Samstag, Januar 16, 2010

neue töne (726): vorschau orange blossom special 14, teil 1

es sind kaum mehr fünf monate und das orange blossom special festival öffnet in beverungen seine pforten zum 14. mal (21. - 23.05.). zeit also, nun mal genauer hinzuschauen, unter welchem motto welche bands heuer antreten werden. dass die organisatoren fleißig an den schrauben drehen, merkt man allein daran, dass der glitterhouse newsletter regelmäßig neue acts absondert, die man für das kleine und feine, dreitägige festival hat einfangen können.
"...das kann man nicht twittern" wird in 2010 über allem prangen, was logo und hinweis auf das obs 14 tragen wird. ein motto, das sich ganz offensiv auf die seite jener stellt, denen 140 zeichen- nachrichten suspekt und das leben abseits realer begegnung fremd ist. wobei auch den glitterhouse menschen klar ist, dass es ohne internet und die weltweite verknüpfung nicht mehr geht. aber! aber eben nicht nur. und die interpersonelle begegnungsstätte "orange blossom special" leistet einen beitrag für das unmittelbare und dazu noch amüsante, unterhaltenswerte und musikalische miteinander.
schluß mit dem gespreizten vorgeplänkel, es geht um bands und die wollen wir hier nach und nach präsentieren. dreizehn der stets 21 zu zählenden kapellen stehen bereits fest. ein bunter reigen bisher mit namenhaftem aus den staaten, dem besonderen aus afrika und dem aufbrausenden aus dem norden. doch der reihe nach.
die bisher zuletzt genannte truppe, die man auf die bühne hieven wird können, ist golden kanine aus malmö, und sie passt, sieht man sich das lineup des letzten jahres an, wie die faust aufs auge in das programm des obs, also irgendwo zwischen the miserable rich und kristofer ragnstam, zwischen folkigen anleihen und dem hinweis auf akustisches (doch der dramatik des balkanboheis nicht abhold) und dort der hinwendung zu pop und einem glanzvollen auftritt, sie kommen mit pauken und trompeten, beklöppeln aber auch mal ein weinglass, da kann man sich definitiv drauf freuen, denn live machen sie wirklich was her: "scissors & happiness" heißt ihr 09er full length auf stargazer records:
golden kanine - 7th sin
mit kante tritt die speerspitze deutschsprachiger bands im glitterhouse garten an, viel braucht man nicht zu ihnen sagen, für 2010 ist ein neues album geplant, werden sie es bereits im gepäck haben?



das neue album ist noch frisch, im mai wird es aber bereits die runde gezogen haben und jeder kann im großen rund vertraut mit dem kopf abnicken, was savoy grand an slowcore von der bühne tropfen lassen, also, bis dahin im "accident book", nachschlagen, das wie alle vorherigen werke natürlich auf glitterhouse erschienen ist, bin gespannt, wie das silbrige, statische gewerk auf die hereinbrechende dämmerung stossen wird und welche wirkung es erst dann erzielt:
savoy grand - fourcandles
auch nicht zum ersten mal am start: dirtmusic, diese kontinente übergreifende kollaboration zwischen chris eckman, hugo race und chris brokaw, im april erscheint "bko" und im mai ereilt uns sicher ein programm, das sich vorwiegend aus dessen repertoire speist, eingespielt in mali mit den touraeg rockern von tamikrest, die ihrerseits ebenfalls das kleine städtchen beverungen beehren werden:



zu gemeinsamen auftritten, die mehr als logisch erscheinen, nachdem man so handfest miteinander gearbeitet hat, soll es kommen, freuen wir uns auf die wüstenrocker von tamikrest, die längst aus dem schatten von tinariwen getreten sind und uns hypnotisieren werden mit mehrstimmengesang und gutturalem gejohle, mit satten gitarren und einer perkussion, die sich tief in die gedärme schiebt, das album "adagh" ab mitte februar auf glitterhouse records, das nachfolgende video ist ein erster appetizer:

Freitag, Januar 15, 2010

jackie oates - hyperboreans (2009)

