Donnerstag, Dezember 17, 2009

zu gehör getragen (108)

camera obscura – my maudlin career (2009)
> den liebreiz gepachtet, mehr neckisch unter den wimpern gelugt, denn lüstern geschmachtet, twee magie, 3/5

casiotone for the painfully alone – advance base battery life (2009)
> fast gänzlich seiner spannungsmomente beraubt, stöbert nur noch selten der alte geist duchs geviert des einst in den adelsstand gehobenen, 2,5/5

blackbird raum – swidden (2009)
> die quetsche pfeffert übers parkett wie dreckige finger den speck auf der jacke frisch verreiben, anarchie in folkhausen, 3,5-4/5

edward sharpe & the magnetic zeros – from below (2009)
> durchaus fetziges konzept, dem nur zu flott der atem ausgeht, folkpop für die feste und feiern, an denen lang und schwer getrunken wird, 2,5-3/5

ein (p)fund mp3 (236)

dub und noise rock sind nur zwei gewürze der scharfen sosse, die die texaner anrühren, eine neue single (dazugehöriges album: fever) gilt es zu begrüßen, die kommt etwas geruhsamer als üblich daher:
the laughing - help me
the laughing - runner
bei "loneliest generation" handelt es sich um das debut dieser band aus new york (auf baby jackal records), fett produziert und was das ansinnen angeht, mein gott, die wollen mehr und greifen dabei ganz tief in die mott..., ähm traditionskiste, digital jetzt, als tonträger im april erhältlich:
harper blynn - christmas ain't no good without you
harper blynn - centrifugal motion
eine single liess sich noch aus dem letzten release pressen, "notes to an absent lover" (monotreme records) hat es schließlich auch vielfach zu guten bis sehr guten bewertungen gebracht:
barzin - look what love has turned us into
barzin - nobody told to me
das dazugehörige album heißt wie die band sich nennt, auf tapete:
anajo und das poporchester - franzi +2
beim label bleiben wir, die musik hat etwas mehr verve, am 27.11. erschien bereits "halt's maul - mach musik", hören wir mal rein:
rantanplan - peking bordell
ein digitaler release als gruß an die welt, die ep heißt "does anyone love me now":
blue roses - doubtful comforts
"the monitor" heißt das neue album, es kommt am 09. märz und gehört, zumindest was den namen angeht, zu den weniger spannenden neuerscheinungen des kommenden jahres:
titus andronicus - four score and seven (part one)
titus andronicus - four score and seven (part two)
"conquest" kommt am 12.01., geht flott voran, auf ardent music:
the scruffs - treasure girls
als rausschmeisser ein freejazz trio, das sich an hammond, double bass und perkussion die kante gibt, auf bo'weavil mit zwei aktuellen release, "the deep" und "spirit", bewegliche, royale nummern fast:
decoy - outside in (sample, from: "spirit")
decoy - first call (sample, from: "the deep")

Mittwoch, Dezember 16, 2009

neue töne (713): cast spells / good old war

der jahresabschluss will geschafft sein, dieses kurze 2009 abgeschlossen. nachhaltigkeit werfe ich ihm zwar noch nicht vor, aber einiges wird bleiben. sicher. wie es josephine foster gelang, emily dickinson verse zu vertonen, wie scott matthew selbstquälerisch auftrumpfte oder wie yo la tengo die qualitätsschraube bedienten. daneben gab es folk, folkrock, weirdfolk und allerlei andere taugliche subsparten. sind andere zu kurz gekommen? vielleicht. so etwas wie avantgarde pop hatten wir recht wenig, möchte ich meinen. muss man ja finden. kann man nicht einfach zugreifen. kommen wir deshalb flugs zu david davison.

manch einer wird ihn im zusammenhang mit maps and atlases oder hey!tonal kennen. seine debut ep "bright works and baton", unter dem moniker cast spells auf sargent house veröffentlicht, bietet genau diese galante, unverschämt arrogante version des melodienverhaus. aber bitte, das macht gute laune, instant! sechs tracks umfasst die ep, die davison gemeinsam mit jason cupp aufnahm. letzterer hat sich schon an den nurses und the elected gütlich getan, zwei mannschaften, die im klienicum auch verehrt werden. sie kreierten in einer kurzen, aber knalligen phase 28 songs, hoben sich nach verstofflichung der ep die restlichen 22 für zukünftige werke auf. besonderheiten? meist musste der 'first take' herhalten. zu zweit gelang ihnen ein luftiges, herziges release, auf dem vor allem davisons kehlig, helles organ glänzt. die ep kann man sich hier vollständig anhören.
so, wer gefallen hat an der nonchalanten und wenig auftrumpfenden art des herrn davison kann sich mit der aktuellen split veröffentlichung von cast spells und good old war beschäftigen. zwei neue tracks sind darauf zu hören. "all brass", dieses schluffig, verträumte und zugleich anrührende midtempostück, könnt Ihr Euch unten geniessen. good old war kommen uns etwas griffiger. ihr ding ist eher der folk, rockig, etwas breiter angelegt. aber deshalb nicht weniger gut. harmoniegesänge, gerne, sologitarre, auch, aber nicht nur und nicht darauf konzentriert. irgendwie gegensätzlich die beiden, die sich da auf der "split ep" zusammengefunden haben. aber wer das ding rotieren lässt, wird schnell merken, dass das ganz gut funktioniert, harmoniert. good old war, bei wems da noch nicht wirklich läutet, das trio (keith goodwin - vocals, guitar, keys, dan schwartz - guitars, vocals und tim arnold - drums, keys, accordian, vocals) hat in 2008 das album "only way to be alone" herausgebracht. später tourten sie mit cast spells und der schritt zu gemeinsamer arbeit inkl. aufnahme war nicht weit. das ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. hört selbst!





