Mittwoch, Dezember 17, 2008

ein (p)fund mp3 (158); naturestrip

mit naturestrip nähern wir uns heute einem record label, das in melbourne bzw. brisbane stationiert ist. vor zeiten habe ich mich mal etwas intensiver mit netlabels beschäftigt und hinterliess meine gedanken dazu im forum des deutschen rolling stone. noch heute krame ich gern in den arsenalen dieser arbeit, denn es lassen sich bei den verschiedenartigen labels die wundersamsten und schönsten sounds, musiken und collagen finden.
nun ist naturestrip zwar kein netlabel und veröffentlicht via cd und nicht als mp3 download, und dennoch sind die hier versammelten releases musikstilen zuzuordnen, die gern den bequemen weg der veröffentlichung gehen. nicht zuletzt, weil sie sich nur schwer verkaufen lassen. wie es um die verkaufszahlen bei naturestrip bestellt ist, würde mich an dieser stelle schon einmal interessieren. abschweifend wie meine gedanken sind auch die zugangswege, der künstler auf dem label, um an sounds und einflüsse für ihre tracks zu kommen. background geräusche, die in den vordergrund treten. die welt wird auf eine neue weise sichtbar und kehrt ihr äußeres nach innen. dorthin, wo wir uns befinden, an der schmalen achse unseres wahrnehmungshorizontes. eine rotation genügt für verwunderung, erstaunen und revitalisierte neugier.
das label schreibt: "Naturestrip releases have had an aesthetic and conceptual range from raw documentation to sound sculpture to concrete music to instrumental and electronic constructions in which the idea of 'nature' somehow resonates." in der begrenzung läge etwas widernatürliches, somit ist die vielfalt dem label immanent. nachfolgend einige worte zu den künstlern und ausschnitte aus ihren auf naturestrip veröffentlichten werken:
hinter tarab steckt der melbourner eamon sprod, der sich auf field recordings in verbindung mit improvisationen spezialisiert hat:
Tarab - surface
Tarab - Of hollow traces
toshiya tsunoda hat auch beim kürzlich erst wieder erwähnten häpna label veröffentlicht. und gehört mit zahlreichen weiteren releases zu den etablierten field recording künstlern, die gern zitiert werden:
Toshiya Tsunoda - Reclaimed Land
Toshiya Tsunoda - unstable contact
wer hundegebell, kindergreinen, frauengesänge und regen zu einem musikalischen reigen vertäut hören will, muss bei joel stern vorstellig werden, "dead lakes" ist musikalische interaktion - mit dem hörer selbstverständlich - auf die kompromissloseste art, der künstler stammt aus brisbane, ist aber vielfach in australien und der welt unterwegs, um 'stimmen' einzusammeln:
Joel Stern - Dead Lakes
Joel Stern - Saltwort
lawrence ist "media artist, composer and critic based in Brisbane, Australia", hat wie die meisten seiner kollegen eine stattliche discography und geniesst in der szene einen sehr guten ruf:
Lawrence English - A Summer Crush
ein soundkünstler aus san francisco, der die organischen und umweltlichen einflüsse resp. aufnahmen, exzellent mit subtiler rhythmik und unscheinbarer musikalität vermischt, loren chasse hat im alleingang und mit verschiedensten partnern ein vielzahl an alben herausgebracht, zu den bekannteren zählen the blithe sons, thuja und the child readers:
Loren Chasse - the tree on the sky
Loren Chasse - The Air In The Sand
Loren Chasse - footpath appariation
warm, minimal, handlich, ambient; die beiden künstler (wobei carchesio auch als maler agiert) haben einige gemeinsame werke auf dem buckel:
Eugene Carchesio & Leighton Craig - leaves track 1

Dienstag, Dezember 16, 2008

neue töne (481): old man luedecke

folk der alten schule, meine güte, was wird das in diesem fortschrittlichen jahrtausend noch? back to the roots? dabei schrieb die spex erst in der aktuelle ausgabe von einer welt im wandel und meinte ganz sicher keine rückbesinnung damit. zeiten des wandels sind zu nutzen. wenn das in begleitung solch herrlicher musik passieren kann, bin ich dabei! chris, wie der kanadier vornamentlich heißt, steht in der tradition von banjo solo pickern wie dock boggs, bascom lunsford und roscoe holcomb, aber auch um einen inländischen namen nennen zu dürfen: eines rüdiger helbig.
Old Man Luedecke - Proof Of Love
Old Man Luedecke - Clayoquot Sound
Old Man Luedecke - At the Airport (live, 2007)
Old Man Luedecke - The Drawing Near (live, 2007)

Montag, Dezember 15, 2008

ein (p)fund mp3 (157)

ein, zwei unsensible einfügungen.
die sendung auf stone.fm am kommenden donnerstag startet nunmehr erst gegen 22:00 uhr. wer die eine stunde danach aber auszuhalten in der lage ist, wird sicher mit einigen schmankerln belohnt.
außerdem: die jahresendlisten explodieren an allen ecken und enden. ein wenig fürchte ich mich bereits davor. zum glück entwickelt sich kein diktat aus definierten top ten. breit gestaffelt, breit gestreut - wie eh und je - stellen sich sich die geweihten reihenfolgen auf. das klienicum wird seine auflistung beisteuern, doch erst nach weihnachten. bis dahin gehört das eine oder andere überprüft. mit dabei sein werden, ähnlich wie im letzten jahr, die besten alben, die besten songs, die besten konzerte, die besten blogs des jahres 2008. bis dann.
ach, und, ein interview habe ich zuletzt mit der grandiosen band theodore geführt, etwas zeit zum transkribieren brauche ich allerdings noch, bis ich es Euch präsentieren kann. bis dahin oder länger, vielleicht auch kürzer:
eine fast übersehene und dennoch mehr als interessante, country, rock, punk, blues infizierte band, "write a letter" auf afternoon records, bei denen man sich ruhig mal die christmasbundle anschauen sollte:
A Night In The Box - Let Me Know
der vorbote für eine release namens "Part 1: John Shade, Your Fortune's Made" auf asthmatic kitty (03.02.09):
news von friendly fire recordings, "Feel.Love.Thinking.Of" erscheint mitte februar:
aus brooklyn, Ihr wisst schon: das nest mit der höchsten (guten) musikerdichte:
This Is Ivy League - The Richest Kids
This Is Ivy League - London Bridges
schöne nachrichten auch von the decemberists "Hazards Of Love" erscheint vrstl. am 24.03.09:
the decemberists - shiny
außerdem noch der hinweis auf einen kostenlos- sampler vom 4ad label, der satt bestückt ist, zum download geht es hier entlang, zur info hier:



