sea of bees – orangefarben (2012)
> bliebe nicht der unverwechselbare angeschickerte gesang, das album wäre der völligen beliebigkeit, der austauschbarkeit anheim gegeben, 2,5-3/5
stealing sheep – into the diamond sun (2012)
> schnell vertraulicher mix aus (weird-) folk elementen mit sahnigen popversuchen, versponnenheit ist gütiges beiwerk, 3,5/5
hurray for the riff raff – look out mama (2012)
> sehr fein austariertes, durchaus wohltemperiertes, folk infiziertes countryalbum, das entwicklung zulässt, ohne auf dicke hose zu machen, 3,5/5
moon duo – circles (2012)
> noch runder als der vorgänger, spacerockhymnen brennen mit noiseattacken durch, das duo hält nicht nur den standard, es definiert ihn neu, 3,5/5
Dienstag, Oktober 16, 2012
eingestreut (436): cory zaradur
mit talik startete er eine unternehmung im duo, die sich auf ambient bzw. laptopfolk stürzte, in solo verfolgt er durchaus ähnliche vorhaben. cory zaradur wurde die ehre zuteil, sein solodebut "all that we share" auf dem noch jungfräulichen label inner oceans records zu veröffentlichen. auf dem 6tracker tummelt sich eine magische welt aus soundwaben und akzentuierenden gitarren- und keyboardlicks. die faszination ergibt aus dem stillstand wahrenden drone und den vorwärts reissenden melodien. es ist herbstmusik, da sich die wolken ballen und die himmel schlimmes versprechen. zurückgezogen, und von der welt nur noch eine ahnung, unter die kopfhörer getaucht, regen diese musikalischen landschaften umgehend deine phantasie an. von zaradur wird man bald noch im zusammenhang mit seinem sideproject sfera di fiore hören. vom label inner oceans dagegen im zusammenhang mit der großartigen heidi harris, die an neuen aufnahmen sitzt.
cory zaradur - as long as space endures by inner ocean records
cory zaradur - more than ever by inner ocean records
Montag, Oktober 15, 2012
rozi plain - joined sometimes unjoined (2012)
vielleicht gibt es ja wirklich musik, die man besser versteht. nicht im analytischen sinne, sondern im emotionalen. die einen durchdringt und die in jeder zelle eine note platziert. die sich breit macht, ausströmt, eins wird mit dir. die dieselbe dna struktur aufweist, die jederzeit problemlos andocken kann, die den schlüssel besitzt, zu herz, hirn und seele. und dabei macht rozi plain kein brimborium, kein großes bohei um ihre kunst. es ist eine zuweilen keckernde, stolpernde angelegenheit, immer wieder auch forciert und auf touren gebracht. doch zunächst liebeln wir mit der festen, sich irgendwie handlich anfühlenden stimme, sowie mit einer treulich begleitenden e-gitarre, die rhythmisch geschlagen widerhallt, die gestrichen momente benennt, die schwungvoll geführt akzente setzt. und wir lauschen den melodien, die unstrittig weisungen folgen, die mit einem plan in der hand nach der nächsten straßenecke zu suchen scheinen.
mit "joined sometimes unjoined" legt die in bristol lebende und als rosalind leyden in winchester geborene rozi plain ihr zweites soloalbum vor. noch das debüt "inside over here" erschien 2008 auf fence records, nun erhielt talitres den zuschlag. am 21. september wurde das zehn tracks umfassende werk veröffentlicht.
während sich rozi im konzert gern auch in solo bewegt, hat sie sich für das album unterstützung geholt. neben francois von francois and the atlas mountains halfen kate stables, jesse vernon, rachael dadd, markland starkie (sleeping states) und matthieu hauquier (botibol) aus.
"cold tap" ist ein sich anschleichender opener, die steeldrum licht, die trommeln bleich, rozis gesang eine weitere singuläre ergänzung. soundschleicher durchwirken das noch luftige ambiente. ein anschwellen, abebben. formensprache. kreisel, strudel, sich drehendes gewinde, das fester anzieht. hereinzieht. denn schon "humans" hat katapultierenden charakter. jeden, den es noch nicht in die tiefe gerissen hat, schnappt sich dieser muntere song. hüpfend, tänzelnd, manisch dribbelnd, im refrain ausholend und hypnotisch. auf der rauen gitarrenspur reiben sich unbeholfen die noten, rozi legt nach und nach.
so spielt jemand auf, der sich in seinen songs ganz zuhause fühlt. den es nicht außerordentlich weitertreibt. die engländerin zelebriert dabei nicht, jedoch wiegt sie sich im selbstproduzierten taumel. der schwindel ist ein stilmittel, das schwankende, als löse sich der boden unter den füssen und man müsste bedacht sein, nicht zu stürzen. hier greift die gitarre hilfestellend ein, dort ein kinkerlitzchen klavier, staunender chorgesang. auch den nächsten gang einlegen, dient nur der statik.
"see my boat" ist so ein tpyisches beispiel mit seinem gemächlichen start und dem sukzessiven aufnehmen von geschwindigkeit. abschied mit flottem beat, der nicht einzufangenden gitarrenspur und dem chinesisch anmutenden gedengel.
rozis musikalischer ausdruck ist ein ganz eigener. ihre welt zeichnet sie in wenigen sekunden auf ein weißes blatt papier. und hast du dich nicht versehen, entstehen dinge vor deinem geistigen auge, die du kurz zuvor nicht zwischen den wenigen linien erkennen konntest. es ist eine art folk, der sich dem akustischen sperrt und die idee befeuert, dass auch eine verstärkte saite dem treugesang dienen kann.
