Freitag, Juni 12, 2009

eingestreut (37): portland cello project

untertitelt ist das album des portland cello projects mit "the thao and justin power session" und man weiß abschließend gar nicht mehr so genau, wer hier mit wem und warum. ob nun thao nguyen von thao with the get down stay down mit dem in portland ansässigen musiker justin power oder beide mit dem 8-16- köpfigen celloführenden orchester oder umgekehrt. am ende ist das wurst, da bleibt das lied. oder in dem fall: die lieder, zwölf an der zahl auf der neuen scheibe des pcp. an acht beteiligt waren o.g. beide. "And the other four songs on the record are strategically placed examples of cello sublimity and madness: from a Pantera cover, to a solemn religious piece by John Tavener.", schreibt das veröffentlichende label kill rock stars. dass die zusammenarbeit in portland gut klappt, beweisen auch die gemeinsamen auftritte des projects mit laura gibson, horse feathers oder den dandy warhols.
ich wollte Euch die in meinen augen sehr gelungene kollaboration nicht vorenthalten. ein beispiel:
Portland Cello Project - Tallymarks

neue töne (610): nathan oliver

da muss ich schon ganz tief in die mottenkiste greifen! aber fördere einen wirklich unterhaltsamen artikel zutage, hier. denn wir hatten bereits über nathan oliver berichtet. nach seinem selbstbetitelten debut in 2007 ist nun der zweitling an der reihe. "cloud animals" heißt das gute stück und ist wie der vorläufer auf pox world empire erschienen.
mit mitgliedern lokaler bands wie schooner, rosebuds, north elementary und ticonderoga (chapel hill) gelang nathan erneut ein wunderbar zwischen folk, americana und pop changierendes album, das sich vor allem aus grandiosen melodien und deren übersetzung in hauchzarte, aber treffsichere arrangements speist. hinzu kommen die harmoniegesänge, der einsatz fernweh stiftenden instrumentariums wie einer knarzenden geige, fulminanten trompetengebläses und fahrtaufnahme mittels überschüssiger gitarren. hier lassen sich vielleicht auch die unterschiede zum ersten album festmachen. lag dort die erste note noch auf einem gezielt singer/songwriter ausgestatteten soundbild, so dass die atmosphäre luftiger gelang, ficht "cloud animals" nun nicht mehr die bandaufstellung an. ein kollektives gebahren steht im vordergrund und hält sich mit nathans songschreiberischen qualitäten die waage. diese ausgewogenheit hört man dem gesamten album an. nichtsdestotrotz: die stimme des jungen aus north carolina sticht voraus und alle anderen folgen. lasst Euch mal wieder ein bißchen ergreifen, bevor es raus in den sommer geht!
nathan oliver - icicles for fingers
nathan oliver - french press
nathan oliver - state lines pt. 3

Donnerstag, Juni 11, 2009

ein (p)fund mp3 (201)

schöner neuer song (ich lege etwas altes anbei), den die band aus london zur verfügung stellt, an letterbox records sei an dieser stelle erinnert, wo im letzten jahr eine feine ep herauskam:
i am not lefthanded - everybody sleeps (2009)
i am not lefthanded - long goodbyes (2008)
i am not lefthanded - everybody sleeps (live)
am 15.06. ist es auf cloudberry records wieder für eine split zeit, zwei bands teilen sich ein 4track vinyl, zunächst ein britischer dreier mit gitarrenbetontem pop und schließlich fünf schweden mit shoegazerüberraschungsangriff:
The Cavalcade - Meet You in the Rain
Boa Constrictor - Out of Nothing
heiß, als selfreleased auf dem markt ab 20.06., album wird "downstairs" heißen, die band kommt aus san francisco und spielt wirbeligen electropop:
my first earthquake - cool in the cool way
dolle nachricht aus toronto, sie machen es scott matthew gleich und versuchen sich an einem anständigen albumtitel: "At the Moment of Our Most Needing, Or If Only They Could Turn Around, They Would Know They Weren’t Alone", ab 16.06. auf paper bag records, neu und alt vereint:
rock plaza central - (don't you believe in the words of) handsome men (2009)
rock plaza central - my children, be joyful (2006)
rock plaza central - when we go, how we go, part 2 (2006)
rock plaza central - a town at the bottom of the ocean (2003)
rock plaza central - the things that bind you (2003)
rock plaza central - i hope you live long (2003)
auf kill rock stars das fünfte album "someday this could all be yours":
The Paper Chase - What Should We Do With Your Body (The Lightning) (2009)
The Paper Chase - we know where you sleep (from: "now you are one of us", 2006)
The Paper Chase - said the spider to the fly (from: "god bless your black heart, 2004)

