Donnerstag, Oktober 14, 2010

ein (p)fund mp3 (303)

den sound mag ich einfach, der zweite release der truppe aus new orleans, hervorragender übergangssong vom sommer hinüber in den frühherbst:
generationals - trust
die ehefrau von chuck prophet und langjähriges bandmitglied von mission express steht nun im blickpunkt, dass sie selber frontfrau und zentrum eigener aktivitäten sein kann, beweist sie mit ihrem debut "cry tomorrow" mit songs aus eigener und aus der feder ein paar anderer prominenter, u.a. alejandro escovedo ("sensitive boys") oder inez and charlie ("count the days 1-2-3-4-5-6-7"):
stephanie finch and the company mentina goodbye
eine neue single gilt es zu bewundern, das album "climb the ladder, live the dream" wird ab dem 25. oktober digital zu haben sein:
eat more cake - underwater
schöner hinweis auch hier auf ein full length, "beeps" wird am 26. oktober auf hot money records erscheinen und das debutalbum dieses freundlichen fünfers aus halifax sein und damit nachfolger der "the world, le monde ep", elf songs orchestralen pops dürfen erwartet werden:
gamma gamma rays - roam
wieder mal ein blick ins nächste jahr, dort erwartet uns, genauer ab 11.01., das album dieser truppe aus minneapolis: "deadeye dealer" lässt dank nachfolgender single schon mal tief blicken, wie überhaupt hier jedes ding seinen wohlbedachten namen trägt:
dearling physique - discipline your hands
am 02. november erscheint die "mighty ep" (als selfrelease) als nachfolger erster singles und der "sun ep", das los angeles angehörige bandpaket sucht das heil im folkpop, merken:
lord huron - mighty (via pitchfork)
lord huron - the problem with your daughter
(via pitchfork)
am 22. oktober ist es so weit für das neue album "you already have a home" (auf tapete), eingeläutet zunächst durch diese frische single:
the late call - fribourg
für das wieder einmal wunderschön gestaltete album dieser band ist die zeit längst gekommen, western vinyl veröffentlichte "life of love" bereits vor einigen tagen:
callers - how you hold your arms
auf in the red erscheint am 09. november "nothing fits" des immer wieder lustig bemützten vierers aus detroit, den neo traditionalisten, den d.i.y.- isten, den debutanten:
tyvek - 4312
aus leeds stammt diese truppe, die für ihren psychedelischen post hardcore berühmt sein möchte, mit "darker later" wird immerhin schon das dritte studioalbum an die startrampe geführt, termin: 08. november auf brew:
humanfly - stew for the murder minded
ha, wird zwar nicht meine lieblingskapelle, hat aber das zeug zur spaßphorie, "fantastic explanations (and similiar situations)" kam kürzlich (05. oktober) auf in the red heraus, ramones lassen grüßen:
cheap time - i'd rather be alone
abschließend: eine tolle aktion von hazelwood: mardi gras.bb veröffentlicht in kürze eine unlimited edition ihres jüngsten albums. damit jene nicht in nachteil geraten, die das "reine "von humboldt picnic" kauften, erhalten sämtliche besitzer des original albums die um 5 neue songs (= 21 minuten mehr spielzeit) erweiterte "von humboldt picnic/editio terra incognita" gegen die reine erstattung der versandkosten zugeschickt. hammer, gell? über folgende seite wird diese aktion abgewickelt: hazelwood.de/terraincognita

scout niblett
08.11.2010 Hamburg, Kampnagel (mit Station 17)
18.11.2010 Zuerich (CH), Rote Fabrik
24.11.2010 Graz (AT), Forum Stadtpark
25.11.2010 Wien (AT), Blue Bird Festival
26.11.2010 Nuernberg, Radio Z Winterfest
27.11.2010 Krefeld, Werkhaus


nina nastasia
15.11.2010 Hamburg (DE), Molotow
16.11.2010 Berlin (DE), NBI
17.11.2010 Muenchen (DE), Vereinsheim
18.11.2010 Schorndorf (DE), Manufaktur
19.11.2010 Offenbach (DE), Hafen 2
20.11.2010 Osnabrueck (DE), Glanz & Gloria
23.11.2010 Duisburg (DE), Steinbruch
24.11.2010 Koeln (DE), King Georg
25.11.2010 Leipzig (DE), UT Connewitz

Mittwoch, Oktober 13, 2010

neue töne (866): prudence teacup

wer sich nach prudence teacup umsieht, wird auf einen komplexen charakter treffen. die junge dame, die im richtigen leben unter alfra martini firmiert, wird als kabarettsängerin beschrieben oder als songstress oder als chanteuse. der bezeichnungen vielfach kuliminiert doch das gesamte repertoire in einer person und hernach in ihr debutalbum "where all the little songs go when they die". es entstand innerhalb eines jahres und fand seinen ausgangspunkt im heimischen schlafzimmer zu brooklyn. dass es bei der erstellung der lieder erst einmal gar nicht um ein zu fertigendes album ging, bleibt eine randnotiz, aber erwähnenswert. weil der umstand aufzeigt, dass der drang zum lied ein individueller war und kein kommerzieller. so ist auch der titel des werkes zu verstehen, wonach fertige songs auf die festplatte verbannt wurden. und gäbe es nicht ein paar zugewandte freunde, die die hohe wertigkeit ihrer arbeit zu schätzen wussten, würde uns dieses album vielleicht vorenthalten bleiben. das wäre misslich!

mit ihrem debut, das auf all hands electric erschien, nähert sich alfra martini klassischen alben, die die idee eines songzyklus integrieren. kleine schnippsel, die zueinander stehen, ideen, denen zwar die volle reife fehlt, die aber, vor dem vergessen gerettet, bindeglieder sein müssen. zudem ist die klangliche ausarbeitung der songs eine freude. expressionismus, der sich in der primitiv gerupften gitarre wiederspiegelt oder im schichten von perkussiven elementen oder im ungeraden gesang. dramaturgie als bewusstes stilmittel bis hin zur pastoralen aufarbeitung. natürlich bleibt vieles lofi, angesichts der produktionsbedingungen kein wunder. dennoch beherrscht der charme das werk. ein charme, der zulässt, dass ein konstantes statisches summen jedem song unterlegt ist, weil die junge dame geradwegs ins das computer mikro singt. so dringen geräusche ans ohr des hörers, die an feldaufnahmen aus den 30igern erinneren. ein folk der jetztzeit mit der weisung ins letzte jahrtausend. als das hervorstechendste merkmal hat jedoch die stimme von prudence teacup zu gelten. sie scheut weder experimente noch den einklang, sie trifft den blues wie den jazz, lässt an kate bush erinnern ebenso wie an jule neigel und hat doch eine eigene ästhetische note. dafür spricht auch ihr debut, das es als auf 250 stück limitiertes vinyl gibt. die cd fassung ist lediglich auf cdr gepresst.
prudence teacup - in thar jar7 (from: "where all the little songs go when they die", 2010)
prudence teacup - little lamb (from: "where all the little songs go when they die", 2010)
prudence teacup - the devil's lullaby (from: "two lullabies", 2007)

