Donnerstag, Juni 14, 2012

unsigned - a d.i.y. (music) diary by great dynamo - episode 35

zur neuen episode unseres indiehelden hauke aka great dynamo wollen wir gar nicht so viel text beitragen, das tat er bereits selbst: "es gibt gerade nicht viel zu sagen. das jahr war ja schon ganz ereignisreich. eine ep aufgenommen, eine tour geplant und gespielt, ein video produziert. doch die verwertung des outputs schleppt sich so dahin. was tun? vielleicht einfach mal ein bisschen musik machen, ganz ohne plan und ziel. diese episode besteht aus einer (gekürzten) loop improvisation mit ein bisschen spontanem text. kein großer wurf, eher eine kleine erinnerung an das, worum es eigentlich geht."

neue töne (1150): the smittens

the smittens haben ein neues label. punkt. ich hatte die fünfköpfige kapelle aus burlington immer mit happy happy birthday to me und weepop! in verbindung gebracht, was nicht so falsch ist. denn die ersten drei alben bzw. einige singles erschienen genau dort. mit ins boot muss man oddbox records holen, die ein remix- scheibchen zu verantworten hatten. nun also fika recordings, ein unternehmen, das von schweden bzw. london aus operiert, und auf das die tweepop band nicht besser passen könnte. allo darlin', darren hayman, tigercats usw., einige grandiose acts haben hier ein zuhause. max andrucki, colin clary, dana kaplan, holly chagnon und david zacharis werden den start auf fika gebührend begehen, zunächst weist eine single auf sie hin. die ist aber lediglich appetithappen für das kommende, vierte album von the smittens. "burning streets of rome" ist die leadsingle, welche am 23. juni via download erscheint und von zwei neuen b-seiten ("these days", "almost") eingerahmt wird, zum am 23. juli erscheinenden "believe me". zum neuen werk äußert sich die band in etwa wie folgt: sie wüssten um die niedlichkeit ihrer songs und wollen dabei nicht belanglos sein. doch auch in zeiten der rezession muss es etwas geben, woran man sich erfreuen kann. die dinge sind nicht immer leicht. schon gar nicht so leicht, wie oft die lieder von the smittens klingen. und worum es darin auch immer geht, einen cleveren refrain haben sie allemal und mittanzen kann man auch!


so, unten habt Ihr die single- vorschau, nun noch eine pretiose. die amerikanier feierten im märz ihr zehnjähriges bühnenjubiläum und spendierten zu diesem anlass diesen track, der der erste war, den man unter dem moniker the smittens je aufgenommen hat:
the smittens - momus, where are you?
ansonsten freuen wir uns mal bedächtig auf diese highlight im musikjahr 2012. denn die munter gefärbte tweepopangelegenheit sollte schon für einige verwirbelungen mindstens in den top zwanzig sorgen.

burning streets of rome by fika recordings

Mittwoch, Juni 13, 2012

staring girl - sieben stunden und 40 minuten (2012)

gleichmut, in dem man versinkt wie in eine selbstgebaute falle. langmut, der die trauer besteht, den kummer besticht. die worte sind mit bedacht gewählt und blitzen mit kleinem diamantenen. wie die sanfte musikalie ein glockenspiel oder einen prioritären bass entlässt. im einklang, auf verständigung getrimmt. der songwriter und sein team.
doch die blässe, die dem gemeinen deutschsprachigen lied gern anheim fällt, bricht sich hier den hals an der munteren kante einer pointierten spiel- und sprachweise. das geklöppel bereitet auf die rumpelnde fahrt vor, die stolze saite zittert sich auf die blendende sequenz vor und ein opiates harmonium quengelt gar mit schwung. die beobachtungen von steffen nibbe betreffen allgemeingut, die erfahrungen von vielen. und wollte man als der jugend entwachsener neugierig sein, so würde man daran scheitern, der nachfolgenden generation etwas neues abringen zu wollen. das profane tut zuweilen weh. und bleibt ein anrecht doch. stärker als irgendwo findet sich auf "sieben stunden und 40 minuten", dem debut der aus kielern und hamburgern bestehenden band staring girl, die suche, und die ihr immanente qual, nach worten, nach ausdruck. die schale dimension des privaten lastet, wenn sie die grenze zur poesie nicht bricht. ein paar maritime bilder, ein element of crime- moment, das wiederkäuen einer bewährten zeile langen da oft nicht. provinzielle dichtkunst, die nach der welt giert . doch, bitte, schult die eigene sensibilität, wenn worte widerhallen, die sich wie heimat anfühlen!
wer das typische sucht, etwas, was eben nur staring girl auszeichnet, der muss zunächst einer fein justierten band tribut zollen. sie spielt griffig, dem eigenen streben widerstandsfähig verbunden. hier liegt noch in der zurückhaltung die bewußtheit des professionellen. die arrangements zeichnen sich durch gebundenheit aus, durch offenheit und durchlässigkeit, durch markige momente. wie frisches nass auf jungfräulichem grün glänzt die eintracht des gemeinsamen tuns. zum anderen spielen die worte sich nicht auf, so sehr sie auch nach sinnhaftem trachten. die zurückhaltung wogt auf den weichen wellen der stimmig instrumentierten see und wiegt das fehlen von mehr auf.
und so hat dieses album etwas zu erzählen. es gibt ein gefühl auf und verschickt es an die sendezentralen seiner hörer und meint: platz schaffen zwischen sich und der welt, überrascht ob der plötzlichen distanz. ein zustand, der sich determiniert, plötzlich akzeptiert. also, angel auswerfen oder das lasso einholen und hoffen, dass nichts am haken, niemand in der schlaufe steckt, von dem man etwas weiß. das neue ist die blendende hoffnung.
"sieben stunden und 40 minuten" erscheint am 08. juni auf k&f records.

