight' (2000) and 'Black-Out' (2002), proffering more adrenalised, avant blues and uber-cool musical righteousness.“
Tja. Speedball Baby. So ist das. Klasse Band.

Samstag, Juli 12, 2008

neue töne (346): of montreal

of montreal wissen mit neuem album aufzuwarten. alles wieder sehr spannend. die tracklist. das cover. das drumherum. "skeletal lamping" wird das werk heißen und am 07. oktober bei polyvinyl erscheinen.
"I’ve tried to incorporate more tension and dissonance, while still maintaining a super poppy sound. I think the album is more bipolar than schizophrenic, though. I guess it represents its author more closely in that way.”, sagte kevin barnes gegenüber billboard. außerdem: “Beware Our Nubile Miscreants” is “the most wicked thing I’ve ever written,” while opener “Nonpareil of Favor” “definitely goes somewhere musically that is totally unlike anything I’ve ever done before.” weiter: “I start to feel unbalanced if too much time passes without me being able to record,” he says. “I need to shut out the world and disappear into the void. In a way it is like meditation. It definitely gives me a sense of value too. Even if other people hate what I create, as long as I like it, I’m fine. The new record doesn’t deal with as many romantic or psychological issues. It is a very personal record still. It is more sexual and frisky than ‘Hissing.’”
dass das neue album auf unverständnis stossen könnte, darüber ist sich barnes mittlerweile im klaren. glaubt aber gestärkt zu sein, um es auch auf konzerten den fans vorzustellen. dazu werden noch einige theaterelemente einstudiert und mitmusiker engagiert. ich bin sehr neugierig.
tracklist:
01 Nonpareil of Favor
02 Wicked Wisdom
03 For Our Elegant Caste
04 Touched Something's Hollow
05 An Eluardian Instance
06 Gallery Piece
07 Women's Studies Victims
08 St.Exquisite's Confessions
09 Triphallus, to Punctuate!
10 And I've Seen a Bloody Shadow
11 Plastis Wafers
12 Death Is Not a Parallel Move
13 Beware Our Nubile Miscreants
14 Mingusings
15 Id Engager

glotzt nicht so romantisch (31)

so, einige der letzten posts ins rechte bild gerückt, anderen, neuen acts einen rahmen gegeben, mehr soll mein job nicht sein, viel spaß mit ein paar ausgefallen und anderen weniger brisanten videos, nur: glotzt nicht so!
auf vielen listen des jahres 2008 werden sie ganz vorn zu finden sein:
Something for All of Us... ab übernächster woche aufArts&Crafts:
am 09. spetember soll das album endlich kommen:
hübsch, ohne wagnis, aber mit banjo und trompete:
Ohbijou - The Woods (video)
augen- und ohrenkino:
grooy, und wer mal wissen will, wie sich undiszipliniertes publikum anfühlt, bitte:
ohne worte:
hier zeigt sich die meisterschaft an gitarre und gesang, wunderschön:
so ähnlich erlebten wir sie auch, gänsehaut:
ich lieben diesen retroshit:
Golden Animals - Big Red Rose (video)
hüftsteif, aber dennoch appetitlich:

Freitag, Juli 11, 2008

neue töne (345): andersens

mit dem namen andersens verbindet der geneigte leser sicher keine band aus dem fernen japan. als langjähriger leser dieses blogs liegt dieser zusammenhang außerdem weniger nahe, als dass hase und igel beim gemeinsamen wettkampf ein remis erreichen würden. andersens wurden in 2000 gegründet. tonangebend waren dabei die drei high-schüler kiyokazu onozaki, shinsuke ouchi und daisuke kobayashi. in 2002 gelang ihnen ihre debut ep. zu diesem zeitpunkt stieß der sänger und flötist yoshiko iguchi zur band und steuerte neue soundfarben bei, die bereits auf dem debut album "between static and fire" zu hören sein sollten. so wandelte sich das klangbild vom improvisatorischen charakter mit deutlichen psychedelischen einflüssen hin zu mehr popsensibilität.
zunehmend erhöhte die band das repertoire an instrumenten und ergänzte u.a. um trompete, saxophon, indische perkussionsinstrumente, synthesizer und laptop. in 2004 ist die band auf dem underground sampler "songs for nao" zu hören, ein jahr später gründet das bandmitglied und leader der band kiyokazu onozaki ein eigenes label - bye bye blackbird - um dort die zukünftigen alben der band zu veröffentlichen. "gzi gzi gzeo" heißt das zweite full length der tokyoter und erschien in zusammenarbeit mit dem schottischen label switchiso redords. die musik ist dermaßen sympathisch und zugänglich, dass man meinen könnte, man befände sich geradewegs in skandinavien. erregend und schlüsselmomenten gleich sind die farbigen, inkonsequenten einschlüsse. das können melodische auswüchse sein, instrumentale weckrufe oder psychedelische sprünge.
die band spielte live hauptsächlich im eigenen land, schaffte es aber in diesem sommer auf das britische eiland. bin gespannt, was man von dort wird vernehmen wird können. für jens lekman haben sie in tokyo bereits eröffnet (der behauptete auf seiner website glatt, dass es sich dabei um eine seiner top 3 shows aller zeiten handelte).
Andersens - Tear
Andersens - Christmas Eve

