Freitag, Februar 07, 2014

konzert: deer tick, 05.02.14


wenn man sich an einem abend, an dem sowohl mogwai als auch adam green in der stadt sind, also eine der wirklich angesagtesten postrockkapellen des planeten und der wohl am jugendlichsten dreinblickenden bartträger des erdenrunds und seines zeichens the moldy peaches mitglied, wenn man sich an so einem abend für deer tick entscheidet, muss man wohl als nonkonformistisch gelten. muss man? nein, muss man nicht. denn mit deer tick betritt eine band die szenerie, die nicht leichtfertig in konkurrenz zu oben genannten kalibern gestellt wird. bereits mit "war elephant" hatte die truppe um den charismatischen wie auch immer etwas zu behende wirkenden sänger john mccauley einen exzellenten release aufs tableau gebracht, der ungesteuerten countryrock enthielt, ungeschlacht und reduziert, mit erstaunlichen songs und mit einer stimme vorgetragen, die tote zum leben erwecken könnte. das debütalbum erschien einst (2007) auf jana hunters label feow! records, das es mittlerweile nicht mehr gibt, wurde aber neuerlich (2008) vom darauf hin geenterten partisan records aufgelegt. dort erschienen zudem in loser reihenfolge die alben "born on flag day" (2009), "the black dirt sessions" (2010) und "divine providence" (2011). garniert von den eps "more fuel for the fire" (2009) und "tim" (2012) , abgerundet schließlich vom aktuellen album "negativity" (sept. 2013).

deer tick hatten zwar zu ihrer gründungszeit  keine wirklich lücke besetzt, kümmerten sich aber abseits von zum beispiel o'death oder the felice brothers um das mehrfach geschliffene, das vielfach erprobte, um das auf sich geworfene, um das heulen des verwaisten und doch emsig widerstehenden. stets das gefühl hinterlassend, dass bei aller rauheit und ausgelassenheit kein zwang zur wirkung besteht, dafür aber zur kontrolle und zu einer schrittweise maßgenommenen perfektion. sollte man sich solch eine band entgehen lassen wollen? mitnichten.


was die fünf mannen im münchner ampere schließlich abfeuerten, ließ nicht nur keine wünsche übrig, sondern forderte respekt ein und ließ selbst die protagonisten ob all der positiven reaktionen aus dem auditorium immer wieder breit grinsend zurück. damit hatten sie wohl im biederen münchen, das sie erstmals besuchten, nicht gerechnet. johlen, pfeifen, beifall, textsicherheit zuweilen. nun, da war der ausgesprochen jugendlich wirkende bassist christopher dale ryan, der einen so wuchtig pulsierenden lauf aufbot, dass sich das magengewölbe neu formierte. dabei waren christophers ausführungen mit schwung und einer ungewöhnlichen eleganz versehen. stets im blickkontakt mit seinem rhythmuskollegen hinter der schießbude, ließ sich der die vier saiten bedienende nicht das wasser abgraben und kreierte ein ums andere mal etwas überraschendes. da nicht in konkurrenz, sondern beileibe (im wahrsten sinne des wortes) zugewandt und aufeinander angewiesen, ließ auch der schlagzeuger dennis ryan nichts unversucht, um den beat zu einer vollmundigen verstärkung werden zu lassen. sein spiel war fein austariert. bei aller energie, die er abzugeben wusste, achtete er auf softe elemente, die weder garnierten noch abrundeten, die vielmehr beständiges bestandteil seiner kunst waren. hier die wirbel, dort das tickern, immer wieder ein leicht vertracktes spiel, anzüglichkeiten, die sich, wenn man genauer hinsah, auf seinen tattoos fortsetzen. links von ryan tauchte an diesem abend der keyboarder rob crowell leider etwas ab. was vor allem daran lag, dass sein instrument zu leise war. selten nur hörte man in ausreichender lautstärke den reigen seiner möglichkeiten. wenn, dann schillerte vor allem die hammondorgel durch und versetzte der differenzierten musik einen zusätzlichen kick. doch so wie crowell etwas im abseits platziert war, so wurde an diesem abend wohl auch seine rolle definiert. sehr schade. in der front, deutlich präsenter also, der gitarrist ian o'neill. mit seinem wuschelkopf und in ein jacket gewandet schon auffällig genug, gefiel er dennoch umso mehr mit dem, was er auf seinem instrument zu leisten in der lage war. drall verpassend, akzente setzend oder aber auch teamspieler zu sein, der möglichkeiten waren viele gegeben, alle wurde ausgenutzt, alle rollen ausgefüllt. das dunkelrote gerät, alles andere als ein effektvolles accessoire, wirkte wie eine andauernde jugendkur: belebend, vitalisierend, ermunternd.


alle blicke aber zog die macaulay culkin- jürgen vogel- mischung auf sich, die auf den namen john mccauley hört. der frontmann, sänger und songschreiber von deer tick hat schon eine besondere art des entertainments. seien es die vernuschelten ansprachen, das bier von der bühne mit dem mund anzuheben, die flasche vorher mit den zähnen öffnend, seien es die rockstargesten (siehe suhlen auf dem bühnenboden, besteigen des schlagzeugs, erotik vorgebend an der bierflasche nuckeln usw.). am ende obsiegte der typ, der die vielzahl großartiger songs geschrieben hat. der versonnen seinen worten nachschaute, der tief versunken im gitarrenspiel nie mehr zu erreichen schien. dann glücklicherweise wieder auftauchte, um dem rock 'n' roll einen schrecken einzujagen. mccauley, mit seinem kurz geschnittenen, streng gescheitelten blondschopf, der nachlässigen kleidung und dem strikten leuchten im mund aus goldbezahnung und widerspenstigen lücken, funktioniert als magnet so gut wie ein jonglierender affe, der die primzahlen herunterbetet, nur dass es beim kerl aus providence weniger aufhebens bedarfs. allein sein grinsen ist anziehend. immer zwischen anmut und keckheit changierend, wickelte er das publikum um den kleinen finger. viel häufiger benutzte er ab diesen, um sein abgearbeitetes brett zu bedienen, aus dem die melodien entfleuchten, genauso wie es soli entließ, die honorige qualität besitzen. die setlist ließ kaum wünsche übrig, bot sie neben den eigenen werk auch buddy holly und neil young cover auf. wer sucht, der wird finden.
mit "the rock" gibt es einen echten opener. der startet sacht und leisetreterisch und nimmt gewaltig fahrt auf. was auf platte halsbrecherisch nah am poprock entlang schlittert, ist live eine hardrockige wohltat. da stört auch die saxophoneinlage nicht. ein weiteres highlight: "the dreams in the ditch", schmissig und mit gewaltiger bandpower vorgetragen. die melodie trägt und die burschen sangen in harmonie. wie sie sich eh das mikrofon übergaben, als sei es ein staffelstab. vom frontmann zum gitarristen zum drummer und wieder zurück. allen dreien darf man ein organ attestieren, das zur ehre gereicht. wie der auftritt. wie das publikum. wie das ampere.
setlist: the rock / the dreams in the ditch / baltimore blues no.1 / oh boy / let's go all to the bar / mr. sticks / twenty miles / trash / thyme / don't cry no tears / just friends / the curtain / born at zero / miss k / these old shoes 



im vorprogramm im übrigen erstaunte die junge samantha crain mit guten songs und einer grandiosen, wandlungsfähigen stimme. darf man im auge behalten.

