Samstag, Juni 02, 2018

ryley walker - deafman glance (dead oceans, 2018)


die szenerie ist durchwirkt mit dem odem alter tage. auf abgestandenem wasser, in staubgetrübten gläsern ruhend, legt sich das licht zur nachtruh nieder. etwas gründenes, ein wenig zierart, im vordergrund ein freies gewerk aus gitarrentönen, ein flötenstaunen, gesang. schlicht und doch voller anmut, kunstlied, hippiefreude, americana, ein takoma-signal und am ende anti-folk? 
ein raunen, wenn jazzy die saiten springen, die melodie so leicht wie ein sommerregen. erstaunlich viel natur hier. eine offerte für organisches musizieren. hooks, und belebtes vorwärts. 
trommelschlag, ein weichen und zueinanderfinden. 

selten findet sich dieser tage so freies, ungebundes spiel, ohne sich im experiment zu verlieren. der groove ist kontrolliert, die bedingungen klar, der rock, wenn notwendig, bissig. ryley walker weitet das genre, so es sich eingrenzen ließe, verwirft plausibiliäten und räumt missverständnisse ein. dem hörer obliegt ein systematisches verfolgen des jammens, improvisierens und letztlich kanalisierens.

rhyhtmisch tollkühn, dynamik allerorten, feingliedriges instrumentieren, als durchschnitten silberfarbene fäden ein grobschlächtig hingeworfenes bild, dick aufgespachteltes, das sich bei näherer betrachtung zu einer traumlandschaft entwirft. sentiment ja, melancholie eher nicht, vielmehr befreiung, im gesang findet sich die alte stärke. und so bewundern wir entwicklung, wo es kaum eine zu erwarten gegeben hätte. mit seinem fünften album beweist der amerikaner, dass er längst zu den großen gehört.

hören wir noch einmal hinein: zart lächelnd wie die noten springen, ernsthaft der anschlag, das vibrieren der stimmbänder, der fade beat, der dem raunen der gitarren eine ahnung gibt, endlich ein erstes aufbegehren, das ordnung schafft, dann der schwung, das bewegliche unendlich!

ryley walker schaffte sich gemeinsam mit brian j sulpizio und bill mackay (jeweils e-gitarre), daneben agierten leroy bach (e-gitarre, klavier, keyboard), andrew scott young (kontrabass), matt lux (e-bass), mikel avery (drums), quin kirchner (drums) sowie nate lepine, (saxophone, flöte).
"deafman glance" erschien mitte mai auf dead oceans.

live: 24.07. münchen, milla

Samstag, April 07, 2018

thunderegg - cosmos (bleeding gold, 2018)


das vielschichtige wabern, das kreuzläufige mäandern, das griffige vorwärts - im kollektivgewand ist bewegung. angedockt haben süßholz raspelnder gesang und pfiffige lyrics, die verheißungen zunächst verstecken, erst einmal gilt es ihnen auf den grund zu gehen. wie man überhaupt thunderegg auf den grund gehen sollte. die band aus der bay area ist nicht ohne ihren vorstand will georgantas zu denken. der lockenköpfige bursche betreibt dieses projekt über viele, viele jahre, gern in wechselnden besetzungen, immer wieder auch in solo. so sind etliche tonträger entstanden. mit "cosmos" wird nun erstmals ein full length auf vinyl erscheinen. bleeding gold records unterstützte den vierer, der sich neben georgantas (vocals, electric and acoustic guitars, keyboards) aus alex jimenez (bass), reese douglas (guitar) und andré custodio (drums) zusammensetzt. nicht zu vergessen, wenn wir schon beim namedropping sind, ist alan weatherhead. er zeichnete neben den aufnahmen auch für verschiedenen instrumenteneinsatz verantwortlich. wem der name undeutlich, verschwommen eine ahnung gibt. richtig, er arbeitete schon mit sparklehorse, magnolia electric co., julien baker, cracker und etlichen anderen zusammen.

die welt mit den augen eines anderen sehen, verstehen, dass außerhalb der eigenen sphäre noch andere, neue, spannende gedankenwelten herrschen, beginnen oder enden. nimm die dargereichte hand. ernsthaft groovt die kapelle, das schlagwerken ist hohlwangig und dennoch präsent, die e-gitarre leuchtet und will georgantas gibt in "as if it found someone" den raumerweiterer. der pop hat eine rocknote, die nicht wegzudichten ist. da ist dennoch mehr. die dichte des sounds, sein spaciger angang und die immer wieder perforierende instrumentenschichtung. stilunabhängigkeit und der süffige harmonienaufguss muss man zu den stärken des vierers aus san francisco zählen.


