Dienstag, Oktober 13, 2009

neue töne (682): half-handed cloud

wenn john ringhofer etwas garantiert ist, dann das abziehbildchen für einen diy musiker, einen freak, einen überlebenskünstler. es tut dabei keinen abbruch, dass er sich fest an das gestänge des wunderbaren labels asthmatic kitty geklammert hat. neben sufjan stevens ist er einer der ersten veröffentlicher auf asthmatic und mittlerweile wohl auch einer der etabliertesten und fleißigsten. am 03. november erscheint nun ein rundumschlag, zusammengestaucht auf 46 tracks, in dem raritäten, singles, b-seiten und vielfach schwer zugängliches von half-handed cloud zusammengefasst wurden. "cut me down & count my rings" ist dabei ein slang, der sich auch auf dem im 2010 erscheinenden fünften full length befinden wird. das bunte theater nimmt also wieder fahrt auf und den zwischenstopp kosten wir aus, um altes, unbekanntes, aber jederzeit erfrischend aufbereitetes zu hören. genutzt wurden bei der auswahl dieser erstaunlichen kollektion siebzehn verschiedene veröffentlichungen, erschienen zwischen 2000 und 2009 auf asthmatic kitty und sounds familyre. und nun anschnüffeln oder richtig reinlegen:
half-handed cloud - we're greatly loved (from: "we havent just been told, we have been loved")
half-handed cloud - to love like the father and son love each other (from: "learning about your scale")
half-handed cloud - once, twice, seven times a werewolf (from: "cut me down & count my rings")
half-handed cloud - animals are cut in two (from: "thy is a word & feet need lamps")

Montag, Oktober 12, 2009

zu gehör getragen (103)


yo la tengo - popular songs (2009)

> mir fehlen die fulminanten stösse des vorgängers, aber dennoch ein meisterlicher, weil wie stets abwechslungsreich und hinreissend formulierter nachfolger, 4,5/5

kurt vile - god is saying this to you (2009)
> schweingeil abgehangener blues, der so luftig wabert wie die note whiskey nach dem ersten schluck, 3,5-4/5

le loup - family (2009)
> gelungene balance zwischen lagerfeuerromantik, rockistischen abscenzen und experimenteller bearbeitung, 3,5-4/5

j. tillman - year in the kingdom (2009)
> keine angespeckte fleet foxes variante, karg zwar, aber zutiefst emotional und persönlich, mir nie zuwieder, was dem album an gefühligkeit innewohnt, 4/5

yo la tengo - popular songs (2009)

an keinen ausfall kann ich mich erinnern. an kein album, das meinem mittlerweile polierten wertekodex nicht standhalten würde. auf so hohem niveau zu agieren, birgt gefahren. doch wer nicht hochmütig ist, braucht sich vor einem fall nicht zu fürchten. yo la tengo spielen sich verteufelt leichtfüssig durch die jahrzehnte und nehmen immer mehr fans auf ihre reise mit. die gründe hierfür sind schnell auszumachen. melodienreichtum, der sich gern ins mitpfeifbare verliert, tolerante beats, die das machbare ausloten, aber immer unweit des verstiegenen grasen, dazu der mut, grenzen zu verrücken. und wenn es eben sein muss, werden orgien ausgerufen, zu denen alle eingeladen sind. dann werden die wüstesten partys gefeiert. unzweifelhaft, dass die festen bande innerhalb des trios, einer der wichtigsten gründe ist für den exquisiten output. georgia hubley und ira kaplan, das in ringelpulli eingelullte ehepaar, das sich die vocals teilt wie vermutlich auch die frühstückseier, dazu der basser james mcnew, der bei aller gemütlichkeit ausstrahlenden ruhe, mehr drive im hintern hat, als viele der jungspunde, die jedes jahr aufs neue bühnen entern, um als hype gefeiert zu werden und baldigst in der versenkung zu verschwinden. mißtrauen ist bei yo la tengo nicht gefragt, sie spielen mit offenen karten. der mindere einsatz von electronica ist der ausstaffierung und dem kunstanspruch geschuldet. im umgang wird nicht geschludert und dezent an den reglern (nach-) gearbeitet. ich erinnere mich an ein konzert in den früheren neunzigern, bei dem es genügte, eine taste mit tape abzukleben, um einen dauerton zu erzeugen, der die einzige konstante bei dem nachfolgend gespielten song war. yo la tengo sind innovativ, mutig und ganz bei sich.
1. Here To Fall: einschwinger, nachebbend, schwereres geschütz aus dem background, segelnde steichanimation, dicker beat, schepperndes gewerk, grützelndes keyboard, "i'm hear to fall with you", als hätte es nach "i am not afraid of you and i will beat your ass" keine schier endlos geglaubte pause gegeben, *****
2. Avalon Or Someone Very Similar: erinnert an die zeit von "may without you", da solch sonnige songspritzer ein ganzes album in grelles gelb tauchen konnten, georgia haucht, wie es einer dame ihres alters gerade noch zusteht, ansonsten: alles gewinnend, die orgel, der beat, der umschwung in den refrain, ganz zu schweigen von der yo la tengo bridge, die so galant keine andere band hinbekommt, ****1/2
3. By Two's: die elektrophase anschneidend, der beat verzögert, ein soundkleid umwabert den statischen ton, georgia singt angemessen sparsam, auf viereinhalb minuten statik geniessen, ****
4. Nothing To Hide: noisig dengelnde gitarren, rücksichtslos vorwärts dreschend, die melodie legt sofort lahm, der gesang im duo, im refrain stösst die orgel hinzu und baldigst darf ira sein saiteninstrument lumpen, tengo in reinkultur, spätestens hier kommt der fan in mir durch: *****
5. Periodically Double Or Triple: orgiastischer groove, gibt es so was überhaupt?, hooked and bassed, das vielleicht?, die orgel enthusiasmiert, angeschlagen wie im halbschlaf bzw. als müsse man sich zwischenzeitlich darauf abstützen, der beat steif gedroschen, der bass on the line, iras gesang weniger theatralisch denn nah bei sich, ****
6. If It s True: läufiger bass und großtönerharmonie auf der hammond, dazu das ehepaar im sixties singsang, trompeten und streicher garnieren das rührselige stück, wer hier nicht schmunzeln muss, ****
7. I'm On My Way: neue töne, so kam nie ein ylt song daher, soulig, rumba rhythmik, iras stimme ganz zahm, lieblich verstiegen mit einer unmenge finesse, die spitze perkussion, die glitzernde gitarre, die muntere orgel = ****
8. When It s Dark: georgia singt wieder und sie ist einfach das zugpferd für diese unmutigen und doch so herz angreifenden melodien, balance im schütteren rhythmus, im gemeinsam intonierten refrain, und ich schwelge, wenn sie nur ein wenig die stimme anhebt, ****
9. All Your Secrets: ira in kopfstimme, ein wunderschönes thema auf der präsenten orgel, die darf schimmerig zittern, das schlagwerk exakt, entrückte romantik, aus wenig so viel gemacht, *****
10. More Stars Than There Are In Heaven: orgelspur, wabernd, anhebend, wie ein nachtlied wärme webend, kräuselnde gitarre, gesang der beiden verheirateten, zunehmend mäandernd, andauernd, genügend zeit, um sich einzurichten, ***1/2-****
11. The Fireside: eine improvisation im hall, die gitarre schnellt vor, lässt die töne ergeben ziehen, im hintergrund ein stilles funkeln wie das leuchten über arktischen himmeln, nach gut sieben minuten ein erstes singen von ira kaplan, ein zweites thema ab minute neun, meine ich, ****
12. And The Glitter Is Gone: gut sortiertes noisegewitter, live wird sich kaplan enorm einen zusammenschrubben, ich freu mich drauf, die hierarchien sind dabei klar verteilt: diffizile pianoklänge, straffes drumming, crushiger background, die zwitschernde gitarre als geschoss und gegenwärtiges, bestimmendes element zugleich, ****
arithemtisch ein mit 4,4 zu bewertendes album, gefühlt sind es *****. denn der band aus hoboken gelingt, woran viele epigonen immer wieder scheitern: sich neu erfinden, ohne die eigenen wurzeln aus den augen zu verlieren, verzicht auf experimente, ohne innovation außer acht zu lassen, überraschen, ohne wert- und identitätsverlust. "popular songs" ist ein album mit hits und der integrierten aufforderung zu genauerem hinhören.
yo la tengo - periodically double or triple
yo la tengo - here to fall