Dienstag, Oktober 12, 2010

neue töne (865): out like lambs

eine singende säge in schieflage, wie sonst, ein zahmes saitenensemble, einige verquere bläser, ein an- und abschwellen, gesang, der das aufspiel spiegelt. einnisten von texturen, benetzen mit synkopen, stilisierte unruhe. der beginn des neuen, zudem wirklich ersten ausgewachsenen out like lambs album hat es wahrlich in sich. ein zwischenzeitlich instrumentales keckern, fast lachen, dräuen, ungesiebtes miteinander, das sich im harmoniegesang wiederfindet. der opener "bred to bug" ist ein stolzes gebinde, das keine leeren versprechungen macht. da kann die vielköpfige truppe aus new jersey ganz locker mit der glasgower free folk szene mithalten. das ineinanderschieben verschrobener klangmuster, einfärbungen der besonderen art, springende böcke vor kahler winterlandschaft. die unmittelbarkeit eines späten sonneneinfalls. das giftige des durchbrechens aller freuden mittels gefahren züngelnder verderbtheit. dichtheit ausstrahlend, die feurig brennt wie der abklingende brand im sommer auf jungfräulich beschienener haut. und doch: umschwung von experimenteller ausrichtung in eine wüstenei aus shuffle, groove und trompetenklängen, die tanz und spiel und freude aus verständigem miteinander prophezeit. im november des letzten jahres hatte ich bereits über out like lambs berichtet.

damals gab es die "bygones ep" zu bewundern. mittlerweile hat sich die band um ihre visionäre kakophonie herum ein kleines denkmal geschaffen. mit "not so winter waltz" schrieben sie sich ein manifest des großlaunigen, übergeschnappten, des freien gestus im jazz, der ungelenken geste im folk. es ist das seit langem erste wieder voller überraschungen steckende werk, das mich in gänze und vollends gefangennimmt. bei aller verliebtheit gegenüber der freien fahrt sucht das auf über zwanzig personen angeschwollene ensemble die melodische bindung. das klingt so unfassbar wie jegliche beschreibung dieser musik auf verlorenem posten stehen muss. die vielgestalt in form von narrativen strukturen, die sich minutenweit erstrecken, von bedürftigkeiten, die sich am chaos reiben, von instrumenteller unbeständigkeit bis hin zu gesanglicher kolorierung erweckt beim hörer ein dauerhaftes aufmerksamkeitssyndrom. während hier mäandernder wahnsinn gen hymne strebt, erstirbt dort der zwielichtige reigen im stilisierten noisegewitter. knapp über eine stunde ist das album lang, kaum ein track, der nicht die sechs minuten grenze überwindet. vom fast schon simplifizierenden opener, sieht man ihm im kontext des album, über das stringbewehrte "downstream" und das freejazz verheizte "dead embers", das nachechot und so geerdet zurückgeworfen wird (ich kann dieser formulierung kaum folgen, aber es ist wahr) bis hin zum "showdown" betitelten warmherzer oder dem versöhnlichen "two speeds" am ende dieses unwahrscheinlichen werks, es ist eine irrfahrt, die ohne ende scheint. all die verpassten stationen, all die blinden passagiere. lasst mir noch ein wenig zeit und ich erhebe "not so winter waltz" (gerade frisch erschienen) in meinen persönlichen olymp. echt. ehrlich. ach, wendet Euch an die menschen selbst, um das album zu erwerben, via myspace.
out like lambs - bygones (2009)
<a href="http://outlikelambs.bandcamp.com/track/bred-to-bug">bred to bug by Out Like Lambs</a>

Montag, Oktober 11, 2010

zu gehör getragen (126)

the black twig pickers - ironto special (2010)
> bluegrass mit country zierart, in enormem tempo, aus vollem halse und mit einer spielfreude die nur durch den vielfarbigen instrumenteneinsatz gekontert wird, 3,5/5

crayonettes – playing out (songs for children and robots) (2010)
> beinhaltet, was auf die hülle geschrieben stand, ein ernsthafter reigen bunter kinderlieder, die erfolgreich in die moderne gehievt wurden, 3,5/5

beach fossils – s/t (2010)
> das konnten die neunziger indieperlen ala the schramms längst, zwischen schlurf und der größtmöglichen emphase, zu der adoleszente in der lage sind, 2,5-3/5

les shelleys – s/t (2010)
> erstklassige auswahl bei respektvollem wie bejahendem umgang mit dem zum teil angegrauten covermaterial, authenzität + originalität, 3,5-4/5

neue töne (864): les shelleys

zurückversetzt. in zeitlosigkeit getaucht. als musik einen stellenwert einnahm, die heute vielleicht dem fernsehen zukommt. bestimmt dem transport von information und emotion. an der sich die persönliche imagination reiben kann. musik, der noch nicht die beiläufigkeit anheim kam, die mittelpunkt war, zentriert, weil sie andere reize setzen konnte als es die arbeit, der familiäre kreis, der stille abendwind, die zeitung leisten konnten. musik die fußangeln wirft, über jahrzehnte hinweg. mit den les shelleys wollen wir ein duo betrachten, das aus dem schatten seiner protagonisten selbst treten möchte. denn vor allem im fall von tom brosseau ist der musikalische ansatz ein gänzlich anderer als jener, den er auf solopfaden verfolgt. neben ihm agiert in dieser vokalen gemeinschaft angela correa, die man unter der indiepop note und eher als singer/songwriterin correatown zu finden weiß. gemeinsam nahmen sie nun ein erstes album auf und konzentrierten sich dabei auf amerikanischen standard sowie folk traditionals, ausgewählt aus den unterschiedlichsten dekaden des letzten jahrhunderts. die offenbare zaghaftigkeit, vorsicht im umgang mit dem material schlägt sich nieder in kargen arrangements, in der fokussierung auf den zwiegesang. ca. 2002 begann tom, unterstützt durch den kalifornischen songwriter und filmemacher gregory page, mit der auseinandersetzung mit musikalischem material von u.a. leadbelly, woody guthrie, sister tharbe und erkundete gleichzeitig das harmonische miteinander einzelner songs und wie es am besten zu leisten sei, mit ihrer hilfe einen pfad durch die dekaden anzulegen. der umgang der beiden großartigen musiker ist nicht nur von ehrfurcht durchleuchtet, sondern vor allem auch von einer eigenen note, die sie in der lage sind jedem lied zu verleihen. keine floskel. von guy lombardo über dylan bis zu peter derose wird ein jeder mit bedacht und einem wachen bewußtsein behandelt. die aufnahmen, lediglich mit einem kleinen recorder in der heimischen küche fabriziert, tun dabei ihr übriges. kargheit ist hier gleich zugewandtheit. "les shelleys" erschien in den staaten und in kanada bereits ende august, bei uns ist die veröffentlichung (via fatcat) erst für den 08. november angesetzt. vormerken!
les shelleysthe late john garfield blues