Donnerstag, Juli 10, 2008

neue töne (344): the blank tapes

auf der basis eines wieder einmal hervorragenden tipps von p. aus b. möchte ich heute eine nachreichung posten. the blank tapes heißt die band des tages. kopf des projektes ist matt adams, der sich für die jeweiligen aufnahmen immer wieder neue leute ins boot holt, die ihn unterstützen. orange county, los angeles, südkalifornien und san francisco sind einige stationen des umtriebigen lebens des matt adams. mittlerweile ist er wohl wieder nach orange country zurückgekehrt.
die musik, die adams auf die bühne hievt, ist nicht ganz so einfach zu beschreiben. sie ist deutlich rockbetont, greift aber immer wieder auch auf andere stile zurück. ein hoher indipendentfaktor sorgt in jedem fall für eine unaufgeräumte atmosphäre, hervorgerufen durch einen roughen sound, slackertum (ich weiß um himmelswillen nicht was das ist), schleifenmelodien, gewissenhaftes zusammenspiel (so mit konzentration und gemeinsamen einsatz) und folkloristische anleihen. eine violine reist durchs bild, eine trompete erwärmt den klang, chorgesang begleitet das schaubild, das banjo strafft. der vertrauliche gesang adams tut sein übriges. erwähnenswert ist natürlich auch die masse an qualitätsmelodien. apropos masse. mit "landfair" und "daydreams" liegen mir zwei longplayer vor, die 23 bzw. 25 tracks aufweisen. "landfair" fasst dabei aufnahmen aus den jahren 2004 und 2005 zusammen, die es vorab nur auf kassetten geschafft hatten. "daydreams" ist die vorerst letzte veröffentlichung aus 2007. abgerundet wird die discography von the blank tapes durch das 02er werk "country western honky tonk saloon blues".
adams übrigens ist ein tausendsasss. neben der musik schafft er sich auch bei der gestaltung der konzertposter (für jedes event ein eigenes) und der cover seiner alben. los!
The Blank Tapes - Newport Beach (2002)
The Blank Tapes - I Saw the Satellite (2005)
The Blank Tapes - Oil & Water (2005)
The Blank Tapes - In the Light (2007)
The Blank Tapes - Smoke & Mirrors (2007)

Mittwoch, Juli 09, 2008

in fester hand (6): rickie lee jones

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute mit klienicum aus ampfing:


Ricke Lee Jones - Ricke Lee Jones
(Warner Brothers, 1979)

rickies selbstbetiteltes debut ist sicher eines der alben, die ich am meisten im player oder unter der plattennadel hatte. entsprechend lädiert sind die tonträger. nicht nur die nutzungshäufigkeit auch die lagerung setzte den geliebten objekten mächtig zu.
kennengelernt hatte ich die lady, deren antlitz mich sofort für sie einnahm, in einer jener wg's, wo neben dem gerade im abschleifen befindlichen küchenschrank die spüle von geschirr überquillt, abseits ein türspalt blicke ermöglicht, die wäsche von der decke tropft und man sich abends trifft, um gedankenaustausch vorzutäuschen. rickie stand angelehnt oder lag auf einer matratze. ein griff, die platte rollte aus der hülle direkt auf den plattenteller. "chuck e.'s in love". viele jahre später erlas ich mir, wen rickie da eigentlich meinte. chuck e. weiss hat erst in 2007 ein außerordentliches werk fabriziert. und ich durfte eintauchen in rickies welt. sang sie nicht auch von meiner?
"take a walk around midnight in the city
young blood is hiding there somewhere
if you're looking for something to do
there's always something happening there..."
lauter magische momente. "last chance", ruft rickie und die gitarre federt jegliche wirre erregung ab. "easy money" ist shuffle, blues, vom jazz angetörnt, rickie singt wissend, etwas kirre, wie angeschickert. "danny's all-star joint" rock 'n rollt, stumpin', yeah!, bass!, trompeten, bitte!, klimper-orgel-sound, sax-solo! in "coolsville" jault jones geschlagen auf, körperlicher schmerz, der mich immer wieder aufs neue trifft. eine story nur, aber eine, die so erzählt gehört, dass sich der gegenüber ein wirkliches bild machen kann. das ist das anliegen der sängerin. die frische von "weasel and the white boys cool" hebt an und den trübsal blasenden wieder auf. ich liebe diese frau, die bei ihrem letztjährigen konzert in der berliner passionskirche das publikum eine zusätzliche stunde vor den toren warten ließ, um ein vorbildliches soundbild zu kreieren. irgendwo zwischen genie und wahnsinn ist sie zuhause. ob ich sie einmal besuchen darf? mit u.a. randy newman an ihrer seite ist ihr ein sensationelles, stilübergreifendes, intimes und anrührendes debut gelungen, das mit "company", welches einige der schönsten gesangsparts enthält, und "after hours", das sacht streicher auffährt, ein ende findet. ein ende, das immer wieder in versuchung führt, die nadel neu aufzusetzen, um den zackigen drive des ersten tracks als eröffnung für diese wundervolle rundreise wiederzuhören.

