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Montag, September 28, 2015

neue töne (1574): evan caminiti


klänge aus einer anderen welt, vielleicht nur sphäre, vielleicht nur artverwandtem, weil sich unter den soundschichten so viel vertrautes finden lässt. mal sind es die walsängen gleichen texturen, dann jene art von musikalischer untermalung, die kosmische betrachtung nie langweilig werden lässt. die soundmalerei ist durchlässig, liquide, sie ergibt sich wie von selbst in die jeweils neue seinsstufe. es ist eine wagnisfreie musik und dabei schlüssig, sanft und packend. ihre einvernehmliche art lullt zunächst ein, ohne an spannung zu verlieren, ergänzt in der folge um energetische, kraftvolle muster, die sich im sphärischen ambiente einpassen. die fremde lugt stets hervor. sie ist künstlich und kühn, auf ihre art seßhaft, weil längst in unserer welt angekommen.
 
evan caminiti gelingt eine nachhallende expression der besonderen art. verwandtes lässt sich finden, in der konsequenz aber selten so edel und vollendet. bald blendet man die elektronische komponente aus und wird teil einer tiefen atmung. ein klingeln und klirren durchbohrt den tektonischen drone, ein heben und senken wie unten großen lungenflügeln, der cinematographische effekt darf nicht unterschlagen werden. eine lyrische sequenz schlägt um in einen sirenengleichen anruf, zwischen schmerz und lust, zwischen bitte und schrei. die faszination grabt sich tief und tiefer ins bewusstsein ein. wenn sich die nadel nach bespielen der platte in der auslaufrille befindet, empfängt den hörer eine beängstigende stille und er wird sich anschicken, sie aufs neue zum tönen zu bringen.
 
das album "merdian", das kürzlich auf thrill jockey records erschien, kann als die fortsetzung der beiden soloprojekte des brooklyner musikers dreamless sleep und night dust sowie seines weiteres projekts barn owl verstanden werden. die aufnahmen erfolgten in san francisco und new york und wurden in berlin (mastering) abgeschlossen.


Montag, September 14, 2015

zu gehör getragen (194)

ganz interessant, wie das leben so ohne internet funktionieren kann. vieles verändert sich, die wahrnehmung wird auf angenehme weise geschult. auch musik zu hören wird wieder zu einem konzentrierteren vorgang. kein wunder also, dass ich über einige alben was zu sagen habe. hier in kürze ins tablet gedroschen, demnächst ausführlicher.

evan caminiti - meridian (2015)
> eine von gravitation befreite soundlandschaft, die den hörer auf eine reise in die unendlichkeit schickt, elektronische musik, die nicht steril klingt, sondern lediglich eine andere art von projektionsfläche aufbietet, 3,5-4/5 

ezra furman- perpetual motion (2015)
> aufgeregtes und aufregendes popalbum, das wie kirre um sich selbst kreist und dabei in immer größeren radien ausschlägt, was es dabei erwischt: den hörer mit einer entschlossenen of montreal variante, 3,5/5

young heart breaks - america (2015)
> popschmiss mit überraschungscharakter, weil variabel und doch so einfach, kompositionen, die tragen und aufwertung lediglich durch nachdruck wie etwa durch unpeinlichen bläsereinsatz erhalten,  3,5-4/5

van kraut - strahlen (2015)
> mit selbstverständlichkeit werden gedanken bebildert, die anderenorts für nicht wert gehalten würden, selbst peinlichkeiten setzt man prägnant in szene, das funktionier indirekter akustikbrisanz erstaunlich oft, 3/5