Freitag, Juni 14, 2013

neue töne (1295): paul colilli


gerade das zweite oder dritte mal, dass ich mir "hieroglyphs of the soul" vornehme und schon kann ich mitsummen und mich porentief erinnern. in dieser ausgewachsenen form habe ich das eher selten. doch die elf tracks des zweiten solooutputs von paul colilli gehen ganz unmittelbar ins ohr. immer wieder habe ich dabei die vokabeln "altmeisterlich" oder "routiniert" im kopf, ohne dass ich diesem werk in irgendeiner form entsagen wollte. im gegenteil möchte ich hervorheben, dass hier jemand seine kunst versteht und sie genau auf den punkt bringt. popsongs, die sich einer mäßigen roughness bedienen und stets treulich dem harmoniegedanken folgen. "the alchemical jesus" etwa mit seinem mitsingrefrain hat ohrwurmcharakter. doch die messlatte ist noch viel höher. etwas artrockiges schiesst immer wieder ins getriebe, verzögert, lässt driften und ausschweifen. so fallen auch die musikalischen einflüsse colillis nicht weiter auf, es sind neben den beatles und brian jones' rolling stones, syd barretts pinkl floyd, nico und velvet underground auch procul harum, soft machine, king crimson und einige mehr aus diese ära. kinks, faust, can addieren sich, daneben klassische musik, auch einiges aus den vierziger und fünziger jahren sowie experimentelles.


paul colilli ist aktuell aber zuvorderst aber erst einmal eines: er arbeit als professor für mittelalterliche und literatur und philosophie der italienischen renaissance und des mittelalters. d.h. er kann sich vornehmlich nachts seiner künstlerischen ambition widmen, wobei, so betont colilli, sich beide fächer gegenseitig befruchten. analogien finden sich beim schreiben von büchern und artikeln bzw. von alben und songtexten. wort- und klangbilder haben ihren ursprung, ihre quelle in einigen der philosophischen und literarischen traditionen. doch die ersten pfründe liegen eindeutig bei der musik begaben. colilli hätte man auch als gründer der proto electropunk band simply saucer kennen können. er war zudem mitglied der neuro angels, später nahm er solo unter dem moniker orpheus in the underground auf. nach einigen jahren pause reaktivierte colilli seine musikalischen aktivitäten und brachte 2011 das album "psycho scared music" heraus. dem folgt nun "hieroglyphs of the soul, für das der releasetermin auf dem 11. juni liegt.
colilli macht musik seit den siebziger jahren und muss auch als zeitzeuge wahr- und ernstgenommen werden. mit simply saucer, so weist er heute noch darauf hin, sei ihm / der band seinerzeit etwas revolutionäres gelungen. mit eigenen worten aus einem interview, das er im letzten jahr gegeben hat: "as i recall, now we are talking about 1973, we had totally deconstructed the traditional song and instrumental structures to the point where we were producing an uncompromising and savage form of industrial ambient sound. the saucer were decades ahead of their time. or, put in a different way, the saucer were musicological heretics, something of which i am very proud to this very day."
mit seiner musik versucht colilli immer wieder, den hörer in eine art trance zu versetzen. das bis dato noch nie gehörte soll narkotisierend wirken und den betreffenden in einen anderen zustand der bewußtheit transportieren. ob das gelingen mag, werdet Ihr selbst überprüfen. via bandcamp könnt Ihr vorab testen und im nachgang auch gern den tonträger kaufen. ich bin begeistert vom harmonienreichtum, der finesse der arrangements und auch von colillis gesang, der in gewisser trocken und zugleich etwas verschmitzt daherkommt. oft werde ich an elvis costello erinnert, der gern auch verwegenes setzt, ohne dass er den pfad der eingängigkeit allzu weit verlassen müsste. tip!


Donnerstag, Juni 13, 2013

konzert: scout niblett, 11.06.13

dass sich der künstler gegenüber seinem publikum offenbart, dass er sich häufig genug zur nacktheit zwingt, wir wissen es. dass er seinen abgründen nicht ausweicht, im gegenteil in sie eintaucht, um uns daraus vorzulesen, wir haben es erlebt. dass er manchmal seinen offenbarungszwang, die tägliche notwendigkeit dazu nicht ertragen kann, wir haben es geahnt. während wir uns zur ablenkung zwingen, den inneren dämonen so oft es geht entsagen, konfrontiert sich der künstler, wenigstens möchten wir ihn in aller ernsthaftigkeit so wahrnehmen, mit dem heiklen material seine intimen widrigkeiten. dem einen gelingt das für die zeit einer konzertreise, dem anderen geht zwischendrin der mut, die kraft, die emotion verloren. es wäre das selbstverständlichste.


nun bin ich nicht vertraut mit scout niblett und ihren nöten. doch was sie an diesem mittwoch abend präsentierte, war nach außen gekehrtes unbill. sie trug die tragik offen. man konnte aus ihren gesichtszügen das waidwunde lesen. getroffen war sie bereits, als sie auf die bühne kam. als sie nach nicht einmal einer stunde bereits wieder ging, schien sie auf eine weise besiegt, die ich fast unerträglich fand. ein besonderes ärgernis, sie zu einer zugabe herausgezwungen zu haben. die musik war bereits eingeschaltet, doch ein durstiges publikum verlangte nach mehr von dem rachsüchtigen saft der neugier und des voyerismus. "i am" war da die richtige antwort.

und wenn es nicht genüge wäre, dass sich der künstler nicht wohl in seiner haut fühlt, trieben nebensächlichkeiten ein teuflisches spiel. der verstärker nibletts war im eimer und gab für die dauer des konzerts ein unüberhörbare schnarren von sich. auch in lauteren passagen musste man sich mühe geben, um gnädigerweise das störende nebengeräusch zu ignorieren. dass mehrmals zwischenrufe aus dem publikum kamen im sinne von "anlage abschalten!", tat da sein übriges. danke an den rückrufer: "ansage abschalten!" war sein treffender kommentar. scout niblett ergänzte, dass es sich doch um einen coolen umstand handle und sie schließliche eine noiseband wären und grinste dabei verlegen. ihre anfragen nach wünschen gleich zu beginn des konzerts blieben zudem fast gänzlich unbeantwortet, jemanden fiel noch "kiss" ein, dann erbat sie sich fragen, mehrmals, auch hier keine reaktion aus dem publikum. das waren mehr als missliche ausgangspositionen.


