Montag, Januar 16, 2012

konzert: innen:welt festival 2012, 14.01.12

vorab gleich einmal anerkennung an die macher des innen:welt festivals 2012! es gelang eine ausverkaufte veranstaltung mit einem großartigen lineup, das nicht dem massengeschmack folgte, sondern auf innovation setzte, ohne das entertainment außer acht zu lassen. zudem unter den nicht einfachsten bedingungen, nämlich in einer den anforderungen genügenden location, die sich etwas abseits vom schuss befindet. das kafe kult in der oberföhringer straße liegt in etwa wie dieses kleine gallische dorf inmitten all der eroberten nachbargemeinden, etwas heruntergekommen in einem gebiet mit hoher cayenne dichte. doch die macher dieser institution trotzen und legen jahr für jahr ein beeindruckendes programm aufs parkett. insofern passte die kombination aus festivalgedanken und der speerspitze münchner subkultur bestens.
obwohl samstags angesetzt, erwies es sich als unmöglich, bereits 17:30 uhr pünktlich zum start des festivals anzutreten. so entgingen uns leider die auftritte von tasty tea und a soundtrack for starsailors. doch der laufende abend bot ausreichend highlights, um nicht bereits beim start in verdruss zu geraten. so zum beispiel die jungs von g.e.f. , einer münchner indietronics truppe, die einen saftigen sound mittels e-gitarre, bass, synthie und electronica erzeugten, der ohne umwege in die beine ging. eine hohe gesangsstimme legte sich über die dicken beats, die eine art runderneuerung durch den deepen bass erhielten. feinströmend die harmonien, auf denen es sich munter in den abend gleiten ließ. das hatte in seiner gesamtheit so viel gehalt, dass man sich gesättigt fühlte, im wahrsten sinne des wortes. später ärgerte ich mich, mich nicht nach einem tonträger umgesehen zu haben. zwei zugaben gaben den drei jungs recht, das publikum wollte sie nicht wirklich ziehen lassen.

g.e.f. räumten das pflaster und wir konnten einen ersten konzentrierten blick auf das ambiente werfen. die kleine halle des kafe kunst war mit einer begeisterungswürdigen lichtinstallation ausgestattet. 507 nanometer zeichnete für eine regenschirmparade verantwortlich, die, von innen angestrahlt, in mattem licht leuchtete und unterschiedlichste farbkombinationen abgeben konnte. ein tolles bild, das sich immer wieder neu gestaltete, je nach gerade agierendem künstler. während die vorangegangene band eher in grünes licht getaucht war, sorgte zwischen blau und violett changierendes für eine gedämpfte atmosphäre, als es zeit für deep sea diver war. das ansonsten mehrere menschen umfassende projekt musste an diesem abend mit deren kopf niklas kramer auskommen. der göttinger spielte lediglich mit seiner akustischen bewaffnet ein warmherziges wie inniges set. ob dieser aufmerksamkeitsheischende act das richtige für das festival war, ist allerdings fraglich. das publikum, vowiegend im studentenalter, quatschte losgelöst und überwand dabei auch die hürde, die ihnen niklas mit angemessen lauter intonation vorgab. für den interessierten hörer gab es nur einen schmalen tonalen pfad, auf dem man wandelnd eine hörerfahrung machen durfte. und die war klasse. der in der kopfstimme verhangene künstler beeindruckte mit einem facettenreichen gitarrespiel und mit memorablen melodien. von der für ihn unglücklichen stimmung im rund ließ sich deep sea diver nicht weiter beeindrucken und, um im bild zu bleiben, tauchte tief in seine songs hinab. mal fociert, mal ruhig, gediegen, immer gelang es niklas einen ausdruck zu formen, der haften blieb. und nachhallte. auch gegen die quasselnde masse.
das stets matte licht während der auftritte erwischte mich und meine kamera auf dem falschen fuss. mit blitz reagierte sie sensibel auf den leichten nebel, ohne dagegen bestand sie nicht gegen die fahlheit. ein wenig wird zu erkennen sein. doch die vornahme der inbesitznahme eines neuen geräts bleibt. vielleicht starte ich mal eine spendenaktion.

