Freitag, Februar 16, 2018

hicks!: aul


starker release auf red brick chapel, ende des vergangenen jahres erschien "uto", das exzerpt eines jahreslangen zusammentuns des dreiers aus roland wäspe (guitar), martina berther (bass) und mario hänni (drums), verspult, intuitiv, kreativ, ideenausbund: aul:

Donnerstag, Februar 15, 2018

hicks!: kemialliset ystävät


lieblingsband mit neuem material, auf dem u.a. tätig waren: jan anderzén, francesco cavaliere, petra poutanen, antti tolvi. "ramses kutoo", so heißt es, wird nicht auf dem baldigst erscheinenden neuen album enthalten sein. na denn: kemialliset ystävät.

Mittwoch, Februar 14, 2018

hicks!: grdns


schön verspult, doch aufregend aufgewühlt, kommt uns da die erste single des psychpop dreiers grdns, das mit "night dance" auf dem leedser label dance to the radio beheimatet ist, der 13. februar war veröffentlichungstermin:

Dienstag, Februar 13, 2018

konzert: jaye bartell, 09.02.18


die lieder sind von einer direktheit, dass es einem den atem stoppen mag. sie sind klar und tief, dass man sich verlieren kann, ohne orientierungslos dahin zu vegetieren. jaye bartell präsentierte sie pointiert und mit einer miene, die sich im rücken seines publikums einen ankerplatz zu suchen schien. zwischen den nummern kehrte er wieder zurück, blickte offen um sich und nahm gar kontakt auf. anfangs noch etwas verbittert, da das auditorium nur schwach besetzt war, später deutlich entspannter, nachdem er feststellen konnte, dass die aufmerksamkeit enorm hoch war. gemeinsam mit seiner charmanten begleitung laura loriga gelang ihm so ein mehr als ansprechender konzertabend. wir verfingen uns in seinen gedanken, er in dieser wunderlichen, licht gearteten location, wir ineinander, weil man sich genau darauf einigen kann. so schlittert das erwärmende "give erin a compliment (so kind)" zwischen uns, da laura den angel olsen part übernimmt und man sich flott aufgerufen fühlt mitzusingen.

vielleicht war es das vorerst (für mich) in der bergschmiede. es gibt nichts zu beschönigen. die künstler, die wir einladen, haben eine anziehungskraft, die sich aus anderem speist als aus einem hohen mainstreamfaktor, vielleicht liegt der konzertort zu weit außerhalb der unstrittigen münchner szenerie, vielleicht haben wir das falsche bier am start. die vorbereitung solcher events kostet zu viel zeit, zu viel kraft, zu viele emotionen, die ich derzeit nicht in der lage zu geben bin. und wenn am ende gerade mal ein drittel des eh schon knappen publikums gewillt ist für den abend zu zahlen (in kleiner münze), dann legt man eben auch hier noch oben drauf.

Montag, Februar 12, 2018

hicks!: caroline says


konfrontiert mit dem staatensong. man kann ihn versetzen. denkt sich caroline sallee, die unter caroline says firmiert und verwendet wenigstens den titel, um dem lynyrd skynryd original etwas engegen zu setzen. sehr gelungen, wie wir finden. am 16. märz erscheint auf western vinyl der zweite longplayer "no ffol like an old fool".

Sonntag, Februar 11, 2018

hicks!: frankie cosmos


yep, die wunderbare great kline mit ihren mann auf dem weg zum neuen album, "vessel" erscheint am 30. märz auf sub pop und macht mit ersten videos bereits ordentlich auf sich aufmerksam, wir insistieren gern: frankie cosmos:


Sonntag, Januar 21, 2018

karl blau - out her space (2017, bella union)


das ist die irre welt. in all ihrer formvollendung. da spulte der bursche mal eben ein coveralbum herunter und jedermann fügte begeistert seinen sermon bei. die deutlich über dem durchschnitt liegende kost stand jedoch zu jenem zeitpunkt nur einem mehr als erklecklichen output vor, den karl blau über all die jahrzehnte seines musikalischen schaffens stets an den mann zu bringen gewillt war.
wer also "introducing karl blau" wahrgenommen hatte, musste noch lange nicht auf "out her space", welches letzten november erschienen war, aufmerksam geworden sein. dabei ist sein aktueller achttracker erneut ein kleinod, wie es im oeuvre des amerikaners einige andere zu entdecken gibt.
weit ab von vermeintlich modernen geschmacksparametern mäandert blau durch einen unerschöpflichen genrekosmos nebst unverhohlenem zugriff auf die erfahrungen etlicher musikerkollegen vor ihm. nicht umsonst, dass der name frank zappa immer wieder vor dem geistigen auge auftaucht. zuweilen vertrackt, spinnert, geriert sich der erguss, stets aber freundlich, zugewandt, mit einer karibischen note, akzentuiert, kunstfertig, mutig.
karl blau konnte für das neue album ausgesprochen großartige musiker gewinnen, darunter phil cook von megafaun oder matthew e. white. gemeinsam scheint man sich ständig der entworfenen finessen zu freuen. ein kollektives erlebnis, das früheren großtaten des aus anacortes stammenden künstlers in nichts nachsteht. beispielgebend sei das euphorische "valley of sadness". es hat so viel pfeffer, dass es das gesamte sortiment der aktuellen top 40 wie nichts wegkloppte. oder das hippe "blue as my name", groovy! 

Samstag, Januar 20, 2018

hicks!: yo la tengo


wer kann, der kann. auf vier tracks aus dem neuen, im märz erscheinenden yo la tengo album zugreifen.

Montag, Januar 15, 2018

trio.diktion - serenade (2017, golden ticket)


dem jazz ein zaumzeug umgelegt, das ihn nicht in den nacken beisst, das nicht einschnürt, das nicht reibt und an dem man nicht so zerren kann, dass es einem den kopf zurückreisst. im gegenteil ist das teil samten und wohldrapiert. eine feierliche komponente wohnt dem hoffierten genre inne. die melodramatischen momente werden gekonnt verinnerlicht und zu eigen gemacht. der große rest ist ein sonniger ablaß, ein feinsinniges kunstwerken. vier junge musiker, die in dresden und leipzig ihr handwerk lern(t)en, finden auf ihrem zweiten gemeinsamen album namens "serenade" zueinander.
während das piano ein vermeintlich klassisches motiv erörtert, zärtelt die posaune wind in die atem holende klarinette. ein gepflegter bass trimmt die runde geschickt in die gemeinsame mitte. was wie ein lustiger ringelreigen anmutet, ist nur der auftakt für ein komplexes aufspiel, für ein abgerungenes exzerpt versierter vorarbeit. spürbar die energie, der aufwand, die nachgerade zu dieser kunst führten.
eine kunst, der man das juvenile moment gönnt, denn es mündet in berauschtheit, in einen stilemix und bebildert dabei eine mutige fahrt durch die tore von pop, kunstlied und jazz. gern verfolgt man die vermeintlich einer operette entstiegene melodie, entspannt über dem konter aus perkussivem und dräuendem bass/saxophon duett. so vielseitig, so organisch. so perfekt, so zwanglos. das trio.diktion  beliebt zwischen improvisation und klarer einvernahme zu changieren, jedem fern und überall zuhause, ohne sich anzuschmeicheln. respekt.
das album erschien mitte des jahres auf golden ticket.

Dienstag, Dezember 12, 2017

kommet zuhauf!: james elkington (tour, präsentation)


photo by timothy harris

sich james elkington nähern heißt, sich mit tausend querverweisen zu beschäftigen. denn bevor sich der engländer auf seine eigenen stärken, auf ein autarkes tun konzentrierte, arbeitete er in verschiedenen zusammenhängen als stets hoch geachteter gitarrist. the zincs oder the horse's ha sind zwei beispiele, da er in bands unverzichtbarer bestandteil wurde. darüber hinaus ist seine kollaboration mit nathan salsburg über die maßen erfolgreich zu nennen. zudem spielte er zusammen mit richard thompson, jeff tweedy, steve gunn oder laetitia sadier.