staring girl - sieben stunden und 40 minuten by kfrecords

Dienstag, Juni 12, 2012

neue töne (1149): the great american desert

photo by daniel muller

max holmquist könnte jenen bekannt sein, die sich etwas in der postpunk- oder emo- szene umgehört haben. unter dem moniker south of lincoln war der bursche dort aktiv. diese phase ist überwunden und holmquist nähert sich unter neuen vorzeichen einer komplett anderen hörerschaft.während er sich nun the great american desert nennt, setzt er auf die leiseren töne. seine jungenhafte, kehlige stimme zeichnet geschichten nach von menschen, die sich in sich verlieren. die zugleich um die bezüge zu ihrer unmittelbaren umwelt gebracht worden sind. holmquist weiß, wovon er redet. er stammt aus einem kleinen nest im mittleren westen und die gitarre und die auseinandersetzung mit musikalischer tradition waren die offenbar einzige möglichkeit zur heimatsuche. die introspektive art seines spiels, das minimalistische, das zurückgenommene erhöhen den willen zugang zu finden. mal kreist die akustische, mal bewegt sie sich nur stoisch vorwärts. herzen werden gebrochen, verluste hingenommen. alkohol zerbricht beziehungen, die liebe im dreieck. immer liegt den songs eine art warnung inne. pass auf, gib obacht! die fallstricke umgarnen uns jeden tag!
seine ersten schritte in solo ging er seit ca. 2009, als er das debutalbum "homes" aufnahm. unterstützung erhielt er von john feuerbach von bandit sound und the incredible heat machine und von matt hova. das selfrelease erschien im januar 2011 und wurde prompt vom zweiten werk "the monsters/bathroom session" im juni des selben jahres gefolgt. kurze zeit später kam der kontakt mit yer bird records zustande, die am 26. juni das dritte album "carson city" herausbringen werden. den titeltrack gibt es zur hörprobe, für den rest legen wir die hand ins feuer, er lässt an qualität nicht nach. da wo ermüdung droht, denn homquist setzt mit dauerkeksqualität auf gitarre und seinen flachen gesang, da setzen die geschichten nach. wieder einmal tausend dank an s. von yer bird, der einfach ein händchen für kunst dieser provenienz besitzt.

the great american desert - carson city by yer bird records

Montag, Juni 11, 2012

ein (p)fund mp3 (393)

vielleicht reicht diese vorstellung des künstlers: "i was born in gastonia, north carolina about twenty miles west of charlotte in 1988 to a nineteen year old hippy and a twenty three year old country badass.", um neugierig zu werden auf das album "armour", welches ende juli erscheint:
kyle adem - brother, follow
die band stammt aus brooklyn, zählt sich zum genre rock und bringt im august ein neues album heraus, das label heißt other music recording co. und das album simpel "II", der sound: schön bissig: nude beach:
nude beach - some kinda love by other music recording co

nude beach - walkin' down my street by other music recording co

es ist noch ein ganzes weilchen hin, bis "algiers" erscheinen wird, city slang hat den 10. september veranschlagt, eine tour ist für den herbst ebenfalls geplant, süffig, abendgold: calexico:
calexico - para by city slang

er spiele die art americana, die tom petty zu ehren verhalf, das zweite album des singer/songwriters hört auf "april" und erscheint am 12. juni, es soll einen etwas betonteren popanklang haben, bitte selbst überzeugen:
fallon cush - honey honey
fallon cush - in the nick of time
das zweite album ist in schlagdistanz, "grace and lies" ist für den 24. juli veranschlagt (no quarter reocrds), die vorabsingle "night song" dürfen wir bereits vorstellen:
family band - night song

yeah, die beiden asthmatic kitty künstler julianna barwick und helado negro machten jüngst im duo und herauskam die platte "believe you me", die das bezeichnete label am 27. august herausbringen wird, neugier und mehr: ombre:
ombre - cara falsa by asthmatickitty

auf das erste ("the trip", 2010) folgt nun in bälde das zweite solowerk, "silencio" kommt am 24. juli, drag city zeichnet verantwortlich, der appetithappen ist für Euch gerichtet:
laetitia sadier - find me the pulse of the universe"
diese vier jungs aus dortmund setzen auf dreampop, indie und wave, in gelungener mixtur, "deal kindly" heißt ihr debut, welches sie digital bereits veröffentlicht haben, dessen tonträgerrelease aber noch aussteht: shoreline is:
french leave by shoreline is

parts per million by shoreline is

alten texten gab sie neue melodien, da war sie noch ein kind, mit 17 schrieb sie ihre ersten eigenen songs, später war sie mit bruce peninsula unterwegs, an ihrem zweiten album "no talker" (12. juni via latent) bastelte erneut michal timmins von den cowboy junkies mit herum: ivy mairi:
ivy mairi - i can see you by killbeat music

dem mädelsfünfer kann ich etwas abgewinnen, hier kommt folkpop aus portland, der erste longplayer ist seit mai zu haben, hört wie der hier aufgeführte track auf den namen "do it in the day":
what hearts - do it in the day

emperor x
02/07/12 Berlin (DE) Schokoladen
03/07/12 Frankfurt (DE) Azita Store
06/07/12 Munich (DE) innen: stadt. außen
08/07/12 Bochum (DE) Rottstr. 5 Theater
10/07/12 Paris (FR) Le Trabendo