cast spells - war story hellos
good old war - looking for shelter

cast spells
feb 27, espace b, paris

Dienstag, Dezember 15, 2009

glotzt nicht so romantisch (75): john fairhurst

immer mit einem fuss in einer anderen kultur findet man john fairhurst. so treibt er sich nicht nur musikalisch an den verschiedensten gestaden herum, sondern tatsächlich auch geografisch und erkundet vor ort, vor nicht allzu langer zeit zum beispiel in ostasien, was die jeweils ansässigen kollegen an- und umtreibt. dass sich diese erkenntnisse auch in seiner musik wiederspiegeln, keine frage. folk und bluegrass finden jedoch immer ein zuhause, in seiner variabilität und diversität erdet ihn die heimatliche tradition, das fundament ist fest gefügt und wird gern durch rag, americana und stomp ergänzt. vergleiche mit bert jansch oder davy graham braucht er nicht zu scheuen. sein album "joys of spring" erschien in 2008 auf humble soul und ist ein reines instrumentalalbum. abschließend: der brite ist immer auch zur stellen, wenn es gilt, freunden den rücken zu stärken, u.a. einer nancy elizabeth oder einem denis jones. ich habe einige sehr unterschiedliche bewegte bilder ausgesucht, die die wandlungsfähigkeit des burschen aufzeigen sollten.





neue töne (712): peter broderick

unbeeindruckt all der launen des statischen business treibt vor allem in den letzten monaten und jahren einer sein unwesen in allen möglichen formationen und, man möchte meinen, situationen. von peter broderick ist die rede, der nicht nur solo auf sich aufmerksam, sondern mit horse feathers und in einer vielzahl von kollaborationen von sich reden macht. nachdem in 2008 mit "home" und "float" zwei hervorragende alben unter seinem namen veröffentlicht wurden, startete broderick in 2009 mit "music for falling from trees" durch, einer tanztheateruntermalung, die kraft ihrer selbst strahlte und für sich stehen konnte. type recordings legten später "4 track songs", eine kollektion früher lofi aufnahmen des künstlers aus oregon neu auf, die erstmals 2006 aufs tableau gehoben wurden.
zu "blank grey canvas sky", einem der neuesten elaborate, tat sich der mittlerweile in berlin lebende mit dem niederländischen künstler rutger zuydervelt alias machinefabriek zusammen, um für fang bomb ein kontemplatives, fliessendes werk aus soundscapes, drone und instrumentellen verflechtungen aufzunehmen. zum am 14. novemver dieses jahres erschienenden release sagte broderick selbst: "We tried a lot of different things on this album, pushing ourselves to explore new areas... And for me the result is the collection of music I feel most proud of so far."
ganz frisch nun aber ist das werk, welches broderick für slaapwel records schuf. "music for sleeping sculpture" wird seit dem 14. dezember verschickt und wer eines der handgefertigten exemplare haben möchte, sollte sich beeilen. denn das gute stück ist auf 500 exemplare limitiert. und tatsächlich eignet es sich am besten für diese persönliche blaue stunde im bett, kurz vor dem wegtreten, kopfhörer übergestreift und ab mit peters gesang, violinenklängen und getupften fieldrecordings ins traumland. eine gute halbe stunde sollte dabei reichen, um den alltag abzustreifen. ein spannendes projekt wieder einmal von einem interessanten, jungen musiker, multiinstrumentalisten der er ist, und wagemutigen klangforscher. ich bin sehr gespannt, was uns peter broderick in den nächsten jahren zu bieten hat. ein paar klangbeispiele aus den letzten veröffentlichungen habe ich zusammengetragen und biete sie unten stehend an.

peter broderick & machinefabriek - kites:


<a href="http://slaapwel.bandcamp.com/album/peter-broderick-music-for-a-sleeping-sculpture-of-peter-broderick">Music for a Sleeping Sculpture of Peter Broderick (Excerpt) by Slaapwel Records</a>

peter broderickbelow it (from: "home")

Montag, Dezember 14, 2009

abschied (9): pacific ocean fire

geht das gut aus?, fragt man sich bei mancher stimme, wenn sie aneckt, manch höhe nicht stemmt, fadenscheinig versinkt. verzeihlich sind jedoch auch diverse momente, da sich solcherart gesang nicht nur in sich selbst versteigt, sondern dem text verbunden, der melodie verschrieben ist. wenn man pacific ocean fire folgt, muss man sich immer mal wieder damit auseinandersetzen. aber es ist kein wehe, ist kein ach, vielmehr ein augenblick. ab dann zählt nur noch der folkrock, der americana der band aus leicester. doch zu welch unglücklichem moment treten wir an, um eine kapelle vorzustellen, die im sterben liegt? ziert doch der spruch "november 2009 - pacific ocean fire is dead" die newspage ihrer webseite. zudem wird kolportiert, dass das aktuelle album "hibernation songs", das fünfte der truppe bereits, auch das letzte sein wird. bereits im september drang diese nachricht durch. sehr schade. doch anzeichen waren immer wieder zu vernehmen. vor allem das rastlose leben des vorstands jon bennett stand im rampenlicht. nach einem gig gemeinsam mit drugstore wurde das ende von pacific ocean fire besiegelt, so die legende. auf azar records wird - wie angedacht - hoffentlich noch "hibernation songs" erscheinen, zur zeit gibt es keine info dazu. denn das letzte zeichen dieser truppe hat durchaus potential, um länger in erinnerung zu bleiben. fast etwas poppig nähert sich die band großartigen melodien, mitschunkelarien und zwiegesängen. vor allem die mitwirkung von sophia marshall am mikro tut der seelenvollen musik sehr gut.
pacific ocean fire - leaving dusty footprints