wer thunderegg über die jahre ein wenig verfolgte, wird auf "cosmos" einige überschneidungen zu älteren tonträgern feststellen. unter anderem lassen sich das melodienstarke "i turn automatic" oder das bittersüße "stupid town", aber auch das bereits erwähnte "as if it found someone" auf dem 2012er compact disc release "not what I meant" finden, allerdings in deutlich differenten versionen. in 2018 ist deutlich mehr lametta.
diese tage sind aggressiv, im wandel, vielleicht befinden wir uns auf dem weg in ein neues zeitalter. hören wir thunderegg, finden wir nicht nur ablenkung, sondern auch eine idee davon, wie wir zukunft neu definieren können.
"cosmos" erscheint im mai, das vinyl kommt im gatefold cover, behält alle texte parat und ist überhaupt ein schmuckstück, das wir wärmstens empfehlen. kaufen könnt Ihr hier.

Freitag, März 30, 2018

zu gehör getragen (210)



thom and the wolves - the gold in everything (solaris empire, 2017)
> bewahrenswerte ansätze, wohlfeile koalitionen, vieles richtig gemacht, um den sprung von der straße ins studio dokumentiert zu bekommen, jedoch auch nach allen seiten offen, um radikaler zu sein, 2,5-3/5

dirtmusic - bu bir ruya (glitterbeat, 2018)
> chris eckman und hugo race (inkl. murat ertel) als wellenbrecher, zwischen hypnotischem ethobeat und radikalem politischen statement, ernsthafter wird dies aktuell kaum irgendwo betrieben, selten aufgesetzt, zumeist gekonnt beflissentlich, 3,5-4/5

julien baker - turn out the lights (matador, 2017)
> da wo das debüt spröde und direkt war, glänzt der neuling im licht einer frei atmenden produktion, macht aber auch weniger her, vielleicht weil ich es so will, vielleicht aber weil manches nur noch gewöhnlich klingt, 3/5

sarah louise - deeper woods (thrill jockey, 2018)
> zwischen appalachian folk tradition und dem mut die 12-string in experimentelle, psychedelische momente zu transferieren entwirft die künstler einen anziehenden sound, aus welchem ihre helle gesangsstimme heraussticht, 4/5

Samstag, März 24, 2018

hicks!: the noise figures / buck curran / cath & phil tyler


mehr als empfehlung bleibt an dieser stelle nicht.
zunächst das frenetische fuzzrockduo aus athen, das nach mehr als zwei jahren endlich ihr drittes full length an den start bringen. "telepath", der zehntracker, erschien am 02. märz auf inner ear, euphorisierend: the noise figures.


ebenfalls aktuell ist das neue album vom nach italien ausgewanderten amerikaner, der neben seiner eigenen musik auch immer wieder auf suche nach perlen aus der vergangenheit geht, das label obsolete recordings sei Euch deshalb sehr ans herz gelegt, hier nun aber der hinweis auf das folkoristische soloalbum "morning haikus, afternoon ragas" der einen hälfte von arborea: buck curran:


abschließend der hinweis auf das dritte album dieses fantastischen duos, mit "the ox and the ax" erscheint ein grandioser folkneuling am 30, märz auf thread recordings: cath and phil tyler:

Sonntag, März 04, 2018

hicks!: sound in silence


seit einigen jahren verfolgen wiur das rührige tun des kleinen labels aus athen in griechenland. die handgefertigten releases zeichnen sich nicht nur dem design nach durch präzision und hingabe aus, auch die ausgewählten künstler erlangen den status für diese company einspielen zu dürfen erst nach einem entsprechenden ausleseverfahren. mit yndi halda gibt es aktuell beispielsweise eine band zu bestaunen, die auf ihr 2016er album eine ep namens "a sun-coloured shaker" packte, um sie bei sound in silence zu veröffentlichen. die mehr als elf minuten hängen wir hier mit an, eine tolle mischung aus instrumental- und postrockfahrten.
nicht weniger spannend ist das debütalbum des zwillingsbruderpaars aus andrew und michael tasselmyer aus philadelphia, die man auch unter den vorzeichen hotel neon oder the sound of rescue kennen könnte. mit ihrem selbstbetitelten erstling gelingt ihnen eine wunderbare, ambient orientierte musikalische reise: gray acres.
die kleinode gibt es in geringer auflage, verpackt in wohlfeilen cases.

