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Mittwoch, Februar 10, 2016

neue töne (1589): antlered aunt lord


es kann schon sein und es ist ok, dass man noch nie von jesse stinnard gehört hat. er ist der kopf von antlered aunt lord. einer band, die nun erstmals veröffentlicht hat, obwohl es sie/ihn bereits geraume zeit gibt. dank happy happy birthday to me records gelangen die kruden soundabenteuer endlich ans licht der welt. zuvor machte sich stinnard einen namen in athens als wahrlich exzentrischen burschen, den man schon mal als dauergast in 24h restaurants antraf, wo er berge von büchern abarbeitete. stinnard ist autodidakt, der es aber immerhin zum tourdrummer von tunabunny gebracht hat. die luden ihn ein, als ihr hauptamtlicher fellzerstörer kurz vor der abfahrt ausstieg. die bekanntschaft beruhte damals lediglich darauf, dass stinnard die band fragte, ob er ihre konzerte aufzeichnen dürfe. nicht weniger ulkig ist seine bühnenaktivität. die definiert sich durch entblößende gleichgültigkeit, stinnard dreht dem publikum den rücken zu und schreit richtung bühnenabgang ins mikro.
 
antlered aunt lord entzücken durch eine musik, die nicht zu fassen ist, weil sie einem sekündlichen wandsel unterworfen ist. wir müssen uns mit popfetzen auseinandersetzen, die im kern süffig auf melodie aus sind, they might be giants lassen grüssen, aber an den rändern zerfasern. wir erleben harmoniegesänge und stringentes pauken und trompeten. wir erleben narreteien, deren grinsemasken uns ängstigen. da brennen die gitarren und des sängers geschrei fegt durch mark und bein. gekonnt angelt uns die band aber auch bei diesen heißen eisen. während man das glühende metall aus den händen wirft, wird längst die nächste runde geschmiedet und uns übergeben. die pixies sind hier nicht weit. vieles klingt, als wäre es just im moment erdacht, eine hohe flexibilität der mitstreiter wäre unabdingbare voraussetzung. antlered aunt lord sind letztlich eine mischung aus vielerlei einzelteilen, die man zu kennen glaubt. am ende ist diese band, ist dieser typ einzigartig. ich liebe diese art von überraschung(en).
 
der langspieler wurde "ostensibly formerly stunted (and on fire)" getauft, enthält neunzehn tracks und ist auf 200 stück limitiert. erhältlich ist er im hhbtm shop.

Donnerstag, Februar 04, 2016

glotzt nicht so romantisch (671): witching waves


photo by david garcia

von der truppe wollte man Euch gern mehr näher bringen. doch aktuell muss man sich noch mit zwei tracks begnügen, wobei einer davon bereits in videogestalt daherkommt. beide sind ordentlich gedrillte powerpunker, die sich der herben melancholie des new wave bedienen. der langmut und die tristess werden unter straffen gitarren und dem penibel klopfenden schlagwerk aufgerieben. mit "crystal cafe" legt der dreier aus ed shellard (bass), emma wigham (vocals, drums) und mark jasper (guitar, vocals) den nachfolger des erstlings "fear of falling down" (2014) vor. die londoner witching waves veröffentlichen am 26. februar auf soft power records im uk und via happy happy birthday to me in den staaten.
verweisen möchten wir noch auf den splitrelease mit rattle, der ende 2015 auf kassette erschien: klick!



Mittwoch, April 01, 2015

ein (p)fund mp3 (496), teil 2

am 21. april wird ihr neuer tonträger auf ernest jenning records veröffentlicht, "basic song" ist ein toller auftakt, um in den kosmos der new yorker einzutauchen, die band besteht aus craig barnes, joe reichel, doug schrashun und drew st. aubin, man sollte sie im auge und im ohr behalten, oder?: miniboone:


"gunnera" heißt das debütalbum einer ungewöhnlichen musikergemeinschaft, die sich aus danny seim (menomena, lackthereof), bryan devendorf (the national) und dave nelson (david byrne, sufjan stevens) zusammensetzt, jurassic pop records vertreibt es ab 12. mai: pfarmers:


etwas zahmer, nicht weniger gewiss aber ist der appetizer "austria" des dubliners und sängers des grand pocket orchestra, den wir hier mit einer single kennenlernen, welche er am 11. mai auf trout records veröffentlicht wissen will, wir wissen nur noch nicht, ob das ironie, überdrehtheit oder echt ist, Ihr?: paddy hanna:


spannender erster ausschnitt aus dem album "antigravity" welches am 27. april auf blackest ever black erscheinen wird und von drei protagonisten, die der avantgarde entsprungen sind, verantwortet: jac berrocal, david fenech, vincent epplay:


die debütsingle hört auf "heliotrope" und stammt von einem trio aus australien, vielmehr in sydney aufgewachsenen musikern, die mittlerweile in london leben und auf illustrated records am 13. april veröffentlichen werden, sehr cooler, überraschender sound: netsuke:


das schönste zum schluss, mit andy gonzales treffen wir auf ein ex of montreal mitglied, auf einen umtriebigen musiker, der auch bei the music tapes oder mind brains beheimatet ist, am 05. mai wird er auf happy happy birthday to me veröffentlichen, "vangelis rides again" gibt vielleicht die richtung auf den inhalt vor?, wir können dank "hash out, cash out" etwas korrigieren: marshmallow coast:

Sonntag, März 23, 2014

neue töne (1365): muuy biien


den charme der hinterhöfe pflegen die fünf aus athens schon gehörig. martialisch gezeichnet die cover, das debütalbum zierte bspw. vor knapp zwei jahren ein faustkämpfendes duo, hölzern die titel, wie etwa die ep namens "knife fights". andererseits umspült die band etwas von der verlegenheit des aussenseiters. nicht zuletzt ist diese ja oft genug ventil hin zu befreiender aggressivtät. auf "this is what your mind imagines" killen joshua evans, xander witt, robbie rapp, jacob lake und parks miller noch jeden zweifel an entladungsmöglichkeiten mittels brachialem heavy metal. die brutalität zerfetzte gerade noch vor dem trommelfell des hörers. dass sich die truppe damit auf happy happy birthday to me records niederlassen konnte, überrascht im nachgang dann doch sehr. in der regel zeigte sich das label etwas betulicher. vielleicht wusste man im headquarter aber, was da noch kommen könnte. und so zeigte sich in den letzten zwei jahren entwicklung bei muuy biien. hin zu einem wesentlich akzentuierteren sound, der sich nicht vom kraftvollen klangbild verabschieden wollte, aber deutlich nuancierter und einnehmender daherkommt. der bass knallt nunmehr nicht, sondern drippelt und wippelt zuweilen, umspielt den harten beat mit einem schelmischen lächeln. die gitarren rühren den nektarartigen klangbrei bis er flüssig von den saiten rutscht. dem gesang muss man wohl als einzigem attestierten, dass er gegenüber dem vorgängeralbum nichts an wucht und ausladung verloren hat. "d.y.i." - do yourself in - heißt, in anlehnung an das berühmte motto, das neue album, welches ende april auf hhbtm erscheinen wird. mit "she bursts" gibt es ein sehr gutes beispiel, das demonstriert, wie gelungen die ideenexplosion des fünfers umgesetzt werden konnte.

die band hat in ihren jungen bereits eine menge gesehen. weniger die welt im allgemeinen als jene, die immer wieder neu versucht aus nichts viel zu machen. die arbeit in der berühmten fastfood kette konnte vielleicht schon abgelegt werden, der fettige film aber wird ihnen noch anhaften. der erzählt von einem leben, das gnadenloser und hoffnungsloser oft nicht sein kann. wer aber solche musik machen kann wie muuy biien, der kann sich vielleicht auch daraus hervor katapultieren. die jungs wissen, dass es nicht um den reichtum in ihrer geldbörse geht, sondern um jenen in ihren köpfen. den jedenfalls mehren sie nach und nach.