neue töne (480): shoreline

was auch immer so mancher kritiker unter laptopfolk verstehen mag, mich wird er nicht auf seine seite ziehen. dabei bin ich schon zu haben für genrezuordnungen, stilhinterfragungen und gewisse szeneabhängigkeiten. wenn ich aber ein neunköpfiges ensemble, das auch auf der bühne mit fidel und standup bass, mit gitarren und trommeln agiert, auf elektronisches werkzeug reduzieren will, stimmen die verhältnisse ganz und gar nicht. shoreline aus brighton bretzelte mir den sonntag gewaltig auf, indem sie herzerfrischenden folk zaubern, der organischer klingt, als man es sich träumen mag. die wurzeln sind deutlich, doch ein verhangen sein im tradierten keineswegs spürbar. im gegenteil trägt die vielschar ihre musik mit verve und ethusiasmus vor, jeglichen mißmuts, jedweder verdrossenheit abhold, und kommen damit ihren amerikanischen folk revival kollegen verdächtig nahe.
auf scheibe fügt sich etwas sounddichterisches hier, etwas hall und verstärkung dort hinzu, bewegt sich aber auf samtenen pfoten und beeinträchtig das genreorientierte aufspiel keineswegs.
nachdem die band auf yesternow records eine ep herausgebracht hatte, erschien im september nun auf willkommen records das debut "time well spent", angereichert mit zehn tracks phantastisch warmherziger und elegischer musik. männlicher und weiblicher gesang wechseln sich ab, das soundbild wird mal von einer einzelnen gitarre beherrscht und dann wieder von einem dichten zusammenwirken eines breiten instrumentariums. abwechslung ist also garantiert. obwohl die hier sicher nicht programm ist.
die geschichte um die band ist übrigens sehr spannend und kann nicht auf namedropping verzichten. hinter dem label, das sich des debutalbums annahm, steht ein kollektiv von musikern. gegenseitige unterstützung steht bei ihnen auf der tagesordnung. hervorgegangen ist das willkommen collective im prinzip aus shoreline. mittlerweile spielen in dieser band mitglieder von sons of noel & adrian, the miserable rich, moonshine moonshine, the leisure society, atlas crease troubles, lightspeed champion usw.
seelenvolle harfe, sehnige geige, dröppelndes banjo, glockenspiel, zweistimmiger gesang, pauke, dunkler bass, gemeinsamer auftritt. brauchts mehr?
Shoreline - Daybreak

shoreline - daybreak


shoreline - sea bird

Sonntag, Dezember 14, 2008

ein (p)fund mp3 (156)

echelon productions sind uns neulich ja erst untergekommen. sie basteln neben hervorragenden releases auch an zwei blogs und geben sich liveevents hin, bei denen platten aufgelegt und mixe gebastelt werden. unter der überschrift "flat out!" findet monatlich so ein highlight statt. die dabei entstandenen mixe kann man sich im nachhinein anhören und runterladen. ich habe das für Euch mal eruiert und stelle zur verfügung:
Outputmessage - FLAT OUT! Mix 11.14.08
eine eher kommerzielle, aber dafür umso glamourösere angelegenheit, hier noch die tracklist zur orientierung:
01. David Rubato - Circuit (Siriusmo Remix)
02. Pol Rax - For You
03. Golden Bug - My Teacher Is A Zombie
04. Moulinex - Come On Closer
05. DJ Zya - Windy City
06. Boys Noize - Oh! (A-Trak Remix)
07. Etienne De Crecy - Punk
08. Nacho Lovers - Acid Life
09. Kudu - Let’s Finish (Sinden Remix)
10. Lo-Fi-Fnk - Want U
11. MAM - Sexy Girl
12. Treasure Fingers - Cross The Dancefloor
13. MSTRKRFT - Bodywork
14. Housemeister - What You Want (Siriusmo Remix)
ein weiteres kleines highlight in dieser vorweihnachts-verschenke-schaffe ist die neue ep von songs of green pheasant, nachfolger des eher schwachen "gyllyng street" ist "when the weather clears" und umfasst demos der jahre 2006 - 2008 und kann komplett heruntergeladen werden, ich habe es Euch so weit möglich erleichtert:
songs of green pheasant - when the weather clears (.zip)
cineplexx hatten wir vor einiger zeit bereits vorgestellt, er hat nun die "espiral & a mi lado remixx ep" am start, viert tracks für lau:
cineplexx - espiral & a mi lado remixx ep (.zip)
neuigkeiten von einem lieblingslabel: hush records, ein neues album bzw. eine aktuelle daytrotter session:
nick jaina - a narrow way (sampler mix)
shelley short - daytrotter session
und außerdem auf hush: "This collection ranges from atmospheric and moody to melodic and plucky." die rede ist von chad courch und seiner sound of picture vol.1 unternehmung, for free:
chad courch - sound of picture vol.1

Samstag, Dezember 13, 2008

neue töne (479): deleted scenes

eine gewisse unbekümmertheit muss schon vorliegen, wenn man sich einen solchen bandnamen zulegt. eigentlich stammt der teminus aus der filmbranche, aber auch im musikbusiness sollte man sich etwas mehr gedanken über all jenes machen, was nicht an hörerohren zu gelangen brauchte. löschen! einfach löschen!
gilt natürlich nicht für die band aus brooklyn. am 06.01.09 erscheint ihr album "birdseed shirt" auf what delicate recordings. unbekümmert ist nicht nur die musik von deleted scenes, auch ihr auftreten, ihr umgang mit den medien und fans. letztere haben einen freien zugriff auf einige der neuen songs und können sich vorab schon ein bild davon machen, ob sie beim album zugreifen werden. das bietet impulsiven indierock, der sich gern psychedelischer anleihen, vertrackter rhythmik bedient und auch ansonsten unbeschwert mit vorbildern umgeht. nicht das geklaut würde, aber einflüsse sind schon hörbar, dismemberment plan, modest mouse vielleicht, einige andere mehr. wenn es so schön tönt wie in "ithaca", vergißt man eh das referenzensuchen. in 2007 hat die band eine ep auf den weg gebracht, schlicht "deleted scenes ep" getauft. sie erschien bei echelon productions. warum die den nachfolger nicht produzierten, bleibt mir ein rätsel.
so, hier noch die hochsympathische band: dan scheuerman - vocals, guitar, percussion; matt dowling - bass, vocals, guitar, vibes, trumpet, piano, organ; chris scheffey - guitar, vocals, pianos, organ und brian hospital - drums, percussion. und nun selber hören!
Deleted Scenes - Turn to Sand
Deleted Scenes - Fake IDs
Deleted Scenes - Mortal Sin
Deleted Scenes - Ithaca
Deleted Scenes - Get Your Shit Together for the Holidays