Samstag, März 03, 2018

hicks!: pj harvey and harry escott

eine berührende tiefe, die fortan gefangen halten soll. das thema, die bindung, die klarheit und einfachheit. was es mit mir macht? war es so voraussehbar? bezweckt gar? "an acre of land" von pj harvey and harry escott, zum gleichnamigen film.

Freitag, Februar 16, 2018

hicks!: aul


starker release auf red brick chapel, ende des vergangenen jahres erschien "uto", das exzerpt eines jahreslangen zusammentuns des dreiers aus roland wäspe (guitar), martina berther (bass) und mario hänni (drums), verspult, intuitiv, kreativ, ideenausbund: aul:

Donnerstag, Februar 15, 2018

hicks!: kemialliset ystävät


lieblingsband mit neuem material, auf dem u.a. tätig waren: jan anderzén, francesco cavaliere, petra poutanen, antti tolvi. "ramses kutoo", so heißt es, wird nicht auf dem baldigst erscheinenden neuen album enthalten sein. na denn: kemialliset ystävät.

Mittwoch, Februar 14, 2018

hicks!: grdns


schön verspult, doch aufregend aufgewühlt, kommt uns da die erste single des psychpop dreiers grdns, das mit "night dance" auf dem leedser label dance to the radio beheimatet ist, der 13. februar war veröffentlichungstermin:

Dienstag, Februar 13, 2018

konzert: jaye bartell, 09.02.18


die lieder sind von einer direktheit, dass es einem den atem stoppen mag. sie sind klar und tief, dass man sich verlieren kann, ohne orientierungslos dahin zu vegetieren. jaye bartell präsentierte sie pointiert und mit einer miene, die sich im rücken seines publikums einen ankerplatz zu suchen schien. zwischen den nummern kehrte er wieder zurück, blickte offen um sich und nahm gar kontakt auf. anfangs noch etwas verbittert, da das auditorium nur schwach besetzt war, später deutlich entspannter, nachdem er feststellen konnte, dass die aufmerksamkeit enorm hoch war. gemeinsam mit seiner charmanten begleitung laura loriga gelang ihm so ein mehr als ansprechender konzertabend. wir verfingen uns in seinen gedanken, er in dieser wunderlichen, licht gearteten location, wir ineinander, weil man sich genau darauf einigen kann. so schlittert das erwärmende "give erin a compliment (so kind)" zwischen uns, da laura den angel olsen part übernimmt und man sich flott aufgerufen fühlt mitzusingen.

vielleicht war es das vorerst (für mich) in der bergschmiede. es gibt nichts zu beschönigen. die künstler, die wir einladen, haben eine anziehungskraft, die sich aus anderem speist als aus einem hohen mainstreamfaktor, vielleicht liegt der konzertort zu weit außerhalb der unstrittigen münchner szenerie, vielleicht haben wir das falsche bier am start. die vorbereitung solcher events kostet zu viel zeit, zu viel kraft, zu viele emotionen, die ich derzeit nicht in der lage zu geben bin. und wenn am ende gerade mal ein drittel des eh schon knappen publikums gewillt ist für den abend zu zahlen (in kleiner münze), dann legt man eben auch hier noch oben drauf.

Montag, Februar 12, 2018

hicks!: caroline says


konfrontiert mit dem staatensong. man kann ihn versetzen. denkt sich caroline sallee, die unter caroline says firmiert und verwendet wenigstens den titel, um dem lynyrd skynryd original etwas engegen zu setzen. sehr gelungen, wie wir finden. am 16. märz erscheint auf western vinyl der zweite longplayer "no ffol like an old fool".