Sonntag, Dezember 13, 2009

neue töne (711): upcoming releases 2010

ein loser und unverbindlicher sowie garantiefreier blick ins jahr 2010. was kommt auf uns zu? ergänzungen werden von mir nicht ohne weiteres vorgenommen. ein tipp wird selbstverständlich gern eingefügt.

januar
05.01. the octagon - warm love and cool dreams forever (serious business)
the octagon - cross tops
08.01. vampire weekend - contra (xl recordings)
08.01. lawrence arabia - chant darling (bella union)
12.01. laura veirs - july flame (raven marching band rec.)
laura veirs - wide eyed, legless
12.01. woodpigeon - die stadt muzikanten (boompa)
woodpigeon - morningside
woodpigeon - empty-hall sing along
12.01. final fantasy - heartland (domino)
12.01. blunt mechanic - world record (barsuk)
12.01. rauelsson - la siembra la espera y la cosecha (hush records)
12.01. the scruffs - conquest (ardent music)
the scruffs - treasure girls
12.01. jason boesel - hustler's son (team love)
jason boesel - hand of god
12.01. malakai - ugly side of love (domino)
15.01. scout niblett - the calcination of scout niblett (drag city)
scout niblett - the calcination of scout niblett
15.01. motorpsycho - heavy metal fruit (rune grammofon)
18.01. these new puritans - hidden (domino)
19.01. eels - end times (vagrant)
19.01. spoon - transference (merge)
19.01. cold war kids - behave yourself (downtown)
19.01. red krayola with art & language - five american portraits (drag city)
red krayola with art & language - portrait of wile e. coyote
22.01. sons of bill - one town away (blue rose)
22.01. elva snow - s/t (glitterhouse, vrstl. erst im frühjahr)
22.01. get well soon - vexations (city slang)
22.01. jackie oates - hyperboreans (one little indian)
25.01. four tet - there is love in you (domino)
25.01. tindersticks - falling down a mountain (4ad)
tindersticks - black smoke
25.01. beach house - teen dream (sub pop)
beach house - norway
25.01. first aid kit - the big black and the blue (wichita)
26.01. joan of arc - don’t mind control (polyvinyl)
26.01. kevin barker - you and me (gnomonsong)
26.01. harvey milk - s/t (hydra head records)
26.01. bird show band - s/t (amish records)
26.01. slow six - tomorrow becomes you (western vinyl)
26.01. cars & trains - the roots, the leaves (fake four inc.)
cars & trains - intimidated by silence
26.01. los campesinos! - romance is boring (wichita)
26.01. mondo drag - new rituals (alive records)
26.01. boy genius - staggering (greenpop recordings)
boy genius - ramona saves the day
boy genius - old new england
26.01. the magnetic fields - realism (nonesuch)
26.01. charlotte gainsbourg & beck - irm (warner)
26.01. woodhands - remorsecapade (paper bag records)
woodhands - pockets
26.01. basia bulat - heart of my own (rough trade)
basia bulatgold rush
26.01. home - seventeen (jagjaguwar)
home - photographed with ease
26.01. citay - dream get together (dead oceans)
citay - careful with that hat
26.01. loren connors & darin gray - the lost mariner (reissue, family vineyard)
loren connors & darin gray - the last mariner pt. 4
27.01. i'm from barcelona - 27 songs from barcelona (mute)
29.01. delphic - acolyte (chimeric records)
januar: the electric pop group - seconds (matinée)

februar
01.02. midlake - the courage of others (bella union)
01.02. tom mcrae - alphabet of hurricanes (cooking vinyl)
02.02. the album leaf - a chorus of storytellers (sub pop)
the album leaf - falling from the sun
02.02. the heligoats - goodness gracious (grey day records)
the heligoats - fishsticks
02.02. king of prussia - the time of great forgetting (kindercore)
king of prussia - waintin' for something
02.02. the soft pack - s/t (kemado)
the soft pack - c'mon
05.02. scary mansion - make me cry (talitres)
09.02. hot chip - one life stand (parlophone)
09.02. galactic - ya-ka-may (anti)
09.02. kath bloom - thin thin line (caldo verde)
kath bloom - freddie
09.02. yukon blonde - s/t (bumstead)
yukon blonde - wind blows
09.02. phantogram - eyelid movies (barsuk)
phantogram - when i'm small
09.02. laura gibson and ethan rose - bridge carols (holoscene music)
09.02. massive attack - heligoland (virgin records)
09.02. shellshag - rumors in disguise (don giovanni records)
shellshag - resilient bastard
09.02. pantha du prince - black noise (rough trade)
pantha du prince - the splendour
09.02. yeasayer - odd blood (secretly canadian)
yeasayer - ambling alp
12.02. kathryn williams - 50 white lines (one little indian)
14.02. the go find - everybody knows it’s gonna happen, only not tonight (morr)
the go find - everybody knows it’s gonna happen, only not tonight
16.02. daniel martin moore and ben sollee - dear companion (sub pop)
16.02. excepter - presidence (paw tracks)
16.02. field music - measure (memphis industries)
16.02. adam green - mirror love (fat possum)
adam green - what makes him act so bad
16.02. lightspeed champion - life is sweet! nice to meet you (domino)
16.02. matt pond pa - the dark leaves (altitude records)
16.02. thee silver mt. zion memorial orchestra - kollaps tradixionales (constellation)
19.02. tamikrest - adagh (glitterhouse)
19.02. blood red shoes - fire like this (v2)
23.02. shearwater - the golden archipelago (matador)
shearwater - castaways
23.02. xiu xiu - dear god, i hate myself (kill rock stars)
23.02. balmorhea - constellations (western vinyl)
23.02. elaine lachica - i think i can see the ocean (stunning models on display)
elaine lachica - behind my mind
23.02. we are the world - clay stones (manimal vinyl)
23.02. toro y moi - causers (carpark records)
toro y moi - blessa
23.02. wolf people - tidings (jagjaguwar)
wolf people - october fires
23.02. shout out louds - work (merge)
shout out louds - walls
23.02. efterklang - magic chairs (4ad)
efterklang - modern drift
23.02. rocky votolato - true devotion (barsuk)
ende februar: holly miranda - the magician’s private library (xl recordings)
holly miranda - forest green oh forest green
februar: interference - s/t (the social registry)
interference - excerpt #1, vision 1
februar: puerto muerto - drumming for pistols (fire records)
puerto muerto - drumming for pistols

