Samstag, November 23, 2013

eingestreut (581): hiss golden messenger


"bad debt" heißt das album aus dem jahr 2010, welches im kommenden januar eine neuerliche würdigung erfährt, dann nämlich wird es neu veröffentlicht. paradise of bachelors records zeichnet für diese unternehmung verantwortlich. nicht zuletzt aber muss man hiss golden messenger für das album danken. auf der expanded edition wird ab 14. januar für den interessierten hörer nicht nur der nachfolgend vorgestellte track "drum" nebst der restlichen originalen liederansammlung zu finden sein, sondern weitere unveröffentlichte tracks. wie sich das eben für so ein reissue gehört.
wer noch nicht so vertraut ist mit der "band" aus durham, der vor allem der songwriter m.c. taylor und der mulitinstrumentalist scott hirsch vorstehen, der möge sich nun heranarbeiten können. die beiden machen seit mittlerweile zwanzig jahren gemeinsam musik, da ist schon ein bißchen was bei rum gekommen (inklusive der court and spark alben). seit ca. 2009 haben sie sich mit dem schlagzeuger terry lonergan, dem gitarristen william tyler und mit bandmitgliedern von megafaun, the black twig pickers, pelt und anderen mehr zusammengetan und unter dem label hiss golden messenger alben aufgenommen: "country hai east cotton" (2009), "root work" (2010), "bad debt" (2010), "poor moon" (2011), "hiss golden messenger plays elephant micah plays hiss golden messenger" (2012), "lord i love the rain" (2012) sowie "haw" (2013) seien zur weiteren meinungsbildung genannt. 
musik, die so pur und glanzfrei ist, dass man sich über das scheuern auf dem rauen geviert neu definieren kann. nicht zuletzt birgt dieser purismus die gefahr von aufsteigender schönheit, die eine ewigkeit wärt. wenn Euch ein paar klassikeralben einfallen, dann reiht dieses hier vielleicht demnächst mit ein.

Freitag, November 22, 2013

glotzt nicht so romantisch (540): damien jurado


vor fast zwei jahren konstatierten wir in der betrachtung des damals aktuellen werks von damien jurado:
mit seinem zweiten werk, das er in personalunion mit richard swift einspielte [...], setzt er den weg von ressourcen- und reibungsverlust fort. nicht nur, dass er den klagen gebührend platz einräumt, er umfängt sie auch noch in unanständig schöne rahmen. zwei jahre nach "saint bartlett" glaubt man den barden aus seattle wieder neu entdecken zu müssen.
seine songs sind stille wunder. miniaturen, die sich auf das wesentliche beschränken. eine melodie, ein lyrischen raunen, umweht vom odem der düsternen leichtigkeit eines freigeists. "maraqopa", welches im februar auf secretly canadian erscheinen wird, gerät zu einem meisterwerk, das sich unaufgefordert den weg bricht, wie es augenscheinlich sittsam frönt und doch die hintertür nimmt, um willenlos zu machen. 
... und waren schwer begeistert. nun steht ein neues full length an, das mit "silver timothy" eingeläutet werden soll, der ersten single. damien jurados album wurde auf "brothers and sisters of the eternal son" getauft und wird am 17.01.14  auf secretly canadian erscheinen. aufgenommen wurde es in den national freedom studios, erneut gemeinsam mit dem produzenten richard swift. kein geringerer als father john misty lies sich gar zu einem essay über das werk hinreissen, nachzulesen hier. mit video und dazugehörigem song wollen wir das nahe erscheinen gebührend feiern. seid Ihr dabei?



Donnerstag, November 21, 2013

eingestreut (580): les yeux d'la tête (tour + verlose!)


eine vogelfreie musik ist das, die uns les yeux d'la tête aus paris da unterbreiten. obwohl noch nicht im konzerttagebuch zitiert, es rekrutiert nun einmal einen großen teil seiner berichte hier her, existiert diese vielgestaltige truppe in der seinemetropole an ganz vielen prominenten plätzen. mit ihrer folklore-, chanson- und varieté- mixtur lassen sie sich an der u-bahnstation genauso nieder wie am ufer des stadtdurchziehenden flusses (mal abgesehen davon, dass sie eine hochzeit ordentlich durcheinander wirbeln können). im november aber beehren sie die germanischen landzüge und lassen sich hoffentlich auch in deiner stadt nieder.

das debütalbum, so viel vielleicht noch zum neugierig machen, hieß "danser sur les toits" und wurde auf mehr als 350  konzerten in frankreich und dem restlichen europa vorgestellt. übersetzt heißt die redewendung aus dem bandnamen so viel wie ein vermögen wert sein. ich hoffe, ich irre nicht. aus dem licht ist auch nicht gegriffen, dass sich die band ganz einfachen songwritings bedient, das zunächst immer auf das lied selbst abzielt. dass die chose schnell etwas gewaltiger wird, liegt ganz sicher in dieser euphorischen truppe selbst begründet. die lässt flink die sie schützenden felle fallen und glänzt mit tanzflächen tauglichen beats, munteren gitarrenläufen und hallverstärktem. Ihr werdet begeistert sein, auf tonträger (das zweite album ist längst draußen) wie auch live (daten siehe unten).

um Euch noch ein wenig mehr in stimmung zu bringen, verlosen wir drei exemplare der fünf tracks umfassenden "parisienne" ep (2012) dieser staubaufwirbelnden kapelle! Ihr müsst dazu lediglich unter klienicum at yahoo dot de meldung machen, stichwort: "ein vermögen wert sein". viel glück! einsendeschluss ist der kommende samstag!





21.11.13 Les Trois Baudets ( en version Duo ) Paris
22.11.13 Alte Feuerwach Duisburg
23.11.13 Tollhaus Karlsruhe 
25.11.13 Ampere Munich 
26.11.13 Brotfabrik Frankfurt 
27.11.13 E-Werk Erlangen
28.11.13 Kulturwelten Helmbrechts 
29.11.13 Kulturwelten Helmbrechts 
30.11.13 Laboratorium Stuttgart

Mittwoch, November 20, 2013

eingestreut (579): porches


ja, ich nenne das raffinesse. denn eine gewisse art raffinesse bringen die folkrocker von porches durchaus mit. manchmal klingt das gebräu, was die brooklyner da erstellen, alles andere als feinsinnig und ziseliert. doch viel zu wenig spinnert ist es, als dass man etwas ausbalanciertes, so will ich es nennen, auszuschlagen gewillt wäre. mit "townie blunt guts" beweisen sie eben dies. der track wird sich auf der splitsingle mit lvl up befinden, die am 26. november auf birdtapes herauskommen wird. gute gelegenheit, um neben den powerpop helden von lvl up auch auf das letzte full length von porches hinzuweisen. "slow dance in the cosmos" erschien im kürzlich vergangenen august und behält rafiniertes wie unten stehendes bereit!