10. Nov. 2009 20:00 Forum Bielefeld
19. Nov. 2009 20:00 Markthalle Hamburg
22. Nov. 2009 20:00 Zakk Dusseldorf
23. Nov. 2009 20:00 Postbahnhof Berlin
26. Nov. 2009 20:00 Arena Vienna
30. Nov. 2009 20:00 Bataclan Paris

Sonntag, Oktober 11, 2009

eingestreut (62): malcolm holcombe

"for the mission baby" heißt der aktuelle release von malcolm holcombe. während der aufnahmen entstand unter anderem der nachfolgende track, der unveröffentlicht blieb, aber einen ersten eindruck auf die lustvolle variante des blues machen kann, die holcombe zu spielen pflegt. er hat ein aufgewetztes organ, zu dem die klare und sauber angeschlagene gitarre oft einen kontrast darstellt. interessant ist es vor allem, seine musikalische biografie zurück zu verfolgen. lohnend für alle, die diesem genre zugetan sind. einige beispiele aus der seit 1985 auf tonträger gebannten karriere sind unten ebenfalls angehängt. die leichte countrylädierung, die neigung zum folk werden ihm viele einfach nicht übel nehmen können. denn so wie sein gesicht keine lügen verträgt, so zeigt sich der sänger auch in seinen texten als ehrliche haut. macht sehr, sehr neugierig auf mehr.
malcolm holcombe - hardcore dollar (2009)
malcolm holcombe - love abides (sample, 2003)
malcolm holcombe - a hundred lies (sample, 1999)
malcolm holcombe - a long way's this mornin' (1994)

the early judgement (31): mohna

diese mohna schreibt man mit 'h'. es hätte schon künstler gegeben, die hätten sich dann auch 'mohna mit h' genannt. albern. bleibt dennoch die frage offen, warum sich mona steinwidder, ihres zeichens keyboarderin und sängerin der hamburger band me succeeds um jenes ominöse 'h' bemühte. ein bezug zum ersten soloalbum? auf dem sie ein-drücke ihrer kindheit verarbeitet. aber nicht nur die narben, wunden und anderen hinterlassenschaften gilt es auf "1985-1994" zu beleuchten, sondern auch die wunder und aufmerksamkeiten, das der erwachsenenwelt ausgesparte und nur durch die temporäre kleinwüchsigkeit und den messbaren horizont beeinflusste. ein 'h' also, das ebenso für 'heimat' und 'hort' steht wie für 'haltlos' und 'hilflosigkeit". wollte man weiterspinnen, müsste steinwidder bei einem neuen album einen anderen buchstaben zwischen 'mo'und 'na' einfügen. molna, mosna, mofna, mokna...
aus ihrer residenz 'heimatliches wohnzimmer' heraus zog die junge hamburgerin ein zartes pflänzchen heran. die muster karg, wie eine mit geübter hand ausgesuchte tapete, nicht zu aufdringlich, nicht zu sparsam, so dass der dazugehörige raum einen ausdruck gewinnen kann. das klavierspiel deutlich, dennoch nie ausfüllend, zugige fluchten entstehen lassend, langen, dunklen fluren gleich, von denen zimmer abzweigen, wie säle unermesslich. das kind mohna mit aufgerissenen augen darin. was ist wahr, was hat noch bestand in der späteren reflexion? was entspringt der phantasie, wird angedichtet? mit kindlicher neugier versucht steinwidder dem auf den grund zu gehen. die gefahr, dabei schiffbruch zu erleiden, ist groß.
doch die planken sind fest gefügt, es stolpert kein pfund darüber. es balletöst ein luftiges etwas, das angereichert ist mit feinen linien, auf denen klavierspuren dahinfahren, mit fluffigen wölkchen, in denen mohnas stimmchen beheimatet ist, das weissagt, mutig besticht, kieksend anhebt, bespricht, mit sachter bemalung aus indirekter perkussion, teilzeitklarinette, diversitäten auf parkett, bass und geige.
möglichkeiten zur assoziation entstehen, weil wahrheiten vermieden werden und weil sich die melodien durch das album schieben wie der große stuhl, den das kleine mädchen zum tisch bewegen will, zentimeter um zentimeter. nach gut 34 minuten ist schon schluß. ein "uff" entpufft, doch die ungezierte songsammlung muss noch einmal ran. mir gefallen die verweise auf erik satie und max richter, die das verantwortliche label sunday service auftischt. verloren wirkende andickungen der kompositorisch dünnen, aber dennoch gehaltvollen suppe unterstreichen den charakter von 'zart', 'vorsicht' und 'ernsthaft'. am 06.11. erscheint "1985-1994" und erhält vorab: ***1/2-****
mohna - hold them