mit "wintres woma" legte elkington in der mitte dieses jahres ein album vor, das sich unerschöpflich als englischer folk präsentiert und doch die weitläufigkeit vieler anderer genres besitzt. der in chicago lebende europäer gibt denn auch zu, dass ihm in der ferne etwas abhanden gekommen sei. die seele des alten kontinents vielleicht. im streifzug durch avantrock und jazz holt er sich einiges zurück, um vergangenheit und gegenwart verquickt zu wissen.
seine leidenschaft offeriert sich auf ungezwungene weise distanziert und lebt von einer meisterschaft, die sich seit bert jansch selten so verbindlich zeigte. nicht nur deshalb sollte man den burschen im kommenden april nicht verpassen, wenn er zumindest zwei termine in deutschland avisiert.

20. April - Köln, King Georg
23. April - Berlin, Monarch



Montag, Dezember 11, 2017

postman - home (2017, cut surface)


selbst wenn der fluchttrieb ausgeprägter wäre, wir würden uns nur wieder finden. kein ort nirgends, der ausgewiesen wäre, um uns und unsere haltung einvernehmlich zu verwahren. inseln, die längst vernetzt, einsam in den wassern treiben. die sehnsüchte haben diese welt verlassen. nur der sound für die unternehmung des trotzigen bleibens steht noch nicht fest. die diversität erschlägt die generation. vielleicht postman. der österreichische vierer sucht wärme in den zugigen abteilen des minimalen. digitalisierter pop, inklusive einer abschlägigen verwegenheit, kühl, auf distanz, mit einer note von dilettantart.

wer mehr will, betreibt addition. und fügt der einen kunst eine neue hinzu. musik und architektur, verbandelt durch worte, zitate, erinnerungen, vermeintliche meilensteine. am ende auch nur ein gebet. ein anrufen. not, die erfinderisch macht. welchen ort wählten schließlich eva teissl, michael schmid, clemens stöttinger und dominik leitner für sich? der zweitling des vierers aus linz nutzt die zurückgelassenen fußstapfen des vorgängeralbums, die lediglich an den rändern etwas mazeriert sind. könnte ich nur den versöhnlicheren ton ignorieren. unter all dem gewicht, der inhaltsschwere wirkt die musikalie dennoch ungezwungen.

drängen wir uns zwischen die häuserspalten, zählen die winde, punkt für punkt, note für note zeichnen wir die ordnung. eine ordnung, die der zeit entsprechen mag. wären da nicht die routinen. meßbares. vergleichbares. menschen. menschen und orte.

der puls ist flach, die städte atmen noch. die schraffuren, die gitarren ein gegenpol zum statischen gesang, geben tiefe, 3d-modelle vor dem inneren auge. wachstum immer wieder. warum halten wir an den ideen fest.

gerade mit postman folgt das wiener label cut surface der tradition, spurensuche im urbanen raum, wie sie bereits unter der flagge von totally wired records praktiziert wurde. entfernen wir noch das symbolhafte, bleibt ein erstaunlich wertiger tonträger, nicht zuletzt auf vinyl zu haben.



Sonntag, Dezember 10, 2017

kommet zuhauf!: shannon lay (tour, präsentation)


wenn sie nur ein zehntel von dem auf die bühne bringt, was sie via vinyl auszusenden in der lage ist, dann muss so ein konzertabend mit ihr an magie kaum zu übertreffen sein. oder wollt Ihr Euch nicht vorstellen, wie es wäre, bspw. sibylle baiers lippen lesen zu dürfen, während sie die saiten drängt? ich schon und deshalb lade ich herzlichst zu den nachfolgend aufgeführten konzerten mit shannon lay ein. die junge musikerin hat gerade erst auf kevin morbys woodsist records ableger mare ihren zweitling veröffentlicht. die nummern darauf sind lichte freunde, deren offene angebote man kaum ablehnen kann. so still, so hoffnungsschwanger, so ehrlich, ernsthaft. und doch fehlt ihnen das abgeschmackte, der abglanz der referenzen. es liegt ihnen etwas ureigenes zugrunde, kaum zu glauben, meint man. denn das genre ist überfrachtet, doch die reife und die stabilität machen wett, was nicht zu frage steht.