so, ich habe mal zusammengetragen, welche lieder hier gecovert wurden, es gab bis dato tatsächlich keine aufführung derselben, hoffe, es ist alles korrekt, ansonsten erbitte ich anmerkungen:
1.) "the world is waiting for the sunrise" (lyrics by gene lockhart, music ernest seitz, first published by chappell in 1919)
2.) "the late john garfield blues" (by john prine)
3.) "green door" (music by bob davie, lyrics by marvin moore, 1956)
4.) "cocktails for two" (written by arthur johnston and sam coslow, 1934)
5.) "the band played on" (lyrics by john f. palmer, music by charles b. ward, written in 1895)
6.) "rum and coca-cola" (composed by lord invader and lionel belasco, 1943)
7.) "billy" (words and music bob dylan, 1973)
8.) "the lonesome death of hattie carroll" (written by bob dylan, 1963)
9.) "oh babe, it ain't no lie" (lyrics and music by elizabeth cotten)
10.) "pastures of plenty" (a composition by woody guthrie, 1941)
11.) "deep purple" (written by peter derose, lyrics mitchell parish,1938)
12.) "wheel of fortune" (written by bennie benjamin and george david weiss, 1951)


Sonntag, Oktober 10, 2010

eingestreut (175): oh! custer

die kleine 7" vinyl serie, die cloudberry records am start hat, erhält im november zuwachs von den schweden oh! custer. josef und esbjörn, die beiden protagonisten dieses projekts, nahmen drei tracks für die simpel mit "oh! custer" überschriebene veröffentlichung auf. wer auf twee angehauchten elegantpop mit schwelgerischer note und etwas betonung auf melancholie steht, findet sich hier schnell zurecht. die beiden sind seit ca. 2005 beieinander und fanden trotz unterschiedlicher schwedischer herkunft eine gemeinsame sprache. die kulminierte bereits in einigen tonträger, u.a. die "states" betitelte long ep auf series two records, von der ich Euch zusätzlich zwei tracks abbilde, damit Ihr mehr vom vergnügen oh! custer haben möget. wer zudem kaufen möchte, sollte sich beeilen. in diesem teil des business wird zumeist streng limitiert.
oh! custer - forget it (2010)
oh! custer - states (2007)
oh! custer - keep it coming (2007)

neue töne (863): adam haworth stephens

photo by april votolato

mensch, da hat sich two gallants mann adam haworth stephens aber einiges vorgenommen. schon der anfang von "second mind" zielt auf das harmoniemonster. die einleitende elektrische schlufft die melodieline in die mitte, die glitschige spur ließe selbst das garstigste vieh ins schwanken kommen. aber he, keine panik, dem kitsch wird nicht nur das leicht angequietschte, prägnante und dennoch zugewandte gesangsorgan vorangestellt, sondern eine sehr ausgewogene instrumentelle begleitung. das klingt vielfach oldschool, verleiht den persönlichen songs stephens aber einen standhaften charakter. schon mit dem zweiten appetithappen aus dem am 28. september auf saddle creek erschienenen "we live on cliffs" beweist der kühle bursche humor, das hübbelnde stück "the cities that you've burned" geht unter die fußsohlen. wer stephens dann auch noch live zu hören resp. sehen bekommt, dem wird die ihm zugeschriebene nähe zu alten helden wie dylan, young und co. nicht allzu verwegen erscheinen. innigkeit und ein ansinnen, variantenreichtum und arrangements, die jederzeit auf der höhe sind. da muss man aber flott auch von der ihm zugeteilten unterstützung sprechen. nicht nur, dass grammy award produzent joe chiccarelli seine finger im spiel hatte, nein, auch solche größen wie bo koster von my morning jacket, joey waronker, andy cabic von vetiver, cody votolato (blood brothers, jaguar love) und viele mehr haben beiträge geleistet. eine runde sache, wie ich meine. daytrotter session hier.
adam haworth stephens - second mind
adam haworth stephens - going to germany (live)
adam haworth stephens - your weight (live)

Samstag, Oktober 09, 2010

neue töne (862): the duke & the king

"one of best bands in america", so titelte jüngst die uncut, dürfte ruhig etwas präsenter sein! ohne den hinweis von b. wäre mir das aktuelle album von the duke and the king glatt durch die lappen gegangen. man kann nur einen gewissen teil der absonderungen des musikbusiness im auge behalten. und selbst in diesem segment verliert man allzu schnell den überblick. mit ihrem debut "nothing gold can stay" hatte die truppe um den felice brother simone bereits für furore gesorgt. ein album, dem man grower status nachsagen musste, dessen eingängigkeit ohrwurmqualität trug, das so sanft und zärtlich melodien schuf, wie es einem simone felice nur möglich sein kann. denn angegangen ist sein organ nun mal. aber inmitten des newfolk aus tradition und einer gemengelage etlicher musikstile wie blues und soul und country entweicht der herzwärmende gesang, die schwelenden harmonien. dickichtfrei, offen, also freien geistes, und schließlich doch popdurchflutet. nun ist der oktober ins land gezogen und mit ihm "long live the duke & the king", mit dem eine neue runde in der geschichte der band eingeleitet wird, denn das bis dahin als duo agierende unternehmen aus eben jenem simone felice und seinem sidepart bobbie bird burke wurde endgültig um nowell "the deacon" haskins und simi stone aufgestockt. in dieser kombination kann man sie dieser tage auch auf herbsttour erwarten (im november für zwei termine bei uns) und mit einem album, das zwar den charmanten harmonien treu bleibt, aber deutlich dicker aufträgt als der vorgänger. wenn es nach dem vorstand geht, hat man es mit "californian canyon folk pop" zu tun. aufgenommen in den wäldern von bearsville, new york (der band steht dafür ein eigenes studio zu verfügung) und mit der unterstützung eines gewissen bob ludwig (led zeppelin, springsteen, hendrix, the band...). vintage soul finde ich eine weitere passende beschreibung für den groovigen anschnitt, die gesangliche emphase, das gurrende, gierige moment. als hielten die triebe einkehr. und kurz inne. der soul, dem gospel zugewandt, trägt das album. simone felice tritt zuweilen in den hintergrund. das ist das eigentliche manko. der schmelz zu dick, der alte felice brother manchmal zu dünne. die reinheit und die konsequenz in der umsetzung sind allerdings hoch anzurechnen. hier wird nicht nur die halbe miete eingefahren, sondern ausgiebigst geschmachtet und angerufen. ich bin noch nicht am ende mit "long live the duke & the king" und teile mit Euch die referenz crosby, stills, nash & young, eine assoziation, die mir immer wieder kam dank harmoniegesang und einiger ausgezeichneter gitarrenparts. das album erschien am 08. oktober via loose /silva oak.
the duke and the king - shine on you (from: "long live the duke & the king", 2010)
the duke and the king - if you ever get famous (from: "nothing gold can stay", 2009)