Dienstag, November 19, 2013

neue töne (1355): cars can be blue


photo by jim hix

es ist eine der vielleicht simpelsten varianten des pops, die cars can be blue anbieten, aber letztlich auch eine derer, die am meisten unter die haut gehen. das trio aus becky brooks, nate mitchell und jeremy dyson kommt vom bubblegum und versteckt sich dabei nicht hinter der süsslichen melodie, sondern weiß genauso gut auf die k.... zu hauen. da schrammeln die gitarren verletzlich und das schlagwerk rumst, dass es eine wahre freude ist. haben sie sich früher gern als kombi aus dressy bessy mit sarah silverman oder tullycraft trifft auf adam sandler oder beat happening trifft auf tenacious d verstanden, so führen sie heute dieses abbild konsequent fort. mit ihrem neuesten kurs in sachen hochgeschwindigkeitspop mit attitüde bringen sie vierzehn pretiosen an den start, die Euch ebenso überzeugen sollten, wie es die vielzähligen vorgänger bereits gekonnt haben dürften. seit 2002 fühlen sie sich, zunächst als duo aus becky und nate startend, später aufgrüstet um den agilen jeremy, verantwortlich für ein geradeaus- songwriting, das nur der jenige nicht goutieren wird können, der vielleicht über die humorigen texte stolpert. alle anderen fühlen sich unvermittelt mitgenommen, wenn sich die harmonien so lustvoll unter die fußsohlen legen.
"nate mitchell und becky brooks aus athens zelebrieren eine art garagenpop oder twee für rüpel. stoßrichtung ist meist vorwärts, becky plärrt und nate ergänzt wirtschaftlich. kopfschütteln gibt es umsonst, spaß macht das immer. man kann förmlich sehen, wie schrammelgitarren und objekte zum trommeln malträtiert und zerlegt werden.", so hieß es übrigens im mai 2008 bei uns zu cars can be blue. das aktuelle album findet Ihr natürlich beim nicht tot zu kriegenden happy happy birthday to me records label!

Montag, November 18, 2013

neue töne (1354): samantha glass / karen novotny x


wir möchten mit einem kurzen exkurs zwei aktuelle veröffentlichungen auf the great pop supplement würdigen. es handelt sich einerseits um die vinylausgabe von "midnight arrival", des im letzten jahr auf kassette erschienen releases von samantha glass, andererseits um eine split 7", auf der sich neben samantha glass auch karen novotny x finden lassen. bei letzterer kapelle handelte es sich um ein mysteriöses und lange verschollen geglaubtes trio aus east london, das von cy levene geführt wurde und ende der siebziger mit dem full length "nothing here now but these recordings..." und einer 7" ep aufwarten konnte. beide waren nach einem wimperschlag ausverkauft. noch heute erhält der the great pop supplement boss dom mails von levene, in denen er nicht nur abseitigen gedanken nachhängt, sondern denen er ebenso aktuelle tonale ergüsse beifügt. dass sich darunter mal ein knaller wie "join hands" befinden würde, hatte wohl auch dom nicht mehr geglaubt. der track befindet sich nun auf der besagter split single, während auf der b-seite samantha glass zu hören ist.
dabei wiederum handelt es sich um die musikalische plattform von beau devereaux, der bereits auf digitalis und golden cloud veröffentlicht hat. "midnight arrival" ist sein zweiter longplayer. er erschien im februar des letzten jahres in limitierter auflage auf kassette. die acht synthie basierten tracks wurden für die vinylversion um zwei weitere ergänzt. das hörvergnügen dieser musik liegt alles andere als verborgen. die aus der elektronika fliessenden soundwellen überschwemmen das beeindruckte gehör. es ist ein gebräu, das sich in sanfte strudel begibt, um dort in ewigen kreisläufen zu verweilen, die einer steten hypnose gleichen. krautrocksentenzen, die sich abrufen ließen, das programm deutscher elektropioniere in den siebzigern sieht sich widergespiegelt, das hoffnungsfrohe frühen pops sowie die unbehandeltheit des lofi, ausgedrückt in verwaschenen gesängen, einer abesägt assoziierten drum machine, flächig übereinander gelegten gitarren- und drone- spuren.
also, wir zeigten uns begeistert von dieser leicht verschrobenen und dennoch stringenten angelegenheit. bei beiden releases sollte man flink sein, the great pop supplement ist nicht nur für seine vorzeigbaren veröffentlichungen bekannt, auch für die flinken verkäufe. ranhalten!

Sonntag, November 17, 2013

eingestreut (578): angel olsen


ein feiner erster track namens "forgiven/forgotten", eine redewendung, die ich übrigens sehr mag, die aber zu selten anwendung findet, weist auf das kommende album von angel olsen hin. "burn your fire for no witness" erscheint am 18. februar auf jagjaguwar und klingt sehr roh und unbelassen. schließlich blickt die junge dame, die mit ihrer ep "stange cacti" und dem erstling "half way home" ordentlich beeindruckt hatte, auf ein jahr aus "herzschmerz, reisen und wandel" zurück. mich erinnert der erste höreindruck an den karrieresprung einer rose kemp. was denkt Ihr?