nach zwei solonummern kamen jeweils kurz aufeinander drummer jan phillip janzen und der auf dauer breit kaugummi kauende miguel ortiz caturani auf die bühne, um dem vortrag etwas mehr 'bumms' zu verleihen. die schießbude war derart auf knalleffekt eingestellt, dass sie sich mehr als befeuernd in den dienst der 1973 geborenen emma louise stellte, mehr denn zu einem ganz paritätischen element des vortrags wurde. trommelwirbel, die pausen füllten, eurptives, manisches. gelungen in jedem fall. auch das zusätzliche gitarrespiel war ein willkommener gruß an lautstärke und kraftvollerem vorwärts.
doch am ende blieb immer scout. ihr züngelnder gesang in den leisen, ihr maß nehmen in den lauteren, in den lauten passagen. ihr schreien ist dabei ein nie vollendetes, als wage sie nicht den weg zu ende zu gehen.

ihre kunstfertigkeit an der gitarre, dieses gezielte spiel, um stimmungen zu belegen, sich ein begleitensemble zu kreieren. seltener kannst du erleben, wie töne zahm sich fügen, um der gesungenen note zu folgen. ein einträgliches buchstabieren. vorbeten, nachtun. es ist eine ordnung, die der künstlerin halt verleiht. und so folgte die zuschauerschar im gut gefüllten strom einem immer wieder gleichen muster. einem zögerlichen beginn, in dem die instrumente pferden gleich mit den hufen scharren, folgt der ausbruch und die entladung. die gitarren fetzen und erhalten durch die schwere der schlagzeugwucht ihre energetische bestätigung. songs aus dem neuen album "it's up to emma" changierten dabei zwischen der fragilität angelehnten gesangs und dem punch eines organischen krawallschlages.


eine verlorene liebe, und du kannst sie zeile für zeile buchstabieren, ist eine verlorene liebe. und wovon sollten wir sonst zehren, wenn nicht vom schmerz, der uns an uns bindet. und wovon sollten wir sonst erzählen, wenn nicht vom geschlagen sein. und was ist unsere größte triebfeder, wenn wir nach ausdruck suchen. der schmerz. er hinterlässt spuren. wie die strähnigen haare im gesicht. wie die ausgezerrten züge, die licht entsagenden falten, das falsche schmunzeln, die tränennassen augen. "could this possibly be?" wird zum stärksten und bewegendsten stück, weil die sezierten elemente ihren ganz eigenen reigen um diese unbeantwortete frage tanzen.


es war ein abend, der von einem magengrimmen begleitet war. ja, man möchte teilhaben an der kunst des ausdrucks. auch um seines schmerzen willen. aber soll es auch eine kunst sein, an der man zerbricht. derentwegen man in die knie geht, weil sie als mittler vielleicht nicht mehr taugt? der umsorgenden hege des blues ist scout längst entstiegen, im blinden treugesang des metals ist sie längst heimatlos. die eigene melange aus wütender ruppigkeit und blinder, kindlicher folgsamkeit wird zum störfeuer, das das schiff nicht in den heimatlichen hafen der geborgenheit führt.
man wollte sie in den arm nehmen und trösten. doch war sie längst über alle bergen, den rucksack geschultert, in dem sie wohl all das mit sich führt, was sie längst abgeworfen haben sollte. 

scout niblett - gun

Mittwoch, Juni 12, 2013

neue töne (1294): ashley eriksson


alles ist information, alles recherche. abschreiben ok, aber man wird so den dingen nicht auf den grund kommen. wenn ich etwa bei einigen blogs lese, wie sie promotextchen übernehmen, hilflos formulierungen nachstammeln und content schaufeln, wird mir schlecht. weil sie den leser in übler weise betrügen. sie zeichnen keinerlei art von berührtheit, von persönlicher empfindung nach. und darum ging es doch. oder? ashley eriksson muss man auch in besonderer weise nachspüren. da sind diese piano betriebenen popsongs, die ein frischwind siebziger jahre feeling aufkommen lassen, weniger blumenkind- als die abba- abteilung. da ist dieses weich warme weibliche organ, das sich scheinbar nie anzustrengen hat, gleich welchen herausforderungen es sich stellt. da gibt es ein paar ornamente, die den hauptakteuren aber nicht nachstellen, sondern lediglich das garniergürkchen darstellen. etwas trompete beispielsweise, ein leichter perkussionshauch vielleicht, nicht mehr. dass es sich mit "colours" bereits um das dritte album von eriksson handelt, erfährt man nicht unbedingt auf k records, die lediglich damit angeben, dass es sich um die erste veröffentlichung der in olympia beheimateten künstlerin auf ihrem label handelt. doch über lost sound tapes bewegen wir uns etwas tiefer in das auge des aufdrehenden tornados. das kassettenlabel hat "colours" nämlich bereits im letzten jahr herausgebracht. die vierzehn tracks wurden natürlich auf magnetband veröffentlicht. und schließlich finden wir hier auch den hinweis auf die ersten beiden solowerke der lake musikerin (ja, ashley ist natürlich gründungsmitglied der ebenfalls in olympia stationierten k records band): "decarnarnation" und "seasonal music" kamen seinerzeit auf brown interior music heraus .