02.11. köln, blue shell
03.11. berlin, frannz
06.11. paris nouveau casino

Freitag, Oktober 08, 2010

glotzt nicht so romantisch (123): ruby for lucy

für sentimentalen kram bin ich zu haben. für helle frauenstimmen auch. wenn so eine verliebte, träumerische notation die wolken aufreisst, gibts kaum ein halten. die zwei damen aus sydney, die ende august ihr kleines, neun track umfassendes debutalbum herausbrachten, treffen genau den punkt. zwischen erwachsensein und juveniler unfassbarkeit changierend, melodien hervorbringend, die sich wie gute freunde anlehnen, bekannt zu sein scheinen und doch neue bewegungen bewirken. alles ist sehr rein und für die ewigkeit geschaffen. meist schreck ich genau davor zurück. doch bei ruby for lucy nicht. julie stenton und kat borghetti gelingt ein perfektes zueinanderstellen ihrer gitarren, genauso wie sie im harmoniegesang vereinigung erzielen. es ist vielleicht folkpop zu nennen, was die beiden mädels da hervorbringen, aber eine ecke kunstlied ist nicht zu vernachlässigen, wie sie zu umschleichen ist, wenn man die harmonie zu verlieren scheint. "catching bream" erschien auf half a cow records. leider gibt es kaum verwertbares material der seit ca. 2007 zusammen spielenden damen, aber einige videos liessen sich auftreiben. die qualität ist allerdings nicht der hammer. zum reinhören sollte man dann doch eher myspace nutzen.



ein (p)fund mp3 (302)

leider ohne vertrag, dabei könnte ihr folk versponnenes "hiding places", das mitte januar neuerlich erscheinen soll, gerade etwas zünder gebrauchen, ein sehr sympathischer vierer:
seafarer - noise floor
seafarer - the archipelago
"touch from the sky" heißt die ep, die ab 16. november via morr music gehandelt wird und sie ist damit neuer output des ben cooper, den man auch als electric president mitglied kennt:
radical face - doorways
die 7" der vivian girls heroin katy goodman und ihrer neuen truppe "never come around" wird uns ab 16. november erreichen können, via hardly art bitte sehr:
la sera - never come around
die fifties, die sixties, rock 'n' aufgerollt von zwei herren, die im business ein festes zuhause haben, die tourdaten siehe unten:
dirk darmstaedter & bernd begemann - bei der firma rock'n'roll
"western hospitality" ist noch gar nicht so lange her, oder?, jedenfalls gibt es eine neue single zu bewundern, ab 23. november auf labrador, wir hören uns diesen aufregenden mix vorab schon mal an:
club 8 - closer now
ein superbes fünf track werk, ebenfalls auf labrador, möchte ich Euch zudem noch ans herz legen, neben den wunderbaren popmelodien kommt hier auch die liebe zum dub zur geltung, hevorragend, ab 23. november auf 12" vinyl:
the radio dept. - never follow suit
martin kennedy, mark wendt und kaz sieger sind die australischen protagonisten des heutigen bad panda records auswurfs, filmmusikalisches gewerk, fast schon sinfonisch, wie immer unter CC License: BY-NC-SA 3.0:
all india radio - lucky
frisch über den tisch gegangen ist sein debutalbum "yeth, yeth, yeth", verantwortlich für den release des thee more shallows und ral partha vogelbacher mitglieds zeichnete monotreme records, das album erschien am 27. september, sehr feine pophooks:
fops - solid copper huntress
diese fünf briten schaffen sich seit ca. einem jahr gemeinsam, nun haben sie bereits einen deal mit fat possum im sack, das debut soll im frühen 2011 erscheinen, die ersten 7" anfang november:
yuck - georgia
yuck - rubber
sie geben frei: eine digitale single zum non album track "hopscotch" (ab 26.10. auf rough trade) und laden zum probehören ein:
i might be wrong - salomon
johanna und klara von first aid kit nahmen sich fever rays "when i grow up" vor:


zudem gilt es ein neues video zu bewundern:


munch munch
29.11.2010 Hamburg (DE), Astrastube
30.11.2010 Berlin (DE), Marie Antoinette
07.12.2010 Nuernberg (DE), K4
09.12.2010 Paris (FR), La Fleche D’or
10.12.2010 Koeln (DE), Tsunami


screaming females

03.11.2010 Paris (FR), Divan du Monde
13.11.2010 Freiburg (DE), The Great Räng Teng Teng
14.11.2010 Berlin (DE), Bang Bang Club
16.11.2010 Muenchen (DE), Kafe Kult
17.11.2010 Koeln (DE), Sonic Ballroom
18.11.2010 Hamburg (DE), Astrastube


dirk darmstaedter & bernd begemann
13.10.10 Berlin – Frannz
14.10.10 Jena – Rosenkeller
15.10.10 Frankfurt – Das Bett
16.10.10 Saarburg - Stadthalle
17.10.10 Stuttgart – Merlin
18.10.10 München – Feierwerk
19.10.10 Miltenberg - Beavers
20.10.10 Köln - Tsunami
21.10.10 Osnabrück - Kleine Freiheit
22.10.10 Göttingen – Nörgelbuff
23.10.10 Hamburg – Knust
17.11.10 Magdeburg - Feuerwache

Donnerstag, Oktober 07, 2010

glotzt nicht so romantisch (122): coma cinema

hinter coma cinema steckt mat cothran, ein typ aus south carolina, der sich zuletzt sehr großzügig zeigte. nicht nur, dass er seinen output immer wieder zum freien download darreichte, nein auch in seinen videos ist er unwiderstehlich offen, einfallsreich und prägnant. sein neues werk wird "blue suicide" heißen", einen erscheinungstermin gibt es noch nicht. aber erste tracks kursieren wild, siehe unten. lofi trifft auf einfallsreichtum, sahnige melodien und den unterwassercharme der tiefen, blauen see. wonder beard tapes veröffentlichen dann auf tape, fork and spoon auf vinyl. und hier könnt Ihr die vorgänger herunterladen, so es Euch gefällt: "baby prayers" aus 2009 sowie "stoned alone" aus dem juni dieses jahres. "blue suicide" wird sich nach veröffentlichung auch dort digital finden lassen.
coma cinema - business as usual
coma cinema - desolation's plan
(zwei weitere tracks aus dem neuen album gibt es hier.)





