Donnerstag, Juni 12, 2014

konzert: orange blossom special festival 18, teil 4


die sonne stand im zentrum ihres tagesverlaufs und schien auf eine mehr als gut gelaunte obs'lerschaft herab. die war trotz der hitze jeglicher schlaffheit entfremdet und zeigte sich neugierig und zog jedes mal wieder neu richtung bühne, wenn dort die umbaupausen und soundchecks ihren abschluss gefunden hatten.


seit langem muss ich mit dem stigma (eine lage im übrigen, in die ich mich wohl aufgrund nörgelei höchstselbst manövriert hatte) kämpfen, dass ich jeglicher deutschsprachigen musik abhold wäre. dabei ist dem ganz und gar nicht so. vielleicht bin ich dem pop und seinen angestrengten texten etwas zwiespältig gegenüber, aber eine gewisse aufgeschlossenheit bspw. habe ich schon parat, wenn es sich um klassisches liedgut handelt, um singer/songwriter sachen in liedermachermanier und so weiter. es geht ja schließlich nicht allein um meine musikalischen präferenzen. aber mit die höchste eisenbahn kam eine band auf die bühne, der ich von anfang an mein herz öffnete. nicht nur dass die musiker allesamt in irgendwelchen zusammenhängen bereits gute vertraute waren , nein, sie waren auch in einem angemessenen alter, um etwas zu erzählen zu haben. denn nichts finde ich anstrengender, als einer unbedarften pennälerlyrik zu folgen, die auf einem verklärten blick auf den eigenen schmalen horizont gründet.


weit davon entfernt, um das eigene wellenplätschern zu kreisen, legte die, durchaus angemessen so benannte, supergroup handfest los. "aliens" hatte dafür doch einen passenden start: "dann fang ich jetzt mal an, es war nicht alles so schlecht...". nicht immer wendet sich alles zum besten, wissen die texte zu erzählen. nie peinlich, oft poetisch gehaltvoll, gern mit überraschungen und mit zum schmunzeln anregenden aufmerkern ("du wolltest uns, ohne mich"). hier nimmt sich jemand nicht so ernst, dafür das leben umso mehr. und ausgestattet mit einer beobachtungsgabe, die dem großen wie dem kleinen beachtung schenkt. musikalisch aufbereitet mit notwendigem schmiss an der einen stelle, elegischer handbreite an der anderen. dafür sorgten francesco wilking, der zumeist hinter das keyboard geklemmt saß, moritz krämer, mit der gitarre bewaffnet, begleitet von max schröder am schlagzeug und felix weigt. ihr gemeinsames tun ist exzellent. so wenig spektakulär und doch immer wieder nah am hörer. als hielte die höchste eisenbahn töne parat, die sich auf einzigartige weise in die gehirnkasterl ihrer aufmerksamen zuhörerschaft pusten, um dort genüsslich verarbeitet zu werden.
mein stigma werde ich so schnell nicht los, aber ich möchte hier und jetzt mit nachdruck verlauten lassen, ich mag diese truppe und mochte ich ihren auftritt auf dem obs 18 sehr.
setlist: aliens / jan ist unzufrieden / vergangenheit / pullover / isi / egal wohin / allen gefallen / mira / was machst du dann / schau in den lauf hase / der himmel ist blau




war die sonne wenigstens ein stückchen weiter gezogen? so genau war das gegen 16 uhr nicht auszumachen. über dem niedergetrampelten gras des glitterhouse gartens flirrte das licht. alles schien in bewegung. oder war das mein schwindel? wer nicht ausreichend trank, dem half das wetter alsbald auf die sprünge. oder aber mozes & the firstborn, diese manische formation aus den niederlanden. etwas zweifelnd blickte ich da schon gen bühne, hin zu milchgesichtigen jungen, ließ mich aber unvermittelt in den sog von unbedarftheit und juveniler kühnheit reissen. die fand ausdruck in einer fesselnden performance aus sägenden gitarren und einem alles überrollenden drumming, aus dem heraus sich die stimme des sängers erst einmal etablieren musste. die mischung war explosiv und laut, dabei mal zielgerichtet, mal ausufernd, immer mit einer gehörigen portion feuer unter dem arsch.


als in der mitte des sets der hit "i got skills" ertönte, hüpfte auch ich hinter der pinkelrinne hervor und gab mein bestes. zumindest beim skandieren war ich weit vorn. genauso wie die knaben in sachen optik. da steckte hinter dem riesigen paiste- blech der lahngmähnig blonde drummer raven aartsen mit einem gesicht, das sich prima in einer astrid lindgren verfilmung machen würde. vor ihm der sänger melle dielesen mit seiner prinz eisenherz friese, den man erst auf den zweiten blick als kerl identifizieren konnte. neben ihm stakte auf langen beinen der basser corto blommaert in hochwasserhosen und weißen socken, und schließlich der wie eine jugendliche version von angus young daherspringende gitarrist ernst-jan van doorn mit basecap und ringelshirt. zusammen schipperten sie zum nächsten höhepunkt. das zu viert intonierte "burn burn burn" hatte schon was. und konnte sich wie der rest des sets sehen lassen. memorable melodien, die mit beständigkeit und ausdauer von vier heißspornen beackert wurden. das hatte potential und sollte auch zukunftsfähig sein. wir wünschen es ihnen.




am übergang vom nachmittag in die abendstunden bekamen wir es mit mister and mississippi zu tun, erneut einer niederländischen band, die durch qualität und originalität glänzte. der zu viert angetretene junge musikerkreisel, drehte sich von anfang auf höchststufe. was in diesem fall aber weniger lautstärke und tempo meinte, als magischen glanz durch intensität. samgar lemuël jacobs (vocals, percussion), maxime barlag (vocals, percussion), tom broshuis (guitar, keyboards) und danny van tiggele (guitar, vocals), die einst ihr projekt an der herman brood academy starteten, hielten zu sanften glücksgesängen an. während sich die stimmen zu hymnen verbanden, sorgte die instrumentale vielfalt für einen teppich, auf dem die harmonien emsig bienen gleich im gleichklang summen konnten.


bereits in den vordergrund platziert, kollerte der beat voraus, rittlings schwangen sich die gitarre und der bass und immer wieder details ausplaudernd keyboards, minixylophon oder die mit einem bogen bediente sechssaitige. was sich zunächst nach einem zahmen trab anhörte, wuchs, schwoll geradewegs immer wieder zu einer große, ausgewachsenen galoppnummer an, die schließlich in einer kollektiven ekstase erstarb. während die musik derart ausgefeilt nach freunden gierte, schauten die meisten, zumindest der männlichen besucher auf die hübsche sängerin. sie war schließlich auch die fleißigste auf der bühne. immer wieder wechselte sie vom synthi zu ihren zauberhölzchen, mit denen sie das xylo beklöppelte. doch ihre kollegen sollte man wahrlich nicht außer acht lassen, schließlich waren sie genauso soundformer wie die schwarzhaarige hutträgerin. nach der lautstarken aktion ihrer vorgänger war der sanftere klangausbruch der landsmänner angemessen im timetable aufgestellt.
setlist: shape shifter / gloom / happy / same room, different house / in between / where the wild things grow / we only part to meet again / follow the sun / circulate / northern sky

weiter geht es später mit dem restlichen samstag und dem letzten festivaltag.