neue töne (609): the curious mystery

ein bastard, endlich mal wieder so ein störrisches monster. eines aus der grabbelkiste, bei der du weißt, die viecher sehen nur diebisch und mürrisch und angsteinflössend aus, sind es aber letztlich nicht. vielmehr beehren sie dich als freunde und hilfreiche kameraden. du musst sie nur hinreichend kennengelernt, hinter ihre maskerade geschaut haben.
the curious mystery tragen die wahl für jegliches in ihrem namen. offensiver umgang mit erstwählern und all jenen, die sich erst gar nicht auf ein so betiteltes unternehmen einlassen wollen. munter- und mutmacher in einer designten musiklandschaft. vorein- und vorurteilsnahme.
gegründet hat sich der heutige vierer zunächst als duo, da shana cleveland (wie heißt es so schön auf der bandwebseite: "a midwestern daughter of blues and country rock musicians") und nicolas gonzales (seines zeichen "experimental instrumentalist from texas") aufeinander trafen. zu den beiden schlossen alsbald faustine b. hudson an drums, gong, dinner bell, plastic tube usw. und bradford button (bass) auf.
die musik der seattle based band, wir beziehen uns auf den aktuellen tonträger "rotting slowly", erschienen auf k records, ist ein verdammt roughes ding. sie integriert die psychedelica der späten sechziger genauso wie straighten blues, country alternativer färbung und die flirrenden versuche des garage experimentell vorwärts zu stolpern. die mischung bringts schließlich. da wirkt die geschichte rund und brennt sofort unter den nägeln. mehr, mehr, möchte man rufen. bevorzugte stilmittel sind das abdriften in jamcharakter tragende sequenzen, das hippe drumspiel und der wechsel im gesang von cleveland und gonzales. dort die schlaftrunkene, hier der verbrannte. beides kinder von traurigkeit. aber, das trägt, seid versichert.
1. Preparations: träger auftakt, die gitarren zünden sich eine an, irgendwo präambelt etwas elektronisches, madames stimme törnt,
2. Black Sand: dem besinnlichen schleicher wird das heft aus der hand gerissen und jede einzelne seite gefetzt in den wind geworfen, snaregewitter und psychguitar,
3. Dragon’s Crotch: entschleunigt, das fahrtaufnehmen in der trägheit, der ruhende pol im hochgeschwindkeitsmoment,
4. Teeth of All Types: strittige harmonien bluesen mit gesang zweierlei geschlechts, kopfnickerapostel,
5. Go Forth and Gather: cleveland tengelt ab in bester chan marshall manier, daneben übt sich eine gitarre im frohlocken und das schlagwerk überrumpelt sich,
6. Gone in Time: die logik des psychdrifts oder wie schlittere ich gemeinhin durch soundlandschaften, rumpel together, hat wie alle anderen dramen voran melodie, sauber!,
7. Nicaragua: jam in bester amon düül tradition, über fünf minuten fahrt aufnehmen, das getriebe flutscht, ab nach fernost,
8. Strong Swimmers: dengeln längsseits, fliedern mittendrin und abseits kraftmeiert die rhythmussau, faszinierend,
9. Outta California: vergnüglich hüpfender gesell zur sanftmut erschreckt und wieder aufgeweckt,
10. It’s Tough: downer, wie auf eis gelegt, gekühlt eben, nie abgestanden,
11. Wrong Way: umtriebig noisiger rocker, ohne auf den schlafpart zu verzichten, der immer wie dunst die unternehmungen der band durchzieht,
12. The Community Bed: abgesang auf kurios & mysteriös.
the curious mystery - black sand
the curious mystery - gone in time

Mittwoch, Juni 10, 2009

glotzt nicht so romantisch (62): kill it kid

verdammte axt, friends! was wird das hier für eine geschichte mit kill it kid? das debut steht weiterhin aus und wir müssen uns gedulden. die zeit gilt es zum beispiel mit ein paar sessions zu überbrücken. so wie den aktuellen videos auf bandstand busking (dank an k. für den tipp). hier noch der erste artikel auf dem klienicum über die newcomer. und schaut auch bei den bandstand busking freunden vorbei, da gibt es weitere videos und zusätzlich ein interview mit den frischlingen.





ein (p)fund mp3 (200)

saftig, von der "sunshower ep", auf der seite der band gibts noch einiges mehr anzuhören:
Ume - Pendulum
am 29.06. erscheint das neue album, es wurde auf "haunt the upper hallways" getauft:
The Declining Winter - Haunt the Upper Hallways
schönste nachrichten von western vinyl, zunächst, dass er mit neuem album ("year in the kingdom") kommt (september), ist schon großartig, aber auch der erste song bereitet viel vorfreude:
j. tillman - earthly bodies
und schließlich sein siebenteiliges werk "music for falling from trees", geschrieben für ein tanztheater:
peter broderick - path to recovery
sie kommen mit "this is for the white in your eyes", esoterisch gemeint?, ab 18.08.:
Choir of Young Believers - Action/Reaction
selbes datum, album heißt "better off":
The New Up - Dear Life
"colonial drones" wird ihr zweites full length heißen und darauf wird fleißig gerockt, einen ersten track hier, darauf folgend einige ältere pretiosen:
hallelujah the hill - blank passports (2009)
hallelujah the hill - let it wave (2008)
hallelujah the hill - wave backwards to massachusetts (2007)
hallelujah the hill - the trap (live, 2008)
ein schöner livemitschnitt vom märz diesen jahres gibt es hier, ausschnitte aber ebenfalls bei uns, das neue album auf dead oceans jetzt!:
john vanderslice - romanian names
john vanderslice - dead slate pacific
john vanderslice - too much time

Dienstag, Juni 09, 2009

eingestreut (36): south ambulance

die nachrichten, die ich immer von indiecater records erhalte, sind pures understatement. so kurz und zweckbestimmt, der begeisterung wird kein raum gestattet, auf das geschäftliche fixiert. dabei hat das label wahrlich einiges zu bieten. wenn wir nicht schon berichtet hätten, wir täten es noch einmal. jüngster auswurf ist die ep #5 von south ambulance. sie folgt der nummer vier und ist vorläufer der noch in diesem jahr erscheinden nummer sechs. bis 2005 war es eigentlich recht ruhig um die von labrador gesignte band, bis sich indiecater ihrer annahm. verwunderlich, dass die schweden nicht in großem stil weitermachen konnten. an der musik kann es wahrlich nicht liegen. pop mit großen gesten, bei denen der rock 'n' nicht zu kurz kommt. neben dem aktuellen titel lege ich mal ein paar ältere songs bei.
south ambulance - dear mutiny (ep#5)
south ambulance - davy crockett (ep#4)
south ambulance - hanging in a tie
south ambulance - die 5times times5
south ambulance - don't you shine