Donnerstag, Februar 06, 2014

neue töne (1345): emma russack


das gitarrengeschnaufe hat schon einen ganz eigenen klang. selbst wie das drumming aus dem hintergrund schnüffelt und rüffelt klingt vertraut. spätestens wenn einen die stimme von emma russack umfängt, ist alles wehren und sperren sinnlos. der tief grundierte gesang hat seine angeln an die weltfesten gekettet und kann sich sorglos im raum bewegen. mit der entdeckung emma russacks rühmten wir vor vier jahren: "die stimme fraulich, reif, weit ab von juveniler ungebundenheit. und trotz der distanziertheit, der kühle, die ihr entspringt, auf jene weise charmant, da man noch zu erobern glaubt. dazu passend das songmaterial, das barjazzatmo genauso atmet wie popappeal, die mischung, die in der blauen stunde mutig macht. innig verbunden mit ihrer musik, würde emma einen vermutlich abblitzen lassen." seit der ersten ep "peasants" und des debütalbums "sound of our city" ist eine menge zeit ins land gegangen, die emma unter anderem mit fleißigem touren durchbrachte. skandinavien und europa standen unter anderem auf ihrer marschliste.
das neue album spielte sie gemeinsam mit alec marshall, cameron potts und jack phillips ein, irgendwo südlich von russacks heimatstadt. gerade mal vier tage benötigte die crew für diese unternehmung. etwas länger brauchte es dann aber, um die aufnahmen zu dem zu machen, was sie nun sind, ein vollständiges, properes album, auf dem u.a. auch jordan ireland von the middle east mit backing vocals zu hören sein wird. mit "you shouldn't" dürfen wir also einen blick ins neue album werfen und sind angetan.

Mittwoch, Februar 05, 2014

eingestreut (610): diane cluck (tour)


eine ausgesprochen große ehre ist es uns, die tour von diane cluck präsentieren zu dürfen. in tiefer verehrung verneigen wir unser haupt vor der in pennsylvania aufgewachsenen künstlerin, die sich vor allem im rahmen der antifolk szene new yorks hervortat. im doppelten sinne, denn ihre songs waren oft die stärksten, die eindruckvollsten, kreativsten. ihren unruhigen geist hat sie behalten und bringt alles andere als in regelmäßigkeit alben heraus. mal hier ein song, dort eine ep, hier eine kollaboration, dort ein solo. hier ein paar demos, dort ein paar livesongs. für den fan nicht genug, für den nicht eingeweihten unverfänglich. doch nun darf man endlich eines neuen album gewahr werden. es wird anfang märz erscheinen und den offziellen nachfolger des 2006er werks "monarcana" bilden. dazwischen aber war diance cluck nicht faul. sie war beständig auf tour, ob nun in europa oder in den staaten, unterstützte befreundete künstler wie herman düne, jeffrey lewis oder cocorosie, schrieb eine menge neue lieder. viele davon stellte sie bereits auf ihrer webseite vor, deshalb klingt der eine oder andere track bereits sehr vertraut. diese tatsache wird das liveerlebnis um einiges verschönern. die daten stehen unten.
 das aussehen, die tracklist und ein erster ausschnitt aus dem neuen tronträger "boneset", bitte sehr:


1. maybe a bird 2. content to reform 3. draw me out 4. not afraid to be kind 5. why feel alone ? 6. trophies 7. heartloose 8. sara



EUROPE presented by ByteFM & das klienicum
April 23rd / Darmstadt, Germany / Gute Stube
April 24th / Cologne, Germany / King Georg
April 25th / Paris, France / Espace B
April 26th / Nantes, France / Le Lieu Unique
April 27th / Bourges, France / Cave 40
April 29th / Geneva, Switzerland / Cave 12
April 30th / Lausanne, Switzerland / Le Bourg
May 1st / Freiburg, Germany / White Rabbit
May 3rd / Ghent, Belgium / Vooruit
May 4th / Utrecht, Netherlands / dB’s
May 5th / Brussels, Belgium / Centre Culturel Jacques Franck
May 7th / Berlin, Germany / Ausland
May 8th / Leipzig,Germany / Wärmehalle Süd
May 9th / Saarbrücken, Germany / Sparte 4
May 10th / Magdeburg, Germany / Courage im Volksbad
May 11th / Prague, Czech Republic / Kavárna Potrvá
May 12th / Augsburg, Germany / Grandhotel Cosmopolis
May 13th / Munich, Germany / hauskonzerte.com (join newsletter for exact address)
May 14th / Düdingen, Switzerland / Bad Bonn
May 15th / Zürich, Switzerland / Bundeshaus Wiedikon

Dienstag, Februar 04, 2014

zu gehör getragen (174)

wild beasts – present tense (2014) 
> immer wieder ausladend, elektronisch aufgepulst, popenergetisch und enorm, dabei mit starken songs und viel wiedererkennungswert, 3,5-4/5

stephen malkmus and the jicks – wig out at jagbags (2014) 
> alles beim alten, möchte man ausrufen, und täte ihnen doch angesichts der hitdichte mehr als unrecht, souveräner status, eben, mindestens 3,5/5 

doug paisley – strong feelings (2014) 
> ein musikalisch eindrucksvolles wie formvollendetes album, an dem es kaum etwas zu mäkeln gibt, während ich überlege: 4/5

solander – monochromatic memories (2014) 
> die disziplin zur elegischen hymne hält nur für zwei tracks, der rest des nennenswerten albums ist eher gewöhnlich schön, deshalb: schade, 3,5/5

neue töne (1344): water liars


für theodore hätte ich mir den kopf eingeschlagen, wäre durchs feuer gegangen oder hätte mir einen finger abgehackt. die band aus st. louis hatte es mir echt angetan. nicht umsonst mühte ich mich in einem raumgreifenden interview ab, mehr über den folk-america-auswurf zu erfahren. im gespräch mit justin peter kinkel-schuster gab es immer wieder das stichwort 'zukunft'. doch weit gefehlt. ein paar jahre später war feierabend und justin gründete die band water liars.