19.11.09 Hamburg - Golden Pudel Club (Release-Party)

Samstag, Oktober 10, 2009

neue töne (681): language arts

"where were you in the wild?", fragt die truppe language arts. keine ahnung, antworte ich, wie ich zunächst ebenso ratlos dem output der band aus east vancouver gegenüberstehe. das ende oktober erscheinende gleichnamige album hat alles, was mir zauberhaft und glühend verehrt entgegenkommt. diese lässige folknote, ohne in tradition zu verharren, den pop, der dich beschwingter durch den alltag ziehen lässt, die memorable idee, das unsteife in der harmonie und doch manch schlanken dreher beinhaltend. sängerin kristen cudmore hat zudem eine stimme, der das kieksige joanna newsoms genauso innewohnt wie die herrliche schwere eine laura veirs. der song treibt durch die diversen täler, jagt über berge und ist in seiner unbändigkeit ein wonneproppen. in einer anderen welt... ein hit eben. und doch bleib ich skeptisch. vielleicht weil enttäuschungen in dieser mann/frau- kombi vorprogrammiert scheinen. da klappt das erste album eine seite auf, die ungeöffnet erfunden gehörte. und dann kommt neues material nach und alles vorherige wird hinfort- oder besser weichgespült. macht das sinn? im voraus das kommende beklagen? nein. also, lebendig entgegen nehmen, was einem von kristen und ihrem kompagnon gregor phillips zugetragen wird! und außerdem ist das kommende album nicht ihr erstling, die hörner wurden mit dem selbstbetitelten full length in 2007 und der "small run" ep in 2008 bereits abgestossen.
auffällig am spiel der beiden ist der immer wieder stolpernde beat, das hohe maß an sensibilität im umgang mit dem eigenen material, das wie ein rohes ei durch das arrangement getragen wird. außerdem können die beiden wohl jedes erdenkliche instrument bedienen und bilden so ein flexibles, auf eventualitäten ausgerichtetes team.
in der heimat haben sie bereits für einige furore gesorgt, wurden auf festivals herumgereicht und die tonträger wurden ihnen aus der hand gerissen. das neue werk kommt trotz allem als self release heraus und muss wohl auf tour oder aber über das web bestellt werden.
language arts - where were you in the wild?

ein (p)fund mp3 (225)

auf flemish eye ist zuletzt das debut "snow blindness is crystal antz" erschienen, bisher zu haben im amerikanischen norden, sehr dringliche note im musikgeschehen:
Black Mold - Metal Spider Webs
Black Mold - Tetra Pack Heads
seit ende august gibt es auch neuigkeiten auf badman recording, nämlich von einem, yeah!, pianorocker, sein album heißt "invincible criminal" und wurde unter anderem unterstützt von hold steady sänger craig finn und dem violinisten shannon frid von cloud cult, na denn:
mark mallman - death wish
auf soft abuse kann man immer wieder gern zurückgreifen, diesmal mit exzentrischer popmusik aus brisbane, "orange trumpet" ist in 400er auflage auf lp erschienen:
the deadnotes - broken wheel
beachtenswert bitte auch auf selbem label die aktuelle 7" "lunettes", staubig, stumpf, aus der bronx:
pigeons - tendresse
da haben wohl einige drauf gewartet, der sechste oktober ist offizieller termin für "spells":
the happy hollows - faces
the happy hollows - high wire
ein toller song stammt von der fünf track ep "elder schoolhouse", unbedingt mitnehmen, die band kommt aus halifax:
dog day - synastry
der fleißige und hier zu erinnerung an "skitter on takeoff":
vic chesnutt - dick cheney
american lofi gibt es ab 10.11. auf weewerk zu hören, dann nämlich erscheint "burnout" und der erste eindruck verheißt gutes:
ox - burnout (2009)
ox - miss idaho (2006
ox - weaving (2004)
der 03. november steht für den release von "safe or free" und zwar auf independent, bitte sehr, gefühlig und warm kommt der appetizer daher:
matt epp - this old house
wieder mal staatsakt, ein porjekt von erobique and jacques palminger, das album "ohne peinlichkeit und hass" erscheint am 23.10., toller appetizer:
songs for joy - wann strahlst du

Freitag, Oktober 09, 2009

konzert: pere ubu, 08.10.09

szenen einer irrfahrt. das the wave pictures konzert stand auf dem plan. ziel war die senftlstraße, anzusteuern ein lokal namens laab. gefunden, aber keinen parkplatz. schließlich mehrfach das geviert umrundet und dabei ins lokal gelinst. durch die fenster sah man viele köpfe. böse vorahnung, trotz autoabstellmöglichkeit. längeren fußweg in kauf genommen, um festzustellen, dass die hütte brechend voll und eng war, und dass sich auf der bühne bereits die vorband freschard tummelte. bereits viertel nach acht. umdisponiert. pere ubu sind in der stadt. hin! navi spielt verrückt, wir drehen uns im kreis. schließlich erreichen wir das feierwerk. kasse. ich: zweimal, bitte!, er: 40€. mein blick geht zur begleitung. die hebt die schultern. keine knete einstecken. bis wir einen geldautomaten gefunden haben, dreht sich munter der minutenzeiger. wir kehren zur konzertstätte zurück. immer noch 40€ teuer. der kassierer ist irritiert, dass wir in seiner meinung nach recht kurzer zeit geld aufgetrieben habe. wir sind angespannt, david thomas und co. stehen bereits auf der bühne, im ersten akt.

mit "long live père ubu" hat david thomas das theaterstück "ubu roi" als eine art rockoper auf die bühne gebracht. wer, so wie wir, unvorbereitet auf die sechsköpfige truppe traf, war zunächst irritiert, da am bühnenrand ein schwergeschöpfiger david thomas deklamierte. dank einblendung von akt- und szenenbeschreibungen kam man dennoch flott ins geschehen um den offizier francois ubu, der seinen könig stürzt, um selbst den polnischen thron zu besteigen. er meuchelt und mordet unter den adeligen und beamten, tyrannisiert sein volk. ein abtrünniger ruft den russischen zaren zu hilfe. der zieht gegen ubu ins gefecht. währenddessen wird ubus frau in der heimat gestürzt. beiden können schließlich fliehen.
das stück wurde 1896 uraufgeführt und geht auf eine schülertravestie auf einen physiklehrer zurück.