Sonntag, Februar 11, 2018

hicks!: frankie cosmos


yep, die wunderbare great kline mit ihren mann auf dem weg zum neuen album, "vessel" erscheint am 30. märz auf sub pop und macht mit ersten videos bereits ordentlich auf sich aufmerksam, wir insistieren gern: frankie cosmos:


Sonntag, Januar 21, 2018

karl blau - out her space (2017, bella union)


das ist die irre welt. in all ihrer formvollendung. da spulte der bursche mal eben ein coveralbum herunter und jedermann fügte begeistert seinen sermon bei. die deutlich über dem durchschnitt liegende kost stand jedoch zu jenem zeitpunkt nur einem mehr als erklecklichen output vor, den karl blau über all die jahrzehnte seines musikalischen schaffens stets an den mann zu bringen gewillt war.
wer also "introducing karl blau" wahrgenommen hatte, musste noch lange nicht auf "out her space", welches letzten november erschienen war, aufmerksam geworden sein. dabei ist sein aktueller achttracker erneut ein kleinod, wie es im oeuvre des amerikaners einige andere zu entdecken gibt.
weit ab von vermeintlich modernen geschmacksparametern mäandert blau durch einen unerschöpflichen genrekosmos nebst unverhohlenem zugriff auf die erfahrungen etlicher musikerkollegen vor ihm. nicht umsonst, dass der name frank zappa immer wieder vor dem geistigen auge auftaucht. zuweilen vertrackt, spinnert, geriert sich der erguss, stets aber freundlich, zugewandt, mit einer karibischen note, akzentuiert, kunstfertig, mutig.
karl blau konnte für das neue album ausgesprochen großartige musiker gewinnen, darunter phil cook von megafaun oder matthew e. white. gemeinsam scheint man sich ständig der entworfenen finessen zu freuen. ein kollektives erlebnis, das früheren großtaten des aus anacortes stammenden künstlers in nichts nachsteht. beispielgebend sei das euphorische "valley of sadness". es hat so viel pfeffer, dass es das gesamte sortiment der aktuellen top 40 wie nichts wegkloppte. oder das hippe "blue as my name", groovy! 

Samstag, Januar 20, 2018

hicks!: yo la tengo


wer kann, der kann. auf vier tracks aus dem neuen, im märz erscheinenden yo la tengo album zugreifen.

Montag, Januar 15, 2018

trio.diktion - serenade (2017, golden ticket)


dem jazz ein zaumzeug umgelegt, das ihn nicht in den nacken beisst, das nicht einschnürt, das nicht reibt und an dem man nicht so zerren kann, dass es einem den kopf zurückreisst. im gegenteil ist das teil samten und wohldrapiert. eine feierliche komponente wohnt dem hoffierten genre inne. die melodramatischen momente werden gekonnt verinnerlicht und zu eigen gemacht. der große rest ist ein sonniger ablaß, ein feinsinniges kunstwerken. vier junge musiker, die in dresden und leipzig ihr handwerk lern(t)en, finden auf ihrem zweiten gemeinsamen album namens "serenade" zueinander.
während das piano ein vermeintlich klassisches motiv erörtert, zärtelt die posaune wind in die atem holende klarinette. ein gepflegter bass trimmt die runde geschickt in die gemeinsame mitte. was wie ein lustiger ringelreigen anmutet, ist nur der auftakt für ein komplexes aufspiel, für ein abgerungenes exzerpt versierter vorarbeit. spürbar die energie, der aufwand, die nachgerade zu dieser kunst führten.
eine kunst, der man das juvenile moment gönnt, denn es mündet in berauschtheit, in einen stilemix und bebildert dabei eine mutige fahrt durch die tore von pop, kunstlied und jazz. gern verfolgt man die vermeintlich einer operette entstiegene melodie, entspannt über dem konter aus perkussivem und dräuendem bass/saxophon duett. so vielseitig, so organisch. so perfekt, so zwanglos. das trio.diktion  beliebt zwischen improvisation und klarer einvernahme zu changieren, jedem fern und überall zuhause, ohne sich anzuschmeicheln. respekt.
das album erschien mitte des jahres auf golden ticket.