"living water" heißt das album, es umfasst 14 tracks und erschien im september. mit knapp vierzig minuten setzt es maßstäbe, die ansonsten an alben wie "pink moon" erinnern. an ihrer seite wusste lay niemand geringeres als emmet kelly. kommet zuhauf:

12.03.2018 Berlin (DE), Monarch
13.03.2018 Jena (DE), Glashaus
14.03.2018 Freiburg (DE), Slow Club
15.03.2018 Zürich (CH), Rote Fabrik
16.03.2018 Düdingen (CH), Bad Bonn
17.03.2018 Nyon (CH), La Parenthèse

Samstag, Dezember 09, 2017

kommet zuhauf!: jaye bartell (tour, präsentation)


das warme timbre seines vortrags stiftet einen andauernden frieden. man möchte nimmermehr entfliehen. auch wenn wir mit der welt kollidieren, das lichte zeichen einer hoffnung ignorierte niemand. so zeichnet bartell gern den kosmos nach, nirgends ist es sicher, auch wenn sich einer dir verspricht. was harmonietreu klingt, verbirgt bitternis. im für und wider entspringt eine schmerzhafte lust auf mehr. jeder song riskiert. bleischwer hängen sich die silben an deine füße, um dich in den abgrund zu reissen, lediglich dem mut des songschmieds aus brooklyn ist es zu verdanken, dass du schließlich überleben wirst.

im kommenden februar wird jaye bartell hiesige landstriche besuchen und dabei ein neues album im gepäck haben. es ist das mittlerweile dritte seiner karriere, an dem er seit dem herbst 2013 gearbeitet hat. es hat die tragische tiefe leonard cohens, die prägnanz eines john parish und die magie früher cat power nummern. auf "in a time of trouble a wild exultation" erhielt er unterstützung u.a. von angel olsen, ryan oslance oder miachel libramento.

jaye bartell holte neu aus. ein umzug, ein neues leben. dem lauten entsagt. irgendwo eine billige gitarre mit nylonsaiten gekauft, um einfache lieder zu schreiben, wie etwa sibylle baier. die zeit stand still. aus dem örtchen, in dem jeder jeden kannte, in die metropole, pulsierend, ohne etwas mit dir zu tun zu haben. keine schlechten voraussetzungen, um zum nächsten schlag auszuholen.



man sollte den burschen mit der besonderen aura nicht verpassen. nachfolgend die tourdaten, die evtl. noch um einen leipzig-termin (15.02.) ergänzt werden, erkundigt Euch. 
wer die bergschmiede besucht, kann den autor gern hinter der bar anquatschen, auf ein bier oder zwei.

09/02/18 Muenchen, Bergschmiede
11/02/18 Darmstadt, Gute Stube
12/02/18 Mannheim, Altes Volksbad
13/02/18 Jena, Glashaus
14/02/18 Berlin, Schokoladen

Freitag, Dezember 08, 2017

hicks!: anna st. louis


man darf, muss, soll seinen künstler so gut wie möglich verkaufen. wie das woodsist records auf seiner seite für anna st. louis tut, ist so rührend, dass es zu einem neuen maßstab werden sollte. mit solcher umsicht sieht man selten jemanden angefasst. doch das mädel ist jung und mit "first songs" stellt sie eben jene ersten meilensteine einer hoffentlich andauernden karriere vor. die worte sind bedacht gesetzt, die stimme zurückgenommen, als traue sie sich noch nicht richtig loszustürmen. und dennoch spürt man eine sicherheit, ein tapferes auftreten, dass sich aus einer biografie schöpft, da die wege stets auf eigenes ansinnen hin gewählt wurden. die akustische wird gelesen, als zöge man sie zu rate, und es ergibt sich ein nahezu hypnotischer mix. woodsist findet dafür durchaus passende vergleiche und zieht patsy cline und john fahey zu rate. vielmehr gefällt uns aber die geografische zuordnung, man könne zwar den menschen aus dem mittleren westen ziehen lassen, aber niemals den mittleren westen aus dem menschen. und so mache anna die musik eines midwestern (durch einen kalifornischen filter). hört mal rein, es wird Euch gefallen. die kassette mit den ersten schlafzimmeraufnahmen erschien ende november.