Mittwoch, Oktober 06, 2010

in eigener sache (51): blog in frage I

darüber, wie man sich den normalen blogleser vorzustellen hat, gibt es verschiedene meinungen. einige behaupten ja, dass man sich nur gegenseitig lesen würde, andere meinen, es gäbe schon eine breite masse an interessierten, aber selbst nur wenig aktiven neugierigen.
wie aufgeklärt, egal nun, von welcher seite aus man es betrachtet, wie aufgeklärt der jeweilige blogleser in bezug auf das von ihm genutzte medium ist, erscheint mir die zusätzlich spannendere frage zu sein.

macht er sich gedanken zum thema blog, den dahinter steckenden menschen oder nutzt er nur ganz profan die angebotenen inhalte? hier wie anderenorts offeriert sich meiner ansicht häufiger unwissen gepaart mit doch latenter neugier, mehr über das medium blog zu erfahren. weniger über das erstellen und betreiben, als über die jeweils immanenten konstrukte, die systemischen bedingungen und abhängigkeiten, vielleicht auch die individuellen ambitionen.

in loser folge möchte ich deshalb an dieser stelle über meine erfahrungen mit dem betreiben eines musikblogs berichten. diese notizen sollen vor allem jenen dienen, die einen einblick wünschen in die metaebene unseres tagtäglichen tuns. kommentare, ergänzende sichtweisen und natürlich auch die meinungen von kollegen sind sehr willkommen.
im ersten entwurf, dem auch die idee zu dieser reihe zugrunde liegt, möchte ich das thema "promotion" aufgreifen bzw. anreissen. denn darüber hinaus wird es kaum gehen können. zu komplex gestalten sich die beziehungen, zu kontrovers ist die diskussion um abhängigkeiten und die persönliche beeinflussung des jeweils beteiligten blogs bzw. blogbetreibers. doch ist nicht gerade der nutzer, der blogleser, an transparenz interessiert? hat er nicht in gewisser weise auch ein anrecht auf fairness? ein recht auf beurteilbarkeit des getroffenen urteils?

die eigenen erfahrungen, aber auch begleitend jene von bekannten und zusätzlich die beobachtung der szene ergaben immer wieder ein ähnliches szenario: ein musikblogger schreibt und schreibt und schreibt. er etabliert sich, erscheint im blogroll der kollegen, findet echo und wiederhall, hat sich die möglichkeit erarbeitet, in suchmaschinen gefunden zu werden.
schöpfte er bisher aus eigenem fundus bzw. den ergebnissen erfolgreicher recherche, klopfen plötzlich und unvermittelt helfer ans tor (
sehen wir davon ab, dass sich vielfach blogger auch selbst auf den weg machen und an die pforten jener rührigen unternehmen donnern, die ihr geld mit musik verdienen; daran ist nichts ehrenrühriges, es ist nur ein anderer weg). das können promoagenturen sein, labels, bookingfirmen, was auch immer der markt an fleißigen bienchen zu bieten hat.

nun hat der unermüdliche postersteller neue quellen. sie übersprudeln ihn unaufhörlich mit anliegen. denn nichts anderes verbirgt sich hinter der kooperation. anliegen. die flut an promoscheibchen und vor allem emails begründet sich einzig und allein in der nutzung von blogs als multiplikatoren (denn als meinungsmacher, als ernst zu nehmende autoren im sinne einer referenz taugen sie (noch) lange nicht, von vereinzelten beispielen selbstvertändlich abgesehen). so wackeln quietschend die angeln der postkastenschließen sowohl jener virtuellen als auch der hausbriefkästen unter der eingehenden last mit aufforderungen tourdaten zu präsentieren, neue musik zu "entdecken" (inkls. links zum download ganzer alben, einzelner tracks sowie pressematerial) und der somit unausgesprochenen anweisung, sich ausgleichend in den dienst der be-werber zu stellen.

eine zwickmühle. schreiben über das, was man gut findet. schreiben über jenes, was man gut finden sollte. schreiben über musik, die einem zuwider ist. denn klar ist bei alledem, die promoagenturen decken einen nicht nur mit dem angesagtesten scheiß ein. da sind sachen darunter, die einem weitgehend am allerwertesten vorbei gehen. ignorieren? ok. geht eine zeitlang. sicher. doch geduld ist eine erfindung der götter und die haben, wie hinlänglich bekannt ist, keinen bezug zur realität.

nun gibt es unter den agenturen diese und jene. die unterscheidungen sind immens und richten sich nicht allein danach, wie groß oder klein die unternehmen sind. es ist wie anderenorts auch, die menschen machen es. und die jeweilig präferierte politik. wird man von jenem unternehmen großzügig bestückt, erfährt umgehend zusatzinformationen und ergänzungen in sachen "hier-den-musst-du-auf-jeden-fall-noch-kennenlernen" oder "habe-ich-dich-schon-mit-...-bekannt-gemacht" (es sind tatsächlich musikinteressierte darunter), so dass nebenher auch noch die netzwerke wachsen, so spart man bei anderen und hofft auf die simple funktion der infoübertragung. sie versenden lediglich emails und hoffen im stillen, dass der inhalt zugang auf den vielen, vielen blogs dieses landes erhält. die leserschaft wird zur bombadierten dumpfnudel, die irgendwann auf den trichter zu kommen hat, das beschworene album zu kaufen, der blog verkommt zum bloßen mittler.

da heißt es, identität bewahren. jeden tag aufs neue. die dauerwerbung im tv hat einfluss auf uns. was bewirkt das bombardement der musikindustrie?

das business erstickt jedoch nicht alles. nicht alles, was an integrität, an loyalität und ehrenhaftigkeit in den menschen schlummert. nachdem viele firmen darauf umgestellt haben, nur noch mittels downloadlinks zu bemustern, den promotern sozusagen sacht die köpfe abzuschnippeln, schmiss einer der mir gesonnensten hin. ausdruck einer pein, die sich anlehnt an einer akzeptierten form von niedertracht, ausdruck findend in der geste des dauerhoffierens, der abscheulichsten form von lüge, honig ums maul schmieren und im druck, der umgekehrt proportional zum schmalzigen lächeln einer längst zum niedergang beschworenen industrie stärker wird.