neue töne (343): benjamin wetherill

benjamin wetherill ist da. es wird leute geben, die auf dieses signal gewartet haben. "da" bedeutet in diesem fall, dass nach vielfachen bemühungen auf dem sektor des homerecordings und der veröffentlichung von cdr's und einer 7'' nun endlich das debutalbum vorliegt. es heißt "laura" und erscheint am 15. juli auf ba da bing!.
benjamin stammt aus leeds und nimmt die traditionen des folks seiner heimat auf. er fingerpickt die gitarre und das timbre seiner stimme ist passgenau. dass die veranstaltung nicht antiquiert klingt und eine transformation ins aktuelle jahrtausend gelingt, dafür sorgt u.a. die produktion jeremy barnes. der steuert außerdem akkordeon und ein wenig perkussion bei und erfreut sich, ebenso wie heather trost (viola und violine), ansonsten seiner beteiligung am projekt a hawk & a hacksaw. neben den beiden fungieren mehrere ungarische musiker als wichtige ergänzungen, um den sound des albums zu prägen. aufgenommen in einem schloß aus dem 19. jahrhundert klingt "laura" fragil und schimmernd wie ein vorhang, der in den alten gemäuern vergessen wurde und im deutlichen gegensatz zum feuchten, dreckigen stein steht. klarinette, bass, trompete, flöte und cembalon und bratsche agieren einvernehmlich im hintergrund und setzen dennoch wichtige akzente.
mich beeindruckte vor allem der gesang wetherills, leicht flatternd, lichten erklingt die stimme, von sorge getragen, vermutlich mit schwindendem blick, mit leicht krauser stirn, bedrückend zuweilen.
benjamin wetherill - john barleycorn (2005)
benjamin wetherill - orange & silver (2005)
benjamin wetherill - the press gang (2006)
benjamin wetherill - he rolled her to the wall (2007)
benjamin wetherill - the derby ram (clip, 2008)

Dienstag, Juli 08, 2008

ein (p)fund mp3 (122)

"The Hawk Is Howling" erscheint am 23. september auf matador:
die einen lieben, die anderen hassen sie, das neue, zweite album wird daran nichts ändern:
mitte august erscheint "the ax in the oak":
von "fate" (kommt am 22. juli):
neue, gute nachrichten von serious business records, mit neuem album namens "Z's":
und mit neuer single am start:
neue 3'' auf weepop!:
aus schweden mit aktueller "spring" ep auf tomt recordings:
und schließlich offene fragen, wie: "in aller munde?", "neuer oder alter hype?":

Gravenhurst
24.09.08 - Wiesbaden, Räucherkammer
25.09.08 - Weinheim, Cafe Central
26.09.08 - Hannover, Cafe Glocksee
27.09.08 - Hamburg, Reeperbahn Festival
28.09.08 - Bielefeld, Forum

Of Montreal
19.10.08 - Berlin, Kesselhaus

Black Kids
4 Nov Lido - Berlin
7 Nov Knust - Hamburg
8 Nov 59:1 - Munich
9 Nov Werkstatt - Cologne

in fester hand (5): albert ayler

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute mit Iskra1903 aus köln:


Albert Ayler - Spiritual Unity
(ESP 1964)

Die berüchtigte Frage nach der Lieblingsplatte, den Lieblingsplatten ... ist es diese, oder doch jene ... Robert Wyatt - Dondestan? John Coltrane - A Love Supreme? Irgendwas von Bob Dylan, Sonic Youth, The Fall oder Loveless von My Bloody Valentine? ... Side a, track 1: Ghost: First Variation, 5 Minuten und eine Sekunde; track 2: The Wizard, 7 Minuten und 26 Sekunden ... umdrehen das Ding ... side b, track 1: Spirits, 6 Minuten und 52 Sekunden, track 2: Ghosts ... schon wieder? ach ne: Second Variation, 10 Minuten, 11 Sekunden = 29 Minuten und 30 Sekunden. Albert Ayler - Tenor Sax, Gary Peacock - Bass, Sunny Murray - Drums ... Zur Jahrtausendwende gab's eine SPEX-Ausgabe: die 100 wichtigsten Platten des 20. Jahrhunderts. Klar Beach Boys - Pet Sounds gewinnt. Dann kurz vor dem Einschlafen kommen die wichtigsten Platten von den Kritiker, die es nicht in die Top 100 geschafft haben. Felix Klopotek schwärmte von Albert Ayler Trio - Spiritual Unity, aufgenommen in New City, am 10. Juli 1964. Das war ein Kaubefehl, na gut: gekauft, gehört und nix verstanden, zum Vergessen eingeordnet in den Plattenschrank ... Im Laufe der Zeit dann immer mehr Jazz und Free Jazz gehört. Peter Brötzmanns Die Like A Dog Quartet. Fragments of Music, Life and Death of Albert Ayler. Albert Ayler? Ach ja, verstaubt im Plattenschrank ... rausgeholt, angehört ...wow, was für eine Bombe! Und wie sagte der Meister einst, bevor man ihn 1970 tot aus dem East River gefischt hatte: 'It has become late for the world. And if I succeed in raising people to new levels of peace and understanding, I think that my life as a spiritual artist has been worth.' Wieviel Sehnsucht nach einer besseren Welt formuliert sich in dieser Musik, als diese Musik? '..., and somebody, just somebody, please, LISTEN!'