Samstag, November 16, 2013

neue töne (1353): the native sibling


wenn mir musiker schreiben, sie würden meinen blog bereits eine weile verfolgen und darin lesend inspiration finden, glaube ich das nur zum teil. bis gar nicht. am ende sollen auch wir für sie in die bresche springen. wenn das aber so nett und anrührend formuliert ist wie bei the native sibling, dann erspare ich mir tiraden und das wöchentliche wettern über die verlausung des kulturbetriebs.
klar, auch sie wollen er- bzw. gehört werden, stellen aber lediglich zur verfügung..., und bitten... oder könnte sich vorstellen, dass...
ach, kommen wir zum wesentlichen. wir treffen hier auf ein duo aus santa cruz, welches eine der einfachsten formen der zusammenkunft darstellt: geschwister. bruder und schwester vielmehr, ryan und kylee williams, die erst über umwege festzustellen hatten, welche gabe ihnen gegeben war. so zog die junge dame für eine weile nach irland, kam dort mit lokalen musikern zusammen und musizierte auf teufel komm raus. der bruder, der sie alsbald besuchen kam, mischte sich ein und fortan hatte man zu konstatieren, wie verteufelt gut die beiden stimmen miteinander harmonierten und wie weit fortgeschritten das (gegenseitige) musikalische verständnis ausgebildet war, ohne dass man wirklich davon wusste. denn vorher hatte man es noch nie probiert! ein paar songs liefen durch die kehlen der geschwister und, so berichten sie, es fühlte sich an, als hätte man seit jahren nichts anderes getan.
2012 brachten sie mit unterstützung eines freundes in santa monica ihre erste ep heraus und tourten darauf hin, um etwas später für zwei monate in brooklyn einzureiten. dort forcierten sie die aufnahmen für ihr debütalbum und ließen sich von daniel mendez (noah gundersen, heart) unterstützen. "letters kept to ourselbes" enthält u.a. die beiden tracks "carry you" und "oh, sing", die bereits auf kcrw rotierten bzw. in einem video verarbeitet wurden.die insgesamt zehn lieder zeugen von einem vollendeten verständnis füreinander und legen zugleich zeugnis von der aufmerksamkeit für die dinge ab, die die beiden umgeben bzw. umgaben. emotionale lyrics begleiten die schweren harmonien und berichten vom frühen tod der mutter, aber auch von der schönheit der landschaft, in der die geschwister aufwuchsen. die frühe musikalische erziehung genossen sie übrigens bei joy williams von civil wars, die ihre nanny war und die ihnen noch heute als inspiration dient.
taucht ab in eine form der perfektion, die selbst ich alter krauter goutiere. manchmal braucht das seelchen nicht mehr. see you.

Freitag, November 15, 2013

eingestreut (577): stephen malkmus and the jicks


wir schleichen uns immer mehr ins neue jahr. ein blick auf 2014 weist u.a. ein neues album von stephen malkmus and the jicks aus. "wig out at jagbags" (matador records) wird es heißen und den nachfolger von "mirror traffic" darstellen, dem 2011er werk der band um den charismatischen frontmann. zum album sagt dieser: “wig out at jagbags is inspired by cologne, germany, mark von schlegell, rosemarie trockel, von spar and jan lankisch, can and gas; stephen-malkmus-imagined weezer/chili peppers, sic alps, uva in the late 80′s, nyrb, aroma charlottenburg, inactivity, jamming, indie guys trying to sound memphis, flipper, pete townshend, pavement, the joggers, the nba and home life in the 2010′s …”
wenn das nicht hoffnung auf ein großes ganzes macht, oder? zudem liest sich das tracklisting vergnüglich. nachfolgend zudem ein erster tonaler ausschnitt aus dem album sowie konzertdaten.
 tracklisting: 1. planetary motion 2. the janitor revealed 3. lariat 4. houston hades 5. shibboleth 6. j smoov 7. rumble at the rainbo 8. chartjunk 9. independence street 10. scattegories 11. cinnamon and lesbians 12. surreal teenagers 


Mon Jan 13 — 
Leeds | Brudenell
Tue Jan 14 — 
Glasgow | Oran Mor
Wed Jan 15 — 
Manchester | Gorilla
Thu Jan 16 — 
London | Forum
Sat Jan 18 — 
Paris | Divan Du Monde
Mon Jan 20 — 
Madrid | Joy Eslava
Tue Jan 21 — 
Barcelona | Bikini
Thu Jan 23 — 
Milan | Tunnel
Sat Jan 25 — 
Fribourg | Fri-Son
Sun Jan 26 — 
Frankfurt | Zoom
Mon Jan 27 — 
Berlin | Postbahnhof
Wed Jan 29 — 
Copenhagen |Vega
Thu Jan 30 — 
Hamburg | Knust
Fri Jan 31 — 
Cologne | Gebaude 9
Sat Feb 1 — Brussels | Botanique Orangerie
Sun Feb 2 — Amsterdam | Bitterzoet

Donnerstag, November 14, 2013

glotzt nicht so romantisch (539): juana molina / dirty projectors / suns of thyme

das neue album erschien am 01. november, auch auf "wed 21" blieb die argentinierin ihrem nur schwer zu durchschauenden konzept treu, crammed disc zeichnet verantwortlich: juana molina:



"swing lo magellan" hieß das letzte album der new yorker band um dave longstreth und Ihr könnt mir glauben, der hier ins bild gesetzte track "impregnable question"gefällt uns so sehr, dass wir uns auch um das sechste video vom mittlerweile siebten album kümmern: dirty projectors:



"soma (god for gods)" soll Euch die einstimmung auf das kommende album "fortune, shelter, love and cure" erleichtern, es kommt am 15. november, wird als debüt in die geschichte der band eingehen und zeugt von einem neopsychsound, den Ihr sicher nicht so schnell vergessen werdet: suns of thyme:

Mittwoch, November 13, 2013

konzert: scott matthew, 11.11.13


das war mein moment an diesem abend: "come let me love you / let me give my life to you / let me drown in your laughter / let me die in your arms / let me lay down beside you / let me always be with you /  come let me love you / come love me again". das john denver liebeslied "annie's song" sang scott matthew an diesem abend derart ergreifend, dass mir die tränen in den augen standen. wer mich kennt weiß, dass ich nur bedingt zu solch emotionalen entgleisungen neige, aber an diesem abend gelang dem new yorker barden etwas, was ich in seinen letzten konzerten vermisste. distanz. distanz zum material, die es ihm erlaubte, eindringlicher und immanenter zu sein. das losgelöst sein von der eigenen not, den existentiellen kümmernissen, der bedarftheit gibt matthew die kraft und eine art segen, sich neu zu öffnen, auf eine weise innigkeit zu demonstrieren, die weitaus tiefer geht, als dass sie gelingen mag, wenn man selbst um sein seelenheil ringt. so zeigte sich am fortgeschrittenen abend in den münchner kammerspielen ein mehr als aufgeräumter und sich zu späßen eingeladen fühlender entertainer, der um seine gunst in der bajuwarischen hauptstadt wusste. scherze und minimale anekdoten, dazwischen eine kleine textunsicherheit oder die abstimmung mit den sideparts, nichts, was ihn aufhielt, vom auftritt selbst angetan zu sein. selten sah man matthew so aufgeräumt.
aus der dritten reihe beobachtend, erlangte man also blick auf einen mann, der die bitternisse nicht mit füssen tritt, der sich ihnen übergibt, um sich wieder aus ihnen zu befreien. 
was ihn unterscheidet. 
seine verfügungen sind schließlich keine blaupausen, dafür mutmacher und atteste für ein erfolgreiches ringen um persönliche freiheit und integrität.