Dienstag, Dezember 12, 2017

kommet zuhauf!: james elkington (tour, präsentation)


photo by timothy harris

sich james elkington nähern heißt, sich mit tausend querverweisen zu beschäftigen. denn bevor sich der engländer auf seine eigenen stärken, auf ein autarkes tun konzentrierte, arbeitete er in verschiedenen zusammenhängen als stets hoch geachteter gitarrist. the zincs oder the horse's ha sind zwei beispiele, da er in bands unverzichtbarer bestandteil wurde. darüber hinaus ist seine kollaboration mit nathan salsburg über die maßen erfolgreich zu nennen. zudem spielte er zusammen mit richard thompson, jeff tweedy, steve gunn oder laetitia sadier.

mit "wintres woma" legte elkington in der mitte dieses jahres ein album vor, das sich unerschöpflich als englischer folk präsentiert und doch die weitläufigkeit vieler anderer genres besitzt. der in chicago lebende europäer gibt denn auch zu, dass ihm in der ferne etwas abhanden gekommen sei. die seele des alten kontinents vielleicht. im streifzug durch avantrock und jazz holt er sich einiges zurück, um vergangenheit und gegenwart verquickt zu wissen.
seine leidenschaft offeriert sich auf ungezwungene weise distanziert und lebt von einer meisterschaft, die sich seit bert jansch selten so verbindlich zeigte. nicht nur deshalb sollte man den burschen im kommenden april nicht verpassen, wenn er zumindest zwei termine in deutschland avisiert.

20. April - Köln, King Georg
23. April - Berlin, Monarch



Montag, Dezember 11, 2017

postman - home (2017, cut surface)


selbst wenn der fluchttrieb ausgeprägter wäre, wir würden uns nur wieder finden. kein ort nirgends, der ausgewiesen wäre, um uns und unsere haltung einvernehmlich zu verwahren. inseln, die längst vernetzt, einsam in den wassern treiben. die sehnsüchte haben diese welt verlassen. nur der sound für die unternehmung des trotzigen bleibens steht noch nicht fest. die diversität erschlägt die generation. vielleicht postman. der österreichische vierer sucht wärme in den zugigen abteilen des minimalen. digitalisierter pop, inklusive einer abschlägigen verwegenheit, kühl, auf distanz, mit einer note von dilettantart.

wer mehr will, betreibt addition. und fügt der einen kunst eine neue hinzu. musik und architektur, verbandelt durch worte, zitate, erinnerungen, vermeintliche meilensteine. am ende auch nur ein gebet. ein anrufen. not, die erfinderisch macht. welchen ort wählten schließlich eva teissl, michael schmid, clemens stöttinger und dominik leitner für sich? der zweitling des vierers aus linz nutzt die zurückgelassenen fußstapfen des vorgängeralbums, die lediglich an den rändern etwas mazeriert sind. könnte ich nur den versöhnlicheren ton ignorieren. unter all dem gewicht, der inhaltsschwere wirkt die musikalie dennoch ungezwungen.

drängen wir uns zwischen die häuserspalten, zählen die winde, punkt für punkt, note für note zeichnen wir die ordnung. eine ordnung, die der zeit entsprechen mag. wären da nicht die routinen. meßbares. vergleichbares. menschen. menschen und orte.

der puls ist flach, die städte atmen noch. die schraffuren, die gitarren ein gegenpol zum statischen gesang, geben tiefe, 3d-modelle vor dem inneren auge. wachstum immer wieder. warum halten wir an den ideen fest.

gerade mit postman folgt das wiener label cut surface der tradition, spurensuche im urbanen raum, wie sie bereits unter der flagge von totally wired records praktiziert wurde. entfernen wir noch das symbolhafte, bleibt ein erstaunlich wertiger tonträger, nicht zuletzt auf vinyl zu haben.



Sonntag, Dezember 10, 2017

kommet zuhauf!: shannon lay (tour, präsentation)


wenn sie nur ein zehntel von dem auf die bühne bringt, was sie via vinyl auszusenden in der lage ist, dann muss so ein konzertabend mit ihr an magie kaum zu übertreffen sein. oder wollt Ihr Euch nicht vorstellen, wie es wäre, bspw. sibylle baiers lippen lesen zu dürfen, während sie die saiten drängt? ich schon und deshalb lade ich herzlichst zu den nachfolgend aufgeführten konzerten mit shannon lay ein. die junge musikerin hat gerade erst auf kevin morbys woodsist records ableger mare ihren zweitling veröffentlicht. die nummern darauf sind lichte freunde, deren offene angebote man kaum ablehnen kann. so still, so hoffnungsschwanger, so ehrlich, ernsthaft. und doch fehlt ihnen das abgeschmackte, der abglanz der referenzen. es liegt ihnen etwas ureigenes zugrunde, kaum zu glauben, meint man. denn das genre ist überfrachtet, doch die reife und die stabilität machen wett, was nicht zu frage steht.