Sonntag, Juni 10, 2012

eingestreut (398): julia holter

im september 2009 berichtete das klienicum erstmals über julia holter. in der öffentlichen wahrnehmung fand sie da eigentlich noch nicht statt. wir schrieben: "julia studierte komposition an der uni von michigan und machte ihren master schließlich am california institute of the arts. in 2006 begann sie sich am label human ear music zu beteiligen und wurde schließlich auch festes führungsmitglied. so konnte sie ihr interesse an promotion und distribution gut auf die eigene musikalische karriere und praxis umsetzen. human ear music kümmert sich neben nite jewel und julia holter u.a. auch um jason grier, gary wilson, ariel rosenberg usw.
die musik julias zu fassen, ist ein kaum lösbares unterfangen, zumal sie sich in den vergangenen jahren immer wieder sehr wandelbar zeigte. hatte sie anfangs noch mehr auf soundexperimente gesetzt mit sehr individueller lautmalerei und unübersetzbarer lyrik, so wendete sie sich fortan songdienlicheren strukturen zu, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. holter setzt auf die möglichkeiten, die sich aus ihrem häuslichen reich ergeben - modifizierte synthies, perkussion und loops - und ergänzt sie durch ihr kristallenes organ. auf human ear music kann man lesen, dass sich ihre musik mal nach barock, mal nach französischem bubble-gum pop oder auch nach kate bush anhören kann. alles richtig, wenngleich ich solche vergleiche gern auf das simpelste heruntergebrochen sehe, auf die essenz, an der sich auch eine julia holter versucht. dass am ende doch komplexe strukturen entstehen, ist teil des entstehungsprozesses. "eating the stars" aus 2007 sollte man sich in seine musiksammlung holen."
zwei jahre später erscheint "tragedy" und das forderte uns dergestalt heraus: "mit "tragedy" gelingt der jungen frau aus los angeles nun der erste longplayer. er erschien vor kurzem auf leaving records und man muss konstatieren, dass die auf 300 stück limitierte 40-minütige, erste auflage bereits als ausverkauft gilt. nicht verwunderlich angesichts der musikalischen qualität, dennoch aufregend, wie ein kleines sternchen strahlen kann. der esoterisch verbrämte sound, der die 80iger anrempelt, als gäbe es keine negativschlagzeilen und die jean-michel jarre attitüde mögen auf den ersten höreindruck erschrecken, verzaubern aber spätestens, wenn julia holter ihren aufgeräumten gesang beimengt bzw. wenn der nächste song beginnt. julias neoklassik ruht nicht aus und sucht nach immer wieder sich selbst negierenden ausdrücken. narration neben perkussionsgewittern. synthieschwof neben liebfrauenwucht. verhaltene schräglage neben offensiver kunde. was hier geht, freunde, was hier geht!"
mit "ekstasis", im frühjahr erschienen, ist der jungen musikerin ein weiteres enormes album gelungen (siehe auch das frische video unten), in dessen liveumsetzung die spannung vor allem zwischen songwritertum und komposition, zwischen ambient und pop zu suchen ist. das ist wirklich spannend, herausragend zuweilen, in jedem fall aufregend und auch ein wenig neu. also, gehet hin zu den konzerten der noch so jungen künstlerin! die nächsten tag geben was her!

June 10th, 2012 Berghain Kantine, Berlin, Germany
June 12th, 2012 Across @Neues Museum, Nuernberg
June 14th, 2012 Kong, Munich
July 03rd, 2012 King Ludwig @Museum Ludwig, Cologne
July 04th, 2012 Thalia Kino, Dresden
July 05th, 2012 HBC, Berlin

why sad song? by julia holter

me and guigemar by julia holter

neue töne (1148): hear hums

dass lucky dragons oder animal collective einflüsse von hear hums seien, verwundert nicht. die schichtungen, die verschlungenen texturen erinnern immer mal an ihre brüder im geiste. stag hare oder braids sind auch namen, die im kontakt mit mitchell myers und kenzie cooke, den köpfen hinter hear hums, fallen. freunde, oder aus dem blickwinkel des begeisterten anhängers. unter dem moniker hear hums verstecken die beiden protagonisten keine eigenheit, keine noch so wilde phantasie. im gegenteil legen sie offensiv frei, was ihnen an musikalischer extremität durch den kopf schwirrt. obwohl gerade die kognitive ebene ausgeblendet sei, man sich treiben ließe, um dem persönlichen erleben, dem gerade immanenten zustand so nahe wie möglich zu kommen. also, wie nehmen die beiden die realität wahr und wie bekommt man diese in musik zu fassen. die erste idee bringt einer der beiden ins spiel, der rest ist freie improvisation. die spiritualität ist zu teilen originär, zu teilen der wesenheit der musikalischen gangart geschuldet, immer aber zweckdienlich und nicht nur um der sache selbst willen. die perkussiven notationen sind daneben die einprägsamsten details. dumpfer beat, rasseln, schellen, allerlei. eine art shruti sound unterliegt den klängen und sorgt für den schuss geborgenheit, den man bei dieser eigenwilligen instrumentierung irgendwie benötigt.
die beiden, ursprünglich mal zu dritt (sie trafen sich an der highschool und sie verband die gleiche leidenschaft zur musik), haben auf etlichen labels veröffentlicht, der vorletzte release war "psyche cycles", welches auf kassette klub erschien und noch deutlich mehr das ergebnis komplexer gedanklicher vorarbeit ist. während die aktuellen aufnahmen, das im februar auf inner islands erschienene "opens", eher an ein natürliches wesen erinnern würden. mir gefallen beide werke außerordentlich und ich empfehle sie Euch weiter.


Samstag, Juni 09, 2012

eingestreut (397): pineries

eine junge, neue liebe. pineries. meist weiß man nur wenig voneinander. so auch hier. die drei spielen ihre songs in der zweiten etage, in einem appartement der wohnungsbaugenossenschaft in lewiston, me, ein. ihr sound ist brillant einfach und angedickt, zäh und doch süffig. kriegt man sicher im alternative bereich unter, mit pop gemixt. denise dill singt und hat dabei eine angekickerte, helle stimme, die sich sofort bei mir verfing. sie spielt die ukulele mit verve und einer präzision, dass die melodien wie wunderdinge perlen können. an der seite des kräftigen mädels befindlich sind jordan berube, der gitarre, banjo oder keyboard bedient sowie corbin lichtinger an den drums. ihre ersten aufnahmen landeten auf der "bleachery" getauften ep, die im april dieses jahres erschien und drei tracks enthält. einer schöner als der andere. das ist musik im fluss, aus den tiefsten gründen erschaffen und bleich vor aufregung, es möge gelingen. dass sie es auch live drauf haben, beweist nicht nur das nachfolgende video, sondern auch die tatsache, dass sie geradezu nach auftritten gieren. bucht sie! ich bin gespannt, was hier noch kommt. angesichts der außerordentlichkeit prophezeie ich eine karriere in maßen.