Freitag, Dezember 12, 2008

glotzt nicht so romantisch (43): pree

ein kleiner blick in die zukunft. wir stehen vor der 09er tür und aufgestossen gehört sie zumindest schon. und dann lugt man durch den schmalen spalt. und wer sich mit prognosen traut, kann sich später besonders hervortun. ha!
ich nenne nur kurz den namen, mehr nicht, den namen. was sich abzeichnet vielleicht auch. aber mehr nicht. pree. entlehnt einem neutral milk hotel song und damit in der wertigkeitsskala schon mal ganz weit vorn. aber mehr?
ok. angeführt wird die truppe von may tabol (le loup, you know?), dazu gesellen sich chris dewitt an den drums, vanessa degrassi an der mandoline und flöte sowie david barker an der elektrischen. für den märz haben sie ein album auf kora records angekündigt. "a chapping block" wird es heißen und, ich hänge mich nun doch etwas aus dem fenster, es wird großartig werden. "pree's musical prowess evokes seductive and shadowy moods that call to mind Regina Spektor's imaginative narratives as well as Modest Mouse frontman Isaac Brock's rhythmic vocal stylings-- mixing haunting folk elements, unmistakable vocals, and a remarkable command of words to elicit a fare as delicate as it is powerful.", so schreibt das label und das deckt sich weitgehend mit meinen ersten eindrücken. und mehr sind es bisher auch nicht. dennoch... ein angenehmer flow besticht die produktion, mays stimme sticht und so mancher joker scheint noch verborgen. ich erhoffe, nein, erwarte ein großes album.
abschließend: unterstützt wurde die band von einigen bekannten und anderen weniger bekannten gastmusikern, u.a. mitglieder von these united states, aber auch von exit clov, donny hue & the colors usw.



neue töne (478): tenniscoats / tape

hier hatten wir vor fast genau einem jahr über das wunderbare album "tan tan therapy" der tenniscoats berichtet. seit dem ist es recht still geworden um takashi ueno und saya. nun gibt es endlich wieder etwas neues zu berichten. gemeinsam mit tape haben die beiden japaner eine split 7'' auf den weg gebracht. darauf enthalten sind zum einen das tenniscoats stück "lutie lutie" mit saya, die vocals, pump organ, melodica, synthesizer beisteuert und ueno an der gitarre und der drum machine. kazumi nikaido ergänzt im chor und tomas hallonsten übernahm dabei glockenspiel und synthesizer. der track steht ganz in der bekannten tenniscoats tradition aus liebreiz, lofi und gewinnendem lächeln. wunderbar. die 7" hat andererseits mit "come maddalena" ein stück zu bieten, das von ennio morricone stammt und von tape neu arrangiert wurde. den gesang steuerten u.a. kazumi nikaido, saya und ueno bei. über einen sacht pumpenden rhythmus erlebt der hörer eine wunderschöne, vom harmonium vorgetragene melodie, von umsichtigen bläsern begleitet, von vogelstimmen umgarnt. hinter tape verbirgt sich übrigens der dreier johan berthling, andreas berthling und tomas hallonsten, mit dem wir uns noch einmal in aller ausführlichkeit beschäftigen wollen.
mit knapp zehn minuten ist die single als erwachsen zu bezeichnen. sie erschien im oktober auf häpna und sollte dort auch zu beziehen sein. reinhören kann man allerdings schon hier.
tenniscoats - lutie lutie
tape - come maddalena
tenniscoats - baibaba bimba

Donnerstag, Dezember 11, 2008

ein (p)fund mp3 (155)

bringen mit "live at the showbox" eine dicke dvd an den start, zur einstimmung:
The Long Winters - Scared Straight
The Long Winters - Clouds
The Long Winters - Cinnamon
das ersehnteste album in 2009 wird wohl "to be still" (17.02.) sein, ein vorbote hier:
Alela Diane - White as Diamonds
ein paar liveaufnahmen vom 06.10.08, cambridge:
the wedding present - blue eyes
the wedding present - sports car
the wedding present - spider man on hollywood
der sänger von buffalo tom hat sich einiges vorgenommen, jede woche möchte er einen via homerecording aufgenommenen song in die welt schleudern, beim ersten handelt es sich um ein replacement cover:
bill janovitz - little mascara
und noch ein paar live happen, diesmal aufgenommen in somerville im april 08:
loney dear - carrying a stone
loney dear - i'm john
loney dear - le fever
mit einer kleiner 3"cdr auf weepop!:
Hello, My Name Is Kuma - Hello, My Name Is Kuma
Hello, My Name Is Kuma - My Little Sister Hapuko
ebenfalls auf weepop! mit ihrem "donald fagen remix tape":
the endless bummer - rio grande sandbar, 2001
gegen diese band sollte sich niemand wehren, der albumtitel sagt alles: "doubleplusgood" auf matinee:
Bubblegum Lemonade - I'll Never Be Yours
Bubblegum Lemonade - Penny Fountain

Mittwoch, Dezember 10, 2008

neue töne (477): june madrona

viel unverfänglicher, viel ätherischer, viel simpler, einfacher, gemeiner kann man den folk kaum spielen. june madrona versuchen sich da an einer variante, wie sie mir auf diese vervollkommnete art und weise noch nicht begegnet ist. und dabei ist die dreiköpfige band aus olympia schon eine geraume zeit dabei, ihre musik an den mann und die frau zu bringen. nun will ich zukünftig etwas weniger euphorisch sein, man warf mir schon "herzblümchenbewertung" vor. das geht sich mit einer professionellen einstellung natürlich nicht aus!
"battlegrounds", in 2007 veröffentlicht, war der bereits fünfte longplayer, angereichert mit der so laid back aufgespielten und gleichzeitig in lofi präsentierten musik von june madrona. mit bicycle records hat sich zudem ein dach finden lassen, unter das die band wunderbar passt. die heimat von jenny jenkins, the winning lasses, eli moore oder robin culter und vielen weiteren versprüht nicht nur lokalkolorit, sondern auch internationales flair. hier wird die musik eingespielt, die derzeit die herzen der nerds hochschlagen lässt. und nicht paris ist das epizentrum dieser bewegung, sondern olympia.
ganz frisch ist das 7" vinyl "isabelle's paintings and two fantasies" mit zwei neuen tracks, die von der malerei isabelle baums inspiriert wurden, sowie zwei älteren und nun neu eingespielten tracks. (das großartige foto - oben - stammt übrigens vom außerordentlich guten und bemerkenswerten lauren orseau)
June Madrona - Grandpaw Frank
June Madrona - Serious Baby
June Madrona - The Rifle