Montag, Juli 07, 2008

neue töne (342): the jersey barrier

the jersey barrier kommen aus athens. ihre musik ließe sich mit akustischem indiepop umschreiben. einige takte folk kann die band aber nicht verhehlen. anderseits brechen sie die akustik mit formgebender elektronik auf wie in "crack the roof", der an the notwist erinnert. zur band gehören greg harmelink, rob walsh, ash white, carolyn mclanahan und todd elihu und damit mitglieder von kincaid, colfax abbey und triangle park.
reinhören in die wunderbare welt der band, die vor allem dominiert mit dem wechselgesang zwischen greg und cara und den gitarre und bass fabrizierten harmonien, kann man auf ihrer website und myspace.
ihr debutalbum hat die band dieser tage auf die menschheit losgelassen. es heißt "steady pace in the slow lane" und wird im selbstvertrieb, ähm vertrieben. also, an die band wenden oder über cdbaby ordern.
the jersey barrier - crack the roof

in fester hand (4): sufjan stevens

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her?in fester hand.weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst.in fester hand.in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute tokyomoon aus tübingen:


Sufjan Stevens - Seven Swans
(Sounds Familyre. 2004)

Ich würde hier gerne eine unterhaltsame Anekdote erzählen, weshalb Seven Swans eines meiner Lieblingsalben ist, aber die gibt es leider nicht. Dennoch möchte ich den Versuch unternehmen, zu beschreiben, was dieses Album für mich so besonders macht. Nachdem ich Sufjan Stevens durch seine Mammutalben Michigan und Illinois hoffnungslos verfallen war, legte ich mir Seven Swans zu. Ich vernahm es solle ruhiger sein, in sich gekehrter. Beeindruckt von den gewaltigen Arrangements, welche die beiden Bundesstaaten-Werke aufzuweisen hatten, war ich gespannt, was mich hier erwarten würde. Auf Seven Swans stehen für mich eindeutig Sufjan Stevens Stimme und sein Banjo im Zentrum. Hier wird Musik auf das Wesentliche reduziert - auf das, worauf es ankommt. Ich habe noch niemanden gefühlvoller singen hören als Sufjan Stevens auf diesem Album. Es ist mir unmöglich, mich seiner Magie zu entziehen. Vom vorsichtig beginnenden „All The Trees Of The Field Will Clap Their Hands“ bis hin zum großen Finale von „The Transfiguration“ – Seven Swans ist ein in sich geschlossenes Meistwerk, das mich einfach nur über seine schlichte Schönheit staunen lässt. Mit jedem Hören wird mir von Neuem klar, weshalb Musik ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens ist, weshalb ich es nicht lassen kann, mich stets auf die Suche nach Musik zu begeben, die mehr als nur unterhält, die mir so viel zu geben weiß wie Seven Swans.

