Freitag, Juli 17, 2015

neue töne (1556): the doomed bird of providence


regelmäßig, also hier alle zwei jahre, berichten wir über the doomed bird of providence. 2011 stiegen wir ein, in dem wir über das debütwerk "will ever prey" berichteten. dabei holten wir u.a. aus: "und es [das album] wird geschichten erzählen, vom beginn der besiedlung australiens, einem land, das sich sträubte, sich mit staub und hitze gegen die vereinnahmung wehrte. die schicksale dieser unwirtlichen wie unerbittlichen zeit sind zu beklagen und es sind anzurufen all die götter, die nicht hören wollten, als man sie brauchte und inständig flehte. schicksale, die grausamer oft nicht sein konnten, leben, die jäh endeten oder tragische wendungen nahmen. auf der ersten seite des albums werden hiervon vier historisch belegte biografien in gebotener kürze dargereicht, die zweite hälfte von "will ever pray" beschreibt das massaker an bord der "the sea horse" anhand von zeitungsberichten."

um an dieser stelle noch etwas orientierung beizubringen, ergänzen wir um einige weitere worte, die wir im damaligen artikel zu hilfe nahmen: "the doomed bird of providence ist eine fünfköpfige folkband, die aus london und colchester stammt. angeführt wird sie vom songwriter und sänger mark kluzek, der sich zum selber schreiben durch ein buch von robert hughes inspirieren ließ. in 2008 kam es nachfolgend zur gründung der band. die lege es, so das label front & follow, welches auch für den release verantwortlich zeichnet, auf das sengende drama eines morricone und die theatralik eines j. brel an. die historischen verweise und der geografische bezug sind etwas besonderes, so viel ist klar. hinzu kommt eine spielfreudige truppe, die neben kluzek um den ukelele player drew barker (soup, croft), den bassisten stafford glover (extreme noise terror, beatglider), den violinisten daniel merrill (dead rat orchestra) und den gitarristen richard acton (limn) ergänzt wird. auf "will ever pray" gibt es zudem rachel laurence (viola) und tony ramsey (guitar) zu hören."

"blind mouths eat" hieß das zweite full length der band und erschien 2013, wir holten damals entsprechend aus: "die ausrichtung ist düsterer denn je, die narrative front früh eröffnet. wieder steht die kummerbeladene historie australiens zu zeiten der kolonialisierung im mittelpunkt. wem dieses kapitel fremd ist, der kann sich auf den wenig sanften wogen dieser musik damit 'anfreunden'. schauerliche schönheit. pochend die cymbal, mahnend die fidel."


wir befinden uns im rhythmus, oben bereits angesprochen, und ja, das dritte album bzw. in diesem fall eher ep, steht auf dem plan. "you brought the knife" enthält fünf tracks und sucht ebenfalls seine stories direkt aus der frühen australischen geschichte, die alles andere als mit ruhm bekleckert ist. "the ep is based on the life of maria murray (nee middleton) – former slave and convict who found her way from belize to australia and a new life. in belize (then british honduras) she was tried and found guilty of the murder of william mair in 1825. mair was a disbanded soldier that maria stayed with after she ran away from slave owner mary white." an der seite von mark kluzek befinden sich diesmal richard acton (guitar), drew barker (uke), eine streichersektion mit joolie wood, rachel laurence, angela chan und katie english (flute), dazu stafford glover (bass) und ian hothersall (percussion).
mit "i weave through the trees" dürft Ihr Euch einen ersten eindruck abholen. es dampft schweißig, das grollen ist dumpf, das stampfen behend. höret!

Donnerstag, Juli 16, 2015

eingestreut (826): c+c=maxigross (tour)


c+c=maxigross ist ein wahrlich desaströser bandname, aber um ehrlich zu sein ein irgendwie einprägsamer bzw. gut wieder zu erinnernder. da war doch was. ach ja, die launige geschichte über ein kleines nest unweit des liebsten ausflugsziels der oberbayern (als es bei meiner jüngsten hieß, dass die klassenfahrt an den gardasee ginge, flippte ein klassenkamerad geradezu aus und meinte, es hätte schon was cooleres auch sein können, wenigstens italien oder so...). wer aber die musikszene am rande etwas beobachtet hatte, durfte allerdings auch auf diese herren bereits aufmerksam geworden sein. die pr-maschine lief auf unaufgeregte, aber stete weise.

die band verortet sich selbst im psychfolk genre und hat gar nicht so unrecht damit. es gibt eine strebsame annäherung an alles, was akustisch etwas hermacht und zugleich fühlt sich man sehr ausufernden, verspielten läufen verbunden, nicht zuletzt live wird an steherqualitäten gearbeitet. am eigenen leib könnt Ihr das im juli, august erleben, wenn die herrschaften hiesige landstriche bereisen. fühlt Euch ernsthaft angesprochen. bereits seit 2009  kommt man in unterschiedlichster besetzung, es heißt von 3  bis 22 mitgliedern ist alles möglich, zusammen und hat bereits einige seiten in der bandeigenen chronik füllen können. neben der ersten ep "singar" und dem debütalbum "ruvain" entstand im letzten jahr "an instantaneous journey", eine songsammlung, die man gemeinsam mit dem norwegischen singer/songwriter martin hagfors erstellt. in der mache sei das zweite album bereits. vielleicht wird es daraus auch etwas zu hören geben. abschließend tourdaten und ein paar musikalische/optische einstimmer:

29/07/15 Rosenheim (DE), Hole Club 
30/07/15 Berlin (DE), ACUD 
01/08/15 Chemnitz (DE), Küchwaldrauschen 
02/08/15 Offenbach (DE), Hafen 2



Mittwoch, Juli 15, 2015

glotzt nicht so romantisch (637): trembling bells


"the sovereign self" ist am 10. juli auf tin angel records erschienen. es ist das fünfte album der glasgower um alex neilson, auf dass er lavinia blackwell, mike hastings, alasdair c. mitchell und simon shaw um sich scharrt. trembling bells benennt für das neue werk sophokles, el greco oder the incredible string band als einflüsse, baut aber vor, nicht allzu sehr eingeengt zu werden, zu vielschichtig sind die musikalischen referenzen. seit jeher. griechische tragödien bilden hier nun ein abziehbild für das leiden des jungen n., aufgefangen in balladeskem, in acidrock, im prog, eher dunkler als licht zeichen setzend, auch so viel verrät uns der kopf der band. und so kann man schließlich auch konstatieren, dass der hier abgebildete track "sweet death polka" alles andere als symptomatisch für diese platte ist. er ist lediglich ein ausschnitt, aber längst kein beispielgebender, in welchem dunstkreis sich die psychfolker dieses mal aufhalten. bleibt neugierig.