in fester hand (15): bright eyes

wie sehen meine/deine lieblingsplatten aus? warum mag ich/warum magst du sie so sehr? warum geb ich/warum gibst du sie nicht mehr her? in fester hand. weil ich/weil du sie hochheben, hochleben lassen möchte/möchtest. weil ich/weil du sie nicht mehr hergebe/hergibst. in fester hand. in loser reihenfolge stellen freunde und bekannte hier ihre liebsten alben vor, in fester hand und mit ein paar worten. und geben preis, an und ab. ich füge meine mit ein.

heute: Ryka aus münchen:


Bright Eyes – Lifted or The Story is in The Soil, Keep Your Ear to the Ground
(Saddle Creek, 2002)

Bright Eyes Platten fangen nie „einfach so“ an. Sei es Spielplatzlärm, mysteriöse Wahrsagerinnen oder Geschichten über Flugzeugabstürze und Freunde, die einander seit Kindheitstagen kennen und plötzlich fort gehen, von Conor Oberst selbst oder einer Kinderstimme vorgetragen – es gibt immer eine Einleitung.
Im Falle von „Lifted or The Story is in The Soil, Keep Your Ear to the Ground“ hört man die Stimmen eines jungen Pärchens, man hört sie ins Auto steigen, der Wagen wird angelassen, die junge Frau gibt Anweisungen, wo es hingehen soll, dann setzt langsam spärliches Gitarrenspiel ein, eine zittrige Stimme fängt an vom „Big Picture“, als das man das Leben betrachten solle, zu singen und übertönt die Fahrgeräusche. Die junge Frau singt oder summt stellenweise mit, die Stimme des Sängers wird hysterisch, überschlägt sich, wird abgewürgt, der Knopf am Radio wird weitergedreht.
Schon beim ersten Hören hatte ich das Gefühl mit in eben jenem Auto zu sitzen, durch die nächtliche Stadt zu fahren und dabei der eindringlichen Stimme aus dem Radio zu lauschen.
Andere werden diesen Einstieg für langatmig halten, das schrammelige Gitarrenspiel und die zittrige und immer wieder überschnappende Stimme kritisieren und Conor als Heulsuse abstempeln – natürlich, Perfektion klingt irgendwie anders, Perfektion ist aber auch nicht sein Ziel, wie er im darauf folgenden, flotten „Method Acting“ bestätigt: „We need a record of our failures, we must document our love“ und Kritikern will er’s schon gar nicht recht machen: „I don’t read the reviews, no I am not singing for you!“
Bei den Aufnahmen standen ihm eine Vielzahl befreundeter Musiker und Labelkollegen zur Seite und genau so klingt es, ein Album aufgenommen mit Freunden, ein Album für Freunde.
Die Gründe, warum ich „Lifted…“ so sehr liebe, liegen in seiner Vielseitigkeit. Nur auf Gitarre und Stimme reduzierte, todtraurige Lieder wie „Waste of Paint“ stehen neben leichtfüßig daherspazierenden Perlen wie „Bowl of Oranges“ oder „From a Balance Beam“ und diese neben einer zynischen Betrachtung über das Musikerdasein wie „False Advertising“, bei dem er ein ganzes Orchester auflaufen lässt. Country-trunkene Kneipenschunkler wie „Make War“ oder „Laura Laurent“ machen es sich neben einem wunderschönen Duett wie „Nothing Get’s Crossed Out“ bequem. Am Ende des Ganzen steht das mit Trommelwirbel eingeleitete 10-minütige „Let’s Not Shit Ourselves (To Love and to Be Loved)“ in dem er noch einmal die ganze Country-Orchester Palette durchexerziert und Politik und Gesellschaft nochmals so richtig ihr Fett wegkriegen um schließlich mit der Erkenntnis zu enden:
"How grateful I was then to be part of the mystery To love and to be loved Let's just hope that is enough"
Danach ist nur noch geheimnisvolles Stimmengewirr und weißes Rauschen...
Was dieses Album außerdem so besonders für mich macht?
Die Texte. Sie handeln vom Zweifeln, vom Verzweifeln, von Sinn und Sinnlosigkeit, zwischen Hoffnungsvollen und Hoffnungslosen Betrachtungen über das Leben, die Liebe und Religion, verpackt in eine derart schöne Sprache, voller Metaphern, klingen dabei aber niemals abgehoben.
Dieses Album gibt mir wie kein anderes das Gefühl mittendrin zu sein, sei es auf nächtlichen Autofahrten, im Kneipengetümmel oder einfach direkt neben dem Sänger sitzend, während er seine wortgewaltigen Geschichten erzählt. Und das ist doch wahrlich genug!

Dienstag, Dezember 09, 2008

ein (p)fund mp3 (154): white denim

unter white denim firmiert in der musikszene so einiges. ob sich für viele als erstes die assoziation zum kleinen, amerikanischen vinyllabel aus bala cynwyd ergibt, ist doch eher fraglich. seit im jahr 2001 the gtc's 7" bzw. in 2002 die 'our gimmick is wrestling' lp von the ultimate warriors veröffentlicht wurde, gibt es kein folgejahr, in dem nicht ein weiterer, überaus spannender releases die presse verlassen hat. nun befinden wir uns allerdings auf der würzigen seite der rockfabrik und keiner der hier agierenden künstler tritt ohne den großen farbeimer an. doch wer hier einzutauchen wagt, bekommt - gelinde gesagt - trefflich was vor den kopf. noiserock, avantgarde, punk, electronic und ihre mischformen.
das label agiert genauso hart wie einige seiner künstler. die veröffentlichungen sind streng limitiert, werden inklusive einiger testpressungen verkauft. ein nachbeben wird es nicht geben. ausverkauft sind die meisten alben und singles bereits.
noch zu haben ist die debutsingle des moskauer duos private entertainment "four tracks 7". spooky plastic sounds, die dem synthesizer entsteigen, beherrschen das klangbild neben ungerührtem weiblichen gesang. erinnert sehr an die beginnenden achtziger und zieht nicht nur daraus seinen charme.
mit mi ami bewegt man sich ebenfalls auf elektronischen pfaden. doch diese sind deutlich von einflüssen bestimmt, die, wie es der titel der 12" verrät, eher dem schwarzen kontinent zugeordnet werden müssen. "african rhythms" grassiert mit mäandernden, giftigen gitarren und einer unverhohlenen, gebieterischen rhythmik. dazu der in schreie abdriftende gesang. eine unheilvolle atmosphäre baut sich auf und sogwirkung. ein irres stück musik.
aufgehoben splattern und verwerfen, barnacled agieren auf jazzig verwobenen wegen, leprechaun catering kombinieren diffizile sound, usw., reinhören und abbitte leisten:
private entertainment - the dream
mi ami - african rhythmns
aufgehoben - thermidor one five
leprechaun catering - adult carrot
barnacled - damp
air conditioning - bachelor party
nice nice - call reluctance
menstruation sisters - sistersucker
the gtc - pull out the pin
popular shapes - song 2