Sonntag, Juli 06, 2008

konzert: the magnetic fields, 04.07.08, teil 2

teil 2
spulte man den bisher imaginär abgelaufenen film auf den anfang, fände man sich vor den toren einer relativ neuen location münchens wieder. die freiheizhalle verdankt ihren namen einer einrichtung, die zuvor anderen, gut nachvollziebaren zwecken zur verfügung stand. dem alten backsteingemäuer wurde ein geschmäcklerisches glaskästlein hinzugefügt, das als einlass, bar, ausschank und diskutiermeile genutzt wird. vor der halle befindet sich der junge fassbinderplatz, zu seinen füßen schwingt sich ein asphaltsee. zu ehren des regisseurs wurden in das gehärtete schwarz namen seiner filme, projekte und assoziationen gestanzt. eine idee.
eine ebenfalls gute idee ist, dass darren hanlon das vorprogramm bestreitet. der australier wird, nachdem die zuhörer wenig emsig ihre plätze (bestuhlt!) einnehmen und wir bequeme, mit fußfreiheit ausgestattete stühle in der zweiten reihe ergattern, vom veranstalter angesagt. angesagt, wie in alten zeiten, da man sich die mühe machte, dem auditorium zu huldigen. so auch hier und heute. dabei fällt der hinweis, dass the magnetic fields ein zweigeteiltes set mit jeweiles 45 minuten spielen werden, ihrer müdigkeit wegen und um dem publikum eine auszeit zu was auch immer zu gönnen. drei halbzeiten. die erste gehörte darren hanlon, der lediglich mit seiner gitarre bewaffnet eine halbe stunde lang ausgesprochen witzig, charmant und humorig unterhielt. anekdoten wirft er ab, feines, variantenreiches spiel belegt die brote, die darren via kleinen häppchen an die zuhörer reicht. er besingt robert mitchum und eli wallach, einen ebenfalls alternden schauspieler, aber er kann auch herrlich widersinnig über "couch surfing" dozieren und erntet dafür wohlverdienten applaus. und lacher. besonders von der jungen, reizenden dame hinter mir. laut, affektiert, spitz, unerträglich. immer. jedes mal, wenn es nur irgendetwas zu schmunzeln gibt, ist sie da. ich blende sie aus. eine kurze umbaupause folgt auf den kommunikativen burschen, dessen scheiben übrigens auf dem grandiosen candle records label vertrieben werden. merken, notieren, hinter die ohren schreiben.
eine kurze umbaupause folgt, dann streben the magnetic fields auf die bühne. das erste set begann wie beschrieben:
1.) when i'm out of town ("hyacinths and histles")
2.) no one will ever love you ("69 love songs")
3.) california girls ("distortion")
4.) walking my gargoyle ("the tragic treasury")
5.) the nun's litany ("distortion")
während "i looked all over town" ("i") ertönt, erhalte ich besuch. die zwei leeren plätze neben mir werden von einem pärchen besetzt. von da an war es um meine konzentration geschehen. der bursche neben mir stank nicht nur unbändig nach schweiß, bier und anderen ausdünstungen, von denen ich mir keine plastischen vorstellungen machen möchte, er war auch ungemein undiszipliniert. "old fools", ""i don't believe you" und ich musste zusätzlich die resonanzen meines nachbarn ertragen. "dreams anymore" (vom soundtrack "pieces of april") und der schmierige kollege begann sich die zähne mit zahnseide zu bearbeiten. neben mir agierten zwei dünne arme, hin und her, hin und her. zu diesem zeitpunkt hatte ich beschlossen, dass der bursche ein mensch mit eingeschränkter alltagskompetenz ist. "this little ukulele" spielte merritt solo ein, ein hübscher, kurzer song über die sehnsucht nach einem orchester, das ihm süsse geschichten erzählen kann, statt des kleinen instruments, das die wahrheit spricht. "eban and charley" heißt der film, zu dem merritt den soundtrack schrieb.
mein film hieß währenddessen: mein freund mit handicap. er cremte sich nun ein. es stank noch mehr, da sich die unangenehmen gerüche vermischten. "all dressed up in dreams", wiederum ein the 6ths song, dann das großartige "zombie boy" ("distortion"). mein nachbar trank bier, schoß kurzentschlossen mit großer geste ein foto. der blonde seitenscheitel fiel ihm ins gesicht. ich dankte, als mit dem herausragenden "papa was a rodeo" ("69 love songs") der vorhang für den ersten teil des konzerts fiel.
das zweite set blieben - gott sei dank - die plätze neben mir wieder unbesetzt. die dritte halbzeit begann mit dem klassiker "take ecstasy with me" vom "holiday" album. "courtesans" von "distortion" ergriff mich wieder unaufgefordert und schloss mich in den weiten reigen der großartigen musiker auf der bühne vor mir. eine zugabe mit drei stücken, u.a. dem opener vom aktuellen werk, da alle anwesenden "three-way" skandierten, beendete einen herrlichen konzertabend, der trotz störungen in angenehmer erinnerung bleiben wird. drei halbzeiten und gäste unterm publikum, die noch oder nicht mehr beim deutschen rolling stone arbeiten. auch sie schienen sichtlich zufrieden.

6.) i looked all over town ("i")
7.) old fools ("distortion")
8.) i don't believe you ("i")
9.) dreams anymore ("pieces of april")
10.) the little ukulele ("eban and charley")
11.) all dressed up in dreams ("wasp's nest")
12.) zombie boy ("distortion")
13.) papa was a rodeo ("69 love songs")
----
14.) take ecstasy with me ("holiday")
15.) courtesans ("distortion")
16.) crows ("the tragic treasury")
17.) too drunk to dream ("distortion")
18.) the book of love ("69 love songs")
19.) give me back my dreams ("hyacinths and thistles")
20.) drive on, driver ("distortion")
21.) what a fucking lovely day! ("showtunes")
22.) yeah! Oh, Yeah! ("69 love songs")
23.) it's only time ("i")
----
24.) three-way ("distortion")
25.) as you turn to go" ("hyacinths and thistles")
26.) grand canyon ("69 love songs")

The Magnetic Fields - The Nun's Littany (merritt with faith salie, acoustic)
The Magnetic Fields - My Little Ukelele (merritt with faith salie, acoustic)