the guardian schrieb, dass sich die aktuelle folkszene in guter verfassung befinde, dank solcher acts wie jackie oates. andere blätter überschlugen sich anders, aber in die selbe richtung. mittlerweile ist das album "hyperboreans" einige monate auf dem markt und es häufen sich die award nominierungen. was hatte die britin anstellen müssen, dass es so weit kam? zunächst die gut funktionierende gemeinschaft von rachel unthank and the winterset verlassen, zu deren gründungsmitgliedern sie gehörte. schließlich soloalben aufnehmen, aufspielen, regelmäßig kollegen unterstützen, z.b. jim moray, den bruder oder show of hands. nachhaltig blieb die wirkung ihres schaffen, in erinnerung der name. ungebrochen der glaube, dass sich der glanz ihrer modernen und zugleich so tradiert klingenden stimme über alles ergießen würde, was nur ein bißchen willen, ein wenig freude an musik mitbringt. ihr drittes werk erschien auf one little indian und soll fortan auch deutschland derart beglücken, wie bereits in großbritannien geschehen. diese musikalischen wunder sind klein, aber durchaus erhört. zeugt nicht allein davon, dass ein alasdair roberts für den titeltrack verantwortlich zeichnet? dass gar ein sugarcubes cover ("birthday") aufgeht im reigen englischer und australischer traditionals? braucht es nicht viel mehr nur ein wenig glücklicher fügung, den organisatorischen odem der verbreitung und die hilfestellung all jener, die einen festen glauben haben? ich denke ja. eine musik, die aus sich heraus genügend kraft besitzt, ist das eine, das erhört werden, das andere.
1.) "the miller and his three sons": eine alte geschichte, ein märchen; eine herausforderung, ihm neuen glanz, leben zu verleihen - dass es einem nicht verleidet ist zuzuhören, weil man den umstand, den ausgang schon erahnt - ist die kunst, die oates besitzt, akzentuierte, betonende begleitung an melodeon und violine ergänzen den superben eröffnungsreigen, der so viel subtilen schwung aufzeigt, dass man innerlich beschwingt den ganzen tag verbringen könnte, auch wenn man sogleich den player ausstellen würde,
2.) "hyperboreans": im duett mit alasdair roberts trägt sich der song nicht nur durch das besondere thema, hyperborea, den kontinent im nordmeer, bevölkert von einem technisch wie sozial fortschrittlichen menschenschlag, der sich unter der erde angesiedelt und schließlich unter der gesamten erdoberfläche verbreitet haben soll, sondern vor allem durch die dynamik, die tempiwechsel, den zwiegesang, die unaufgeräumte fidel und das wunderbare gesangsorgan jackies,
3.) "locks and bolts": dieser song stammt aus dem repertoire der holzfäller, der wilderer, der george maynards; ken stubbs hat ihn aufgeklaubt und in der zeitschrift der english folk dance and song society (1963) gedruckt, im selben jahr verfing er sich auch auf shirley collins ep "heroes in love", er erinnt an viktorianisches liedgut, die quellen reichen aber viel weiter zurück; beschrieben wird eine geschichte, in der die liebenden dem unwillen der eltern zu trotzen suchen: "...I went up to her father's house / Enquiring for my darling. / Her father said, “She is not here; / I've none such in my keeping. / But when she heard my lonely voice / She answered at the window, / "Oh lover, love, it's I'd be yours, /But locks and bolts do hinder...", saul rose führt das melodeon, jackie setzt das streichgerät an und singt in ungezwungener strenge und unbeugsamer zuwendung zum liedgut und seiner aussage,
4.) "the pleasant month of may": dieses lied stammt aus dem "the copper family song book", war vornehmlicher bestandteil des repertoires der copper family, hier wurde es unter mithilfe von james dumbleton neu arrangiert, violine, gitarre, wenig, aber zielsichere perkussion, schließlich verstiegen im gemeinsamen schlußappell, nachdem sich eine herzerwärmende melodie auf zittrigem grund, unter mithilfe eines mutlosen banjos, zum ohr des hörers durchgeschlagen hat,
5.) "past caring": henry lawson schrieb den text zu diesem traditional, das die trostlosigkeit des australischen buschs beschreibt, ein zeitloses gefühl, dem jackie oates leben einhaucht, mittels ihrer klaren stimmung, eines offenen sounds und unter nutzung der sogenannten shruti box, die nicht nur in diesem song, eine chromatische stimmung schafft,
6.) "the sheffield grinder/mavis": '1804' & 'sheffield' sind die koordinaten dieses traditionals, ich liebe den stolpernden stolz, den diese leicht stampfenden songs immer wieder aufweisen, jackie trägt dies mit hoch erhobenem kopf, dem konzentrierten blick und der zitterfreien stimme, die beigaben: streicher, melodeon, gitarre,
7.) "young leonard": ebenfalls ein traditional, ein reduziertes, zunächst auf gitarre, bowed lyre und stimme geworfenes stück, jackie fährt zu ganzer größe auf, ihre farbigkeit wird deutlicher denn je, die koloraturen, die berg- und talfahrten, zu denen sie leichthin in der lage ist, auf ihrer reise die violine, die tupfende gitarre, das ineinander verwoben sein, magie!,
8.) "birthday": "life's too good" heißt das 98er album der sugarcubes, von dem jackie sich den song borgte und so aufbereitete, dass der grundstock freigelegte wurde, während die cubes beiwerk aufstapelten, björk dagegen ansang, wird bei jackies version die melodie freigelegt, der rest ist spielerische ausmalung, ungewöhnlich, aber der track passt sich hervorragend in das restliche programm ein,
9.) "the isle of france": ein song , der u.a. in big edwards "buch des australischen volkslieds" auftaucht, wenngleich er wohl eher aus irland stammt, zum thema macht er wie viele andere vor und nach ihm den gefangenentransport per schiff (strafkolonien in new south wales/tasmanien) und beschreibt die ängste der verurteilten: "Oh the sky was dark and the night advanced / When a convict came to the Isle of France / And round his leg was a ringing chain / And his country was of the Shamrock Green. / I'm from the Shamrock,“ this convict cried / That has been tossed on the ocean wide / For being unruly I do declare / I was doomed to transport these seven long years....",
10.) "the butcher’s boy: elizabeth stewart inspirierte jackie oates zu einer neuaufnahme dieser 'murder ballad', hier gemeinsam mit alasdair roberts im komplementärgesang und nur auf das wesentliche herunter gebrochen, eine unheilvoll strebende violine, eine stärkende gitarre, aufrechte stimmen,
11.) "may the kindness": ein song von dave wood, ein abschluss, wie man ihn sich versöhnlicher und schmiegsamer nicht hätte wünschen können, als fiele der ganze emotionale ballast mit einem mal ab, jackie singt schöner denn je, ein piano, das die tränen stocken lässt und streicher, die die glastropfen formen helfen, denn den großen gefühlen ist fürs erste genüge getan, bis "hyperboreans" neu aufgelegt wird.
mit dem folkalbum "hyperboreans" setzt jackie oates nicht nur eine tradition fort, sondern vor allem auch einen trefflichen kontrapunkt zur aktuellen entwicklung dieses musikalischen stils. mehr noch, die diversität, die aufspaltung in free-, weird-, anti- usw. erhält ein dach und eine segnung. wer noch immer glaubt, dass sich die genre, die 'folk' nur als scheinbar sekundären bestandteil im namen tragen, tiefer im freejazz verwurzelt seien als im namengebenden, schwer in den genen des (jeweiligen) volkes verhangenen liedgut, irrt. nur weil sich die 'verstockten' damen und herren der freien szene versteigen, auf länge streben und scheinbar ungehobelt, ungezwungen ziele verflogen, kommt man dennoch nicht umhin zu konstatieren, die gründe, auf denen sie arbeiten, sind jene, die ihnen die alten lieder bereiten. das zutrauen zum instrument, zur stimme, das verinnerlichte des kinderreims und des großväterlichen gedankens, all dies ist unweigerlicher bestandteil, auch wenn es das 'in die ferne schweifen' zunächst nicht glauben machen will. jackie hält die hände offen und alle dürfen schöpfen. ihr ist ein außerordentliches album, zum rechten zeitpunkt gelungen. in der konstitutionellen und vokalen strenge liegt die eigentliche freiheit, die sich offenbar nur die anderen nehmen. beide sind enger miteinander verwoben, als mithin gern behauptet wird. sie bedingen sogar einandern. die shruti box, die einfache, aber unüberhörbare soundwall, die sie kreiert, ist mehr als nur ein zeichen ins andere lager. sie ist anlehnung. die grenzen dürfen fließender werden. wenn dabei alben wie "hyperboreans" herauskommen, kann sich der hörer schwerlich beklagen.