Mittwoch, Juni 11, 2014

konzert: orange blossom special festival 18, teil 3

der freitag abend musste noch in die nacht überführt, der erste festivaltag beendet werden. über allem wachte ein sich hingebender fisch. nahe der weser ein sinniges bild.


die erinnerung trügt. trügt. trügt. was mittelmaß hatte, wird belobigt, was gut war, wird glorifziert. die rückschaulinse ist belegt mit dem warmen schauer vermeintlichen memorandums. erst ganze zeit später ordnen sich die bilder, das bruchstückhafte setzt sich auf seine weise neu zusammen und schafft eine ordnung, an die man sich wirklich halten kann. ein vorausschicken persönlicher natur mit der unterstreichung, vor solcherart überhöhung ncht gefeit zu sein.
die bisherigen zwei auftritte von golden kanine auf dem orange blossom festival waren unterschiedlichster prägung. hier das euphorische und unverblümte, fast schon unverbrauchte, dort das aufwändige und kraftsstrotzende, selbstbewusste konzert. den letzten aspekt vorausgesetzt, fühlte sich die schwedische band doch auch in diesem jahr sorgsamst im familären kreis der glitterhouse familie aufgehoben (nicht zuletzt werden sie die hochzeitskapelle der zukünftigen familie rembert stiewe geben), wusste man nicht wirklich, was einen erwarten würde.

immerhin war das ensemble wieder um die great bertholinis bläser erweitert, so dass eine hausbackene folknummer nicht zu erwarten war. zu konstantieren war schließlich ein auftritt, der beute machte sowohl in der einen als auch in der anderen vergangenheit. druckvoll und gefühlig zugleich, ein zum markenzeichen zu stilisierendes moment, das sich golden kanine ans revers heften lassen sollte. die belegte note am banjo, der akustischen gitarre, dem melodischen und druckvollen bass, dem leichtläufigen drumming und den seelenvollen stimmen bei gleichzeitigem maß nehmen: an der hymne, dem aufschrei, dem großen gesang um das ganze. und um keinen deut weniger.

so legte sich die band genau die schnittmenge einstiger großtaten auf die schaufel, um sie mit voller kelle im publikum abzuladen. nicht zuletzt, weil einer vom anderen weiß, was er erwarten kann. dass die band dies unterstreicht, in dem sie zuvorderst mit hits ("scissors", "burial"!, "fire") und hohem wiedererkennungswert beginnt, kann man ihr nur unverblümt danken. jegliche zögerlichkeit, jegliches unnötige anbandeln, jegliches aneinander gewöhnen müssen, entfiel vollends. stattdessen: volle kante. also: akustische parforce, verzückte perkussion, manischer bass und bläser, die dem affen zunder gaben. den jungs sah man in jeder sekunde an, dass sie den auftritt genossen. zumal es sich mit (fast noch) frischem album im gepäck eh ein wenig leichter musizieren lässt. und so skandieren sie "these days are made for us" und aus tausendfacher kehle erfahren sie einen freundlichen wie freundschaftlichen widerhall der zustimmung und übereinkunft.



in den umbaupausen des ersten tages spielten auf einer kleinen nebenbühne annen may kantereit auf. die junge deutsche truppe hat das zeug für das ganz große und es wäre kein wunder, wenn man sie in den kommenden jahren auf der hauptbühne entdecken kann. vor allem beeindruckten mich die durchdringenden melodien, von denen die band, die sich nach den nachnamen ihrer mitglieder benannte, ein ganzes arsenal zur verfügung zu haben. klasse auch die wechsel in englische bzw. in die deutsche sprache, die zugleich stilistische wechsel nach sich zogen. bin sehr gespannt, was man in nächster zukunft von ihnen zu hören bekommt.


der samstag begann mit der dänischen band dangers of the sea. wie erwartet wurde es ein sonnenwarmer wie gefühlig besinnlicher start in den zweiten festivaltag. der gesang des blondgelockten frontmanns andreas bay estrup stieg warm und mit gebremster inbrunst auf, immer wieder mit bedacht von einer glitzernd hellen, angepickten akustikgitarre unterbrochen, von sanften pianotönen gekitzelt und einem leichthändigen drumming flottiert. dass hier nicht nur handwerker, sondern könner am start waren, merkte man allerorten. die sorgsame prägung der arrangements, wie sich die instrumentalen einheiten zueinander verschoben, ineinander verschränkten, um auf einer neuen ebene kreationen der schlichten schönheit entstehen zu lassen, ließ die wärme der sonne potenzieren. nach "your hands are folded" setzte "mine to keep" bereits am anfang des sets einen ersten höhepunkt. diese gedeckte dringlichkeit, die melodische transparenz wirkten im klaren mittagslicht wie heilsbringer.


erst recht, als estrups gesang in die kopfstimme wechselte und sich mit den pianospritzern vereinigte. in die menge des fast schon vollständig angetretenen auditoriums kam leichte bewegung, wie der wind den plüschfisch über dem balkon des glitterhouses sacht in leichtem schlingern hielt. "sheer desperation" nahm dangers of the sea noch einmal den folkstempel ab. in kurzen abständen kreiste die gitarre um sich selbst, um im verfänglichen schlagzeug eine andockstation zu finden. im flimmern der aufsteigenden hitze zog die harmoniendichte an. auch "everything will be alright" sollte länger in erinnerung bleiben. etwas leichtfüssiger als seine vorgänger mutmaßte es an piano und lebendigem schlagwerk. der gemeinsame gesang erging sich im vollmundigen refrain. ein guter moment, um an dieser stelle auch das selbstbetitelte album zu empfehlen. schöner hätte der samstag kaum beginnen können. die zuschauer goutierten dieses konzert mit breitem lächeln in den gesichtern.
setlist: your hands are folded / mine to keep / light / sheer desperation / ny song / everything will be alright / come sit by my fire / when the curtain falls / turn around / show some mercy / your time is wasted / everybody loves you / take my hand




nach den doch eher ruhigeren nummern der dänen, zogen die schweizer von the animen ganz schlicht die handbremse und ließen die karre von der leine. der vierköpfigen truppe traute man auch auf den ersten blick mehr als nur übermut zu. zu konzentriert wirkte die inangriffnahme ihres sets. und es stellte sich flott heraus, dass sie begeistern und fetzen zugleich beherrschten. denn während das eine zwar erheitern, kann das andere schnell die fahrt an einer betonwand enden lassen. wie auch anderen bands standen the animen sechzig minuten zur verfügung, die sie voll und ganz nutzen sollten. immerhin brachten sie es auf mehr als ein dutzend songs, was die kursrichtung unterstreicht. kurz, prägnant und auf den punkt zu sein. rhyhtmus- und leadgitarre gaben vor, der bass und das schlagzeug stabilisierten die nach allen seiten wackeligen chose, die jedoch zu keiner zeit ins schlingern kam. dafür sorgte insbesondere theo wyser, der frontmann, der sich schon mal unscheu vor dem publikum postierte und das posieren seiner vorbilder imitierte.


die rock 'n' roll geschichte der sechziger wurde ganz sicher von den vieren aufgesogen. was sie am ende davon unterscheidet? vielleicht einfach nur der mut, diesen stupenden, hibbeligen beat ins neue jahrtausend transportiert zu hieven, um ihn dort auf unaufgeregte und doch schweißtreibende art und weise zu präsentieren. es war eine freude, den einzelnen bandmitgliedern auf die finger zu sehen, mit welchem enthusiasmus sie ihrer arbeit nachgingen. dem basser fiel die tolle ständig ins gesicht, und als er von theo vorgestellt wurde, strich dieser ihm die widerspenstige matte zurück, damit das neugierige publikum einen blick auf den jungen kerl werfen konnte. breitbeinig klopfte der basser danach weiter zielgericht seine lines ins instrument. in seinem rücken malträtierte der drummer sein kleines set und machte dabei nie den eindruck größerer angestrengtheit. nicht weniger ungebunden der gitarrist auf der rechten bühnenhälfte. immer ein lächeln im gesicht, warf er sich zu gegebener zeit ans mikrofon, um seinem boss vokale unterstützung zu bieten. dass das schon mal schlachtrufcharakter trug, tat dem fantastischen auftritt keinen abbruch. im gegenteil war dies eine kleine genugtuung in dieser fußball abstinenten zeit. mit "shake" gab es schließlich einen formidablen rausschmeisser, das kraftvoll gebrüllte titelgebende wort schallte ins weite rund und hallte noch eine ganze weile nach.
setlist: mr. wang / road taken / french letter / are we there yet? / speedy gonzales / not a single time / harder than stone / another grey crime / alice in my life / tell the kids / pretty ballerina / 16 smokin' gun / down in oslo / outro / shake



es folgen weitere betrachtungen. nach einer geduldspause.