Freitag, Juni 08, 2012

neue töne (1147): the mojomatics

"behind the trees" ist ein formidabler knaller, ein angefetzter opener, ein rolling stones ableger, wie er ende der sechziger nicht schöner vorzuzeigen gewesen wäre. beatversessen, garageig, refrainverliebt. "you are the reason for my troubles" country- shuffelt, dass es eine freude ist. grandiose harmonien verschmelzen im western angestaubten sound und glänzen im matten sonnenlicht auf wie lang gesuchte nuggets. "in the meanwhile" wird zum alternative rocker, schraffierte gitarren, austariertes schlagwerk, dylaenesker gesang, sehnsucht angelehnt. nicht zu glauben, dass es so in einer beständigkeit weiter geht, die kaum qualitätsverluste aufzuweisen hat. the mojomatics bieten mit "you are the reason for my troubles" einen tonträger an, der, so diverse er sich angesichts stilvielfalt und musterung offenbart, in sich geschlossen wirkt dank exzellenter ausführung und einer spürbaren begeisterung, einer berauschtheit, die alsbald von den musikern auf den hörer übergreift.
matteo bordin und davide zolli stammen aus venedig und haben bereits vier alben im sack, einige singles auf verschiedenen labels hinterlassen und es lässt mutmaßen, dass der neue tonträger am mächtigsten einschlagen wird. diese brisante mischung aus berauschegitarre, harmoniegesang und eilfertigem geschlagwerke fördert staunen und aufmerksamkeit und andere existentielle eigenarten des humanoiden, wenn er in den bannkreis von etwas gestossen wird, das sich ihm in irgendeiner form andient. "long and lonesome day" blendet mit einer mundharmonika, zeigt sich jedoch spürbar griffig am soulanschlag und an einer rocklebendigkeit. deren melodie nicht nur erinnungswürdig ist, man vergisst sie einfach nicht. "the ghost story" flittert am honytonk- klavier, der marschrhythmus gibt juvenilität vor, die in "feet in the hole" an den gitarrensaiten reisst und in diesem düsterstück auf entladung hofft. "you don't give a shit about me" sinniert im kreiselnden countrystile und "don't talk to me" holt den britrocker heraus.
trotz leichter patina auf sound und cover geriert sich die analoge ware des albums kraftstrotzend und lebendig. die einträgliche mixtur aus blues, folk, rock 'n' roll und ihren ablegern hat das zeug zu einem modernen klassiker. echt.
"you are the reason for my troubles" erscheint am heutigen 08. juni auf outside inside records / wild honey records.

22.06. - white trash, berlin
13.09. - 59:1, münchen

the mojomatics - you are the reason for my trouble

Donnerstag, Juni 07, 2012

neue töne (1146): erik gundel

mecca lecca, Ihr wisst schon, die wunderbaren menschen, die howth auf den weg zu größerer öffentlichkeit gebracht haben, hat einen neuen braten im rohr, auf den ich gern aufmerksam machen möchte. es handelt sich um den ersten release in full length manier von erik gundel. "a home to keep you" wird das werk heißen und am 31. juli erscheinen. enthalten wird instrumentelle gitarrenarbeit sein, die im stil tatsächlich immer wieder an james blackshaw gemahnt. aber seine blendend akustischen weisheiten hat gundel wenig verklausuliert. sie gebären lediglich momente, die der ruhe und kontemplation gehören. anfängliches suchen gerät in den strudel dynamischer fahrten, ohne dabei abheben zu wollen.

von gundel kann man schon seit zwanzig jahren sprechen. er versuchte sich früh an klavier und gitarre und wurde dabei maßgeblich von jim hendrix und beethoven beeinflusst. irgendwo dazwischen hält gundel die balance. bevor der aus vermont stammende mit dem progfolk quinett motel motel um die häuser zog, brachte er seine erste solo ep heraus. im schlafzimmer am computer erstellt, bezeugte diese erste hinterlassenschaft ein hohes maß an ehrgeiz und musikalischer präzision und vision. ambiente umgebungsgeräusche mischte gundel mit wirklich abstrusen popsongs und schuf dabei etwas durchaus bewegendes. die zweite ep "gytare lyre" erkundete die beziehung von klassischen akustischen instrumenten mit elektronik.
seit 2011 hat gundel deutlich mehr zeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, da motel motel eine auszeit nahmen. eine erste zusammenarbeit mit mecca lecca kam zustande, als die erste, 3tracks enthaltene ep veröffentlicht wurde. sie orientierte sich soundtechnisch an der ersten ep gundels.
"a home to keep you" ist weder abenteuerlich oder brisant noch schamvoll oder schüchtern. auch hier findet gundel die balance zwischen manirierter großtat und schwelgerischem gehen- lassen. piano, pedal steel, banjo oder trompete lassen sich in zügen finden, neben dem akzentuierten fingerpicking auf der akustischen. neugierig?

erik gundel - then i noticed the time by meccalecca

Mittwoch, Juni 06, 2012

listenterror: beste alben 2012

die spinnerte geschichte mit den listen. ein spaß. und ein wenig ernst. den überblick behalten zu wollen, ist da nur ein argument. auch etwas berechenbar zu sein. und sich austauschen zu können. mit matana roberts stand im jahr 2011 auch ein jazzalbum auf dem ersten platz. charles gayle hat alle chancen, die nachfolge anzutreten. mit einem intensiven und atemraubenden album. howth lege ich Euch ans herz wie in vielen jahren nur weniges.

alben
****1/2
01. charles gayle trio – streets

**** - ****1/2
02. howth – newkirk

****
03. horse feathers – cynic's new year
04. mariee sioux – gift for the end
05. mount eerie – clear moon
06. damien jurado - maraqopa
07. laura gibson – la grande
08. bowerbirds – the clearing
09. of montreal – paralytic stalks

***1/2 - ****
10. gunn-truscinski duo – ocean parkway
11. sharon van etten – tramp
12. mirroring – foreign body
13. great lake swimmers – new wild everywhere
14. bears – greater lakes
15. frankie rose - interstellar
16. black twig – paper trees

***1/2
17. lower dens - nootropics
18. burning hearts – extinctions
19. pool whales – s/t
20. amandine - s/t
21. dreamend - and the tears washed me, wave after cowardly wave
22. rm hubbert – thirteen lost & found
23. anais mitchell – young man in america
24. o emperor – hither thither
25. julia holter - ekstasis
26. first aid kit – the lion's roar
27. songs of green pheasant – soft wounds
28. me and oceans – the pond
29. soko – i thought i was an alien
30. bear in heaven – i love you, it's cool
31. andrew bird – break it yourself
32. dirty three – towards the low sun
33. nive nielsen & the deer children – nive sings!