die setzt nun auf eine deutlich punkigere, garagigere note. nicht dass mir das nicht gefallen würde, es ist aber ein definitiv anderer sendeplatz. geblieben ist diese angeschickerte stimme, die nach wie vor mit hingeworfener lässigkeit die traurigsten geschichten erzählen kann. hinter dem sänger poltert es gewaltig und basst und drummt es wuchtig und mit energie. am 04. februar, ähm heute, erscheint der neue longplayer von water liars, das selbstbetitelte drum wird via fat possum / big legal mess records veröffentlicht. es bildet den nachfolger des nicht weniger unerschrockenen "wyoming" aus dem letzten jahr. laut vorstand justin geht es auf dem neuen album vor allem um den versuch ein leben zu leben und auch zu lieben an orten und zu zeiten, die es einem nicht einfach machen. also, die schlechten zeiten überleben, denn niemand entkommt ihnen, die guten zeiten zu geniessen, solange es geht.
selbstverständlich, dass es auf diesem werk mal lauter werden kann, dass sich aber ebenso leise töne ihren weg bahnen. die polaritäten sind längst identifiziert.

mit "cannibal" und "war paint" werden anfangs die seiten bestimmt, hier rau und kompromisslos, dort in betulicher weissagender ausdrucksstärke. die gitarre nimmt maß, der bass geläutert, die perkussive note herausgestellt, gemeinsame fahrt durch nebelgrau. mit "i want blood" kommt ein hookversessene note ins spiel. der rhythmus zackig, im gesang wehmut und das sehnen nach mehr. "swannanoa" trägt balladesken charakter, "let it breath" wiegt sich noch deutlicher im saumseligen. doch vorsichtig, "tolling bells" wartet bereits um die ecke. wer gerade eben noch ins träumerische verfiel, wird aprubt geweckt. vielleicht ist es dieses unberechenbare, was die musik der water liars ausmacht. auf jeden fall aber auch das jugendlich, erholsam frische. ich bin dabei.

Montag, Februar 03, 2014

neue töne (1343) stars in coma


die band um ihren charismatischen sänger andré brorsson haben wir ein ums andere mal gefeatured. eine unterstützung, die wir nur zu gerne übernahmen, da uns dieser beflissene pop stets gut ins ohr ging. wir begeleiteten über die erste ep 2005 hinweg bis zum drei jahre später erschienenen album namens "you're still frozen in time". es folgten 2009 "sister" und zwei weitere jahre später "midnight puzzle" auf dem tollen, kleinen label kingem records. 2012 wurde eine compilation veröffentlicht, auf der sich bis dahin unveröffentlichtes material tummelt. das neue album heißt "confessional sun" und wird am 30. april erscheinen.
andré stand früher stars in coma solo vor, agiert aber seit geraumer zeit längst mit einer kompletten band. so muss er vor allem live nicht mehr auf backing tracks zurückgreifen, sondern kann mit dem dichten sound seiner musiker agieren. gemeinsam haben sie etliche touren durch europa absolviert, im neuen jahr sollen dann auch die staaten folgen. insgesamt also immer breiter aufgestellt, zeigt sich auch ein zunehmend professioneller anstrich. doch keine bange, das unverbrauchte, etwas linkische und gelegentlich somnambule geht der musik brorssons und co. nicht ab. nachzuhören auf einem ersten auszug aus dem neuen album, "by the memorial urn" glänzt an klavieresker nonchalance und einem gesangsbild, das sich nicht zwischen crooner, schlagersternchen und tweepopmonster entscheiden kann. warum auch?

Sonntag, Februar 02, 2014

glotzt nicht so romantisch (552): heated land / hauschka

auf das album haben wir ordnungsgemäßg, wahrheitsgetreu und sehr gern aufmerksam gemacht, nun legen wir die bilder zum video "smash glass" nach und weisen zudem auf die anstehende tour, bitte sehr: heated land:



11.02. München - Glockenbachwerkstatt
12.02. Augsburg - Soho Stage
13.02. Chemnitz - Aaltra
14.02. Saalfeld - Klubhaus
15.02. Stuttgart - Galao
16.02. Nürnberg - Bar Ludwig
17.02. Köln - Weltempfänger
19.02. Braunschweig - Kaufbar
20.02. Schleswig - Kulturnetz
21.02. Hamburg - Hasenschaukel
22.02. Kiel - Prinz Willy
24.02. Greifswald - Alte Kapelle
25.02. Berlin - White Trash
26.02. Leipzig - Wärmehalle Süd
27.02. Weimar - Galerie Eigenheim
28.02. Gera - Clubzentrum Comma

sein neues album erscheint am 14. märz, "abandoned city" wird mit nachfolgendem video neuerlich von uns vogrestellt. der düsseldorfer künstler volker bertelmann ist einer der faszinierensten seiner art: hauschka:



22.03. Berlin (DE), Radialsystem
30.03. Mannheim (DE), Jetztmusik Festival
01.04. Paris (FR), EXIT Festival Creteil
02.04. Paris (FR), EXIT Festival Creteil
04.04. Offenbach (DE), Hafen 2
06.04. Leipzig (DE), Schauspiel
08.04. Hamburg (DE), Nachtspeicher
25.05. Duesseldorf (DE), Schumann Festival

neue töne (1342): trick mammoth


"floristry" ist das debütalbum der band trick mammoth. wenn es nicht mehr zu berichten gäbe, wäre auch dieser erste satz schon zu viel. denn von jungen bands mit debütalben gibt es wahrlich genug. was zeichnet die truppe aus dunedin, neuseeland, aus, um hier vorschusslorbeeren zu erhalten? denn schließlich auch erscheint das beweihräucherte werk erst am 31. januar in der von uns weit entfernten welt. fishrider records zeichnet übrigens verantwortlich. ein song ist es zunächst, der all unsere aufmerksamkeit auf sich zieht, ein song. "delphine (with a purpose)" schneidet sich dank der heilvollen stimme durch den alltag wie ein messer durch warme butter. so unverschwiegen hell, gut und gerne an der klippe entlang hüpfend, zumindest aber deutlich vor der rhythmusfraktion und einer entlegenen gitarre. die darf schon ran und wird auch gefordert, muss sich aber mit dem hintergrund begnügen. am gesang werden sich vielleicht bei dieser dreampopvariante die geister scheiden. den abtrünnigen aber werfe ich ein paar worte hinterher.

auf bandcamp könnt Ihr auch die restlichen neuen tracks von adrian ng (guitar, vocals) millie lovelock (guitar, vocals) und sam valentine (drums) anhören. sie werden Euch ebensowenig enttäuschen. drivemanipuliert schlurt sich die chose in ein abründiges vorwärts. lediglich der sonore, etwas abschüssige gesang stoppt die fahrt. dabei schält sich schon jugendliche unbedarftheit heraus, nur wird sie entschieden von wirklich feinem songwriting blockiert. im ergebnis finden sich songs mit wiedererkennungswert. mal mann-, mal frau-, mal mann-frau-gesang unterhalten, das stete musikalische gerüst stützt. keine blender.