Montag, Dezember 08, 2008

neue töne (476): the dutches & the duke

mit "she's the dutchess, he's the duke" legten the dutches & the duke in diesem jahr ein tolles album auf hardly art (Ihr wisst schon: the pice beats, the moondoggies ...) vor. wir haben nicht berichtet. nun fiel mir dieser tage ein neues video der beiden in die hände und ich gedachte dies zum anlass zu nehmen, um wenigstens nun auf das zweifelsohne erfrischende werk von kimberly morrison und jesse lortz hinzuweisen. wer genaueres zur biografie usw. wissen will, kann ganz prima auf der labelseite nachlesen. ich erspare mir einmal die mühe des transkribierens. auf jeden fall haben die beiden aus seattle gemeinsam schon eine menge durch. und sind nun auf dem pfad der erleuchtung in dieser formation. das video ist nagelneu und gibt visualisiert die flip ihrer ersten single wieder: die, nämlich "reservoir park", erschien 2007 auf boom boom castle. have a nice week.
The Dutches & The Duke - Reservoir Park

The Dutchess & the Duke - Mary (video)

Sonntag, Dezember 07, 2008

neue töne (475): butane variations

ein ausgezeichneter tipp mal wieder von p. aus b., der uns mit butane variations kommt. einem vierer aus new york. angekündigt wurde mir eine garage-punk-country- formation die "avant-intricate compositions with hooky pop tunes" zu bieten hätte. außerdem: "Sometimes the beat sounds like a tennis match and sometimes the songs wear argyle socks." das musste überprüft werden. mit verve geht es hier schon voran, aber sehnig, wie es sich für eine amerikanische, dem country anbiedernde formation geziemt. banjo, pedal steel, cello, violine, was will das americana herz mehr. und dazu wird beim singen der kopf in den nacken geworfen, damit die gutturalen laute gelingen. was sich zunächst romantisch und sensibel geriert, kann fahrt aufnehmen, kann sich zwischendurch in luft auflösen, weil mannigfaltige und gierige sounds das friedliche bild durchschneiden und die ersten gedanken auf den kopf stellen. mit bryce goggin hat sich die band einen erfahrenden mixer ins boot geholt, gearbeitet hat der schon mit dinosaur jr., clem snide und pavement. das mastering des ersten longplayers hat außerdem alan douches übernommen, und der hat sich bereits an sufjan stevens, beirut und am animal collective gütlich getan. von einer hübschen runde zu reden, dürfte dann nicht zu viel versprochen sein. vor dem album gelang den brooklynern eine "love five songs" ep, die ebenfalls über die achord label webseite bestellbar ist. das label wurde von freunden phil weinrobes, eines der häupter hinter butane variations, gegründet. veröffentlicht wurde dort auch sein soloalbum. john-paul norpoth heißt übrigens der wichtigste sidepart weinrobes, der ihn bei allen songwriterischen ausschweifungen begleitet. ich bin sehr gespannt, was von diesen jungs noch zu hören sein wird.
daytrotter session 2007: klick!
Butane Variations - Jackie (from: Daytrotter Session)
Butane Variations - Goldie Hawn (from the debut full-length LP)
Butane Variations - New Direction (from the "Love Five Songs EP")

zu gehör getragen (85)

j. tillmann - vacilando territory blues (2008)
> beschämend, dass ich solange für dieses eindringlich intime meisterwerk gebraucht habe, 4-4,5/5

anthony rochester - music for in the spaceship (2008)
> kleine popleuchtwürmer, die dunkle räume erhellen, 3,5/5

the fireman - electric arguments (2008)
> leicht aufgeholt gegenüber dem "early judgement", somit gefestigte: 2,5/5

desmond reed - 10 acoustic demos (2008)
enthusiastischer lofi auf series two records, direkter können wege nicht sein, 3-3,5/5

Samstag, Dezember 06, 2008

neue töne (474): fire on fire

nur noch wenige tage, um genau zu sein vier, bis zur veröffentlichung des ersten fire on fire longplayers. mit der "5 song ep" - wir berichteten - hatte die band aus south portland bereits für ordentlich wirbel gesorgt.
nun tauchen die ersten wirklich begeisterten stimmen auf, die "the orchard" bereits hören konnten. sie meinen einvernehmlich, dass sich das ständige beisammensein, das gemeinsame wohnen, leben und musizieren deutlich in der musik niederschlage. der spirit schlage sozusagen durch und erfülle den hörer ebenso, wie er sich der truppe angenommen zu haben scheint.
die befeuerung des projekts ist eine stete. sie ergibt sich nicht nur aus der großen fanschar, die die aufmerksamkeit hochhalten. auch aus sich heraus imponiert fire on fire.
colleen kinsella hat auch für die lp das cover illustriert und kommt uns mit einer düsteren szenerie. bemerkenswert außerdem: wiederum eine limitierte ausgabe, nämlich "a small press offset 4 color package, numbered 1 through 1000". zugreifen und hoffen, dass man unter den auserwählten ist, zu young god records gehts hier entlang. auf myspace kann man in neue songs hinein hören.
Fire On Fire - Hartford Blues (2008)
Fire On Fire - Hangman (2007)

fire on fire - amnesia (live)



fire on fire - orchard song (live)

ein (p)fund mp3 (153)

vor ein paar tagen habe ich angedeutet, dass ich mich dem alljährlichen christmas- taumel ganz sicher nicht anschließen werde. deshalb gibt es auch nur heute - einmalig und nicht wiederholt - ein sattes paket an weihnachtssongs, die eher eine alternative darstellen denn eine auf sichtweite ausgestellte pretiose. compiliert vom label suburban sprawl music mit den dort (michigan) beheimateten musikern und musikkollektiven.
viel mehr unglaubliches, spöttisches, abstruses und humoriges gibt es zum heiligen fest hier, seit 2002 fleißig gesammelt, archiviert und präsentiert.