Donnerstag, Januar 14, 2010

ein (p)fund mp3 (242)

schöner, ach, gar wunderbarer sampler auf omaha records (ja, genau, das teil, das gisbert zu knyphausen und philipp heintze zur heimstatt für mittlerweile mehr als fünfzehn künstler performt haben). enthalten sind dufte bis superbe tracks, sämtlich und sonders von heimischem nachwuchs, “vor zurück wiegeschritt” heißt also der fünfte teil aus dieser reihe, ein paar beispiele, die mir liebsten natürlich, nachfolgend, den rest gibt es dann hier, als .zip hier.
daantje & the golden handwerk mit café 612 - herr wiseman
staring girl - an traurigen tagen
julian gerhard - hans asplund song
das internationale format - seit dem man mich
weiter gehts mit einem neuen bad panda records release (natürlich cc-licensed), erschienen am 11.01., heißer sound, really:
growsound - wet highway
nicht verpassen!, die hotteste band des aktuellen jahres auf thee sheffield phonographic corporation, die single "fifteen" demnächst auf Euren tellern:
standard fare - tinsel politics
etwas ruhiger das album also, "end times" wird so langsam aber sicher zum geheimtipp (das cover hat eh schon gewonnen), für kenner und solche, die es werden wollen:
eels - end times
"the calcination of scout niblett", yeah, 15.01. auf drag city, wir sind dabei, Ihr auch?, appetit holen:
scout niblett - the calcination of scout niblett
seit dem 12.01. auf team love zu haben, das debut album "hustler's son", und reinhören geht auch:
jason boesel - french kissing
jason boesel - hand of god
nachricht des 12.01. war der veröffentlichungstermin für joanna newsom neues album "have one on me" zum 23.02., dem label war es ein bildchen wert.
am 09. februar erscheint "the idyllist", die band dazu ist schnell ausgemacht:
the idyllist - let’s fly away
the idyllist - pacifc coast highway blues
abschließend der hinweis auf den neuen release bei aaahh records, erschienen ganz früh in diesem jahr, getauft auf "pictues":
uniform motion - cast iron
uniform motion - selling pictures

we were promised jetpacks
18.01. Dortmund - FZW
19.01. Stuttgart - Schocken
20.01. Heidelberg - Karlstorbahnhof
21.01. CH-Zürich - Rockwoche
23.01. München - 59:1
27.01. Osnabrück - Glanz & Gloria


savoy grand
27/02 D - Saarbrücken - Sparte 4
28/02 D - Frankfurt - Brotfabrik
01/03 D - Hamburg - Knust
02/03 D - Halle - Objekt 5
03/03 D - Jena – Rosenkeller
04/03 D - Chemnitz – Atomino
05/03 D - Erlangen - E-Werk
06/03 D - Bamberg - Morph Club
07/03 D - Dortmund - Pauluskirche
08/03 D - Köln - Subway
09/03 D - Dresden - Societätstheater
10/03 D - Berlin -Magnet
11/03 D - Karlsruhe - Jubez
12/03 D - Stuttgart - Laboratorium
13/03 L - Luxemburg - Dqliq

Mittwoch, Januar 13, 2010

glotzt nicht so romantisch (81): jackie oates

bevor ich hier etwas ausführlicher zum aktuellen album jackie oates' schreiben werde, schon mal vorab den titeltrack live. ich liebe das von alasdair roberts geschriebene stück immer mehr.

eingestreut (82): chihei hatakeyama

own records bleibt am ball. faszinierend, wie das label an prägung gewinnt. eine wonne, diese leute bei der arbeit zu beobachten. mit chihei hatakeyama holen sie sich nun einen musiker an bord, der bereits auf room 40, spekk, hibernate, under the spire oder kranky veröffentlicht, einer also, der sich vielerorts die hörner abgestossen hat. könnte ja auch eine taktik sein. lassen wir die anderen erst einmal dafür sorgen, dass sich der musiker findet. wenn er dann in seinem zenit steht, holen wir ihn uns und bringen sein meisterwerk heraus. quark. natürlich. aber spannend wäre es schon zu erfahren, wie und unter welchen umständen der japaner auf das luxemburger label kam. dass jene keine waisenknaben mehr sind, sich längst die hörner abgestossen haben, beweisen die 47 vorherigen releases, darunter erstklassiges von gregor samsa, uzi & ari, bexar bexar und zuletzt the green kingdom.
wie passt nun der außerhalb von tokyo lebende klangartist und musiker in das portfolio? mit opitope gab er sich gemeinsam mit tomoyoshi date der electroacoustic hin, arbeitete aber nebenher immer auch an seiner solokarriere. die forcierte er mit vielfarbiger, unzählige reminiszenzen hervorrufener klangarbeit an diversem instrumentarium, von gitarre über vibraphone bis hin zum piano und kleingerät. hardcore, metal, aber auch german rock und moderne klassische musik haben chihei beeinflusst. sein erstes album brachte er 2006 auf kranky heraus. zusammen mit seinem opitope kollegen hat er ein eigenes label gegründet, 'kualauk table' und eine musik veranstaltungsreihe namens "kuala mute geek" gestartet. "ghosty garden" heißt nun der am 1. februar auf own records erscheinende release und wirft, hört man die vorab mp3 kaum mehr fragen hinsichtlich der passgenauigkeit - künstler vs. label - auf. ambiente streckung in aller nur denkbaren einvernehmlichkeit. man erinnere nur des letzten hinweises auf own records. das geht gut zusammen.
chihei hatakeyama - voices II

Dienstag, Januar 12, 2010

neue töne (725): sonny smith

zeit für ein paar sonnigere töne. gell? düster die prophezeiungen der letzten tage. eisige winde, zugige hütten. verwehungen, eingeschneit sein. bevorraten, hamstern. käme manchem zupass. doch wir wollen freiheit! sonne! west coast feeling. kriegen wir. mit sonny & the sunsets. die haben auf soft abuse einen aktuellen release am laufen, den auch wir etwas mit ins rollen bringen wollen. ein end-09er album also, aber was für eins. "tomorrow is alright" heißt das gerät, was nicht nach verschwörung, dafür aber nach einem duften motto klingt. angeführt wird die truppe vom songwriter sonny smith, einem umtriebigen burschen, der mit the sunsets honorige burschen um sich geschart hat, allen voran kelley stoltz und tahlia harbour, zudem die ungebundene unterstützung von john dwyer, tim cohen und shayde sartin erhält. gemeinsam fabrizieren sie einen dermaßen abgehangenen sound, dass einem auch ohne dope ganz schummerig im schädel wird ("Sonny & the Sunsets' busted beach-pop songs spark recollections of doo wop's otherworldly despair, the kitchen sink savoir faire of The Raincoats, a dose of goofball humor from the Michael Hurley school, and positive possibilities exuded by Jonathan Richman, with and without The Modern Lovers."). diesem debut gingen übrigens noch andere tonträger voraus, ebenfalls auf soft abuse sowie home skillet records veröffentlicht, nämlich die singles "love & death" bzw. "broom and dustpan". sonny smith selbst aber hat in solomanier noch einiges mehr am start. musikalische ergüsse? siehe unten! nachfolgend biografische details, weil mir der typ einfach so gut reingeht. allein "bad cop" sollte Euch auf meine spur bringen. ok. geboren in san francisco, trieb es sonny recht bald nach colorado, später nach denver und sogar costa rica, um auf einer "organic farm" zu arbeiten. zeitweise schaffte er sich als barpianist, schrieb aber nebenher immer fleißg an songs. die gaben gern mal eine kurzgeschichte her, öfter noch gar eine längere. eines der markenzeichen sonnys. bald schon spielte er wieder in san francisco auf, supportete neko case und startete seine band sonny & the sunsets. die knarzige, leicht versonnene stimme, dazu eine snakey guitar und diese eigentümlichen storys, herzige melodien, erinnerungswürdig, das alles macht den typen, und wenn er nicht solo aufspielt, auch die begleiter aus. kreatives schreiben (er schreibt u.a. eine kolumne für new mission newspaper und veröffentlicht storys im new yorker literaturmagazin "si senor"), arbeiten an drehbüchern und fürs theater, das fertigen eines kurzfilms, all das gehört auch in die vita dieses positiv verrückten. ich hab mich jedenfalls gewaltig verguckt. albennachkauf ist ebenso angesagt, wie dem aktuellen werk hinterher zu jagen. kommt Ihr mit?
sonny & the sunsets - to young to burn (from: "tomorrow is alright", 2009)
sonny & the sunsets - death cream (from: "love & death")
sonny smith - day in the life of a heel (from: "fruitvale", 2006)
sonny smith - bad cop (from: "fruitvale", 2006)
sonny smith - donkey killed the crow (from: "one act plays", 2005)
sonny smith - weird fantasy, strange adventure (from: "sordid tales of love
and woe", 2003)