noch wie vor jahrhunderten geben einzelne darsteller massenaufläufe oder heerscharen wieder. gestochenen schritts geht es über die bühne, ihre sprache ist monoton, zum teil werden masken getragen. ubu ist grobschlächtig, mächtig, vulgär. das groteske seiner figur und seines handelns lädt immer wieder zum lachen ein, wobei sein auftritt alles andere als lächerlich ist. david thomas verkörpert die figur außerhalb jeglicher selbstinszenierung, wird mit dem tyrannen eins und bietet sowohl vom sprachlichen (tief brummelnd, brabbelnd, im gutturalen singsang verhaftend, mädchenhaft verlockend säuselnd...) als auch vom darstellerischen ausdruck eine breite palette.
im hintergrund werden einzelne szenen grafisch und auch mittels kleiner animationsfilme unterstützt. das gemetzel auf dem schlachtfeld oder auch das schiff auf dem baltischen meer, mère und père ubu auf der flucht. musikstücke begleiten die inszenierung und lockern auch für den zuschauer ungemein auf. irritation besteht allenthalben. die wenigsten werden gewusst haben, was sie erwartet.

nicht immer ist klar, was schauspiel ist, was echt. kurze unterbrechungen finden statt. thomas verlässt wütend die bühne. im gang hinter der bühne läuft er mit geschlossenen augen, murmelnd, vor sich hin. er trinkt. maßlos. wein, aus einem flachmann. später zeigt er sich nüchtern, schelmisch lächelnd. ein wirrkopf, eine nummer. er steht im mittelpunkt, wird aber gleichsam von sehr guten musiker und darstellern umringt: keith moliné (gitarre), robert wheeler (synthesizer, theremin), gagarin (electronica), michele temple (bass), steve mehlman (drums, percussion).
das ende ist abrupt, zwei songs als zugabe und schon sitzt der alte mann am bühnenrand, bewaffnet mit einem karton neuer cds. nun wird verkauft. ein großer taschentuch reinigt den glänzenden schädel. nicht unzufrieden beschließen auch wir den abend.

the early judgement (30): emily jane white

mit "victorian america" legt emily jane white ihr zweites album vor. nachdem sich "dark undercoat" langsam zum grower entwickelt hatte, der immer wieder neu aufgelegt werden musste, zuletzt bei important records mit bonus track, war es schlichtweg an der zeit, dem geneigten fan etwas aktuelles vorzulegen. nun geschehen. und mit allergrößter sorgfalt. griff der erstling in gänze mit kühler hand nach den eingeweiden, spulen sich die tracks auf "victorian america" nicht so ohne weiteres ab. höchste konzentration verdient jedes einzelne lied, weil es mit bedacht arrangiert und wie ein stück keramik in die hände des käufers dem hörer angediehen wird. drei jahre sind ins land gegangen, in denen sich die junge frau abseits der großstadt auf songwriting und kompositionelle details konzentrierte. und sie kolportiert, dass es einfach nicht ihr job sei, fröhliche musik zu machen. "i'm drawn to writing sad songs. reflective, contemplative songs..." so geschehen über zwölf nummern hinweg, die sich aneinander zu lehnen scheinen, denn je tiefer man in whites welt vordringen darf, umso vertrauter, verständlicher und geschlossener wird das auskommen der kalifornierin. und wer meint, ihre musik würde von distanz diktiert, nur weil sie dem dunklen näher als der gleißenden sonne ihrer heimat ist, dem sei ins poesiealbum geschrieben, dass wärme durch das album strömt, wie selten gehört. unzweifelhaft hat dabei emily janes stimme einen großen anteil daran. dieses feste, weibliche organ, dass den stimmungen treue und den wendungen ehrlichkeit und ernsthaftigkeit verleihen kann. der direkte ausdruck ist das maß.
1. Never Dead: ein wunderschönes ding, wie es hätte nicht besser auf "dark undercoat" passen können, doch als opener ein kongenialer übergang von einem album zum nächsten, warm "sun, morning sun", emphatisch "come, friendship come", aufgehoben in einem versöhnlichen refrain, da sich die slide fiebrig schüttelt, die rhythmik countryesk zuckelt, "gone, are you truly gone",
2. Stairs: eine verbindung, die ich bis auf diesen song nie hergestellt hätte, die stimme steil, erinnert emily kurz an alela diane, stampfender beat, die "pirate's gospel" erinnerung stösst jedoch nicht auf, die singende säge, eine auszeit im sechsminütigen stück, das redundanzen vermeidet und sich wie eine verliebte ziert, gleichzeitig aber alle ihre besten seiten zeigt, tempoverschärfung, dramaturgie, inszenierung,
3. Victorian America: das titelstück wird via streicher eingeführt, als träte im ballsaal die königin an, fortgeführt an einfacher gitarrenspur, um im refrain wieder aufzutrumpfen, blech stösst auf, nur emily jane white bleibt,
4. The Baby: ein midtempo stück, das von einem belebten refrain lebt, der stilistisch einwandlosen begleitung, ungefärbt, aber nuanciert,
5. Frozen Heart: matt, mystisch zunächst, fahrt aufnehmend, aufhellend, eine linie, die sich durch das gesamte werk zieht, als tröste sich die junge dame selbst, als gelte es, einen guten eindruck zu bösen gedanken zu machen,
6. The Country Life: was zu überlegen ist, und da sie sich eh auf rückzug befand, poetische bilder in stilechtem gewand, rumpelige gitarre, slide, gedoppelter gesang,
7. Liza: die gitarre etwas beschwingter, ein streicher beherzt und emily mit offener, aber leicht belegter stimme, schließlich wird das tempo angezogen, dringend benötigt, erlösung für minuten unter spannung,
8. The Ravens: ausgeholt, mehr als sieben minuten währt das poetische ansinnen, spürbarer, hautnaher kriegst du whites stimme nicht, weit vorn angelegt, nur von einer akustischen begleitet, sanft von streichern umgarnt, wenn es der raum zulässt, wunderschön und keine minute zu lang,
9. Red Serpent: schimmerig und finster federt die gitarre, leicht verhallt der gesang, im "huhuhuuu" wabert sinister die orgel,
10. Red Dress: die orgel hat gefallen am mittun gefunden, verlockend in hammond manier ihr stabiles wirken, in ausgewachsener runde geht sie unter, da die e-gitarre schiebt und die drums scheppern, dann ein aufheben, ein stoisches treiben, eine düstere konstante, erinnerungen an rose kemp,
11. A Shot Rang Out: flirrend die gitarre, mitsingen möchte man, jane machts vor,
12. Ghost Of Horse: der abschluss gelingt in vollem ornat, streicher, perkussion, gitarren und in harmonie.
mit sechzig minuten ein ausgewachsenes album, das sich letztlich eine versöhnliche note setzt. es hat höhepunkte, wie man sie einerseits nach "dark undercoat" erwarten (opener), wie man sie aber überraschenderweise auch hören durfte ("the ravens"). das album hat aber auch einige längen, insbesondere im mittelpunkt, wo sich die ruhigen stücke aneinanderreihen, ohne kontrapunkte zu setzen. dennoch, das gründliche vorgehen, mit dem "victorian america" angelegt wurde, ist ein großes plus. dass man immer wieder nach der zwielichtigen emily sucht, liegt im tollen erstling begründet. die junge frau hat sich weiterentwickelt. es wird jenen zupass kommen, denen "dark undercoat" zu karg war, es wird anderen, die gerade das düstere und unfertige des debuts liebten, gegen den strich gehen. ***1/2 - **** ("victorian american, 12.10.09, talitres)
Emily Jane White - Victorian America (2009)
Emily Jane White - Bessie Smith (from "dark undercoat")
Emily Jane White - Time On Your Side (from "dark undercoat")
Emily Jane White - The Demon (from "dark undercoat")