Freitag, Dezember 05, 2008

neue töne (473): unbunny

unbunny. ein name, der funken schlägt! unbunny. zerstoben zu einem lichtermeer. ich kann mich an nichts mehr erinnern. nun erscheint auf a hidden agenda records mit "sensory underload: uncertain trks 1996-2008" eine kollection aus eps, singles, raritäten und unveröffentlichtem (auch beinhaltet: die "typist ep", veröffentlicht auf important records). viele der tracks auf dieser scheibe sind bisher zum ersten mal überhaupt auf einer cd erschienen. zeit also, sich ein wenig mit unbunny auseinandersetzen.
"unter dem radar hindurch" las ich in einer rezension zum fünften album "snow tires" von unbunny, das ebenfalls auf dem parasol unterstellten a hidden agenda label herauskam. irgendwie ist mir das trio um jarid del dio also ausgekommen. ein tiefflieger sozusagen. dabei ziehen sie mit americana und kammerpop benannten musikstilen genau das theater auf, was ich mir wirklich gern zu gemüte führe. "snow tires" wird nun auch in hiesigen gefilden veröffentlicht, umso mehr ein grund, jarid und co. auf die spur zu kommen. mit neuem cover versehen, wurde das 04er werk auf affairs of the heart herausgebracht, einem recht jungen, deutschen label, das vormals einer promoagentur entsprang. john vanderslice, nik freitas, wye oak hievten sie unter anderem.
zurück zu unbunny. kopf jarid ist wohl ein umtriebiger vogel, der nicht nur die plattenfirmen wechselt wie seine unterhosen, sondern ebenso seine wohnorte. wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, entzieht sich meiner kenntnis. derzeit residiert er wohl in seattle, ursprünglich aber entstammt er new hampshire. die gitarren ziehen in die weite und jaulen, als würden sie nur ungern der heimat fliehen, das schlagzeug werkelt in einer verdrossenheit, dass selbst die abgefeimtesten hunden die ohren anlegen, die orgel peitscht zurückgebliebene voran und jarid stimmt darüber seine gesänge an, die wechseln zwischen schwach euphorischem und alltäglicher niedergeschlagenheit. wer ihm nicht gern zuhört, verzichtet auch auf guten port, stinkenden käse und kopfmassagen.
ein weiteres zitat fasst zusammen, was viele meinten und nicht zu sagen wussten, die musik der band besteht aus: "the fragility of elliott smith, the humanity of neutral milk hotel, the melodic sensibility of matthew sweet, and the careworn metaphors of the mendoza line." wer damit immer noch nichts anfangen kann, sagt meinem boss bescheid, damit er mich vor die tür jagt und ich mich nach etwas neuem, anständigem umsehen kann. als hier im klienicum in den letzten ecken nach zivilisatorischen überresten zu suchen. auf bald.
Unbunny - Water and the Spanish Tongue

Donnerstag, Dezember 04, 2008

ein (p)fund mp3 (152)

eine menge neuer alben kündigen sich bereits für 2009 an. andrew bird, neko case, great lake swimmers, asobi seksu usw., doch das jahr 2008 ist noch nicht zu ende, hat uns noch nicht entlassen. und man sollte ehre jenen zukommen lassen, die sich noch im hier und heute schaffen.
via quince records tut sich einiges und wir haben für Euch ein paar sahneschnittchen herausgetrennt:
"Young Punks Are On The Never-Never" heißt das debut des schweden:
Robert Svensson - Fall
mit indieelektronik überzeichnet, auf "Hannah" hört das aktuelle album:
eine shoegaze band aus stockholm, gleichnamiges album:
Heaviness - Touchlast
Heaviness - Curtains Of Rain
"The first Asian shoegaze compilation in the world that Quince Records planned. It features together sixteen bands from Japan, Indonesia, Philippines, Malaysia, Korea, China and Hong Kong", schreibt quince records:
The Majestic High - See Her Fall
Burrrn - Song Without Words
Elemental Gaze - Unperfect Sky
eine andere baustelle ist slaapwelrecords, ein in belgien stationiertes label mit einer menge kontemplativer musik (u.a jasper tx, steinbrüchel), die hier stammt vom neuen album "somewhere between the sun and the moon":
Wixel - Fatigas del Querer
Wixel - Outside Your Locked Heart
die ersten vorboten, hier die ep "wishing you a christmas", ich mache aber - versprochen - nicht lange mit bei diesem weihnachtsgedöns:
Raveonettes - Come On Santa
87er baujahr, aus chicago, mit ihrem debutalbum:
neuigkeiten von asthmatic kitty, von sufjan stevens produziert: "The debut album by The Welcome Wagon unveils a ramshackle sing-a-long enterprise of a Presbyterian pastor (the Rev. Vito Aiuto) and his wife (Monique) wrestling out the influences of folk music, religion, popular culture, and church tradition in a collection of songs that is as soulful as it is good-humored."
The Welcome Wagon - Sold! To the Nice Rich Man

