Sonntag, Juli 06, 2008

konzert: the magnetic fields, 04.07.08, teil 2

teil 2
spulte man den bisher imaginär abgelaufenen film auf den anfang, fände man sich vor den toren einer relativ neuen location münchens wieder. die freiheizhalle verdankt ihren namen einer einrichtung, die zuvor anderen, gut nachvollziebaren zwecken zur verfügung stand. dem alten backsteingemäuer wurde ein geschmäcklerisches glaskästlein hinzugefügt, das als einlass, bar, ausschank und diskutiermeile genutzt wird. vor der halle befindet sich der junge fassbinderplatz, zu seinen füßen schwingt sich ein asphaltsee. zu ehren des regisseurs wurden in das gehärtete schwarz namen seiner filme, projekte und assoziationen gestanzt. eine idee.
eine ebenfalls gute idee ist, dass darren hanlon das vorprogramm bestreitet. der australier wird, nachdem die zuhörer wenig emsig ihre plätze (bestuhlt!) einnehmen und wir bequeme, mit fußfreiheit ausgestattete stühle in der zweiten reihe ergattern, vom veranstalter angesagt. angesagt, wie in alten zeiten, da man sich die mühe machte, dem auditorium zu huldigen. so auch hier und heute. dabei fällt der hinweis, dass the magnetic fields ein zweigeteiltes set mit jeweiles 45 minuten spielen werden, ihrer müdigkeit wegen und um dem publikum eine auszeit zu was auch immer zu gönnen. drei halbzeiten. die erste gehörte darren hanlon, der lediglich mit seiner gitarre bewaffnet eine halbe stunde lang ausgesprochen witzig, charmant und humorig unterhielt. anekdoten wirft er ab, feines, variantenreiches spiel belegt die brote, die darren via kleinen häppchen an die zuhörer reicht. er besingt robert mitchum und eli wallach, einen ebenfalls alternden schauspieler, aber er kann auch herrlich widersinnig über "couch surfing" dozieren und erntet dafür wohlverdienten applaus. und lacher. besonders von der jungen, reizenden dame hinter mir. laut, affektiert, spitz, unerträglich. immer. jedes mal, wenn es nur irgendetwas zu schmunzeln gibt, ist sie da. ich blende sie aus. eine kurze umbaupause folgt auf den kommunikativen burschen, dessen scheiben übrigens auf dem grandiosen candle records label vertrieben werden. merken, notieren, hinter die ohren schreiben.
eine kurze umbaupause folgt, dann streben the magnetic fields auf die bühne. das erste set begann wie beschrieben:
1.) when i'm out of town ("hyacinths and histles")
2.) no one will ever love you ("69 love songs")
3.) california girls ("distortion")
4.) walking my gargoyle ("the tragic treasury")
5.) the nun's litany ("distortion")
während "i looked all over town" ("i") ertönt, erhalte ich besuch. die zwei leeren plätze neben mir werden von einem pärchen besetzt. von da an war es um meine konzentration geschehen. der bursche neben mir stank nicht nur unbändig nach schweiß, bier und anderen ausdünstungen, von denen ich mir keine plastischen vorstellungen machen möchte, er war auch ungemein undiszipliniert. "old fools", ""i don't believe you" und ich musste zusätzlich die resonanzen meines nachbarn ertragen. "dreams anymore" (vom soundtrack "pieces of april") und der schmierige kollege begann sich die zähne mit zahnseide zu bearbeiten. neben mir agierten zwei dünne arme, hin und her, hin und her. zu diesem zeitpunkt hatte ich beschlossen, dass der bursche ein mensch mit eingeschränkter alltagskompetenz ist. "this little ukulele" spielte merritt solo ein, ein hübscher, kurzer song über die sehnsucht nach einem orchester, das ihm süsse geschichten erzählen kann, statt des kleinen instruments, das die wahrheit spricht. "eban and charley" heißt der film, zu dem merritt den soundtrack schrieb.
mein film hieß währenddessen: mein freund mit handicap. er cremte sich nun ein. es stank noch mehr, da sich die unangenehmen gerüche vermischten. "all dressed up in dreams", wiederum ein the 6ths song, dann das großartige "zombie boy" ("distortion"). mein nachbar trank bier, schoß kurzentschlossen mit großer geste ein foto. der blonde seitenscheitel fiel ihm ins gesicht. ich dankte, als mit dem herausragenden "papa was a rodeo" ("69 love songs") der vorhang für den ersten teil des konzerts fiel.
das zweite set blieben - gott sei dank - die plätze neben mir wieder unbesetzt. die dritte halbzeit begann mit dem klassiker "take ecstasy with me" vom "holiday" album. "courtesans" von "distortion" ergriff mich wieder unaufgefordert und schloss mich in den weiten reigen der großartigen musiker auf der bühne vor mir. eine zugabe mit drei stücken, u.a. dem opener vom aktuellen werk, da alle anwesenden "three-way" skandierten, beendete einen herrlichen konzertabend, der trotz störungen in angenehmer erinnerung bleiben wird. drei halbzeiten und gäste unterm publikum, die noch oder nicht mehr beim deutschen rolling stone arbeiten. auch sie schienen sichtlich zufrieden.

6.) i looked all over town ("i")
7.) old fools ("distortion")
8.) i don't believe you ("i")
9.) dreams anymore ("pieces of april")
10.) the little ukulele ("eban and charley")
11.) all dressed up in dreams ("wasp's nest")
12.) zombie boy ("distortion")
13.) papa was a rodeo ("69 love songs")
----
14.) take ecstasy with me ("holiday")
15.) courtesans ("distortion")
16.) crows ("the tragic treasury")
17.) too drunk to dream ("distortion")
18.) the book of love ("69 love songs")
19.) give me back my dreams ("hyacinths and thistles")
20.) drive on, driver ("distortion")
21.) what a fucking lovely day! ("showtunes")
22.) yeah! Oh, Yeah! ("69 love songs")
23.) it's only time ("i")
----
24.) three-way ("distortion")
25.) as you turn to go" ("hyacinths and thistles")
26.) grand canyon ("69 love songs")

The Magnetic Fields - The Nun's Littany (merritt with faith salie, acoustic)
The Magnetic Fields - My Little Ukelele (merritt with faith salie, acoustic)

Kommentare:

Oliver Peel hat gesagt…

Glänzende Arbeit, Eike! Diesmal mit kompletter Setliste und vielen Fotos, bravo!

Haha, köstlich die Geschichte mit Deinem miefenden Nachbarn! Schön, dass Du diese Story erzählst, das macht die Sache lebendig und gehört zu Konzertberichten auch unbedingt dazu!

Du hast mir auf jeden Fall etwas voraus, denn die Magnetic Fields fehlen mir noch in meiner Trophäensammlung.

E. hat gesagt…

ja, aber wie ich dich kenne, wirst du sie nicht verpassen, wenn sie in deine stadt kommen.

Oliver Peel hat gesagt…

Du kennst mich zugegebenermassen schon ziemlich gut :)

Oliver Peel hat gesagt…

Achso:

Könnten wir den Bericht bei uns veröffentlichen??

E. hat gesagt…

na, klaro!