Samstag, Juni 06, 2009

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 6

es gilt die abschlussrunde zu fahren, dem obs den rest zu geben. schön zu sehen, dass der blog in den letzten tagen mit die höchsten zugriffsraten hatte. zu verdanken ist dies sicher zum einen der verlinkung durch den festival - und den shake baby shake - blog (danke!), aber auch dem gemeinhin großen interesse am orange blossom special und sei es eben nur, um noch einmal in erinnerungen zu schwelgen.
baskery durften zur abendstunde ans werk, die drei schwedischen schwestern greta, sunniva und stella wollten dem versammelten rund ordentlich einheizen. die entschlossenen gesichter sprachen bände. doch wie sollte das funktionieren, nahmen sie lediglich kontrabass, gitarre und banjo mit auf die bühne? jedem, der zweifel hegte, wurde saftig eingeschenkt. das elektrisch verstärkte banjo zielte direkt auf die fontanelle, die gitarre trieb unmißverständlich an und der bass bildete den grund für den euphorischen tanz. irre, was die drei mädels da an energie abließen. die übertragung auf das publikum war die direkteste ihrer art, denn es kam sofort bewegung ins volk. da hielt es keinen stumm, wenn es im galopp durch die kraftstrotzenden, maskulinen songs ging. "out-of towner" startet im dreisang, der früh rasant vom banjo durchkreuzt, vom bass eingefädelt und von der gitarre befeuert wird. "harsh" ist dagegen ein schlurfer, der deutlich die stärken der mädels betont. die differenten stimme, insbesondere sunniva überschreitet dabei grenzen und rockt unverhohlen, wobei sie das mögliche auslotet, der mitreissende beat und das dramturgische geschick. "one horse down" wird zum wilden stomp, wenn die story erst einmal erzählt ist und die crowd verfällt in gemeinsames kopfnicken. bei "haunt you" wird einem angst und bange und man ist immer wieder froh über das freimütige lachen des dreiers, aggressiv geht es nach vorn. aufgelockert wird der vortrag von baskery durch die direkte ansprache inkls. einiger deutschkenntnisse insbesondere von sunniva. sehr sympathisch. dolle vorstellung!

für kurz vor halb elf waren get well soon angesagt, der aufbau allerdings verzögerte sich etwas und so konnte das vielköpfige ensemble erst gegen kurz vor elf starten. gropper und co. hielten sich auch nicht mit langen dankesreden auf, sondern ließen unvermittelt ihren düster gefärbten pop von der stange. zur mithilfe hatte sich der frontmann bläser, geige, keyboard, bass, drums und gitarre gerufen, die jeweils von jungen menschen bedient wurden. erstaunlich, was die truppe auf die beine stellte. ein dichtes und widerum feingliedriges zusammenspiel, bei dem man jedes instrument sezieren konnte, um es fürderhin dem ganzen wieder rückzuführen. dem "prelude" folgte "people magazine" und schließlich mit "we are safe inside while they" einer meiner höhepunkte. gropper spielte all seine stimmlichen qualitäten aus, der aufbau des songs lässt einer theatralik raum, die förderlich ist und einen weiten bogen spannt, in den das publikum (konzentriert, staunend) aufgenommen wird. das pompöse in der musik get well soons ist ohne distinguiertheit, ohne abgespreizten finger oder perückenwahn. gropper hebt pop auf eine nächste stufe. er ist dabei ganz klarer kopf der veranstaltung, aber gleichzeitig lebendiger teil seiner konzentriert aufspielenden begleiter. markant: verenas violinespiel und ihr glockenheller backgroundgesang. maxxl und sebastian sorgten für die geblasenen stimmungsquoten. die band hat einen neuen fan. setlist: prelude / people magazine / safe inside / listen! / good friday / aurora / born slippy /busy hope / sold my hands / tick tack / hat's missing / lost in the mountain / teenage fbi, take it / tempest tossed / teenage fbi

fazit: das obs 13 war mehr als gelungen, einen herzlichen dank an veranstalter und mitwirkende. bis nächstes jahr!