Samstag, Juli 05, 2008

konzert: the magnetic fields, 04.07.08, teil 1

teil 1
spätestens als die ersten töne von "i don't believe you" in der mitte des ersten sets von the magnetic fields erklangen, war ich angekommen im zauber der ursprünglich aus boston stammenden band. die vertrautheit dieses songs vom album "i" wurde nachdrücklich durch das aufstellen aller verfügbaren nacken-, arm- und sonstwo- behaarung demonstriert. der blick verlor sich und in seligkeit zog ich mit den gedanken von dannen. rekapitulieren konnte ich noch, dass das konzert mit einem titel der band the 6ths begonnen hatte. auf dem album "hyacinths and histles" sang einst chris knox, denn stephin merritt, kreativer kopf, lenker und denker der magnetic fields, ließ bei diesem sideproject immer wieder andere künstler ans mikrofon. diesmal sang der mittlerweile ordentlich in die breite gegangene new yorker "when i'm out of town" selbst. wie auch den darauf folgenden song "no one will ever love you" vom album "69 love songs", merritts '99er großtat. ein schöner einstieg in das konzert waren die beiden titel auf jeden fall, jedoch steigerten sie die unruhe, wie das tolle "distortion" auf die bühne gebracht werden wird. angesichts einer ansammlung von instrumenten, die besser in ein kammermusikalisches spiel gepasst hätten, war das hirn in krause gelegt. keine geräte, die vortäuschten verzerrer zu sein. keine aufsätze auf cello, gitarre oder gar dem schwarzen, alten, ehrwürdigen piano. auch nicht an der bouzouki, die merritt während des gesamten auftritts nicht aus der hand geben sollte. doch: "california girls" strahlte. titel nummer drei war der erste von "distortion" und schnell wurde klar, dass dieses album in der gestalt präsentiert werden würde, wie es sich mancher hörer der platte schon zuvor gewünscht hätte - ohne "krawallwürze" bzw. "verzerrernebel".
die breite bühne in der münchner freiheizhalle, die mit ca. 200 gästen gut besucht war, teilten sich von links nach rechts: shirley simms, die mit vortrefflicher stimme gesegnet auch auf dem aktuellen album zu hören ist, daneben die langjährige weggefährtin merritts claudia gonson, die neben ihrem gesang auch pianoaktivitäten ins ensemblespiel einfügte. john woo, stiller bestreiter und könner an der gitarre bildete die unausgewogene und schweigende mitte gemeinsam mit sam davol, der das cello zupfte, strich und liebkoste. außen rechts agierte der meister höchstselbst. auf einem stuhl thronend, vor sich ein pult mit mikro und leselampe, durch die sein gesicht leider immer wieder verdeckt wurde, regierte der bandvorstand seine mannen (und frauen) mittels unsichtbarer fäden. wenngleich claudia die einsätze anzählte, die witze riss und dem publikum hyperaktiv unterhaltung bot, merritt war es, der goutierte, für nichtig erklärte, der absegnete und beifall einforderte.

die stimme brüchig, hin und wieder um haaresbreite an den passenden töne vorbei schrammend, sang stephin mit der innigkeit eines ehrlichen geschichtenerzählers, so wie er es mit the gothic archies u.a. auf "the tragic treasury" gekonnt zelebrierte. "walking my gargoyle" stammt von diesem album. titel nummer fünf führte geradewegs zu "the nun's litany", auf "distortion" ein ohrwurm unter vielen. herrlich wie shirley ohne größeren aufwand die gesangslinie hält und wohlwollen verströmt. das schwere schlagzeug, die aufreizende gitarre, das flirren und fiebern des albumtracks werden live aufgewogen durch simplifiziertes bouzoukispiel, eine agile gitarre mit bottleneckeinsatz, das filigrane cello und das eingetröpfelte piano. ein genuss.

The Magnetic Fields - California Girls

von nervigen nachbarn, einem spiel mit drei halbzeiten und kommenden und gehenden redakteuren handelt der zweite teil dieses berichts.

in fester hand (3): the organ

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her?in fester hand.weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst.in fester hand.in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute -christoph- aus köln:


The Organ - Grab That Gun
(Mint Records, 2004)
_
Im Herbst 2005 rief mich irgendwann mein in Paris lebender ältester Freund Oliver an, nur um mir eine Band zu empfehlen. "Hör dir The Organ an, das entspricht genau deinem Musikgeschmack!" Recht hatte er, oh ja! "Grab That Gun" mit dem unscheinbaren Cover erwischte mich sofort und dauerhaft. Schon die ersten Töne von "Brother" fesselten mich so sehr, wie selten Anfangstakte einer Platte. Liebe auf den ersten Bass...
Wie oft ich die Platte danach gehört habe, weiß ich gar nicht mehr, langweilig ist sie mir, wie es sich für eine Lieblingsplatte gehört, jedenfalls nie geworden. Platte ist allerdings anfangs falsch. 2005 war "Grab That Gun" nämlich noch nicht in Deutschland erschienen. Also mußte ich auf eine handfeste CD Version meines Lieblings noch eine Weile warten. Vorher gabe es nur eine iTunes Version. Auf meinem zweiten Organ Konzert 2006 im Londoner King's College kaufte ich dann schließlich das Vinyl, ohne zu ahnen, daß das Konzert einer der letzten (das dritt- oder viertletzte) Auftritte der Band sein sollte.
Was fasziniert mich so an "Grab That Gun"? Natürlich vor allem Katie Sketchs Stimme, ohne die die Organsche Melancholie weit weniger überzeugend klänge. Aber auch die zeitlosen Melodien, eine trauriger aber auch schöner als die andere. Und nicht von alten Männern aus Nordengland sondern einer jungen Frau aus Kanada geschrieben. "Grab That Gun" ist für mich jetzt schon ein Klassiker, der mich mein Leben lang begleiten wird. So aufregend hat das noch keine Platte geschafft. Weitere Gründe, warum gerade dieses Album das ist, das mich in festen Händen hält.