ashley hat wirklich früh angefangen sich mit musik zu beschäftigen. gerade in den ersten kindertagen sang und beklopfte sie instrumente. ab der dritten klasse bekam sie professionelle unterstützung, sie sang in einem kinderchor. in der junior high traf man sie häufiger mit der gitarre an, um beatlessongs einzustudieren. förderung erhielt sie später durch ihren älteren bruder, der ihr unter anderem beibrachte, wie man homerecording mittels eines tascam betreibt. nach einem kurzen intermezzo an der l.a. highschool kehrte asley an ihre heimatliche high zurück, um sie zu beenden. das tägliche vierstündige pendeln war zu viel. nach und nach deckte sich die aufstrebende musikerin mit immer mehr instrumenten und aufnahmeequipment ein und konnte so mit 16, 17 jahren durchstarten. man spricht wohl insgesamt von sieben soloalben, wovon aber nur benannte drei wirklich in umlauf gerieten. um das biografische zu beenden, die wiederholung des hinweises auf lake. mit eli moore, lindsay schief und kenny tarantino trat ashley ab dem sommer 2006 an, um mit mittlerweile fünf alben zu begeistern.
nun also "colours", das sie erneut mit ihrem mittlerweile acht spuren umfassenden gerät aufnahm. das machte sie zumindest flexibel, so dass die recordingsession an den unterschiedlichsten plätzen stattfanden. dort wiurde sie auch auf ganze eigene weise inspiriert, wie von diesem john lennon song. wie war das doch gleich? findet es doch selbst heraus! 
beide nachfolgenden songs sind auf dem neuen album. k records verschickt mitte juli.

ashley eriksson - arguably by lost sound tapes

Dienstag, Juni 11, 2013

glotzt nicht so romantisch (510): we aeronauts


ein wenig beschwingter pop gefällig? we aeronauts kämen da genau richtig für dich. hook geladen und mit raffinesse bewährt, schlägt die siebenköpfige band aus oxford zweifelsohne quer. das video zur aktuellen ep, der zweiten in der karriere der band, präsentiert den leadtrack. daneben gibt es auf der "don valley" ep weitere drei zuckerige lieder, die perfekt in den erhobenen kanon passen. mal mit trompete, dann wieder mit mandoline, immer voller enthusiasmus, mit tollen stimmen und hymnischem charakter. sehr fein.


eingestreut (525): will stratton


auch so geht das manchmal. seine karriere habe ich mit verfolgt und mich an seiner musik gelabt. am ende blieben immer nur ein paar randnotizen. dabei hätte es mindestens das letztjährige "post empire" verdient, dass man sich ihm näher zugewendet hätte. doch will stratton drängt sich nicht auf, es ist zwar keine leisetreterische musik, die er uns vorgibt, doch eine rückwärtig gebundene. sie arbeitet auf und übt nicht den angriff mit horn und trompete. will wurde 1987 in kalifornien geboren, wohnte aber vornehmlich in new jersey. früh bekam er seine ersten klavierstunden. philosophie und komposition gehörten später zu seinen studienfächern. mittlerweile wohnt will in brooklyn. sein erstes album" what the night said" nahm er 2005. es erschien zwei jahre später, will hatte seine schulische karriere beendet. sufjan stevens beteiligte sich partiell an diesem ersten output. 2009 kam das zweite album heraus, "no wonder" enthielt u.a. auch gesangsunterstützung von essie jain. das dritte und vierte album folgten: "new vanguard blues" und "post empire". eine ausgiebige europatournee absolvierte stratton gemeinsam mit paleo. noch in 2012 diagnostizierte man krebs bei stratton, den er erfolgreich mittels chemotherapie und chrirugischem eingriff bekämpfte. daraus ergibt sich auch der vornehmliche grund dieses postings.
ein berg rechungen liegt noch unbezahlt auf dem küchentisch wills. so sahen sich freunde des singer/songwriters aufgerufen, eine kleine benefitaktion ins leben zu rufen. zwölf bands und künstler haben sich einige von wills songs vorgenommen und sie gecovert. kid in the attic, zachary cale, david garland, trevor wilson und viele andere mehr sind dabei und haben ein wirklich tolles werk gezwirbelt. auf bandcamp wird es ab dem  heutigen 11. juni erhältlich sein. sämtliche erlöse daraus werden in vollem umfang an will weitergeleitet. abgesehen davon, dass es sich um eine feine aktion handelt, ist es im ergebnis eine herausragende musikalie. bittet überzeugt Euch selbst davon und reiht Euch schließlich in den kreis der spendenden.
randnotiz. will stratton hat ein neues album im lauf. hoffen wir, dass er es uns bald zum besten bringen kann. ich werde dann sicher mehr übrig haben als nur eine kurze erwähnung.


1. Matthew Carefully & the Memorial Concern - "Who Will" (No Wonder) 
2. Wilder Maker - "The War is Over" (New Vanguard Blues) 
3. Beat Radio - "You Divers" (Post-Empire) 
4. Kid in the Attic - "Do You Remember the Morning" (New Vanguard Blues) 
5. NY Lights - "If You Wait Long Enough" (Post-Empire) 
6. Sam Moss & The Ineligible Bachelors - "The Relatively Fair" (Post-Empire) 
7. Zachary Cale - "Bluebells" (New Vanguard Blues) 
8. David Garland - "Vile Bodies" (Vile Bodies EP) 
9. Alexandra Drewchin and Aaron Roche - "Post Empire" (Post-Empire) 
10. Trevor Wilson - "Colt New Marine" (Post-Empire) 
11. Jesse Rifkin - "Katydid" (What The Night Said) 
12. Thibault Rivrain - "Honey Diamond" (Post-Empire) 
13. Will Stratton - "For Franny Glass" (live on WNYC's Spinning on Air) (No Wonder) 

ny lights - if you wait long enough
 

kid in the attic - do you remember the morning
 

Montag, Juni 10, 2013

ein (p)fund mp3 (441)

ob er mit diesem werk seine finanzielle misere wird überwinden können, steht in frage, aber ein paar begeisterte wird er zu entdecken haben, die ihm mit neuem album "me moan", ab 12. juli auf sub pop, auf den leim gehen werden:  
daughn gibson - reach into the fire
daughn gibson - the sound of law by subpop

hinter diesem pseudonym versteckt sich der washingtoner john masters, der unter anderem in den bands von metropolitan und the cheniers sein können einbrachte, nun aber in solo unterwegs ist, erste musikalische momente teilt er auch mit uns: harness flux:
harness flux - room service by johnnymetro

sie verstehen sich als indierockband und wollen somit das erbe von wolf parade oder guided by voices antreten, die brooklyner haben ein neues minialbum am start, "better" erhielt unterstützung durch einige bon iver mitglieder, ein belebender ausschnitt: bridges and powerlines:
bushwick by bridges and powerlines