19. Nov. 2009 20:00 Winterthur Gaswerk, Germany
20. Nov. 2009 20:00 Vienna (tba) Vienna, Austria
21. Nov. 2009 20:00 Vienna Blue Bird Festival Vienna, Austria
23. Nov. 2009 20:00 Dreikönigskirche Dresden, Germany
24. Nov. 2009 20:00 Kapilio Langenau, Germany
25. Nov. 2009 20:00 Offenburg tba Offenburg, Germany
26. Nov. 2009 20:00 Volksbad Buckau Madgeburg, Germany
28. Nov. 2009 20:00 JZ Karo Wesel, Germany

Donnerstag, Oktober 08, 2009

le loup - family (2009)

das bunte, floristische des aktuellen albums "family" von le loup ist abschreckend. so abschreckend, dass man meint, die mit dem tonträger inniglich verbundene musik gar nicht hören zu können. schließe nicht vom cover auf den inhalt, beschloss ich und zog lieber andere referenzen zu rate. da wäre zunächst hardly art, das rührige label, welches uns mit bereits mit the moondoggies beglückte oder mit the pica beats oder arthur and yu usw. usf. und zugleich muss man natürlich auch talitres nennen, die sich für den europäischen boden verantwortlich fühlen und uns nahe bringen, wovor wir zunächst zurückschreckten.
der 21.09. war releasedate für das zweite album der band aus baltimore und die sachte zuführung mittels eines wenig sachlichen covers weckte denn doch neugier. die vorbehalte konnten schnell über bord geworfen werden und der erste vergleich, nämlich mit anathallo, sorgte für den grad an entspannung, den es braucht, um sich der musik des fünfers hinzugeben.
die ist großartig im wahrsten sinne des wortes. denn hier wird abgehoben auf polyphone rhythmen und harmoniegesänge, die lediglich, weil sie einer dämpfung mittels hall und abfederung im soundkleid unterworfen sind, keinen hymnischen status erhalten. leichte handbremse, aber keinesweg des saftes beraubt. das album hat zigfach übermannende momente zu bieten, dass es sich gebietet, keinen einzelnen track hervorzuheben. um jedoch die machart darzustellen, soll zunächst die konzentration auf "go east" gerichtet sein, dem siebten stück des elf track umfassenden "family". der song beginnt mit einem aus der tiefe kommenden synthiebild, schwillt an, wird ergänzt um ein munteres banjo, das thema zieht sich, kreiselt an der hand des banjoplayers, schließlich greift die percussion ein, rasseln, leichtes trommeln, gesang, der fast choralen charakter trägt. im ersten anheben, nimmt die musik fahrt auf und rundet sich auf der melodie ab. es werden keine großen schlieren hinterlassen, aber der hörer folgt auch so. in der redundanz liegt ein kleiner teil der wahrheit, die le loup auszustrahlen in der lage sind. während die harmonien entschwinden, hofft man schon auf fortsetzung.
le loup startete einst als eine art schlafzimmerprojekt von sam simkoff. mittlerweile ist das bandgefüge auf fünf mannen angeschwollen und allesamt verdienen sich credits an songwriting und, hervorzuheben, auch am gesang. zudem wird die chose selbst produziert, woran neben simkoff auch bandmitglied christian ervin großen anteil trägt. beide achten sehr darauf, dass die musik von le loup ihren organischen charakter beibehält, um nicht im dunst der synthesizer und der elektronischen nachbearbeitung verloren zu gehen. so entstand ein album, das sich der üblichen rezeption entzieht. es bedarf aufgrund der brillanz, das es ausstrahlt, aufgrund der farbigkeit, und somit steht das artwork in patenschaft zum inhalt, aufgrund der entschleunigung, die sich weniger auf geschwindigkeit, denn auf entsagung vom getrieben sein bezieht, eine neue lesart. einem album gilt es zu huldigen, dem die balance gelingt zwischen lagerfeuerromantik, rockistischen abscenzen und den experimentellen bearbeitungen, die erweckungscharakter, lebensfreude und eine art von munterkeit unterstreichen, die verloren schien. ich fühle mich heimgeholt.
le loup sind: jim thomson, sam simkoff, robby sahm, michael ferguson, christian ervin.
le loup - we are gods! we are wolves! (from: "the throne..., 2007)
le loup - forgive me (from: "family", 2009)
le loup - beach town (from: "family", 2009)

Mittwoch, Oktober 07, 2009

eingestreut (61): cotton jones

wenn es so etwas wie ein klärendes wort gibt, gibt es auch ein klärendes musikstück. es grunzt 'heile welt' und öffnet die tore für gleissendes licht. das überblendet, wenigstens für diesen augenblick, die grauen, stumpfen sorgen. "where you stop for a minute" ist so ein track. zunächst die quängelnde guitar, dazu jault dann die orgel bedeckter als andere kolleginnen und die sangesleistung der beiden cotton jones' michael nau und whitney mcgraw ist so bemerkenswert kühl-warm, das sich in ihr die eigene welt spiegeln kann. zu finden ist diese kleine unglaublichkeit auf der anfang september auf quite scientific erschienenden "rio ranger ep", die insgesamt fünf tracks umfasst und im hardcover book herausgegeben wird. wie bereits zwei kurze zuvor, ist auch diese ep stark limitiert. während es die vorgänger bereits nicht mehr auf handelsüblichem wege zu erwerben gibt, kann man sich schließlich bei dem neuen gerät noch versuchen zu beeilen.
cotton jones - where you stop for a minute (from: "rio ranger ep")
cotton jones - midnight monday and a telescop (from: "the archery ep")