rozi plain - see my boat
Sonntag, Oktober 14, 2012
konzert: caroline keating, 12.10.12
kein einziges haar fällt ihr ins klare gesicht. ein pony, der über den augenbrauen sitzt. ein blick mitten ins gesicht. manchmal rafft sie zudem ihre schulterlange mähne und bündelt sie lose, so dass man ihren nacken sehen kann. ihre bewegungen sind voller liebreiz und unschuldigkeit. mit einer scheinbaren unbedarftheit, die etwas kindliches besitzt und etwas naives und etwas aufregend charmantes, begegnet sie ihrem publikum. mit konzentration und beeindruckender aufmerksamkeit ihrem instrument. das offene klavier, die kleinen holzklöppel durfte man tanzen sehen, beackert sie kraftvoll und zugleich mit einer sachtheit, dass sie augenscheinlich lieber die zarten, schmalen finger krümmt, als den schwarzen und weißen tasten zu viel gewalt anzutun. ihr gesang ist unverstellt, ungekünstelt, freimütig. kein keckern, keine unwilligen kolloraturen, kein dehnen und zerren um der ausdrucksnuance willen. als lüfte sie ihre atemräume, bekommt die stimme weite und kraft, als drückten emotionale mächte, holt sie mutig aus und hält dagegen.
eine geste mit spannungsbogen, der leicht die grenzen der bühne des rationaltheaters zu münchen sprengt. oft befiel mich der gedanke, dass caroline keating auf eine sommerwiese gehöre, ins freie, da sich ihre musik nach für nach in den wipfeln der bäume, in den zarten enden der grashalme, im gefieder zufällig vorbeifliegender vögel verlöre. durchdrungen von dem, was den menschen tatsächlich auch noch ausmacht, findet die natur ihren glauben zurück.
sebastian chow an der elektrisch verstärkten geige und matt perrin am standup bass waren die sideparts der jungen sängerin und songschreiberin aus montreal. hier melodienreisser und kunstvoll akzente setzender streicher, dort deutlich im hintergrund arbeitetender grundierer. beide folgten ohne zögern ihrer meisterin durch die fluchten ihrer zum teil rasanten popfahrten. denn was keating zu bieten hat, sind keine geschönten liedchen, keine übersichtlichen dramolette, keine eitlen stampfer, es sind wohldosierte songs, die reife besitzen und ihre krönung erhalten, in dem sie pointiert arrangiert und mit maß vorgetragen werden. zögerlich hie und da der einstieg, schmiegsam und mit lichter bewegung, die worte präzise geformt wie der bäcker die brezen dreht, anschub oder ein verzücktes innehalten, kontrapunkte rationiert und doch mit großer wirkung, dann krachts. und caroline hebt die stimme und wieder ist einhalt geboten, wenn sich die stahlträger unter der decke biegen, die bühnenvorhänge im sturm taumeln und der wind den gästen ins gesicht bläst.
vielleicht hatten sie sich ein wenig mehr versprochen. am vorabend waren wohl gerade mal knapp zwanzig zuhörer im schmucken kleinen theater in der hesseloherstraße. diesmal waren es mindestens dreimal so viel. doch der funke wollte lange nicht überspringen. etwas zögerlich der applaus, kein "ho", kein "ha", keine wohlwollenden pfiffe. später erst. dann war aber auch schon fast schluß. dazwischen durchdrangen das hitverdächtige "silver heart", das sich an einer allzeit erinnerungswürdigen melodie labt, das munter klopfende "the pier", das zunächst maniriert tupfende, später ausholend engagierte "ghosts" oder das freudig meckernde "billy joel" und die zwiebetrachtete liebeserklärung "montreal" das aufmerksame rund.
manchmal zieht sie eine schnute, dann lächelt sie wieder oder kichert in sich hinein. wenn sie sich ihrem publikum zuwendet, zeigt sie leuchtende augen. es ist eine wahrhaftige begegnung. kunst ist es zu tun. da wendet sich die dreistigkeit des theatralischen ab. caroline keating ist durchdrungen und eins mit dem, was sie bewegt und was sie zur sprache bringt. man wollte ihr folgen, abwege traute man ihr dabei nicht zu. doch bei aller unschuldigkeit haust ein schalk in ihrem zeitweise freigelegten nacken.
"silver heart", das debutalbum wurde gerade frisch auf glitterhouse records bereitet (26. oktober), bleibt mehr als eine empfehlung.
caroline keating - silver heart
"silver heart", das debutalbum wurde gerade frisch auf glitterhouse records bereitet (26. oktober), bleibt mehr als eine empfehlung.
Samstag, Oktober 13, 2012
glotzt nicht so romantisch (419): mauracher / james yorkston / julie doiron / cloud nothings
"super seven" ist das vierte album, aufgenommen im weilheimer uphon studio mit der unterstützung von mario thaler (console, the notwist), die gesangliche verstärkung hört auf den namen sonia sawoff, viel spaß mit: (hubert) mauracher:
"i was a ca from a book" dürfte bereits seit dem august in den regalen der wissenden stehen, nach für nach arbeitet der sänger das neue album auf, so gibt es ein aktuelles video zur zweiten single "just as scared" zu bewundern: james yorkston:
das ist mir die größte freude: verkünden zu dürfen, dass die indieikone ein neues album herausbringen wird, und es ist nicht mehr lange hin, dass "so many days" erscheinen wird, am 23. oktober wird aporia records hierfür verantwortlich zeichnen, ein erster vorgeschmack: julie doiron:
ihr album "attack on memory" ist frisch auf carpark erschienen, da müssen sie natürlich die promomaschinerie noch am laufen halten, mit video, aber auch mit einer baldigen neuen tour, nachdem man die staaten durchgeackert hat: cloud nothings:
was Ihr seht ist stiller protest.