Donnerstag, Dezember 07, 2017

glotzt nicht so romantisch: common holly


photo by sean mundy photography

die nummern auf "playing house", ihrem im oktober erschienen album, sind alles andere als gefügig. vertrackt wiederum wäre zu viel der guten beschreibung. eher so wie ein innehalten in der bewegung. es gefällt neben der wunderbaren stimme der mut zum ausbruch, die traurigkeit lässt sich gern mit krachendem benetzen. common holly wurde in new york geboren, lebt mittlerweile in montreal und hat glücklicherweise einen namen bekommen, brigitte naggar wurde auch für "nothing" abgelegt, der hier im videoformat kommt.



Mittwoch, Dezember 06, 2017

hicks!: seazoo


aktueller trip der u.a. von yo la tengo inspirierten kapelle aus wales, die sich in den januar mit einem hervorragenden debütalbum schleichen wird, nennen wir es psychpop der ausgesprochen feinen art: seazoo:

Sonntag, November 19, 2017

konzert: lowland hum, 12.11.17


herzensprojekte. muss ja nicht immer so sein, dass man sich mit nichts anderem beschäftigt. wäre aber schön... nun, neben dem brachliegenden blog gibt es da noch die bergschmiede, konzertlocation, zumindest temporär, in münchen sendling, die gut und gerne mit konzerten bestückt sein will. zuletzt waren lowland hum zu gast. wieder mal durften wir inmitten anmutiger lichtillumination an einem folkgebinde teilhaben, das so eng und unstrittig frei atmend gebunden war, dass die alltagsflucht aufs leichteste gelang. das amerikanische duo fügte dabei nicht nur seine stimmen ineinander, sondern auch die musikalische wertarbeit. die narrative note des gitarrespiels wie die harmonische treue des kleinen e-klaviers. die melodien, daraus entsprungen wie von leichter hand, drangen in das bereits äußerlich gelungene, zauberhafte ambiente. wie stets sorgte auch ein aufmerksames publikum für den passenden rahmen. während es draußen stürmte und arg regnete, wärmte man sich drinnen an den geschichten dieser geübten storyteller. da gelang selbst aus dem stehgreif einiges, wenn etwa der konzertabend zuvor spontan in worten ausgekleidet ausgewertet wurde. wie im übrigen die beiden protagonisten daniel und lauren stets mit ihren zuhörern in kontakt blieben. der intime moment. ein ansinnen, das gelang. wie sie anhimmelte. und er ihr entsprach. die lang geübten harmonien, ohne steife, an den mann gebracht. das verschränken der stimmen zu einem wohlgeformten laut. mit "thin" haben die beiden ein neues album herausgebracht, aus welchem sie ein ums andere mal zitierten. schön, und mehr als eine fußnote, dass man in zuvor bereitgelegten heftchen mitlesen konnte, was lowland hum da vorne sangen. ein mehr als gelungener abend also in der bergschmiede, die zwei tage später mit birdeatsbaby aufwarten konnte. es läuft.
am 01.dezember erwarten wir mit the almost boheme einen stadtteilkünstler, was alles andere als despektierlich gemeint ist, und anfang februar beehrt uns jaye bartell. wir freuen uns, auch auf Euch.