Samstag, Februar 01, 2014

neue töne (1341): koen holtkamp


klänge als natürliches etwas. absorbiert aus dem täglichen sein, enthoben der routine und gleichzeitig der unfassbarkeit. stilisiert und bronziert, dargeboten weniger als monolith denn als etwas bekräftigendes, reinigendes. koen holtkamp erweist sich als konzentrierter musiker, der jedem ton das abringt, was er von ihm verlangen kann. kenntlichkeit und bezug zu seinen mitstreitern. so entstehen klänge, klangfarben und klangkompositionen, die neben der reinheit auch eine art unverbrüchlichkeit mitbringen, die man in dieser kompaktheit selten antrifft. der musiker, der die eine hälfte von mountains darstellt, erarbeitet sich neben der notentreue auch den eigenen soundkosmos auf sehr emsige weise. so werden nicht nur zusammenhänge dokumentiert, sondern ganze komponenten ins verhältnis gestellt. holtkamp, der für seine songs gern auf liveaufnahmen zurückgreift, sucht die erweiterung im digitalen raum und dabei nach fließenden übergangen von analoger zu synthetischer welt. so fließt seine kühle herangehensweise in eine dynamische und bewegungsreiche musik. vielleicht ein ziel: die uns umgebenden klänge zu erhaschen und formbar und am ende hörbar zu machen.

sein aktuelles album "motion", es erscheint am 24. märz auf thrill jockey, enthält vier tracks mit ausbalanciertem, geronnenem, liquidem, das sich faszinierend dargibt und doch in einer weise konsumiert werden kann, die man als naturgegeben bezeichnen muss. als würde sich unmittelbar ein verhältnis zur musik herstellen, das auf eine weise vorhanden ist, wie uns unsere genetische grundlage zur verfügung steht. die ersten drei tracks hat holtkamp im studio eingespielt. den fokus auf jedes einzelne instrumentzu legen, war ihm hier gelegenheit gegeben. analoge synthesizer, e-gitarre, am computer generierter kontrabass stehen in einem kontext der konzentration und akklimation. greifbares vermengt sich mit kosmischem, unwirklichem zu einem bildhaften reigen des symbolismus. mit "endlessness" schließt das album, einem track, der sich über mehr als 20 min streckt, weitläufig und in schlichter monumentalität, aus sich überlappenden drones und flirrenden synthiewelten.

"motion" kommt als langspielplatte, wird aber in der cd- version um eine zweite scheibe erweitert, auf der alle holtkamp werke digital angeboten werden, darunter befinden sich "liquid light forms" aus 2013, "gravity/bees" aus 2010 und das 2008er werk "a room forever". 
tracklist "motion": 01 between visible things 02 vert 03 crotales 04 endlessness
leider liegen von diesem album keine frei verfügbaren links vor, so dass wir beispiel gebend auf älteres material zurückgreifen müssen. doch auch dieser track beweist den spürsinn holtkamps für griffige und faszinierende sounds. in seinem gesamten werk findet sich eine stringente fortsetzung und eine art durchdringung seiner künstlerischen wesenheit. unterstützt ihn, kauft!

Freitag, Januar 31, 2014

eingestreut (609): hiss golden messenger (tour)


photo by harlan campbell

live wohl eben auch ein knaller. oft genug tummelt sich mc taylor dabei in solo. wie im studio, wo er sein heil in den liedern sucht. mit scott hirsch hat er immer wieder einen partner, ansonsten ist er allein. hiss golden messenger. wir schrieben im november, dass das album "debt" eine wiederauferstehung erfährt. daran anschließt sich eine tour. auch bei uns. zuhause. hiss golden messenger. empfangt ihn gebührend.

03.02. münster, pension schmidt
05.02. berlin, monarch
06.02. hamburg, hasenschaukel
07.02. köln, theater der wohngemeinschaft

eingestreut (608): damien jurado (tour)


dass damien jurado hervorragende alben abgibt, steht außer frage. erst vor knapp zwei jahren überzeugte er mit "maraqopa", dem "saint bartlett" nachfolger. wir schrieben u.a.. "seine songs sind stille wunder. miniaturen, die sich auf das wesentliche beschränken. eine melodie, ein lyrisches raunen, umweht vom odem der düsternen leichtigkeit eines freigeists." deshalb gut nachvollziehbar die fast abschließenden worte: "vielleicht hat die musik etwas cinematographisches, doch sie legt sich nicht fest. zeigt sich hier orientiert, dort wieder unaufgeräumt, irrend. hier klar und eindeutig, dort redundant. hier brüderlich, dort egoman. mal verspielt, mal simplifiziert. tausend gesichter, die kaum zu diesem vierschrötigen kerl passen wollen. doch. doch, das ist alles damien jurado."
mit "brothers and sisters of the eternal son" (17. januar, secretly canadian) geht der stets zu wenig beachtete künstler nun konsequent seinen weg weiter. ein wenig mehr echoisiertes, etwas mehr flächige psychedelika, synthetisierung, wo sich weitläufige gedanken ansonsten an viel zu fader kulisse die schädel einschlügen. dabei hat alles seinen grund, sein fundament. die songwriterischen qualitäten jurados sind eh unbenommen. mit richard swift vollendete der amerikaner sein elftes werk und das dritte dieser potenten zusammenarbeit. abzutauchen gilt es in einen ganz eigenen kosmos, der nun auch die weite aufzeigt, die ihn längst auszeichnet.
damien jurado hält auf der tour zum album auch in hiesigen konzerttempeln einzug und sollte von Euch mit besuchen belohnt werden. dass es sich lohnt...



20.02.2014 Hamburg, Kampnagel
22.02.2014 Berlin, Heimathafen Neukölln
23.02.2014 Köln, Gebäude 9
25.02.2014 München, Milla
support bei allen shows: courtney marie andrews

Donnerstag, Januar 30, 2014

eingestreut (607): konzerte münchen februar 2014


die livepräsenz von bands bzw. künstlern hat an bedeutung gewonnen. dem wollen wir gern rechnung tragen, indem wir immer mal wieder etwas deutlicher hinweise auf entsprechende veranstaltungen geben. das können tourdaten einzelner künstler sein, aber auch wie heute übersichten nur für eine stadt. dass uns münchen dabei am herzen liegt, dürfte auf der hand liegen. gleichsam bemühen wir uns nicht um einen kompletten überblick, sondern picken uns die perlen heraus. wenn Ihr etwas ergänzt haben wollt, gebt bescheid oder nutzt die kommentarfunktion. (und bitte, verlasst Euch nicht auf die angaben hier, sondern lasst sie Euch vom veranstalter vorab bestätigen, danke!)