Freitag, Oktober 12, 2012
unsigned - a d.i.y. (music) diary by great dynamo - episode 56
eine neue tour steht an, vorher hat hauke aka great dynamo einiges zu erledigen bzw. zu absolvieren. zudem wird hier neuerdings in externe und interne unterschieden. wofür man Euch halten könnt, lest: "allen externen sei warnend gesagt: dies war ein düsseldorfer wochenende und so ist auch die folge. kann ja auch nix schaden vor der bevorstehenden tour durch andere regionen des landes. auch wenn die band des abends aus hamburg kam. doch auch sie fühlten sich sichtlich wohl im DAMEN UND HERREN und spielten ein wahrhaft meisterliches set. was man von unserer FORTUNA am folgetag in mainz leider nicht sagen kann."
glotzt nicht so romantisch (418): cub scouts
"told you so" heißt die am 12. oktober erscheinende ep und hier bekommt man gleich noch was aufs auge. denn die cub scouts haben den wunderbaren popflüchtling ins bild gesetzt. die herrlichen 90s allegorien flirren durchs bild und verschaffen sogar dem unaufmerksamen beobachter einen warmen erinnerungsmoment. "bubble-o bill, teenage mutant ninja turtles, rubik's cubes and hubba bubba." habt Ihr noch mehr gesehen? mit "evie" wird zudem bald ein singlerelease zu feiern sein, auf der rückseite wird sich "do you hear" befinden, ein track, mit dem die band den queensland music award abgeräumt hat. der brisbaner fünfer legt originäre popmusik vor, die dank der einträglichen gesangsstimme, des emotional mutigen ansinnens in form von lieblichkeit und sachtheit in harmonie und ausgestaltung memorabel bleibt und nach wiederholung ruft.so jung, so auf den punkt, das hat potential!
cub scouts - told you socub scouts - do you hear
Donnerstag, Oktober 11, 2012
ein (p)fund mp3 (410)
starkes neues lebenszeichen des duo christopher tignor und theo metz aus der south bronx, mit "replicant" werden sie im november ein neues album ihrer ausdrucksstarken instrumentalmusik vorlegen, auf western vinyl versteht sich: wires under tension:
the light behind your light is changing by western.vinyl
es sind zwar die unterschiedlichsten heimatorte angegeben, aber die truppe ist irgendwie dann doch aus italien, ihr neues album "you should reproduce" wird am 24. oktober auf trovarobato records erscheinen und ein buntes ding sein: honeybird & the birdies:
to the earth's core by honeybird & the birdies
eines der sich am rasantesten entwickelnden labels ist paper bag records, dieses mal kommen sie uns mit dem born ruffians frontmann, der sein erstes soloalbum vorlegen will, zehn tracks, die es wahrlich in sich haben und die eine erste empfehlung von uns bekommen: luke lalonde:
luke lalonde - undone by paper bag records
"shut down the streets" heißt sein aktuelles album und ist bereits seit einigen tagen via matador records erhältlich, bewährte qualität?, Ihr entscheidet dank hörproben:
a.c. newman - encyclopedia of modern takedowns a.c. newman - i'm not talking
"in the open" heißt die neueste ep des jungen briten, die er dann wohl auch auf jeweils ausgedehnte zunächst uk-, dann us- tour mitnehmen wird, veröffentlichung am 19. november: benjamin francis leftwich:
benjamin francis leftwich - in the open
es ist das zweite album, "mind off" folgt im februar des kommenden jahres auf "bonfire diaries" aus 2011, über das wir, wenn ich nicht irre, auch berichtet hatten, hört mal trotz des namens unbefangen rein: metal mother:
metal mother - mind_off by fanaticpro
thrill jockey, auch so eine fleissige klitsche, die nun für das neue album der portlander psychrocker verantwortlich zeichnen wird, "a world out of time" wird mitte november erscheinen, hier ein erster einblick in den 8tracker: eternal tapestry:
eternal tapestry - when gravity fails by thrill jockey records
eines unserer lieblings-single-labels ist cloudberry records, das momentan sporadisch material raushaut, dafür wie stets höchst wertvolles, diesmal von einer vierköpfigen kapelle aus edingburgh, der erste track ist download frei:
the spook school - here we go
zudem fügen wir den baldigen (ebenfalls single-) release dieser schwedischen band an, ebenfalls mit hörprobe, ebenfalls auf cloudberry:
nixon - this town
aufmerksamkeit erbitten wir zudem für dia records (aus dem dunstkreis von analogsoul), auf dem digitalreleases mit hinwendung zum vinylformat erscheinen, in der umsetzung split ep mit jeweils zwei songs der mitstreitenden bands, im september mit folgendem personal: petula / the micronaut:
petula - say yes by diarecordsthe micronaut - all i have is now by diarecords
auf team love records erscheint das spannende album des filmemachers nik fackler, der auf der promotiontour anfing songs zu schreiben, bezeichnet als "an experiment in psychedelic soundscapes, pop music and visual performance": indreama:
indreama - exodus by team love records
"soft fall" ist sein zweites album, jon barthmus zerlegte klassische strukturen und trug sie mitsamt einem streichquartett wieder zusammen, "with live instruments overdubbed in another, then re-edited and assembled back at home by barthmus. david wrench (caribou, bat for lashes, bear in heaven) took it all to new heights with some masterful mixing.", heißt es beim veröffentlichenden label dead oceans:
sun airway - put the days awaysun airway - oh, naoko
tame impala
14.10.2012 Köln, Gebäude 9
17.10.2012 Hamburg, Gruenspan
23.10.2012 Berlin, Postbahnhof
Mittwoch, Oktober 10, 2012
neue töne (1190): hand sand hands
mit ramshackle psych ist die musik des kollektivs hand sand hands ausreichend, umfassend und treffend beschrieben. schieben wir experimental pop, fuzzrock und spiritueller weirdfolk mit hinten an, dann fühlen wir uns gleich auch noch ein stückchen wohler. weil in eine schublade passen jon royale, gladiola, cassia, emily strand, mark, old ghost and god auf keinen fall. die scheinbar vielköpfige band aus texas, die der recherche nach gerade mal zwei mitglieder ausmacht, fegt mit vierradantrieb über grobes pflaster und jauchzt ob jeder bodenwelle. die kruden moritaten stürmen und sind von reuelosigkeit zerfetzt. die noiseattacken gemahnen an gewittersentenzen im film noire, wenn stränge kulminieren. hier aber flittert untergründig eine schwer zu bekämpfende melodie. denn was zählt, hat einen effekt, einen mitsing-, einen mitjodel-, einen aufstampfeffekt. verharren ist nur ein hochtouriges atem holen. "docks and robes" aus dem jahr 2010 klingt noch sehr konzentriert, an ideen zerrieben und im festen glauben, gutes zu tun. die hoffnung auf mehr zerschlägt sich bald und die truppe setzt fortan oder zumindest mit dem anfang 2011er werk "woods suite" auf die akustik clash variante. das geht genauso gut ins ohr, hört sich aber dennoch eher nach urlaub und strandauszeit an. doch schon mit "his blurry murrays" gehen die jungs wieder aufs ganze und legen ende 2011 noch einmal ordentlich nach. wieder zählt zerlegung alles, ordentlich in einzelteile, gestapelt, umgestossen und zu neuen häufchen aufgestellt. ein fester faden bindet das paket und aufgenommen baumelt das gewerk in immer neuen, schillernden kombinationen. im juli dieses jahres erschien mit "reded ep" die vielleicht größte tat der amerikaner. der zerstörungswahn scheint unumkehrbar. der drohn bedrohlich, die ausstattung zwielichtig und gemein. die stimmungen überschlagen sich, die gewalt wirkt mannigfaltig. aber es bleibt ein hang zur lieblichkeit, zur süsse, schwerer honigsüsse, die vom löffel tropft, nachdem man das gelbbraun licht reflektierende glas aus dem küchenfenster gestohlen hatte. etwas spitzbübisches liegt über dem trümmerfeld aus harmonien, akkorden, noten. es ist das mosaik eines gelebten tages, einer woche. vexierbild. kaleidoscop. so ist die welt. mal sehen, was noch kommt.