Dienstag, Juli 14, 2015

neue töne (1555): skymningslandet


was markus hulthén auch anfasst, ich mag es. mehrfach hatten wir über den schweden berichtet, der mal solo auftritt, dann wieder in unterschiedlichen bandkonstellationen bzw. mit immer wieder neuer namensgebung. hier und heute berichten wir über den zusammenschluss mit thomas meyer und jonas mattsson, der mit skymningslandet überschrieben ist. im märz wiesen wir auf den kassettenrelease des dreiers bereits hin. nun ist die veröffentlichung vollzogen. zeon light fühlte sich aufgerufen, die nordländer zu unterstützen. 
acht instrumentalsongs finden sich auf dem unbetitelten werk, wobei die drei jungs an orgel, gitarre und drums sowie synthie, overdubs und bongos unterstützung durch lisa erhielten, die flötentöne beibrachte (man kennt die junge dame übrigens auch vion lisa o piu oder me and my kites). die musik ist so originell wie sie vielgestaltig ist. die effekte, die beispielweise der befreundete musiker oskar beifügt, sind unauffällig, weil im mittelpunkt stets eine ausgewuchtete melodie steht, die sich breiträumig ergießen kann. erst in der folge werden die grenzen ausgelotet, wird den finessen haltung abverlangt. was gerne ausflüge ins krautrockige macht, erhält ergänzung um tradiertes, um heimatlich vertrautes. folk, natürlich, aber auch die popsonne, die über den köpfen der musiker seit jahr und tag brannte. 
wer sich dem output der truppe nähert, wird auf den ersten eindruck aber zunächst mit einer orgel konfrontiert, die in ihrem stilistisch einwandfreien und klaren ausdruck so einfach und mittelbar klingt, wie man es aus der kindheit kennt, wenn man die mundorgel bediente oder einfach stücke auf der gitarre probierte. vollkommen heruntergebrochen und letztlich auf den punkt gebracht. ein maximales ausschweifen, wenn die harmonien ein paar schleifchen bekommen, ansonsten gilt, die zierart so gering wie möglich zu halten. das kann die anhaltend ausholende gitarre sein, wie in "skyar", das sich von schwedens alter seele nährt, oder es kann das perkussive drumming wie in "under vattnet" sein. stets bereichernd, aber nie auftrumpfend. 
so zeigt sich auch der komplette release als vollkommenes understatement einer filigran und handwerklich perfekt agierenden gemeinschaft. dringende empfehlung für diese aufnahmen, die neben den bereits genannten einflüssen auch in der filmmusik und in psychedelischen ausflügen ihr heil suchen könnten.

Montag, Juli 13, 2015

ein (p)fund mp3 (505), teil 2

cloudberry records hat sich um den pop verdient gemacht, wie kein zweites label zuvor, mit dieser retrospective etwa verbeugen sie sich vor einem schwedischen duo, das beweisbar etwas hinterlassen hat, 14 tracks sind versammelt, einen haben wir ausgesucht:
fibi frap - catherine

in eine andere richtung gehen wir natürlich mit dem dem experiment verpflichteten irischen folkensemble, das im juli auf deep water acres veröffentlichte, es handelt sich dabei um das album "so as to preserve the mystery": united bible studies:


joe westerlund tobt sich aus oder so ähnlich muss der tonträger überschrieben werden, der letztes jahr auf spacebomb erschienen war, unter dem titel "grandma sparrow & his piddletractor orchestra" findet sich allerlei wild collagiertes: grandma sparrow:


nicht weniger bunt geht es bei dieser griechischen truppe zu, die eine wahrlich erfrischende mischung aus tänzen, liedern und instrumentals vorlegt, "mneme" erschien auf carpe diem records, ein ausschnitt: ex silentio:


damit es hier auch so richtig bunt wird, ein kleiner ausflug auf hidden shoal, die am 19. august das debütalbum des australischen ambient electronicers herausbringen, hier mit einer verträumten nummer, bei der ihn chloe march unterstützt: liminal drifter:


einen letzten schrauben wir Euch noch ans ohr, hier ein beispieltrack des britischen musikers, er veröffentlicht auf eyeless records, wo auch peace for old ghosts jüngst zeugnis ablegten: david k frampton:

ein (p)fund mp3 (505)

da bleibt doch recht regelmäßig einiges liegen, häufen sich erinnerungshappen und schlaglichter an, die es über einige zeit einfach nicht in einen blogpost schaffen. nicht weil sie es nicht verdient hätten, es passte einfach nicht, wurde übersehen, was auch immer. in der heutigen mp3-runde versammeln wir genau solche tracks. 

im juni verkündet, mitte august ist es dann so weit, kranky veröffentlicht die längst nicht mehr erhältlichen alben "tired sounds of..." und "and their refinement of the decline" wieder, erscheinen wird die zeitlose musik von brian mcbride und adam wiltzie in einer 3x12" edition: stars of the lid:


wir wollten schon lange darauf hingewiesen haben, mit "energia nuvola" liegt eine erste arbeit auf vinyl vor, die den soundausflügen des aus italien stammenden und in deutschland lebenden künstlers nachgeht, bereits im februar auf troglosound erschienen, leider ausverkauft und hier leider nur ein kleiner ausschnitt:
francesco cavaliere - side b

auch eine wiederauflage, die hier von re-vinyl records dargebracht wird, es handelt sich um das 1996er selbstbetitelte debütalbum und damit auch das letzte auf tonträger gebannte zeichen der band um tim easton, in diesem jahrgang waren sie bei kennern weit vor, die aus columbus stammenden: haynes boys:


die protagonisten sind drew phillips und ben berry, die ihren fein polierten smoothrock nun auf dangerbird records veröffentlichen lassen, so wird ihr neues album "time stops moving" genau dort am 07. august erscheinen: moke hill:


ihr vorname ist angel, sie firmiert aber unter ihrem nachnamen, bekannt ist sie als fester bestandteil der dirty projectors, aber auch als teil von avey tare's slasher flicks oder mit ihrer arbeit bei flying lotus, ihr debütalbum "the expanding flower planet wird am 21. august auf anticon erscheinen: deradoorian:


so, nachzureichen gilt es auch den letzten tonträger des montrealer duos aus sam goldberg jr. (broken social scene/hawaii/kandle) and jeff edwards (shot while nunting) namens "good hang", welcher mitte mai auf hobo slang bzw. white whale erschienen war, ein ausschnitt: yardlets:

Sonntag, Juli 12, 2015

neue töne (1554): nap eyes


für dieses album bräuchte es zeit. so viel zeit, um all die geschichten, die man um es herum spinnen könnte, zu erzählen. es bräuchte zeit, um die besonderen mitglieder dieser truppe vorzustellen. es bräuchte noch mehr zeit, um die wirklich spannenden lyrics auseinander zu nehmen. es bräuchte zeit, um den formbaren gitarrenspuren hinterher zu schleichen. es bräuchte zeit, um den einweg-rhythmus aufzunehmen. es bräuchte zeit, um dem album ein paar mehr chancen auf dem plattenteller zu geben, einfach weil es es verdient hätte. aufgenommen von nigel chapman, seamus dalton, brad lougheed und josh salter im märz 2013 in montreal, bietet "whine of the mystic" neun unglaublich schöne songs auf, die mehr als friedfertigen gitarrenfolk anbieten. bereits 2014 wurde die lp in einer limitierten version auf plastic factory records veröffentlicht. nun zieht you've changed records für kanada und paradise of bachelors für den rest der welt mit einer neuauflage nach, der 10. juli war releasedate. greift fix zu, um an diese kostbarkeit zu kommen. wenn ich zeit hätte, würde ich ausführlicher auf die geradlinigen nummern von nap eyes eingehen. wenn ich noch einige minuten drauflegen könnte, würde ich auf die liveaufnahmen hinweisen, die für einen kompakten, organischen klang sorgen, ich würde meine referenztabelle zücken und Euch mit namen beeindrucken, die an erster stelle the verlaines und an letzter (vermutlich) lou reed aufführten. ich würde...
für das dann noch junge 2016 ist ein neues album geplant. ich bin gespannt wie bombe.

Samstag, Juli 11, 2015

eingestreut (825): the handsome family (tour, verlose)


noch ein wenig hin, schon ein bißchen her.
so könnte man die nachfolgende notiz überschreiben. bis zu den kommenden tourdaten von the handsome family haben wir noch etwas zeit. im september wird es so weit sein. dass das duo aber einen tonträger herausbrachte, ist eine nachricht, die schon vor zwei jahren durch die gazetten kreiste. seit dem sind die beiden allerdings fleißig auf konzertreise und stellen nicht nur das letzte album "wilderness" vor, denn zu viele striche sind bereits im kerbholz der amerikanischen countryfolk-kapelle hinterlassen worden. vor dem neunten album, dass 2013 auf carrot top records veröffentlicht wurde, rangieren pretiosen wie der erstling "odessa", über den es hieß, er sei eine mischung aus frühen r.e.m. mit einer prise dreckigem gram parsons, oder "through the trees", das nicht umsonst zu den zehn essentiellen americana-alben zu zählen ist, oder "in the air", zu welchem der uncut einfiel, es sei eine der wichtigsten veröffentlichungen des 21. jahrhunderts, oder "twilight", das greil marcus als "his number one pick in his real life rock top ten" bezeichnete. und so geht es immer weiter durch eine anwährende discography, die sich aus rock-, folk-, country- und americana- elementen zusammensetzt und dabei auf strenger arbeitsteilung basiert. während brett sparks für die musikalische ausgestaltung der songs verantwortlich zeichnet, verpasst rennie sparks ihnen die richtigen worte. dabei bedient sie sich gern der weiträumigen gothic-welt. auch hier zitieren wir gern greil marcus: "words that in their everyday surrealism have no parallel in contemporary writing… music that mines the deep veins of fatalism in the appalachian voice."

the handsome family sind eines dieser ereignisse (hört nur diese stimme, den weisen, anmutigen angang, die worte!), bei denen man denkt, dass sie längst die hinterstübchen erreicht haben sollten. dem ist aber nicht so, das ehepaar ist und bleibt wohl auch fürderhin ein geheimtipp. da tut es gut, wenn sie von bekannteren kollegen gecovert werden oder wenn sich die türen zum wilco loft in chicago in sachen aufnahmetätigkeit öffnen, also möglichkeiten, um auf sich aufmerksam zu machen. nachfolgend die discography, die deutschland- tourdaten und alle hinweise für die anstehende verlosung!

Albums
Odessa (1994) Carrot Top Records / Scout Releases
Milk and Scissors (1996) Carrot Top Records / Scout Releases
Invisible Hands (1997) Carrot Top Records / Scout Releases (Vinyl only EP release)
Through the Trees (1998) Carrot Top Records / Loose Music
In the Air (2000) Carrot Top Records / Loose Music
Twilight (2001) Carrot Top Records / Loose Music
Singing Bones (2003) Carrot Top Records / Loose Music
Last Days of Wonder (2006) Carrot Top Records / Loose Music
Honey Moon (2009) Carrot Top Records / Loose Music
Wilderness (2013) Carrot Top Records / Loose Music

die tourdaten:
22.09. Köln, Gebäude 9
23.09. Hannover, Café Glocksee
24.09. Hamburg, Reeperbahn Festival
26.09. Frankfurt, Zoom
28.09. Berlin, Postbahnhof
29.09. München, Ampere

wir verlosen für jedes der oben benannten konzerte 1x2 tickets. bitte sendet uns dazu eine email an klienicum at posteo dot de mit dem betreff 'handsome family' und hinterlasst neben Eurem vollständigen namen auch Eure wunschstadt, in der Ihr am konzert teilnehmen wollt. die gewinner werden am 25.07. gezogen und benachrichtigt (der rechtsweg ist ausgeschlossen). viel glück!



Freitag, Juli 10, 2015

glotzt nicht so romantisch (636): nothing


die vier jungs aus philadelphia wurde im rahmen der erstellung der nirvana cover-compilation "whatever nevermind" aufgerufen, eine variante von "something in the way" anzubieten. was nothing denn auch getan haben. nur sie gingen noch einen schritt weiter und fertigten dafür auch noch eine visuelle ausgestaltung an. die dürfen wir nun präsentieren. die truppe wird übrigens alsbald mit einem frischen album nachrücken, das signing auf collect records ist dafür bereits unter dach und fach.

glotzt nicht so romantisch (635): julia holter


photo by tonje thilesen 

diese sehr frische nachricht reichen wir gleich einmal weiter, denn sie ist mehr als erfreulich. mit "have you in my wilderness" tritt julia holter wieder mit einem soloalbum an. es wird am 25. september auf domino erscheinen. das vierte werk der songwriterin ist nachfolger von "tragedy" (2011), "ekstasis" (2012) bzw. "loud city song" (2013) und greift erstmals ganz auf die eigene erfahrungswelt der künstlerin zurück, nachdem zurvor gern auf der basis bereits existierender geschichten eigene gebar. wir sind jedenfalls gespannt und erfreuen uns an der ersten nummer.