01.02. solare fake, backstage club
01.02. triska / talking pets u.a., hansa 39
02.02. caspian / defeater u.a., hansa 39
02.02. blitzkids mvt., ampere
03.02. to kill a king / spring offensive, orangehouse
03.02. ezra furman, atomic 
03.02. sophie jamieson, hauskonzerte.com
03.02. the movements, backstage club
03.02. maria mena, muffathalle
04.02. simcock and goloubev duo, unterfahrt 
05.02. deer tick, ampere
05.02. jaune troujours, kranhalle
05.02. funeral suits / charlie barnes, milla 
05.02. catherine and wind duo, unterfahrt
05.02. mogwai, backstage werk
05.02. ash my love, glockenbachwerkstatt
06.02. empire escape, milla
06.02. the peacocks, backstage club
06.02. adam green, ampere (ausverkauft)
06.02. aivery / atatakakatta, glockenbachwerkstatt
06.02. anthony strong, unterfahrt
07.02. new dog / red on band, kafe kult
07.02. black opera, hansa 39
07.02. kapnorth, galerie kullukcu
07.02. die höchste eisenbahn / desiree klaeukens, kranhalle
07.02. the moonband, freiheiz
08.02. sepultura u.a., backstage werk
08.02. ellie goulding, zenith
08.02. volxtanz, glockenbachwerkstatt
08.02. john marshall quartet, unterfahrt
08.02. limpe fuchs, kulturjurte
09.02. the soft moon, ampere
09.02. klaus hoffmann, lustspielhaus
09.02. primal fear u.a., hansa 39
10.02. the estranged / catholic guilt, kafe kult
10.02. ja, panik, strom
10.02. berthold seliger (lies), kranhalle
10.02. ready, set, fall, sunny red
11.02. pui / viza, hansa 39
11.02. heated land, glockenbachwerkstatt (soundbeispiel)
11.02. annenmaykantereit, ampere
11.02. suzanne vega, freiheizhalle
11.02. knoxville morning, südstadt
11.02. reut regev r*time, unterfahrt
12.02. pegasus, kranhalle
12.02. james arthur, backstage werk
12.02. jeff ballard trio, unterfahrt
12.02. manel, ampere
13.02. samy danger, kranhalle
13.02. rigna folk, glockenbachwerkstatt
13.02. jack is king / the mammoths u.a., hansa 39
13.02. stephan crump rosetta trio, unterfahrt
14.02. rapid / chilonyah u.a., hansa 39
14.02. die nerven, unter deck (soundbeispiel) 
15.02. ganjaman u.a., kranhalle
15.02. liquid meat, südstadt
15.02. subtone, unterfahrt
15.02. miss stereochemistry, kulturjurte
15.02. solander, milla
16.02. bill callahan, freiheiz
16.02. bombay bicycle club, backstage halle
16.02. click click decker / petula, kranhalle
17.02. autistic youth / haute couture, kafe kult
17.02. uk subs / tv smith, hansa 39
17.02. we invented paris, strom
17.02. milky chance, atomic (ausverkauft)
17.02. samaris, milla
17.02. brother and bones, ampere
17.02. kilians, backstage club
17.02. long distance calling u.a., backstage halle
18.02. balthazar, strom
18.02. maximo park, theaterfabrik
18.02. milky chance, atomic (ausverkauft)
19.02. nathaniel rateliff
19.02. satellite stories, kranhalle
19.02. emma sunset u.a., hansa 39
19.02. die krupps, backstage werk
19.02. natalie elwood band, unterfahrt
19.02. fenster / aloa input, milla
20.02. ici ensemble munich and peter brötzmann, ampere
20.02. flo kenner / jason serious, kulturjurte
20.02. wooden shjips, strom (soundbeispiel)
20.02. lisa bassenge, unterfahrt
21.02. the connectors, südstadt
22.02. the offenders, kranhalle
22.02. tosca, strom
22.02. the busters, backstage halle
23.02. cosmo jarvis, orangehouse
23.02. entertainment for the braindead / rowan coupland, waagenhallen maria einsiedel
23.02. christian kjellvander, milla
23.02. young fathers, hansa 39
23.02. dee dee bridgewater, unterfahrt
24.02. birdpen, kranhalle
24.02. birdy, muffathalle
25.02. damien jurado, mila
25.02. apollo brown & ugly heroes, kranhalle
25.02. warpaint, strom
26.02. william fitzsimmons, hansa 39
27.02. genepool, sunny red
27.02. tom wu, unter deck
27.02. the head and the heart, strom
27.02. of montreal, kranhalle
28.02. thee silver mt zion memorial orchestra, hansa 39
28.02. fanfarlo, ampere (soundbeispiel)
28.02. ben taylor, milla
28.02. old man coyote, südstadt
28.02. frustration, orangehouse
28.02. matt elliott, provisorium
28.02. kari ikonen trio, unterfahrt

Mittwoch, Januar 29, 2014

doug paisley - strong feelings (2014)


die natürlichkeit, der fehlende vorwitz, die gründlichkeit, das wenig manische, der mangel an beliebigkeit, die souveränität, die polarität, zuweilen auch das genre. mir fielen einige merkmale und gründe ein, warum ich das album so mag. keine zweifel, keine unentschiedenheit. schon wenn die ersten töne erschallen, bin ich eingelullt und wie von engelssscharen umzingelt. das lautere und einnehmende, das charakterstarke und vollendet unvollendete, das prioritäten setzende und das so vielfach belebte erheben mich als höhrer in eine sphäre aus dankbarkeit und warmmut. als würden diese lieder über jegliche unwägbarkeit hinüber helfen, über jeden unfrieden hinweg. entwaffnend nicht nur für einen selbst, sondern für jeden anderen, der wenigstens temporär bar kognitiver regung ist. musik, die an einen jungen erinnert, der fröhlich über die die allee spiegelnden pfützen hüpft, der eine ausgelassenheit an den tag legt, die man ausgerechnet von ihm nicht gewohnt ist. etwas, irgendetwas hat ihn angeregt, ein fingerzeig nur, als lugten zwischen den wolken die gütigen augen gottvaters, ein beobachteter moment, der diese beiden zueinander führte. hier die erinnerung an unbeschwerte tage, dort der verweis, dass nicht alles umsonst war.

das dritte full length des alt. country künstlers aus toronto fällt mit einem warmen, organischen sound auf, aus dem heraus sich der seelenvolle bariton schält. und während die arrangements einheimeln und warm umbetten, bleiben sie dennoch sparsam und auf gänzlich unaufgeregte weise elegant. als würde absichtlich verschwiegen, wie viel anstrengung sie gekostet haben. so schwelgen die songs mehr in einer kammermusikalischen anmutung, als dass sie sich in bekannten pop- oder rocksphären aufhielten. auch die anleihen zu besagtem country oder folk sind nur dezent. dafür setzt doug paisley auf gefühl, auf bedacht- und behutsamkeit.  