märz
01.03. tunng - and then we saw land (full time hobby)
01.03. sam amidon - i see the sign (bedroom community)
sam amidon - how come that blood
01.03. archie bronson outfit - coconut (domino)
01.03. babybird - ex-maniac (unison music)
02.03. the ruby suns - fight softly (sub pop)
02.03. rogue wave - permalight (brushfire)
02.03. the whigs - in the dark (ato records)
05.03. frightened rabbit - the winter of mixed drinks (fat cat)
05.03. two door cinema club - tourist history (kitsuné)
08.03. liars - sisterworld (mute)
liars - scissors
09.03. ted leo - the brutalist brick (matador)
ted leo - even heroes have to die
09.03. seabear - we built a fire (morr)
09..03. titus andronicus - the monitor (xl recordings)
09.03. aloha - home acres (polyvinyl)
09.03. the besnard lakes - the besnard lakes are the roaring night (jagjaguwar)
09.03. extra life - made flesh (loaf records)
09.03. alberta cross - broken side of time (ato records)
09.03. black rebel motorcycle club - beat the devil's tattoo (abstract dragon)
09.03. jason collett - rat a tat tat (arts & crafts)

09.03. the morning benders - big echo (rough trade)
09.03. ortolan - time on a string (sounds familyre records)
ortolan - i'll see you there
16.03. drive-by truckers - the big to do (ato records)
16.03. happy birthday - s/t (sub pop)
23.03. she & him - volume two (merge)
30.03. dum dum girls - i will be (sub pop)

april
05.04. black francis - nonstoperotik (tba)
06.04. harlem - hippies (matador)
harlem - friendly ghost
april: the kissaway trail - sleep mountain (bella union)
the kissaway trail - sdp

kommen, aber wann?

Samstag, Dezember 12, 2009

eingestreut (76): balmorhea

neue nachrichten von der western vinyl band balmorhea. am 23.02.2010 soll "constellations" erscheinen und wird dann den nachfolger zu "all is wild, all is silent" (2009) und "rivers arms" (2008) darstellen. wir hatten im juli über das bis zu siebenköpfige ensemble aus austin berichtet und vor allem die spannenden melodischen ausflüge gelobt. wird sich zukünftig wohl nicht ändern, das konzept. etwas einfacher vielleicht, etwas limitierter. der verzicht auf den affekt zugunsten der intimität. klingt besonders spannend, wenn man sich einige ältere stücke von der von den beiden songwritern rob lowe und michael muller geführten truppe anhört. auf solche müssen wir derzeit auch noch zurückgreifen, weil es aktuelles klangwerk noch nicht gibt. also, anhören, staunen und vergewissern, dass sich die ganze chose noch ein bißchen verteufelter anhören kann, wenn man in die reduktion taucht. "meditation", ohne in panik geraten zu müssen, früher oder später wegzunicken.
balmorhea - harm and boon (sample, from: "all is wild, all is silent")
balmorhea - remembrance (sample, from: "all is wild, all is silent")
balmorhea - the winter (sample, from "rivers arms")
balmorhea - lament (sample, from "rivers arms")

neue töne (710): the dimes

(photo: inger klekacz)

anfang november schrien sie es hinaus in die welt. the dimes feierten die ankunft ihrer neuen, aktuellen cd. "the king can drink the harbour dry" heißt das zweite full length dieser in 'klienicum'- kreisen durchaus bekannten und wertgeschätzten band. leider verliert sich die spur dorthin, wo bereits über sie berichtet wurde... aber das ist ein anderes thema.
the dimes haben sich vor allem einen namen gemacht, weil es ihnen gelang, neben einer ansprechenden musikalie auch inhalte zu transportieren. dabei setzen sie sich mit zeitgeschichte auseinander, konzeptionell, tiefschürfend und ansprechend aufbereitet. die geschichte hinter der aktuellen veröffentlichung findet sich hier. ein paar worte aber gleich noch, direkt der homepage der band entnommen: "A Union soldier who lay dying on the battlefield calls out to his lover, a young Miss Clara Barton - pioneer, nurse, and founder of The American Red Cross. A fireman paints a vivid impression of The Great Boston Fire of 1872, before it "swallowed him whole." Glowing four-part harmonies and an enchanting melody escort Mary Dyer to the gallows in 1660, retelling her tragic tale and saluting her courage and martyrdom. A brave abolitionist battles slavery with words, ink, and his printing press - taking shape as a radical newspaper known as “The Liberator.”
angemischt wird das ganze mit folkpop, der sich gern an den harmonien der sechziger rubbelt, alt. country mehr als streift und unbefangen simpel, aber immer allerliebst arrangiert, daherkommt. die portlander band hat sich zu guter letzt von der vierer besetzung, zumindest vorübergehend, auf ein septett hochgeschraubt, um neben cello auch pedal steel und weiteres interessantes gewerk mit an bord zu nehmen. dass sich das ausgezahlt hat, kann man auf dem album sicher spitzhören. (meinen dank an p. aus b., der mich an den release erinnert hat, vielleicht schreibt er mal bei gelegenheit, wie ihm das album gefällt.)
the dimesthe forgotten william dawes (demo)