auch auf die blogger. die hobbyisten gehen plötzlich kalkulierte beziehungen ein. funktionieren sie?

wie stellt sich dies für den leser dar? im schlimmsten fall liest er abgeschriebene pressetexte. was erwartet er dagegen? ein individuelles urteil. immer wieder neu auf dem weg dorthin.

neue töne (861): b.a. johnston

wenn einer seine alben "call me when old and fat is the new young and sexy" oder "my heart is a blinking nintendo" nennt, dann lässt das nicht nur tief blicken, sondern lässt vielmehr auf eine prise humor hoffen. der geht nämlich so manchem fahrensmann ab. da ist das leiden thematisch breit genug angelegt, um nebenflächen nur unzureichend beackern zu können. nun will ich das aber nicht zu sehr beklagen, da ich auch solcherart musik hochleben lassen kann. beizeiten. für heute aber gilt es, b.a. johnston zu beehren, einen wilden typen aus hamilton in ontario. von sich behauptet er, dass er die hütte nur verlässt, wenn er konzerte gibt, seiner arbeit als "fry cook" nachgeht oder um seine mutter zu friseurterminen zu begleiten. ansonsten schreibt und spielt er seine lieder, die er verfasst über "deep frying, pirates, poutine and love". er nutzt dazu verschiedene abgegriffene keyboards und seine gitarre. dass er einige sehr coole dancemoves drauf hat, verrät er ohne rot zu werden. in den vergangenen jahren brachte er es auf drei full lengths sowie unendlich viel zeit auf der straße, unterwegs zu auftrittsorten. die bühnen betrat er dabei mit so namenhaften wie den constantines, the guthries, cuff the duke oder joel pluskett. selbstredend, dass einige fette festivals ebenfalls in seiner vita zu finden sind. zu seinen hoffnungen zählt johnston, eines tages reich und berühmt zu sein, um sich einen "deep fryer" in die wohnung stellen zu können, "and finally dance with a girl when "stairway to heaven" is the last song of the night." der hochsympathische kanadier hat kultstatus in seiner heimat, das sieht man u.a. daran, wie viele leute ihn auch heuer sehen wollen, da er sich auf reisen macht, um sein neues album zu promoten. das steht seit ende des sommers zum kauf bereit. "thank you for being a friend" erschien auf just friends records und sucht anlehnung zu willie nelsons "red headed stranger" oder jerry reeds "nashville underground". dabei lernte man johnston eher als eine krude mischung aus einem ungerateten jonathan richman und einem situierten daniel johnston kennen. mehr noch drängt sich die assoziation zu karl blau auf, aber das begründet sich wohl eher durch äußere attribute. der feiste knabe hat immer ein lächeln auf den lippen und jede menge spaß obendrein. lasst Euch einnehmen von lofi, rock 'n' roll und einer idee, wie das alles zusammengehören könnte. und vor Eurem geistigen auge lasst ihr diesen kerl über die highways rasen, im von mama geborgten minivan.
b.a. johnston - taste the shame (from: "thank you for being a friend", 2010)
b.a. johnston - pita pit girls (from: "bury me at make out creek")
b.a. johnston - rockness monster (from: "love letters to the girls in my high school art class")
b.a. johnston - humpty dumpty (from: "in situation bad")

Dienstag, Oktober 05, 2010

glotzt nicht so romantisch (121): triumph of lethargy skinned alive to death

meine truppe der stunde stammt aus seattle, setzt sich zusammen aus spencer moody, corey j brewer, andrea zollo und joel cuplin und gemeinsam setzen sie auf die plattenfirma don't stop believin'. wer namensmäßig hallo- wach- effekte hatte, dem sei getrost in erinnerung gerufen, dass moody natürlich the murder city devils frontmann ist und andrea zollo das weibliche pendant bei pretty girls make graves. bei dieser truppe hier, deren ungewöhnlicher name - triumph of lethargy skinned alive to death - f. scott fitzgerald inspiriert ist, handelt es sich im weitesten sinne wohl um postromantik. abhängemuster neben rockistischem trotz. Ihr werdet sehen. ein neues album ist im rohr, "some of us are in this together", aufgenommen unter mithilfe von dan pirone. es erscheint am 18. januar auf besagtem label. bis dahin:





eingestreut (174): josephine foster

ich müsste mich größtmöglich irren, wenn ich das neue album von josephine foster nicht schon irgendwo mit einem wörtchen erwähnt hätte. am heutigen 04. oktober jedenfalls erscheint "anda jaleo" via fire records und wird samt ausgiebiger europatour eingeläutet. mit an bord hat die schöne songwriterin dann die the victor herrero band bestehend aus eben jenem victor herrero (er spielte auch wesentliche leadguitar parts auf fosters letztem solowerk "this coming gladness"), dazu jose luis herrero und jose luis rico. ein namenentwurf wie er schöner nicht sein könnte. nun, "anda jaleo" lehnt sich an frederico garcia lorcas volksliedsammlung "las canciones populares espanolas" an, die unter der franco diktatur verboten war und dennoch bis heute überlebt hat, weil sie im spanischen unterbewusstsein tief verankert ist. foster und co. haben nun mit deutlichen verweisen auf lorca und aufnahmen dieser songs aus den frühen dreißiger jahren die musik neu belebt. während man im andalusischen granada im südlichen spanien ein temporäres zuhause fand, fand man zugleich auch zugang zur poetisch reichen liedersammlung. wie sich leicht nachhören lässt. fosters glockenhelles organ wirkt zur spanischen folklore in etwa wie das rauschen zum vierziger jahre schwarz/weiß film. man fühlt sich zurückgeworfen. in eine andere zeit, eine andere welt. während die kastagnetten rasseln, befördern die dem genre typischen gitarren das tempo und zeichnen hingabe und ernsthaftigkeit. man muss foster attestieren, dass es ihr auch hier gelingt, zugang zu finden in eine musikalische sozialisation außerhalb der ihrigen, anbindung und koppelung an eine szene, die so speziell ist, dass sie gefahr läuft, nicht erkannt oder in ausreichendem maße respektiert zu sein. doch diese gefahr besteht bei josephine foster nicht, die solcherart projekte, man bedenke nur die vertonung von emily dickinson gedichten ("graphic as a star") oder das einsingen deutschen kunstliedes ("a wolf in sheep's clothing") beherrscht. oder sich von ihnen beherrschen lässt. wie man es auch dreht, dem nun vorgelegten album muss man vorurteilsfrei entgegentreten, es ist so sehr an die folklore gebunden, dass es zunächst vielmehr forschung denn nur genuss sein kann.
josephine foster & the victor herrero band - anda jaleo
josephine foster & the victor herrero band - los cuatro muleros

