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Freitag, September 09, 2016

neue töne (1665): skalar


der skalar ist ein fisch aus südamerika, vielmehr ein buntbarsch, dem schulte anfang des neunzehnten jahrhunderts den lateinischen namen pterophyllum scalare verpasste, segelflosser.
weniger exotisch, aber nichtsdestotrotz schillernd begegnet uns die musik des dreiers skalar aus oberhausen. einfühlsamer folk, gepflegt wie ein liebgewonnener schatz, darunter der grimm des rock 'n' roll, der sich nie vollends entfalten darf und stets mehr als eine prise pop, der sich vor allem in der ausgeprägten melodienverliebtheit beweist. denn wenn eines auffällt, ist es die harmonienlehre der anne smidt. die mit dem leadgesang beauftragte geht in den oft sämigen liedern auf, als erfülle sie sich einen herzenswunsch. kein wunder, wenn man mitstreiter gewinnen konnte, die nicht nur teil der eigenen sozialisation waren, sondern auch freunde und musikerkollegen sind. so agieren neben anne auf dieser ep namens "miracle cure" sebastian birk am bass inkl. gesang sowie groucho kangaroo an den drums (+ perkussion, cookie box). den beiden herren konnte man auch in anderen zusammenhängen der sich gegenseitig befruchtenden szene des ruhrpotts begegnen, u.a. bei balsam, cosmic kangaroos oder ship of ara. mit letzteren schließt sich zumindest für mich ein kreis, siehe rezension dieses ship of ara/volvopenta splits: klick.

die ep startet mit einem zunächst karg instrumentierten "unmystified woman", etwas gitarre und perkussives anschlagen, folgt dann aber den worten der frontfrau und fährt gitarre und schlagzeug aus. im refrain verschafft sich die orgel gehör und weitet atmosphärisch. mit "best intentions" zieht die bedachtheit wieder ein, im zwiegesang am einträglichen beat. bläser bebildern eine melancholische stimmung. der titeltrack zeichnet sich durch einen gründenden bass aus, durch eine lichte gitarrennote, durch einfühlsamen gesang, eine folkpopnummer, wie sie im buche steht. pianospritzer bringen das leuchten zum ausdruck. im refrain deutet sich etwas hymnisches, auf jedenfall feierliches an. "paper home" offeriert sich banjofiziert und zieht gleichzeitig im tempo an. mit "steam chamber" ergänzt die truppe ihr soundbild um etwas fast schon pastorales, zudem übernimmt sebastian birk den gesang. wenn sich später annes stimme im background erhebt und die grindige gitarre rauheit befördert, dann benote ich auf höchstniveau. mit "monkey circle", einer tempoforcierten nummer endet die sechs track umfassende veröffentlichung.

gemeinsam mit ihren mitstreiter hat anne smidt ein kleinod geschaffen, das sich hörvorgang für hörvorgang in die eigene dna schiebt, mit einer selbstverständlichkeit, die man beispielsweise von tieren in fremden gefilden kennt. der skalar hat sich also auch für hiesige gewässer als eine geeignete art erwiesen.

"miracle cure" erschien am 23. august auf lollipop shop.

Donnerstag, August 14, 2014

eingestreut (684): ship of ara / volvopenta


ein blick in die vergangenheit. kurz und prägnant. weil es etwas nachzuholen gilt. zum einen die erwähnung von genosse vinyl im allgemeinen, zum anderen eines releases im speziellen. es handelt sich um die splitsingle zweier deutscher kapellen, auf die es mehr als einen fingerzeiges bedarf.
auf dem centerland soundtrack hatte man beide bands bereits hören können. ship of ara sind groucho kangaroo (ex cosmic kangaroos) und stefan schlensag (ex hipsters). beide sind in der heimischen szene, wir reden vom ruhrgebiet, keine unbekannten, sei es durch benannte ex-bands, sei es natürlich auch durch die gemeinsame tätigkeit im rahmen ihres duos. ihr aufmerker, sprich das debütalbum, stammt aus dem jahr 2009 und wurde an mancher stelle sehr wohlwollend aufgenommen. die ehemals eher der sixties szene verhafteten, gaben sich auf ihrem von lollipopshop veröffentlichtem longplayer dem folk hin. allerdings ohne zu vernachlässigen, dass krach spaß macht. vorbildern wie tim hardin oder fred neil wurde nachgeeifert, doch nicht vergessen, dass man in sachen neogarage noch immer etwas vorhatte. fast parallel zu dieser veröffentlichung trat das oberhausener label genosse vinyl auf das duo zu und becircte es zu einer coverversion von prince' "sign of the times", die ship of ara denn auch ohne overdubs einspielten. staubtrocken zunächst, psychedelisch verbrämt. ein stumpfer beat drängt die mäandernde gitarre und befördert den kühlen gesang. die worte wie waidwundes gewerk von sich gestossen, lichtern die sechssaitige, hallverweht, trotzig.
auf der flip finden wir besagte volvopenta, die sich in "the greatest day" von take that aalen. es ist eine roughe, tighte version, so als zöge man als heranwachsener um die häuser, und so träge der abend begann, so ausgewachsen großartig entwickelt er sich. bis zum ausbruch. die sägenden gitarren, das dumpf polternde schlagwerk, die sich überschlagenen stimmen, deren anbrüllen eher lustvoll denn beherrschend ist. eine herrliche nummer, die sich nicht umsonst hier so singulär tummelt.

auf der suche nach den tracks, um sie Euch vorzustellen, bin ich lediglich auf nachfolgende sendung gestossen, die an fünfter stelle den volvopenta song aufführt. die soundqualität ist unterirdisch, als hätte der mensch über die boxen aufgenommen. aber eine ahnung bekommt man. wenigstens.
ach ja, das feine stück vinyl bekommt man, wenn man über obigen genosse vinyl link deb shop ansteuert. es lohnt!
nachtrag: bin des ship of ara tracks habhabt geworden, ergänzt.