"generic treasure" heißt sein neues album und wird am 07. august auf don giovanni records erscheinen, joe steinhardt gefällt an akustischer gitarre und mit monotonem gesang, Euch auch, mir schon: modern hut:
modern hut - history by don giovanni records

es ist das erste lebenszeichen vom neuen album, "set out to discover" weist also in richtung "remedies ahead", einem album, das das duo via kickstarter zu finanzieren wusste, auf bald (release am 16. august via sinnbus) mit: rue royale:
rue royale - set out to discover by sinnbus

secret seven records veröffentlicht ein neues album "cold, cold" world", welches im juli erscheinen wird, townes van zandt sagte über den protagonisten: “he is one of the most spiritual cats I’ve ever met; an ace finger picker; a writer who never shirks the truth.": blaze foley:
blaze foley - small town hero by secret seven

das folkpopduo aus russell efros (vocals, guitar, synth) und drew cooper (guitar, banjo) aus brooklyn kommt uns mit ihrer ersten single "broken cabins" zur bald erscheinenden "the broken ep", vortesten hier bei uns: over nights:
broken cabins by over nights

das trio stammt aus cincinnati und hat sich auf poppunk versteift, was nur auf den ersten blick blöd ist, auf den zweiten macht es garantiert spass, das album "candy waves" erschien am 18. juni auf don giovanni: vacation:
vacation - candy waves by don giovanni records

sie stammen aus der gegend um l.a., spielen gerade ihre zweite veröffentlichung ein und gehen das ganze ganz handzahm an, bewusst, gewollt und mit verstand: we are the west:
cauliflower ears by we are the west

"it feels like he's pulling and sliding the steel strings through your head, from one ear to the other. ~ 60 minutes (incl bonus) of lapsteel guitar meditations and concrete drones.", schreibt treffend dying for bad music, die den release in fein verpackter cdr version herausbringen: rag lore:

 der sommer ist da, nun brauchts noch die richtigen tracks dazu, new moss records veröffentlicht am 06. august "no makeup" des jungen vieres aus portland, herrlich verbratzt das ganze: summer cannibals:


mit "little life" legt fire records eine kollektion von homerecordings vor, die die singer/songwriterin bereits 2001 aufgenommen hatte, zumeist an der ukulele vorgetragen, inspiriert von ihrer arbeit mit kindern als musiklehrerin: josephine foster:
josephine foster - shay shay by teamclermont
 
guardian alien
06/06/13 Darmstadt (DE), Oetinger Villa
07/06/13 Dresden (DE), Discorporate Festival
09/06/13 Hamburg (DE), Hafenklang
11/06/13 Berlin (DE), Westgermany

phoebe kreutz  + dibs
24.06. Wien (AT) - rhiz
25.06. Zürich (CH) - Café Henrici
26.06. Ludwigsburg (DE) - Flint
27.06. Ravensburg (DE) - Mäkinen
28.06. Mannheim (DE) - Der Bock
30.06. Mainz (DE) - Dicke Lilli, Gutes Kind (afternoon show)
01.07. Gießen (DE) - Garden show
02.07. Frankfurt (DE) - Basis e.V.
03.07. Nürnberg (DE) - Hemdendienst
04.07. Dresden (DE) - Nikkifaktur
05.07. Leipzig (DE) - Frauenkultur
06.07. Berlin (DE) - Down By The River Festival @://about blank
08.07. Castrop-Rauxel (DE) - Garden show
09.07. Ibbenbüren (DE) - Café Jam
10.07. Oldenburg (DE) - Alhambra
11.07. Hannover (DE) - Galeria Lunar
12.07. Bremen (DE) - Kurzschluss
13.07. Hamburg (DE) - Woody Bash IV @Hasenschaukel

Sonntag, Juni 09, 2013

glotzt nicht so romantisch (509): d. mc carthy & bonnie p. billy / the duke of norfolk / o emperor / mile me deaf

"what the brothers sang" steht in meiner diesjährigen albenliste weit oben, die kollaboration der beiden folkartisten, die songs von the everly brothers neu auferstehen lassen, ist ein volltreffer, mit "omaha" gibt es eine neue videoauskopplung aus dem werk:dawn mccarthy & bonnie "prince" billy:



diese drei jungs stammen aus tulsa, hatten jüngst ihre fünf songs umfassende ep "le monde tourne toujours" auf mint 400 records veröffentlicht, die vorbereitung auf das debüt, welches ende 2013 erscheinen soll, laufen, hier ein video eines kleinen zwischenstops: the duke of norfolk:



einen ersten hinweis auf das neue album "vitreous" gibt es bereits, "holy fool" wurde als single auserkoren und weist nun auch bebildert auf die am 21. juni auf k&f records erscheinende veröffentlichung hin: o emperor:




die neue ep "brando" erscheint am 21. juni auf siluh records, untermalt wird sie in der vorschau durch ein video, das perfekt die gangart der band aus österreich buchstabiert, das klienicum ist längst fan: mile me deaf:



mile me deaf
15.6. AUT – Villach, Kulturhofkeller
18.6. AUT – Wien, WUK
20.6. GER – Köln, c/o Pop – Gloria Theater
22.6. GER – Köln, c/o Pop – Chic Belgique
23.6. AUT – Wien, Donauinselfest
25.6. CRO – Zagreb, Inmusic Festival

