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Montag, Dezember 29, 2014

in eigener sache (80): top 10 blogposts

eine hübsche idee, die ich geklaut habe. also, selbst einmal zu schauen, was die schönsten inhalte im vergangenen jahr waren, um sie aneinandergereiht zu präsentieren. wenn Euch das gefällt, freue ich mich über kommentare, über eigene bestenlisten, überhaupt über feedback zum jahr 2014, abgebildet im klienicum.


10.) doug paisley: so früh (januar) bereits die aussicht auf das album des jahres, was der songwirter uns versprach, hielt über das gesamte  2014: "die natürlichkeit, der fehlende vorwitz, die gründlichkeit, das wenig manische, der mangel an beliebigkeit, die souveränität, die polarität, zuweilen auch das genre. mir fielen einige merkmale und gründe ein, warum ich das album so mag. keine zweifel, keine unentschiedenheit. schon wenn die ersten töne erschallen, bin ich eingelullt und wie von engelssscharen umzingelt. das lautere und einnehmende, das charakterstarke und vollendet unvollendete, das prioritäten setzende und das so vielfach belebte erheben mich als höhrer in eine sphäre aus dankbarkeit und warmmut. als würden diese lieder über jegliche unwägbarkeit hinüber helfen, über jeden unfrieden hinweg.", hieß es u.a. bei uns, klick.



09.) entertainment for the braindead, rowan coupland: immer eine besondere geschichte, so ein hauskonzert, auch in 2014 luden wir uns gäste, ganz besondere: "gleichzeitig bietet rowan bei aller sparsamkeit an szenischen mitteln, an instrumenten, an beispielgebendem material eine darbietung der besonderen art. seine musik ist verbunden mit dringlicher körperlichkeit, da sich der künstler in ständiger bewegung befindet. so durchmisst er gitarre spielend den raum oder benutzt ihn springend. oder er fällt zwischendurch auf den hosenboden und spielt in lagerfeuermanier weiter. oder er zwingt sich auf den bereitgestellten stuhl und verachtelt seine beine, ein experiment der besonderen art."  und: in warme wolle gewandet, oft die augen in konzentration verschlossen, stand die musikerin vor ihrem auditorium. die unmittelbarkeit des auftritts, die fehlende distanz schienen ihr nur wenig auszumachen. im gegenteil gab sie ihren liedern flügel und ließ sie durch das wohnzimmer flattern. wie auch schon zu rowans musik waren die anwesenden gebannt. kaum ein ton war aus den wenigen reihen zu hören. hüsteln wurde unterdrückt, kein gläserklirren, keine polternde flasche störte die stimmung. später wurde die aufmerksamkeit geschürt, als julia ihr tablet nutzte, um loops zu produzieren. musikalische highlights folgten fürderhin." mehr hier.



08.) carla bozulich: das album des jahres kam uns in aller ausführlichkeit an dieser stelle unter die finger, wir konstatierten u.a.: carla züngelt weder bitte noch billige erinnerung, sie bellt befehle, mahnungen, versätze aus träumen und zu ängsten geratenen hoffnungen. blechern marschiert die akustikarmee aus der etappe in die front. und die mutige straffheit der energischen protagonistin gerinnt zu einem rinnsal der fahlheit und der gefährlichen gewissheit aus verzweiflung und ausweglosigkeit. industrial und steter blues verbünden sich zu einem blenderfreien einblick in die tönerne heimstatt einer gefühlsstarken künstlerin.", klick.



07.) the moonband: wo sich freundschaft, lebensfreude und mut zum risiko verbandeln, muss man in jeglicher form unterstützend sein, hier war es ein ohren- und gaumenfest: "von der gestrichenen gitarre über die gepickte mandoline und/oder bouzuki bis hin zum akzente setzenden schlagzeug konnte die schar der sehr konzentrierten zuhörer- und zuseherschaft eine gemeinschaft entdecken, die sich fast wortlos verständigte und stets zueinanderfand, um ihren lieder drive zu verpassen oder die strenge zu nehmen oder anderen automatisierten wirkmechanismen, tempoverschärfung, harmoniegesang, ein andribbeln, um im bild der fußballbegeisterten zu bleiben, einen hieb spontaneität einzuhauchen. die band, die bereits fast sämtliche hallen münchens bespielt hat, sog die emotionsgeladene atmosphäre dieses abends auf und gab sie ohne abstriche an ihre zuhörer zurück.", klick.