Dienstag, Oktober 09, 2012
eingestreut (435): childhood
"fresh faced" seien sie, die vier londoner, die sich in einer band zusammen fanden, die nicht ganz umsonst childhood heißt. irgendwie lagen die interessen dicht beisammen, creation records war ein gemeinsamer nenner, aber auch klassischer soul, americana und shoegaze. und plopp, hatte man die debutsingle "blue velvet" beisammen, die sich dann auch mehr nach der aufzählung denn nach dem frühkindgebahren anhört, auf das man durchaus hätte schließen können. vor allem soundet das rund und erfrischend und ausgeheckt, aber nicht manipulativ. wenngleich man konstatieren muss, dass die dichte atmosphäre, der popausleger, die glanzvollen vocals, die schweinigelnden gitarren schon auch professionell daherkommen. etwas zugekleistert und die giftigen stellen fallen nicht so auf. passt. was also erst 2011 an der nottinghamer uni gegründet wurde, bekam schnell ein musikalisches gesicht, was einzigartig ist und wiedererkennungswert besitzt. leo dodson, ben romans-hopcraft, daniel salamons und chris o'driscoll sind die vier protagonisten, bitte merken, auch wenn sie sich erst einmal nur in ihrem heimatland herumtreiben (u.a. auch mit 2:54 im schlepptau auf tour). "blue velvet", die single, abgerundet durch "bond girls" auf der flip erscheint auf house anxiety ende dieses monat.
childhood - blue velvet by house anxiety
Montag, Oktober 08, 2012
unsigned - a d.i.y. (music) diary by great dynamo - episode 55
wie meinte hauke aka great dynamo doch gleich: "auf der zielgeraden kann einem schonmal ein wenig die luft ausgehen. so geschehen in den letzten tagen der tourvorbereitungen. kommt aber auch immer alles zusammen...." unterstützen kann man den fleißigen burschen nicht nur durch anschauen dieses videos: kontaktaufnahme, lob aussprechen, aktuelle ep kaufen, zu den konzerten gehen, da gäbe es also mehrere möglichkeiten...
glotzt nicht so romantisch (417): yes cadets / kreidler / two gallants / david tattersall
die band stammt aus belfast, ihre aktuelle ep "le mans" erschien gerade bei humming records, das video ist passgenau zum track "seconds in a minute" erstellt worden und zeigt Euch sänger und gitarist alan haslam, sängerin und drummerin lisa mageean sowie bassist steven matthews bei der arbeit: yes cadets:
etwas älter ist das video bereits, es zeigt den voyeuristischen ausschnitt einer duschszene aus "die basis des make-up" von heinz emigholz, die musik stammt aus dem aktuellen album "den" (bureau b), das seit ein paar tagen erhältlich ist: kreidler:
die erste single des aktuellen album "the bloom and the blight" in szene gesetzt, wird "my love won't wait" gefallen finden?, herausgekommen ist das werk des duos auf ato records, fargo bzw. indochine recordings: two gallants:
mit "the sunshine hotel" legt der wave pictures mann eine erste single aus dem ende oktober erscheinenden instrumentalalbum (nur gitarre, immer aufnahme des ersten takes) vor: david tattersall:
two gallants
17.11.2012 D- Weissenhäuser Strand, Rolling Stone Weekender
19.11.2012 D- Köln, Stollwerck
20.11.2012 D- Leipzig, Conne Island
22.11.2012 D- Berlin, Postbahnhof
23.11.2012 D- München, Theaterfabrik
24.11.2012 D- Schorndorf, Manufaktur
25.11.2012 D- Frankfurt, Batschkapp
26.11.2012 D- Münster, Sputnikhalle
Sonntag, Oktober 07, 2012
konzert: me and oceans / arpen, 03.10.12
als arpen vorsichtig die ersten töne in seinen roland eintastete, knisterte die atmosphäre. als wäre die erde einen moment in ihrem kreisen gestoppt, weil es ihr nicht gelungen war, gegen diese dicke suppe der allgemeinen erregung anzukämpfen. nun hatten wir es nicht mit schweißperlen auf der stirn, zitternden händen oder flachem atem zu tun, der die stimme schwächt. aber die augenblickliche nähe, der direkte und intime kontakt zwischen künstler und auditorium wirkte zunächst bleiern. die reduzierte, geradezu karg arrangierte intonation von liedern fast klassischer natur hieb durch den raum, erwarb sich jegliche konzentration und durchbrach mit jedem neuen ansatz die stille. ich wagte mich kaum zu regen, hielt zwischenzeitlich ein, mir die lungen mit luft zu befüllen und brach verbrauchtes heraus, wenn der applaus 'brandete' und arpen artig für die erste belohnung dankte. nach und nach zogen sich so fäden durch den raum, kontakte atomarer natur, die sich für den beobachter unsichtbar verschoben, um das, was zunächst undurchdringbar schien, nach für nach aufzulösen. spannungen, befürchtungen, aufgeregtheiten.