neue töne (680): the watts ensemble

foto: ramon felix
muss hier mal eine lanze brechen. für zeitgenössischen jazz. immer mal wieder vertan und als nicht konkurrenzfähig abgetan gegenüber den heroen aus der mitte des letzten jahrhunderts. aber. ein aber gilt es ohne zu zögern zu formulieren. finesse und ehrgeiz, findigkeit und kreativät lassen sich auch heute noch leicht finden. auf kill shaman zum beispiel hat the watts ensemble ein album abgegeben, wie es so voll von mut und herrschaftlichem chaos nur selten eines gibt. da bläst dir der wind direkt ins gesicht und trotz der stärke und impulsivität drehst du dich nicht ab, sondern hälst hin, aus, wie auch immer. fast schon orchestrale stärke hat das ensemble und diese wucht macht den sound besonders. denn hier lebt man nicht nur von lautstärke, sondern genauso von stille füllenden pausen. coltrane und mingus sind in der musik des vielköpfigen musikalischen monstrums zuhause, ebenso wie die klassik eines strawinsky. die formation fand sich eher zufällig, hier eine bekanntschaft, dort eine begegnung, so wie die noten auf dem wirklich tollen album "crime and time" nicht voneinander lassen können, so blieben die mitglieder dieser band zusammen. der montag gehörte ihnen. in einer garage bei einer bottle bier suchten sie woche für woche nach ihrem platz in der musikhistorie. jetzt haben sie ihn gefunden!
the watts ensemble - spring
the watts ensemble - funny cigarettes

Dienstag, Oktober 06, 2009

konzert: hugo race & true spirit, 05.10.09

eine verlässliche livezusammensetzung für true spirit gibt es vermutlich nicht, so muss man gespannt und neugierig bleiben, wer einem gegenüber tritt, wenn hugo race auf dem plan steht. neben dem erfahrenen groover diesmal dabei das langzeitmitglied und damit wenigstens eine konstante: an den drums chris hughes. ergänzt werden die beiden altgedienten durch den jungen dave allen am bass sowie an der e-gitarre bzw. steel den nicht viel älteren hellhound brown. der zog im haus der kultur zu waldkraiburg, das mit mageren 30 zuhörern spärlichst besetzt blieb, zunächst solo auf. seiner gewienerten, hochglanzpolierten steel entlockte er einen willigen blues, wie wir ihn von den baumwollfeldern nachhallen hören können. mittels bottelneck ließ er sich dabei auf keine kompromisse ein und spielte dennoch rhythmisch und melodiös auf höchstem niveau. dass ihm hugo race bei seinem aktuellen soloalbum unter die arme griff, war angesichts dieser gefälligen performance kein wunder. die halbstündige schau endete unter so viel applaus, wie er möglich scheint, wenn wenige händepaare alles geben.
zunächst zu dritt, ohne den abgetretenen solisten, starteten hugo race & true spirit und schnell wurde klar, hier werden heute abend keine gefangenen gemacht. der sound war derbe, roh und schroff, dampfte dumpf und zischend aus den boxen. hugo gabelte an seiner lieblingsklampfe die unter der hand vertriebenen melodien auf und sang sich die seele aus dem leib. warm werden, erst einmal. ein motto, das wohl eher den vereinzelten im auditorium galt. die zumeist altsemestrigen hatten sich vermutlich auf einen abzunickenden abend eingestellt, dabei vollführten die bald zu einem vierer ergänzten musiker einen sattsamen perforceritt. bietet das letzte album "53rd state" (glitterhouse) vielfach depressives material, so wurde doch eher das galoppierende auf die setlist gesetzt. neben acht songs vom 08er album tauchten aber auch pretiosen aus früheren dekaden auf, so z.b. das erfrischende "keep it on" von "last frontier" in der zugabe oder das gemütlich sich selbst umschiffende "on the bright side" vom 06er werk "taoist priests". daneben glänzten vier auszüge von der hervorragenden "the goldstreet session" scheibe aus 2003.
die vier funktionierten wie ein schweizer uhrwerk und dabei brachte jeder von ihnen eine persönliche besonderheit mit ein, die das klangbild erst formen sollte. dem jungen basser kam sicher der gediegenste part zu, da er für stabilität, für ein fundament zu sorgen hatte. denn die rhythmusfraktion belief sich fast ausschließlich auf ihn allein, weil der drummer, weil der geniale chris hughes alles andere tat, aber nie nur stoisch diktierte. im gegenteil vollführte er höchst konzentriert, dabei immer wieder matt geradeaus stierend, eine drummingkunst, wie ich sie nur selten sah. agilität gepaart mit einer antizipierenden spielweise, als erahne er die nächsten winkelzüge seiner vorderleute. unter seinen federnden beats geriet jedes arrangement zu einer abwechslungsreichen vorführung, ohne längen, ohne wirkungsarme passagen. das war hohe kunst und ich war lange nicht so beeindruckt worden. doch ohne brown an steel und e-gitarre wäre der zinnober ohne rechte kanalisierung geblieben. es schien, als würde der schlaksige kerl alle fäden, die von den drei mitmusikern abgerollt wurden, aufnehmen, um sie gebündelt, auf heiß umwachster kerze miteinander zu verschmelzen. dabei stand er unscheinbar, dem licht der scheinwerfer ausweichend, abseits und konzentrierte sich auf die helle belebung des klangs auf den dünnen saiten seiner instrumente.

im mittelpunkt der darbietung blieb bei allem glanz der kollegen aber hugo race selbst. seine düstere, schaurige mär, die ihn seinem alten fahrensmann n. cave so ähnlich macht, dräut durch jedes kapitel seines programms. er bietet nie schonkost. dennoch bleibt er ein magerer hund, als ginge ihm selbst immer neu zu nieren, was er zu erzählen hat. er macht keine show und keine anstalten, er spielt ungebremst und dennoch ohne palaver. seine gesten sind ungefeilt. seine gestalt, die eines hobos, eines weitgereisten. dem australier nimmt man schier alles ab. auch sein lächeln ob der begeisterung im rund. dafür, dass sich hier nur so wenige menschen eingefunden hatten, dafür spielte die band ein außerordentlich warmherziges und dynamisches konzert, das sich wie stets einer genrebeteuerung entzog.
setlist: high on love / on the bright side / we create tomorrow / make me mean / dumb down / girl called sunset / is yr love strong / whem midnight comes / midas touch / 53rd state / sodium rum / mystery world / zugabe: lsd is dead / coming clean / keep it on