neue töne (608): michael vermillion

als selfrelease hat “last night on earth” das licht der welt erblickt. michael vermillion ist es so ergangen, wie vielen seiner musikerkollegen. es lässt sich nur schwer eine recordcompany finden, die bereitwillig geld in hoffnungsfrohe projekte steckt. und dabei bieten die künstler oft erstklassige ware, wie im vorliegenden fall. im alt. country, americana bereich angesiedelt, bietet der vorliegende tonträger ganz ungeschminkt rootsnahrung und spiegelt das seelenleben des singer/songwriters vermillion wider. eine slide guitar hier, ein cello dort, die identitätsstiftenden arrangements betten das zuvorderst von gitarre und gesang gestützte musikalische konzept weich und lauter. die abwechslung schlägt sich vor allem in den seelenvollen harmonien nieder, die, auf redundanzen verzichtend, erinnerbar bleiben. die flotte fahrt in „maria“, das gutgelaunte geblase in „lonely heart“, das stilvolle abdriften im opener "roadtrips". das sitzt alles ungemein gut, wie eine frisch gewässerte jeans. da stauben nicht einmal die referenzen und die reichen von johnny cash über townes van zandt und jim croce bis zu nick drake. nicht dass hier gekupfert würde, da steht allein schon die leicht knödelige stimme des mannes aus seattle vor. und zudem bleibt das erzählte persönlich, ist nicht austauschbar. in berlin hat er bereits liveerfolge gefeiert, wenn er wiederkommt, werdet Ihr es als erste erfahren. meinen dank an d. aus b. für den tipp, die musik und die guten worte!
michael vermillion - roadtrips
michael vermillion - maria
michael vermillion - lonely heart

Montag, Juni 08, 2009

zu gehör getragen (96)

ein paar kurze:

mountain goats and john vanderslice - moon colony bloodbath ep (2009)
> die tiny telephone bekannten lösen alle versprechen ein, die solch eine kombination im vorfeld pusht, warmherzig, verbunden, hinreissend, 3,5-4/5

lewis & clarke – light time ep (2009)
> herrlich verstiegen, mit langem atem versehen, traumwandlerische gitarren- und perkussionslandschaften unter elegischem gesang, gut wie je, 4/5

julianna barwick – florine ep (2009)
> tranquile choräle, die sich via lautsprecher verstofflichen und wie bleicher schleicher vor den augen trugbilder zeichnen, 4-4,5/5

julie doiron / calm down, it's monday – s/t split 7'' (2009)
> die squire/doiron maschinerie auf hochtouren und mit blick auf die jeweiligen longplayer, energisch und drängend, wie rohmasse hingefleddert, 3,5-4/5

neue töne (607): cabinet of natural curiosities

cabinet of natural curiosities, einmal schreib ich es noch. blöder name. manchmal verfolge ich dann solche hinweise gar nicht mehr. aber man muss sich ja auch nicht so mädchenhaft haben. apropos mädchen. hinter dem pseudonym versteckt sich jasmine dreame wagner und weiß mit ganz anmutiger geste zu gefallen. es sind einige verstellte tunes dabei, aber durchhören, freunde, die meisten cuts sind überaus anschmiegsam, gut verdaulich. aber nicht gänzlich ohne wahrnehmbare allüren, schwächen und absacker. ganz mein wetter, wie sie da jungmädchenhaft und doch wissend über all die dinge singt, von denen man meint schon zu wissen. hier ein schweißband überm bauch, dort die sonnenflecken auf der stirn. wie die fotos, die ich von ihr sah. auf manchen meinte man eine schönheit zu sehen, wie sie allenfalls für new soul sängerinnen gelten könnte, auf anderen aber diese trügerische hässlichkeit, das verbiesterte, arme, die trübsal aus brooklyn. die wahrheit klemmt dazwischen.
"valentine" und damit einer der ersten ausblicke auf ein neues album, nach mindestens sechs veröffentlichungen, gefällt mir mit am besten. ein shuffle sound auf dem schlagwerk, ein ruheloses klavier und die wundersame stimme wagners. in ferne mäandert eine gitarre. das unverbindliche grapscht nach dir. "for sparrow" kommt noch ein ecke gediegener, anschmiegsamer daher. gut.
cabinet of natural curiosities - necks of swans and ducks (2007)
cabinet of natural curiosities - valentine (from upcoming album)
cabinet of natural curiosities - tree on a hill (from upcoming album)
cabinet of natural curiosities - sailing seasick (from "vineland")
cabinet of natural curiosities - for sparrow (from ""searchlight needles")

Sonntag, Juni 07, 2009

listenterror: beste konzerte 2009

zeit für eine erste bilanz des konzertjahres 2009.

(01) scott matthew, 59:1 münchen ****1/2
(02) kristofer ragnstam, obs beverungen ****-****1/2
(03) the ballet, ampere münchen ****
(04) scott matthew, muffatcafé münchen ****
(05) real ones, obs beverungen ****
(06) marissa nadler, obs beverungen ****
(07) liz green, südstadt münchen ****
(08) rose kemp, orangehouse münchen ****
(09) washington, obs beverungen ****
(10) the miserable rich, obs beverungen ***1/2-****
(11) kristofer aström, obs beverungen ***1/2 - ****
(12) baskery, obs beverungen ***1/2 - ****
(13) get well soon, obs beverungen ***1/2 - ****
(14) chris eckman, obs beverungen ***1/2 - ****
(15) alela diane, ampere münchen ***1/2
(16) baby universal, obs beverungen ***1/2
(17) blue mountain, kulturhaus wlkrbg. ***1/2
(18) chis jagger & charlie hart, john's obing ***1/2
(19) the fabulous penetrators, obs beverungen ***1/2
(20) maria taylor, obs beverungen *** - ***1/2
(21) gods of blitz, obs beverungen ***-***1/2
(22) black rust, obs beverungen ***-***1/2
(23) tenfold loadstar, obs beverungen ***
(24) benedicte braenden, obs beverungen ***
(25) crooked still, kulturhaus wlkrbg. ***