konzert: orange blossom special festival 18, teil 2


man sollte einige tage ins land gehen lassen, um sich an der erinnerung zu laben. denn das wirklich bleibende rückt erst später nach. und doch möchte man festhalten, was zu entgleiten droht, momente, augenblicke, in denen sehnsüchte, wünsche und träume ganz einfach nur in musik kulminieren.


der musikalische einstieg in die achtzehnte ausgabe des orange blossom festivals begann mit der kanadischen band rah rah, die sich des jobs opener zu sein, durchaus gewahr war. denn von der ersten sekunde an machte sie keinen hehl daraus, dem publikum in erinnerung bleiben zu wollen. vorangetrieben vom schlagwerkenden jeffrey romanyk, beheizt vom deepen bass joel passmores, akzentuiert von erin passmores keyboardschleifen und den liebes- pfeilscharfen spitzen aus der e-gitarre von marshall burns, sang sich zunächt kristina hedlund in den vordergrund, die alsbald doch zu violinenschwung aufgerufen war und an die kollegin übergab.


nicht zuletzt kreiste die truppe in sich und wechselte die vocalparts bis hin zu strebsamen harmoniegesängen. manchem zögerlichen start folgte der enthusiastische ausbruch. die powerpop beseelte truppe offerierte sich als liveerprobt und stets auf den punkt. die harmonientreue verfing sich flott im aufmerksamen und so früh auch zahlreich angetretenen publikum. da gab es einiges zu bestaunen, und seien es zunächst nur die enthusiastischen mädels, die immer wieder für reizpunkte sorgten, sei es durch die freundliche, offene art, sei es durch die kontrapunkte, die sie dank ihrer instrumentenwahl setzen durften, sei es durch die inspirierende kraft, die von ihnen ausging.


da waren ihre kollegen deutlich bedeckter, jedoch nicht weniger konzentriert auf die aufgabe sattsamer unterhaltung. nicht zu vergessen, dass der etwas verdriesslich dreinschauende frontmann marshall über eine ausnehmend starke stimme verfügt und diese mit impulsivität einsetzte. insbesondere bei ruhigeren nummern eine zugmaschine der besondere art. ansonsten pulsierte kräftig die energetische wucht, nie ohne der einträglichen melodie tribut zu zollen. "prairie girl" ist wahrlich ein gutes beispiel, um die erstaunlich gepaarte feinsinnigkeit mit juveniler power zu illustrieren, die rah rah auszeichnen. im laufe des konzerts ließen diese silbrige ballons aufsteigen, die den bandnamen zumindest zur hälfte darzustellen wussten und jedermann auf dem festival bescheid gaben: wir sind mittendrin. toller auftakt!




nicht unähnlich in der bandzusammensetzung trat der nachfolgende fünfer an. lingby stammen aus köln und hatten in den schwestern judith und carmen heß schnell für blickfänge gesorgt. nicht zuletzt, weil beide mit ihren schwerelosen gesängen für die formgebung verantwortung trugen. die mazerierten ränder ihrer ausgeklügelten popfinesse wollten ausgeglichen sein. am e-piano und den keyboards bzw. am elektroverfeiner sorgten die damen darüber hinaus für akzentfetzen. die grundstruktur gaben die männlichen kollegen vor. willi dück stand im vordergrund und hatte sich die rhythmusgitarre umgeschnallt und konnte unschwer als leadsänger identifiertiert werden. seine sämige stimmte legte sich über die fein ausgeloteten melodien wie staub einträglich auf einen flusenteppich. in der vereinigung mit den stimmen der damen entstand ein dichter reigen der seligkeit.


zu willis linken griff maik vleurinck in die basssaiten, unauffällig, aber beständig setzte er seine arbeit über das gesamte set fort. kraftvoll unterstützt vom mann im hintergrund. denn die drums wurden von dennis jüngel bewacht, der sich nicht auf rocksteifes spiel verlassen konnte. erwartet wurde songindividualisierte perkussion, die er stets rückzumelden in der lage war. die beim zuhörer ankommende soundcollage, zu der sich immer wieder auch hörner gesellten, hatte schon etwas artifizielles, ohne jedoch aufgesetzt zu wirken. in sich geschlossen brodelte eine versteckte kraft, deren ungebremstes entfachen gezügelt werden konnte. vielleicht liegt hierin die faszination dieser band. mit einer leichtigkeit wird schlichtheit vorgetäuscht, die jedoch konzentrierten und ausgeklügelten musizierens entspringt und eine enorme potenz zur grundlage hat. reife und ausgeklügelte arrangements wurden auch live zum markenzeichen dieser jungen deutschen truppe. von den anwesenden zuschauern, die mittlerweile fast das gesamte arreal ausfüllten, wurden sie mit hochachtung und mehr als freundlichem beifall bedacht.




die uhren bewegten sich langsam auf 21 uhr zu, der freitag wollte in aller gediegenheit in den feierabend gehen. nur einer hatte etwas dagegen, die reverend shine snake oil co. aus dänemark. während sich also die sonne so langsam aus dem staub machte, wirbelten die vier aus kopenhagen selbigen erst einmal ordentlich auf. denn was die band da anzettelte, war wahrlich großes kino. ihre melange aus blues und soul, aus folk und gospel, durchsetzt mit rocksteady und behelfen an jazz und swing war einzigartig, vor allem rau und ungeschliffen, war angreifend und irr, war aufregend und in jeder sekunde tanzbodentauglich.


wer sich nicht im stampfenden rhythmus des einem irrwisch gleich arbeitenden drummers bewegte, tanzte, wer nicht den kopf vor angezettelter aufregung schüttelte, stierte unverhohlen auf den nach wenigen minuten bereits komplett durchnässten sänger. denn claudius pratt bot eine show der aufgewiegelten art. mit seiner brettharten und raufasrigen stimme packte er den zuschauern zunächst beim kragen, zog ihn dann ganz dicht zu sich heran, so dass man die glitzernden perlen auf seiner stirn nicht nur erkennen, sondern auch die sich darin wiegenden bäume widerspiegeln sehen konnte, um ihn dann mit haut und haar zu verspeisen. alles tanzte! knaller wie etwa "your savior" konnten niemanden unberührt lassen. mit seinem stiffeligen beat, der schneidigen mundharmonika, dem dribbelnden bass, den auslassungen und abgefederten pausen machte er nun einmal beine. die band funktionierte wie eine geölte maschine. der rothaarige schlagwerker, matthias klein mit namen, war nicht nur hochbezopft, auch hochbegabt. seine ausgewogenheit, sein variantenreiches spiel gierte nach mehr. nicht weniger mit kunst befleissigt erschien der basser martin ollivierre, der oft geschlossenen auges dem ansteckenden puls der schweisstreibenden musik den eigenen groove verpasste.


mit moses gunn schloss der kreis des quartetts. der gitarrist spielte eine gewichtige rolle, wenn es darum ging melodienfäden zu spinnen oder mittels schraffierungen ganz eigene polemik einzuführen. wenn am ende aber vor allem dieser charismatische sänger in erinnerung bleibt, wäre es kein wunder. wie claudius auf das publikum zuging, es mit großem augenrollen anging, ansang, war das einfach nur ein fest. wer bis dato noch nicht den festivalflow verspürte, hatte ihn nun garantiert.



demnächst geht es hier weiter mit berichten zum restlichen freitag, zu samstag und sonntag.