*** - ***1/2
34. white birds – when women played drums
35. cats on fire – all blackshirts to me
36. whistle peak – half asleep upon echo falls
37. jason urick – i love you
38. windy & carl – we will always be
39. pacific uv – weekends
40. sophia knapp – into the waves
41. good old war – come back as rain
42. silent whys – our rook

***
43. tindersticks – the something rain
44. dry the river – shallow bed
45. the pines – dark so gold

**1/2 - ***
46. shearwater – animal joy
47. heartless bastards – arrow
48. the ragbirds – travelin' machine
49. old man winther – bedroom country volume 2

bonus:
eps
bonnie 'prince' billy & mariee sioux – bonnie & mariee **** - ****1/2
hidden highways – s/t ****
bonnie 'prince' billy – hummingbird ***1/2 - ****
wyld wyzrd – acceptance ***1/2 - ****
woodpigeon – for paolo ***1/2
european daughters – s/t ***1/2
great dynamo - analogue lofilectro ep #1 ***1/2
esau and the giant – the ep ***1/2

singles
andrew collberg – dirty wind ****
brothers in law – gray days ****

charles gayle trio - compassion I by northern spy records

konzert: the war on drugs, 04.06.12

die aktuelle besetzung von the war on drugs ist vielleicht das vorherige ende einer langen metamorphose, sieht man auf eine gerade mal siebenjährige bandgeschichte zurück, in der schon einiges an personal verheizt wurde. den beginn machte kurt vile, der später sehr gut auf eigenen beinen stehen konnte und in dessen backingband the violators sich bereits auch ein adam granduciel sehr gut machte. die einzige konstante und uneingeschränkter chef im ring ist jener in dover als adam granofsky geborene. der vollblutgitarrist und sänger steht aktuell einer truppe vor, die sich ihm bis aufs herzblut verschrieben hat, ihm blind durch die psychrockwelten folgt und vor allem technisch einiges zu bieten hat. da ist zuvorderst david harltey zu nennen. der basser bearbeitet sein arbeitsgerät derart virtuos, dass er einen eigenen kleinen schrein benötigte, in dem man ihn extra beobachten, resp. hören könnte. seine flitzefahrten über das schwere instrument sind enorm, inspirierend, melodiös, hingebungsvoll, manchmal konträr dem aktuellen geschehen auf der bühne. und doch unterlegt der dumpfe anschlag ein stetes vorwärts, korrespondiert mit dem drumming seines jungen kollegen hinter der schießbude und nötigt respekt ab ob einer erstaunlich findigen interpretation seines berufs. am abend des 04. juni im feierwerk zu münchen spielte hartley einen sehr weit geöffneten bass, jeden groove, den er vorgab, spürte man unmittelbar in der unterleibgegend, jeden tempowechsel machte man in irgendeiner weise organisch mit, erst recht, wenn effekte mit einbezogen wurde, die auf verzerrung oder auf noch mehr bumms setzten. apropos bumms.

für den sorgte vornehmlich schlagzeuger steven urgo. der konzentrierte werker hatte den rhythmus im griff. sein etwas statischer stil war gekennzeichnet von konzentration und exaktheit. oft zündete er bereits vor dem ersten einsatz. nicht nur dass er dann den drumcomputer einschaltete, er knüppelte auch auf seinen beinen den takt vor. mit dem ersten schlag auf die trommeln versank er in seine aufgabe und wirbelte wie ein derwisch die kollegen voran. darunter befand sich auch robbie bennett, verantwortlich für das e-piano, dem er immer wieder klaviereske fast schon hammondorgel ähnliche töne entlockte. sein part war ein wesentlicher für den bandsound, er verdichtete und gab dem spektakel farbe. denn die grundierung dieser musikalischen explosion ist grau. hier wird nach und nach eine soundwand erstellt, deren durchdringung nur gelingt, wenn man sich via einzelner instrumente in den bombast vorschiebt. inmitten hockend frönt man einem einmaligen erlebnis, in deren zentrum der malende gesang granducies thront. seine stimme ist eine der heiserkeit entlehnte und sucht nach allem, nur nicht nach höhen und tiefen. in stoiker manier bedient sie das wort wie die supermarktkassiererin die kunden. deutlich mehr konzentration liegt auf seinem gitarrespiel.

die verliebtheit in das instrument sieht man ihm in jeder sekunde an. er scheint mit ihm verschweisst zu sein, das gemeinsame ringen ist ein durch die jahre geschärftes, optimiertes. er ringt ihm mit schwieligen fingern den singsang seiner in sich komplexen kompositionen ab. dem auf- und abschwellen der songs folgend erstaunt den aufmerksamen hörer, wie es der band gelingt, auf den punkt die kleinen unregelmäßigkeiten herauszuarbeiten, insbesondere harmonische schlenker und rhythmische ausfallschritte. während also der langmähnige, gesicht verhangene sänger leiert und seiner gitarre eine um die andere memorable melodie entlockt, abenteuert der rest der band um ihn, als hätte er das fahrtenbuch seiner unternehmung bereits vorab geschrieben. beeindruckend war es! der schub dieser breitwandigen rocknummern ließ die beine zucken und manch bewegungsreigen im auditorium eröffnen. "brothers" glänzte: "and all i see is the darkness in your eyes, it's like loosin' ground on the one that i despise, pick yourself up right down the line, loose yourself in your mind", "baby missiles" trieb voran und "come to the city" ward gar elegisch. immer wieder tauchte man kurz aus diesen fieberträumen auf, um sofort wieder hineingezogen zu werden. die loop- getränkte orgie bot höhepunkt um höhepunkt, ob mundharmonika einlagen, der songeinstieg mit trompeten- aufweichung oder das endlos gezucke der gitarre im backstage bereich. zwei zugaben später war ich verschwitzt glücklich.
the war on drugs - baby missiles
the war on drugs - come to the city

die vorband zu diesem abend war im übrigen das international gemischte trio fenster. die junge truppe ist gerade feist im kommen und hat im frühjahr ihr debut "bones" auf morr music veröffentlicht. die drei spielten einen sehr zugänglichen, hook- geladenen dreampop, der durchaus zu begeistern wusste (er lockte sogar mehmet scholl an). mit ständigem instrumentenwechsel sorgten sie zudem für einiges an bewegung auf der beengten bühne. hervorzuheben ist der sehr einträgliche gesang von jonathan jarzyna, der sowohl in den höhen als auch in den tiefen bereichen zu überzeugen wusste. sein vorzügliches gitarrespiel sorgt für die entscheidenden impulse. etwas im hintergrund die hübsche jj weihl. die new yorkerin spielt bass und bedient den synthesizer. ihr backgroundgesang rundet manchen der hymnisch angegangenen songs ab. zu guter letzt stiftet rémi letournelle unruhe. er behaut eindringlich die große basstrommel mit knüppel und rassel und treibt seine kompagnons voran. in der summe eine lustvolle schau und ein zukunftsoffenes projekt, dessen melodien noch ein weilchen im ohr bleiben werden.