sonny smith - way to go (from: this is my story, this is my song", 2002)

Montag, Januar 11, 2010

eingestreut (81): akira sakata

einem wie akira sakata braucht man nicht über umwege begegnen. das ist eine direkte art der saxophonen konfrontation. genau so wie man sein leben zu betrachten hat. 1945 in der nähe von hiroshima geboren. studiert biologie an der heimischen uni. bald formiert er seine ersten bands, tokio 1969 ist ein markierungspfosten. wie er sich überhaupt in den späten sechzigern zu etablieren weiß, unter den free jazzern seiner zeit. er wird in den siebzigern immer wieder gern als mitglied von ausnahmeformationen herangezogen. beispielsweise für das yamashita yosuke trio oder wha-ha-ha oder gründet selbst acts wie sakata akira mii. aufnahmen enstanden mit chris cosey, peter brotzmann, dj krush, yoshimio und vielen anderen. seit 2005 arbeitet sakata mit jim o'rourke, chris corsano und darin gray zusammen. gemeinsam brachten sie drei alben heraus. "friendly pants" ist nun die erste amerikanische veröffentlichung des japaners seit mehr als zwanzig jahren. das album erschien unter der mithilfe von corsano (drums) und gray (acoustic bass) sowie o'rourke als produzenten. das zusammenspiel der drei ist überragend. die doppelköpfige rhythmussektion, hier unter chikamorachi firmierend, treibt einerseits via fellbearbeitung in hochgeschwindigkeitsmanier, ohne dabei doppelzüngig aufzutreten bzw. verdichtet dank bornierter, gerade zu entfremdeter attitüde, vorgetäuschtem unbeteiligtsein am bass, der zugleich um das spiel aller kreist und zusammenhält. irre. dazu das alto sax des akira sakata, das sich verteufelt klug durch die unzählig gespannten fäden der beiden ausnahmekönner wirkt, melodien in stakkati zerfallen lässt, absencen einflicht und neu mustert. das album "friendly pants" erschien im september des vergangenen jahres auf family vineyard records.
akira sakata & chikamorachi - friendly pants

Sonntag, Januar 10, 2010

glotzt nicht so romantisch (80): the sidekicks

eine der letzten pink couch session bestritten the sidekicks. der vierer aus cleveland kommt gewohnt auf touren, auch auf dem bequemen sitzmöbel. wenngleich es etwas sittsamer zugeht, als es die verehrten fans ansonsten gewohnt sind. denn vorherrschender stil der kapelle ist punk, punkrock und artverwandtes. in akustisch oder wie ein mithörer meint: "auf der couch werden alle bands besser."



the sidekicks - a healthy time

neue töne (724): chris forsyth

immer mal wieder ein paar schritte zurück. wenigstens 1 1/2 bleiben wir dennoch voraus. dem jahr 2009 sollte man aber nicht den rücken kehren, bevor man nicht noch einen verweis auf evolving ear hat fallen lassen. hiermit getan. ein label von und vor allem mit chris forsyth in solo als auch in diversen bands, als da vornehmlich wären peeesseye, phantom limb & bison, dirty pool sowie in verschiedensten kollaborationen (u.a. jozef van wissem, alessandro bosetti, chris heenan, nate wooley, burkhard beins, tetuzi akiyama und ernesto diaz-infante). auf evolving ear kämpfen offenkundig mehr als neunzehn releases des ausnahmegitarristen um die gunst des kunden. der sound, den der mittlerweile in brooklyn lebende auf seinen 6- bzw. 12- string acoustic und electric guitars kreiert, rumpelt von einer bande - narkotisch-hypnotisch - zur nächsten - ziseliert, strichförmig, introspektiv - und übernächsten - geballte power. in 2009 hat forsyth erneut eintragungen auf seinem kerbholz vorgenommen. zunächst spielte er mit nate wooley die cdr "the duchess is dead, long live the duchess", auf chocolate monk, dann mit dem farfisa organisten shawn edward hansen das album "dirty pool" ein, wenn Ihr deren killertrack "marquee moon", siehe unten, gehört habt, werdet Ihr instant gierig nach diesem klang, später folgte dann das soloalbum "dreams", das nicht weniger einnehmend auf sich aufmerksam macht. aufgenommen wurde es zu großen teilen in brooklyn, aber auch in glasgow, kansas city und waldron island, washington. im einsatz waren neben dem hauptakteur seine langzeitkumpel jaime fennelly (synth on one track) und fritz welch (drums and vocals on another) von peeesseye, dazu nate wooly (trumpet) und auch hier an bord s.e. hansen (organ, saxophone, and snare drum overdub) von phantom limb & bison. und wie schreibt sich evolving ear so fein und zugleich zurecht auf die "dreams"- fahnen: "What you get: four tracks of free-wheeling minimalist rock balladry and anarcho-improv surrealism with a fearless approach to beauty in a deeply psychedelic landscape." howdy!
chris forsyth - string haters (from: "dreams", 2009)
chris forsyth & shawn edward hansen - marquee moon (from: "dirty pool", 2009)
ernesto diaz-infante & chris forsyth - part 10 (from: "march", 2002)
ernesto diaz-infante & chris forsyth - cut and dried (from: "wires and wooden boxes", 2001)