Freitag, Dezember 11, 2009

neue töne (709): evening hymns

relativ frischer name in der szene und doch schon ordentlich mit gepäck unterwegs. die rede ist von jonas bonnetta alias evening hymns. unter diesem moniker treibt er sich gerade zigfach in der musikpresse herum und sorgt für etwas aufregung. ein hype ist sicher etwas anderes. ist sicher aber auch der jeweiligen musik geschuldet, wie hoch die wellen schlagen. der junge mann hat bereits eine erkleckliche biographie zustande gebracht. sie besteht zuvorderst aus den beiden selfreleases "farewell to harmony" aus 2006 und "let's all get happy together" aus 2007. mit der hilfe einiger mitglieder von ohbijou, aber auch von the d'urbervilles und anderen mehr gelang nun das aktuelle werk "spirit guides", welches darüber hinaus sogar ein label an sich binden konnte, out of this spark heißt es. live treten zu den bereits genannten auch noch kollegen von the wooden sky und the magic. tolle runde, die was bewegt. neben den herzen ihrer zuhörer wird dabei vor allem auf folkrock gesetzt. der darf gern den charakter von himmelsstürmern tragen und federn und abheben und tolle kreise am firmament ziehen. da steht keiner davor und holt die enteilten wieder zurück. hier könnt Ihr ein paar tracks hören und nachstehend bewegte bilder von der record release party sehen (beruhigend und erschreckend zugleich, dass es anderenorts genauso undiszipliniertes volk gibt). bindend für mich sind einige schicke ideen, die in vielen songs versteckt sind, das gefühl für bienenfleißige melodien, die honiglike kleben bleiben und die stimme bonnettas, die genau die waage hält zwischen kitzelnd angeraut und dem harmonischen anschlag eines nimmermüden songwriters.
evening hymns - cedars



Donnerstag, Dezember 10, 2009

glotzt nicht so romantisch (74): candy claws

das internet bietet ausreichend verrückte nachrichten und kuriositäten. bloggerkollegen sammeln solches tag für tag. es treibt blüten. ideen werden gefiltert, die es zu bejubeln gilt. eine solche finde ich nachstehende, an der ich mich, nach anfrage, sogleich beteiligte. candy claws, eine band aus fort collins, colorado, die es auf indiecater zu einer gewissen berühmtheit brachte, indem sie dort ihr wunderbares album "in the dream of the sea life" remastered veröffentlichte, machte sich dieser tage auf eine welttournee. aber es handelt sich dabei nicht um eine gewöhnliche konzertreise, sondern um eine virtuelle stippvisite rund um den globus. dabei besucht die band die unterschiedlichsten blogs auf dieser erde und hinterlässt einen musikalischen gruß. von colorado ging es über new york nach kanada und seit dem 07.12. befinden sich die candy claws in europa, zunächst in liverpool bei the devil has the best tuna, tags darauf in irland, gestern in norwegen bei eardrums und heute dürfen wir sie in deutschland begrüßen. dazu gibt es ein exklusives video inkl. einer individuellen grußbotschaft. bitte sehr:

Catamaran - Candy Claws Online World Tour - Day 14 from Candy Claws on Vimeo.

Hallo Deutschland! It has arrived, the day we visit on our blog tour for "In the Dream of the Sea Life." We hope to make it there in real life someday, it seems beautiful. The universe has smiled down upon you, for here is a brand new video to the "single" of the album, a song we call Catamaran. You will notice the huge glow behind the scenery. It is the sun in my window on a flight to Mexico, and the rest is Bucerias in all its seaside charm. What does it mean? No, instead: How does it feel? You can stream the entire album, read reviews, and pick up a copy (digital or physical) at Indiecater. Visit our blog to catch up on the tour and see a full list of dates and links. We just came from Eardrums Music in Norway. Tomorrow we're off to Song, by Toad in Scotland. Thanks for watching, see you soon!
candy claws - catamaran

Mittwoch, Dezember 09, 2009

ein (p)fund mp3 (235)

endet das jahr noch oder beginnt das nächste schon? ich hasse die übergänge. bereits anfang dezember werden die listen an besten alben, songs etc. gefertigt, und ich hocke noch da, um meine zu vervollständigen, hoffe auf den tonträger schlechthin und sinniere über platzierungen und andere ungerechtigkeiten. 2009 hat noch was vor mit uns, da bin ich sicher. listen kommen. aber erst zur rechten zeit.
neue single auf labrador, ohne widerhaken, versprochen, und frei!, drei weitere tracks (zum unten aufgeführten) vollenden das werk, für sechs euro:
sound of arrows - into the clouds
bin ich der letzte?, ha, wenn schon, ändert nichts an der tatsache, dass auch hier, im klienicum, die vorfreude groß ist (die begeisterung ob des appetizers allerdings nicht): auf das am 23.02. erscheindende neue album "the golden archipelago", auf matador:
shearwater - castaways
ebenfalls am 23.02. wird ihr neues album erwartet, es wird dann namentlich etwas kürzer ausfallen und doch ausreichend aussage transportieren: "work", auf merge:
shout out louds - walls
eine single collection steht bei ihnen an, kommt allerdings einen ticken früher, nämlich am 26.01. und hört auf "couple tracks", auch matador:
fucked up - neat parts
heißt vermutlich: "the magician’s private library" und soll ende februar auf xl recordings erscheinen:
holly miranda - forest green oh forest green
"casual victim pile: austin 2010" erscheint am 26.01. auf matador und enthält tracks unveröffentlichter natur von bands aus austin un denton, mehr als spannend, hier zwei beispiele:
follow that bird! - the ghosts that wake you
love collector - first 48
"die stadt muzikanten" nennt sich der neueste auswurf mark hamiltons aus alberta, es ist sein dritter longplayer und er wird über den ladentisch gehen, da das weihnachtsfest längst gelaufen ist: 12.01., boompa zeichnet verantwortlich:
woodpigeon - morningside (bbc live recording)
"the brutalist brick" heißt doch tatsächlich das neue album, veröffentlicht wird es im märz auf..., ja, auch auf matador, die sind fließig wie die bienchen, ick freu mir:
ted leo - even eroes have to die
haben europa wieder verlassen...:
megafaun - kaufman's ballad
zum thema lieblinge hier noch ein verweis, serious business records legt nach oder auf, "warm love and cool dreams forever" erscheint am 05.01.:
the octagon - cross tops
...und zudem kommen uns die beiden bengel noch mit einem live album, "live in new york" kommt, zumindest erst einmal digital, am 12.01., hype hype hype:
the two man gentlemen band - me, i get high in reefer