Samstag, Juni 08, 2013

eingestreut (524): julianna barwick


bei julianna barwick könnte ich in die tiefen des klienicums eintauchen und würde einige notizen erhalten. könnt Ihr aber auch tun, wenn Ihr interesse habt. die nachricht des tages ist, dass die dame, die aus lousiana stammt, ein neues album an den start bringt. es wird das dritte ihrer karriere sein, auf "nepenthe" hören und am 16. august auf dead oceans erscheinen. aufgenommen wurde es in island, wohin barwick von alex somers, dem produzenten von sigur rós und jónsi & alex, eingeladen wurde. die geschichte dazu lautet ungefähr so, dass die musikerin die schnellste email ihres lebens schrieb, um die anfrage zu beantworten: das "ja!" kam wie aus der pistole geschossen. unterstützt wurde die kollektivarbeit durch das streicherensemble amiina, den gitarristen róbert sturla reynisson von múm sowie einen mädchenchor. die überschrift für das nun auf einem neuen label erscheinende album bezieht sich übrigens auf eine im antiken griechenland bekannte droge, die kummer und sorgen vergessen machen sollte. julianna sucht also einen musikalischen weg durch den unbill der zeit, ließ sich dabei aber ganz von der neuen erfahrung tragen, dass sie mal nicht in ihrem appartment in brooklyn aufnehmen musste. wir sind gespannt, können aber leider noch keinen musikalischen ausschnitt vortragen (gema sei dank, die einen ersten teaser sperrten).
tracklisting: 1. offing 2. the harbinger 3. one half 4. look into your own mind 5. pyrrhic 6. labyrinthine 7. forever 8. adventurer of the family 9. crystal lake 10. waving to you

Freitag, Juni 07, 2013

neue töne (1293): pandelindio


feathered coyote records hat es sich zur gewohnheit werden lassen, seine veröffentlichungen immer in ganzen schüben zu vertreiben. so durfte man sich im frühjahr dieses jahres eben nicht nur mit einem release beschäftigen, sondern gleich mit einem ganzen sack voll (siehe beispielgebend a story of rats/bird people, sashash ulz). da die mischung aber durchaus als bunt zu bezeichnen ist, wählt man ganz nach stimmung aus. dies betrifft auch die hinwendung in sachen einer rezension. heute ist es zeit für das argentinische projekt pandelindio, in dessen bezeichnung schon einiges mitschwingt, was hier von bedeutung ist. der gründer dieses sowohl als soloprojekt als auch als kollektiv betriebenen unternehmens ist federico fossati. er hat sich für die hier vorliegenden aufnahmen "fuego y soma" pablo picco (von Ø+yn) zur seite genommen, um mit ihm drei tracks einzuspielen. die beiden musiker verwenden dabei neben box tambura, didgeridoo, violin, shehnai, bansuri und harmonium auch einiges an field recordings und gesanglicher einfügung. aufgenommen wurde in cordoba, veröffentlicht im märz. feathered coyote records hat, wenn ich es richtig recherchiert habe, noch einige exemplare der kassettenveröffentlichung im lager. wobei neben der beschränkten auflage auch auf den zügigen ausverkauf zu achten und sich somit zu beeilen ist.
die musik auf den stücken mit spielzeiten von rund 17, 5 bzw. 20 minuten ist zunächst unter drone zu subsumieren, wobei die indischen bzw. fernöstlichen komponenten, einflüsse nicht zu unterschätzen sind. kleine glöckchen führen zu einem verfremdeten läuten und klingeln, die sounds aus der nordindischen oboenart shehnai bzw. der ebenfalls aus indien stammenden flöte bansuri dominieren aber zweifelsohne das klangbild. während immer wieder unruhige charaktere in diesen ungewöhnlichen mustern auszumachen sind, bleibt der gesamteindruck ein ausgewogener, befriedeter. das fremde bricht sich am hypnotischen, am kontemplativen, am konzentrierten. es ist ein der atemkraft geschuldetes auf- und abschwellen, als wollten sirenen niemals einhalt gebieten, als stünden die feuer beständig vor den toren. wärmend fügt sich ein brummeliger basston. verschworene minuten hält der zweite track bereit, am harmonium entspinnen sich konspirativ die notenbündel, die in aller gebotenen ruhe von der flöte engegen genommen und in lichte gefilde transportiert werden. schließlich wabert der dritte song durch den raum, der wohl übersetzt so viel bedeutet wie 'man kommt nur durch die nacht zur morgendämmerung'. wieder flöten, nun aber angesetzt an traulichen, religiös anmutenden gesängen, untermalt von einem präsenten drone.
es bleibt dabei: die produkte, die uns feathered coyote an den start bringt sind so außergewöhnlich wie sie gut sind.

pandelindio - danza para indra by feathered coyote records

Donnerstag, Juni 06, 2013

eingestreut (523): discorporate festival 2013, 07. / 08. juni


so, lasst uns noch flott auf das diesjährige discorporate festival aufmerksam machen, das am 07. und 08. juni in der scheune dresden stattfindet. bevor hier einer von den schlauen anmerken möchte, dass das fest vielleicht dem hochwasser zum opfer fallen würde: nein, tut es nicht. es findet statt. die veranstalter sind sich dessen sicher.
gestartet wird am morgigen freitag abend mit einem ersten set von schnaak. danach werden noch guardian alien, bulbul, fenster, tarentatec, we insist! und dirty happah antreten, wobei die reihenfolge, dies betrifft auch den kommenden samstag, noch nicht bekannt gegeben wird. am folgetag stehen dann za!, the dropout patrol, gnarled bikers jamband, noch einmal schnaak mit einer full show, zentralheizung of death, pttrns und freeze puppy auf dem plan. informationen zu den künstlern und ihren auftritten findet Ihr auf der homepage des festivals. lasst Euch ja nicht erwischen, dass Ihr an diesen zwei tagen faul und träge vor der glotze hängt und so ein paar herausragende künstler verpasst. die menschen von discorporate records haben zur einstimmung einen sampler gebastelt, den Ihr hier komplett und bei uns in teilen hören könnt. 