neue töne (606): key witness

key witness stammen aus toronto. will man ihren sound festhalten, gerät man ins buchstabieren. etwas hölzern könnte man auf folkrock herunterbrechen. das würde aber der komplexität und der wandlungsfähigkeit der musik des sechsers nicht gerecht. um die ecke mit ner tüte punk und wenn man dem dieb hinterher jagt, findet man gothic mit country liiert vor. und die ganz albernen sprechen von mathrock. aber den gibt es wohl nicht mehr. hier, wie anderswo.
verschiedensten berufen entstiegen, nehmen die bandmitglieder ihre ureigene profession auf in das musikalische konglomerat und bilden ihren persönlichen sound ab. dass das gelingen mag, hängt wohl viel mit wertschätzung und gegenseitiger achtung zusammen. anders ginge das nicht. schwerer als das flotte schlagwerk wiegt der gesang. luftiger als der gesang ist nur die twanggescheuerte gitarre, und die wird getoppt von backgroundwispereien einer violine oder stoischem weiblichen gesang. auf tonträger wurden diese abenteuer ebenso gebannt, wie sie im vorprogramm von bands wie the dodos, mother mother oder the soundtrack of our lives entworfen wurden. denn die choreografie ist eines der wesentlichen stichworte, wollte man zum klangkosmos von key witness den schlüssel finden. episch, hymnisch manchmal und dann wieder rough und stolz und herb. "mercury in retrograde" heißt das erste album der band. bald nach seinem erscheinen arbeitete man am nachfolger. "seven across the sea" kam am 21.03.09 heraus und vollendete die suche nach dem glücklich machenden sound. echt, fürwahr! so fleischig das gebilde, als könntest du es durch die boxen gepresst alsbald in die hände nehmen, nee packen! cloud cult fällt mir als referenzadresse spontan ein. da kann man drauf aufbauen.
Key Witness - First Wave
Key Witness - Overnight
Key Witness - Seeing Things
Key Witness - The Proposition
Key Witness - Desert Novel

Samstag, Juni 06, 2009

neue töne (605): tim easton

tim eastons "porcupine" ist ein ganz reales ding. irden - hat erdenschwere - ist somit der schwerkraft innig verbunden, verbandelt mit dem wenig wichtigen. glück, segen, mitmenschen, mitgefühl. ist kein so luftig, fluffiges ding, dessen sinnsuche nach wenigen minuten derart nervt, dass das schönreden resp. -hören viel zu früh beginnen muss.
"porcupine" hat groove, der bindet, saftige gitarren, die wege weisen, sparsames instrumentarium, damit tims stimme, dieses rau-reife organ zur geltung kommen kann. denn das hat was zu erzählen. da langt manchmal eben nicht nur der dumpfe beat und eine wankelmütige harmonicaline, denn spätestens wenn es an den refrain geht und man dies und das betonen muss, erhebt der mann aus ohio seine stimme. r&b, dem blues verpflichtet, eine spitze country rock und vielerlei mehr, das sich aus der tradition speist.
das digipack ist ein pappeverstärktes aufbewahrungsding, das sich widerspenstig wehrt, vernünftig geschlossen zu werden. immer wieder nehmen die zueinander geneigten seitenteile voreinander reissaus. eastons musik hat einen ähnlichen charakter und nimmt für sich anspruch, luftig durchwoben zu sein, so wie der blick frei durch das digipack schweben kann. die melodien tragen, sind vielfach memorabel, das distinguierte des weiblichen backgroundgesangs, der streifenden lapsteel und des verlässlichen wurlitzer nimmt man ebenso gern in kauf, wie den stolpernden rhythmus im stomp und das sich öffnend giftige im gitarrensolo. das fünfte album easton ist letztlich ein geschlossen ding, weil es sich fügt, weil kein highlight durchbrechen muss, weil ihm eitelkeit nicht steht und weil es fast in gänze live aufgenommen wurde. kein ewiges basteln am sound, am einzelnen instrument, eher ein überlassen, überantworten dem geist der stunde. das album ist auf new west records ende april erschienen.
"Burgundy Red": gieriger rock 'n' roller; "Broke My Heart": beherzter roller, der sich im shuffle windet, dynamisch im refrain und man summt ihn später noch ein weilchen weiter; "Porcupine": genüsslicher brummer, dem die maultrommel so gut steht wie robin hood der federhut, "Young Girls": blues mit wehrhaftem beat und jammernder guitar, "Stormy": hot!, "Stone's Throw Away": friedfertiger schleicher, "7th Wheel": gemütlich, "Get What I Got": fliehender reisser, "Baltimore": freundlicher stomp, "Northbound": es gibt was zu erzählen, zeit für einen blues, "Long Cold Night in Bed": glitzern unterm schleier wie eine träne in eines mannes auge, "Goodbye Amsterdam": ein hit zum ausklang, pop!
Tim Easton - Burgundy Red

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 6

es gilt die abschlussrunde zu fahren, dem obs den rest zu geben. schön zu sehen, dass der blog in den letzten tagen mit die höchsten zugriffsraten hatte. zu verdanken ist dies sicher zum einen der verlinkung durch den festival - und den shake baby shake - blog (danke!), aber auch dem gemeinhin großen interesse am orange blossom special und sei es eben nur, um noch einmal in erinnerungen zu schwelgen.
baskery durften zur abendstunde ans werk, die drei schwedischen schwestern greta, sunniva und stella wollten dem versammelten rund ordentlich einheizen. die entschlossenen gesichter sprachen bände. doch wie sollte das funktionieren, nahmen sie lediglich kontrabass, gitarre und banjo mit auf die bühne? jedem, der zweifel hegte, wurde saftig eingeschenkt. das elektrisch verstärkte banjo zielte direkt auf die fontanelle, die gitarre trieb unmißverständlich an und der bass bildete den grund für den euphorischen tanz. irre, was die drei mädels da an energie abließen. die übertragung auf das publikum war die direkteste ihrer art, denn es kam sofort bewegung ins volk. da hielt es keinen stumm, wenn es im galopp durch die kraftstrotzenden, maskulinen songs ging. "out-of towner" startet im dreisang, der früh rasant vom banjo durchkreuzt, vom bass eingefädelt und von der gitarre befeuert wird. "harsh" ist dagegen ein schlurfer, der deutlich die stärken der mädels betont. die differenten stimme, insbesondere sunniva überschreitet dabei grenzen und rockt unverhohlen, wobei sie das mögliche auslotet, der mitreissende beat und das dramturgische geschick. "one horse down" wird zum wilden stomp, wenn die story erst einmal erzählt ist und die crowd verfällt in gemeinsames kopfnicken. bei "haunt you" wird einem angst und bange und man ist immer wieder froh über das freimütige lachen des dreiers, aggressiv geht es nach vorn. aufgelockert wird der vortrag von baskery durch die direkte ansprache inkls. einiger deutschkenntnisse insbesondere von sunniva. sehr sympathisch. dolle vorstellung!