neben dem langzeit kumpanen eugene lemcio, der die elektronik bediente und sich an flügel bzw. e-piano verdingte und dabei merklich im hintergrund blieb, fiel vor allem der wunderbar aufspielende jürgen stark an diversen gitarren auf. selten zu läufen herausgefordert, gänzlich abzusehen von soli, perlten die töne aus seinen halbakustischen bzw. elektrischen gitarren, als würden sie gerade erst geboren. wie aus erster hand erklangen aus stolz und meisterschaft die melodien, griffen die bassgrundierungen und hatten bestand die rhythmischen verflechtungen. ein ums andere mal erstaunte der junge mann mit einer einfühlsamkeit und reduktion, dass man sich nur ärgerte, nie vorher von ihm gehört zu haben. denn verpasst haben musste man ihn allemal. wie sachte er die saiten nahm, sie strich und mit den fingerkuppen belegte, sie zur richtungsweisung zwang, ganz nach gutdünken seines meisters, das war oft erstaunlich, mehr noch klang alles unpräentiös und dabei sehr vital. für einige lieder wurde die truppe um dem zündfunk moderator tobi ruhland am hackbrett ergänzt. eine folkloristische einlage und nicht mehr als eine fußnote.

in die coverversionen von bspw. "to love somebody" (bee gees), "total control" (the motels), "harvest moon" (neil young) oder "smile" (charlie chaplin) fügte sich hervorragend das matthew eigene "the wonder of falling in love" von gallantry's son" ein, worauf hin am ende dieser titel aneinanderreihung der gesamte saal "i wanna dance with somebody" (whitney houston) intonierte. ein fast schon erhabener moment, der jedoch niemandem das grinsen aus dem gesicht zaubern konnte.
zwei zugaben später war schluss. persönliche lieblinge wie "abandoned", "little bird" oder "for dick" erklangen zuvor und bekamen in neuem gewand ein taufrisches gesicht. interpretation von klassikern, die auf dem aktuellen album "unlearned" ein zuhause gefunden hatten wie roberta flacks "jesse" bildeten fürderhin den rahmen und glitten ins matthewsche liedgut wie ein warmes messer in butter. 
vielleicht ist am ende ein gutes sinnbild, wenn man sich scotts interpretation von "anarchy in the u.k." vor augen führt. ernsthaftigkeit und humor, irgendwie eine neue schnittmenge im erleben dieses künstlers.

(sorry für die schlimmen bilder, aber der intime abend gab nicht mehr her, ohne störend zu wirken.) 
26.11. GER FRANKFURT Mousonturm
27.11. GER COLOGNE Kulturkirche
28.11. GER DUISBURG Grammatikoff
07.12. GER AACHEN Musikbunker
08.12. GER HAMBURG Kampnagel
11.12. GER STUTTGART Theaterhaus
13.12. GER WUERZBURG Cairo
14.12. GER DRESDEN Baerenzwinger
15.12. GER LEIPZIG UT Connewitz

Dienstag, November 12, 2013

eingestreut (576): the burning hell, ariel sharratt, mathias kom (tour)


gerade eben hatten wir sie noch im wohnzimmer, da präsentieren sie sich alsbald wieder. zwar unter dem deckmäntelchen the burning hell, am ende aber doch nur zu zweit, wobei es in dieser konstellation keinen makel zu finden gibt. mathias kom und ariel sharratt werden in intimem rahmen auch ganz intime konzerte spielen. gitarre und die prominente klarinette ariels werden in ein geflecht aus melodischem und erzähltem führen, aus dem heraus man nur wieder findet, wenn man den beiden musikern und ihren wenig ausgetretenen pfaden folgt. beide sind mittlerweile in berlin hängen geblieben und werden dort zur freude vieler mitmusiker voraussichtlich auch eine weile station machen. und wenn sie gerade das eben nicht tun, ruhen, dann befinden sie sich auf der straße, um in Euren clubs vorbeizuschauen. bitte sehr, die daten!



15/11/13 Berlin (DE), Kantine am Berghain
10/12/13 Leipzig (DE), Handstand und Moral
11/12/13 Chemnitz (DE), Atomino
12/12/13 Rosenheim (DE), Strehles Biokantine
13/12/13 Kuenzelsau (DE), Kokolores
14/12/13 Heidelberg (DE), Café Gegendruck
15/12/13 Darmstadt (DE), Zucker
16/12/13 Koeln (DE), Die haengenden Gaerten von Ehrenfeld
17/12/13 Baerenbach (DE), Shorty’s
18/12/13 Goettingen (DE), Heimathafen im Pools
19/12/13 Oberhausen (DE), Druckluft
20/12/13 Bremen (DE), YAA!!-Hausmusik
21/12/13 Hannover (DE), Galeria Lunar
24/01/14 Paris (FR), Festival Mo’fo’
20/02/14 Berlin (DE), Weserstr. 58
08/03/14 Frankfurt (DE), Ponyhof 2
8/03/14 Dresden (DE), Altes Wettbüro