Samstag, Januar 09, 2010

ein (p)fund mp3 (241)

auf shelflife records bahnt sich ein neuer release, diesmal eine single namens "night animal" an, erscheint am 26.01., die protagonisten sind bekannt, mit "aboa sleeping" begeisterten sie im letzten jahr auf longplayer:
burning hearts - night animal
der wave pictures sänger machte sich den spaß, die erste single des jahres 2010 auf den markt zu werfen, ab eine sekunde nach mitternacht stand der download bereit, ein soloalbum unter mithilfe stanley brinks soll im april kommen, ebenfalls auf wiaiwya:
david tattersall - happy for a while
auch pünktlich zu neujahr erschienen: "the invisible city" auf touchmusic: zur erläuterung: genutzt wurden vom komponisten "tape recorders, computer, organ, acoustic guitar, electronics, viola, subharchord, und die field recordings stammen aus sweden, iceland, norway, dem uk, japan, portugal and germany":
bjnilsen - meter reading
einen neuen track gibt es bereits zu belauschen, "the besnard lakes are the roaring night" erscheint am 09.03. auf jagjaguwar:
the besnard lakes – albatross
die musikalischen erfolge von 1989-1999 beleuchtet eine compilation namens "quarantine the past: the best of pavement", die am 09.03. auf matador erscheinen wird, zudem wird es reissues des gesamten matador kataloges geben, also aufgepasst, zu gewinnen gibt es auch etwas, hier:
pavement - gold soundz
"kairos" erscheint am 09. märz auf dead oceans, das schreibt: "White Hinterland delves into a modern, electronic wash and uncovers a confident, captivating pop voice":
white hinterland - icarus
auf thrill jockey erscheint ende februar, am 23. um genau zu sein, das selbstbetitelte album, die band ist übrigens anfang 2010 mit pontiak auf europa tour:
white hills - dead
ebenfalls thrill jockey ist das album "the flexible entertainer", das am 26.01. das licht der welt erblicken wird:
pit er pat - water
auf western vinyl kommt in ein paar tagen (12.01.) das neue album "tomorrow becomes you!" zum vorschein, wer den vorherigen tonträgern schon gebührend respekt entgegen brachte, wird auch hier nicht enttäuscht sein:
slow six - the night you left new york
slow six - these rivers between us (excerpt)
"vivian & ondine", eine dreiviertel stunde musik hier erhältlich seit ende letzten jahres und hier ab 11.01.:
william basinski - vivian & ondine (excerpt)
für das frühe 2010 ist das "the long dream of birds" getaufte album des psych-rock-pop duos matt campbell und robert hirschfeld auf a hidden agenda angesagt:
common loon - dinosaur vs. early man
die mail lautete so: "Bad Panda Records release a new CC-licensed tune every Monday; this week canadian songwriter Barzin":
barzin - it's come to this

Freitag, Januar 08, 2010

neue töne (723): tujiko noriko, lawrence english, john chantler

ein label, das man sich immer mal wieder wie butter aufs brot schmieren sollte, ist room 40. dort tummelt sich so viel musikalisches potential, dass es kaum zu übersehen wäre, wenn, ja wenn es nicht eh schon genug zeugs gäbe, worauf man achten sollte (wirklich?). steinbrüchel nennen wir, lloyd barrett, ben frost, tenniscoats, chris abrahams und so weiter. der flirrenden, irrenden klänge, der schwebenden zustände, der lichten gassen, des flutenden seins kannst du hier nicht entkommen. zählen wir zur abrundung weitere namen auf, die in einer kollaboration "u" geschaffen haben: nämlich tujiko noriko mit lawrence english und john chantler. "u" wurde ende des jahres für den qwartz award nominiert und das nicht zu unrecht. die traumfarbenen songs, die von tujiko noriko schlafwandlerisch, somnambul, kindlich und in japanischen idiom vorgetragen werden, erhalten ihren introspektiven charakter zusätzlich durch die selektive perkussion und den wabernden, schwebe imitierenden sound, der, von den beiden kollegen produziert, über drei jahre via email zwischen brisbane und paris hin und her geschoben wurde, um ihm die liquide konsistenz zu verpassen. in 2008 schließlich ward er konserviert und reif für die veröffentlichung. dem ungewöhnlichen entstehungsprozess hört man seine lücken nicht an, im gegenteil befindet man sich geradewegs im orbit, wo solch gemeine dinge nicht zählen und alles irgendwie zueinander gehört, das spielerisch esoterische wie der warme analoge eindruck, den dieses ding aus folk, elektronika und natürlich dream pop hinterlässt.
tujiko noriko, lawrence english, john chantler - hyouga
tujiko noriko, lawrence english, john chantler - i can hear the heart (live at cafe oto)