boy division
10.12. Hamburg - Nachtasyl

chris cacavas
29.01. Aachen - Musikbunker
30.01. Wesel - JZ Karo
01.02. Hamburg - Knust
02.02. Gera - Haus Der Pioniere
03.02. Parchim - Irish Pub
05.02. Singwitz - Kesselhaus Lager
07.02. Potsdam - Waschhaus
09.02. Halle - Objekt 5
10.02. Erfurt - Museumskeller
17.02. Karlsruhe - Jubez
18.02. Nürnberg - K4
19.02. Bad Frankenhausen - Panoramamuseum
20.02. Meidelstetten - Adler
21.02. Waldkraiburg - Haus Der Kultur


wer were promised jetpacks

18.01. Dortmund - FZW
19.01. Stuttgart - Schocken
20.01. Heidelberg - Karlstorbahnhof
21.01. CH-Zürich - Rockwoche
23.01. München - 59:1
27.01. Osnabrück - Glanz & Gloria

Dienstag, Dezember 08, 2009

eingestreut (75): the green kingdom

schüttere sounds, die wie wirrer flockenfall nieder gehen. ein lichterfluten. augenzwicken. in der folge: -kneifen. blenden und zwacken. den kopf eingezogen weiter gehen. unter den füssen krascht das gefrorene gras. die nebel dünsten. farblose welt. "twig and twine" heißt der neueste auswurf auf own records, dem unbeirrbarem label aus luxemburg, michael cottone der künstler hinter the green kingdom. zwischen akustischem ding-machen und elektronischen verwehungen. die flucht vor dem konkreten. das schemenhafte als abbild des undefinierten seins. körperloses. aber es ist nicht unfassbar, was der mann aus michigan fabriziert. im gegenteil. die wohlklänge steuern den hörer sicheren fusses durch die unbekannte landschaft. ein aufnehmen hier, ein ablegen dort. kein beteuern notwendig. im oeuvre des sounddesigners ließe sich graben. die suche erschwert, dass er viele labels bediente. hier nun: ein ausgangspunkt. na. los!
the green kingdom - river bends park

Montag, Dezember 07, 2009

zu gehör getragen (107)

mountain man - s/t ep (2009)
> drei stimmakrobatinnen erobern gipfel, ohne vergessen zu haben, kieselsteine fallen zu lassen, für den weg zurück, 3,5-4/5

wild beasts - two dancers (2009)
> verstockte euphorie in beklemmend engem korsett, den ausbruch gebannt erwartend ihr alter fan aus oberbayern, 3,5/5

simon joyner - out into the snow (2009)
> wie man sich einen platz erobert zwischen den dylans, cohens und youngs, ohne vorwürfe einholen zu müssen, dem einen oder anderen nachzustellen, 4/5

the moonband - songs we like to listen to while traveling through open space (2009)
> sind auf jeden fall auf dem richtigen weg, um die sterne vom folkhimmel zu fischen, aufrichtiges und freudiges erstwerk, 3,5/5

neue töne (708): the smiles and frowns

hübsches ding, das da das licht dieser musikwelt erblickt hat. etwas antiquierter anklang, dafür umso weicher und runder im abgang. the smiles and frowns sind adam mattson und christopher james, die vielfaches instrument bedienen, neben den obligaten gitarren schlagwerk, keyboard, synthies, tambourine usw. herauskommt dabei ein wiegenfestfolk, ein breitwandcinemascopesoul, ein nebelscheinwerferschauerpop, der diktiert wird von einer deutlich betonten gesangsspur. so sitzen dir die beiden musiker direkt gegenüber und flöten dir ins ohr. das erinnert an vieles und hat doch alleinstellungsmerkmal. da klingen simon & garfunkel an, the beatles angesichts von hochmelodiösität, oder gar seventies band im stile von tir na nog. doch dieser an den rändern abgerundete sound, das flächig produzierte, die stringenten arrangements und die frivolen spielerchen ("mätzchen" in anderen teilen des landes) lassen das werk zu etwas neuem, originärem verschmelzen. etwas süsslich und vordergründig verträumt hier, und doch romantisch und herzerwärmend dort. die 7" "mechanical songs" trat zuvorderst an, erhält nun aber rückendeckung durch das erste full length, das glanzlos auf "s/t" hört. erhältlich ist das teil über die webseite der beiden.
the smiles and frowns - the echoes of time
the smiles and frowns - mechanical songs
the smiles and frowns - sam

