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Freitag, November 06, 2015

neue töne (1589): rabe


«in der kunst macht man keine dummen scherze.»

wohlig richten wir uns dort ein, wo die stimmungen nicht kippen. ein mindestmaß an harmonie halten wir nicht nur für unabdingbar, sondern für ein grundrecht. schmerz darf nur sekunden andauern, danach rufen wir nach linderung. überall sind wir von analgetika und sedativa und hypnotika umgeben. die berührung des seins mit uns selbst ist eine nicht zu akzeptierende tangierung. wer nicht außen vor bleiben kann, hat verloren. rabe bringen uns schmerzen aufs neue bei. das unmittelbare hinlangen ohne zärtelnden "leiwand"-"bussi bussi"-"ösi"-auffang haut zunächst mal ordentlich vor den latz. doch wer sich ein wenig mit dem ansatz und den prämissen des alpenländischen labels totally wired records vertraut gemacht hat, den wird wenig verwundern, dass die frühen ansätze, dass die ersten knotenpunkte manch bereits veröffentlichter band, wir nennen in kenntnis dot dash, clemens band denk, kristy and the kraks und bruch, dort zusammenkommen, wo früher eben rabe darüber stand. bernhard (keys/voc), clemens (dr/voc), kathi (guit/voc), matthias (guit/voc), philipp (bass/voc) (und später auch als gast thomas (vocs: psycho mafia)) schufen vor zig jahren mal eine sehr persönliche langspielplatte namens "take it easy", deren inoffizieller status ein solcher bleiben soll. dass zu jenen zeiten aufnahmen unveröffentlicht blieben, klar, dass sie nun doch noch ans tageslicht gelangen, spricht für sich. mit "kippenberger poster" wird nicht nur (ein wenig) des künstlers martin kippenberger gedacht, der in eben jenem wien, von wo aus mittlerweile die versammelte musikerschar agiert, eines wenig rührenden alkohol induzierten, viel zu frühen todes starb, sondern vielmehr noch der tatsache, dass es einer rückbesinnung bedarf auf fast vergessene werte. die echtheit von ausdrucksschmerz etwa, kunst um des (über-) lebenwillens auszuüben, die nase in den eiskalten wind zu hängen, die gitarren staubig zu überreissen, die orgel steif quengelnd zu malträtieren, das schlagwerk polternd, krachend in stellung zu bringen und das allesamt in einer wirkungstreuen haudraufattitüde. werte! versteckspiele können andere. kippenberger hätte sich vor freude ins hemd gemacht.
 
«ich gehe in den birkenwald, denn meine pillen wirken bald.»
 
"mein kippenberger poster" beklemmt im agitschreien, zwischen egomanischer erregung und politischem grundzweifel verhilft sich der hörer mit stampfendem fuß. "psycho mafia" unterschwellt. giftig, herb und unter alarm gestellt. "holiday" bewegt sich in melodie, angestachelt von einer linkischen orgel erbrechen sich zweifel in brüskiertem gesang. "revolte" bratzt ungeschlacht, aus dem nosieklawitter trotzt der stimmenfang. mit unter zwei minuten werden grenzwerte noch lange nicht erreicht.
die vinylsingle kommt in einem feinen pappschuber mit siebdruck nebst eines satzes postkarten. erhältlich über die label- webseite bzw. bandcamp.


Dienstag, November 05, 2013

eingestreut (572): crystal soda cream / dot dash (tour)


auf ein tourpaket der besonderen art möchten wir Euch heute aufmerksam machen. da kommen österreicher nach deutschland und möchten Euch ein lied singen! die tourdaten der bands crystal soda cream und dot dash sehen folgendermaßen aus:


insbesondere zu crystal soda cream gerieten uns die worte waidwund, so zu lesen im juni des laufenden jahres:
phew, sausewinde zischeln durch die auf straffheit gedroschene saitenzunft. erst spät wird der vokalen lässigkeit ein psychedelisch aufgebretzeltes element beigefügt. vorab wurde das genre auf machbarkeit abgeklopft und erinnerungen an frühere wiener vorstadtfeste wach. düster dräuen bald basswolken über rhythmischem einklang. kurz vor dem jubilieren knicken jedoch die gitarrenhälse ab, der umschwung wird konzentriert genutzt, um der depression vorschub zu leisten. new wave, punk, post- produkte wehen durch den muffig anmutenden und doch säuberlich aufgeräumten klangraum. tradiertes, altvorderes drängt sich auf. keck lugt jedoch eine dame mit einer packung erfrischungstücher um die ecke.

wir wollen nicht vorenthalten, wie es an selber stelle bald weiterging:
philipp forthuber, sebastian ploier und theresa adamski sind crystal soda cream. der neuzugang auf totally wired records veröffentlichte seinen zehntracker "escape from vienna" im april diesen jahres. die grundlage ihres erfolgreichen auftritts liegt dabei in einem unstrittigen soundmanifest aus rostbelasteten e-gitarrenspuren, denen man lange noch im hall nachsteigen kann, einer gewittertreuen schießbude, die die atempausen erfolgreich zur regeneration nutzt, einem bass im stocksteifen predigergewand, der die persönlichen ausflüchte stets zu rechtfertigen weiß, einer synthiefolklore, die zart schwebend konterkariert und einem gesang, dessen attitüde jedem dark wave helden zur ehre gereichte.
die leiernde gitarre, das stotternd präzise schlagwerk, etwas grissliges im hintergrund, das vom gebet geschundene stimmorgan. "shot by both sides" wird zur kollektivhypnose, wenn man sich dazu im kurzschrittigen tanz verfängt. "freud und jung", der erfrischende opener, punkglorie und feuerfang zugleich, seltener klang robert smith so entlehnt. der titelgebende track blendet mit absatzreifen harmonien und hat dank feiner austarierter texturen hitpotential. keine blender in der organischen soundsuppe, die lediglich durch verschiebungen, verzögerungen und dopplung verfeinert wird. "sweet doom", an erratischem stickbeat, belebtem bass und tropfnasser saitenflagellanz, staubt während jeder bremsattacke ordentlich auf.
hier sind sie am werken. apologeten zwar einer lehre aus zorn und wille und ungebundenheit und persönlicher freiheit, aber keineswegs epigonen. stattdessen gelingt ein charakterfester auftritt. crystal soda cream sind blaupause einer neuen wiener zukunft. denn das album zeigt sich abwechslungsreich wie konstant. jedem song wurde ein treueherz umgehängt, während man ihm die jeweils zustehende liebe angedeihen ließ. doch in der gesamtheit strotzen die zehn songs in ihren gleichfarbenen heimtrikots. mit unterschiedlichen nummern beflockt und mit dem ganz eigenen gleichmut wiener nonchalance aus weltoffenheit und kleinbürgerlichem schmäh strahlend.



nun, mit dot dash gibt es ein weiteres highlight, das die sieben tourtermine mit verwegenem stillstandsound überziehen wird. der vierer schickt sich an, ende november ein neues album auf den markt zu schippen und wird sicher einiges daraus zum besten geben. ein schaurigschönes vergnügen, Ihr werdet sehen.



08.11. Prag - Bajkazyl
09.11. Berlin - Schokoladen
11.11. Dresden - Kukulida
12.11. Leipzig - Zoro
13.11. Essen - Goethebunker
15.11. Esslingen - Komma
16.11. München - Kafe Kult