06.) orange blossom special 18: "ein festival ist wohlgelitten, wenn man mit freude rückschau hält. auch wenn der blues sich einstellen mag, so ist er doch einer, der mit hoffnung getränkt ist. auf ein neues jahr. auf eine neue ladung großartiger musik. danke an die veranstalter, danke an die bands, danke an die anderen besucher für eine schöne gemeinsame zeit." klick: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7.



05.) kristina jung: eine tolle entdeckung aus hiesigen land, findet man in dieser form nicht alle tage, wir schrieben über den dazugehörigen tonträger: "aus der tiefe gluckst die stimme zuweilen, in lichte höhen kann sie sich verschwenden und sucht die ecken, sucht die kanten, sich zu reiben, der klarheit eine schwäche abzuringen. taumelnd, manchmal, nie gerissen genug, um sich fremd zu offenbaren. nackt fast schon, so offen. in "i'm a bird now" tirilliert sie geradezu, "wish you were a hunter" kommt aus der tiefe, die gedeckte stimmlage koloriert bisheriges in neuen farben, "it's the wind" geriert sich als bluesnote und bereitet den abschied vor." weiter: klick.



04.) laura cannell: meine überraschung des jahres, wahrlich ein musikalisches highlight: "melodien, harmonien, sprengsel, die bis ins fünfte jahrhundert zurückreichen (sie werden dem armenischen universalgelehrten mesrop maschtoz zugeschrieben) werden von cannell aufgenommen und mit improvisatorischer stärke bearbeitet. innovativ, belebend, zuweilen abgründig, stets ihre tiefe und andauernde wirkung bewahrend. die pastoralen momente, die tradierten schemata werden gebrochen von der strebsamen dissonanz, dem gefälligen drone, von der experimentiertkunst, die cannell jedoch jederzeit zu zügeln weiß.", mehr: klick.



03.) neutral milk hotel: ein tolles konzert der für kurze zeit wiedergekehrten band, in heimeliger atmosphäre durften wir einer einmaligen darbietung beiwohnen: "erschreckend sonor, dabei drängend und im gleichklang hochtönig, bedrängte mangum das gehör seiner unzähligen fans. giftig die atmosphäre manchen songs, wie er sich im korsett einer auf achtsamkeit getrimmten band beweisen musste. ausreisser sind selten gestattet, dann grassieren tempoaufnahme oder das hymnische leuchten der bläser, selten birst die gemeinschaft zu befreiter kollektivleistung. und doch hatte man stets das gefühl, dass man unter der schützenden glocke einer göttlichen natur stünde, als würde alles für einen moment heilig gesprochen. und vielleicht macht die brüchigkeit dieses konstrukts namens neutral milk hotel seine faszination aus. echtheit, ernsthaftigkeit, die sich aber nicht mit standhaftigkeit den rang streitig machen will, sorgt für konstanz in sachen sorge und anteilnahme, in sachen verbrüderung mit den musikern dort auf der fernen bühne. getaucht in blauen und rötlichen lichtbefall erscheinen die kerle hager und schütter und angeschlagen. und doch breiten sie sich samt musikalischem belag aus und fassen das rund bei der hand.", klick.