natürlich auch nervositäten seitens der gastgeber, uns, die wir schier unmögliches versuchten, nämlich abseits der metropole eine veranstaltung zu kreieren, die auf wissendes, fast schon geschultes publikum angewiesen war. so blieb bis zuletzt die spannung, ob sich genügend menschen einfinden würden, ob sich eine runde auftun würde, die nicht nur einfach dankbar ist, sondern die auch entschlossen gegenüber dem zweifelsohne ungewöhnlichen musikalischen angebot sein würde. denn mit fabian schütze alias me and oceans sowie robert seidel alias arpen betraten die unkonventionelle bühne unseres wohnzimmers zwei künstler, die nicht nur beide in leipzig beheimatet sind, die sich nicht nur beide dem wunderbaren analogsoul label zugetan fühlen, sondern die auch jeweils einem musikalischen ausdruck frönen, der mit ungewöhnlich nur unzureichend beschrieben wäre. während arpen auf dem e-piano tupfte und den einzelnen noten weite räume ließ, während er den geschleppten gesang nachzog, schuf me and oceans dichte und komplexe arrangements, die er aus dem zur seite gestellten laptop erschallen ließ. daneben aufgebaut bewegte sich ein großer kerl mit zum teil ungelenken bewegungen im schwang seiner vielfachen rhythmik, seiner vertrackten harmonien, konzentriert auf das zusammenspiel der unbeliebigen elemente, die sich in teilen abstrakt, in der komplexität und in der vereinigung verständig zeigten, klarheit abrangen und dem hörer bilder aufzwangen, die sich durchaus abseits der lyrics abspielen durften. nützlich dafür waren auch die belebenden, erfrischenden kommentare fabian schützes zwischen seinen titeln, die er nach dem kurzen, aber intensiven vortrag arpens dem gebannt verfolgenden und schließlich zahlenmäßig wohlausgestatteten rund entgegen brachte. so schlugen sich auch wieder bande zwischen beiden seiten, die erste starre fiel und etwas zwangloser führte sich das gegenseitige tun, hier der auftritt, dort das aufmerksame hören sowie sehen, fort. dennoch blieb alles in einer empfindlichen waage, die sich in beide richtungen bewegen konnte. das aufeinandertreffen, die unmittelbarkeit löste sich schließlich nicht auf, sondern musste ausgehalten und gestaltet werden. momente, da sich der mund vom mikrofon löste und die stimme ins niemandsland driftete zwischen verstärkung und dem natürlichen raumklang oder da bewegungen im publikum aufmerksamkeit schufen. momente, die sich nur in diesem kontext ergeben können, buhlen um sich selbst. doch sie berühren und sie komplettieren das wagnis.
eine stunde gebanntheit. augenblicke mit arpen, in denen er in ausgewiesener sachtheit sein instrument bediente, zärtlich umhegte und dabei nur sehr selten geschwindkeit aufnahm, was nicht zuletzt zu einer stimmung beitrug, die etwas feierliches, beweihräuchertes in sich trug. die aktuelle ep "homeworks / nightworks" des künstlers lässt auch den aussenstehenden ahnen, in welch gefilden wir uns aufhalten durften. "the quietest", unten aufgeführt, ist beredtes beispiel hierfür. die berauschten zuhörer zollten mehr als respektvollen beifall.
ausufernde sentenzen setzte me and oceans, popenthusiastische akzente wie in "when i was a dancer". in leichte bewegung versetzt die konzertbesucher, ein tanzen wäre hie und da durchaus angebracht gewesen. die dunkel verrauchte stimme fabian schützes ward zum gegenpart einer leichtfüssigen, helltönenden musik, deren diverse versatzstücke ein grundierendes ganzes ergaben, auf dem der gesang alles andere als geziert stolzieren durfte. "another weekend" greift nach dem hymnenstatus und ist doch nur lied, und ist damit ein vielfaches mehr. die reduktion, die blässe, die betonung. "josephine" lässt erahnen, das auch auch chris rea songwriterische qualitäten besitzt, in der reizvollen coverversion fabians aber erhält es einen lichten glanz.
am ende blieben eindrücke. die besonderheit des ortes, des augenblicks, die menschen. die möglichkeit des austauschs, des beieinanderseins. die tragfähigkeit neuer alter konzepte und die gewissheit, dass wir nicht zum letzten mal in unsere heimstatt eingeladen haben werden.
tausend dankesgrüße nach kiel und berlin, die weitgereistesten besucher kamen aus diesen städten!
tausend dankesgrüße nach kiel und berlin, die weitgereistesten besucher kamen aus diesen städten!