28.10. München, Kammerspiele Theater
29.10. Frankfurt, Brotfabrik
30.10. Hamburg, Uebel & Gefährlich
05.11. Berlin, Berghain

Donnerstag, Juli 09, 2015

neue töne (1553): scott matthew


photo by michael mann

mit dem song "effigy" startet scott matthew in sein neuestes album "this here defeat". vertraut sägen die bögen über ihre streichpartner, wohl bekannt setzt sich des australiers stimme ab, doch einem neuen glitzern nicht entrinnend, wenn sich zaghaft, aber deutlich vernehmbar elektrisches gewerk dazwischen mischt. mit jürgen stark erweist sich matthews neuer kongenialer musikalischer partner die ehre. er half ihm in andauernden sitzungen aus fragmenten songs entstehen zu lassen. die bislang bekannte wesenart, lieder in eher kargem gewand zur schau zu tragen, erfährt eine überarbeitung. weitab von prunk und gloria, doch mit deutlich mehr staffage setzen scott matthew und partner akzente. backgroundgesänge und  elektronische drums in "skyline" sind weniger behelf, um dem hymnischen, der gediegenheit nachdruck zu verleihen, als neu hinzugewonnene stärke. so wie dem zaudern der mut folgt, in vermeintlich naturgemäßer reihenfolge - scott matthew kann hier stets als zeuge zu rate gezogen werden.

"seine darbietung war wieder einmal einzigartig. mit seinem falsett, seiner tröpfchenweise angeschlagenen ukulele und dem gen himmel gerichteten blick erweicht und erreicht er wohl fast jedes herz. ob "little bird" oder "in the end", immer wieder reisst matthew an den leinen, die uns so lose mit dem windigen leben verbinden, immer wieder führt er vor, wie nah wir am abgrund stehen. er ist ein meister des geronnenen glücks, der lebhaften verzweiflung und des gestockten atems." (januar 2009).

in "constant" weicht matthew aus, begleitet von einer einsam mäandernden e-gitarre und einem blassen bass, füllt die spitzen des lungengewebes aus, bedient sich der eindrücklichen kopfstimme, ganz dem verlust hingegeben. es ist weniger ein beweinen, denn ein sehr bewusster gedankengang, um zu konstatieren, vielleicht um abschied zu nehmen. so wie es matthew hier tut, kann es kein zweiter.

mit  "soul to save" und "ruined heart" setzt der in new york lebende songschreiber die kehrtwende zu mehr sparsamkeit fort. hier in den hall geschmiegt der gesang, etwas ukulele, e-bow effekt, schlichtes drumming, dort zunächst etwas piano und synth harp, später eindringlichkeit offerierend dank des cello einsatzes. hier ein schwebender moment, dort ein tiefgründendes schürfen.

"matthew entglitt unvermittelt in eine angespannte, hoch konzentrierte haltung, die dem gegenüber einen platz zuweist. obacht! aufgepasst! hier zerreisst sich jemand, hier zieht sich einer die haut über die ohren. manchmal glaubte ich solcherart gerichtete bewegungen beobachtet zu haben." (mai 2009).

der titeltrack legt zeugnis eines erstarkten menschen ab, der selbst verluste zu nehmen weiß und deshalb darauf verzichtet, einen song über einen verflossenen zu schreiben, er könnte ja schließlich damit hausieren gehen. vor jahren, meine ich, undenkbar. "bittersweat" wird gar zum freundlichen schunkler, obwohl auch hier eher das trennende denn das einende beschrieben werden muss: "and you stop and i start to prepare for a broken heart now, lets agree to disagree".

"es ist sein los. er muss den dürstenden das wasser reichen, den hungrigen den laib brechen. er muss sich selbst auswringen, nackt daherkommen, um alle zu befriedigen, die sich nicht satt sehen, satt hören können. wer die menschliche kreatur verstehen will, muss sich mit beziehungen beschäftigen, mit den sozialen räumen, mit dem zurückgeworfen sein auf das eigene selbst. und so reflektiert matthew immer wieder aufs neue das bekenntnis zur liebe, gibt dem drängen nach ausdruck nach, obwohl es ihn stets gebrach." (juni 2011).

zwischen leichtigkeit bis zur ungehemmtheit, gepaart mit einer prise unbedarftheit, die sich in kindlichem staunen breit machen kann, man erlebt matthew in natura oft sehr erfrischend und nahbar. sein faszinierendes und doch autistisch wirkendes innenleben offeriert er doch erst zwischen den noten seiner lieder. "here we go again" ist lieblich, "ode" ein gruß an den verstorbenen großvater, "palace of tears" ein schönes ende, es spannt den bogen zum bis dahin bekannten scott matthew, der lediglich die ukulele zur hand nimmt, um seine gefühle zur schau zu tragen.

"auch das polarisierende an der musik scott matthews ist unstrittig. das ausgelebte emotionale tiefschürfen ist nicht jedermanns sache. ein greinen, ein weinen, ein schluchzen, ausbrüche, gefühlstaumelei, seit jeher bestandteil des ausdrucks des new yorkers, treffen auch das geübte ohr oft genug unvermittelt. die konsequenz, mit der der barde seinem sentiment nachjagt, es gar umhegt und pflegt, ist es, die des kritikers grundabwehrhaltung umreisst." (august 2013).

scott matthew beeindruckt mit einer bandbreite, die man dergestalt nicht erwartet hatte. besonders stimmlich zeigt er sich wandlungsfähiger, zuweilen präziser, als in den vielen jahren zuvor. das hauchen zerstaubt, das greinen gefriert und eine rauheit sucht präsenz, die eine neue unruhe zu stiften weiß. denn matthew sucht nicht die brisanz im thema, sondern findet thematisches in der brisanz, in der brisanz tief gründenden liebeslebens. das ist wahrlich nicht jedem gegeben.

"this here defeat" erschien im märz auf glitterhouse records.

14.07.2015 - LOERRACH (GER) - Stimmen Festival
15.07.2015 - KARLSRUHE (GER) - Zeltfestival
25.07.2015 - VASTO (ITA) - Siren Festival

04.12.2015 AT - Ebensee - Kino
05.12.2015 AT - Wien - W.U.K.
11.12.2015 AT - Steyr - Roeda
12.12.2015 AT - Dornbirn - Spielboden
13.12.2015 DE - Berlin - Heimathafen

Mittwoch, Juli 08, 2015

neue töne (1552): vorschau sound of bronkow festival, teil 2


wir hatten im mai bereits anlauf genommen, um auf das diesjährige sound of bronkow festival hinzuweisen. enthalten waren alle notwendigen informationen in bezug auf den ticketerwerb und natürlich ein erster blick auf das ausgewählte programm. so waren aus der künstlerschar folgende namen zu vermelden: erdmöbel (d), lambert (d), lemur (d), lloyd williams (uk), new partner (s), novemberdecember (dk), the gentle lurch (d), the moonband (d), vögel die erde essen (d).
dass das noch nicht alles war, was vom 04. - 06. september in dresden anzutreten gewillt sein wird, dessen wurden wir erst jüngst gewahr: die neuigkeiten sind also noch recht frisch. mit am start sind dann auch leaf erikson (ex-flashguns), wolfgang müller & band, the weather station, lúisa, daniel knox, lilly among clouds und the new spring.