06.10 Frankfurt – Sinkkasten
07.10 Köln – Underground
08.10 Aachen – Musikbunker
09.10 Essen – Grend
10.10 Hannover – Musikzentrum
11.10 Hamburg-Norderstedt – Music Star
13.10 Berlin – Frannz Club
14.10 Halle – Objekt 5

neue töne (679): blunt mechanic

eine vielfach überlesene nachricht lancierte jüngst barsuk records. nämlich, dass sich mit blunt mechanic eine band ins programm aufnehmen ließ, in deren hintergrund sich ein ganz findiger bursche trollt. die rede ist von ben barnett, der u.a. unter dem moniker kind of like spitting (mit teilweise wechselnden kollegen) einiges bewegte. acht ausgewachsene tonträger nennt dieser sein eigen und eine vielzahl eps und singles. mit "world record" wird er im januar des kommendes jahres ein erstes tondokument im rahmen einer ausgewachsenen band vorstellen. in wie weit gerade der letzte aspekt zu betonen ist, wird sich noch herausstellen. denn für eine demokratische ausrichtung, wie sie in einer halbwegs funktionierenden kapelle üblich sein sollte, taugt der immer wie eine freundliche billardkugel wirkende musiker doch nicht wirklich. zu eigenbrötlerisch hat er die letzten jahre verbracht, zu gewieft ist er, was das bedienen all der instrumente und geräte anbelangt, die herhalten mussten, wenn er seine solowerke in die aufnahmegeräte kloppte. ist eigentlich bekannt, dass er eines der gründungsmitglieder von the thermals war? ich bin gespannt, was unter blunt mechanic möglich sein wird. bis dahin vergnügen wir uns mit musik von kind of like spitting (der myspace link ist übrigens derselbe, unter dem nun blunt mechanic hausieren):
kind of like spitting - passionate (2002)
kind of like spitting - share the road
kind of like spitting - tom courtenay (yo la tengo cover)
kind of like spitting - st. swithins day (b. bragg cover)

Montag, Oktober 05, 2009

ein (p)fund mp3 (224)

ein auszug aus dem dritten album der band: "they kind of shine", tapete records lässt bitten:
downpilot - flicker
für fünf bucks ab 05.10. zu haben: "scattered areas where a thousand follow in likeness", der nachfolger der band aus olympia zum letztjährigen "in case we lose what we have":
letters - grand
letters - salt lick
auf "baby don't cry" sei auch noch an dieser stelle hingewiesen, das album erschien zwar bereits im märz, aber musik wird bekanntlich nicht schlecht:
blue jungle - oh suicide
blue jungle - slap on the face
ende oktober erscheint auf latest flame records das werk "i'm here to kill", martialisch, gell:
system & station - love, etc.
system & station - patterns
sehr erfreut war ich über diese nachricht, die mir vor einigen tagen im email kasten auffiel, "things we liked to hold" erscheint am 13. 0ktober auf spidersongs records, hier noch der hinweis auf eine frühere stellungnahme:
spider - white snake (2009)
spider - midnight on the nile
die wirklich besondere nachricht ist aber, dass sie ein neues album herausbringt, fleißig war sie stets, aber die konsequente fortführung ihrer discografie war so nicht zu erwarten, am 09.11. auf fire records: "graphic as a star":
josephine foster - indelible rainbows (2008)
josephine foster - waltz of green (2008)
eine der schönsten entdeckungen der letzten jahre in sachen pop waren sie, "staggering" wird anfang des kommenden jahres (27.01.) erscheinen:
boy genius - old new england
boy genius - radio silence (2008)

Sonntag, Oktober 04, 2009

neue töne (678): the mantles

auf siltbreeze hat am 22.09. - nach der veröffentlichung zweier 7" - ein full length von the mantles das licht der welt erblickt. the mantles aus san francisco beleben zwar keine tradition, dafür führen sie aber eine weiter. insofern kann man sie nicht haftbar machen für musikalische verbrechen, die aus ihrer gegend stammen, sondern nur beglückwünschen für das aufnehmen der richtigen fäden, die ihnen in die krippe gelegt wurden. denn dass san francisco ein hort psychedelischer anwandlung ist, steht nicht zur diskussion. michael (guitar/vocs), virginia (drums), matt (bass) und drew (guitar) heißen die protagonisten, die einen so verdammt griffigen song wie "don't lie" kreiert haben. nonchalance gepaart mit sanfter giftigkeit. was will mein zunehmend in die jahre gekommenes rockerherz mehr? die gitarren stossen süffig in unbekanntes horn, die produktion hat weite und greift im buffet lustvoll nach den westernspeisen (bohnen usw., you know). man könnte gut dabei johnny wayne beim ausreiten zusehen.
aufgenommen wurde die selftitled scheibe von greg ashley. herausgekommen ist ein gemisch aus herrlichem frühsechziger pop und dem malträtierendem des endes dieses jahrzehnts. zunächst bereist die band die staaten, um das album zu promoten, wir müssen sie wohl noch etwas locken.
the mantles - don't lie

Samstag, Oktober 03, 2009

neue töne ( 677): the dying californian

"coarsegold" heißt das aktuelle album der band the dying californian, es erschien im april auf turn records. womit der chronistenpflicht schon einmal genüge getan wäre. so weit ein eintrag, der in der "(p)fund"- rubrik ein eigenes kleines plätzchen haben dürfte. manchmal aber geht es auch etwas ausführlicher, ganz nach gutdünken des autors.
so kann man sich durchaus die zeit nehmen, um die formation namentlich vorzustellen, als da wären: nate dalton, simon fabela, andrew dalton, ricardo reano, liam nelson, um alsbald festzustellen, dass die aktuellen bandfotos immer ein mitglied mehr hergeben. so addieren wir jene musiker, die die band bei liveauftritten unterstützen und hoffen, dass sich jener ominöse sechste mann darunter finden lässt: aaron schurk, jeff pinn, kate nelson, emily dalton, cathy begien, sylvan eidelman, jon lee fox, heather nelsen (die mädels haben wir natürlich bewußt in der auflistung beiehalten, um dem gleichstellungsgesetz genüge zu tun, auch wenn auf obigem foto keine madame zu sehen ist).
der stamm, das sind auf jeden fall die vier erstgenannten bandmitglieder, macht bereits seit vielen jahren gemeinsam musik, zunächst unter dem label "nuzzles", bis man sich schließlich in 2001 in the dying californian umbenannte. der sound hatte sich verändert, die ausrichtung war neu, also war es auch angebracht, dies unter einem neuen namen zu präsentieren.
nach einer ep veröffentlichte die band in 2002 mit "we are the birds that stay" ihren ersten longplayer, dem nun das zweite werk "coarsegold" folgte. enthalten ist eine musik, die man ohne zögern dem americana zugehörig erklären kann, die aber genauso deutlich countryfiziert klingt, durchsetzt von anleihen aus dem indierock ala pavement, mit bluesigen fortsätzen und dem verzehrenden sehnen des folks. dazu kommt, dass der gesang stets harmonisch instrumentale löcher stopft. und dies sei im wohlmeinensten aller sinne ausgesprochen.
the dying californian - blurred just the same (from "coarsegold")
the dying californian - the martyrdom of perpetua (from "coarsegold")
the dying californian - prairie fire (from "we are the birds that stay")
the dying californian - scene of the crime (from "we are the birds that stay")