Sonntag, Dezember 06, 2009

neue töne (707): the moonband

die "funerals & duels" benannte ep aus dem jahresbruch, auf 200 stück limitiert, deutete schon an, wo die qualitäten dieser fünfköpfigen bayerischen kapelle liegen: im sentiment, in der tiefgeschürften dringlichkeit nach harmonie und konsonanz, in der ästhetik einer eigens kreierten welt, die weit über den tellerrand hinausblickt. nämlich in die unendlichen weiten, wo es raumanzüge braucht, in denen man schiffe besteigt, um welten zu erkunden, die noch keine menschenseele gesehen hat.
drei songs der ep haben es nun auch auf das erste full length der seit 2006 gemeinsam aufspielenden band geschafft. "songs we like to listen to while traveling through open space", so der programmatische titel, gibt die richtung vor. wenn wir uns nicht gut genug unterhalten wissen, besorgen wir es uns eben selbst. und so schießt die kleine rakete mit ihren fünf insassen (eugen mondbasis - gesang, gitarre, banjo, bouzouki, harp, chris houston - gesang, gitarre, slide, percussion, katrin bobek - gesang, mandoline, ukulele, banjo, glockenspiel, andy henningsen - kontrabass und elena tschaffon - percussion) in die ferne und hinterlässt uns, den daheimgebliebenen, wenigstens ihren reisesoundtrack.

zwar zog sich the moonband für die aufnahmen zum album nicht auf den im bandnamen geführten himmelsgiganten zurück, sondern lediglich in einen entlegenen winkel der böhmischen schweiz, aber weit genug weg war auch dieser ort. um in einklang dem nachzuspüren, was die band sonst mit viel (vor-) liebe live darbietet: enthusiastischen akustikfolk, dominiert von mehrstimmigem gesang, den die beiden käptn mondbasis und houston vorgeben, den die copilotin bobek abrundet, und der so eindringlich, aber akzentuiert und feinsinnig in ein freiatmiges und doch kalorienreiches soundbild eingesponnen ist. verantwortlich dafür der gründene bass, die sparsame, dienliche perkussion nebst weiterem vielfältigen handwerkszeug: von der unstrittigen mandoline über das drippelnde banjo und die flinke ukelele bis hin zum hellen glockenspiel. vor allem die munter genutzten saiten, neben den allgegenwärtigen gitarren punktuell ins feld geführt, fordern die aufmerksamkeit, geben der sanftmut einen widerhaken.
jedem song ist eine verfängliche melodie anheim und die arrangements sind sorgfältig aufbereitet. der gesang ist anhänglich, das timbre warm. die gemeinschaft trägt, das herzstück ist die auf touren gebrachte kollektive maschine. das spürt man. und so braucht man sich um die zukunft dieser band keine sorgen machen. wenngleich es eine schande ist, dass sie nach wie vor kein label im rücken hat. dafür gilt der dank rockville, die sie wenigstens insoweit unter die fittiche nahmen, dass das aktuelle album regulär verkauft werden kann (wer zugreifen mag, geht die herrschaften bitte direkt an).
the moonband - we don't care

Samstag, Dezember 05, 2009

eingestreut (74): john vanderslice

da hat sich john vanderslice höchstselbst hingesetzt und emails verschickt. macht offenbar sonst keiner für ihn. die nachricht, die es zu publizieren galt, ist, dass vier alben, die zum teil seit langem vergriffen sind, neu aufgelegt werden: in vinyl. es handelt sich um die longplayer "cellar door", "life and death of an american fourtracker", "time travel is lonely" und "pixel revolt". die einzelnen scheiben oder auch das vierer paket zum vorzugspreis gibt es ab 08.12. via afternoon records. inklusive ist jeweils ein mp3 download code. "pixel revolt" ("the kingdom") und "life and death..." ("kyoto pond") führen benannte songs als bonus mit. vielmehr kann ich Euch diese geschichte nicht schmackhaft machen. die musik ist eh gut. vielleicht also noch ein paar tracks zur besseren vorbereitung. fürs fest ist jedes einzelne album auf jeden fall eine gute idee!
john vanderslice - trance manual (2005, "pixel revol")
john vanderslice - pale horse (2004, "cellar door")
john vanderslice - nikki oh nikki (2002, "life and death...")
john vanderslice - time travel is lonely (2001, "time travel is lonely")

neue töne (706): meursault

meursault ist ein kleiner ort im burgund, berühmt für seinen wein. süffig ist auch die musik, die die band gleichen namens prägt. sie stammt allerdings aus edinburgh und hinterlässt weder kater, kopf- oder gliederschmerzen, erinnerungslücken und peinlichkeiten. im gegenteil bewegt man sich im geiste noch nach, auch wenn die letzten töne bereits verklungen sind. zur truppe gehören, und so können wir auch gleich einen blick auf das umfangreiche instrumentarium werfen: neil pennycook (voice/electronics/guitars/accordion/autoharp/ukulele/banjo), fraser calder (drums/guitars/electronics/cajon/voice), chris bryant (guitars/ukulele/banjo/electronics/voice), calum macleod (guitars/ukelele/banjo/voice), phillip quirie (electric guitars) und pete harvey (cello). besonders verdient um die band hat sich neben dem hauseigenen label bear scotland music auch song, by toad records gemacht, das die beiden auswürfe des schottischen sechsers, der immer mal wieder in unterschiedlicher mannschaftsstärke antritt, herausbrachte. als da wären: der "pissing on bonfires/kissing with tongues" longplayer, der im dezember des letzten jahres veröffentlicht wurde, und die "nothing broke" ep, die erste kürzlich erschien. mit der musik von meursault kann jeder etwas anfangen, der dem aktuellen folkvorgehen etwas abgewinnen kann: beschwingt, aber ernsthaft, hook geladen, aber nicht aufgeregt und anbiedernd, versonnen und hymnisch, aber mit polternder attitüde, mit dem glanz wurmstichiger gitarren und rottiger banjos. hinzu kommt als besonderheit die extravagante stimme pennycooks, der zugleich für das warmherzige, weltumspannende und freizügige songwriting verantwortlich zeichnet. in den früheren aufnahmen herrschen noch einige verwirrende electronica momente. die haben durchaus ihren reiz, durften aber immer mehr den folkloristischen elementen weichen. nicht ganz zu unrecht, wenngleich ein imac durchaus seine reize versprühen kann. lasst Euch also mit aufnehmen in den kreis der meursault verehrer.
meursault - nothing broke (from: "nothing broke" ep, 2009)
meursault - the furnace (from: "pissing on bonfires/kissing with tongues")
meursault - a few kind words (from: "pissing on bonfires/kissing with tongues")