ein (p)fund mp3 (440)

die selbstbetitelte ep kam am 28. mai heraus, mit "loner" bewirbt der vierer aus ontario, der sich in der tradition von band of skulls oder auch metric sieht, sein sechs tracks umfassendes werk: the beaches:
  loner by the beaches

wien, wien, wien, so langsam entwickelt sich die österreichische metropole zur hauptstadt des musikalischen undergrounds, der dazu noch nach und nach an die oberfläche suppt, die hier vorgestellte band bringt mit "licht" (auf blackest ever black) gerade ihr debütalbum an den start: shampoo boy:
shampoo boy - gift by blackest ever black

die namen daniel o'sullivan und alexander tucker gereichen dem kenner zu einem schnalzen mit der zunge, gemeinsam firmieren sie unter einem netten moniker und veröffentlichen am 22. juli auf thrill jockey einen 13tracker namens "glybbaestra", zum reinhören, bitte bleiben: grumbling fur:
grumbling fur - dancing light by thrill jockey records


neko case, kd lang oder auch mitglieder von the decemberists haben die portlanderin bei ihrem neunten album unterstützt, bella union veröffentlicht "warp and weft" am 19. august, überbrücken bitte mit einem ersten appetithappen: laura veirs:
laura veirs - sun song by bella union

die violinistin und komponistin aus montreal kennt man weniger aus soloaktivitäten (die betreibt sie konzentriert seit ca. 2011), sondern eher aus umfeldern wie arcade fire, bell orchestre oder esmerine und andere mehr, ihr solodebüt "hero brother" erscheint am 20. august auf constellation: sarah neufeld:
sarah neufeld - hero brother by constellation records

am 28. mai erschien auf dead oceans das neue album "saltwater" der in chapil hill beheimateten band um martin mcnulty crane v., auf dem er unterstützung von spencer zahn am bass und ian chang an den drums erhielt:
brazos - how the ranks was won

eines der spannensten projekte dieser zeit, und mit diesem gedanken steh ich bei weitem nicht alleine da, das trio aus luxemburg ist auf tour und lässt uns dabei an ihrem debütalbum "the spy" teilhaben: monophona
shades of grey by monophona

ein alter bekannter beim schwedischen labrador label ist der suburban kids with biblical names mann längst, in solo tritt er nun ab 12. juni mit nachfolgender single, im herbst gar mit ganzem album an: johan hedberg:
johan hedberg - nackamasterna by labrador records

das duo stammt aus austin und leitet die promotion auf sein erstes full length mit einem ersten track ein, "brass knucks" bereitet damit also auf "kd tested, father approved" vor, welches am 13. august auf vinyl und als download auf eigenem label erscheinen wird: feuding fathers:
brass knucks by feuding fathers

die ofxorder band bietet ihren zweiten track "face the day" zur freien verfügung an, um auf die kommende ep, sie erscheint im august, aufmerksam zu machen, aufgenommen wurde in den safehouse studios mit tim roberts und kit monteith: artclasssink: 
face the day by artclasssink

verwunschen knarzig geht es beim neuen mexican summer signing zu, der legt mit nachfolgendem track gleich mal einen vor und die messlatte für die kommende "making love" ep (23. juli) recht hoch: travis bretzer:
travis bretzer - trying to learn by mexican summer

das album heißt "zzoorrcchh" und wird am 23. juli auf sargent house erscheinen und ist das produkt des austiner duos: zorch:
  zorch - this is the way it goes by sargent house

so, das wars jetzt, flink noch die londoner band um den singer / songwriter stef bernardi vorgestellt, die im letzten jahr ihre erste single veröffentlichte, nun nachlegen wollen: whales in cubicles:
disappear by whales in cubicles
 
dead western
20.06. DE Freiburg, White Rabbit
21.06. DE Fürth, Babylon
22.06. DE Erfurt, Franz Mehlose
23.06. DE Halle, Hühnermanhattan
24.06. DE Leipzig, NBL
25.06. DE Berlin, Villa Neuköln
26.06. DE Hamburg, Molotow
27.06. DE Bielefeld, Ajz
28.06. DE Lärz, Fusion Festival
29.06. DE Cologne, Club Privat
04.07. DE Darmstadt, Oettinger Villa
13.07. DE Würzburg, Kult Sommerfest
25.07. DE Karlsruhe, Kohi
26.07. DE Weimar, Galerie Eigenheim
27.07. DE Dresden, Scheune

javelin
10/06/13 Hamburg (DE), Astra-Stube
11/06/13 Berlin (DE), Westgermany
12/06/13 Leipzig (DE), Ilses Erika
14/06/13 Muenchen (DE), Milla Club
15/06/13 Koeln (DE), Klub Genau

Mittwoch, Juni 05, 2013

neue töne (1292): margaret unknown


max bogner zu fassen, ist insofern schwierig, weil er sich nicht nur trefflich hinter dem weiblichkeit gemahnenden moniker margaret unknown versteckt, sondern sein name zugleich in verschiedenen kollaborationen auftaucht, unter den verschiedensten vorzeichen und funktionen. so macht sich bogner unter anderem als veranstalter des mo.ë in wien verdient. in der heimatlichen szene ist er fester bestandteil, wenn es darum geht, die worte experiment und klangkunst zu definieren. auf margaret unknown bin ich mit seiner 2012er veröffentlichung "rooms" gestossen, einer zwei tracks umfassenden soundfaszination, bei der field recordings mittels verfremdung in neue welten gestossen werden.
mit "ebó" legt der österreicher dieser tage eine neue aufnahme vor. über mehr als 21 minuten erforscht er klangfarben und -muster, hängt tönen nach und experimentiert mit lebendigen sounds. zur hilfe genommen werden dabei saitensinstrumente, das scharren und schaben darauf ist zu identifizieren, klangschalen, deren scheppern weniger ein blechern denn eine echoisierende erinnerung sind. wie passend, dass der release der kassette auf dead bodies on mount everest records erschien (april 2013). manches mal sah ich gebetsfahnen vor dem inneren auge flattern. abschließend ergänzt sieht sich bogners stimme, die er verfremdet, modulierend einsetzt und so seiner außergewöhnlichen, improvisatorischen musik zu kontrapunkten verhilft. eine linearität ist auf den ersten blick nicht auszumachen, aber im zusammenspiel der stilisierten elemente finden sich fluchtpunkte und markierungen. nicht zuletzt entfaltet sich eine materialisierte struktur, an die findig neue klangerlebnisse gehängt werden. der gitarre werden flinke läufe entwendet oder schraffierend verlegenheiten entlockt, der gesang mustert anstrengung. glauben macht sich der rezensent, dass eine steigerung an intensität zu spüren ist hin zu ausbruchsähnlichen situationen, da ein geschrei, ein noch vitaleres, manisches tun den gedanken an ein sich form gebendes ritual unterstreicht. mit "ebó" benennt sich ein ritual der santeria religion, das als werkzeugt genutzt wird, um das schicksal zu ändern bzw. um in ein leben zurückzukehren in einem ausgewogeneren und gesunden zustand. den prozess von reinigung und das finden von balance kann man in gewisser weise also mit verfolgen. wie fluoreszierende lichter unwirkliches demonstrieren, so schießen fremdartigkeiten in die stille. bitte kontakt aufnehmen mit dem künstler, wenn Ihr neugierig geworden seid.