Montag, Oktober 30, 2017

new rhythm (2)


gordie tentrees - less is more (greywood label services, 2017)
> der herbst zieht ein mit all seinen stärken, den wärmenden oktoberstrahlen, den rottönen der fallenden blätter, mit folk, der aus der feder gordie tentrees stammt. wenngleich die genrebezeichnung eine unbefriedigende ist. denn tentrees bietet viel mehr auf. zunächst ist er songwriter und präsentator von geschichten. oft wahren geschichten, die aufzeigen, wie einer aus der klemme kommt. und wir reden hier nicht von ladendiebstahl, sondern von schweren lebenskrisen. verpacken kann der kanadier diese ereignisketten aber in ein launiges geflecht aus blues, country, americana. die orgel jammert, die gitarre wettert, ein hohles schlagwerken mäandert. oben drüber die leicht kratzige stimme von gordie tentrees, der ende oktober mit "less is more", seinem sechsten album um die ecke kommen wird. und dem bin ich echt verfallen. es hat eine unglaubliche leichtigkeit und ist trotzdem voller wahrheit und wagemut. es spielt nicht nur mir den stilen, sondern ist in sich abwechslungsreich und variantenreich, jedem song liegt ein ganz eigenes gerüst zugrunde, das konsequent bemustert wird. mit einer zuweilen kecken instrumentierung, mit texten voller poesie und aussagekraft, mit etwas neuem, das der definition harrt. gordie tentrees




valparaiso - broken homeland (zamora, 2017)
> feingliedriger darkfolker, bei welchem die hauptband von größen wie phoebe kildeer, john parish oder howe gelb unterstützung erhielt; der französische fünfer setzt auf ein moderates, dafür umso intensiveres set, semirock, dem etwas akustisches anhaftet, man ließe sich nur durch die perkussiven einschlüsse ablenken, mit mehrstimmigem harmoniegesang, die songs sind ausgelotet, ästhetisch einwandfrei und doch weit ab von sterilität, im gegenteil benoten wir mit homogenität und sublimer perfektion, kristallen zuweilen die e-gitarren, dunkel das timbre der sänger, abgeklärt das beiwerk, wie es sicherheit stiftet valparaiso

Sonntag, Oktober 29, 2017

konzert: mount hawk / the moonband, 28.10.17

wohin sich manchmal die dinge entwickeln. wir mögen es nicht voraussagen, wir vermögen es nicht zu erahnen. vielleicht wird es eine art salon, eine soiree, die bergschmiede wird in jedem fall einen eigenen charakter für sich in anspruch nehmen können. und wenn die abende so sind, wie sie sich am gestrigen samstag zeigten, dann können jene berührt sein, die daran teilnehmen durften, die einer stimmung habhaft werden konnten, die sich durch offenheit, zugänglichkeit, freundschaft kennzeichnen lässt.


trotz eines spontanen kurswechsels, sprich einer programmänderung, die man aus dem ärmel schütteln musste, war sowohl die qualitative note ohne beanstandung, als auch die in sachen publikum. fast schon von handverlesen wollte man ausrufen. hier wurden brücken gebaut. mount hawk mit einem set, das ausdrucksstark und pointiert zugleich war, das deutlich machte, wie jung und frisch der erguss, wie fordernd der wille zur präsentation der idee war, wie professionell letztlich auch die umsetzung gelang. cello und gitarre, anklänge von singer/songwriter und doch mit einer beseelten popnote, der nicht zuletzt die feine klinge in sachen liedkonstruktion zu grunde lage. denn an den mann gebracht wird erst, wenn auch der letzte ton am rechten platze sitzt, so verstehen wir oliver l., der lange zuvor schon unter dem moniker uphill racer auf sich aufmerksam machte und nun in neuem ornat neue wege geht. wenn ronny an der gitarre treibt, lebt oliver am cello besitzstand, hier die süße, dort der schmerz, "beautiful lie" wird zu einem ausfallschritt, um dem alltag zu trotzen, dem moment eine chance zu geben, "oh surprise" zu einer stillen liebelei, die man gern mit nach hause nimmt. mount hawk haben mehr als nur auf sich aufmerksam gemacht, das könnte eine lang anhaltende verbindung werden. erst recht, wenn wir in bälde mit einem tonträger rechnen können.
im anschluss spielten katrin und eugen von the moonband als abordnung der fünfköpfigen münchner band auf, dass es einem die freudentränen in die augen trieb. nicht nur, dass es ihnen gelang, den sound ihrer gesamtruppe einzufangen, sondern vor allem, dass sie ihm einen ganz charakter verleihen konnten. so erinnerten wir das kraftvolle, folkloristisch enthusiastische moment, erhielten als bonus aber eben auch die magische energie, die zwischen den beiden protagonisten entstand. songs des aktuellen albums wie "moonlight shadow" oder "go brother go"wurden auf ihr grundgerüst heruntergebrochen und wurden gerade deshalb beredt vom publikum mit dankesgrüßen versehen. darüber hinaus unterhielt das duo mit wilcos sensationstitel "jesus etc." oder auch mit der tom petty hommage "free fallin". das war allesamt unprätentiös, dafür beseelt, leidenschaftlich und mit einem geist der verbindlichkeit. 
wenn man in der folge noch bei einem happen saß, die gläser kreuzte und von dem berichten konnte, was einem gerade in den geist schoss, dann befand man sich definitiv auf der sicheren seite des lebens. und wer weiß, wovon wir sprechen, der sei zu unseren nächsten soireen eingeladen.
danke an mount hawk, the moonband und unsere gästen!