in eigener sache (36)

mit "in eigener sache" übertiteln auch die blogger von white tapes ihre rubrik, in der - wie der name schon sagt - ureigenste probleme, aufmerksamkeiten und mehr oder weniger musik begleiterscheinungen ihren platz finden. naja, zumindest insoweit abseitiges, als dass es dem alltäglichen normalen musikangebot entgegensteht. womit wir schon beim thema wären. eine abmahnung echauffierte das weite runde, andere schreiberlinge schritten zur solidarität und unterstützten die aufgebrachten. zurecht. denn die abmahnung war in ihrer form nicht untermauert und wohl einem übereifrigen anwalt zu verdanken. somit steht einer weiteren zusammenarbeit zwischen dem betroffenen blog und der augenscheinlich involvierten major company nichts im wege.
die diskussion drum herum war dennoch spannend zu verfolgen, weil sie einige wesentliche fragen des "musik-bloggertums" aufwarf. so konnte gelesen werden, dass einige kollegen angaben, dass sie aus reiner liebe zur musik schreiben würden, und dass außerdem die musikindustrie und die künstler dankbar sein sollten für das, was man für sie leisten würde.
für außenstehende sei an dieser stelle bemerkt, dass es recht flott vonstatten gehen kann, dass einem blog informationen, musik in form von promoscheiben oder mp3-files, dazugehörige waschzettel etc. zugetragen werden. gleichzeitig erwerben die musikaffinicados häufig akkreditierungen für konzerte, festivals, events aller art.
der wille, der dahinter steht, ist selbstverständlich, dass sich der verschenkende beiträge, notizen und möglichst positive bewertungen verspricht. andererseits kommt der blogger nicht umhin, sich als begütert zu betrachten. solange nun gegenseitiges einverständnis besteht und sich sowohl der schreibende mit dem dargebrachten gut verständigen und sich der gebende im resultat wiedererkennen kann, ist alles in bester ordnung. nur ist der druck, der auf beiden seiten be- bzw. im laufe der zeit entsteht, nicht zu unterschätzen.
werbung und offensives marketing müssen einen nachweisbaren erfolg erzielen. nachlässiges rezensieren wird irgendwann durch nichtbeachtung bestraft. so müssen beide seiten einen irgendwie gewichteten balanceakt eingehen, um einander freund zu sein, aber um genauso herr der dinge zu bleiben.
wer sich davon unabhängig zeigt und ausdrücklich auf seine fahnen schreibt, nur aus liebe am werk zu sein, dem sieht man das auch an. diese blogs sind von vielem, was derzeit laut durch gazetten, webzines usw. tönt, unbeeindruckt. ihre kritik ist gnadenloser, ihre liebe ausdrücklicher, ihre schwerter sind geschliffener und die standarte gegen jene ausgerichtet, die zum munde schreiben. denn die müssen abarbeiten und ungemein fleißig sind, um den vielen anfragen gerecht zu werden. und so zwängen sich auf immer moderner wirkende blogseiten, die vielmehr magazincharakter tragen, die immer wieder gleichen cover, themen und beiträge. unverwechselbarkeit geht verloren, ein unterscheidbares image haben viele eh nicht mehr. zudem drischt werbung auf den konsumenten ein, hinweise auf shops und verlinkungen, die wenig verdeckt auf verkaufsportale führen. kommerzialisierung unter dem deckmantel von uneingeschränkter zuneigung zum gegenstand musik und reiner nächstenliebe am künstler? irgendetwas stimmt an dieser formel nicht. und vielleicht sollte mancher seitenfüller gründlich darüber nachdenken, ob seiner niederen gedanken- und vielmehr wertvollen gefühlsarbeit wirklich dankbarkeit seitens der künstler entgegengebracht werden sollte. eher doch wohl anders herum, oder? deshalb schreibe ich. ansonsten: quo vadis (musik-) bloglandschaft?

Freitag, Oktober 02, 2009

glotzt nicht so romantisch (65): samara lubelski

die rubrik enthebt sich ihrer selbst, indem hier immer wieder aufnahmen erscheinen, die künstlerisch kaum einen wert darstellen. widerum aber heruntergebrochen werden auf das, wofür dieser blog steht: gute musik. sie steht ebenfalls dafür: samara lubelskis neues album "future slip" sollte teil einer plattensammlung sein. warum? hört und seht selbst, lubelski spielte am 23.09. auf, im 941 theatre in philadelphia und tat sich mit frischem material hervor:



ein (p)fund mp3 (223)

na, hier hatten wir sie bereits im visier, das kazynskian street ensemble aus santa cruz, die neue scheibe "under the starling host" erscheint am 10. oktober, kann über ihre webseite bestellt werden, zudem wurde ihre internetpräsenz reformiert:
Blackbird Raum - Valkyrie Horsewhip Reel
Blackbird Raum - California Fetid Adders Tongue
Blackbird Raum - Woodwose
einen ersten höreindruck gibt es nun auf die neue ep "night bats", erscheinungstermin ist der 10.11., natürlich auf hush records:
loch lomond - wax and wire
und wenn wir schon bei diesem label sind, erinnern wir gern an den kommenden release: "a cave, a cannoe" kommt am 07. oktober unter die menschen:
shelley short - a cave
shelley short - mockingbird
"umbrella weather" verspricht uns der album titel, veröffentlicht wurde das werk am 29.09. auf garden gate records, lustiger bandname, guter track:
laminated cat - aquamarine
eine spannende veröffentlichung steht für den 13. oktober an, da die ep "civic virtues" erscheinen wird, die in charlottetown stationierte und seit 2005 gemeinsam agierende band hat ein spielerisches popfund zu bieten:
milks and rectangles - slander debunked
das zweite album wurde heiß erwartet, der sechser aus sheffield setzt auf die bereits bekannten zutaten: die gute alte tante indiepop mit hymnen ohne fanfare:
smokers die younger - sample sample sample
frischer release aus schweden, das duo mathias näslund und martin nordvall (u.a. session player für the legends und club 8) spielten "balcony cigarettes" ein, schön hipper pop:
the sweet serenades - on my way
das portlander label filmguerrero wird demnächst eine werkschau herausgeben, benannt einfachst "a retrospective 1998-2008", welche das beste dieses acts hier einfangen soll:
lackthereof - the columbia
lackthereof - safety in jail
hammernachricht! es wird tatsächlich "III" erscheinen, terminiert für den 20.10.:
espers - caroline
hammerhammerhammer-extra: ebenfalls am 20. oktober soll "yo gabba gabba! music is awesome" herauskommen, mit dabei:
of montreal - brush brush brush