Dienstag, Juni 05, 2012

unsigned - a d.i.y. (music) diary by great dynamo - episode 34

so, auch im d.i.y.- oder auch lofi- bereich wollen videos geschossen werden. hauke aka great dynamo versucht sich nicht nur daran, nee, er setzt das ganze auch noch optimal um. seht zunächst erst einmal die entstehung des videos und anschließend das fertige produkt selbst. hauke schreibt dazu übrigens: "die lofi-diary ist schön und gut, aber jetzt muss ein "richtiges" musikvideo her! d.i.y. versteht sich. da kommt es gerade recht, dass karsten noch altes super 8 material von den live shows der FRANTIC FLOWERS archiviert hat. ergänzt um diary outtakes und ein paar neu gedrehte minicam bilder entsteht in wenigen tagen ein video zu SAD CORDUROY."



glotzt nicht so romantisch (397): the blank tapes

mein post vom 20. mai hat tatsächlich früchte getragen! zumindest konnte ich ein paar pariser auf die konzerte von matt adams und seiner lieben begleitung (aka the blank tapes) aufmerksam machen. was die dann daraus gemacht haben, ist aller ehren wert. denn sie wuschen nicht nur die klamotten der beiden (korrektur: nur matts wäsche und das ist höchst geheim, der autor) und luden sie zum essen ein, nein, sondern gleich auch noch auf ihre couch, um ein paar songs einspielen zu lassen. schaut Euch die weltpremiere des unveröffentlichten "sh-bop sh-bop yeah" sowie das buffalo springfield cover "do i have to come right out and say it" in vollakustik und harmoniegesang an! großartig! ein dickes dankeschön an u. aus paris!



Montag, Juni 04, 2012

neue töne (1145): death ships

irgendwann schaut man eben mal nicht mehr nach, ob diese oder jene kapelle noch existiert oder gar produziert. hat man zigfach versucht, sich auf dem laufenden zu halten und der gegenüber hält mit jeglicher info hinter dem berg. lässt man es halt sein und nach und nach gerät ein alter gehobener schatz wie die death ships in vergessenheit. so um 2006 hatte ich sie entdeckt und sie boten mir damals mit "seeds of devastation" einen grandiosen gesang auf den sommer und auf das, was sich als kommend abzeichnete. ein hoffnunsschwangeres und belebtes album, das die truppe aus iowa city da abgeliefert hatte. im klienicum war die rezension dazu einer der ersten texte. später berichteten wir auch über emperors club, in der der death ships musiker adam havlin beteiligt war. dann war sendepause. mehrmals jährlich glotzte ich auf die homepage, immer damit rechnend, endlich von einem neuen album zu erfahren. anfang des letzten jahres, mutmaße ich, hörte ich jedoch damit auf und ließ den dingen ihren lauf. bis ich vor kurzem auf die früher heiß erwartete nachricht traf.

nach 2006 tourte die band um den kopf dan maloney fleißig, um das erste album zu promoten. unterstützung gab es zum beispiel durch das wilco mitglied jay bennett. 2007 kehrte maloney aber in seine heimatstadt chicago zurück, die anderen bandmitglieder blieben derweil in iowa city. 2010 gelang trotz oder gerade wegen dieser widrigen umstände eine neue ep, "maybe arkansas" wurde zwischen beiden orten aufgenommen und enthält u.a. keyboard einsätze von pat sansone. mit "circumstantial chemistry" liegt seit genau einem jahr ein zweites full length vor. neben maloney (vocals, guitar, keyboards, and percussion) kamen, james cassedy (lead guitar, keyboards, lapsteel), brad smith (bass and backing vocals) und ed bornstein (drums) sowie eine menge begleitmusiker zum einsatz.
der ehemals fest im folk verankerte sound ist aufgebrochen. heute spielen death ships college-, alternativerock, der befreiten art. alles klingt offen und zugänglich wie großmutters fliegengittertür. besonders bleibt das ausgezeichnete songwriting maloneys. einen sack voll songs möchte man sich unter den arm klemmen und nur ganz für sich haben wollen. oder teilen. ob launig treibender song oder ballade, der truppe mit den vielen bläsern, den wabernden keyboardfahrten, den einträglichen harmoniegesängen gelingt an der geschliffenen e-gitarre alles. erst recht, wenn links die lapsteel und rechts vorbei das omnichord harmoni(si)eren. gelungene wiederentdeckung.

fan sleeper by death ships

chinatown girls by death ships

the land of mystery by death ships

Sonntag, Juni 03, 2012

unsigned - a d.i.y. (music) diary by great dynamo - episode 33

he, mit honig wird die bühne geteilt, hauke aka great dynamo schleicht sich nach und nach an die großen der branche heran. verfolgt doch auch weiterhin fleißig, wie es mit unserem d.i.y. artist(en) so weiter geht. er schreibt: "das düsseldorfer konzertwochenende geht voran. einen tag nach dem doppelkonzert von CALLING LINUS und ONE EYE OPEN (Episode 32) steht auch GREAT DYNAMO wieder auf der bühne. und diese teilt er sich heute unter anderem mit dem kollegen STEFAN HONIG."

glotzt nicht so romantisch (396): mile me deaf / stealing sheep / olympic swimmers / kanodo / euros childs

es tät mich wundern, wenn wir nicht bereits auf "eat skull" des in wien beheimateten krachkünstlers (pop!) hingewiesen hätten, nun, am 01. juni fiel das startsignal (auf siluh reocrds) und wir lauschen am bewegten bild: mile me deaf:
mile me deaf - wild at heart by siluh records



in der 267. ausgabe dieser rubrik hatten wir die drei freundinnen bereits erwähnt, nach der (damals zu erwähnenden) ep nun das album, "into the diamond sun" erscheint am 17. august über heavenly recordings / cooperative music, ausschnittweise und im video erste hinweise darauf: stealing sheep:



am 04. juni erscheint das album "no flags will fly" dieser glasgower band, auch sie hat sich entschlossen, vorab ein video ins rennen zu schicken, nämlich zum song "where it snows": olympic swimmers:



das soloprojekt von simon price nimmt formen an, der the heads sänger und gitarrist wird mit seinem debut am 11. juni, via thrill jockey, tapfer das weltenrund betreten, die videobilder zur einstimmung: kandodo:
kandodo - laud the hyena by thrill jockey records



bereits am 28. mai kam seine single "spin that girl around" heraus, es handelt sich dabei um eine neuaufnahme des bereits auf dem album "end" enthaltenen tracks, natürlich: wunderschön: euros childs:

Samstag, Juni 02, 2012

ein (p)fund mp3 (392)

lustiger bandname, die truppe stammt aus schweden, überlässt uns eine ältere single zum download und möchte damit zugleich neugierig machen auf das im herbst erscheinende full length, das der ep "things to do" aus 2010 folgen soll: kate and after:
the game by kate and after

mit der ersten single hatten wir sie bereits in dieser rubrik, nun erscheint am 11. juni eine zweite, sie wird "heartbreak" heißen und das suicide cover "ghost rider" enthalten, inside animals records zeichnet verantwortlich: age of consent:
age of consent - ghost rider (suicide cover)

die feinen jungs von empty cellar records weisen auf einen neuen release hin, es handelt sich um das zweite werk dieses kalifornischen barden, es hört auf "porchpuddles" und wird im juli erscheinen (der erste track ist etwas älter):
dylan shearer - 4 in the morning house

dylan shearer - afterwhile by emptycellarrecords

gerade ende mai erschien auf where it's at s where you are der sampler "it's the taking part that counts - a global pop sportsday...", einen beitrag daraus können wir frank und frei vorstellen, er ist mit "bundle" überzeichnet, geht ab mit: darren hayman:

lentonia records veröffentlicht am 03. september das album "yaviz" der kompromisslosen emmanuelle de héricourt, die ihre initialien praktischerweise zum künstlernamen erkoren hat, etwas umständlicher ist da schon, sich in ihr klangbild vorzuarbeiten, aber he, die moderne findet im klienicum ein zuhause: edh:
edh - ice by fanaticpro

"2012" hieß sein letztes werk (auf no applause), nun möchte der bursche mit dem ungewöhnlichen moniker, dahinter steckt übrigens mike pomranz, mit gelungenen coverversionen auf sich aufmerksam machen, thin lizzy oder syd barrett sind doch prima vorlagen, oder: world blanket:
world blanket - let's split (syd barrett cover) by fanaticpro

world blanket - got to give it up (thin lizzy cover) by fanaticpro

lassen wir mal los auf Euch!, wollt Ihr Euch auch der neuesten errungenschaft des staatsakt sublabels nein, gelassenheit ergeben?, hans unstern taumelt tnoch irgendwo durch die gegend, da bekommen wir es mit diesen drei mädels zu tun, "herz aus gold" erscheint ende august, auf die ohren gibts mit einer älteren ep: die heiterkeit:
die heiterkeit – the evening sun by nein, gelassenheit

der nachfolgende track ist natürlich ein remade des fela kuti klassikers "lady", die versammelte meute hat sich zugunsten von aids organisationen gütlich getan, mit am start sind: tune-yards, questlove, angelique kidjo, akua naru:
lady - tune-yards + angelique kidjo + ahmir '?uestlove' thompson + akua naru by knittingfactoryrecords

die aussicht besteht auf ein neues album, vrstl. aber erst in 2013, das debut hieß "the black cat neighbourhood" und gereichte der dänin zu ehre, ein neuer track will vorgestellt sein und wir nehmen dies zum anlass, mal auf die hingehauchte bittersüsse hinzuweisen: fallulah:


nur 650 kopien wird es von "in a cloud II" geben (17. juli), einem auf secret seven records erscheinenden sampler mit unveröffentlichten aufnahmen von ausschließlich bands aus san francisco, darunter so namenhafte wie vetiver, chuck prophet, sonny & the sunsets oder papercuts oder: kelley stoltz:
kelley stoltz - my jacqui by secret seven

future islands
Aug 08 Paris, France La Plage De Glaz Art
Aug 10 Berlin, Germany Schokoladen Hof Open Air
Aug 11 Hamburg, Germany Dockville Festival
Aug 12 Bielefeld, Germany AJZ

wooden shjips
Fri Jun 29 Berlin, Germany Festsaal Kreuzberg
Sat Jun 30 Hamburg, Germany Indra
Sun Jul 1 Larz, Germany Fusion Festival
Mon Jul 2 Leipzig, Germany Centraal Theater
Tue Jul 3 Munich, Germany 59 to 1
Sun Jul 8 Paris, France Le Point Ephemere

Freitag, Juni 01, 2012

unsigned - a d.i.y. (music) diary by great dynamo - episode 32

so, nach der schweren bombardierung mit unseren obs berichten, begegnen wir wieder knallhart dem alltag. dazu gehört natürlich auch der regelmäßige blick auf das treiben von hauke aka great dynamo, der seinem online- video- tagebuch eine neue episode beifügte. diesmal eher defensiv unterwegs: "heute ist GREAT DYNAMO in der rolle des konzertbesuchers. die befreundeten bands CALLING LINUS und ONE EYE OPEN spielen im PRETTY VACANT CLUB in der düsseldorfer altstadt. CALLING LINUS präsentieren ihre neue ep ECHO BOY."

konzert: orange blossom special 16, teil 7

liebe menschen, so langsam geht mir die luft aus. es ist ja nicht nur die schreiberei, sondern auch die gedanken- und emotionale arbeit in der nachbetrachtung. und der schwermut, der blues wollen nicht weichen. eine schöne zeit ist längst zu ende und ich arbeite mich an ihr ab, als gelte es zurückzuholen, was nicht mehr zurückzuholen ist.

the fog joggers haben es leichter mit der luft. da wird das große gebläse angeworfen. sänger jan hat ein organ, mit dem man mehr als das gartenrund beschallen könnte. der blues sitzt so tief in ihm, dass die amerikanischen vorfahren sicher mehr als nur eine vermutung sein können. dass die vier jungs aus krefeld bereits vor zwei jahren das obs beehrten, sprach sich schnell herum. die, die dabei waren, erinnern sie gern an die unbedarften, aufgeregten vier. mittlerweile ist einiges wasser die weser herunter geflossen. etabliert haben sie sich mit einer von unbändiger energie und zügelloser leidenschaft geprägten musik, die instant in die beine fährt. doch die zunehmende professionalisierung hat auch ihre schattenseiten. das sich auf sich verlassen können zum beispiel oder, dass bestimmte aspekte selbstläufer seien.