einige pretiosen haben wir mal rausgepickt und mit einigen zeilen garniert, die uns bereits vor einiger zeit eingefallen sind. am ende sind sie ja doch brandaktuell.


daniel knox: "das wohlsortierte portfolio von la société expéditionnaire erhält ergänzung. u.a. stösst in den kreis außergewöhnlicher musiker der chicagoan daniel knox vor. noch im frühjahr wird er sich mit einem album hervortun, "evryman for himself" wird es heißen und uns ganz sicher angehen mit seinem kraftvollen pianoanschlag und diesem fast unvergleichlichen gesang, der knox eigen ist. die beherrschung des klaviers war ein reiner willensprozess. so begab er sich jeden tag in den grand ballroom des hilton towers und übte am dortigen schwergewicht. zusätzlich nahm er einen job als vorführer im historischen music box theatre an, so konnte er an dessen großer orgel spielen." (02/11)
"ein überaus spannendes album erwartet uns mitte januar mit dem selbstbetitelten werk von daniel knox. es wird sein drittes album sein, welches am 20. des ersten monats 2015 auf carrot top records erscheinen wird. dabei ist nicht nur die stimme knox', die zwischen scott walker und harry nilsson changiert, hervorhebenswert, nicht nur die songs, welche von seiner kindheit in springfield inspiriert sind, sondern auch die partner, die sich anschlossen, siehe brett sparks (the handsome family) und thor harris." (12/14)


the weather station: "irre, irre, irre. ich bin hin und weg von diesem jungen menschen namens tamara lindeman. die stimme, die ausdruckskraft, das weise und unscheinbar schillernde, transparente wesen." (07/11) "am 12. mai veröffentlicht paradise of bachelors das neue the weather station album. es heißt "loyalty", wozu die künstlerin schreibt: "the record was called loyalty from the beginning—it was the first decision i made about it. it’s a word you usually see written in copperplate script, a virtue: LOYALTY. but the songs don’t treat it that way, just as a thing to unpack. it’s a force that you have to reckon with: loyalty to the dream, to the “work,” to the mythical idea of “you” that somebody thought they saw. it can be a weakness as much as a strength; it can keep you from the reality of your own life, your own self." einen ersten track dürfen wir bestaunen. launig wie die gitarre flitzt, belebend der beat, fast schon etwas fahriges im spiel, flächig der sound, dazu diese gesangsstimme..." (02/15)


the gentle lurch: "in der musik von the gentle lurch findet sich eine passion zur ergründung von mauervorsprüngen und hinterhofschönheiten, zum deatil, findet sich eine vernunft zur machbarkeit und zugleich ein hang zur koketterie, doch den absprung zu (ver-) suchen, finden sich mehr transparente als diffus wirkende momente, für klarheit zahlt man in der regel einen angemessenen preis, findet sich harmonie, die nicht in den clinch will, findet sich mehr. es ist ein karges, wenngleich statisch mit achtsamkeit ausgestattetes gerüst, das die feinen songlinien begleitet. gegründet auf feinstem gespür für momente, für stimmungen. hier kann losgelassen werden, ohne dass man sich der spuren vergewissern müsste. brotkrumen säumen den weg." (10/14)


the moonband: "in wärmender erinnerung bleiben bereits ältere songs wie "photosynthesis", joänne" oder "the temptation of superman", die mit weicher wucht an den mann gebracht wurden. immer wieder brauste der eine oder andere nach zögerlich sachtem beginn auf, wie man eben aufbraust, wenn man aus einem kleinen schlagzeuggeviert tritt, wenn gitarre und mandoline schwung holen und vielfachstimmen die flügel bilden. wer mitsingen wollte, sang, wer tanzen wollte, tanzte und wer still in sich versunken geniessen wollte, genoss. von beseelten gesichtern zu erzählen, klänge romantisierend? vielleicht." (06/14)

und das war noch längst nicht alles! ein paar namen werden noch fallen. außergewöhnliche, überraschende! haltet still, wartet ab, deckt Euch in der zwischenzeit mit tickets ein.

Dienstag, Juli 07, 2015

glotzt nicht so romantisch (634): qluster


photo by stefan maria rother

unglaublich, aber wahr, qluster legen mit "tasten" bereits ihr fünftes album vor. das trio aus hans-joachim roedelius, onnen bock und armin metz hatte sich doch gerade erst konstituiert. am 10. juli erscheint der neuling auf bureau b, davor gibt es das video zum track von "spuren im schnee". verantwortlich hierfür zeichnet luma.launisch. "tasten" macht seinem namen alle ehre und beschäftigt sich vor allem und überhaupt mit der ausdruckskraft und den -möglichkeiten des pianos.


glotzt nicht so romantisch (633): rickie lee jones


ich trage sie unter der haut. diese stimme, stets dem nasalen näher als der reinheit, sprengt sie zweifel noch vor dem ersten ton. "the other side of desire" heißt das neue album von rickie lee jones, das seit ende juni auf dem markt ist. "jimmy choos" ist mehr als nur beachtenswert, denn es ist beweist sowohl die songwriterische als auch die gesangliche größe der amerikanerin. zehn jahre nach ihrem letzten album ist sie wieder auf der höhe.

Montag, Juli 06, 2015

ein (p)fund mp3 (504), teil 2

sie stammt aus los angeles und ist trotz ihres jungen alters fest in der heimischen szene verankert, ende juni veröffentlichte sie ihr debüt, eine sechs tracks umfassende ep auf burger records, die lead single "you can change" jetzt: pearl charles:


passender hätte man es dieser tage nicht formulieren, die wiener truppe, die auf problembär records veröffentlicht, bringt es auf den punkt, die "4 seasons" ep kam bereits im november des letzten jahres heraus, aber der sommerhit sticht nun mal erst jetzt: kidcat lo-fi:


unter angegebenem moniker versteckt sich owen ashworth, den viele noch als den obmann von casiotone for the painfully alone kennen werden, "nephew in the wild" heißt sein zweites album, welches am 21. august auf orindal records, in europa auf tomlab erscheinen wird, ein ausschnitt: advance base:


mit diesem team love records release machen wir weiter, es handelt sich um die selbstbetitelte von joe pernice und budo (wobei wir an dieser stelle kurz das stichwort scud mountain boys fallen lassen), die lp erscheint übrigens am 18. september: roger lion:


porch party records nimmt sich einiger künstler aus dem heimischen kalifornien an, u.a. des frontmanns der long beach psychkapelle wild pack of canaries, der sich seit einiger zeit auch in solo versucht, sein solodebüt "ostranenie" erscheint am 07. juli: rudy de anda:


eine gute gelegenheit, um noch auf das solodebüt des the fling frontmanns einzugehen, das dieser im mai auf dem selben label veröffentlicht hat, es hört auf "dimensions" und hat zum beispiel diesen veritablen hit im programm: dustin lovelis:

ein (p)fund mp3 (504)

sein zweites album unter wirschem moniker veröffentlicht der tune-yards basser nate brenner im oktober via city slang, die bindungstreue zum neuen label muss noch bewiesen werden, alles andere hat er im griff, man höre: naytronix:


die beiden musikalischen tausendsassa hans-joachim roedelius (cluster, harmonia...) und christoph h. müller (gotan project...) beleben die elektro-atmosphärisch belasteten genres mit ihrem album "imagori", welches anfang september auf grönland erscheinen wird: mueller_roedelius:


er trat zuvor unter verschiedensten namen an, bis er sich nun entschlossen hatte, den eigenen zu nutzen, um neue musik zu präsentieren, "whitecaps" heißt das album, es ist ganz frisch auf group tightener erschienen, der portlander hat sich kenntlich gemacht: dan svizeny:


die britin hatte in ihren frühen jahren einige unwirtlichkeiten der musikszene zu ertragen, es trug sie wie ein junges bienchen von blüte zu blüte, earth recordings fasst einige pretiosen zusammen, "anthology - part one" wird etwas später im jahr veröffentlicht: judy dyble:


es sei eine überraschung, heißt es, nehmen wir es so hin, auch wenn wir glauben, dass hier strategen beieinander saßen, das gemeinsame album hört auf "no life for me" und ist am 29. juni auf ghost ramp erschienen: wavves / cloud nothings:


vorerst wenigstens einen schnipsel gibt es vom am 26. juni auf totally wired records veröffentlichten neuen album von kate kristal und ana threat, das werk hört auf "smile" und davon gibt es sicherlich in bälde mehr: kristy and the kraks:

Sonntag, Juli 05, 2015

neue töne (1551): hillfolk noir


erstmals schrieben wir 2009 über die band und das u.a. so: "vorstand der kapelle ist travis, der ein erstes bandgefüge in den späten 90igern auf die beine stellte, damals noch unter travis ward and junkyard bandstand. sobald eine halbwegs vollständige band beisammen war, tourte man und nahm einige alben als selfrelease auf. einige zeit später gründete man hillfolk noir." weiter heißt es in sachen musik: "sie dürften in ihrer heimat zum tanz aufspielen, wäre da nicht diese anarchistische note, die ich ihnen keineswegs übel nehme. das schmutzige des fleißigen, der schweiß nach getaner arbeit, aber auch das sonnengebräunte des müßiggangs, all das findet sich wieder im rauhen folk und blues von hillfolk noir. die bühne geteilt haben sie bereits mit james mcmurtry, built to spill, bonnie prince billy, gerald collier, heroes and villains, train, jesse dayton, the dusty 45's, neva denova, neko case..." 2012 nahmen wir neuerlich anlauf: "die raue, unbelassene und zugleich jugendlich erfrischende art, mit der die truppe ihren oldtyme zelebriert, geht einen echt an. sie nennen ihre mischung aus country, folk und rock 'n' roll selbst junkerdash. darin enhalten soll auch die psychedelische note sein."


heuer, um genau zu sein im juni, wurde ein neues werk auf den markt geworfen. unter "pop songs for elk" greift der auf eine dreiergemeinschaft geschrumpfte sympathische haufen aus idaho (travis ward: guitar, suitcase and singing; alison ward: musical saw, washboard, banjo and singing; mike ´waite: double bass) erneut an. stets begleitet von einem gerüttelt maß an stomp, assistiert von einer blechernen note und immer wieder angeheizt von freundlicher verrücktheit, hier ist der punk im folk-blues-gewand daheim. die sich gegenseitig übertreffen wollenden gesänge aus männlicher wie weiblicher kehle versetzen dem ganzen dann den letzten kick. hillfolk noir sind auch in 2015 der startplatz auf den man setzen sollte, will man mit dem sieger in sachen folkabenteuer als erster ins ziel sausen.


Samstag, Juli 04, 2015

neue töne (1550): lau nau


es ist wahrlich schwierig, sich in "hem. någonstans" hineinzudenken. zu filigran, oft zu minimalistisch ist der soundtrack, den lau nau für den dokumentarfilm "home. somewhere" von lotta petronella eingespielt haben. es ist ein andauerndes soundwabern, durchsetzt mit saitenspiel, für das pekko käppi mit seiner jouhikko verantwortlich zeichnete. so entstehen klänge, die weite implizieren und fremde und die suche nach einem platz, auf dem die seele ruhe kann. abgesehen von einiger stimmakrobatik im hintergrund bleibt lau naus viertes album instrumental, es trägt cinematoskopische gewichtung in sich und zeichnete einen stoff nach, der fragt: "will the human soul ever find a home?" elektroakustische zierart in teilweise orchestraler aufblähung, manchmal meint man hörner murren oder streicherwellen vorbeiziehen zu hören. doch getragen bleibt es, melancholisch zuweilen, schlicht stets. magisch wird es, wenn sich das traditionelle, finnische musikinstrument in den vordergrund lehnt und zwischen auflehnung und katharsis oszilliert. singuläre pianotöne kontern das spiel. im film treten wohl drei hauptcharaktere zu tage, die musik lau naus würde den vierten charakter abbilden, heißt es: "it's born with a soul." das können wir nur unterstreichen. das album unterscheidet sich dabei doch zum teil deutlich von früheren aufnahmen der laura naukkkarinen, die zuvorderst hinter dem projekt lau nau zu finden ist. vor allem "fehlt" der eindringliche gesang, der hier allerdings durch die präzision, die zu hochwertigkeit dekliniert wird, wett gemacht wird. "hem. någonstans" erscheint im laufenden juli auf fonal records.
tracklist: 1. metsä ja meri / 2. genesis / 3. koti / 4. luotsilaiva / 5. kuun mustelmat / 6. maininki / 7. jäämies / 8. hyönteispöly / 9. kiikarit / 10. kuoleman laiva / 11. pianosatu / 12. haihtuminen
das klienicum zu "valohiukkanen", november 2012: klick. 