"radio girl" etwa ist ein brillanter einstieg, ausdruck des innigen verhältnisses zwischen musik, musikern und den menschen, die sie zu hören gewillt sind. neben dem auftriebigen und munter traulichen sound hellt paisleys gesang das gemüt. unerschrockenheit und optimismus strahlt er aus und sonnt sich in der verzücktheit der willigen rhythmusfraktion, des unbedarften klaviers und der stets bereiten gitarre, einen solistischen ausdruck hinzulegen. das arrangement ist auf rührende weise schlicht und vollendet. "song my love can sing" fiebert an der pianoausfahrt und dem manischen drumming. flink folgen der sänger und sein gefolge an sechssaitiger und bass. die erinnerung in worte gekleidet, in melodiöses gewandet, zum ausdruck gebracht. "it's not to late (to say goodbye)" wirbt bereits mit den ersten memorablen noten um die gunst des hörers. der stimme die stärke versagt, nimmt paisley dennoch den auftrag an, worte an weitere worte zu fügen. die straffheit der kompostion im gegensatz zur gesprengten stimme. gemeinsam mit der wunderbaren mary margaret o'hara angelt er sich durch den beleibten refrain.

neben o'hara sorgen musikerkollegen wie emmett kelly von the cairo gang, bazil donovan, gary craig oder garth hudson von the band für den gediegenen, doch nie altbackenen sound. "our love" zum beispiel, wie es ans metronom gefesselt um fassung ringt. oder "what's up is down", das sich bleiern erweist, nur nie ermüdet, sei es dank des duetts von paisley und o'hara, sei es dank der pianotupfer, dank der ernsthaftigkeit, des muts, momente momente sein zu lassen und sie nicht blindwütigem aktionismus auszusetzen. die sentenzen an harmonie federn wie von allein. fast schon ein wenig edel, ohne diesen begriff in poliertem mahagonie abgerundet zu sehen. "old times" fliesst, "growing souls" wirkt, "to and fro" groovt, "where the light takes you" markiert. und "because i love you" schließt hoffnungsschwanger ab.

an manchen stellen erinnert doug paisley an einen aus dem ruder geratenen van morrison. der kontrolleur, dem für augenblicke die kontrolle verloren geht. dessen arrangements sich der zementenen hülle entledigen und den augenblick der freiheit geniessen. und dennoch ist vieles sehr rund, sehr auf den punkt, sehr gut.

"strong feelings" erschien am 24. januar auf no quarter. tracklist: radio girl / song my love can sing / it's not to late (to say goodbye) / our love / what's up is down / old times / growing souls / to and fro / where the light takes you / because i love you

Dienstag, Januar 28, 2014

ein (p)fund mp3 (463), teil 2

teil zwei starten wir mit einer akustikversion von "marybelle", das von der debüt ep "crush" stammt und in dieser nachstehenden variante auf einem mixtape von left turn 4 records wiederbelebt wurde, viel freude mit: star horse:


mitte april wird ihr debütalbum erscheinen, "rituals, trances & ecstasies for humans in face of the collapse" erblickt das licht der interessierten musikwelt via pesanta urfolk und wird glanz über die och schmale hütte der seattler band bringen: kithkin:


recht pünktlich zur anstehenden nordamerika tour bringen sie ein minialbum namens "portico" heraus, welches wir mit einem track vorstellen dürfen, der lautet korrekt "silence is a gun": the mary onettes:


sie kommen nicht umsonst auf das berliner psych fest im april, knapp zwei monate zuvor werden sie ihr debütalbum "balloon age" via beyond beyond is beyond records veröffentlicht haben, fortan haben wir spaß mit diesem uk psychpop quartett: new electric ride:


eine neue single zum bereits erschienen album auf innovative leisure, hören wir mit der notwendigen gelassenheit bei "black don't glow" hinein und spenden allein dem bandnamen reputation: bass drum of death:

ein (p)fund mp3 (463)

sie haben beschlossen, dass die pause von siebzehn jahren ausreichend ist, um endlich eine neues album nachzulegen, zeitloser pop war stets ihr ziel, mit "breaking news" (ab 24. februar auf luxury) werden sie nichts anderes verfolgen: red sleeping beauty:


in eine deutlich andere richtung bewegt sich dieser musiker aus austin, der als one man band durch die szenerie zieht, sein mittlerweile neuntes album wird am 28. februar auf bloodshot records erscheinen, titel: "nothin' but blood": scott h. biram:


vier kids aus brisbane schultern sich den sound der alten tage, belegen ihn mit leicht gewürzter lyrikkost und harren der dinge, eine ep wird demnächst erscheinen, glaubt man dem terminus early 2014, angesichts des appetizers lohnt das warten aber: the good sports:


es handelt sich um die erste vinylausgabe der demoaufnahmen aus dem jahr 1981, die dazugehörigen ex young marble giants namen sollten begehrlichkeiten wecken: alison statton, spike williams, simon booth, ab 03. märz auf blackest ever black: weekend:


in der wiederholung dreht sich die wahrheit, die londonder werden noch von sich reden machen, "death in the evening" erscheint nun am 10. februar, es ist das debütalbum mit "all the pretty flowers" in der front: whales in cubicles:

"turning rocks" wird am 07. april auf secret city records erscheinen, mit "as long as we try a little" gelingt der einstieg des schwedisch- kanadischen duos aus simon und erika angell, mehr dann ab dem frühjahr: thus owls:

Montag, Januar 27, 2014

neue töne (1340): vorschau orange blossom special 18


der jahresreigen hat sich längst verschoben. abseits von frühling, sommer, herbst.... oder des gewands aus aufeinander folgenden monaten bebildert sich der 365 tage umfassende zyklus aus obs- fernen oder -nahen zeiten. da letztere deutlich ins hintertreffen geraten, konzentriert man sich in ihnen auf die beschreibung und hoffnungsschwangere umrahmung des eigentlichen moments: des orange blossom special festivals auf der grünen wiese im schlummernden beverungen im vielleicht unbestimmtesten teil deutschlands. die 18. ausgabe steht an und will ausreichend beleuchtet und unter die lupe genommen werden. mehr als zwanzig bands wollen vorgestellt und auf herz und nieren geprüft werden. bei aller kritischen auseinandersetzung mit den auftretenden künstlern verlässt man sich im weserbergländischen längst auf die spitze- finger- auswahl rembert stiewes, der diesen job jahr für jahr mit akribie, höchstem persönlichen einsatz und fachlichkeit und weitsicht verübt. wer noch im vorfeld zu meckern hatte, war spätestens überzeugt, wenn er dargeboten bekam, was über den glitterhouse records eigenen garten erschallen durfte. auch heuer wird dies nicht anders sein.
bis zum heutigen tag sind etwa 15 künstler verpflichtet. weitere zusagen werden in kürze verkündigt, denn bis zum event ist es nicht mehr allzu weit. unter dem motto "hingabe" wird gefestivalt von freitag, dem 06. bis sonntag, dem 08. juni. tickets gibt es übrigens über die offiziellen verkaufsstellen nicht mehr, ausverkauft. dennoch lohnt es sich immer wieder auf die von glitterhouse betriebenen seiten zu schauen, auf denen zum teil karten angeboten werden.