Dienstag, Juni 04, 2013

eingestreut (522): coho lips


die 'eingestreut' rubrik enthält die ganz kurzen informationen, dem titel gerecht werdend. wenn solche werke wie das von frontier ruckus abgearbeitet wurden, brauche ich eh erst einmal eine pause. irgendwie schwebt emotional immer etwas nach. doch solche schmankerl wie das vorliegende möchte ich dann doch nicht unberücksichtigt wissen und vor allem nicht nach der zeit präsentieren. auch wenn musik nicht schlecht wird, so möchte der eine oder andere doch zeitnah zugreifen. zumal es hier um vinyl geht, was oft genug schnell verkauft ist. im vorliegenden fall ist das gut vorstellbar, denn das belgische duo coho lips hat eine vergangenheit. arne van petegem wird der funktion nach als produzent bezeichnet (auf facebook fügt er sich modular/fx/percussion hinzu), und man kennt ihn von styrofoam. chantal acda dagegen spielt auch bei sleepingdog eine rolle und ist in vorliegender formation als sängerin kenntlich gemacht (facebook sagt zusätzlich: words/cuttingfloor). die gemeinsame debüt ep legen sie auf circle into square vor, einem wirklich exquisiten label, wer hier mitliest, kennt meine begeisterung für das unternehmen, das von den mitglieder von the harvey girls geführt wird. das label schreibt zum electronic projekt folgendes: "the duo create glitchy polyrhythmic electronic music along the lines of arthur russell, with huge reverb laden vocals." die ep enthält dreißig minuten musik und wird am 25. juni erscheinen. video und vorabtrack halten wir Euch zur einstimmung bereit.


eingestreut (521): avarus


es sind nur noch einige wenige exemplare zu haben, so schreibt es jedenfalls der labeleigner von pome pome tones jeffrey alexander. der steht dem finnischen kollektiv avarus mit seiner elektrischen gitarre auch bei, um dem sehr freigeistigen rockausflug auf die sprünge zu helfen. daneben zeichnen sich aus jukka räisänen am bass, lars mattila ebenfalls an der e-gitarre, arttu partinen an perkussion, moritz kleiner und tero nisaken am synthie. aufgenommen wurde "salon des amateuers" in der kunsthalle düsseldorf. die zwei tracks, jeweils über zwanzig minuten lang, wurden auf vinyl gepresst und in einer auflage von 200 stück nun also bereits fast vollständig an den mann gebracht. diese stoischen weisen aus psych motiviertem sollte man sich nicht entgehen lassen. gänzlich unaufgeregt agiert hier ein florettierender bass und ein rhythmusbeauftragter, der vor allem auch eines ist: zurückhaltend. im vordergrund stehen die extrem würzigen synthie- und electronicaausflüge, die texturen zeichnen, die dann von wenig hölzernen gitarren angängen durchkreuzt werden. flirren, sirren, waberndes, drone flankieren das nämliche erwachen. die veröffentlichung ist mit dem 01. juni beziffert, bandcamp serviert die höreindrücke, bei kaufentschlossenheit bitte per email kontakt aufnehmen. 
 

Montag, Juni 03, 2013

frontier ruckus - eternity of dimming (2013)


die erstaunlichkeit von "eternity of dimming" findest du nicht im quantitativen besatz von zwanzig tracks und einer spielzeit von etwa eineinhalb stunden. du findest sie in der genauen beschreibung und bezifferung einer amerikanischen vorortjugend. du findest sie in den bebilderten abstrusitäten, die in den augen eines heranwachsenden immer mehr zu monstrositäten erwachen. in der rückschau aber begründung für den späten seelischen unfrieden sein werden, ein mosaik, das die sonnengebleichten vhs kassetten auf den schlafzimmerregalen erinnert, die aggressiven fußballtrainer, die fauchende sauerstoffflasche der über das kreuzworträtsel gebeugten großmutter und die massigen kopiergräte der für kurze zeit wohlhabenden nachbarn nicht übersieht sowie die fürchterlichen geburtstagsfeiern und den pornoladen hinterm taco bell festhält.

die erstaunlichkeit einer im zerfall befindlichen welt also, die nach und nach von grobkörnigkeit und schrittweiser dämmerung erfasst und schließlich zerstört wird. die erklärung ist für das ungleichgewicht, für die fehlende balance, die einem nachgeht wie schlechter körpergeruch. und zugleich präsentation von echtheit ist, von etwas, was wirklich gewesen ist. ein zeitgeschichtliches dokument, das überdauert. es ist kein entlehnen, sondern in worte gefasste erinnerung. kein beweihräuchern ausgewählter folkloristischer standards, kein überzeugt sein wollen von großstädtischer kulturambition. es ist nahbarkeit, echtheit.