Freitag, Juli 03, 2015

glotzt nicht so romantisch (632): tops


eine schön verhuschte nummer ist "sleeptalker", die der vierer aus montreal hier mit ein paar bildern unterlegt hat. der track gehört auf das aktuelle album "picture you staring", welches auf arbutus records erschienen ist. auch live ist die band sehr aktiv, nur aktuell nicht bei uns. gönnt tops ein ohr und vielleicht nehmt Ihr Euch der restlichen songs an, die die truppe fast in solomanier eingespielt hat.

glotzt nicht so romantisch (631): petula


eine neue ep namens "one last note before the rapture erscheint am 10. juli auf analogsoul. die begleitende single hört auf "better" und wird zudem in visueller form dargestellt. petula, der urheber meint zum track:
"Bevor hier vielleicht alles endet, umkippt, auffährt, anders wird, lass mich noch diese Gedanken festhalten. Gedanken an Jugendgeister, Naturverachtung, viele Küsse und reichlich Reue. Formuliert in verwaschenen Klaviertönen, schlenkernden Gitarrenfiguren und dezent fordendem Beat. Aufgenommen und gemischt von Oliver Stangl, gemastert von Freddy Knop, gestaltet von Martina Hoffmann und begleitet von Analogsoul, weil Konstanten und Freundschaft wichtig sind. Und man nicht alles ändern soll, wenn's gerade läuft."  

können wir nur unterstreichen, vor allem im gedenken an das 2013er "don’t forget me, petula! don’t forget everything, petula!“, wir formulierten in etwa: "fragmentarisches beleben, unterkühltes abebben. wirkungen. treffer. cleemann gelingt, nicht zuletzt mit unterstützung seines aufnahme sideparts oliver stangl (clickclickdecker, missouri), ein album, bei dem immer der wahnwitz um die ecke lugt, das dich jedoch immer wieder einfängt, weil, die charme grinsende maske übergezogen, immer wieder eine attraktion gelingt. das drumming fegt die zweifel weg, die gitarre storniert die fragezeichen und die harmonien sind wurmstichig, wie sie das misstrauen bearbeiten. und wenn es hakt und klemmt und sich maßlos zu den seiten wendet, dann folgt garantiert ein einflüsterer. wegweiser. wir sprechen über eine griffige kunst, identifizierbar, der elenden zauberei enthoben. stück für stück nur der eigenen magie erlegen. ernsthaft. immer den blick auf ein ziel gerichtet. zweifel löschend. vertrauen schindend."



Donnerstag, Juli 02, 2015

eingestreut (824): alela diane / ryan francesconi


die zwischendurchnachricht für die aufgeweckten unter Euch. alela diane schickt mal wieder ein lebenszeichen! und was für eines, gemeinsam mit ryan francesconi wird sie ein neues album veröffentlichen. "cold moon" heißt es und erscheint am 16. oktober auf believe recordings in europa und via rusted blue records im rest der welt. über ryan hatten wir einige male berichtet, der in portland beheimatete komponist und gitarrist machte sowohl in solo von sich reden, live wie auch auf alben, als auch in der zusammenarbeit z.b. mit mirabai peart, kane mathis oder als mitstreiter von joanna newsom. neben seiner aktivität im dunstkreis von alela diane arbeitete ryan zuletzt auch mit einer band, die mirabai peart, tobias roberson und paul brown integriert sieht. 
von alela diane wissen wir alles und doch so wenig, ihr letztes album "about farwell" hatte sie bereits auf dem eigenen label veröffentlicht, wie auch "cold moon" auf rusted blue erscheinen wird. ein erstes tonales zeichen setzen wir hiermit ab.

eingestreut (823): oliver peel session nr. 100


wirft man selbst nur einen unterkühlten blick auf die pariser musikszene, kommt man an ihm nicht mehr vorbei. seit etlichen jahren organisiert oliver reimer aka oliver peel, wie er sich ganz im gedenken des über allem ruhrenden djs nennt, kleine, aber ausgesuchte konzerte. zunächst noch im heimischen rahmen praktizierend, wo er solch ausnahmekönner wie laura gibson, arborea oder simone white empfangen durfte und gleichzeitig der heimischen kreativkultur eine plattform gab, sprengte der wahlpariser irgendwann das enge geviert und begab sich tiefer in das nachtleben der französischen hauptstadt. dort buchte er nun clubs, schnuckelige läden, in die er neben den künstlern auch ein hellwaches, dankbares publikum einlud. dass sich seit ca. 2007 mehr als neunzig veranstaltungen organisieren ließen, hätte sich oliver sicher auch nicht vorstellen können. wer etwas mehr über die außergewöhnliche tätigkeit zu gunsten der tief unter dem mainstream schippernden künste wissen will, der möge ins konzerttagebuch schauen, in dem oliver peel immer wieder zeugnis davon ablegte, was wann wo geschah.

am 17. juli nun steht die 100. session an, die einer besonderen würdigung bedarf. nicht nur des jubiläums wegen, auch weil dem connoisseur ganz besondere gäste ins netz gegangen sind. hier muss zuvorderst david gedge nennen, den kopf von the wedding present, der sowohl unter diesem namen, als auch unter dem pseudonym seines "zwischendurchprojekts" cinerama (in einem "8-piece ensemble with trumpet & flute") auftreten wird. letztere aufstellung wird die hauptattraktion sein, während the wedding present das vorprogramm gestalten werden, indem sie ihr album "saturnalia" von 1996 darbieten.
wer bei diesem außergewöhnlichen ereignis dabei sein möchte, sollte also am 17.07. in paris weilen, um sich dann dort an bord des petit bain zu begeben. alle infos für und um die örtlichkeit findet Ihr hier: klick.

um die vorfreude vielleicht etwas anzukurbeln, schieben wir diese info noch nach. im vergangenen mai haben cinerama das 2012er album "valentina" von the wedding present neu interpretiert herausgebracht (scopitones). daraus wird es sicher einiges zu hören geben.  

VENDREDI 17 JUILLET OLIVER PEEL SESSION #100 CINERAMA [THE "OTHER" BAND OF DAVID GEDGE] + THE WEDDING PRESENT PLAY "SATURNALIA" 
Indie Pop 19h / 19€ en prévente*, TR, habitants du 13eme / 22€ sur place *hors frais de location

Mittwoch, Juli 01, 2015

konzert: julie doiron, 29.06.15


der laue sommerabend lud zum entspannten cruisen ein. die saftigen wiesen zogen in endlosen quadraten rechts und links der b15 vorbei, lediglich unterbrochen von sich grau abhebenden, in die landschaft schlängelnden landstraßen. die sonne grüßte noch wach von den gipfeln des majestätisch ruhenden gebirges her, ein milder wind zosch in die weit geöffneten fenster unseres wagens. rosenheim grüßte mit vororten, später mit bildungseinrichtungen und dem hinweis auf den örtlichen eishockeyverein, in der city selbst mit baustellen, einbahnstraßen und parkplatzproblemen. vor dem hole hatte sich bereits eine traube gebildet, die sich der kleinen straße annahm, rauch in den himmel blies, sich das frische bier schmecken ließ und mit linkischem blick nach einer dame lugte, die sich ihrer kinder bemühte. luftig bekleidet, ärmellos, so dass man ein kleines tattoo auf dem linken oberarm sehen konnte, mit sandalen beschuht, eine große, runde brille auf der nase, julie doiron. ihr jüngstes (elsie) brauchte noch hilfe beim umherwandeln, die größeren konnten sich bereits darum kümmern. bald sollte die situation kurzzeitig eskalieren, die mutter musste schließlich ein konzert spielen. beruhigung allenthalben, spätestens als die kanadierin auf der bühne stand. 