für kurz vor halb elf waren get well soon angesagt, der aufbau allerdings verzögerte sich etwas und so konnte das vielköpfige ensemble erst gegen kurz vor elf starten. gropper und co. hielten sich auch nicht mit langen dankesreden auf, sondern ließen unvermittelt ihren düster gefärbten pop von der stange. zur mithilfe hatte sich der frontmann bläser, geige, keyboard, bass, drums und gitarre gerufen, die jeweils von jungen menschen bedient wurden. erstaunlich, was die truppe auf die beine stellte. ein dichtes und widerum feingliedriges zusammenspiel, bei dem man jedes instrument sezieren konnte, um es fürderhin dem ganzen wieder rückzuführen. dem "prelude" folgte "people magazine" und schließlich mit "we are safe inside while they" einer meiner höhepunkte. gropper spielte all seine stimmlichen qualitäten aus, der aufbau des songs lässt einer theatralik raum, die förderlich ist und einen weiten bogen spannt, in den das publikum (konzentriert, staunend) aufgenommen wird. das pompöse in der musik get well soons ist ohne distinguiertheit, ohne abgespreizten finger oder perückenwahn. gropper hebt pop auf eine nächste stufe. er ist dabei ganz klarer kopf der veranstaltung, aber gleichzeitig lebendiger teil seiner konzentriert aufspielenden begleiter. markant: verenas violinespiel und ihr glockenheller backgroundgesang. maxxl und sebastian sorgten für die geblasenen stimmungsquoten. die band hat einen neuen fan. setlist: prelude / people magazine / safe inside / listen! / good friday / aurora / born slippy /busy hope / sold my hands / tick tack / hat's missing / lost in the mountain / teenage fbi, take it / tempest tossed / teenage fbi

fazit: das obs 13 war mehr als gelungen, einen herzlichen dank an veranstalter und mitwirkende. bis nächstes jahr!

mein konzertranking:
(01) kristofer ragnstam ****-****1/2
(02) real ones ****
(03) marissa nadler ****
(04) washington ****
(05) the miserable rich ***1/2-****
(06) kristofer aström ***1/2-****
(07) baskery ***1/2-****
(08) get well soon ***1/2-****
(09) chris eckman ***1/2-****
(10) baby universal ***1/2
(11) the fabulous penetrators ***1/2
(12) maria taylor ***-***1/2
(13) gods of blitz ***-***1/2
(14) black rust ***-***1/2
(15) tenfold loadstar ***
(16) benedicte braenden ***

Freitag, Juni 05, 2009

konzert: alela diane, 04.06.09

hinsichtlich der wandlung eines künstlers bin ich stets offen. sich neu erfinden, wagnisse eingehen, gut, experimente sind gar erwünscht und mit resultaten jeglicher natur gehe ich milde um. solcherart prozesse vermeiden stillstand und fördern die kreativiät, schulen die sensibilität und wirken unmittelbar auf die wahrnehmung des rezipienten.
wenn der mut, wie bei alela neuerdings nur dem optischen gilt und sich in einer musikalischen umsetzung, die durch unkonzentriertheit und fehlende präzision auffällt, niederschlägt, ist berechtigte kritik am platz. nun hat das eine mit dem anderen nur mittelbar zu tun, aber die wandlung ist präsent und die wirkung die selbe, niederschlagend. die gestutzen haaren unterstreichen strenge und leisten dem mangel an spontanität und kommunikation vorschub, der in früheren konzerten ausgeglichen wurde durch außerordentliche disziplin und anspannung. gerade diese schien alela diane während des gut 1 ¼ stündigen konzerts immer wieder zu suchen. doch der einflüsse gab es zu viele, die ihrem vorhaben zuwider liefen. sei es vater tom menig, der sich bös verspielte, sei es basser tom bevitori, der wiederholt alberte und mit jokes das publikum aufheiterte, sei es drummer benjamin oak goodman, der über das ende des songs hinaus trommelte oder sei es gar alela selbst, die sich textunsicher zeigte. im einzelnen vernachlässigbar, in der gesamtheit auffallend und rückführbar auf eine neue ordnung im konzertgefüge dianes, das chaos produziert. schürte noch der gemeinsame beginn von alela diane und alina hardin zu anfang des programms die hoffnung, dass (erneut) ein atemberaubendes erlebnis bevorstand, konterte die schrittweise hinzunahme weiterer musiker die flirrende atmosphäre und nahm den rausch durch professionelles, aber leidenschaftsloses spiel.