über 5500 worte hat es dafür gebraucht. das kapitel ist damit zugleich auch beendet. eröffnet wurde es von frontier ruckus 2008 mit "the orion songbook" und fortgeführt mit dem 2010er album "deadmalls & nightfalls". dieser folk findet seine befriedigung, und nennen wir es beim namen, seine berechtigung erst über den narrativen ansatz. nicht dass die musik des vierers aus dem bundesstaat michigan nicht für sich stehen konnte, so erreicht sie doch erst ihre monumentalität durch die lyrischen klarheiten und offenbarungen des herrn milia in aller gebotenen unausgewogenheit und länge.

das windige banjopicking erhält seine ganz persönlichen weihen, wenn es sich am kehligen gesang des bandvorstands labt. das dribbelige drumming ergänzt in perfektion die berichte von den leidenschaften eines adoleszenten. keyboardzauber, streicherweisen, pianofetzen, ornamente geistreicher staffagebemühungen respektive -erfolge um ziselierte, nie überladene arrangements. harmoniegesänge sorgen für nötige potenz.

der sprung zur berührtheit ist ein kleiner. die ansprache, als hätte man eine von angesicht zu angesicht kommunikation, ist direkt und von einer klarheit, wie man sie auch unter freunden nur selten gewährt."eyelashes" und "black holes" sind zudem opener, die nicht zögerlich am büchsenrand ruckeln und zerren müssen, sondern die mit einem schwung an das gemüse im blech lassen. "i buried you so deep" ist mittendrin ein außerordentlicher höhepunkt, während das banjo pluckert, dimmen streicher das licht. im tempo bleibend beendet "i met rebecca" die erste der beiden scheiben.

die zweite langspielplatte beginnt mit dem elegisch verhaltenen "eternity of dimming", einer versonnen strahlenden harmonielehre. selten greinte milia trefflicher. "if the suns collapse" flirrt an banjo und orgel wie ein vergnüglicher frühsommerlicher brummer, 'deserve' reimt sich auf 'reserve', 'naps' auf 'collapse', "if i die it could be today and all i see all that i free will be okay". "nightmare of space" hat streicher zu bieten und kommt uns im gewand transformierter 20er jahre weisen. ein ungewöhnlicher track, der an flimmerstunden des nachts erinnert, als einem fremde bilder entgegen schauerten. "surgery" ist bestes beispiel, wie die musik den worten flieht, aneinander gereihte erinnerung. 

worte, die sich wiederholen, anschlüsse, die hergestellt werden müssen. bezüge, konkretisierungen. verallgemeinerung hier, detalliertes beschreiben dort. der masse eine eigenschaft verpasst, später an sich selbst wiederentdeckt. milia setzt sich nicht ab, in dem er einen nimmermüden kritsichen blick zurückwirft. er inszeniert nicht, nein, er wahrt den moment, in dem er  kurz den scheinwerfer auf eine szene wirft. "dealerships" forciert später noch einmal, knipst dieses folk- hochgefühl ein, wenn die instrumentale vielfalt unter dem gewicht der schnellen fahrt selbst die aufzählung, die reihung vergessen macht. denn die worte sind allgegenwärtig, sie machen die musiker untertan und verleihen dem album eine schwere, die es nicht immer stemmen kann. längen, die man aber auch in romanen in kauf zu nehmen gewillt ist, wenn die story und die erzählweise stimmt.
"eternity of dimming" erschien im februar auf loose music.

frontier ruckus - eyelashes by loose music

Sonntag, Juni 02, 2013

eingestreut (520): scott & charlene's wedding


wow, ist das ein geiler track. gerade so noch geradeaus, aber genau die ecke schlingernd und waghalsig, wie die nummer es verträgt. die stimme verkantet, die gitarren ausgezeichnet leiernd, der beat stupide und präzis. groß! dahinter steckt eine band namens scott & charlene's wedding, die mitte juli ihr neues album auf fire records anträgt. unter "any port in the storm" werden elf neue tracks veröffentlicht, hinter denen vor allem der in melbourne geborene und mittlerweile in new york lebende sänger und songwriter craig dermody steckt. slacker pop wäre wohl eine brauchbare genrebezeichnung für diese lieder, in denen von den bitternissen eines lebens in der fremde genauso erzählt wird, wie von der sinnlosen hetze dem herzensmädchen hinterher. critical heights hatte das debütalbum "para vista social club" und die nachfolgende ep "two weeks" wiederveröffentlicht, das nun erscheinende werk steht für eine zweijährige pause, in der sich genug stoff angesammelt hat, um ihn der welt kundzutun. im juli ist die truppe weitläufig im uk unterwegs, ich würde sie gern auch hierzulande sehen.

scott & charlene's wedding - fakin' nyc by fire records

Samstag, Juni 01, 2013

neue töne (1291): alice boman


musik passt zu einem wie schuhe an den fuss. manche sitzen von anfang an perfekt, andere muss man einlaufen. wie das mit alice boman und mir ist, weiß ich noch nicht. vielleicht renn ich sie mir auch noch zurecht. immerhin ist da etwas, was mich zum niederschreiben bewegt. am 22. mai erschien auf adrian recordings ihre ep "skisser". das bedeutet so viel wie skizzen. hört sich natürlich wie eine schutzfunktion an, man könnte später behaupten, man wäre ja noch nicht ganz fertig gewesen. aber eventuell steht der ep titel auch für die tatsache, dass die junge schwedin manche songidee erst wieder aus der erinnerung speisen musste.jedenfalls hatte sie die mannen ihres labels schnell davon überzeugt, dass man die fünf tracks schleunigst zu veröffentlichen habe. die heißen dann wenigstens zum teil auch folgerichtig "skiss 8" oder "skiss 2", und bieten dabei verhuschten pop auf, der in aller geruhsamkeit einreist und den versuch unternimmt charmant einzulullen. etwas sirenenhaftes. die helle stimme schwebt, das flächige pianoleben hat sich längst gefügt, nun nimmt man angriff auf den hörer. im hintergrund eine selbst eingesungene vokale ergänzung, ein launiges pfeifen aus verschnapsten orgel, das wars. hin und wieder ein verlegener bass oder ein verirrtes knarren, knarzen, das der atmosphäre förderlich sein soll. manchmal gelingt das und man fühlt sich gefangen genommen, manchmal (noch) nicht so. dann wirkt die musikalie unbedarft und ja auch unfertig. vielleicht aber soll das ja genau so sein. und dann reicht dieses schlichten greinen, wimmern aber auch. den schönsten song gibt es zum anhören.

alice boman - waiting by adrian recordings