Donnerstag, Januar 07, 2010

the early judgement (32): kathryn williams

mal wieder arg skeptisch gewesen. allein schon die nachricht, dass kathryn williams bei one little indian untergekommen sein soll, gereichte zu einem gequälten lächeln. zu oberflächlich. meine persönliche behandlung der thematik. und "two" in den ohren, die kollaboration mit neill maccoll aus 2008. zu schluffig, zu sehr auf schönklang getrimmt war mir das bis dahin letzte lebenszeichen der in liverpool geborenen songwriterin. "the quickening" erscheint am 22. februar auf eben jenem label, auf dem sich zuletzt kill it kid oder official secrets act ein zuhause holten, wo sich asobi seksu, björk, rose kemp oder dan sartain um die besten plätze streiten. passt das? passt. die bestechenden argumente sind in diesem fall die akustische präsenz von sparsamkeit, die ausgewogenheit im arrangement, die dezente kraft kathryns stimme, die diversität in den klangbildern, die zur spontanität erzogenen musikanten. denn an den vier tagen, die für die live- aufnahmen zur verfügung standen, galt, neben der maxime nicht mehr als drei lieder täglich in angriff zu nehmen, die regel: keiner hört die songs vorher. so: "Says Kathryn 'When I listen to the songs now, I can see that room in Wales, remember what each take felt like, with my heart in my mouth, wanting to get to the end without a fuck up'." entstanden ist das achte werk williams im norden wales unter der federführung von bryan derwen. es hat eine einzigartige, eigentümlich heitere und doch subtile, melancholische stimmung. die atmung des werkes ist frei, es ist ungebunden und doch so persönlich wie man sich in eine erfundene figur hinein interpretieren kann, um ihrer selbst zu sein.
1.) "50 white lines": ein song über die langen fahrten während einer tour, hinter der gitarre, dem glockenspiel und dem akkordeon zählt eine männliche stimme die vorbeiziehenden lichter, eine fabelhafte melodie, ein ohrwurm, gefasst vorgetragen von kathryn, geschrieben mit unterstützung von david scott, einem langjährigen begleiter und gitarristen,
2.) "just a feeling": präsentiert eine jugendliche sängerin, deren stimme wärme und distanz zugleich ausstrahlt, das soundbild ist von einer gezogenen quetsche im hintergrund abgedeckt, vorne dominieren die flinke sechssaitige und das frevelfreie gesangsorgan, ein schwebendes ding dieses lied, wie es fragt: "what if love is just a feeling?",
3.) "winter is sharp": gemahnt an traditionellen english folk, mitsamt ukulele und leier, akkordeon und dem würdevoll getragenen gesang, der durch den backgroundchor verstärkung findet, das treiben nimmt lauf auf und befeuert sich bis zum fast überbordenden ende,
4.) "wanting & waiting": ein träumerisches, erneut melodiös anschmiegsames lied über die flucht vor dem job hin zu den romantischen stunden des abends und der nacht, zur liebe, stolz und ungebrochen erzählt es mit unterstützung von banjo und piano von der verzehrenden zuversicht, kathryn: großartig!,
5.) "black oil": ein anderthalb minütiger zwischenschritt, einmal die stimme im hall erheben, zu leuchtend gelben blumen und vögeln "head to toe in black oil", lasset der interpretation freien lauf,
6.) "just leave": perkussion auf notwendig reduziert, piano, gitarre, wenig was als soundgewebe im wege steht, aber das dräuende ist da und dazu die schwelende trennungschwere: "just leave, just leave, just leave", einer der schönsten tracks des albums, anspieltipp,
7.) "smoke": "It’s a little world of rules I couldn’t write down but I work to them and around them, and I know my way around that world,’ says Kathryn of her song writing itself, ‘I’m forever scared that the way of making the songs will leave me. But in the end, that is part of what drives me."; sagt kathryn und singt schließlich wieder über eine beziehung: "holding you is like holding smoke…, i kiss and i blow and you float out of sight.",
8.) "cream of the crop": der zweite song, den kathryn mit david scott schrieb, lebt von einer aufgeräumten barjazz atmosphäre und der getäuschten bierflaschen perkussion, die von einer kühlen williams flankiert wird,
9.) "there are keys": ein atmosphärisch dichterer sound, ein vertrautes thema, die liebe, die unsicherheit ob ihrer sicherheit, zaghaftes betreten der aus tönen gewebten oberfläche,
10.) "noble guesses": auf kathryn williams muss man sich schon einlassen, sie hat eine wenig prägnante, dafür aber weiche, formbare und vertrauenswürdige stimme, wie die einer großen schwester, und wenn sie dann über lücken im periodensystem oder über jene singt, die in einem fotoalbum auszumachen sind, aus dem polaroids herausgenommen wurden, folgt man unvermittelt,
11.) "little lesson": hier hatten nev clay und simon edwards ihre finger mit im spiel, ein song, der mich mehr als andere an ricke lee jones gemahnen lässt, die stimmliche ähnlichkeit wird durch ihren vergleichbaren umgang ergänzt, zwar arbeitet kathryn weniger nasal als es die amerikanische kollegin tut, aber das halten der töne und ihre bearbeitung im abgang sind vertraut,
12.) "up north": piano, indirekte perkussion, flötengleiches, ein schunkler, eine belegte ballade, der refrain geht ans eingeweide.
kathryn williams hat mich mit einem so beweglichen und doch gleichzeitig stillstand übenden werk überrascht, dass ich mich zum loben hinreissen lassen muss. denn sie setzt bei "the quickening" auf die richtigen pferde. ihre stimme, die ganz in die nähe des hörerohres gerückt wurde, die melodienvielfalt, die nicht aufwirft und falten schägt, sondern die unterm saum mit eingenäht wurde und dem ganzen halt und stabilität verleiht, die ornamentierung, die so wohldosiert und harmonisiert funktioniert, die gelassenheit und zuversicht, die solch ein album ausstrahlen kann. ihre erste arbeit für one little indian muss man als gelungen bezeichnen. und wenn sich das label daran macht, die archive der mittdreißigern zu öffnen, kann man auf so einige perlen hoffen. zudem soll es demnächst ein album mit kinderliedern von ihr geben und ein erstes zeichen ihres nebenprojektes the ish inventors. für "the quickening" gibt es sehr gute *** - ***1/2.

Mittwoch, Januar 06, 2010

glotzt nicht so romantisch (79): the knife

der spannenden musikalischen projekt gibt es nie genug. die oper "tomorrow, in a year" von the knife wird am 05.03.10 auf rabid records/cooperative music/universal erscheinen. thematisch dreht es sich bei dieser elektrovariante von oper um den aufsatz "die entstehung der arten" von charles darwin. über die evolutionstheorie hinaus beschäftigt sich dieses besondere unternehmen jedoch auch mit dem menschen darwin. mit an bord sind die dänische performance truppe hotel pro forma, die künstler mt.sims und planningtorock und natürlich the knife, die das projekt folgendermaßen beschreiben: “At first it was very difficult as we really didn’t know anything about opera. We’d never been to one. I didn’t even know what the word libretto meant. But after some studying, and just getting used to opera’s essence of pretentious and dramatic gestures, I found that there is a lot to learn and play with. In fact, our ignorance gave us a positive respectless approach to making opera. It took me about a year to become emotionally moved by an opera singer and now I really do. I really like the basic theatrical values of opera and the easy way it brings forward a narrative. We’ve approached this before in The Knife but never in such a clear way.” am 5. juni gibt es das werk in münster, an den städtischen bühnen zu sehen und einen ersten visuellen eindruck nachfolgend:

ein (p)fund mp3 (240)

ich gebs zu, eine wilde mixtur, aber manches langt eben nicht für einen post, will aber auch nicht einfach so hinten über fallen. deshalb nun gebündelt.
intercontinental records hat stillgelegt, leider, das letzte release müsste so aus 2004 stammen, ein paar eindrücke blieben je haften, z.b. diese französische acoustic pop band, die mittlerweile "solo" woanders veröffentlicht:
pokett - marmalade (from: "crumble)
pokett - train (from: "crumble")
pokett - tiny (from: "performance #2" comp.)
wee pop! bewirbt sie zwar, aber ihre ep, zum freien download, können sie zweifelsohne selbständig ins netz stellen, fünf tracks, fünf mal lofi charme galore, "postcards to strangers" als ganzes hier, und dann eben noch etwas älteres obendrauf:
moustache of insanity - broken biscuits (unreleased)
moustache of insanity - i need more (from: "knock knock who's there")
moustache of insanity - adam sandler (from: "knock knock who's there")
beachtenswerter singer/songwriter mit bereits drei veröffentlichungen, stammt aus grayslake, illinois, das letzte zeichen aus 2008, wobei mir die ganz frühen sachen, vieles für lau auf seiner seite, auch sehr gut gefallen, etwas ungeschlacht, aber liebenswert:
carl hauck - milt the stilt (from: "counter intellegence", 2008)
carl hauck - the cell (from: "something to laugh about", 2005)
carl hauck - long drive (from: "s/t", 2004)
die erste single als auskopplung aus dem kommenden debutalbum, eigentlich für das frühe 2010 angesagt, auf wireless records:
radiant city - two against eight
eine quirlige und schaffensreiche oldtime stringband aus new orleans, da macht jeder song laune auf mehr:
the kitchen syncopators - satisfied (from: "underwood")
the kitchen syncopators - kentucky blues (from: "yazoo city")
the kitchen syncopators - country boy (from: "pepper in my shoe")
anfang 2009 erschien ihr album "maintenant" auf tomlab, gastvokalist auf diesem track war der gute karl blau, deshalb, aber nicht nur deshalb hervorgekramt:
gigi - the old graveyard
die "whatever" lp gilt es noch zu bejubeln, erschienen auf marriage records, im november, ganz unbedacht sind die jungs aus portland ja bisher auch nicht geblieben:
white fang - duh