im sommer prophezeiten wir bereits, dass es diese band an die gestade des obs schaffen wird. nicht dass wir uns für die voraussage rühmen wollten, mehr noch stehen wir auf das konzept des festivals, genau solche bands zu verpflichten. den holländischen vierer mozes and the firstborn charakterisierten wir im sommer so: "neben burger records zeichnet für das umland siluh records verantwortlich und kickt die selbstbetitelte debüt-lp am 20. september unters volk. das wird sich mit einigen feinen bluesrockblendern abgeben dürfen, mit schwitzigen riffs, groovig passagerem, mit engagiertem killigen gesang und einer abgewetzten 60ies und 70ies romantik, die sich bis ins heimische wohnzimmer durchschlägt. nicht ganz die überspanntheit von the flying eyes, aber immer in der selben haudrauf attitüde agierend. und dennoch nie die melodiefäden aus den feuchten händen flitzen lassen, das ist die eigentliche kunst. dazu ein paar mitklatschfinessen, fertig." zu welcher zeit, an welchem tag, heute treiben uns nur noch diese fragen um, wie bei jeder anderen kapelle, auf die wir einen fingerzeig werfen werden.




einer unserer obs 15 nachträge galt golden kanine und las sich so: "die heimlichen lieblinge des vergangenen obs sind nun festes mitglied im glitterhouse stall und legten heuer mit "oh woe!" ein knalleralbum vor, das alle qualitäten der schweden aufs feinste abbildete. die folknote, die wert legt auf das gegründete und das geerdete, auf das natürliche und aufmerksame moment, das detail, hinzugefügt das rockige element, das überraschende, überbordende, der knalleffekt in der steigerung und schließlich das diffizile, unergründliche, die magie des zusammenspiels, des blinden verständnisses, des gemeinsamen feuers. all dies war an diesem abend, in dieser nacht zu spüren." und wir schlossen unsere eindrücke mit diesen sätzen: "mit einigen bläsern aufgewertet, nachdem man das an der posaune bekannte gesicht marcus leider vermissen ließ, hielten golden kanine an, um erneut einen siegeszug anzutreten. ande und linus ließen es sich zunächst nicht nehmen, "arkham" mit aller gebührenden innigkeit zum besten zu geben. der rest des programms war spiegel einer von lebensfreude übersprudelnden band. die mittels banjo und akustischer gitarre befeuerten leidenschaftlichen lieder erhielten dank eines cellos den hymnischen beifall, dank des bläserensembles die himmlischen weihen. micke an den drums und dante am bass sorgten für stabilität, ansonsten hätten sich die kollegen wohl im wahrsten sinne des wortes verflüchtet. die nacht brach ein und die vielen lichter umschlossen das bewegte, angeregte rund. mehr noch als im vorjahr rockte die chose, der nachdruck durch trompete und co. tat dabei sein übriges, und fand seine fortsetzung in einem tanzenden publikum. meine schönsten erinnerungen gehen dann aber an die ruhigeren nummern, da sich das gespür für stimmungen zeigt, da sich gänsehaut breit macht, die gefühle flirren. da man in die nacht entlassen wurde in der gewissheit, etwas besonderes gesehen, erlebt zu haben. danke, golden kanine!" 

die vielleicht zum heimlichen headliner mutierte band legte erst kürzlich mit "we were wrong, right?" einen neuen longplayer vor (04.10.13, glitterhouse records). das dritte album der schweden ist nicht weniger euphorisch und folkartistisch wie die vorgänger. doch der mut zum risiko ist deutlich höher. die konsistenz schwerer zu durchdringen, das packende schwerer in worte zu fassen. die kunstfertigkeit des gemeinsamen tuns ergibt sich in liquide wie ausufernd instrumentierte und herausfordernd anmutige songs. schwankend zwischen den polen ist die stete quintessenz die freude am leben, die unverzagtheit im umgang mit unbill und den tagtäglichen katastrophen. kraftvoll und zuweilen unbehauen, emotional und dabei nie befremdlich, als wäre man in der gunst, einem klugen freund beim fabulieren zuhören zu dürfen. mehr anfang juni dann. und hier sind wir sicher: die sonne wird zu diesem augenblick bereits verschwunden sein.




einen noch, um die neugierg zu kitzeln? claudius pratt und justin moses gunn zog es von new york nach kopenhagen. wem das eigentümlich erscheinen mag, der sollte sich erst einmal die musik anhören, die diese beiden mit ihren kompagnons martin ollivierre und matthias klein kreieren. der bluesinfizierte auftritt ist eine schweisstreibende wie aufreibende angelegenheit. als hörer hat man beständig das gefühl zwischen sprichwörtliche reibeisen geraten zu sein. nicht nur stimmlich wirkt diese assoziation, auch die waidwunde aggressivtät springt einem herausfordernd entgegen. als führte man alsbald selbst die mundharmonika, müsste die saiten eines basses dehnen oder auf flaschen einklöppeln, um teil dieses ungewöhnlichen ensembles zu sein. die kombination aus swing, rocksteady und rhythm & blues geht unmittelbar unter den hosenaufschlag, bewirkt ein knieverdrehen und großes augenrollen. reverend shine snake oil co. polarisiert, mutmasst zwischen tom waits und slim cessna's auto club, eine wilderei, die nie prekär wird, weil der eigene ausdruck zu geschult, zu treffend ist. dumpfe schwere im rhythmus, die sich jederzeit athletisch gerieren kann, dazu die jammernde hammond, die strebsame gitarrenarbeit und der wild gesang. aussagekräftig mustert man das leben, die neugier und die wunderlichkeiten. dazu wird live eine genauso gradlinige show geboten, wie es der vierer musikalisch durchzieht. muskulär, ohne fettansatz.



in bälde mehr zu weiteren bands, die uns auf dem obs 18 beehren werden. vorfreude!