12.11. lowland hum
14.11. birdeatsbaby
01.12. the almost boheme
in der bergschmiede, pfeuferstr. 38, münchen-sendling.

Montag, Oktober 02, 2017

new rhythm (1)

neulich, wir fuhren des nächtens heim, stahl sich ein rehkitz ins scheinwerferlicht. die bremsung kam spontan und gerade rechtzeitig, um das junge tier nicht zu verletzen. es sprang davon, wie wir unseren weg fortsetzten, vermutlich mit erhöhtem puls und ebensolcher aufmerksamkeit. mittlerweile könnte ich autoblogger werden. jeden tag reissen wir mindestens 140km ab und jeden einzelnen bereue ich der verlorenen lebenszeit wegen. aber ist es tatsächlich so schlimm? mitnichten. die gespräche, das beisammensein und die musik vollenden momente der höchsten konzentration.
also werde ich Euch nicht mit stories langweilen, die von eingeschlafenen lkw-fahrern erzählen oder von unfällen, deren opferbilder man schnell vergessen möchte. viel lieber schiebe ich, so es die zeit zulässt, den einen oder anderen musiktipp mit ein, in diesen ach so neuen lebensrhythmus.


is this really me - the iron door (ice will melt records, 2017)
> lange nicht mehr so euphorischen folkpop gehört, die melodien sämig und rein wie gebirgswasser, jegliche harmonie traut sich ein positives ansinnen, memorables material allenthalben, dazu ein störrisch-schöner finnenakzent und großzügige instrumentierung mit streichern und trompeten, und an keiner stelle hat man das gefühl, hier läge konstruiertes vor, denn wenngleich man sich in sachen inhaltsschwere mit dostojewski auseinandergesetzt hat, überwiegend emotion und gestalterische finesse, ein echtes kleinod. is this really me

elizabeth devlin - orchid mantis (selfrelease, 2017)
> nicht weniger großartig ist der artyfolk der brooklyner künstlerin, die erneut ihre ausnahmestellung beweist, ihrer autoharp stellt sie nicht nur ihre höhen kickende stimme zur seite, sondern lieder voller poesie, die sie in ein gesamtgebilde gestellt sehen will, dafür braucht es zeit und die nimmt man sich schnell, hat man sich erst einmal im kosmos der eigenwilligen jungen frau eingefunden, die wortreichen songs verführen zu wüsten kopfkinofahren, wir wünschen freude und beste unterhaltung, im wahrsten sinne des wortes. elizabeth devlin

lord youth - gray gardens (bb*island, 2017)
> spürte man nicht diese sublime energie, könnte man sich auf lässig abgehangenen stoikerrock einigen, doch da ist eine menge mehr, verlassene vokabeln, aufgegabelte reden, die man an den kunden bringen muss, dazu jedes erdenkliche musikalische sentiment, das grollend bluesen kann, zerknirscht den singer-songwriter nachahmen muss, noisig ausreift, micah blaichman ist facettenreich und doch nur ein typ, der es auf den punkt bringt, dass es der spielarten vieler dafür braucht, will man ihm um himmels willen nicht vorwerfen. lord youth