Freitag, Dezember 04, 2009

konzert: horse feathers, 02.12.09

junger mann. nimmt befangen die gitarre aus dem koffer. schließt sie an, setzt sich strumpfsockert auf den ersten stuhl. die bühne. ein wenig rötlich licht. unvermittelt der beginn. traktiertes instrument. dumpf geschlagen das saitenwerk. aus wenig viel. macht sinn. harmonien entweichen dem kehlig brüchigen organ. autist, denke ich. bis er zu uns spricht. dass er nicht sprechen will. kann. nicht sein ding. genau. spiel weiter. rasantes werkeln. dem man gebannt folgt. der kann das. so jung. und schon so viel wut. so gebrannt. lost name. was noch? ein winden. abfangen will man. ihn. das gebranntsein. die energie. die manie. unter verschluss. abseits der beeindruckten. da wendet er sich später. lächelt. ich bezahle. und denke. wenn er das auch auf tonträger gebannt bekommen hat, nehme ich was richtig wertvolles mit nach hause. der zieht sich glatt nackt aus. und alle schauen zu. meine fresse.

nachdem der junge einheimische geendet hatte, dauerte es nicht sehr lange und die vier bandmitglieder von horse feathers bestiegen die bühne der asta kneipe zu rosenheim, die somit zu ungeahnter ehre kam. denn mit justin ringle zeigte sich in tiefster oberbayerischer provinz ein portlander großkaliber in sachen musik. um sich gescharrt hatte er, da er ohne die brodericks reist, nathan crockett, der die violine, immer wieder auch mal die säge bediente und beim backgroundgesang für ein volumiges standing sorgte, dazu catherine odell, die nicht nur optisch auflockerung schaffte, sondern vor allem dem cello warme, aber auch ihrem stimmorgan grazile töne entlockte, und sam cooper, den schütteren, der sich in erster linie des banjos bediente, aber auch diversen perkussionsgeräten auf die sprünge half und selten, dann aber mit viel gefühl die mandoline spielte. wie überhaupt alle vier feinsinnig aufeinander abgestimmt waren. ein tuning, wie es sonst wohl nur aufgemotzten karren zugute kommt. so wurde jeder neue song mit einer saitenakrobatik begonnen und auf die frage ringles, wie denn "enough" zu übersetzen sei, rief jemand: "bascht scho!". ein lacher. ein running gag.

humor spielt bei horse feathers konzerten sicher nur eine nebengeordnete rolle, spielt aber eine. dem frontmann reisst eine seite und er tritt ins abseits, um seine gitarre zu reparieren. während dessen brilliert seine truppe mit "falling in love" in einer bluegrass version. zauberhaft. mit verve und einem in elvis manier intonierenden sam cooper. doch alsbald kehrt der vierer zurück in diese kollektive entrücktheit, um im gemeinsamen kreisel ihrer musik zu frönen. einer betörenden musik, die sich nicht versteigen muss. denn sie ist lebendig, aber nicht krakelend lebhaft, sie ist gurrend herzlich, aber nicht herzhaft satt, sie ist segenreich und wärmend, aber nicht von schamhafter geste und weltfremdem blick. eine musik, die unter spannung steht, die niemals loslässt. richtig. die sich nicht gehen lässt. die nicht ohne den hörer davon fährt. es ist, als warte sie so lange, bis auch der letzte aufsteigt. und immer schwingt der beat mit, auch wenn es ganz still ist. und justin singt leise, ganz leise, noch leiser, nichts regt sich mehr und doch rhythmisiert es dir durch mark und bein. musik, die von den ungespielten noten zwischen den tönen genauso lebt wie vom fluten und abebben, von den stimmungswechseln, den übergängen aus dem gestrichenen ins gezupfte und wenn notwendig wieder zurück. und von justin ringle. dem mann mit fliehender stirn und fliehender stimme. so hell und klar wie die melodien, die sie produziert. und dann gurrt sie wieder, verdreht sich, nimmt von ganz unten anlauf, drängt herauf, zieht bögen. der mann dazu. singt mit leichter schiefhaltung. immer die gitarre bedrängt. die muss mit. gibt vor. den anderen dreien.

ca. sechzig zuhörer waren von der ersten minute an gebannt. kaum ein muckser. und selbst, wenn der letzte druck genommen war und justin nur zu flüstern schien, selbst dann hörte man vielleicht lediglich das quietschen der kneipentür, wenn sie in ihren angeln unsaft bewegt wurde. andächtige aufmerksamkeit, als "curs in the weeds" langsam fahrt aufnahm, freudiges staunen, als "albina" munter vorwärts zuckelte, ein glücklicher rufer bei den ersten tönen zu "heathen's kiss", strahlen zu "this is what" und ein verständiges mitnicken bei "finch on saturday". mir am liebsten waren die pure energie nach dem sanftmütigen anschleichen von "dustbowl" und der schmeichelnde reigen von "in our blood". allen songs gemein: sie gehörten zu einem der schönsten konzerte. dem zum abschluss folgendes gelang: ein gegenseitiges bestätigen von dankbarkeit. hier applaus, johlen, pfeifen, dort eine akustikzugabe, bei der die mikrofone auf der bühne zurückgelassen wurden, alles andere aber mitgenommen wurde. thanks.

horse feathers - curs in the weeds