Montag, November 11, 2013

ein (p)fund mp3 (458), teil 2

ernest jenning record co. veröffentlicht mitte dezember das longplayer debüt des chapel hill trios aus hunter simpson (guitar and vocals), christopher lauderdale (drums and vocals) and jose boyer (bass and vocals), welches im letzten jahr mit einer ersten ep an den start ging, wetten, dass es Euch gefällt?: daytona:


am 19. november erscheint "forever young" auf to lose la track records, die zweite single "broken" des dreiers aus new york city steht nun zur verfügung und wird kurzerhand weitergereicht, viel spaß mit: tiger! shit! tiger! tiger!:


das duo besteht aus jesse barnes und yvonne ambrée und stellt die erste single "vermona" aus ihrer ep "lionize" vor, der track bezieht sich auf die ddr firma gleichen namens, welche bewandtnis es damit auf sich hat, findet Ihr heraus: take berlin:


auf analogpath bereitet man gerade einen sehr feinen release vor, ein fünf tracks umfassendes werk des britischen ambient- und minimal- musikers wird es wohl, in das wir bereits hinein hören dürfen: richard ginns:


lieber popfan, spricht uns das wunderbare label matinée recordings an und lädt deutlich vor dem eigentlichen releasetermin zum dritten album "some like it pop" der glasgower band ein: bubblegum lemonade:


quentin tarantino hat seine, dege leggs musik bereits in filmen verwendet, mit "how to kill a horse" wendet sich der in louisiana beheimatete wieder direkt an uns, das album erschien am 05. november auf golarwash labs and records: brother dege:

ein (p)fund mp3 (458)

starten wir in die neue runde mit jeffrey wright aus oakland, der sein aktuelles album "kinship" seinem gerade erst geborenen sohn owen widmet, es ist rein instrumental und lädt mehr als nur zum träumen ein, es sind einige besondere tracks darunter: unconditional arms:


sie arbeiten gerade an ihrem neuen, dem vierten longplayer und laden uns bereits ein, uns auf ihn einzustimmen, dank der neuen single "december" sollte es leicht gelingen, die band aus dem fränkischen hat es einfach drauf: the green apple sea:


sie haben gerade frisch ihre "the water" ep an den start gebracht, da gilt es zu feiern und zu teilen, dies gelingt mit dem the flaming lips cover "do you realize" ganz hervorragend, oder was denkt Ihr?: fossile collective:


der bursche stammt aus london, schimpft sich musiker und produzent und setzt seine projektideen entsprechend in eigenregie um, ganz auf d.i.y. abzielend spielt er zudem alle instrumente selbst ein und veröffentlicht am 02. dezember seine debütsingle "the world is over: post-ape:


sie bezeichnen sich selbst als eine art projekt, das auf orchestralen folkpop setzt und unter seinem dach mitglieder von camera obscura, freelance whales, efterklang, stornoway und anderen mehr beheimatet, das album "tales of yesterday" ist bereits zu haben: floating compass:


die nachfolgende single "soft sleep" ist die letzte aus der aktuellen "orange violet" ep, die uns der kreativling zum antesten überlässt, ein spannendes liveexperimentalgebräu: xela zaid:

Sonntag, November 10, 2013

eingestreut (575): dump (tour)


es wird hie und da als legendär bezeichnet, dabei ist das soloding, was james mcnew immer wieder nebenher betrieben hat, vielleicht nur eine liebelei. aber schon eine besondere und mehr als beachtenswerte.der basser von yo la tengo nimmt dabei melodien aufs korn, die er jederzeit bereit zu verwursten ist. aber auf eine so angenehme weise, dass man ihm nicht böse sein kann. im gegenteil hängt man mit dump einmal mehr dem lofi gedanken nach und hat sich prompt durch das viele songs umfassende werk gehört. obsiegen wird jederzeit, das werdet Ihr genauso feststellen, der hang zur harmonie, die anlehnungsbedürftigkeit des musikers. der wird nun an einigen orten europas aufschlagen, um seine musik live darzubieten. es ist der erste auftritt dieses projekts in hiesigen breiten. also gilt, nicht verpassen! mit masha qrella hat sich zudem ein mehr als origineller sidepart angefunden, der zumindest an drei stationen halt macht.
mit im gepäck hat mcnew in jedem fall die reissues seiner 93er bzw. 95er alben "superpowerless" und "i can hear music". die gibt es in einem sonderfein ausgestatteten paket, dank morr music und des remasterings durch bob weston.



21/11/2013 Leipzig (DE) - Conne Island w/ Lali Puna
23/11/2013 Hamburg (DE) - Hasenschaukel
25/11/2013 Berlin (DE) - Monarch w/ Masha Qrella (solo)
26/11/2013 Hannover (DE) - Galeria Lunar w/Masha Qrella (solo)
27/11/2013 Köln (DE) - King Georg w/ Ed Askew
28/11/2013 Düsseldorf (DE) - Kassette
29/11/2013 Göttingen (DE) - Pools w/ Masha Qrella (solo)
30/11/2013 Utrecht (NL) - Le Guess Who Festival

Samstag, November 09, 2013

eingestreut (574): vorschau puls- festival 2013


das festival in den orchestersälen des bayerischen rundfunks feiert ein jubiläum. zehn jahre ist es nun am start, sei es unter dem moniker bavarian open, sei es unter on3- festival, wie noch im vergangenen jahr oder sei es nun unter puls- festival, da sich der veranstaltende radiosender ein neues gewand gab. am konzept ändert das jedoch nichts. weiterhin wird auf frische internationale kost gesetzt, die noch keine abgreifspuren aufweist sowie auf heimische gewächse, die noch nachtschatten spenden können, aber bald, und dies ist beiden genannten gruppen gemein, das große licht der öffentlichkeit geniessen werden können.

das lineup der diesjährigen unternehmung klauen wir uns aus dem puls- newsletter und ergänzen um die berichte aus den vergangenen jahren, damit Ihr Euch etwas einstimmen könnt. hier also die teilnehmenden bands 2013:

St. Lucia aus New York Eine der besten Bands, die sich dieses Jahr beim weltweit wichtigsten Newcomer-Festival SXSW in Texas präsentiert hat. Mit ihrem euphorischen Elektropop füllen die New Yorker in den USA bereits große Hallen – PULS holt sie erstmals nach Europa.
Bilderbuch aus Wien Platz 1 in den FM4-Charts, viel diskutierte Videos – Bilderbuch sind eine der wichtigsten neuen Krawallbands aus Österreich. Sie beschäftigen das Feuilleton, zielen aber auf den Magen! Ironische deutsche Texte und eine Liveshow, an die man sich erinnern wird.
Aloa Input aus München Die drei Münchner haben gerade eine der schönsten und klügsten (Düster-)Folk-Platten aufgenommen, die in Bayern in den letzten Jahren erschienen sind. Kein Wunder, dass das fantastische Label Morr Music die Platte weltweit vertreibt.
Milky Chance aus Kassel Mit dem fesselnden Gesang, der akustischen Gitarre und den elektronischen Beats sind Milky Chance die Durchstarter des Jahres. Single ("Stolen Dance“) hat die Top 5 geknackt und auch das Album ist weit oben in den Charts.
Is Tropical aus London Die Briten sind beim todschicken französischen Label Kitsuné unter Vertrag. Eine der hippsten Bands in Europa zurzeit – ungemein einflussreich, was ihren Sound und ihren Stil angeht.
MarieMarie aus München Die Harfinistin ist eine der spannendsten neuen Performerinnen in Bayern – ihr elektronisch angehauchter Kammerpop wird bereits deutschlandweit wahrgenommen.
OK KID aus Gießen Einer der deutschen Newcomer des Jahres! Ihre kontroversen Videos sorgen für Aufsehen, ihre Sprache ist direkt und doch nicht ohne Poesie. Dazu sind sie der einzige deutsche Act, der einen – sogar deutschsprachigen – Song auf dem FIFA-Game-Soundtrack europaweit hat.
Blindspot aus Augsburg Was für eine Entdeckung: Kaum ein Act aus Bayern macht derzeit so cleveren englischsprachigen HipHop – ihr Album wird demnächst die erste Veröffentlichung auf dem Label Anette Records von „Strizi“ Streuner von der Frittenbude.
Torpus & The Art Directors aus Hamburg Neuentdeckung von Thees Uhlmanns renommiertem Indielabel Grand Hotel van Cleef – man nennt sie bereits die "deutschen Mumford & Sons“.
Le1f aus New York Einer der wenigen offen homosexuellen Rapper. Er hat für die legendäre HipHop-Crew Das Racist einige Hits produziert (Das Racist haben letztes Jahr auf der Bühne des PULS Festivals ihre Auflösung bekannt gegeben) und ist selbst ein höchst energetischer Performer.
Wyoming aus Nürnberg Eine der vielversprechendsten Bands in Bayern zur Zeit – Vergleiche mit Radiohead sind nicht aus der Luft gegriffen.
Jesse Boykins III aus New York Einer der mitreißendsten und besten neuen Neo-Soul/R'n'B-Sänger weltweit. Sein Auftritt beim SXSW-Festival in Texas war eines der Gesprächsthemen in Austin dieses Jahr – PULS holt ihn erstmals mit Band nach München.
Fuck Art, Let’s Dance! aus Hamburg Eine der besten Livebands, die es derzeit in Deutschland gibt – Schweiß wird von der Decke tropfen!
Paper & Places aus Regensburg Hymnischer Indierock mit Potenzial für eine internationale Karriere – eine absolute Ausnahmeband!
HAERTS aus New York Bezaubernder Indie-/Elektropop, der derzeit viel Beachtung in eingeweihten Musikblogs findet.
Reptile Youth aus Kopenhagen Eine der energetischsten Livebands in Europa – und das gebrochene Bein, das sich der Sänger bei einem seiner vielen Ausflüge ins Publikum geholt hat, ist bis zum PULS Festival wieder verheilt.

die wichtigen randdaten seien ergänzt: stattfinden wird das festival am 30. november! einlass ist ab 19:30 uhr! alle weiteren infos zu timetable usw. findet Ihr immer aktuell unter deinpuls.de/festival!
BEACHTE: der offizielle vorverkauf findet ab 11. november statt, alle üblichen vorverkaufsstellen, auch online, stehen Euch zur verfügung. und bitte: seid fix, denn ausverkauft war das festival in der regel sehr, sehr schnell!



die vorjahre in der reflexion des klienicums:
bavarian open 2006, u.a. mit cat power und the thermals
bavarian open 2007, u.a. mit scott matthew
bavarian open 2007, u.a. mit the felice brothers, scout niblett, band of horses
on3 festival 2008, u.a. mit clara luzia
on3 festival 2008, u.a. mit uphill racer, port o'brien
on3 festival 2009, u.a. mit my little pony, the great bertholinis
on3 festival 2009, u.a. mit royal bangs, chris garneaux
on3 festival 2010, u.a. mit telekinesis
on3 festival 2010, u.a. mit born ruffians, crystal fighters
on3 festival 2011, u.a. mit team me
on3 festival 2011, u.a. mit moop mama
on3 festival 2011, u.a. mit neon indian
on3 festival 2012
on3 festival 2012, u.a. mit stealing sheep
on3 festival 2012, u.a. mit lower dens

Freitag, November 08, 2013

eingestreut (573): magic trick


tim cohen kennen die meisten von Euch von the fresh and onlys. mit magic trick hat er sich zudem immer wieder neu erfunden, ein gewand, aus dem heraus er uns anfang dezember, via empty cellar records, mit dem album "river of souls" beglücken wird. erste musikalische verweise gibt es bereits, die uns auf einen pfad führen, der abseits der lofi-gründe liegt, aber nicht außer acht lässt, dass lebendigkeit die triebfeder allen tuns ist. cohens wunderbare tiefe stimme korrespondiert auf "come inside"  hervorragend mit dem beigefügten gesang von noelle cahill und alicia vanden heuvel. dazu fundamentieren bass und perkussion einmalig. die stille melodie fordert das ohr des hörers. man darf auf den rest des albums sehr gespannt sein. als vinyl in 500er auflage.