the quietest by arpen sydel
me and oceans - walking home by analogsoul
Samstag, Oktober 06, 2012
ein (p)fund mp3 (409)
gleich zuvorderst die für mich größte freude angesichts der neuveröffentlichungen und news, auf die zwei letztjährigen releases "death seat" und "briarwodd" folgend, wird "blood oaths of the new blues" am 08. januar auf fire records erscheinen: wooden wand:
wooden wand - southern colorado song by fire records
ende februar des kommenden jahres erscheint das album, bis dahin aber muss man, darf man sich die zeit mit einer limitierten single vertreiben, "she is the wave" heißt sie und den titeltrack dürfen wir uns hier und komplett zu gemüte führen, viel spaß mit airick woodhead aus toronto alias: doldrums:
doldrums - she is the wave (ft. guy dallas) by souterrain transmissions
ebenfalls kanada, ebenfalls in enger umarmung mit arbutus records wie der vorgängerkünstler ist dieser vierer aus montreal, der mit "tender opposites" bereits im februar vorgelegt hatte, wir reichen hiermit nach: tops:
tops - turn your love around by arbutus recordstops - easy friends by arbutus records
vor ca. sieben jahren begann der mittlerweile in new york beheimatete künstler mit einem autobiografisch beeinflussten songzyklus, der nun zur einen hälfte veröffentlicht wird, der part "story" aus "the long lost story" erscheint im selfrelease, der zweite teil (im eigentlichen sinne der erste) "the long lost" wird in naher zukunft folgen: david bronson:
david bronson - times by fanaticpro
wieder, noch mal, immer mehr affairs of the heart, schön, dass es bei den hamburgern gerade scheppert, nun mit einer kollaborationssingle (ab 26. oktober) zwischen dead fingers, über das aktuelle album hatten wir bereits gesprochen, und einem labelmate, nämlich: nik freitas:
nik freitas - a million ways by affairs of the heartmit "silver and gold" (asthmatic kitty) wird er mal wieder eine christmas box vorlegen, die am 13. november zu veröffentlichende stattliche sammlung wird neben den fünf eps (vol. 6-10 quasi) wieder einige lustige memorablia enthalten, bitte überraschen lassen: sufjan stevens:
sie startet gerade zu einer ersten größeren uk tour und hat dabei ihre doppel a-side single "you come down" / "mountain spines" im gepäck, daneben lässt sie hie und da ein paar coverversionen fallen, zum beispiel von nico: marika hackman:
marika hackman - these days by marika hackmanmarika hackman - you come down by marika hackman
"i wish i knew" heißt die debutsingle dieses frischen londoner quintetts, am 24. september wurde bereits veröffentlicht, ein nachreichen, hier die flip, in ehren: years and years:
the whale by years and years
ein ziemlich cooles gerät, was der junge bursche da am 16. oktober auf captured tracks vorlegen wird, einige songs kenne wir ja schon, nun gibt einen neuen: mac demarco:
mac demarco - ode to viceroy by capturedtracks
chris mchenry, dmitry ishenko und sebastian ischer bilden das trio, das nach eigenen angaben einen sehr belebten minimal post-punk trance rock spielt, zum kommenden album gehört auch nachfolgender track, finster, düster, verwoben, klasse: i'm in you:
ex-cult by i'm in you
etwas weniger wäre mehr gewesen, aber das grundgerüst gefällt durchaus, die aufnahmen zu ihrem debut erfolgten u.a. mit dan auerbach und kevin augunas: valerie june:
valerie june - workin' woman blues by purpleprdoldrums
09.11. Hamburg, Germany @ Ubel and Gefarlich (w/ Purity Ring)
10.11. Köln, Germany @ Club Bahnhoff Errenfeld (w/ Purity Ring)
14.11. Berlin, Germany @ Berghain (w/ Purity Ring)
15.11. Munich, Germany @ Hansa 39 (w/ Purity Ring)
Freitag, Oktober 05, 2012
eingestreut (434): chelsea wolfe
photo by kristin cofer
am 16. oktober erscheint "unknown rooms - a collection of acoustic songs" von chelsea wolfe auf sargent house. wer aufmerksam war, hat bereits zwei singles daraus vernehmen können, zuletzt "appalachia". mit "flatlands" legt wolfe
noch einmal nach. zudem gebietet der blick auf eine akustiksession, während der der song "spinning centers" eingespielt wurde. so nach und nach erschließen sich großteile des werks noch weit vor dem veröffentlichgungstermin. wer sich zu "unknown rooms" informieren möchte, dem empfehle ich neben chelseas webseite auch das aktuelle interview auf pitchfork. der rest ist hören und staunen.
tracklist: 1. flatlands / 2. the way we used to / 3. spinning centers / 4. appalachia / 5. i died with you / 6. boyfriend / 7. our work was good / 8. hyper oz / 9. sunstorm
chelsea wolfe - flatlands by sargent house
chelsea wolfe - appalachia by sargent house
chelsea wolfe - the way we used to by sargent house
Donnerstag, Oktober 04, 2012
eingestreut (433): matt bauer
matt bauer
bringt eine neue ep unters volk. terminiert auf den 23. oktober, enthält das auf crossbill records erscheinene teil fünf tracks. in einen dieser neulinge können, dürfen wir hineinhören. und wir werden einer welt gewahr, die sich abzeichnet als jene eines ruhelosen, eines wanderers, eines heimstattlosen. denn nichts anderes war bauer in der zeit des songwritings, ohne festen wohnsitz, ständig unterwegs. beispielsweise der opener, gesungen im duett mit jolie holland, kreiert die vorstellung des flugs über die datumsgrenze: "these are just lines on a map / i erase them,” she thinks. “no shape / no time / no, nothing can hold me now." oder "homeward bound" beschreibt den traum von einer rückkehr nach hause. wie auch immer, mit "no shape can hold me now" kehrt bauer auf die eine oder andere weise auch wieder heim.
tracklist: 1. andaman sea /
2. enlisted
/ 3. mangroves
/ 4. tonight we get to sing our songs
/ 5. homeward bound
Mittwoch, Oktober 03, 2012
konzert: this is the kit, rozi plain, jamie harrison, 01.10.12
die gegend rund um ein arbeitsamt sollte an einem montagabend vor
tristess blühen und zudem parkplätze in erschöpfender masse
bereithalten. doch der schlachthof, einige kneipen und vor allem das
ganz in der nähe rumpelnde oktoberfest versalzen einem in münchen am 01.