Dienstag, Juni 10, 2014

konzert: orange blossom special festival 18, teil 1


wohlgelitten ist ein festival, wenn der besucher von allem organisatorischen nichts mitbekommt. die seltenen momente, bei denen er in direkte abläufe involviert ist, ein- und auslass, versorgung mit getränken und speisen, die möglichkeit diese wieder zu entlassen, sich mit produkten der darbietenden künstler einzudecken bis hin zum zeltvergnügen, müssen reibungsfrei absolviert werden. wurden sie. punkt. an dieser stelle könnte man, wollte man auf ein loblied verzichten, den bericht beenden.
die eigentliche meisterleistung des obs 18 lag dann auch eher darin, die zuhauf angetretenen helfer angemessen zu verwalten. während die zuschauerzahl konstant bleibt, abgesehen von der letztjährigen vergrößerung des areals und der damit einhergehenden anhebung des besucherkontingents, nimmt die zahl der unterstützer und helfenden hände, wenn man das doch auch von großzügigen sponsoren sagen könnte, stetig zu. unter ihnen gerecht arbeit zu verteilen, muss eine logistische meisterleistung sein. sie gelang auf beeindruckende weise. denn nirgends, nie kam die maschinerie ins schleudern. reibungslos griffen die zahnräder ineinander und halfen so, dem volljährig gewordenen fest - unter dem trefflichen motto "hingabe" - über den berg der erwachsenwerdung.


hervorzuheben ist dabei die stete freundlichkeit aller mitarbeiter. die vertrautheit des miteinander überträgt sich auf die gäste, so dass die gemeinsam gebildete masse eine der zugewandtheit und durch empathie getragene wurde. 
selten stand man länger an einer biertränke, die wahl des abendbrots war lediglich durch die umfangreiche auswahl erschwert, die kulinarischen köstlichkeiten ließen keine wünsche offen, zeit verplempernd konnte man in muse die verschiedensten kaufstände begutachten, um sich mit schmuck einzudecken, neue tonträger zu erweben oder sich an der auflösung einer plattensammlung gütlich zu tun. wer wollte, konnte an verschiedenen ecken des geländes geld für einen guten zweck lassen. setzen wir ein ausrufezeichen an dieser stelle! das bemühen des orange blossom special festivals um die belange benachteiligter ist seit jeher ein besonderes und wird immer wieder mit nachdruck verfolgt. respekt und dank dafür.


ein festival ist wohlgelitten, wenn das wetter stimmt. bzw., wenn der gast in der lage ist, angemessen damit umzugehen. während im letzten jahr jedermann mit regenponcho und gummistiefeln durch nassen, klebrigen schlamm watete, der einst eine wiese war, zeigten sich heuer sonnenkrieger, die sich weitgehend ihrer kleidung entledigten, um dem brennenden stern am blauen firmament ihre aufwartung zu erweisen. bemützt mit strohhüten, caps, tüchern und was das reiseequipment noch so hergab, schützte sich der obs besucher vor größeren schäden. das festival war wohlgelitten, weil das wetter bombe war, sowohl am samstag als auch am tag darauf stand locker die 30 auf der temperaturanzeige, und so der schatten eines jedes festivalisten zum besten freunde wurde. (danke yannick für die wasserduschen, danke für die trinkstellen, danke für zahlreichen plätze zum unterstellen.)


ein festival ist wohlgelitten, wenn man mit freude rückschau hält. auch wenn der blues sich einstellen mag, so ist er doch einer, der mit hoffnung getränkt ist. auf ein neues jahr. auf eine neue ladung großartiger musik. 
danke an die veranstalter, danke an die bands, danke an die anderen besucher für eine schöne gemeinsame zeit.

listenterror: beste alben 2014

eine erste, dennoch recht späte bestandsaufnahme. mehr als in den letzten jahren sehe ich mich seltener mit ganzen alben konfrontiert. meine suche nach dem unentdeckten sieht mich eher einzelnen songs gegenüber, ausschnitten aus den musikalischen welten der nachstrebenden. jemand meinte mal, wir würden hier als trüffelschweine agieren. nicht ganz unpassend. in den aufbruchjahren, wir reden von vor knapp zehn jahren, konnte man noch ungefährdeter bands und künstler entdecken, ohne dass sich sofort eine ganze meute drum herum scharrte. die konkurrenz, wenn man sie so nennen wollte, ist größer geworden. doch die konzentration, unsere, ist hoch und streng im urteil, you know. das wesentliche ist die große lust am klanglichen.



alben 2014, top 30

****1/2
  1. carla bozulich - boy

****
  1. doug paisley – strong feelings
  2. tara jane o'neil – where shine new lights
  3. woods – with light and with love
  4. kemialliset ystävät - alas rattoisaa virtaa
  5. ryley walker – all kinds of you
  6. clemens band denk – s/t
  7. marian mclaughlin – dérive

***1/2 - ****
  1. damien jurado – brothers and sisters of the eternal son
  2. childbirth – it's a girl
  3. gran - chair
  4. wild beasts – present tense

***1/2
  1. stephen malkmus and the jicks – wig out at jagbags
  2. bring the mourning on – northern ghost
  3. koen holtkamp – motion
  4. water liars – s/t
  5. simone felice – strangers
  6. marissa nadler – july
  7. sleaford mods – divide and exit
  8. sharon van etten – are we there
  9. carcrashlander – a plan to tell the future
  10. plastic flowers - evergreen
  11. solander – monochromatic memories

*** - ***1/2
  1. making marks – a thousand half-truths
  2. real estate – atlas
  3. qui – life water living...
  4. feathered arms - s/t

**1/2 - ***
  1. snowbird – moon
  2. helmut – polymono

**1/2
  1. end – people of the stream's mouth

Montag, Juni 09, 2014

glotzt nicht so romantisch (574): my grey horse


der englischen band my grey horse habe ich innerhalb kürzester zeit einige posts abgerungen. nun werden wir erneut auf sie zurückgeworfen. ungehypt treten sie dennoch ins rampenlicht mit einer unprätentiösen und doch freundlich aufdringlichen art, sich ihrer lieder als persönliche hymnenabwurfstation zu bedienen. zum song "days shall follow" haben sie ein video gedreht. wir zeigen es Euch hier. den infotext entnehmen wir als zitat von uns selbst, voila:
"nachdem der eine song in die welt gepustet wurde, wurde es auch zeit mehr noch hervorzuholen. ein debütalbum ward geschrieben und gab einlass für diese hochemotionale chose des fünfköpfigen ensembles. über den vielfach geschichteten harmonien flimmern die angesurften gitarren, das dribbelig verhaltene schlagwerk, die gesänge aus vielfachen kehlen. jaja, wir kennen den spruch: neu erfunden wird hier auch nichts, aber altes auf so enthusiasmierte weise dargeboten, dass man nicht auskann zu mögen. während sich hier die melodie deckeln lässt und von einer perkussion, die sich gediegen und zollfrei gibt, begleitet wird, quert ein irriger gesang das geviert und macht dich staunen. in der bridge oberstes ausbremsen und zugleich ein indiziertes ansinnen auf fortführung. haste so etwas schon gehört? die töne werden gehalten, nicht hin- , aber aus-. so dürfen drei-minuten-momente zwar für die ewigkeit kreiert werden, aber nicht um ihrer selbst willen. das interesse am hymnischen darf man aber nicht absprechen. "i still don't understand" ist ein allemal programmatischer titel, den ich, obwohl ich vermutlich locker zwei jahrzehnte älter als diese burschen bin, unterschreiben würde, und prangt auf dem album, welches am 09. juni erscheinen wird. zur aktuellen single "all those morning" gibt es gar ein frisches video, schaut mal auf der bandwebseite."

glotzt nicht so romantisch (573): bob mould


den typ liebe ich für seine unverblümte art melodien aufzutischen, die so schlicht und umwerfend zugleich sind. dass er davon ständig neue aus dem hut zaubern kann, ist die große kunst von bob mould. auf das neue album "beauty and ruin" hatten wir schon hingewiesen, nun gibt es daraus ein wirkliches feines video. zum track "i don't know you anymore" hat alicia j. rose ein paar lustige fotos zusammengefügt. colin meloy von the decemberists spielt dabei etwa eine rolle und die eine oder andere idee, sein marketing zu forcieren. guckt mal!