Freitag, Juli 04, 2008

mix it (2)

folk & die folgen


1. the weird weeds - red / 2. beau jennings - holy tulsa thunder / 3. marissa nadler - as i lay in death / 4. kemialliset ystävät - annika palvoo / 5. the wind whistles - gold fever / 6. fire on fire - hangman / 7. lau nau - lue kartalta / 8. cars can be blue - i used to think / 9. joe pug - hymn #101 / 10. the new frontiers - black lungs / 11. beatbeat whisper - little window / 12. matt bauer - sea lion woman / 13. young sinclairs - engineer man / 14. flight of the conchords - ladies of the world / 15. laura gibson - all the pretty horses / 16. kaisercartel - okay / 17. martha tilston - golden / 18. rock plaza central - my children, be joyful / 19. spires that in the sunset rise - java pop / 20. j. tillman - steel on steel / 21. castanets - savage / 22. scarnella - a new song / 23. samamidon - louis collins

neue töne (341): cains & abels

der name gibt einige rätsel auf, sie zu lösen, ist nicht mein begehr. die geschichte um kain und abel ist für alle eine last, die einen bruder haben, mit dem es nicht so bombastisch läuft. im plural ergibt sich daraus eine horrorvision: cains & abels.
hier soll es aber um musik geben, schweifen wir ab vom bandnamen und wenden uns der herkunft zu. chicago, klingt wesentlich erfreulicher. zur band gehören david sampson, joshua ippel, jonathan dawe und gott sei dank michelle vondiziano.
wer mit erfreulichen hooks und wenig zögerlichen lines, harmonies zum jauchzen dienen kann wie diese band, der sollte sich auch zukünftig keine gedanken über den eigenen namen machen müssen. das bild, das sich dem unwissende zunächst präsentiert, kann er schnell wieder ablegen, befremden weicht freude ob eines slacker-folkigen sounds, der geschichten zu erzählen weiß.
in 2006 wurde die "clean air: cloud science ep" gebastelt, die wesentlich mehr lofi- charakter trug, für 2009 ist ein album geplant. "call me up" soll es heißen und auf myspace gibt es bereits einige appetithappen.
schauen doch freundlich aus die kains und abels, gell?
cains & abels - H-Burg, Iceberg, Mayday (Live)
cains & abels - An Introduction (unmastered)
cains & abels - My New Bravado
cains & abels - As A Boy

Donnerstag, Juli 03, 2008

neue töne (340): golden animals

gemeinsam mit the dilettantes bilden sie den künstlerreigen, den happy parts recordings bisher spannen konnte. angesichts des neuen auswurfs kann man allerdings hoffnungen bestätigen, die darauf abzielen, neue künstler unter vertrag nehmen zu können. denn golden animals, die da wären: tommy eisner & linda beecroft, legen schon einen gewaltigen brocken vor die tür. der sollte auch anderen auffallen.
das ist schwerer rock'n roll, stampfender und zugleich träger natur und voller erweckung und anrüchig und schwül. das ist hippiesk, aber nie verdreht, das ist berauschend, aber nie psychopathisch.
begegnet sind sich tommy und linda in brooklyn. er spielt die gitarre, sie bedient die drums. in 2006 gelang ihnen die erste ep ("do the roar!"). die erfahrungen ihres stadtlebens begannen sie in 2007 in die arbeiten am debutalbum fließen zu lassen. während dieser zeit lasen sie eine anzeige im internet, in der jemand einen haussitter suchte. sie bekamen die stelle in salton sea. seit dem können sie so laut und so lange und wann immer sie wollten musik machen. etwas davon konnten sie auf das album "free your mind and win a pony" (ab 25.08. offiziell im handel) transportieren. ungezügeltheit, etwas wahnwitz, mut und freie liebe.
golden animals - try on me
golden animals - big red rose

zu gehör getragen (80)

johnny flynn - a larum (2008)
> melodienreichtum sparsam in szene gesetzt, aufreizend jung der bursche, aufreizend gut, 3,5-4/5

micah p. hinson and the red empire orchestra - s/t (2008)
> schwelgerischer, zuweilen sagenhaft intimer nachfolger zum ebenso geglückten '04er vorgänger, 3,5/5

wild beasts - limbo, panto (2008)
> galanter könnte der schrecken nicht schlittenfahren, ein himmelfahrtskommando sozusagen, 4/5

pia fraus - after summer (2008)
> dreampop aus tallin, der, würde man es nicht besser wissen, dort erfunden worden sein könnte, 3,5/5

Mittwoch, Juli 02, 2008

in fester hand (2): menomena

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her?
in fester hand.
weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst.in fester hand.
in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute CeciliaAnn aus köln:


Menomena – Friend And Foe
(Barsuk / City Slang 2007)
-
Lange Zeit sieht es danach aus, als würden wir niemals Freunde werden. Denn obwohl mir die Band aus Portland prinzipiell sympathisch ist, empfinde ich doch eine heimliche Freude, wenn ich in diversen Rezensionen Dinge wie "trotzdem ist diese Musik todlangweilig" (Spex), "Langatmiges und ostentative Schlaubergereien" (Spiegel Online) oder auch "wenn jede gespielte Sekunde eine neue einzubringende Idee bedeutet [...] dann ist das irgendwann zu viel des Guten" (plattentests.de) lese.
Wie aus vielen Vorbehalten dann doch noch die große Liebe wurde? Vielleicht, weil diese Musik zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war, und plötzlich als Soundtrack für erinnerungswürdige Momente diente. Vielleicht, weil sich Ausdauer in diesem Fall wirklich einmal ausgezahlt hat, und hartnäckiges Immer-Wieder-Hören dazu führte, dass mittlerweile jeder Ton so klingt, als wäre er perfekt platziert. Vielleicht, weil ich den Abend nie vergessen werde, an dem ich zum ersten Mal die Vinyl-Version dieses Albums in meinen Händen hielt, an dessen - immerhin für einen Grammy nominierten - Artwork ich mich bis heute stundenlang erfreuen kann.
Eines steht zumindest fest: so schnell wird uns nichts auseinander bringen.

neue töne (339): forest fire

dort, wo die gitarre lose scheppert, die rasseln fackeln, irgendwer auf irgendetwas hohl klopft, man den ausdruck einer flöte erahnen kann und jemand singsang anstimmt, dort sind forest fire zuhause. wes kind die geschichte ist, würden die altvorderen sagen, sieht man schon daran, wie diese lotterhaften leben, siehe coverfoto oben. abgebildet vermutlich darauf die zusammenkunft nach den aufnahmesession zu "survival". den titel gaben sie dem werk angeregt im nachhinein. oft nur fünf takes wurden gebraucht, um die titel in den rekorder zu hämmern. das klingt entspannt, relaxt allenthalben und dennoch so eloquent und von sich eingenommen, dass man dem spinnerten insgeheim grinsend folgen muss. aus brooklyn stammend, braucht man wenig über den tellerrand schauen, wenn man dauernd suppe essen darf. sollen doch die anderen darben. und wenn sie wirklich darben, holt man sie eben mit ins boot. mit dabei also sharon van etten und nathan delffs, der u.a. bei castanets und den shaky hands aktiv ist. dass mit catbird records (air waves, tap tap, hemstad, get him eat him usw.) auch noch eine passende company gefunden wurde, paßt ins konzept. auch die vorgänger ep, mittlerweile ausverkauft, konnte beim selben label/blog untergebracht werden. für wenig geld zu haben, kann man "survival" mit etwas zuschlag auch in einer giant-size cd- version erhalten. da hätte man aber sehr früh aufstehen müssen.
Forest Fire - I Make Windows
Forest Fire - Slow Motion
Forest Fire - Fortune Teller
Forest Fire - Psychic Love Star (2007)

Dienstag, Juli 01, 2008

glotzt nicht so romantisch (30): lexie mountain boys

bei den zuständigen plattenfirmen neigt man ja gern zu übertreibungen. erst recht, wenn es darum geht, ein frisches werk zu promoten. die betulichkeit, die bei carpark records herrscht, ist dagegen einnehmend, angenehm. das war schon so, als beach house "devotion" auf den weg brachten, ist gleichsam unaufgeregt, da die lexie mountain boys ihr album "sacred vacation" anpreisen. oder angepreist wissen wollen. nun, beide seiten werden genau wissen, worauf sie sich eingelassen haben. hier diejenigen, die nicht um jeden preis verkäufe anleiern wollen, dort eine band junger damen, die acapella singen und dabei keine extreme auslassen. lexie mountain, sam garner, amy waller, amy harmon und katherine hill sind echte rampensäue, wie sie im buche stehen. drei jahre lang waren sie auf sämtlichen brettern dieser welt zu sehen, um ihre performances an den mann und die frau zu bringen. dabei spielen einflüsse eine wesentliche rolle. ohne große mühe greift man im referenzreigen nach doo-wop, vaudeville, moderner popmusik, aber auch soul und experimentellem. und was auf der bühne passiert, ist weitaus bunter. nicht nur maskerade rahmt diese veranstaltungen, nein, "dancing, marching, spinning, running, jumping, laughing, tangling" sind wesentliche aspekte in einer für den zuhörer, zuschauer unvergesslichen show. carpark records schreiben: "Sacred Vacation" is a document of years of unique vocal practice and fierce sisterhood. No overdubs were used, nor were any added effects on the vocals used beyond the glorious natural reverb of the sanctuary."
the fader- interview, mit herrlichen einblicken.
kommentare zu den folgenden aufnahmen waren u.a., die lexie mountain boys seien besser als aerosmith und verwunderung darüber, dass sie mit beach house das label teilen:
Lexie Mountain Boys - Live at Current Canyon Fest, 10/6/07 (live)
Lexie Mountain Boys - Live at Load of Fun Studios, 10-14-07 (live)