wenn man zugute hält, dass alina hardin wie gewohnt hingebungsvoll hauchte und dass tom menig durchaus akzente zu setzen wusste, indem er an mandoline, akustischer oder e-gitarre agierte, hier und da einen lauf vom stapel ließ, blieben doch der rest der mannschaft in konvention verhaftet und ganz dem regime alelas untergeordnet. der jedoch, wie bereits angedeutet, fehlten die mittel, die truppe so beieinander zu halten, dass sie zu einer sinnvollen, weil genauso ausmalenden wie förderlichen ergänzung ihrer ohnehin überzeugend funktionierenden musik wurden. hier liegt wohl der hase im pfeffer. in der reduktion lag bisher dianes stärke. sie war der widerhall ihres wesens, ihrer empfindsamkeit, ihrer ungleichen festigkeit, an der sich der zuhörer kaum messen konnte. diese art panzerung, ein schutz vor entwaffnung, ging verloren und der verlust der langen haare ist dafür synonym und symbol zugleich.
meine enttäuschungen wurden freilich wenigstens teilweise aufgehoben durch den zuweilen glänzenden stimmlichen vortrag der sängerin aus nevada city. da war es wieder das aufsteigen, das segensreiche entweichen, die spuren des überirdischen im verstiegenen, das uns erbarmungswürdig zurücklässt. in ihrem gesicht verdinglicht sich das sein als göttliches programm, vollkommenheit als unbrauchbares wort karikierend.
ich wollte, dass alela sich ihrer besinnt und zurückgekehrt zu etwas weniger folkloristischen und höfischen auftritten. in starre verharrend ist sie mir tausendmal lieber, als dass sie müde ihre noch müder scheinenden kollegen dirigiert und sich als frontfrau entkräftet.
die setlist kann man gut bei den kollegen vom konzerttagebuch abschreiben, die die truppe an den beiden tagen zuvor ebenfalls gesehen haben, sie gleicht wie ein ei dem anderen. auch ein manko? zumindest hätte es der veranstaltung halt, struktur verleihen können. da half auch nicht die choreografie der auf und ab gehenden musiker. gestalterische elemente zielen bei alela dianes kunst offenbar immer vorbei.
wer motorrad fährt, der kennt das. unter seinem helm eingeschlossen kann man prima selbstgespräche führen. kriegt ja keiner mit. noch besser allerdings ist es zu singen. das tat ich denn auch auf der rückfahrt. laut und übermütig. denn was an mir haften blieb, und irgendwie stimmte mich das noch versöhnlich, sind die wunderbaren songs der derzeit nicht nur der haare, sondern teilweise auch der magie beraubten alela diane.

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 5

so einer veranstaltung wie dem orange blossom special kann man mit ein paar worten und netten bildchen nicht gerecht werden. den spirit, die großartige atmosphäre bekommt man nur schwerlich so eingefärbt, dass dem leser eine ahnung entsteht. doch wird der geneigte sich auch an verkaterte sonntage erinnern. an die blässe, die aus dem spiegel entgegen strahlte und an die hoffnung auf ruhe, frieden und einen tag voller aspirin und milden wassern. unnachgiebig aber strömte pünktlich zur mittagszeit das publikum in die arena. und mit baby universal war eine band angesagt, die es ganz gewiss nicht besinnlich angehen lassen wollte. im gegenteil handelt es sich bei den jungs aus dem osten der republik um schwer atmende, liebevoll krawallende burschen. rock mit viel groove, hooks und dank gezieltem bass, diverser perkussionsabenteuer und diffiziler leadguitar ein leckerbissen, wie er nicht erwartet wurde. ein exzellenter einstieg in den abschließenden festivaltag. und wen die sonne störte, dem brachte vielleicht sänger cornelius ochs etwas von konzertstimmung und erlebnisromantik zurück. nicht nur, und das ist unstrittig, dass er über ein spitzen gesangsorgan verfügt, er bietet dem hörer mehr. in seiner manier, einen jim morrison oder mick jagger zu imitieren, muss man keine absicht unterstellen. er ist wohl wie er ist. er geriert sich arme wedelnd, in sich verdrehend, wüst glotzend und mit direktem kontakt zum auditorium. er zieht blank und erntet eifrigen beifall. eine show. aber eine, die spaß macht. der dichte rhythmusteppich, der den gang federn macht, die unverstellte gitarre und die feinen läufe auf dem bass muten dem sänger wenig zu. er ist geborgen wie in abrahams schoss. ob woody guthrie cover oder eigene songs ob p.i.l.s "not a love song", allesamt funktionieren. setlist: mother / black spider / dancing witches / belle starr / black sun roll / hey man / morning comes / bye bye love / no lovesong / girls of mars / dig away / boys & girls / monkey dance

ganz schön früh schon mussten the miserable rich ans werk. die hätte man sich für eine gerissenere stunde des tages gewünscht, für die dämmerung vielleicht. wer schrieb 'kammerpop'? keine ahnung. ich wollte es mit 'barockfolk' überschrieben haben. und zwar einer auf wirkung potenziert. kalkulierte breaks, tempoverschiebungen, finessen in den arrangements, gekonnt, gezielt. gesetzt mittels cello - gestrichen, berührt, geklopft, violine - gezupft, gesenst, gefahren, kontrabass - innig besetzt und gitarre, die auf vordringliche weise wie eine leidenschaft bedient wurde. dazu kommt, dass sänger james de malplaquet ein entertainer bester schule ist und das publikum auf amüsante weise behandelte. witzig, angriffslustig ein bißchen, pointiert, mit sanften gesten und einem verschmitzten lächeln unterstrichen. selbst seine gefährten hatten ihre freude daran. man musste nur den mit hut kopfbedeckten cellisten beobachten, wie er griente und sich herrlich amüsierte ob des gerissenen frontmanns. was auf tonträger ein elektrofaden ist, der die chose zusammenhält, ist live die dichte und aufeinander abgestimmte, akustische begleitorgie aus gerauntem saitenspiel. faszinierend, wie gut die maschinerie funktioniert. und dem vorstehend ein sänger, der mit weinglas bewaffnet, die zügel hält. ausgezeichnet. setlist: early morning / somerhill / the time that's mine / boat song / kitty / hot chip / poodle / chestnut / muswell / monkey / pisshead / merry go around

eine persönliche auszeit nahte. nicht wegen der antretenden acts, sondern vielmehr weil die sonne ordentliche bratzte und das getümmel in der menschenmenge kaum zum aushalten gewesen wäre. so genoss ich etwas abseits die nachfolgenden bands. zunächst starteten the fabulous penetrators, die als stag-o-lee ableger für furore sorgten. genau das richtige für die gleißende nachmittagshitze. wer nicht eh schon schwitzte, dem rann bei erzwungener bewegung dank rockabilly, garagerock wie von allein der schweiß die achseln herunter. phantastische, geradezu fulminante vorstellung der briten!