Dienstag, Januar 05, 2010

eingestreut (80): espers

bei der bbc sind espers vorstellig gworden, ist noch gar nicht so lange her, nämlich erst im november des letzten jahres. davon hängengeblieben sind, jedenfalls noch frei verfügbar, die nachfolgenden drei tracks. dies schafft zugleich die nochmalige möglichkeit, auf ein gutes album "III" aus 2009 aufmerksam zu machen, das zwar nicht durchgängig hochklassig ist, aber drei bis vier außerordentliche folkpop titel aufzuweisen hat. nun, aber, bevor Ihr Euch in die plattenläden stürzt, geniesst die espers live.
espers - trollslända
espers - the road of golden dust
espers - another moon song

neue töne (722): kath bloom

"terror" in 2008 hatte meine begeisterung (allein "something to tell you"). früher, um einiges früher gestaltete kath bloom alben voller fragilität, blues sentimentalität, die nie zum greinen aufforderten, sparsamsten folk, bei dem man sich unverhohlen in die hosentasche griff, um zu spenden. hätte der in connecticut geborenen im laufe ihres lebens sicher hin und wieder sehr geholfen. insbesondere in der zeit, nachdem sie sich von loren connors getrennt und ihre kinder allein durchzubringen hatte. "moonlight" war 1984 das letzte gemeinsame werk, danach kam lange zeit nichts. erst 1999 erschien als selfrelease "come here: the florida years", weitere neun jahre später das vielgelobte "terror". doch vergessen war kath bloom nie. davon zeugen nicht nur tribute alben, sondern immer wieder auch der bezug auf die folkerin aus den verschiedensten genre ecken. ob scout niblett, bill callahan oder devendra banhart, jeder von ihnen hat ein beziehung zum werk von bloom.
mit "thin thin line" befindet sich diese auf dem besten weg zu alter regelmäßigkeit, was ihre veröffentlichungspolitik betrifft. hatte sie doch in den späten siebzigern und den frühen achtzigern recht kontinuierlich alben herausgebracht. das neue werk erscheint auf caldo verde records, einer unternehmung, die sich u.a. für mark kozelek, sun kil moon und corrina repp verantwortlich fühlt. vierzehn tracks haben es auf das anfang februar zu erwartende album geschafft und die ersten eindrücke erzählen eine fast schon voluminöse sprache, da sich zur gitarre schlagwerk und backgroundgesang fügen. das album ist als lustvoll zu bezeichnen, hört man sich allein "freddie" an, das von einer ausgelassen fiddel begleitet wird. und schließlich werfen wir frohgemut und extravertiert in die waagschale, um ein fast neues, schönes bild von kath bloom zu entwerfen. doch ihre eigentlichen stärken sind andere. ich greife auf einen älteren artikel zurück, da hieß es: "ich bin mehr als fasziniert von dieser frau, die so brüchig singt und deren leidenschaft sich so wenig aus präsenz verdingt denn aus verinnerlichtem gleichmut, beständigkeit und wärme, lebendigkeit und freundlichkeit." daran hat sich auch in 2010 nichts geändert.
kath bloom - heart so sadly (2010)
kath bloom - freddie (2010)

Montag, Januar 04, 2010

glotzt nicht so romantisch (78): pascal bizet

folgende mail hatte ich dieser tage im postkasten: "I'm Pascal Bizet, French 28Yo old, songwriter, living in Nîmes (Languedoc -Roussillon), I would like to introduce you the Super 8 movie for the Indie pop song "Sans doute" (means "without a doubt" but with an ironic issue)." weiter hieß es bei pascal bizet: "I hope you'll appreciate the video clip sulpician imagery and the pop melody with his romantic Piano, rough drums, fat bass, and naive poetry. The song talks about Pure Love, Childish Truth, Disenchantment and Depression... In 2009 I previously made other demos, most were ranked in Quebec (French-speaking Canada) on main college and alternative radio charts for months, and some were airplayed in Canada, France, Germany, USA, Sweden and in a big Rock radio show in Tokyo (Japan)." klang alles verheißungsvoll, selbst das nachdenken wurde einem abgenommen, zumindest hinsichtlich der einschätzung des songs. hört selbst rein, geniesst:

neue töne (721): drekka

unter den verschiedensten pseudonymen hat sich michael anderson auf die suche nach 'dem' sound gemacht. so nahm er neben musikalischer produktion auch experiementelles auf. und das schon seit 1986. ab 1996 hieß er dann bloß noch drekka. zu dieser zeit zog er von boston nach chicago, schicksalsschläge ließen ihn hadern und flüchten. er tourte immens viel durch die staaten, durch europa, an seiner seite illustres volk wie jessica bailiff, iditarod, annelies monseré, in gowan ring usw. nicht zuletzt für diese aber auch für andere stand er als kollege bereit, um alben zu komplettieren, zu ergänzen, zu verschönern, aufzuzählen sind hier: boduf songs, black forest/black sea, cindytalk, low , pantaleimon... der aufmerksame leser erkennt das potential, aber auch die präferierte ausrichtung andersons. folk unterschiedlichster lesart, gern atmosphärisch durchwirkt, elektrostatisch aufgeladen, klaustrophobisch veranlagt, dem unkenntlich persönlichen trotzend, mal instrumentell, gitarre basierend, mal austobend bunt. morc records hat sich seiner nun angenommen und schreibt zum im november erschienenden release: "Drekka has been a long-standing record collectors nightmare; a case that is now rectified with this collection of varied and widespread orphans. A hushed, cinematic, ambient, ethereal-folk. at times discordant and menacing, more often communicative and inviting."
nachfolgend - neben einem beispiel aus der aktuellen collection - einige tracks aus verschiedenen produktionen, erschienen auf morc und bluesanct.
drekka - l+s²=? (from: "collected works vol. 1", 2009)
drekka - 278a (from: karina esp/circle bros/drekka: "hibernation", 2008)
drekka - love without sound (from: "extractioning", 2005)
drekka - howl untill the end of the world (from: "howl on wind tour ep", 2004)
drekka - fractured (from: "take care to fall", 2002)
drekka - no one knows your dog's name (from: "take care to fall", 2002)