Sonntag, Januar 26, 2014

eingestreut (606): the good graces


wem kim ware noch kein begriff ist, dem sei die dame aus atlanta wärmstens ans herz gelegt. ihr minimalistischer folk hat eine tauglichkeit, die ihresgleichen sucht. ich wäre versucht, vergleiche mit karl blau, rozi plain und ähnlichen kalibern herzustellen. mit the good graces verfolgt die künstlerin seit 2007 ein bandprojekt, das sich vor allem durch die wechselnden mitmusiker auszeichnet. u.a. waren john mcnicholas, jim combs, donna riley und michelle friedman an bord. ganz aktuell ist die vorbereitung auf den valentinstag. denn am 14. februar soll eine neue single erscheinen. "befor you go" b/w "from a to f" ist dabei eine kollaboration zwischen den labels potluck und pretty new songs und enthält ein geschenk an den ehemann, ein jahrestagpräsent quasi, sowie ein weiteres schmuckstück aus der unermüdlichen songschmiede. es ist zwar noch ein wenig hin, aber "before you go" möchte ich Euch nicht länger vorenthalten, ein wundervoller track, eine liebesbezeichnung der besonderen art.

Samstag, Januar 25, 2014

eingestreut (605): angel olsen (tour)


am 17. november blieb leider noch eine frage offen: "ein feiner erster track namens "forgiven/forgotten", eine redewendung, die ich übrigens sehr mag, die aber zu selten anwendung findet, weist auf das kommende album von angel olsen hin. "burn your fire for no witness" erscheint am 18. februar auf jagjaguwar und klingt sehr roh und unbelassen. schließlich blickt die junge dame, die mit ihrer ep "stange cacti" und dem erstling "half way home" ordentlich beeindruckt hatte, auf ein jahr aus "herzschmerz, reisen und wandel" zurück. mich erinnert der erste höreindruck an den karrieresprung einer rose kemp. was denkt Ihr?"

zu beantworten ist sie leider noch nicht, denn bis zur veröffentlichung des neuen albums ist es noch etwas hin. nicht aber zu lange, um nicht bereits jetzt auf die anstehenden tourdaten hinzuweisen, siehe unten. wen darf man dort erwarten? abseits der bekannten konservenausdünstung bleibt das abbild einer künstlerin zurück, die facettenreich und konsequent zugleich ist. die ernsthaftigkeit mit selbstironie zu spicken weiß, die sich selbstsicher und zugleich anmutig zeigt. [anmerkung 1]: angel olsen hat sich ganz bewusst für jagjaguwar entschieden. einen wechsel von bathetic erst ein jahr nach anfrage befürwortet. so erkannte sie, dass das begehren nach ihr und ihrer musik ernst gemeint war. [anmerkung 2]: angel olsen stammt aus st. louis, wo sie sich von der noiserock szene begeistert zeigte, aber nciht lange genug, um sie selbst zu beeinflussen. sie zog nach chicago. dort arbeitete sie in einem cafe. [anmerkung 3]: angel olsen ist nicht immer glücklich mit ihrer stimme und versucht an ihr zu arbeiten. gleichzeitig hat sie angst, die befähigung zum singen zu verlieren. doch sie weiß, es kommt nicht immer darauf an, den richtigen ton zu treffen, vielmehr auf das, was man zu sagen hat. [anmerkung 4]: angel olsen ist scott tuma fan.

28.03. Köln, King Georg
29.03. Berlin, Hebbel am Ufer (Hau1)
03.04. Hamburg, Haus 73 / Kleiner Donner

Freitag, Januar 24, 2014

neue töne (1379): jana horn / reservations


photo by daniel cavazos

mit jana horn treffen wir auf eine von vielen und doch eine besondere künstlerin. sie ist zunächst und vor allem singer/songwriterin, mittlerweile aber auch nur teil einer band. das nur in allen erdenklichen einschränkungen. zunächst startete sie als solokünstlerin, schrieb songs, bearbeitete sie an der gitarre ihres vaters und suchte den intimen und introspektiven ausdruck des folks, um nicht leonard cohen zu schreiben. doch dieser muss als ihre hauptinspirationsquelle herhalten, spätestens als die ersten eigenen lieder gestalt annahmen. sie trat einige jahre allein auf, bemerkte aber recht schnell die begrenztheit dieses tuns bzw. das mehr an möglichkeiten, als sie sich mit paul price (good field, brazos) und jason baczynski (tacks, the boy disaster) zusammentat, um den sound zu erweitern. mit paul hatte sie bereits im sommer 2012 zusammengearbeitet. das ergebnis war eine ep, die im heimischen austin, texas aufgenommen wurde. gemeinsam mit jason bildete man nun ein trio, unter dem bandnamen reservations veröffentlichten sie die selbstbetitelte ep im april 2013 noch einmal.

dieses junge und fast unscheinbare ding wird als musikerin gehandelt, die austins musikszene im sturm nehmen wird. ausgezeichnet mit diesem merkmal wurden neben ihr gerade mal drei weitere damen unter einem ganz sack voll künstlerinnen, die zur wahl stünden. so geschehen durch das örtliche kulturmagazin. also, irgendwas muss dran sein. dass sie mit ihrer band gerade am debüt full length bastelt, passt ganz gut ins bild. voraussichtlich wird sie mit diesem ausdauernderen tonträger die herzen nicht nur ihrer heimatstadt erobern. denn die stimme setzt auf distanzlosigkeit, hat eine weichheit, in der man nicht verlorenheit, eine härte, die einen nicht abspeist. die variabilität wirkt nie fremd, doch belebt und vital. das musikalischen mutßmaßen ist eher ein küngeln, denn ein sich ausbreiten. so als würde man in eine bettstatt geladen, die platz für dutzende hat.

wir teilen hier sowohl reservations tracks als auch solonummern. am ende wird man sich immer mit frau horn beschäftigen müssen. sie betritt die szenerie und zieht die wahrnehmung fast komplett auf sich. mit "fog" findet sich ein song, der besticht, wie ich meine. seine innere beständigkeit, trotz der mageren bewirtung, hat etwas hoffnungsfrohes, das sich am grellen spiel der gitarren, an der bleichen perkussion, im fahlen hall spiegelt.

Donnerstag, Januar 23, 2014

in eigener sache (75): the hidden cameras verlosung


die losfee zog durchs klienicum und spuckte dreimal in die ausgestreckte. heraus kamen zwei namen, die wir hiermit bekanntgeben. st. st. und m. str. stehen auf der gästeliste der milla- veranstaltung. eine email ging an Euch raus. wir gratulieren und hoffen, dass jene, die nicht gewonnen haben, uns trotzdem wieder beehren, um beim nächsten mal mehr glück zu haben. viel spaß bei the hidden cameras!