Sonntag, Juni 08, 2014

neue töne (1400): vorschau the sound of bronkow music festival 2014, teil 1


das fünfte jahr! vermeintlich ist das ja nichts, weil an allen ecken und enden festivals aus dem boden spriessen. und jedes hat die besten headliner, die fähigsten acts, das größte und bunteste begleitprogramm. doch wer den blick hinter die halbgeöffenten türen wagt, wird die schmatzer von den machern unterscheiden können. mit dem sound of bronkow music festival trifft man in dresden auf erlesene veranstalter- wie hörerschaft, weil hier das eine unweigerlich zum anderen paßt. denn das programm ist angelegt auf eine klientel, die verzaubert, magisch berührt und emotional angezettelt werden will, die das neue mit spannung erwartet und das erwartbare dankend empfängt. hier verstricken sich die unternehmungen platten machen, wie im fall von k&f records mit dem kultur betreiben, wie es das societaetstheater versteht, zu einer kollaboration der sinne.

2014 wird die veranstaltung sound of bronkow vom 05.09. bis 07.09. stattfinden. das bislang zusammengetragene lineup kann sich wirklich sehen lassen und wird von uns nach und nach genauer unter die lupe genommen. doch zuvorderst möchten wir noch auf die wichtigsten infos verweisen, die Euch den zugang zum fest ermöglichen. wir kopieren einfach mal von der festivalseite:

TICKETS

2014 werden in erster Linie Festivaltickets für den Eintritt am Freitag sowie am Samstag angeboten. Zusätzlich berechtigt das Ticket zum freien Eintritt zu allen zusätzlichen Veranstaltungen wie Late Night Show oder Festivalparty. Für den Freitag, 5.9. wird es erstmals ein Kontingent von 30 Tageskarten geben.
Nachdem das Societatstheater nur begrenzte Kapazitäten hat, können wir nur dringend zum rechtzeitigen Ticket-Kauf raten. Leider können keine Ermäßigungen angeboten werden.
TICKET-VORVERKAUF:
Die ermäßigten Early-Bird-Tickets sind leider schon ausverkauft. Wer ohne große VVK-Gebühr bestellen möchte und hübsche Hardtickets im SOB-Design gerne hat, geht am besten über unseren K&F Webshop (paypal oder Überweisung).
SOB-Tickets im K&F-Shop

Alle Nicht-Dresdner können auch über das Societaetstheater/Reservix (print@Home) bestellen:
SOB-Tickets bei Reservix

Alle Besucher aus Dresden und Umgebung können alternativ an folgenden VVK-Stellen hübsche Hardtickets im SOB-Design erwerben, die man sich dann bis 2014 dekorativ an den Kühlschrank pappen kann:
SAX Ticket: Königsbrücker Str. 55, 01099 Dresden Tante Leuk: Louisenstr. 24, 01099 Dresden Kasse im Societaetstheater: An der Dreikönigskirche 1a, 01097 Dresden Sweetwater Recordstore: Friedrich-Wieck-Straße 4, 01326 Dresden
Das Festival-Ticket kostet 32 Euro plus eventueller VVK-Gebühren.

nun zu einzelnen bands, die beglücken sollten:


die turtles, wie man sie bereits vertraut nennen darf, sind ein besonderes duo, welchem wir bereits mehrfach beiwohnen durfte, zuletzt anfang des jahres: "so fanden sich die beiden protagonisten flink in ihre neue münchner rolle ein. nämlich abzuheben, sich gehen zu lassen, den wunderbaren songs freien lauf zu gewähren. hier wird die gitarre angeschlagen, dort das tastenwerk bewegt, hier wird angesungen, dort fortgetragen. hier erzählt, dort gesummt. miniaturen, die von pausen gebunden, alltägliches bebildern und zu etwas besonderem machen. in der interaktion der künstler besticht die vertrautheit, die mehr und mehr zu zugewandtheit wird. das terrain ist erobert, das publikum eingenommen. jetzt darf es auch vitaler werden, geschrammelt, geklopft und gebalkt. denn leisetreter sind die beiden nun wirklich nicht. auch wenn es scheinbar auf jede note, jeden ton ankommt. ausformuliertes, in der bedachtheit zum kleinod gezüchtet. harmonien, die wie eine wärmende hand unter den pullover kriechen. wärme macht sich breit. die einen entkleiden sich, die anderen öffnen die herzen." claudia und florian aka talking to turtles sollte man auf dem sound of bronkow also auf gar keinen fall verpassen. zudem werden sie wohl auch ihr neues album im gepäck haben, aus dem es bereits den ersten song zu hören gibt.




dass wir über the green apple sea geschrieben haben, ist wahrlich eine weile her. doch hin und wieder wird es eben etwas stiller um die fränkische combo - fast aufgelöst gab es anfang des jahres eine neue single, tour usw. - die sich auf so einnehmende und zugleich unnachahmliche weise dem folk verschrieben hat. 2010 hieß es bei uns deshalb: "bei stefan prange und seiner band the green apple sea glaubt man dagegen immer wieder, dass er es genau darauf anlegt. schmiegsame kopfkissen für einen wohligen traum zu bieten. seine musik ist so elastisch, dass sie sich sämtlichen emotionalen herausforderungen stellen kann. dem trauernden öffnet sie türen, den glücklichen erdet sie, den bekümmerten belebt sie. druckvoll und doch gedungen, erregt und doch gezügelt, ausdrucksstark und doch eher pastellen. the green apple sea drängen sich nicht auf, sie bestreiten keine neuen wege, sie erregen vielleicht deshalb auch kaum öffentliches interesse. wer aber dieses an ihnen zeigt, wird mit einfachen, klaren, frei atmenden kompositionen belohnt." auch hier haben wir es mit einer band der ganz besonderen momente zu tun, die ohne paukenschlag auskommen müssen. das geht. beweis antreten? dann auf nach dresden!




fabian schütze, der unter me and oceans als feinsinniger musiker auftaucht, hatte zuletzt alle hände voll zu tun. sein aktuelles album "the bay" galt es zu promoten. dafür war er eine menge auf tour und hat so das neue werk an den mann gebracht. vielleicht reicht es für ein paar restexemplare noch, die es an die gestade von elbflorenz schaffen, damit Ihr nach dem konzert zugreifen könnt. das geht in etwa so, wir hatten es vor einiger zeit im eigenen haus erfahren dürfen: "[...] schuf me and oceans dichte und komplexe arrangements, die er aus dem zur seite gestellten laptop erschallen ließ. daneben aufgebaut bewegte sich ein großer kerl mit zum teil ungelenken bewegungen im schwang seiner vielfachen rhythmik, seiner vertrackten harmonien, konzentriert auf das zusammenspiel der unbeliebigen elemente, die sich in teilen abstrakt, in der komplexität und in der vereinigung verständig zeigten, klarheit abrangen und dem hörer bilder aufzwangen, die sich durchaus abseits der lyrics abspielen durften. nützlich dafür waren auch die belebenden, erfrischenden kommentare fabian schützes zwischen seinen titeln [...]"



demnächst mehr zum sob 2014!