02.) clemens band denk: eine nahezu mystische verbindlichkeit, die mich an die gestade des österreichers treibt, von wo aus ich in aller seelenruhe dem wellenschlagen lauschen mag: "clemens denks kunst taumelt zwischen dem liebenswürdigen dilettantismus des ndw und der abenteuerlichen kunstfertigkeit von bands wie ag geige und nährt somit die hoffnung auf gehalt- wie bedeutungsvolle deutschprachige musik abseits von betroffenheitsromantik und juveniler weltrettungsschmonzette. abseits aber auch von jeglicher neokulturellen strömung, der alarm lärmt woanders. hier, in wien, sind die guten zuhause und sie bewahren schon jetzt, wie es eben den zu früh geborenen zu eigen ist, ein zukünftiges erbe.", weiter: klick.



01.) micro pop week: eine veranstaltung im/aus dem herzen düsseldorfs, bei der wir uns aufgehoben fühlten, weil hier der puls einer kultur von unten schlug/schlägt: "auf sechs tage angelegt ist die micro pop week zu düsseldorf 2014. was als dauerveranstaltung geplant sein will, muss sich im ersten jahr aber zunächst bewiesen haben. veranstalter, locations, promoter, für die außerordentliche aufgabe haben sich in der rührigen stadt mit aufstiegsambitionen einige menschen gefunden, die, zu großen teilen im ehrenamt, versuchen die musikszene breiter, origineller und nicht zuletzt antikommerzieller aufzustellen. denn über allem weht das banner einer unabhängigen, von bewegten menschen getragenen musikindustrie, die sich abseits der großen konzerne sieht. sehen muss, denn die sie umgebenden strukturen sind alles andere als ausgesucht. sie fordern stets die alternative, den kompromiss und nicht zuletzt abenteurertum und mut, enthusisamus und eigenes geld.", beiträge 1, 2, 3.

Mittwoch, Juni 04, 2014

konzert: neutral milk hotel, 01.06.14


wahrscheinlich müßig, jeff mangum auseinanderzunehmen. der fast mitvierziger zeichnet u.a. für die gründung der the elephant six recording company verantwortlich. eine plattform, von der sich zig erstaunliche bands und projekte erhoben. nicht zuletzt in berührung gekommen mit neutral milk hotel, dem unumwunden mangum als kopf und songschreiber vorsteht. seine von zweifeln befreite lyrik sollte ihm mit zwei alben abhanden kommen. vielleicht auch ein grund für das abwenden von der musikalischen karriere mit dieser band, der so viele lorbeerkränze gebunden wurden. nun ist der amerikanische vierer seit dem letzten jahr wieder aus der versenkung aufgetaucht, und mangum zeigt sich mit neuen einsichten und erkenntnissen. dabei sind die lieder jedoch die selben geblieben. ein verwirrspiel. wie so vieles rund um eine band, die zur rechten zeit am rechten ort war, und die sich zum vorbild emporschraubte für nachfolgende künstler, die oft genug handwerklich versierter, aber nicht ideenreicher, kreativer waren.

die münchner kammerspiele waren satt gefüllt, freie plätze waren auszumachen, obwohl der verkauf der karten frühzeitig eingestellt werden konnte. der laue abend versprach eventuell manchem mehr als nur in nostalgie zu baden. neben dem schwer bebarteten mangum traten an: scott spillane mit weißem rauschebart, kein ungewohntes bild bei ihm, der die hörner bediente oder die akustische und der stets, seinen chef soufflierend, jeden text bis in die letzte strophe mitsang. gleichsam ist seine enthusiastische und befeuernde art des spiels unverkennbar und einzigartig. auch an diesem abend war er ein sehr belebendes element. wer ihn zwischenzeitlich vermisst hatte, hätte ihn bei olivia tremor control, bei of montreal oder elf power, aber auch bei seiner eigenen band the gerbils antreffen können.

hinter den beiden genannten thronte jeremy barnes an den drums. auch er ist ein umtriebiger musiker und wohl am besten einzuordnen, wenn man an seine rolle bei a hawk and a hawksaw denkt. sein spiel ist ein geradezu harmonisch melodisches, wenn er zwar mit verve und doch fast ausgleichend zärtelnder art auf sein kleines drumset einhob. vor ihm, sich stets im kreise drehend, agierte julian koster, dem man die jugendlichkeit wohl nie wird aus den gesichtszügen reissen können. mit einer spinnerten haube auf dem kopf behüpfte er, während er das banjo, das akkordeon oder den bass bediente, die weitläufige bühne. auch für die singende säge zeichnete er verantwortlich, die dem sound von neutral milk hotel einst eines seiner markenzeichen verlieh. die bandvorstellung muss mit jeremy thal abschließen, der den vierer als bassist und trompetist ergänzte und der ganz sicher mehr als nur den klangraum abrundete.