of montreal
Jan 20 Kesselhaus Berlin, Germany
Jan 31 Le Bataclan Paris, France

Mittwoch, Dezember 03, 2008

neue töne (472): anthony rochester

wer hier regelmäßig mitliest, wird sich an series two records erinnern und seine letzte offerte mit gleich vier veröffentlichungen am stück. mit desmond reed hatten wir uns hier beschäftigt. seinen labelkollegen anthony rochester gilt es heute etwas näher zu beleuchten.
während ich mich vor einigen tagen hausputzangelegenheiten widmete, hatte ich "music for in the spaceship" im rekorder. um einen ersten eindruck zu erhalten. doch wie das so mit dem nebenbei hören ist, entweder man bekommt gar nichts mit oder aber es erfordert mehr aufmerksamkeit, als man der hauptbeschäftigung abtrutzen wollte. so war es denn auch. immer wieder musste ich die lautstärke anpassen, diesen oder jenen titel noch einmal hören, um das halbgar aufgenommene bestätigt zu wissen. mit dem schrubben kam ich gar nicht mehr hinterher und ließ halbfertiges zurück.
der titel des albums klingt verheißungsvoll. das einzig abgehobene und kosmische an "music for in the spaceship" jedoch sind synthiesounds und eine an manchen stellen entrückte, leicht verhallte stimme rochesters. zuvorderst steht aber ein instrumental dichtes, weit ab von lofi ausgearbeitetes album.
anthony beschäftigt sich seit 1999 mit dem musikalischen auswurf von maschinen und dem erlernen diverser instrumente. da ihm - wie heißt es so schön? - die social skills fehlten, um eine band zu gründen, spielte er sein werke komplett selbst ein. herauskommen kleinode musikalischer provinzgenialität. kleine popleuchtwürmer, die dunkle räume erhellen und, wenn man genauer hinschaut, leuchtende linien zaubern, an die man sich dranhängen kann, um im rhythmus zu schaukeln. auf den zwölf tracks des aktuellen werks findet sich also mitschunkelbares, humoristisches und balladeskes. rochester ist wandlungsfähig, changiert zwischen den stilen (soul, reggae, launch, bossa nova, chanson und immer POP), stimmungen und tempi. nur seine tonlage ändert er nicht. ein leichter melancholischer hauch zieht sich über die gesamte produktion. wie eine warme zudecke. mit "lipscombe larder" und "mathematics" kann der geneigte leser zwei der hits des albums nachhören. die wunderschöne melodie von "lipscombe larder", die zum verzweifeln schöne orgel und die konternden flöten, die das thema umgarnen, dazu rochesters nonchalante stimme. herrlich! das dritte album des australiers, der seine größte fangemeinde wohl aber in den usa und norwegen hat. so geht dann auch die legende, dass er bewohner des kalten europäischen nordlandes wäre und als bibliothekar arbeiten würde. stimmt beides nicht, trägt aber zum geheimstatus erheblich bei.
das album gab es in 2007 bereits als prerelease. nun aber ist es offiziell, auf series two records, handnummeriert, natürlich limitiert. es lohnt!
Anthony Rochester - Lipscombe Larder (2008)
Anthony Rochester - Mathematics (2008)
Anthony Rochester - Metropolitain (2005)
Anthony Rochester - Emotional Song No.2 (2005)

Dienstag, Dezember 02, 2008

neue töne (471): the gunshy

schöner tipp aus dem hause slowcoustic. unter the gunshy firmiert matt arbogast. sein aktuelles album, auf yer bird erschienen, hört auf "i gave too much time to the wine". will man den spuren von arbogast folgen, muss man sich nur an seine alben halten. 2002 erschien "to remember/to forget", 2004 "no man's blues". 2005 wurde "souls" veröffentlicht und im vergangenen jahr "there's no love", auf dem er die erlebnisse seines großvaters während des zweiten weltkrieges wiedergibt, so wie dieser sie in briefen von der front beschrieb. in 2004 und 2006 erschien jeweils eine ep, so dass matt arbogast bereits einen ordentlichen haufen musik produziert hat. positiver könnte ich das gar nicht meinen, denn sowohl das songwriterische als auch das gesangliche und instrumentale talent des herrn stehen außer frage. im unten aufgeführten interview sagte matt, dass er sich niemals wünsche würde, tom waits zu sein. den ausspruch kann man nur verstehen, wenn man matt hat singen hören. das unmittelbare assoziative erscheinen des vergrummelten waitschen gesichts ist die folge.
daneben wirkt das eindringliche, der erratische ausdruck besonders erregend, als würde arbogast um leib und leben singen. dass er vital aus der nummer herauskommt, dafür sorgen seine kumpanen: kevin ware, jonathan poole, matt evert, kendall newby, ben grigg, kara eubanks und adam penly. die mär vom einsamen singer/songwriter hat sich damit erledigt, vielmehr haben wir es hier mit dem saftigen folkrock zu tun, der ohne die große geste auskommt. besonders charmant sind die schwungvollen uptempo-aufmischer mit pauken und trompeten. in die hellen töne fügt sich matts dunkle stimme wie öl in wasser. besonders angenehm sind die schleicher, die mit einer akustischen und etwas schlagwerk auskommen. das düstere vibrato matts genügt, um unheilvolle atmosphäre auffahren zu lassen. dazu ein sinniger bass und du vergisst alles andere um dich herum.
ein interessantes, weil doch recht ungewöhnliches interview, ca. um 2005: klick.
The Gunshy - May 14, 1943 - The Khaki-Wacky Girls (from: There’s No Love In This War)
The Gunshy - Last Songs (from: Souls)
The Gunshy - $4 Pabst (from: Souls)
The Gunshy - Reason To Retreat (from: No Man’s blues)
The Gunshy - Stories (from: No Man’s blues)
The Gunshy - The Darling Days (from: I Gave Too Much Time to the Wine)
The Gunshy - I Won't Forget It (from: I Gave Too Much Time to the Wine)
The Gunshy - It's Time I Got Out of PA (from: I Gave Too Much Time to the Wine)
+ bonus: Live at KDHX, St. Louis, MO. 11/17/07:
The Gunshy - September 5, 1944, The Armchair Advisors