Samstag, Juni 07, 2014

neue töne (1399): fiona sally miller


mit dem namen, dachte ich, bringste es gerade mal zu einem popsternchen. dass sich fiona sally miller aber als ernstzunehmende müht, alle achtung, und nicht einen moniker wählte, bemerkenswert. man hätte die junge dame aus brighton im vereinigten königreich zudem kennen können. denn seit immerhin 2011 lässt sie immer wieder an ihrem output partizipieren, und sei es, dass sie ihn auf bandcamp veröffentlicht.

"out of the woods and in to the trees" muss ihr erstling gewesen sein. sieben lieder, die das wesen der melodie begriffen hatten, die ernsthaftigkeit und tiefe noch täuschten, ohne einer songwriterischen rafinesse zu widersprechen. noch im selben jahr erschien das selbstproduzierte "the whale's love life", welches bereits den experimentellen ansatz der künstlerin offenlegte, die aktuell ihren master in klangkunst absolviert. geschichtete instrumente und verschiedene musikalische elemente werden zusammengeführt. eine sorgsame und bedachte musik, die von einer anderen künstlerin stammen könnte, wenn man ihren erstling in den vergleich ziehen möchte. viel deutlicher könnte entwicklung nicht aufgezeigt werden. auf diesem 5track werk sind einige momente, die durchdringend sind, ohne sich darin zu verlieren, weil die texturen transparent, aber nicht dünnhäutig sind.

am ende dieses kleinen exkurses möchte ich aber eigentlich nur der tatsache begegnen, dass die junge frau im mai dieses jahres sehr aktiv war. mit "i should have sat still" legt sie vier tracks vor, die alles vorherige meines erachtens ausstechen. sie sind drängender, echter, vorsätzlicher. sie sind überlegt und austariert und voll gedrosselter emotion. die musik stammt aus dem jahr 2012 und zeigt neuerlich auf, wie gradlinig der weg von miller verläuft. die lieder zeigten sich mutiger, um mit den stilen zu spielen. fast hörte man blues heraus, vom folk eingenommen ein latenter bruder.

zwei weitere eps gibt es zudem auf bandcamp zu entdecken. eine, die ein gros der "i should have sat still" ep in livetransformation aufzeigt, eine weitere, "a pause in between", die "has been crafted from manipulated found sounds, recycled sound and an improvised final layer of vocal, piano, clarinet and guitar". durchaus experimenteller als vorheriges material, aber stringent.
aus allen drei veröffentlichungen des mais hänge ich ein beispiel an. viel freude mit dieser ungewöhnlichen jungen dame mit dem allzu gewöhnlichen namen.

Freitag, Juni 06, 2014

ein (p)fund mp3 (473): teil 2

einstieg in den zweiten teil mit einem duo aus florida, das es einvernehmlich rau angehen lässt, die vorliegende single "vow" ist der vorgeschmack auf das debütalbum, welches im späten sommer erscheinen soll, wir hoffen, Ihr geniesst die musik von: sales:


die brooklyner band um adam schatz lässt vor dem release von "upright behavior" am 15 juli auf hometapes nichts anbrennen, mit "dying day" gibt es hinterhältig schön auf die ohren (und einen bonus oben drauf): landlady:


vier jahre hat es gedauert, bis sie ihr debütalbum im sack hatten, es hat sich gelohnt, dass sich becky flip und jacob wick so viel zeit nahmen für "bright fire", dreampop, wie er in dieser form seine definition finden könnte: the honey trees:


hatten wir es tatsächlich übersehen, diese großartige band hat nach 2011 endlich wieder nachgelegt, das album "the great pretend" erschien im märz auf words on music und enhält shoegaze der extraordinären art, reinhören bei: should:

ein (p)fund mp3 (473)

schlechter kann man allemal in diese runde starten, die hamburger truppe besinnt sich wieder auf ihre stärken, der erste track "mach mich vom acker" ist ein hübsch unaufgeregter und erinnert an frühere tage: die sterne:


aus nyc stammend, sich als antifolker verstehend, sucht dieser junge kerl in wenigen minuten sein leben auf den punkt zu bringen, gleichzeitig möchte er sich aber von etablierten deutlich unterscheiden und immer wieder gelingt ihm dies außerordentlich, mit "elbowtoe" hat er sein erstes album vorgelegt: paul weintrob:


es handelt sich bei "get by" um das debütalbum der band aus weston-super-mare, herausgegeben vom kleinen bristoler d.i.y. label howling owl records anfang dieses monats, dass hier alte helden angerufen werden, hört Ihr ganz schnell heraus: towns:


auf das debütalbum folgt der zweitling, wie es sich gehört, in diesem fall mit "at best cuckold" und mit dem abziehbildchen geadelt, von sub pop veröffentlicht zu werden, avi zahner-isenberg hat selbst produziert und in san fran, l.a. und ny aufgenommen, ein appetithappen: avi buffalo:


ihre debütsingle heißt "headlights" und will auf das album "mount meru" vorbereiten, welches im herbst erscheinen wird, die schweden nennen ihre musik "swedisch grande lofi", wenn das zutrifft, zollt den helsingborgern respekt mit aufmerksamkeit: the white raven:

Donnerstag, Juni 05, 2014

eingestreut (657): jeff tweedy


noch kein tag rum, da haben sich bereits mehr als 35000 people den neuen song von jeff tweedy reingezogen. gänzlich ohne wilco, dafür mit seinem sohn spencer am start, ist das interesse am obmann einer DER bands schlechthin ungebrochen. was sich spartanisch anhören mag, entpuppt sich via konserve als ausgewachsener track mit allem drum und dran. tweedy lautmalt und die instrumentale unterstützung ist satt und ausgewogen. das drumming ist fast ein wenig zahm, gedämpft kommt es aus den boxen. deutlicher hervorgehoben dagegen die saitenarbeit, in der bridge gar ein wenig giftig. ein album steht an, "sukierae" wird im september auf tweedys eigenem label erscheinen.
was mich aber vor allem zum posten zwingt, die nachricht wird Euch sicher auch von allen anderen seiten zugetragen, ist das einträgliche bild von vater und sohn, gefällt mir sehr.

glotzt nicht so romantisch (572): yesway


gerade erst hatten wir sie in der mache und auf das kommende album hingewiesen, da ist dieser zeitpunkt, also der releasetermin, schon wieder überschritten und die beiden damen von yesway können ihr erstes video zum song "howlin' face" präsentieren. hier das zitat, weiter unten dann das video:
"ha, yesway ist ja schon mal ein klasse name für ein damenduo.wenn nicht der name schlechthin. emily ritz und kacey johansing verbandeln ihre stimmen zu einem schwer zu ignorierenden klangabenteuer. so traulich die melodien auch seien mögen, so abwegig sind häufig die ornamentierungen, die ausstaffierungen. fiebrige träume aus grellen psychblasen, rasanten strukturenwechseln, saitenspiele in flink und in fordernder manier. ständig fühlt man sich als hörer aufgerufen, in irgendeiner form selbst aktiv zu werden. die gurrenden stimmen, die uns zu umgarnen scheinen und gleichzeitig anschieben, da kommen gerade noch die gitarrenläufe mit. in oakland gehören sie zur breiten folkszene und werden alsbald nicht nur dort ihre kommende lp absetzen können. "howlin' face" ist die dritte single daraus. der longplayer kommt am 03. juni und stellt das debüt der beiden damen dar."