08.10. - Paris/ Instant Chavires
10.10. - Berlin/HBC

Montag, Oktober 04, 2010

glotzt nicht so romantisch (120): islaja

mitte september wurde islajas "keraaminen pää" album auf fonal veröffentlicht. auf der labelseite kann man reinhören und -sehen. letzteres holen wir für Euch auf den blog. das neun track werk hat es echt in sich, wenn sich dazu auch noch optische freuden gesellen... das album kommt mit einem 20seitigen büchlein inkl. aller lyrics in finnisch und englisch. wenn the wire merja kokkonen, die künstlerin aus helsinki, die hinter dem pseudonym steckt, als eine mischung aus enya und dead can dance versteht, dann ist das nicht so weit hergeholt.

ein (p)fund mp3 (301)

das album "o zeta zunis" erschien bereits am 24. august, allerdings holen wir es hier und heute gern aus der "versenkung", diesem bodenlosen fass der neuerscheinungen, warum?, nun 1. asthmatic kitty, und 2., weil..., wie meine tochter sagen würde und jegliche begründung der phantasie übergibt, eine band, die sich 1991 gegründet hat, füg ich schnell noch ein, und: giftig!:
trumans water - 5-7-10 split
trumans water - we fish
die erste single aus dem "tins" getauften werk gibts nun auf die ohren, die ep erschien über v2 benelux, die dreiköpfige band wurde u.a. vom nme potent gelobt, sehr feinsinniger glanzpop, na denn:
the tins - the green room
hä, bitte um aufklärung, habe ich irgendetwas verpasst?, die hier musizierende kapelle hat ihren namen von first aid kit in... nun ja, siehe unten, geändert?!, eine namensgleichheit, vermute ich mal, die nicht zur eigenen befeuerung gereichte, einige eps gibt es bereits von diesem vierer, eine neue download single reiche ich mal weiter:
writer's strike - bad time
bad panda records überrascht uns dieser tage mit diesem italienischen angebot, hinter dem alias verbirgt sich ein psych rock projekt, das ganze wie immer unter CC License: BY-NC-SA 3.0:
dumbo gets mad- eclectic prawn
eine legende, die sich anschickt, das erste solorelease auf die menschheit loszulassen, "1313" (auf divorce records) genannt, wird dieses album ausdruck einer düsteren expressivität dieses jazzdrummers sein, der in allen möglichen und unmöglichen outfits der letzten jahrzehnte agierte:
jerry granelli - wait for the machine
hinweis auf "public service announcement", welches am 26. oktober auf woodsist erscheinen wird, mehr songorientiert, was der birds of maya mann mike polizze da fabriziert haben soll, ein tourgenosse wird übrigens kurt vile sein (oder umgekehrt), denn polizze entert sicher vor dem kurt die bühne:
purling hiss - don't even try it
gemeinsam mit 4ad veröffentlicht barsuk eine split 7", hier die britische sensation, dort die ständig neue karrierehighlights kreierende band, noch zu haben:
ra ra riot - boy
stornoway - fuel up
aus "spark", das am 05. oktober erscheint, hören wir einen ausschnitt, es ist das debut des fein austariert singenden, spielenden, begleiteten:
alain johannes - return to you
"broughtupsy" erscheint am 05. oktober und ist das ergebnis der zusammenarbeit des toronter duos alanna & pho, hier producer, dort sängerin, you know:
bonjay - jamelia (caribou cover)
am 16. november muss man mit "the rest of me" rechnen, ganz fein poprock, ganz im sinne der fab four, wird Euch nicht mißfallen können:
le switch - call out
le switch - all about heart
auf homesick music erscheint anfang november, am 04., um genau zu sein "goodbye doesn't mean i'm gone", sinfonisch, erhebend, oder so, rausschmeisser, tschüß, leutchen:
scarlet youth - catch me when i fall

anais mitchell

27.10.2010 Berlin - Bang Bang Club

someone still loves you boris yeltsin

08.10.10 Paris (FR), La Fleche Dor
13.10.10 Duesseldorf (DE), Pretty Vacant
17.10.10 Hamburg (DE) Molotow
22.10.10 Berlin (DE), Bang Bang Club
23.10.10 Offenbach (DE), Hafen 2
24.10.10 Stuttgart (DE), Jugendhaus West

Sonntag, Oktober 03, 2010

neue töne (860): filthybird

ob diese truppe namens filthybird je nach deutschland kommen wird, stelle ich mal in frage. dabei hat die kombo alles, was wir hier so gut gebrauchen könnten. die prise übermut, das heimatliche verbundensein, welches einen präzisen ausdruck in musik erhält, transformation via generation, lebenslust, heiterkeit. nun wurde filthybird unter vertrag genommen, anfang des jahres gab sich denn holidays for quince aus chapel hill hin und schenkte dem vierer zeit und ohr und einen vertrag. somit konnte das fast schon polierte neue full length auf hochglanz gebracht werden, "songs for other people" erscheint am 19.10. die band absolvierte ein wahrlich erfrischendes jahr, neben den aufnahmen ward ein umzug notwendig und dazu brachte die eröffnung eines gitarren reparatur ladens eine menge aufregung. die konzentration hatte dennoch bestand. auf kosmischen america, wie manche meinen. dabei, so würde es vielleicht die truppe selbst ausdrücken, versucht renee mendoza lediglich den sauberen melodien einen weiblichen ausdruck zu verleihen, während brian haran mittels gitarre atmosphäre erzeugt. die auf intensiv gezeugte rhythmussektion staubt dann quasi nur noch vor dem tor ab. oder umgekehrt? egal, was das einst als duo ins leben gerufene projekt an zauber aufbietet, ist ob seines grundes eh schwer auszumachen. da ist zunächst das ausgezeichnete songwriting des kopfes renee mendoza (deren mutter mitglied der southern rockband southern skies war), die so um 2004 ihre band ashrae fax verließ, um sich mit dem new yorker gitarristen (u.a. bei glenn branca orchestra, lamonte young projects, viridian) brian haran zusammen zu tun. das auf homerecording ausgelegte unternehmen brachte es flott auf erste aufnahmen, "in good time and scientifikites" zeugt von diesen frühen ideen. bald machte man sich an das eigentliche debutalbum. "southern skies" beförderte die überlegungen in richtung eines aufgepeppten lineups, u.a. um endlich auch live etwas breiter aufgestellt zu sein. so ergänzte man sich schließlich um shawn smith (u.a. citified, palaver & hombre dado) an den drums und mike duehring (childrens, burning downs, dark meat) am bass. das war in 2006. von dort an wurde die chose nicht nur rockiger, sondern auch erdiger, geschlossener. die bühne teilten sie sich seitdem u.a. mit vetiver, glass candy, oaklex hall, young people, the strugglers und vielen anderen mehr. ihr sound ist griffig, vielfarbig, mit großer geste zuweilen, aber dennoch von dieser welt. in diesem sinne, freunde, lasst Euch vor allem von renees stimme, die so erwachsen, so mädchenhaft, so luftig, so gebunden ist, schnappen!
filthybird - pick me up (from: "songs for other people", 2010)

