Donnerstag, September 26, 2013

neue töne (1338): frog eyes


bislang hat sich keiner beschwert, wenn ich alte texte zu rate führte, um mir allgemeines geschwafel über bereits vorgestellte künstler zu ersparen. wäre ja auch wirklich nicht sinnvoll, die kostbare zeit fürs wiederkäuen zu verwenden. in sachen frog eyes bzw. carey mercer halte ich es genauso und greife auf den 17. mai 2010 zurück, wo es hieß:

"es ist immer dasselbe. redet man über eine dieser kapellen, muss man über ihn reden: carey mercer, den '75 in kanada geborenen englischlehrer. alles andere als spektakulär, was man da zunächst erfährt. aber in der folge spinnen sich lebensfäden ab, die mehr als brisant sind. an blue pine hatte er sich gütlich getan, danach wurden frog eyes gegründet. nebenher betrieb mercer sein soloprojekt blackout beach (im klienicum hier). zwei alben stehen für diese geschichte bisher zu buche. 2006 kam dann auch noch swan lake (im klienicum hier) hinzu. während blackout beach auf soft abuse veröffentlichte, erschienen die swan lake werke auf jagjaguwar, zuletzt in 2009. doch mit frog eyes zieht er auf dead oceans vom leder. während er in seinem musikalischen habitat wie ein berserker auftritt, hält der wüste kerl wohl am parkland secondary die waage, um als lehrer weniger auffällig ziele zu verfolgen. belassen wir es dabei und erfreuen uns an der gewissheit, dass es für die rampensau, den derwisch noch ein anderes leben gibt. denn mit "paul's tomb: a triumph" liegt ein neues album der frog eyes vor (dead oceans, 27.04.10), dass einem etwas vom wilden, ausgelassenen mercer erzählt. der sound ist roh und unbelassen, vollständig analog aufgenommen, wie mercer erzählt, unter nutzung sämtlicher frequenzen. gegenüber dem letzten album "tears of the valedictorian" hat sich dennoch nur marginal etwas verändert. die nutzung eines neve boards, "that hat this really euphonic quality to it", wie mercer in einem interview gegenüber dem anthem magazine erklärte, und der einsatz unterschiedlicher gitarrenamps sorgten für wärmere klangfarben gegenüber dem eher piano gestützten und twinkly gitarrensounds verwendenden vorgängerwerk. stabile keyboardflächen und der fragile backgroundgesang von neuzugang megan boddy sollte man addieren, um sich dem klangbild von "paul's tomb: a triumph" weiter zu nähern. ansonsten? ist alles besser! stringenter, klüger, ausgefeilter und dennoch direkter, klarer, irgendwie eindeutiger. vertracktes beließ man in der schublade und verwendete überschüssige energie in gesang und gitarrenarbeit. gepfeffert und melodisch. wie die pixies oder wie pere ubu. insbesondere wenn man daran denkt, wie sich mercer geriert. hier könnte man frontmanntausch betreiben und keinem würde es auffallen. fast keinem. ein album voller kraft, aber einer ausgeruhten, wie frisch herbei gerufenen, wie nach winterschlaf zum leben neu erweckten. neue swan lake und blackout beach werke werden übrigens zudem in aussicht gestellt."

nun liegt das ganze ja einige zeit zurück, in der sich vor allem im persönlichen leben von mercer unerfreuliches ereignete. so musste er den tod seines vaters hinnehmen, der ihm sehr nahe stand. als die aufnahmen für das neue album beendet waren, erhielt mercer die nachricht, dass er selbst kehlkopfkrebs habe. eine tatsache, die er zunächst unter verschluss halten wollte, mit der er aber nun offensiv umgeht, weil es nichts ist, wofür man sich zu schämen hätte und etwas, dass das leben erschüttert. daneben berührte mercer in den letzten drei jahren alles, was in dieser welt geschah, aufstände, massenproteste, all die bewegung und beschreibt seine aufnahmen zumindest teilweise als "deeply fearful, almost paranoid, the sound of a person grinding his or her teeth in the night. but just a part of it. it’s also the sound of the birds in the morning, i hope."

sinnlich schürzt die e-gitarre die saiten, flächig scheppert das schlagwerk, eine driftende und wiederkehrende harmonie, ein klagegesang, echoisierend, gedoppelt, über die bitteren worte stolpernd. "claxxon's lament" ist ein erster hinweis auf das, was uns auf diesem neuen frog eyes album "carey's cold spring" (die veröffentlichung ist auf den 07. oktober gelegt) erwartet. nicht zuletzt aber ist es der track, der dem vater gewidmet, am meisten von dem elend wittert, das mercer ereilt hat. gut vorzustellen, wie er am sterbebett kaum die lautstärke drosseln kann und frei jeglicher konvention der trauer freie fahrt lässt.

ansonsten muss man bei mercer derzeit zwischen den zeilen lesen. er ist nach wie vor krank, ist aber guter hoffnung bezüglich einer tour im nächsten jahr. aktuell fehlt ihm die kraft, das neue album in irgendeiner form einem plattenlabel anzutragen, geschweige denn sich um eine vinyl- veröffentlichung zu kümmern. also wird es erst einmal nur als download verfügbar sein. die umstände sind so, dass wir als hörer dies widerstandslos hinnehmen. und gute besserung wünschen!

1 Kommentar:

Gudrun hat gesagt…

Download ist doch erst einmal das Wichtigste - Danke für den Tipp mal wieder.