ach ja, ab morgen sind wir auf dem orange blossom special festival in beverungen. damit bei Euch keine langeweile aufkommt, werden im klienicum natürlich tag für tag artikel und artikelchen auftauchen. bitte kommentiert und lasst Eurer freude oder Eurem unwillen über das gepostete freien lauf. wir werden spätestens ab kommenden dienstag wieder freimütig antworten. schöne pfingsten Euch allen!

glotzt nicht so romantisch (571): james yorkston


die pedale, die pianotasten, ein schwenk auf die gesichter, nachdenklicher, versunkener natur, das studio, in dem james yorkston sein neues album aufnahm, war gut ausgeleuchtet, so dass es für ein erstes video, für einen ersten song daraus, "fellow man", auch in bebilderter manier herhalten konnte. doch die fakten: am 15. august erscheint das mittlerweile neunte album yorkstons. mit "the cellardyke recording & wassailing society" ist es überschrieben und lässt die überlegung zu, warum es nicht gleich auf "craws" getauft wurde. 15 neue tracks enthält das werk und wird ergänzt um das chris bell cover "you and your sister". aufgenommen wurde im londoner livingstone studio mit alexis taylor. unterstützung erhielt der schotte u.a. auch von seiten des fence collectivs, zu deren frühen mitgliedern yorkston zu zählen ist, also, an bord waren the phictish trail, kt tunstall, rob smoughton und fimber bravo. der erste track ist ein einnehmendes stück, herrlich abgerundet durch den weiblichen backgroundgesang. have fun.

Mittwoch, Juni 04, 2014

konzert: neutral milk hotel, 01.06.14


wahrscheinlich müßig, jeff mangum auseinanderzunehmen. der fast mitvierziger zeichnet u.a. für die gründung der the elephant six recording company verantwortlich. eine plattform, von der sich zig erstaunliche bands und projekte erhoben. nicht zuletzt in berührung gekommen mit neutral milk hotel, dem unumwunden mangum als kopf und songschreiber vorsteht. seine von zweifeln befreite lyrik sollte ihm mit zwei alben abhanden kommen. vielleicht auch ein grund für das abwenden von der musikalischen karriere mit dieser band, der so viele lorbeerkränze gebunden wurden. nun ist der amerikanische vierer seit dem letzten jahr wieder aus der versenkung aufgetaucht, und mangum zeigt sich mit neuen einsichten und erkenntnissen. dabei sind die lieder jedoch die selben geblieben. ein verwirrspiel. wie so vieles rund um eine band, die zur rechten zeit am rechten ort war, und die sich zum vorbild emporschraubte für nachfolgende künstler, die oft genug handwerklich versierter, aber nicht ideenreicher, kreativer waren.

die münchner kammerspiele waren satt gefüllt, freie plätze waren auszumachen, obwohl der verkauf der karten frühzeitig eingestellt werden konnte. der laue abend versprach eventuell manchem mehr als nur in nostalgie zu baden. neben dem schwer bebarteten mangum traten an: scott spillane mit weißem rauschebart, kein ungewohntes bild bei ihm, der die hörner bediente oder die akustische und der stets, seinen chef soufflierend, jeden text bis in die letzte strophe mitsang. gleichsam ist seine enthusiastische und befeuernde art des spiels unverkennbar und einzigartig. auch an diesem abend war er ein sehr belebendes element. wer ihn zwischenzeitlich vermisst hatte, hätte ihn bei olivia tremor control, bei of montreal oder elf power, aber auch bei seiner eigenen band the gerbils antreffen können.

hinter den beiden genannten thronte jeremy barnes an den drums. auch er ist ein umtriebiger musiker und wohl am besten einzuordnen, wenn man an seine rolle bei a hawk and a hawksaw denkt. sein spiel ist ein geradezu harmonisch melodisches, wenn er zwar mit verve und doch fast ausgleichend zärtelnder art auf sein kleines drumset einhob. vor ihm, sich stets im kreise drehend, agierte julian koster, dem man die jugendlichkeit wohl nie wird aus den gesichtszügen reissen können. mit einer spinnerten haube auf dem kopf behüpfte er, während er das banjo, das akkordeon oder den bass bediente, die weitläufige bühne. auch für die singende säge zeichnete er verantwortlich, die dem sound von neutral milk hotel einst eines seiner markenzeichen verlieh. die bandvorstellung muss mit jeremy thal abschließen, der den vierer als bassist und trompetist ergänzte und der ganz sicher mehr als nur den klangraum abrundete.


die band mit jeff und der sänger in solo teilten sich das konzert in unterschiedlich lange parts auf, womit einer gewissen abwechslung genüge getan wurde. so stand man denn mal dem stoiker allein gegenüber oder aber begnügte sich mit einem fünfer, der bei aller aufregung um ihn, in kontrolliert forcierter energieleistung ablieferte. stets dem fuzzfolk huldigend, krischelich und aufgeraut der sound, fetzte die band sogleich in die erinnerungsarbeit. einfach, bei "the king of carrot flowers part one" und "the king of carrot flowers part two and three" zu folgen, um allzu gleich den faden von "holland, 1945" aufzunehmen. manchmal mutierte die band zu einer geschützten dinosaur jr. version, bei der aus den noiseräumen eine stimme erscheint, die töne auf immer die gleiche art und weise töne pentriert. und wären da nicht diese unfassbar schönen melodien und wäre es dem sänger nicht angetragen, hie und da seine stimme zu erheben oder eine abweichung zu erzwingen, dann flögen weniger herzen als müde blicke gen bühne.

erschreckend sonor, dabei drängend und im gleichklang hochtönig, bedrängte mangum das gehör seiner unzähligen fans. giftig die atmosphäre manchen songs, wie er sich im korsett einer auf achtsamkeit getrimmten band beweisen musste. ausreisser sind selten gestattet, dann grassieren tempoaufnahme oder das hymnische leuchten der bläser, selten birst die gemeinschaft zu befreiter kollektivleistung. und doch hatte man stets das gefühl, dass man unter der schützenden glocke einer göttlichen natur stünde, als würde alles für einen moment heilig gesprochen. und vielleicht macht die brüchigkeit dieses konstrukts namens neutral milk hotel seine faszination aus. echtheit, ernsthaftigkeit, die sich aber nicht mit standhaftigkeit den rang streitig machen will, sorgt für konstanz in sachen sorge und anteilnahme, in sachen verbrüderung mit den musikern dort auf der fernen bühne. getaucht in blauen und rötlichen lichtbefall erscheinen die kerle hager und schütter und angeschlagen. und doch breiten sie sich samt musikalischem belag aus und fassen das rund bei der hand.

münchen hat neutral milk hotel einen positiven empfang beschieden. neben den neugierigen waren die eingeweihten in der überzahl und zollten dem auftritt der fernreisenden gebührenden respekt. getanzt wurde nur selten, in übersichtlicher weise der kopf geschüttelt, rhythmisch aber wogte das meer im parkett, während auf den balkonen lediglich die knie arthroseprophylaxe erhielten. nichtsdestrotz widerlegte die bayerische hauptstadt unnahbarkeit und bewies in gewisser weise kennertum. auch nicht schlecht.
es gab einige highlights, sei es die singende säge in "in the aeroplane over the sea", während sich mangum um den verstand sang, sei es die naturimitation, als die tonale ausgeburt des versammelten instrumentariums zu flora und fauna transfomierte, sei es das stolze "oh comely" oder aber das bewegte "two- headed boy", welches mangum vermutlich nur in münchen in aller stille vortragen kann. seis drum. wir waren dabei.