Donnerstag, November 07, 2013

konzert: susie asado, 05.11.13


für manche mag das normal sein, für andere eben nicht. die kreise sind eng gezogen. die begegnungen begrenzt. was man fürderhin alltag nennt, bewahrt auch und sorgt für sicherheit. entzieht man sich, fordert man belebung ein und läuft möglichen gefahren direkt in die arme. ein wagnis nicht nur, fremde in sein haus zu lassen, sondern darüber hinaus auch sie durch bekannte zu ergänzen. dann mischen sich die perspektiven. die kontraste werden hervorgehoben und aus absichten werden vielleicht feste verabredungen und aus mutmaßungen gewissheiten. abende, an denen bei uns welten aufeinander treffen, schärfen unseren blick für lebendigkeit und für den mut sich dem bekannten, aber auch immer wieder neu dem unbekannten zu stellen.

mit susie asado alias josepha conrad nebst ariel sharratt und mathias kom, letztere leicht the burning hell zuzuordnen, durften wir musikalische prominenz der besonderen güte begrüßen. die fleißig tourenden schrammten unser örtchen und ließen sich bereitwillig auf das abenteuer hauskonzert ein. mit knapp zwanzig gästen ließ sich das beengte gut ertragen, und die eigentlich angestrengte intimität dieses mehr als einstündigen moments blieb dank des entgegenkommens der künstler als auch der natürlichen empathie insbesondere susie asados von vornherein auf der strecke. so standen genuss und ein abend ohne reue auf dem plan, an welchem man aufmerksam den philosophisch getränkten liedern und zwischenberichten der in berlin lebenden künstlerin folgen konnte. 


geschichten, die oft nur, als würde die zeit still stehen, einen kleinen ausschnitt betrachten. die details aufs tableau bringen, die andere unbeachtet vorbeiziehen lassen. aus denen heraus sich aber reflexionen über das leben verallgemeinern lassen. die große kunst von susie asado, die ihre musik gern auch als kollektives erlebnis versteht, bei dem sich kollegen die klinke in die hand geben und wechselnde besetzungen bedeuten, den klang eines stücks zu  varrieren, ihm aber nicht den kern zu entziehen. sei wachsam, beobachte die welt um dich herum, mach sie dir zu eigen, wenn du sie keinem stiehlst. nimm die magie eines augenblicks wahr und teile sie mit anderen. such nach der kindlichen freude, wenn du sie unterwegs verloren hast, und wenn du sie gefunden hast, halte sie fest und gib auf sie acht. 


so erfindet susie asado bilder, die auch dem hörer sofort plausibel erscheinen, weil sie unausgesprochene wahrheiten transportieren, oder weil sie momente beleben, von denen man längst eine ahnung hatte. wie das bild vom ehemaligen flughafen tempelhof, der der künstlerin das vertrauen darin gibt, dass es immer wieder ein vorwärts, ein weiter oder ein gutes ende gibt. "onward aeropuerto", worte, die einem mantra ähnlich vertrauen und sicherheit zurückgeben. das gleichnamige lied steht auch dem aktuellen album vor, aus dem unter anderem auch die klangmeditation "cloud" vorgetragen wurde, da ariel sharrett lediglich die luft durch die klappen ihres instruments stieß, ohne dass der klarinette töne entstiegen, da mathias kom über die saiten seines basses streifte und sich so atmosphärisches einstellte, was einem einmal mehr sicherheit entzog. sicherheit auf ein unbelastetes leben. sicherheit darauf, dass sich alles so ergibt, wie man es sich wünscht. trügerisch, darauf zu vertrauen. der betrug lauert um die ecke. das weiß auch susie asado. und erzählt und singt von spionen und von strategien.

wunderbar, der in frankfurt und chicago aufgewachsenen zuzusehen, wie sie ihre lieder mit blicken und gesten, mit freudigen augen illustriert, wie sie die begegnung mit ihrem publikum sucht und zugleich ihre mitstreiter einzubinden weiß. während sie mittels ukulele oder kleiner gitarre vorgaben machte, folgten mathias und ariel willig und malen das noch unfertige bild im rahmen nach eigener coleur mit aus. hier der gründende bass, mit flinker und sicherer hand geführt, dort die klarinette, die zirkulieren und ausformen darf, die akzente setzt und so lustvoll und aufbrausend klingen kann, unterstreicht und betont. denn neben dem narrativen charakter erheben die lieder susie asados anspruch auf nachdruck. wenngleich sie oft mit gleichmut vorgetragen sind, fallen doch die worte nicht als bloße hülse unscheinbaren inhalts, sondern wollen verstanden und verhandelt werden. doch auch der zweifel ist nicht fremd, und nicht alles kann auf den punkt gebracht werden. nicht zuletzt ist es ausdruck dafür, dass noch etwas kommt, das man nicht kennt, nicht kennen kann.


vielleicht aber ist es am ende die nicht vertraute perspektive, die jospha conrad einzunehmen gewillt ist, die die musik susie asados so spannend macht. wer hat schon einen aufwändigen gedanken an die fremdländische pflanze im fenster verschenkt oder sich in die lage einer dame versetzt, die auf einem foto abgelichtet ist. besonders oder 'speziell', wie josepha gern betont. neben "onward aeropuerto" werden auch die vorgängeralben zitiert. so dürfen wir das frühe "hello antenna" geniessen und von "traffic island" u.a. den gleichnamigen song, "tintenlumpenhand", "lady with dog", "little plastic figure", "koffer auf koffer zu. ergänzt wurden diese songs durch ganz neue kinderlieder, die noch unveröffentlicht sind und die die ganze eigene note susie asado tragen und zwischen spannung und freude changieren, stets die wachsamkeit des hörers zügelnd.

die nachbarn, die ihre fremdheit ablegten, die alten bekannten, die man nicht wiederzusehen glaubte. als trüge sich manche geschichte aus dem repertoire der künstlerin vor unseren augen zu. als transzendierte eine idee. als führte josepha conrad eine gewissheit mit sich, die sich dort bewahrheit, wo sie sich gerade befindet. vielleicht ist das einer der gründe, warum Ihr sie nicht verpassen solltet.
danke josepha conrad, danke ariel sharrett, danke mathias kom!

07.11. Erfurt – Theater im Palais
08.11. Leipzig – Frauenkultur
09.11. Berlin – Ackerstadtpalast w/ Jakob Dobers & The Burning Hell (acoustic duo)

FEBRUARY 2014
12.02. Bielefeld – Offkino
13.02. Osnabrück – Lagerhalle (Grolsch Song Night)
14.02. Bremen – Etage3
15.02. Greifswald – Kulturbar

 
(bilder von marius schuller, tausend dank dafür!)