Montag, Dezember 01, 2008

konzert: on3radio festival, 29.11.08, teil 2

beobachten konnte man auch im verlauf des abends beim on3radio festival die zunehmende alkoholische belastung der zuschauer und zuhörer. immer mehr abwesende gesichter, immer lauter sprechende menschen, denen es offenbar völlig wurscht war, ob jemand auf der bühne sein bestes gab und ob es daneben tatsächlich leute gab, die denen auch noch zuhörten. glasige, rot umränderte augen, schwankende gestalten. kein alles bestimmendes, aber ein auffälliges bild. am ausschank gab es nicht nur cola und bier. das publikum war allerdings zumeist jenseits der 25 und deshalb tat kaum einer etwas unerlaubtes, wenn er kräftig den alkoholika zusprach. wäre ich veranstalter, würde ich die harten getränke ausschließen. hinsichtlich des essens hatte ich aber nichts zu bemäkeln. doch. für behinderte waren die tresen zu hoch. einer kleinwüchsigen dame half ich die bestellung abzugeben. der dienstleister schwebte derart weit über ihr, dass sie sonst keine chance auf anhörung hatte.
nun, mit etwas im magen ging es an die zweite runde des abends und die sollte die erste um einiges toppen. die entscheidung fiel erneut auf studio 2 und damit zu vorgerückter stunden auf uphill racer. uns bis dahin völlig unbekannt, erfuhren wir, dass sich dahinter der ingolstädter oliver lichtl versteckt, der seine alben im alleingang einspielt, beim liveauftritt aber nicht auf unterstützung verzichten mag. so füllten denn fünf weitere personen die bühne aus und gaben musik zum besten, die kaum einem einzelnen stil zuordbar wäre. aus dem computer drangen samples, der frontmann sang auf verwobenen wegen und begleitete sich mal an der gitarre, dann an der ukulele oder später am keyboard und die mitmusikanten arbeiteten an schlagzeug, violine, posaune, akkordeon und bass. ein zuweilen auf den ersten blick als wüst einzustufendes soundbild erschloss sich umgehend, verfing sich in spulen meines gehirnkasterls und entliess mich mit einem assoziationsgewitter. eine ganz spannende, aufregende sache war das hier. drones durchzogen den saal, die posaune schob sich darunter und bass und gitarre, gesang und schlagwerk wurden miteinander durch das straffe violinenspiel verstrickt. die im hintergrund ablaufenden videosequenzen taten das übrige, um ein bleibendes erlebnis zu kreieren. lichtls stimme hat einen grund, bis er sich dahin durchgeschlagen hat, dauert es einen moment. aber man begleitet ihn gern dorthin. denn der junge mann hat eine unscheinbare, aber gefestigte und scheinbar in seiner musik verwurzelte ausstrahlung. ich habe mich mit ordentlich material von uphill racer eingedeckt, um dem phänomen auf den grund zu gehen. der flyer des festivals gab eine verortung in den 70igern an, ich wähnte mich eher im folgejahrzehnt, da der übergang von der unkontrollierten live- zur synthesizer gestützten heimarbeit gelang. auf jeden fall eine tolle darbietung, die sich vor allem auf die songs der aktuellen scheibe konzentrierten. "telescopeland" heißt das werk.
dass sich mit port o'brien anschließend eine band die ehre gabe, die wohl die weiteste anreise hatte, brauche ich nicht weiter erwähnen. denn wer den blog liest, weiß um eine band wie die um bandleader van pierszalowski eh. umso schöner, dass sie das kleine festival durch ihre anwesenheit beehrten und damit in die fussstapfen ihrer letztjährigen vorgänger an der abgerissene-klamotten-und-haudrauf-bands- front the felice brothers traten. die geschichte um diesen auftritt ist schnell erzählt. manische bandmitglieder hüpften auf und nieder, das einzige weibliche bandmitglied (die schöne cambria goodwin in unterröcke gewandet) dagegen saß stoisch über ihrem banjo oder wechselte über zur hammond. erstmals war der saal richtig gefüllt, gedrängel gab es dennoch nicht. mitgesungen haben viele, aufgeregt geschaukelt alle. die setlist ließ keine wünsche offen und so feierten die müden jungs mit den gästen des festivals eine kleine feier. über eine knappe stunden gaben van und co. ihr bestes. van schruppte die gitarre und sang derart verbissen, dass man glauben konnte, er habe seine lieder erst gestern geschrieben. josh barngart, sein sidepart an der gitarre, ein derwisch und unermüdlicher rackerer bearbeitete nicht nur gekonnt sein instrument, sondern sorgte für augenschmaus, in dem er wellenbewegungen nachahmend mit seiner gitarre über die bühne jumpte. herrlich. wenn die strafferen parts anstanden, rockten van und josh den ehrwürdigen konzertsaal in metallermanier. die gitarren sirrten und bildeten eine harmonische front, gegen die sich der drummer schier aussichtslos schaffte. so lässt es sich in alaska aushalten. höhepunkte das bewegende, von van fast im alleingang intonierte "fisherman's son" und das gemeinsame einstiegs- und mittendrin-ahahhaaa-gebrüll von "i woke up today".
setlist: don't take my advice / tree bones / sour milk, salt water / a bird flies by / fisherman's son / the rooftop song / from port / close the lid / stuck on a boat / i woke up today

die zeit war nun für die hochkaräter gekommen. nun ja, santogold war schon durch, lightspeed champion hatten abgesagt und tv on the radio gerade begonnen. unser interesse für das nachtkonzert galt jemand anderem. wir wollten anathallo sehen. die chicagoer band hatte gerade eine längere tour hinter sich und wurde doch vom veranstalter an der weiterreise gehindert, um beim on3radio festival als ersatz einzuspringen. als die band vollständig auf der bühne angetreten war, standen davor knapp zehn menschchen. den rest hatte es glatt zu tv on the radio verschlagen. mutig griffen anathallo an. die vielzählige mannschaft um den kopf matthew joynt arbeiteten im wahrsten sinne. das folk-art pop-ensemble verkloppt trommeln, neben dem drummer gibt es immer mindestens zwei bandmitglieder, die ebenso auf felle hauen, dazu erklingen lustige bis überraschende klangkörper wie klötze und handglocken (?), keyboard und computergesteuerte sounds, bass, xylophon und gitarre. was hier überbordend klingt, erzeugt eine faszinierend homogenen, eingängigen und wonniglichen sound. schneller habe ich mich selten irgendwo beheimatet gefühlt. mit seiner kollegin erica froman teilt sich matthew den gesang oder sie befeuern gemeinsam mit ihren vocals den gemeinschaftlichen auftritt. der enthusiasmus übertrug sich schnell auf das publikum, das zunehmend dichter gestaffelt stand. die melodie drillt das handwerkliche, aber die zwischenzeitliche dominanz der geschlagenen felle erzeugt einen unheimlichen drive, dem man sich nur schwer entziehen kann. matthew sang mit einer hellen und dynamischen stimme, erica ergänzte die zweite gesangslinie und der schwebesound aus dem keyboard wurde umsäumt von der mächtigen, heilvollen rhythmik. das vertrackte und energetische moment der arrangements ist zeugnis für eine kreative gruppenarbeit. ich war erfreut über diesen herrlichen ausgang des festivals.
setlist: u.a. kasa no hone / noni's field / northern lights / john j. autobahn /dokkoise house
ein tolles fest durften wir erleben. es kam etwas zögerlich in die gänge, wurde ab im verlauf immer erfreulicher dank hervorragender musiker und mutiger auftritte. auf der on3radio seite kann man einen dicken batzen mp3s vom festival ziehen. es lohnt!
sämtliche dienstleistungen am abend: ***1/2
bradley's h ***1/2
cajus **1/2
clara luzia ***
uphill racer ***1/2 - ****
port o'brien ****
anathallo ****

uphill racer - taking comfort
uphill racer - the fat grin of the enemy
uphill racer - fever rush
port o'brien - My Eyes Won't Shut
port o'brien - Five and Dime