oktober gehörig die suppe. mehrmals fuhren wir im karree, und es
schoben sich die viertelstunden übers ziffernblatt, bis wir endlich eine
parklücke erwischt hatten. wir fahren wirklich gern zum südstadt, das
personal, die location selbst und vor allem das musikalische angebot
sind jedes mal ausgezeichnet, aber die wenigen abstellmöglichkeiten für
ein motorisiertes vierrad sind ein graus. zu allem übel begann das
hervorragende programm dieses abends pünktlich, sprich 20:00 uhr, einer
zeit, da man sich ansonsten noch die zähne putzt und den scheitel legt,
bevor man sich überhaupt zu einem konzert aufmacht. und so traten wir in
die dämmerbeleuchteten räume und sahen die unter dem namen this is the kit agierende kate stables (wir berichteten
u.a. 2010 ausführlicher über sie) bereits bei der arbeit. mit
unterstützung von jamie harrison und rozi plain sowie einem schlagwerker
sang sie sich durch die letzten beiden songs ihres auftritts. und wir
konnten ahnen, welch klangliche wohltaten bis dahin an uns vorbei
gegangen waren. diese stimme! diese beweglichkeit, der schmelz und die
zugleich auftretende robustheit. wie am leben geschult. ein gesang, der
sich durch die zeiten verändert, der das graue genauso wie die
sonnenaugenblicke gespeist zu haben scheint. irre schön.
und schon auch
im blickfeld ihre sideparts. zunächst der schlagzeuger, dessen name mir
leider nicht präsent ist, der jeden der drei einzelnen acts nach besten
kräften unterstützte, aber so auch weitgehend im hintergrund agierte,
daneben rozi plain,
die gerade ihr neues album "joined sometimes unjoined" promotet und mit
lustiger kopfhaube antrat sowie jamie harrison, über den ich einst
geschrieben hatte: "seine stimme hat einen gehalt, wie ihn andere nach
jahrzehnten nicht bekommen werden. sein gitarrenspiel ist nicht nur in
den flotten passagen eine erinnerung wert." was er am ende dieses abends
auch beweisen sollte. zunächst aber war pause, die vier gingen
auseinander und auch viele der gäste gingen zum rauchen vor die tür. es
waren, mit allen augen zudrücken, ca. 40 gäste im südstadt, viel zu
wenige angesichts des dargebotenen niveaus. beweisführend war rozi
plain, die mit breitem bristoler akzent ihre freude ob einiger deutscher
wortbrocken darbot und gleichzeitig zu einer musik anhob, die so
folkig wie unterschwellig bluesig war, die einen ganz eigenen drive
besitzt, die ruhelosigkeit vor- und ausatmendes innehalten antäuscht.
irgendwo brodelt es bei ihr immer. mit ihrer e-gitarre ausgestattet wie ein windhörnchen mit einem baguette, den geschlossenen augen und der vollen hinwendung an intonation und vortrag, sicherte sich rozi die konzentration des auditoriums. ihre melodien sind lustige schleifen, keine braven folgemäuschen. angetickert hier, forcierend dort, rhythmusagil mal, dann wieder träge und wenig belastbar. ihr schopf wippte. das rund hatte ein lächeln im gesicht. im hintergrund bezwang jamie harrison die akustische und kate stables rundete dank einer wundervollen zweitstimme immer wieder ab. fein. fein. fein.
die fellbesetzte cordjacke
aus, die wuchtige gitarre geschultert, ein winken zu den musikerkollegen
und jamie harrison schien bereit. auch hier ging eine kleine pause voraus. die ersten akkorde kamen stockend.
als würde er sich verspielen, hielt er immer wieder inne. doch ein
spannungsbogen ward geworfen und gab gelegenheit, sich selbst in
stellung zu bringen. zu diesem musiker und seinem ganz eigenen ausdruck.
einer wesenheit, die an einen minnesänger gemahnte, an einen vortragenden
aus längst vergessener zeit, mit einem gesang, der zwischen gestelzt-
manieriert und feierlich getragen changierte und doch nie abgehoben und weltenfern erklang. im gegenteil ist das warme timbre eines, das sein warmes plaid bereitet und dich zudeckt. wäre es etwas kühler gewesen, hätten wir hier hitze empfangen. "the wire" flüstert, gängelt sich voran, hat ein liebliches wanderstäblein und ein zögern, als traute es sich nicht. wie überhaupt das neue album von harrison "honesty! fraternity! night-vision!" ein grandioses ist (hier deshalb der aufruf: er verkauft seine beide alben und ich habe versäumt zuzuschlagen, kann jemand für mich bei einem der nachfolgenden termine - siehe unten - beide erwerben, mir zusenden, um von mir den gegenwert zu empfangen? wirklich ernst gemeint!!!). denn: Ihr müsst hingehen, es ist ein solch tolles package, lange nicht gehört, nicht gesehen, wie sich musiker auf diese art ergänzen, drei solisten und dennoch einander zugetan und untertan!
October 4, 2012 Hannover at Feinkostlampe
October 5, 2012 Erfurt at Franz Mehlhose
October 6, 2012 Saarbrücken at Sparte 4
Dienstag, Oktober 02, 2012
the harvey girls - sidereal time (2012)
über melissa rodenbeek und hiram lucke habe ich in diesem blog schon mehrfach worte verloren. das gleiche paar existiert als band seit 2003 und hat seit jenen tagen einiges an musikalischem material abgeworfen, auf das ich mich immer wieder gern stürzte. unter ihrem firmennamen the harvey girls, im übrigen nach kellnerinnen benannt, die entlang der at&sf railways im späten 19. bis mitte des 20. jahrhunderts bedienten, entstand musik, die zwischen popsensation und klangexperiment changiert, die sich der sofortigen beschreibung und schubladisierung entzieht, die mehr ist als bloßes ohrenfutter. hier verkannten sich leben, hier sucht das vitale nach nicht nur einem ventil, hier liegen gründe für vielerlei facetten. wer den beiden lofi und d.i.y. entgegen brüllt, wird nicht verkloppt und ausgeschieden, nein, er erhält ein ruhekissen zum abregen und einen vortrag über das werden, über das wohl und wehe. selbst würden die beiden sich als zwitter aus shangri-las und prince paul produktion bezeichnen. gern lassen sie sich aber auch von neuen fundamentalen genrebezeichnungen überraschen.