Mittwoch, November 06, 2013

neue töne (1352): breathe owl breathe


an das letzte, an das ich mich im rahmen von breathe owl breathe erinnere, ist die tatsache, dass der dreiköpfigen band aus michigan der tourvan gestohlen wurde. das muss im august passiert sein, der wagen war mit equipment randvoll, ein ärger. die band ist die geschichte ziemlich offensiv angegangen, hat zunächst nach dem gefährt gefahndet und später eine crowdfunding aktion ins leben gerufen, um sich die neu zu erwerbenden gerätschaften zu finanzieren. der wagen wurde schließlich zwar gefunden, war aber verwüstet und von den instrumenten war natürlich weit und breit nichts zu entdecken.
vielleicht aber hatte dieser umstand doch etwas gutes. energien wurden freigesetzt und ein wenig geld gab es von den vielfachen unterstützern auch. etwas daraus wird sicher auch in die produktion von "passage of pegasus" geflossen sein.

das neue album der band um micah middaugh nebst andréa moreno-beals und trevor hobbs enthält zehn tracks und ist der offzielle nachfolger auf das 2010er "magic central". wer sich an den dreier erinnert, erinnert die folkinfizierten festtagstauglichen songs, das verweben von harmonien und das einklinken von muntermachern aus glitzerteilchen und gesängen, aus mosaiken und perkussivem. der sound, stets fein ziseliert und wohltemperiert, weist den weg immer wieder auf breathe owl breathe zurück, als trüge ihn ein ganz spezieller odem, als wäre er von einer aura umhegt, die der hörer wahrnimmt und zuzuordnen in der lage ist. da webt das cello, da giert die unlaunische akustische, da breiten sich die ströme engelsgleichen gesangs aus. etwas fernes und fremdes mischt sich zudem ein, wirkt distanziert und anziehend zugleich. die neuen tracks wirken oft abstrakter als frühere aufnahmen, sind aber nicht weniger einnehmend. hatten sich ältere songs of schnell erschlossen, weil die melodieführung zahm und berechenbar war, so verheißen die aktuellen lieder nachhaltigkeit.

zwei der schönsten songs dieses neuen release, welches im oktober sowohl auf cd als auch auf vinyl erschienen ist, stelle ich hier mit ein. den rest könnt Ihr zum beispiel auf der bandcamp seite hören oder aber wenn Ihr den tonträger Eurer wahl bestellt habt (wer bock auf vinyl hat, kann sich hier gern melden und wir schauen, ob wir eine sammelbestellung hinbekommen).

Dienstag, November 05, 2013

eingestreut (572): crystal soda cream / dot dash (tour)


auf ein tourpaket der besonderen art möchten wir Euch heute aufmerksam machen. da kommen österreicher nach deutschland und möchten Euch ein lied singen! die tourdaten der bands crystal soda cream und dot dash sehen folgendermaßen aus:


insbesondere zu crystal soda cream gerieten uns die worte waidwund, so zu lesen im juni des laufenden jahres:
phew, sausewinde zischeln durch die auf straffheit gedroschene saitenzunft. erst spät wird der vokalen lässigkeit ein psychedelisch aufgebretzeltes element beigefügt. vorab wurde das genre auf machbarkeit abgeklopft und erinnerungen an frühere wiener vorstadtfeste wach. düster dräuen bald basswolken über rhythmischem einklang. kurz vor dem jubilieren knicken jedoch die gitarrenhälse ab, der umschwung wird konzentriert genutzt, um der depression vorschub zu leisten. new wave, punk, post- produkte wehen durch den muffig anmutenden und doch säuberlich aufgeräumten klangraum. tradiertes, altvorderes drängt sich auf. keck lugt jedoch eine dame mit einer packung erfrischungstücher um die ecke.

wir wollen nicht vorenthalten, wie es an selber stelle bald weiterging:
philipp forthuber, sebastian ploier und theresa adamski sind crystal soda cream. der neuzugang auf totally wired records veröffentlichte seinen zehntracker "escape from vienna" im april diesen jahres. die grundlage ihres erfolgreichen auftritts liegt dabei in einem unstrittigen soundmanifest aus rostbelasteten e-gitarrenspuren, denen man lange noch im hall nachsteigen kann, einer gewittertreuen schießbude, die die atempausen erfolgreich zur regeneration nutzt, einem bass im stocksteifen predigergewand, der die persönlichen ausflüchte stets zu rechtfertigen weiß, einer synthiefolklore, die zart schwebend konterkariert und einem gesang, dessen attitüde jedem dark wave helden zur ehre gereichte.
die leiernde gitarre, das stotternd präzise schlagwerk, etwas grissliges im hintergrund, das vom gebet geschundene stimmorgan. "shot by both sides" wird zur kollektivhypnose, wenn man sich dazu im kurzschrittigen tanz verfängt. "freud und jung", der erfrischende opener, punkglorie und feuerfang zugleich, seltener klang robert smith so entlehnt. der titelgebende track blendet mit absatzreifen harmonien und hat dank feiner austarierter texturen hitpotential. keine blender in der organischen soundsuppe, die lediglich durch verschiebungen, verzögerungen und dopplung verfeinert wird. "sweet doom", an erratischem stickbeat, belebtem bass und tropfnasser saitenflagellanz, staubt während jeder bremsattacke ordentlich auf.
hier sind sie am werken. apologeten zwar einer lehre aus zorn und wille und ungebundenheit und persönlicher freiheit, aber keineswegs epigonen. stattdessen gelingt ein charakterfester auftritt. crystal soda cream sind blaupause einer neuen wiener zukunft. denn das album zeigt sich abwechslungsreich wie konstant. jedem song wurde ein treueherz umgehängt, während man ihm die jeweils zustehende liebe angedeihen ließ. doch in der gesamtheit strotzen die zehn songs in ihren gleichfarbenen heimtrikots. mit unterschiedlichen nummern beflockt und mit dem ganz eigenen gleichmut wiener nonchalance aus weltoffenheit und kleinbürgerlichem schmäh strahlend.



nun, mit dot dash gibt es ein weiteres highlight, das die sieben tourtermine mit verwegenem stillstandsound überziehen wird. der vierer schickt sich an, ende november ein neues album auf den markt zu schippen und wird sicher einiges daraus zum besten geben. ein schaurigschönes vergnügen, Ihr werdet sehen.



08.11. Prag - Bajkazyl
09.11. Berlin - Schokoladen
11.11. Dresden - Kukulida
12.11. Leipzig - Zoro
13.11. Essen - Goethebunker
15.11. Esslingen - Komma
16.11. München - Kafe Kult