setlist:
the king of carrot flowers, part one
the king of carrot flowers, parts two & three
holland, 1945
a baby for pree / glow into you
gardenhead / leave me alone
everything is
two-headed boy
the fool
naomi
in the aeroplane over the sea
ferris wheel on fire
oh comely
song against sex
ruby bulbs
snow song, part one

encore:
ghost
[untitled]
two headed boy part 2
engine

Dienstag, Juni 03, 2014

neue töne (1398): squinch owl


nicht ganz einfach, zu squinch owl zu referieren. der informationen gibt es zunächst recht wenige und wenn dann wage. neben ihren gesanglichen fähigkeiten, die aus ihrem programm herausstechen, sollten in der betrachtung ihre handwerklichen fähigkeiten an diversen instrumenten nicht zu kurz kommen, als da wären: banjo, violine, akkordeon, gitarre und manch anderes gerät. die junge dame stammt aus belfast, me. mit birthquake records benennt sich ihr veröffentlichendes unternehmen. und mit "evergreen" legt sie gerade einen neuen track vor, der auf das kommende album vorbereiten möchte.
irgendwo zwischen liz green und laura gibson changierend bläst uns eine stimme voller inbrunst um, die so schwer daran trägt, nicht dick auftragen zu wollen oder zu können. wie pfeile schnellen die dünnen worte hervor, werden vor dem pluckernden spiel des banjo in die breite gedehnt und gezerrt und genauso zerrüttet wie es die bildern sind, aus denen sich im nachgang die phantasie speist. am ende heißt es aber bei sofia, dass wir aufwachen werden, selbst aus bösesten träumen, und es wird grün sein, alles wird immergrün sein.

bis dato gibt es an aufnahmen von squinch owl lediglich die mitschnitte einer radioshow, dokumentiert anfang 2010 "on the goddamn radio" und das im selben jahr erschienene album "homeward bound", das vielfach bejubelt wurde. musik, vor der man sich manchmal wegducken wollte, weil sie so intensiv ist, von verstiegener innigkeit vorgetragen und immer am limit. wütend, verbissen, einzigartig in ihrer präsenz, konzentration und ambition. mit dreifacher unterstützung, die kollegen spielten u.a. die singende säge, bass und drums, gelangen besondere lieder, die in erinnerung bleiben, weil sie so belebt, so jugendlich vital sind, und weil sie daran erinnern, warum man hier ist und hier bleiben möchte. verfolgter blues, winterlicher folk, hier kreuzen sich die wege. squinch owl zelebriert, ohne bestaunt werden zu wollen, sie geifert, ohne dem publikum allzu nahe zu sein. das ist, naja scheiß drauf, das klingt echt ehrlich.
sind wir gespannt auf die neuen songs, die mit "evergreen" einen tollen appetithappen aufweisen. sollte es in dieser form weitergehen, erwartet uns etwas weniger überbordendes, denn geordneteres. was ja auch was für sich hat.

Montag, Juni 02, 2014

neue töne (1397): stephen steinbrink


stephen steinbrink habe ich gern in der mache, ob es zu aktuellen werken etwas zu sagen gibt (2010) oder aber wenn der bursche auf tour ist, wir erinnern und mahnen gern. vor allem ist es spannend, die entwicklung des aus olympia stammenden amerikaners zu beobachten. aus dem schüchtern wirkenden, etwas pummeligen kerl ist ein aufgeweckter, erwachsener mensch geworden. zitate nun im zitat: "was einen darauf [gemeint war "ugly unknowns" (2009)] erwartet, gehört zunächst in die sparte lofi folk. der ist aber derart vielfältig und von allen seiten abgebrannt, dass lofi hier nur als schimpfwort durchgehen kann. feinst abgestimmt, mit ausgefeilten arrangements, stilistischer mannigfaltigkeit und lyrischer beschlagenheit entwaffnet dieser verrückte kerl unversehens. seine gitarre befördert, seine perkussiven finessen ornamentieren, seine stimme lockt. ganz fabelhaft. vergleiche kann man nur mit den großen anstellen. karl blau, zum beispiel." der aus olympia stammende musiker und künstler hat seit jenen tagen weiter fleißig gearbeitet und u.a. mit "i drew a picture" ein weiteres feines album im vergangenen jahr herausgebracht. via bandcamp könnt Ihr es Euch zu gemüte führen und vielleicht auch auf die kommende tour vorbereiten, denn stephen wird im april einige shows in unseren breitengraden spielen. es ist der erste europa aufenthalt des jungen kerls und sollte ihm gut in erinnerung bleiben. nachfolgend die tourdaten und aktuelles akustisches wie visuelles material. ich hoffe, wir sehen uns!" das ist auch schon wieder ein jahr her, mittlerweile hatte melodic records ein einsehen. dass steinbrink nämlich viel zu gut ist, um ein nischendasein zu fristen. so hat sich die firma aufgerafft, um das tape "arranged waves" neu auf vinyl herauszubringen. so kommt dem 2014er release eine gerechtfertigte ehre zuteil.

steinbrink, der ewig reisende, fast die hälfte seiner lebenszeit war er unterwegs, entwand sich seiner tristen heimatgemeinde, um der welt neue einsichten abzuringen. wenn er am ende zu den menschen zurückkehrt, hat das wohl mehr mit seiner persönlichen stärke zu tun, als mit der seiner rasse. der vorabtrack spiegelt daneben die musikalische sorgfalt steinbrinks wieder. nicht zuletzt aber die songwriterische größe. ein wunderschönes lied. auf dem neuen werk, welches anfang juli von melodic entlassen wird, halfen andrew dorsett, jen grady, ashley eriksson, eli moore und tom filardo. lasst Euch mal wieder gefangennehmen.

tracklist: 1. now you see everything / 2. animate dust / 3. trust / 4. a simple armature of your ideal world / 5. synesthetic ephemera / 6. brand new manic brain holder / 7. tangerine / 8. it's so pretty (what you did for me) / 9. it takes a lot to change a mind / 10. sand mandalas / 11. impress my memory / 12. arranged waves

Sonntag, Juni 01, 2014

eingestreut (656): jeffrey lewis and the jrams (tour)


einer muss den jeffrey lewis geben. möchte man meinen. während adam green, moldy peaches oder diane cluck ihr schäfchen ins trockene oder aber den hintern ins warme geschafft haben, findet man in jeffrey den nach wie vor ruhelosen, umtriebigen geist, der er seit jeher war. nicht verwunderlich also, dass der new yorker mal wieder seine kreise in unseren breiten zieht. darauf gilt es hinzuweisen. die aktuelle truppenbezeichnung hört auf jeffrey lewis & the jrams, wobei der comiczeichner und musiker heather wagner und caitlin gray an seiner seite weiß. mit beiden brachte er eine tour only cd heraus, selbstbetitelt und mit zehn tracks bestückt.
einen daraus könnt Ihr aus unten angepinntem video heraus hören. die friedfertige und spinnert driftende gitarre, der nachlässige gesang, die ungezwungene melodica und ein rasseln aus dem background. gefällt? dann hingehen!

06.06. Bremen - Spedition
08.06. Kiel - Hansa 48 (Nachmittagskonzert)
11.06. Offenbach - Hafen 2
12.06. Dresden - Nikkifaktur
13.06. Berlin - Kantine am Berghain
06.08. Hamburg - Kleiner Donner
07.08. Köln - King Georg
08.08. Haldern - Haldern Pop Festival
11.08. Aachen - Musikbunker