sind sie aber nicht, und so musste man sich mit einer band begnügen, die ihr set beherrschte, die zu glauben meinte, dass sie auch das auditorium im griff hätte. dabei bewegten sie sich auf einem schmalen grad zwischen begeisterung und mittelmäßigkeit. erst wenn der sänger aus sich heraus ging, wenn die ihn begleitenden jungs volldampf fuhren, dann wurden sie ihren eigenen hohen ansprüchen gerecht. bleibt zu wünschen, dass sie sich etwas von ihrer jugendlichkeit "ins geschäft" hinüber retten, um mit dem punkten zu können, was ihnen vor zwei jahren so viele fans verschafft hat: unbekümmertheit und mut. dann knallen auch ohrenreisser wie "forever and a day" und hallen wieder unendlich lange nach. schaut auf die setlist, hört nach und Ihr wisst, wovon ich spreche, die jungs haben es ja drauf:
setlist: forever and a day/ island / autumn girl / saturday / friend / dykm / kylie / tonite tonite / waiting in the wings / waterfalls / take away / orange coke / stone cold sober

meine persönliche überraschungsband des obs 16 waren the flying eyes aus baltimore, die in die dämmerung spielen durften. ihr leicht psych angehauchter bluesrock pustete alles weg, was sich hätte zwischen ihnen und uns aufhalten können. die große attitüde, die eigene ungezügelte begeisterung, der gnadenlose wille zum fest, all das überzeugte auf ganzer linie. klar, hier kamen die alten meister zur ehre, wurden die 60ies, die 70ies geschrammt, aber auf eine brillante, alles andere als verklärende weise. der langmähnige mac hewitt spielte einen knüppeldicken bass und grinste vor freude, das gesamte set über, adam bufano bediente eine spitzengeschwindigkeitsgitarre und befehligte zwischenzeitlich eine ausgewachsene säge, um ihr abenteuerliche geräusche zu entlocken, hinter der schießbude schuftete elias mays schutzman, der sich bereits nach dem ersten song des t-shirts entledigte, um volle fahrt aufzunehmen.

am mikro (nebst gitarre) schließlich will kelly, der den frontmann zelebrierte, dass es eine schau war. ran an den bühenrand und grimmig in die gegend geschaut, rauf auf die schlagzeugbühne und die arme in die höhe gestreckt. während dessen sang er mit einer so geilen stimme, dass man sich besseres nicht hätte vorstellen können. wenn man ihn hinterher ungebunden lachen und scherzen sah, traute man ob der verwandlung seinen augen nicht. die hitze tropfte aus der himmelsdecke, die schwitzige bluesrocksuppe kochte, die sensegitarre zuckte schwer und alle männer über 50 wurden feucht. hier gab es kommentare wie: "endlich was für uns!" oder: "mensch, war das geil!" fäuste stemmten sich empor, gesten wurden bejubelt, der ganze kram halt, der zu so einem fest dazugehört. die vier jungs bliesen uns mehr als eine stunde gehörig den schädel weg. und das hatte eine form, eine gestalt, gewaltig, malend, walzend! "death don't make me cry"! "poison the well"! "done so well"! (sehr fein ihr auftritt auch auf dem crossroads 2011, klick!)

mit spain gab sich schließlich die band um den indiehelden josh haden die ehre, deren debut bereits 1995 herauskam, die von johnny cash gecovert wurde und die schließlich vor kurzem erst wieder aus der versenkung auftauchte. dass sie dabei auch an der haustür des glitterpalastes anschlug, spricht bände. "the soul of spain" erschien auf dem label der das festival veranstaltenden company und so dankte der sänger zwischen den songs mit "give it up to rembert, reinhard and lutz!" oder "give it up to glitterhouse!". als großen entertainer kann man haden nicht bezeichnen, dafür aber als ausgezeichneten sänger und songwriter. sein warmes timbre durchdrang die nacht und näherte sich den herzen der aufmerksamen zuhörer. die musikalische unterstützung war an reinheit, an klarheit kaum zu übertreffen. die gitarren flirrten substantiell, die pianotupfer belegten die freiräume, die der muntere bass hadens und das schlagzeug offen ließen. wirkungen, oberflächliche zunächst, die den zauber dieser nacht aufnahmen. erinnert sich wer an "without a sound" das so eindringlich vorwärts schwebte? oder an den opener "it's so true", da haden jedes wort zu buchstabieren schien? oder an "untitled #1", das sich wie ein früher 90ies song gerierte, schraffiert, angedeutet, hingeworfen? wenn nicht, dann blieb allemal das großartige "i'm still free" im ohr. die eindringliche melodie, der knöchernde rhythmus, der befreiende gesang. eine musik, deren ausdruck sich nicht über großformatiges definiert, sondern über die konturenfreiheit auf breiter fläche. wirkungstreffer, immer wieder. die nacht blendete unter den sadecore hymnen hadens und co., ein mehr als gelungener abschluss.
setlist: it's so true / ten nights / only one / without a sound / i'm still free / untitled #1 / ray of light / world of blue / before it all went wrong / she haunts my dreams / everytime i try / sevenfold / our love is gonna live forever / nobody has to know / because your love / spiritual

das obs 16 zeigte wieder deutlich auf, worauf es bei festivals dieser größenordnung ankommt. heimische atmosphäre, geradeso, dass man das gefühl hat, das eigene wohnzimmer zu betreten. irgendwer wird schon da sein, den man kennt, an den man sich halten, auf den man sich freuen kann. dass es darüber hinaus auch immer mal wieder einblicke in das seelenleben der obs- macher gibt, erhöht den effekt der geborgenheit und dass man als besucher auf eine art und weise ernst genommen wird, die über das normale maß hinaus geht.
einige acts sind mir durch die lappen gegangen, die beiden pausenbands skurilli und horst with no name sowie orph und rocco recycle. aber ohne lücken geht es wohl nicht. danke obs, danke #16!

achja, die abschlussbewertungen:
erland & the carnival ****
the flying eyes ****
spain ****
the fuzztones ***1/2 - ****
immanu el ***1/2 - ****
christian kjellvander ***1/2 - ****
clickclickdecker ***1/2 - ****
nive nielsen & the deer children ***1/2 - ****
alamo race track ***1/2 - ****
israel nash gripka ***1/2 - ****
scott matthew ***1/2 - ***
the travelling band ***
the moon invaders ***
the fog joggers ***
the fictions ***
navel ***