anschließend folgte maria taylor am mittlerweile späten nachmittag. sie bestätigte meine bühnennahe abstinenz mit einem guten, aber eher langatmigen set. das aktuelle album neigt sich schwer zum flügellahmen pop. den zelebrierte sie allerdings mit engagement und in versierter begleitung. ich höre maria gern singen und so schwelgte ich versonnen und unverdrießlich. bessere unterhaltung kann man sich für so einen tag kaum wünschen. dass i am kloot nachfolgend auftraten, verzeichnen nur die geschichtsbücher, ich war beim chinesen: es gab gebackenes gemüse und alsterwasser. lecker.

morgen gibts den rest. baskery und get well soon wollen resümiert werden und Ihr werdet ebenso mit einem in sternchen ausgedrückten fazit belästigt werden. was war wohl der beste auftritt?

Donnerstag, Juni 04, 2009

eingestreut (35): yo la tengo

matador records heißes infoblatt, oder in zeiten von web 2.0 eben auch blog genannt, verkündet DIE frohe botschaft 2009s schlechthin. so heißt es dort: "The new Yo La Tengo CD/2XLP/digital album ‘Popular Songs” (OLE 856-1,2) could be the bravest musical statement to date in a career full of ‘em. Recorded in Hoboken and Nashville in early 2009 with longtime associate Roger Mountenot, ‘Popular Songs’ finds the trio of Georgia Hubley, Ira Kaplan and James McNew at the height of their creative powers, fashioning an epic work that’s cooly confident as it is wildly adventurous." mehr will ich noch gar nicht wissen. zudem handelt es sich beim cover um eines der ansprechensten dingens, die ich zuletzt gesehen habe. und der appetizer? fiebrig, hot!
Yo La Tengo - Periodically Double Or Triple

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 4

die obs sause ging am späten samstag nachmittag mit marissa nadler weiter. als new folk prinzessin angesagt, irritierte marissa sicher einige zuschauer nicht nur im lineup, sondern schließlich auch mit ihrer vorstellung. doch die farbigkeit des breiten musikalischen spektrums ist auch ein anspruch der glitterhouse crew. hier ein wagnis, dort eine frische brise. zudem sorgt die übersichtlichkeit des festivals, seines geländes dafür, dass tuchfühlung mit den künstlern möglich ist. marissa und ihre band streiften schon vor ihrem auftritt umher und so war begegnung möglich. unkompliziert und für einen fan einfach traumhaft. die folkqueen, mit augenzwinkern vermerkt, geruhte, auf dem balkon ein plätzchen einzunehmen oder durch den backstagebereich zu streifen. und wer von ihrem kleidzipfel berührt wurde, ward umgehend fröhlich. ein begeisternder empfang wurde ihr schließlich beschieden, als sie und ihre drei begleiter die bühne betraten. in blässe geschminkt und anfangs eher schüchtern agierend, versank marissa umgehend in ihren songs. brillant das spiel auf der gitarre, aktzentuiert, betonend hier, untermalend dort. unmittelbar der gesang, wie er sich schwebend gehör verschafft und sich an die rezeptoren der hörenden haftet. von dort drängt er weiter vor. marissas elegien brauchen raum, aber sie fordern nicht, sie sind und wer sie nicht beachtet, wird nicht verstört. hinhören musst du und bereit sei für einen somnambulen vortrag. elegien von glanz. rhapsodien mit flüchtigen themen. und wenn sie "silvia" haucht, falle ich in ohnmacht. "breaking on the daylight / hey put flowers round your grave and i sang a silly song for you / hey hey hey hey hey / silvia, silvia". und wenn sie klagt, stimme ich ein: "without a lover / without a friend / without a saviour / without a friend / without a lover / without a care / mayflower walked away / away towards the air / and if you see her / call out her name / and if you hear her / out in the rain / mayflower maybelle / it was her name". aber nicht nur ältere songs wurden zum besten gegeben, auch vom aktuellen album "little hells" durfte man naschen. ihre band stand dabei rücksichtsvoll im hintergrund und stützte die wankende künstlerin mit höfischem eifer. der beifall gab allen beteiligten recht, dem veranstalter und den künstlern. marissa und co. hatten ihren platz auf dem obs gefunden und viele überzeugt, die zunächst skeptisch waren.

the band of heathens standen auf dem plan und ich verfing mich im gespräch. herzliche grüße an b., den ich endlich kennenlernen durfte, und es war mir eine freude und ehre, über das gesamte konzert der begnadten rootsrocker hinweg mit ihm zu ratschen. also, konzert verpasst und so muss ich meine klappe halten. nur so viel: der in musikdingen äußerst erfahrene st. meinte abschließend, dass er positiv überrascht war vom kraftvollen und dynamischen auftritt.

einer meiner säulenheiligen trat an, da die dämmerung über beverungen lag. kristofer aström, der sich in der vergangenheit nicht hat entscheiden können zwischen popsong oder einem mehr rockig orientierten image. vielleicht ist das auch gut so. denn so bleiben ihm viele wege offen. und uns die offerten, den verstiegenen gitarrenparts zu folgen oder zu seinen schwungvollen liedern mit den hüften zu wackeln oder gar in die hände zu klatschen. doch in anbetracht der tatsache, dass sich kristofer die rainaways zur seite nahm, war zumindest klar, es würde dampf abgelassen. diese rolle übernehmen zuvorderst die kollegen, denn der schwede agiert eher schüchtern auf der bühne, eingeschlossen vom eleganten bassspiel des langbärtigen alten und der flankierenden gitarristen. schwung holt sich die bande aus dem im background wirbelnden drumgeflecht. doch an erste stelle gehört die feine, leicht brüchige, minuten und sekunden messende stimme aströms. sie ist es, die hier den ton angibt. seine songs, die den wert des lebens und seines unbills zum thema nehmen, sind es, die ihm eine ausnahmestellung verpassen. ein aufspiel zwischen gezielter herzerweichung und forschem aufgalopp in reinster rockmanier.
setlist: come out / twentyseven / she came with a friend of mine / me & snakes / a little out of tune / when her eyes turn blue / poor young man's heart / defender / devil / hangover dream / not cool again / fallen / it's the way