sie haben ihre alben über die eigene webseite vertrieben und über netlabel wie imaginary albums oder spoilt victorian child. mittlerweile sind sie bei circle into square angekommen, bei dem sie auch aktive mitgestalter sind. im jahr 2010 veröffentlichten sie dort das bis dahin beste album ihrer karriere "i've been watching a lot of horror movies lately", die dazugehörige klienicum rezension findet sich hier.
mit "sidereal time" legen die beiden nun endlich nach, am 09. oktober wird das neue full length auf cirlce into square erscheinen. der opener "moonrise" geriert sich vertraut, sengend, wabernd, gesänge, die sich in den klangschwaden behaupten, ein einziges kollektives innehalten oder vielmehr eröffnen, mit an bord benoît pioulard. "ft. worth, 1963" hält eine ähnliche stimmung, wird jedoch durch ein griffiges klavier stabilisiert. die geschichte eines mädchen und ihres pferdes wird erzählt, und von augenblicken, in denen man seinen sinnen nicht traut, nicht trauen kann. fast schon sinfonisch wird ein klangteppich ausgebreitet, auf den sich die eindrücke schwer niederlegen. mit "between the stars" sucht das duo einen neuen ausdruck, changierend zwischen kinderlied und einer afrikanischen stammeshymne. belebtes drumming, eine leiernde melodica, etwas klingelndes, etwas glöckelndes. in der strophe dominiert hirams stimme, im refrain suchen sich die partner. "here is a darkness between the stars holding your absence." wir hätten es nicht mit the harvey girls zu tun, wenn nicht gerade nach einem solchen song ein uneindeutiges gefühl zurückbliebe. die emotion bejaht und der kopf ruft "ausblende!". "superman keeps slipping" oder "picher, nowata" schrubbeln, schwurbeln, balzen. erneut erweisen sich the harvey girls als ausbund an kreativität in sachen songkonstruktion, arrangement und harmonienlehre. man wollte titel springen, um der hoffnung ausdruck zu verleihen, dass auch am ende dieses albums gleichsam gutes zu finden ist. ist es. "here's to hoping your heroes are real" und "crows in grass" zeigen sich von einer 20 dollar nylonstring guitar inspiriert und werden ergänzt um banjo (josh millard) und saz, einem türkischen saiteninstrument (cord amato). darüber hinaus kommen auf dem wohlklingenden album streicher, hörner, sägen, pianos und glockenspiele zum einsatz, neben den gebundenen gesangsharmonien. überraschungsreich und doch ausgeglichen, in eine form gegossener ausbund an ideen und mut.
tracklist: 1 moonrise / 2 ft. worth, 1963 / 3 between the stars / 4 superman keeps slipping. / 5 picher, nowata / 6 here's to hoping your heroes are real / 7 she rode flying horses / 8 crows in grass / 9 sun dogs
Montag, Oktober 01, 2012
eingestreut (432): troy von balthazar
ruhig geht es troy von balthazar an, glaubt man dem ersten appetizer aus seinem neuen album "... is with the demon", welches am 08. oktober über das französische label vicious circle veröffentlicht werden wird. das dritte solowerk des chokebore aktivisten wird definitiv ein melancholisches sein, so jedenfalls verrät die recordcompany, mit vielen fragen und einigen antworten, auf jeden fall mit einem songwriter, der es sich nicht einfach macht. troy war von jeher einer, der die klarheit suchte, dessen lyrics nichts im nebel ließen. aber das schließt ja nicht aus, dass man auch dann mal nicht mehr weiter weiß. vielleicht eine altersfrage. ich weiß, wovon ich rede. und troy und ich, wir sind nun mal nicht wirklich weit auseinander.
troy von balthazar - tiger vs. pigeon
13/11/2012 PARIS (75) Le Point Éphémère
22/11/2012 DRESDEN (GER) Scheune
23/11/2012 BERLIN (GER) Monarch
24/11/2012 MAGDEBURG (GER) Moritzhof
28/11/2012 KARLSRUHE (GER) Jubez
29/11/2012 OFFENBACH (GER) Hafen 2
30/11/2012 BIELEFLED (GER) Nummer zu Platz
01/12/2012 DÜSSELDORF (GER) Kassette
glotzt nicht so romantisch (417): rue royal / sera cahoone / conduits / lilabungalow
"halfway blind" ist die zweite single aus dem album "guide to an escape" dieses schwer miteinander verbundenen duos, das sich nicht nur durch die lieblichen melodien auszeichnet, sondern vor allem auch durch exzessives touren, Ihr werdet sie sich demnächst wieder bei Euch in der nähe erleben dürfen: rue royal:
"deer creek canyon" wird am 28. september auf sub pop erscheinen, es ist das dritte album der aus colorado stammenden und mittlerweile in seattle beheimateten songwriterin (am 01.10. übrigens im berghain in berlin):
sera cahoone - deer creek canyon
die genrebezeichnung drone-pop gefällt mir so gut, dass wir hier gern auf tour und album der band aus omaha verweisen wollen, die sich diesem stil verschrieben hat, sie veröffentlicht ihr debut am 05. oktober: conduits:
auf der grundlage von crowdsourcing ist dieses video entstanden, mehr musik gibt es seit dem 28.09. auf dem debutalbum von: lilabungalow:
lilabungalow
17.10.2012 Jena - Kassablanca
18.10.2012 Berlin - about blank
19.10.2012 Leipzig - Neues Schauspiel
20.10.2012 Potsdam - Hans-Otto-Theater
21.10.2012 Rostock - Peter-Weiss-Haus
23.10.2012 Bayreuth - Glashaus
26.10.2012 Bielefeld - Nummer zu Platz
27.10.2012 Frankfurt - Nachtleben
02.11.2012 Chemnitz - Weltecho
conduits
13.11.2012 - DE - Offenbach - Hafen 2
15.11.2012 - DE - Hamburg - Nachtasyl
16.11.2012 - DE - Dresden - Blaue Fabrik
17.11.2012 - DE - Regensburg - W1
21.11.2012 - FR - Paris - International
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