die band mit jeff und der sänger in solo teilten sich das konzert in unterschiedlich lange parts auf, womit einer gewissen abwechslung genüge getan wurde. so stand man denn mal dem stoiker allein gegenüber oder aber begnügte sich mit einem fünfer, der bei aller aufregung um ihn, in kontrolliert forcierter energieleistung ablieferte. stets dem fuzzfolk huldigend, krischelich und aufgeraut der sound, fetzte die band sogleich in die erinnerungsarbeit. einfach, bei "the king of carrot flowers part one" und "the king of carrot flowers part two and three" zu folgen, um allzu gleich den faden von "holland, 1945" aufzunehmen. manchmal mutierte die band zu einer geschützten dinosaur jr. version, bei der aus den noiseräumen eine stimme erscheint, die töne auf immer die gleiche art und weise töne pentriert. und wären da nicht diese unfassbar schönen melodien und wäre es dem sänger nicht angetragen, hie und da seine stimme zu erheben oder eine abweichung zu erzwingen, dann flögen weniger herzen als müde blicke gen bühne.

erschreckend sonor, dabei drängend und im gleichklang hochtönig, bedrängte mangum das gehör seiner unzähligen fans. giftig die atmosphäre manchen songs, wie er sich im korsett einer auf achtsamkeit getrimmten band beweisen musste. ausreisser sind selten gestattet, dann grassieren tempoaufnahme oder das hymnische leuchten der bläser, selten birst die gemeinschaft zu befreiter kollektivleistung. und doch hatte man stets das gefühl, dass man unter der schützenden glocke einer göttlichen natur stünde, als würde alles für einen moment heilig gesprochen. und vielleicht macht die brüchigkeit dieses konstrukts namens neutral milk hotel seine faszination aus. echtheit, ernsthaftigkeit, die sich aber nicht mit standhaftigkeit den rang streitig machen will, sorgt für konstanz in sachen sorge und anteilnahme, in sachen verbrüderung mit den musikern dort auf der fernen bühne. getaucht in blauen und rötlichen lichtbefall erscheinen die kerle hager und schütter und angeschlagen. und doch breiten sie sich samt musikalischem belag aus und fassen das rund bei der hand.

münchen hat neutral milk hotel einen positiven empfang beschieden. neben den neugierigen waren die eingeweihten in der überzahl und zollten dem auftritt der fernreisenden gebührenden respekt. getanzt wurde nur selten, in übersichtlicher weise der kopf geschüttelt, rhythmisch aber wogte das meer im parkett, während auf den balkonen lediglich die knie arthroseprophylaxe erhielten. nichtsdestrotz widerlegte die bayerische hauptstadt unnahbarkeit und bewies in gewisser weise kennertum. auch nicht schlecht.
es gab einige highlights, sei es die singende säge in "in the aeroplane over the sea", während sich mangum um den verstand sang, sei es die naturimitation, als die tonale ausgeburt des versammelten instrumentariums zu flora und fauna transfomierte, sei es das stolze "oh comely" oder aber das bewegte "two- headed boy", welches mangum vermutlich nur in münchen in aller stille vortragen kann. seis drum. wir waren dabei.

setlist:
the king of carrot flowers, part one
the king of carrot flowers, parts two & three
holland, 1945
a baby for pree / glow into you
gardenhead / leave me alone
everything is
two-headed boy
the fool
naomi
in the aeroplane over the sea
ferris wheel on fire
oh comely
song against sex
ruby bulbs
snow song, part one

encore:
ghost
[untitled]
two headed boy part 2
engine