wieder war es langsam dunkeln geworden, der tagesabschluss stand bevor. auf dem plan der alte glitterhouse recke chris eckman. ihm zur seite stand die the last side of the mountain band. der chef und seine schäfchen. vorne weg dirigierte der carlalose amerikaner seine perfekt aufspielende slowenische neuanschaffung, standup bass, e-gitarre, schlagzeug, sie schufteten punktgenau und doch individuell versiert für einen leidenschaftlichen und doch auf wiederholung gepolten arbeitgeber. in dieser nacht stand ich nur da und staunte, wie sauber so eine musikalische darbietung herunterrollen kann, von der bühne ploppte und sich über die köpfe der zuhörer eine bahn suchte. das rund war satt gefüllt, auch weiter hinten drängte man sich aneinander. immer wieder staunendes genicke, freudiges gegenseitiges anstrahlen und das austauschen von gewissheiten. eckman könnte wohl auch eine partie schach vorlegen und die fans wären es zufrieden.

Mittwoch, Juni 03, 2009

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 3

samstag mittag versammelt sich die crowd nach und nach im festivalrund. die frühen sind meist die ausgeschlafenen, die dem alkohol etwas weniger zugesprochen haben, die neugierig auf alles sind, was die bühne betreten wird. sie legen sich auf den gestutzen rasen, blättern im infoheftchen, holen ihre campingstühle heraus und gönnen sich unverdrossen das erste pils. die ersten auf der bühne sind jene, denen die größe fürs hauptprogramm fehlt, die aber ebenso unverheizt genuss ausüben sollen. deshalb starten tenfold loadstar, sachte mit "hey now", das wie ein hit klingt und doch eher am ohr kleben bleibt wie eine klette am fliespulli. gitarre, bass, geige (hin und wieder) und schlagzeug erzeugen folkpop, der sich bei allem einsatz aber sehr auf den gesang reduziert. da regiert caro garske. nur im duett mit basserin gundi voigt erhält er aber erst seine intensität, dichte, die es braucht, um dem folk von tenfold loadstar etwas originäres zu verleihen. mir sind das zu viele "oohs" und "aaahs", zu viel konstruierte momente, die auf wirkung aus sind. und mir ist caros stimme zu giftig, sie gewinnt an höhe und jubiliert dort, wo ich gar nicht mit hin will. für den samstag morgen überlege ich mir in der regel anderes. und sollte das nicht funktionieren, lege ich mir eine scheibe auf, die verhindert, dass ich an mißerfolge denke. tun tenfold loadstar nicht. die zuschauer nahmen den appetithappen jedoch dankbar an und goutierten dies mit fleißig applaus. mir hätte auch etwas mehr fiedel gut getan, sie konterte in den wenigen augenblicken ihres einsatzes gut die allzu weichen thematiken, die die anderen drei durchaus mit bravour erzeugten.

black rust durften nachfolgend die lokale szene vertreten. die band aus ahlen tat dies mit dem engagement und ansporn derjenigen, denen solch eine chance nicht allzu oft in den schoss fällt. nun war ich selbst etwas beschäftigt zu dieser zeit, um den liveblog zu unterstützen. außerdem erhielt ich schlechte presse über die band. doch wachheit trieb mich doch noch zwischen die türangeln des glitterhouse-gebäudes und ich bereute mein ungestümes eilen nicht. denn das, was die fünf jungen burschen da fabrizierten, hatte verve und einen eindringlichen, aber keineswegs nerven anfallenden charakter. standup bass, mandoline, diverses perkussionsgerät, auf den punkt gespielte songs, geschlossener folkrock also, der raum zum atmen hatte, nie an euphorie erstickte oder gar vor ehrfurcht erstarrte. ihrem viel zitierten helden n. young huldigten sie abschließend mit einer tollen version von...: setlist: song from the edge of bed / everything's fading / heartache. now! / bottom of the glass / rain & roses / overdose / empty park. empty street / actually yours / it's allright, girl, i'm only lying / we don't live here anymore / untitled folksong / marlene / new year's day / rockin' in the free world

eine der überraschungen für mich waren schließlich kristofer ragnstam und co., ein erster wirklicher höhepunkt. ragnstam: ein rocker, ein herzensbrecher, ein charmeur und eine rampensau. einer, der der liebe abgesang genauso zelebrieren kann, wie er der neuen, knospenden verliebtheit einen namen geben, ihr eine hohelied singen kann. und wem das nicht genügt, dem trägt er mit humor auch vor, wie er im radio seinen eigenen tod verkündet hört. hinzu kommt, dass der kerl mit der großartigen stimme und enormer bandbreite mannen zur seite hat, die ihren job verstehen. vor allem leadgitarrist joel wusste mehr als zu überzeugen. vielfach entlockte er seinem instrument die wunderbarsten harmonien. flinke finger fuhren über das brett, dabei ohne billige attitüde zur schau zu stellen. super nette, eine formulierung, der ich sonst aus dem weg gehe, fürwahr überaus sympathische burschen, die electric 4, die mussten auch im bild festgehalten werden. im zusammenspiel mit kristofer enthusiastisch, zugleich dem eigenen spiel zugewandt und zur gegenseitigen unterstützung wie selbstverständlich bereit. klasse! das songmaterial des schweden hält so viel großartige ideen bereit, dass beobachter meinten, dass hier ein hitproduzent am werke wäre, wenn er nur wollte. vielleicht aber geht kristofer genau den richtigen weg. beim obs war er zur rechten zeit am rechten ort, wie ich meine. ganz groß! setlist: may i / fashion / born / dr / #1 / colombian / heard / swing / delic / breakfast / kayla / lonely