an ihrer seite christopher leigh mc laughlin, der sich wie die namensgeberin des konzertabends eine e-gitarre umband. er sollte schließlich für die akzente sorgen, melodieneinschlüsse, saftiges fetzen, sphärische soundmalereien oder bottleneck-akrobatik. es gelang ihm zumeist ausgezeichnet, doch die momente, da sich verzerrungen nicht mehr als intendierte identifizieren ließen, mehrten sich. ganz offensichtlich begannen amp und pedals zu streiken. christopher, mit deutschen vorfahren aus der nähe von kaiserslautern, wie man während des abends erfuhr, ließ sich zunächst nicht aus der ruhe bringen, da waren bereits einige songs absolviert, doch in der interaktion mit seiner partnerin entstand spürbare nervosität. war sie zunächst auch gegründet in der tatsache, dass sich die babysitter via handy bemerkbar machten, was für ein zusätzliches störgeräusch sorgte, wurde sie potenziert durch die erwartungshaltung doirons an einen möglichst einwandfreien vortrag. dass christopher irgendwann das handtuch schmiss, sprich die gitarre in die ecke stellte und entnervt die flucht ergriff, kann seitens des bzw. durch publikums nur schwach begründet werden. hier offerierte sich bzw. hierin kulminierte vielleicht auch der andauernde stress, dem die familienbande auf einer weitläufigen und zeit- und kräfteraubenden tour ausgesetzt war, ist.


bis dahin aber hatten die beiden geschwisterlich aufeinander zu gearbeitet, ließen die gewogenen anteile am klangbild gelten und gesellten sich zueinander, sowohl instrumental, als auch stimmlich wenn es not tat. hin und wieder stutzte sich christopher die flügel, setzte sich auf die bühne, um an den effekten zu fingern, schleifen zu produzieren, ein psychedelisches geifern anzustimmen oder um ein neues fundament zu schaffen, auf dem julie doiron agieren konnte. sie wiederum schien sich über den abend hin erst einmal einsingen zu müssen. klang ihre stimme anfangs noch beschränkt, kantig, hart, nahm sie an weichheit, klarheit und variabilität im verlaufe des konzerts immer mehr zu.  aber es ist gerade ihre eckige art, hier und dort etwas zu verschlucken, endungen endungen sein zu lassen, die für so positive widerstände sorgt. denn während sie bereits die nächste liedzeile beginnt, lässt sie der zuvor gesungenen noch ein fitzelchen raum, damit ihr der hörer etwas nachgehen kann. so nimmt er einen aktiven part ein und wird schnell zum mitbesitzer des doironschen kosmos. 

diese magie ließ sich zum glück trotz der mächtigen soundprobleme spüren. erst recht als die vierfache mutter später allein das geviert ausfüllen musste und sich dabei nicht mehr mit soundproblemen konfrontiert sah. vom temporären ärger musste sie sich noch befreien, bis sie schließlich noch einmal mit einigen wunderbaren liedern beeindruckte. zum glück hatte sie sich nach der performance im duett nicht vollends verdrückt, sondern rückte einer zugabe zuleibe. und damit sich selbst. wie sie die gitarre schnarren ließ, einblick in ihre gefühlswelt erlaubte, ganz so wie sie auch ihren alltagszorn nicht versteckte. es ihre art. sie ist voller zweifel und fragen und dabei voller klarheiten. beziehungen gehen nicht einfach so auseinander, lässt sie uns wissen, es kommt stets noch etwas nach, das echo währt.


so auch die erinnerung an den opener "yer kids", diesen wunderbaren song vom 07er album "woke myself up", der großmutter gewidmet, schwappt er zwischen den tempi und lässt die protagonistin keckern und den sidepart nach lichten tönen greifen, herrlich wie er auf den bünden nach ihnen schnappte. "swan pond" wird zum erwarteten schunkler, christophers part verstärkte die reize, doch noch befindet sich die gesamte chose in haltloser bewegung. mit "le piano" zitierte doiron nachfolgend ihr französisch sprachiges album "désormais", eine kleine, feine, anmutige nummer gelingt. mit "cars and trucks" wird erstmals das letzte solowerk doirons zitiert, "so many days". es ist ein giftiges, verletzliches lied, das sich windet und wendet und sich nicht so recht einfangen lassen will. irgendwann packt es die sängerin beim kragen und legt es uns sorgsam gefaltet vor. ähnlich ergeht es "dirty feet" vom 2004er "goodnight nobody", wobei es dank seiner schönheit einfach nur ist. die noten tropften von den saiten und es begaben sich gesangsfetzen hinzu. im hintergrund poliertes, ein friedlich dreinblickender mann. "the only" und "where are you?" entstammten erneut dem letzten tonträger. beiden gefällt die korrespondenz von sanftmut in der stimme und ausdrucksstärke in der saitenarbeit. später erklingt noch das gemeinsam inonierte "twin summers", eine nummer von weird lines (geschrieben von christopher), an diesem abend in schlichtem kleid vorgetragen, wunderschön. nicht weniger glanzvoll erstrahlten hernach die solo vorgetragenen "i woke myself up", "snow falls in november" und "will still you love me in december". das ende war versöhnlich, wie der anfang und die mitte nicht vorhersehbar waren. wie das leben. und das leben macht spaß!
die nächsten termine: 01.07. offenbach - hafen 2 02.07. düdo. - kassette 03.07. hh - hasenschaukel 04.07. berlin - down by the river festival 


das trifft wohl auch auf andi langhammer zu, der sich seit vielen jahren unter dem moniker lost name einen namen gemacht hat. seine art das gitarrenbrett zu behauen, hat etwas animalisches, oft kämpferisches, als gelte es dämonen gegenüber zu treten. dabei führt er eine stimme mit sich, die an sanftmut und tragkraft für die besonderen themen kaum zu übertreffen ist. wir hatten den jungen songwriter das letzte mal 2009 erlebt. damals schien er deutlich introvertierter, verschlossen, in sich verkapselt. heuer aber zeigte er sich aufgeräumter, offener. seiner musik, die er im vorprogramm des julie doiron konzerts darbot, tat dies keinen abbruch.

tausend dank an heidi und bebop schallplatten für die einladung, das konzert, dafür!