mit sandy bird trat nachfolgend eine band an, die ganz genau in mein beuteschema passte. jedenfalls in dieser nacht. in anderen finde ich vielleicht nicht unbedingt so barrierefreien zugang zum langatmigen postrock des berliner dreiers. doch der vergangene samstag hatte alle weichen dahingehend ausgerichtet, dass das gute stück handfester musik mehr als mundete. am schlagwerk ein extremist, ein wahrer könner seines faches, wie ich selten jemanden hören und sehen durfte. schnell, virtuos, abwechslungsreich, kreativ. alle achtung, der sten jackolis hat was drauf. dazu tobias busch am bass, der eine bedeutende position in der konzeption von sandy bird einnimmt. ruder schlagend, um vorwärts zu kommen, dem manischen rhythmiker den rücken freihaltend, pausen füllend, fürs fundament sorgend, die anderen beiden erdend, wenn sie am abdriften waren. das galt neben dem drummer auch für dennis grimm, den mann an gitarre und seltener am gesang. immer wieder durchschnitten seine spuren die kross gebackenen beats und teilten sie in mundgerechte happen. was manches mal an spielerei gemahnte, war die essenz eines reduktionsprozesses.

im ergebnis erhielt die anwesende gemeinde eine messe der besonderen art. fast eine stunde spielte die band durch, um wie nach einem langen tauchgang schwer aufatmend wieder aus den wassern aufzusteigen. hier passte alles. die strukturen waren profiliert, irgendwie griffig, so dass man sich an ihnen entlanghangelnd durch den einzelnen track seinen ganz eigenen weg bahnen konnte. ausbrüche neben ruhigen passagen, tempiwechsel, laut, leise, nichts fehlte, was als dramatisches detail dienen konnte. und doch hatte man nie das gefühl, es gäbe ein zuviel, einen ansatz von speck.

revoke by sandy bird

wann passierten eigentlich paula i karol? wann wurde man derart auf sie aufmerksam, dass sich die clubs um sie reissen und eine anspruchsvolle tour durch deutschland möglich wurde? ihr hit "calling" ist bereits mehr als ein jahr alt und wird euphorisiert entgegen genommen, wie es vielleicht noch billy bragg mit "a new england" hinbekommt. nichtsdestotrotz, dass ich trendschläfer offensichtlich mal wieder gepennt hatte, die beiden protagonisten und ihre drei helferchen übernahmen das kafe kult in bester überfallmanier und bohrten ihren folkbesetzten pop in die herzen der anwesenden. erstmals ging so etwas wie ein ruck durch die runde. gemeinschaftlich fiel man sich um den hals, bot der nachbarin die hand zum tanz, den arm zum geleit oder grinste wenigstens rosig. kaum ein gesicht, dass noch cool eingefroren war. wie das ansonsten oft genug der fall war, während man versuchte, ratschend den gerade aktiven act zu übertönen. man hätte wohl für dieses ungebildete volk ein paar quatschzonen einrichten sollen, mit pfeil und hinweisschild usw., da hatte erziehung mal wieder völlig versagt. nun denn, die kapelle aus polen brachten sie alle an einen tisch und schenkte, im übertragenden sinne, wodka aus. denn ihre musik macht benebelt. hohes tempo an der schraffierten gitarre, sauber geschlagene beats von der schießbude, ein bißchen kling, ein wenig klong und dazu der harmoniegesang, der sich gern zum wechselnden zurufen verstieg. dass mir das am ende ein wenig zu viel war, kümmert hier wenig. denn die musik tat ihre aufgabe. völkerverbindung! eine rap- einlage, ein geburtstagsständchen für den bassisten, charmante ansagen, das programm war mit auflockerungsmomenten durchsetzt. doch etwas zu viel rouge lag auf den hippen polen. erinnern kann ich mich neben "calling" an "community", "goodnight warsaw", "mother's stew", "birds and bees", "this is country".
für mich ein schöner abschluss eines allerliebst organisierten abends. ich war knülle ob der eindrücke, der tollen acts, der guten stimmung. am ende blieb aber ein resümee, das sich vor allem mit den gästen beschäftigte. die waren zu großen teilen überfordert, mit deep sea diver, mit sandy bird. die wollten party und hatten das format des festivals nicht verstanden und vor allem nicht verdient.

Kommentare:

Flo hat gesagt…

Danke für das schöne Review! :)

E. hat gesagt…

ich danke Euch!