Samstag, Oktober 02, 2010

glotzt nicht so romantisch (119): woods

ein feierabendleckerli für Euch und für mich. wer hier ein bißchen mitliest weiß, dass ich woods sehr, sehr mag ("at echo lake" ist das aktuelle album, kaufen, kaufen, kaufen...). etwas begabteres in sachen weirdfolk (oder wie auch immer man die chose nennen mag) wird man lange suchen müssen. hier gibt es nun nachfolgend einen gut halbstündigen auftritt in einem lütten platten- buch-, was auch immer shop. viel spaß! es lohnt!

neue töne (859): jason zumpano

dieser jason macht nichts komplizierter als es sein müsste. sein internetauftritt ist übersichtlich und mit dem wichtigsten gespickt, vorrangig seiner musik. die ist zuvorderst klavier dominiert, denn jason zumpano versteht sich als pianist. er stammt aus vancouver und war neben seinen soloaktivitäten auch in bands wie zumpano (u.a. gemeinsam mit a.c. newman von the new pornographers) destroyer, sparrow, loscil oder attics + cellars aktiv. hier erspielte er sich die nötige reputation, um auch im alleingang wahrgenommen zu werden. wer misstrauisch war, dem wird der wiefe bursche schnell einschenken. seine musik ist dramaturgisch einwandfrei. er setzt dabei weniger auf effekte denn auf erzählerische vielfarbigkeit. da kann der prägnante anschlag schon mal deutungshoheit für sich in anspruch nehmen, aber in gänze ergibt sich ein reigen, der erst in der summe eine aussage zulässt. angesichts eines bereits großartigen outputs erstaunt das hohe maß an kreativität immer wieder. kein stück, und er verzichtet nun mal gänzlich auf gesang, gleicht dem anderen. so mutet sein oeuvre in gewisser weise klassisch an. weniger des instrumentes wegen als der ausrichtung seiner kompositionen, thematisch fixiert und doch nie redundant. kleinere perkussive einlagen untermalen dann nur, als dass sie eine gewichtige rolle übernehmen könnten. eine melodica bewandert irritiert das terrain, angeheiterte zwischenmalerei. die grundierung warm, das aufspiel hell. der letzte release hört auf "room and mansion" und wurde auf catbird records verlegt, wie bereits zwei vorgänger, die auf dem klasse label für furore sorgten. nicht nur der musik wegen, sondern auch wegen der zusammenarbeit mit bildenden künstlern, die für das artwork verantwortlich zeichneten. allesamt sind die releases ausverkauft, da muss man sich schon anstrengen, um noch eines zu ergattern. der nachteil bei kleineren ausgaben. aber he, es lohnt!
jason zumpano - from the proudest of statues (from: "room and mansion", 2010)
jason zumpano - balconies of sky (from: "room and mansion", 2010)
jason zumpano - these prosy bores (from: "roses $9.99 dozen", 2009)
jason zumpano - matchless dancer (from: "in the co. of ghosts”, 2007)
jason zumpano - angela (from: "the sparrow", 2001)

Freitag, Oktober 01, 2010

glotzt nicht so romantisch (118): janina angel bath

positive vibrationen und eine universelle liebe. so etwas sagt man esoterischen musikern nach, und ich bin wirklich kein experte in dieser stilrichtung, noch habe ich ambitionen einer zu werden. die musik von janina angel bath füllt diese symbolik jedoch aus. und rückt so schnell in ein trübes, mattes licht, lässt man sie nicht ihre stärke ausspielen, das fliessen. das gehorsame, weil in ein vorgegebenes bett beschieden, treiben, mäandern. eine musik, die sich im entferntesten bei den ureinwohnern nordamerikas abholen lässt, die vielmehr aber nach kontinuität trachtet, als dass sie sich einfach nur verorten ließe. die junge musikerin nutzt flöten, gitarren, keyboards, gesang, glocken, tamboura, perkussion und stellt ihren studien nach, die sie ernsthaft zur musik der indianer betrieb. im vergangenen jahr erschien ihr "gypsy woman" betiteltes neuwerk, heuer wird es als lp neu aufgelegt (auf prophase music). im übrigen ist sie teil von eternal tapestry, hilft bei der einordnung.



neue töne (858): tanya davis

nuschelig, verhuscht, auch. aber mehr noch in sich ruhend, selbstsicher. authent. glöckchen hier, klavierglorie dort, eine harmonika geleitet. gerade dieses auf den mund austarierte instrument mag sie sehr. setzt es dann aber doch sehr sparsam ein. viel eher diese symptomatische elektrische, die tänzelt und weissagungen mit einem sanften feenstaub belegt. tanya davis aus halifax. hat mittlerweile das dritte album im kasten. "clocks and hearts keep going" wird am 02. november via wordy music erscheinen. zuvor gab es "make a list" (2006) und "gorgeous morning" (2008) zu bestaunen. die brachten ihr beachtung und nominierungen ein. ihr neuer release wurde in ottawa aufgenommen, innerhalb von zehn tagen brachte es tanya in den little bull horn studios auf zehn fein austarierte tracks. lyrisch blieb sie ihrer linie treu und besingt liebe, gott und die menschen. dass sie dabei melodisch wie in sachen arrangement bewandert ist, brauchte sie eigentlich nicht neuerlich zu beweisen, aber hören wollte man es dann doch. ihre songs weisen von einem lofi outfit bis hin zu einer voll ausgestatteten instrumentierung mit aufgalopp alles auf. banjo begleitet sprechsingt sie oder besinnt sich innerhalb einer ballade, sie streitet mit der e-gitarre wie sie sich den hörnern hingibt, die ihr den marsch blasen wollen. pop infiziert, folk animiert, lieblich, melancholisch, sentimental, aber mit fester stimme und streitbarkeit, die sich sublim breitmacht. in ihren schönsten momenten erinnert mich tanya davis an laura veirs. das könnten schwestern nicht nur im geiste sein. in den anderen augenblicken giert tanya davis nicht mit einer originalität, die weniger schlenkernd, aufreizend oder sonstwie aufällig, sondern vor allem einfach nur aufgedeckt sein will. also, bitte, aufdecken!
tanya davis - please bless (2010)
tanya davis - fortress (2008)
tanya davis - gorgeous morning (2008)