Sonntag, Januar 03, 2010

ein (p)fund mp3 (239)

zunächst der hinweis auf eine ganz spezielle compilation- reihe, die höchsten respekt verdient, es handelt sich um "berlin songs", mittlerweile in phase drei angelangt, enthält das kompendium 27 songs, die, so die macher j.n. junker und s. hoffmann, "einen Schnappschuss der Berliner (Anti)Folk/Singer-Songwriter- und Lofi/DIY-Community geben will. Es soll versucht werden, ein Bild von spannenden Künstlern zu zeichnen, die in Berlin Fuß gefasst haben oder im Rahmen von Veranstaltungsreihen wie Fourtrack on Stage, amSTARt oder auf dem diesjährigen von Junker und Hoffmann mitveranstalteten Festival Down by the River in der Bar25 aufgetreten sind." diesmal u.a. anderem dabei freschard, kat frankie, phoebe kreutz, turner cody und viele viele mehr, vor den zwei beispielen die bezugsadresse:
sorry gilberto - the masterpiece
maybecyborgs - (hey) it's not poison
die erste single für "warm love and cool dreams forever" (05.01., serious business records) haut mächtig auf den putz, da kriegst du die letzten asseln hinter den kacheln hervor, klingt dennoch charmant:
the octagon - suicide kings
die neue und damit zweite single der schwedischen slow-drive popper, die in ihren reihen immerhin zwei mitglieder von the cardigans führen, mehr reputation brauchts nicht:
brothers of end - big bird
matinée recordings hat mal wieder die spendierhosen an und gibt ein paar mp3- gäule frei, und zwar gehören sie zu aktuellen releases, zugreifen, mitpoppen:
northern portrait - new favourite moment (from: "criminal art lovers, 2009)
strawberry whiplash - picture perfect (from: "picture perfect" ep, 2009)
the guild league - dead hour (from: "speak up, 2009)
"either way" heißt das neue album, erscheint am ersten des märz auf chemikal underground, und ist damit nachfolger des 2007er debuts, erinnerung: delgado frontfrau:
emma pollock - hug the harbour
der bandname klingt noch recht fremd, der sound weniger, das neue album heißt schlicht "2" und kommt am 26.01. heraus (sub pop):
retribution gospel choir - hide it away
richtig gute nachrichten gibt es zudem von einem alten freund, "i see the sign" erscheint am 01. märz auf bedroom community, sam amidon:
<a href="http://samamidon.bandcamp.com/track/how-come-that-blood">How Come That Blood by Sam Amidon</a>
demnächst auf cloudberry records und vorab ein appetithappen auf das 7" vinyl der schwedischen band:
sad day for puppets - again

chris cacavas
29.01. Aachen - Musikbunker
30.01. Wesel - JZ Karo
01.02. Hamburg - Knust
02.02. Gera - Haus Der Pioniere
03.02. Parchim - Irish Pub
05.02. Singwitz - Kesselhaus Lager
07.02. Potsdam - Waschhaus
09.02. Halle - Objekt 5
10.02. Erfurt - Museumskeller
17.02. Karlsruhe - Jubez
18.02. Nürnberg - K4
19.02. Bad Frankenhausen - Panoramamuseum
20.02. Meidelstetten - Adler
21.02. Waldkraiburg - Haus Der Kultur


fanfarlo
23.01.2010: Ampere, München
24.01.2010: Studio 672, Köln
26.01.2010: Magnet Club, Berlin
01.02.2010: Prinzenbar, Hamburg

Samstag, Januar 02, 2010

neue töne (720): bird show band

auf den fünften solorelease müsste man wohl tippen, wollte man das neue werk ben vidas namens "bird show band" in seiner musikalischen vita einer bezeichnung unterwerfen. der weg zu dem mann aus brooklyn ist dabei steinig und unwegsam. ob man nun in richtung seiner bandarbeiten - town and country, singer, central falls, pillow usw. - blickt oder aber bei seiner solotätigkeit hängen bleibt, ein leichter schleier umfängt das oeuvre. lichten wird es vielleicht, konzentriert man sich auf jene alben, da er unter eigenem namen (das erste werk 2000 auf boxmedia hieß "mpls.") oder unter dem moniker bird show "green inferno" 2005, "lightning ghost" 2006 und das untitled album 2008, jeweils auf kranky, veröffentlicht hat. nicht ganz nahtlos fügt sich nun "bird show band" an, dass auf amish records ende januar auch unter dem moniker bird show band erscheinen wird. zwischen seinen einzelgängerischen niederkünften logierte ben vida in chicago und schaffte sich bei pillow, drmwpn und natürlich vor allem bei den minimalisten von town and country (zwischen '98 und '06 entstanden sechs alben, "up above" war mein später einstieg). die kollektive arbeit blieb nicht folgenlos, so dass sich mit der rückkehr nach brooklyn auch etwas ins bewußtsein vidas geschraubt hatte, was ihm in der windigen city chicago widerfuhr: die abstimmung von individualitäten auf ein ziel. mit josh abrams, jim baker, dan britney und john herndon standen ihm für die zwei tage session zum neuen album größen aus den bereichen improvisation, jazz und live performance zur seite. "While Herndon and Bitney’s percussion invokes German psych, progressive rock, and jazz idioms, Vida’s synth-based experiments, here accompanied by Jim Baker’s ARP 2600, provide the first indication of his recent musical preoccupations, an interest that relies heavily on the Moog and his own fluid, lyrical melodic lines." der frühe laptop folk, die home- oder auch ethnic field recordings, dazu drone, neo-psychedelia, musique concrete, progressive bis zu psychedelik folk oder unter welches vorzeichen man die vergangenen solistischen ausschweifungen vidas auch stellen mag , so will uns wohl das label weismachen, und ich gehe ihnen wirklich gern auf den leim, weicht nun einer organischen, weiterhin innovativen, jazz orientierten melange, die sich wie zäher schleim im mund in deinen ohren breit macht. hier schöpft jemand aus seinem unüberschaubaren fundus und lässt keine sekunde aus, um zu beteuern, das bin alles ich! "quintet four" ist satter vorgeschmack und kann genauso gut in seiner singularität überdauern. für mich schon einer der tracks des neuen jahres. das melodische filigrane, die diskursive perkussion, das manische geleit.
vida geht wieder neue wege. seinem ursprünglich solo angelegten projekt bird show verpasst der multiinstrumentalist mittels effet und der hereinnahme exklusiver mitspieler eine andere und damit eine qualitätsstufe überwindende ausrichtung. die avantgarde steht bei fuss, vielleicht liegt sie einem auch zu füssen, wenn man schon mit keith fullerton whitman, greg davis, michael zerang usw. beisammen war. die zukunft steht diesem tausendsassa offen und seiner neuer scheibe sollte sie beschienen sein. erst recht, da sie gerade erst begonnen hat.
bird show band - quintet four (from: "bird show band", 2010)
bird show - on the beach (from: "lightning ghost", 2006)
bird show - pilz (from: "lightning ghost", 2006)
bird show - landlovers (from: "green inferno", 2005)