"living water" heißt das album, es umfasst 14 tracks und erschien im september. mit knapp vierzig minuten setzt es maßstäbe, die ansonsten an alben wie "pink moon" erinnern. an ihrer seite wusste lay niemand geringeres als emmet kelly. kommet zuhauf:

12.03.2018 Berlin (DE), Monarch
13.03.2018 Jena (DE), Glashaus
14.03.2018 Freiburg (DE), Slow Club
15.03.2018 Zürich (CH), Rote Fabrik
16.03.2018 Düdingen (CH), Bad Bonn
17.03.2018 Nyon (CH), La Parenthèse

Samstag, Dezember 09, 2017

kommet zuhauf!: jaye bartell (tour, präsentation)


das warme timbre seines vortrags stiftet einen andauernden frieden. man möchte nimmermehr entfliehen. auch wenn wir mit der welt kollidieren, das lichte zeichen einer hoffnung ignorierte niemand. so zeichnet bartell gern den kosmos nach, nirgends ist es sicher, auch wenn sich einer dir verspricht. was harmonietreu klingt, verbirgt bitternis. im für und wider entspringt eine schmerzhafte lust auf mehr. jeder song riskiert. bleischwer hängen sich die silben an deine füße, um dich in den abgrund zu reissen, lediglich dem mut des songschmieds aus brooklyn ist es zu verdanken, dass du schließlich überleben wirst.

im kommenden februar wird jaye bartell hiesige landstriche besuchen und dabei ein neues album im gepäck haben. es ist das mittlerweile dritte seiner karriere, an dem er seit dem herbst 2013 gearbeitet hat. es hat die tragische tiefe leonard cohens, die prägnanz eines john parish und die magie früher cat power nummern. auf "in a time of trouble a wild exultation" erhielt er unterstützung u.a. von angel olsen, ryan oslance oder miachel libramento.

jaye bartell holte neu aus. ein umzug, ein neues leben. dem lauten entsagt. irgendwo eine billige gitarre mit nylonsaiten gekauft, um einfache lieder zu schreiben, wie etwa sibylle baier. die zeit stand still. aus dem örtchen, in dem jeder jeden kannte, in die metropole, pulsierend, ohne etwas mit dir zu tun zu haben. keine schlechten voraussetzungen, um zum nächsten schlag auszuholen.



man sollte den burschen mit der besonderen aura nicht verpassen. nachfolgend die tourdaten, die evtl. noch um einen leipzig-termin (15.02.) ergänzt werden, erkundigt Euch. 
wer die bergschmiede besucht, kann den autor gern hinter der bar anquatschen, auf ein bier oder zwei.

09/02/18 Muenchen, Bergschmiede
11/02/18 Darmstadt, Gute Stube
12/02/18 Mannheim, Altes Volksbad
13/02/18 Jena, Glashaus
14/02/18 Berlin, Schokoladen

Freitag, Dezember 08, 2017

hicks!: anna st. louis


man darf, muss, soll seinen künstler so gut wie möglich verkaufen. wie das woodsist records auf seiner seite für anna st. louis tut, ist so rührend, dass es zu einem neuen maßstab werden sollte. mit solcher umsicht sieht man selten jemanden angefasst. doch das mädel ist jung und mit "first songs" stellt sie eben jene ersten meilensteine einer hoffentlich andauernden karriere vor. die worte sind bedacht gesetzt, die stimme zurückgenommen, als traue sie sich noch nicht richtig loszustürmen. und dennoch spürt man eine sicherheit, ein tapferes auftreten, dass sich aus einer biografie schöpft, da die wege stets auf eigenes ansinnen hin gewählt wurden. die akustische wird gelesen, als zöge man sie zu rate, und es ergibt sich ein nahezu hypnotischer mix. woodsist findet dafür durchaus passende vergleiche und zieht patsy cline und john fahey zu rate. vielmehr gefällt uns aber die geografische zuordnung, man könne zwar den menschen aus dem mittleren westen ziehen lassen, aber niemals den mittleren westen aus dem menschen. und so mache anna die musik eines midwestern (durch einen kalifornischen filter). hört mal rein, es wird Euch gefallen. die kassette mit den ersten schlafzimmeraufnahmen erschien ende november.