mein konzertranking:
(01) kristofer ragnstam ****-****1/2
(02) real ones ****
(03) marissa nadler ****
(04) washington ****
(05) the miserable rich ***1/2-****
(06) kristofer aström ***1/2-****
(07) baskery ***1/2-****
(08) get well soon ***1/2-****
(09) chris eckman ***1/2-****
(10) baby universal ***1/2
(11) the fabulous penetrators ***1/2
(12) maria taylor ***-***1/2
(13) gods of blitz ***-***1/2
(14) black rust ***-***1/2
(15) tenfold loadstar ***
(16) benedicte braenden ***

Freitag, Juni 05, 2009

konzert: alela diane, 04.06.09

hinsichtlich der wandlung eines künstlers bin ich stets offen. sich neu erfinden, wagnisse eingehen, gut, experimente sind gar erwünscht und mit resultaten jeglicher natur gehe ich milde um. solcherart prozesse vermeiden stillstand und fördern die kreativiät, schulen die sensibilität und wirken unmittelbar auf die wahrnehmung des rezipienten.
wenn der mut, wie bei alela neuerdings nur dem optischen gilt und sich in einer musikalischen umsetzung, die durch unkonzentriertheit und fehlende präzision auffällt, niederschlägt, ist berechtigte kritik am platz. nun hat das eine mit dem anderen nur mittelbar zu tun, aber die wandlung ist präsent und die wirkung die selbe, niederschlagend. die gestutzen haaren unterstreichen strenge und leisten dem mangel an spontanität und kommunikation vorschub, der in früheren konzerten ausgeglichen wurde durch außerordentliche disziplin und anspannung. gerade diese schien alela diane während des gut 1 ¼ stündigen konzerts immer wieder zu suchen. doch der einflüsse gab es zu viele, die ihrem vorhaben zuwider liefen. sei es vater tom menig, der sich bös verspielte, sei es basser tom bevitori, der wiederholt alberte und mit jokes das publikum aufheiterte, sei es drummer benjamin oak goodman, der über das ende des songs hinaus trommelte oder sei es gar alela selbst, die sich textunsicher zeigte. im einzelnen vernachlässigbar, in der gesamtheit auffallend und rückführbar auf eine neue ordnung im konzertgefüge dianes, das chaos produziert. schürte noch der gemeinsame beginn von alela diane und alina hardin zu anfang des programms die hoffnung, dass (erneut) ein atemberaubendes erlebnis bevorstand, konterte die schrittweise hinzunahme weiterer musiker die flirrende atmosphäre und nahm den rausch durch professionelles, aber leidenschaftsloses spiel.

wenn man zugute hält, dass alina hardin wie gewohnt hingebungsvoll hauchte und dass tom menig durchaus akzente zu setzen wusste, indem er an mandoline, akustischer oder e-gitarre agierte, hier und da einen lauf vom stapel ließ, blieben doch der rest der mannschaft in konvention verhaftet und ganz dem regime alelas untergeordnet. der jedoch, wie bereits angedeutet, fehlten die mittel, die truppe so beieinander zu halten, dass sie zu einer sinnvollen, weil genauso ausmalenden wie förderlichen ergänzung ihrer ohnehin überzeugend funktionierenden musik wurden. hier liegt wohl der hase im pfeffer. in der reduktion lag bisher dianes stärke. sie war der widerhall ihres wesens, ihrer empfindsamkeit, ihrer ungleichen festigkeit, an der sich der zuhörer kaum messen konnte. diese art panzerung, ein schutz vor entwaffnung, ging verloren und der verlust der langen haare ist dafür synonym und symbol zugleich.
meine enttäuschungen wurden freilich wenigstens teilweise aufgehoben durch den zuweilen glänzenden stimmlichen vortrag der sängerin aus nevada city. da war es wieder das aufsteigen, das segensreiche entweichen, die spuren des überirdischen im verstiegenen, das uns erbarmungswürdig zurücklässt. in ihrem gesicht verdinglicht sich das sein als göttliches programm, vollkommenheit als unbrauchbares wort karikierend.
ich wollte, dass alela sich ihrer besinnt und zurückgekehrt zu etwas weniger folkloristischen und höfischen auftritten. in starre verharrend ist sie mir tausendmal lieber, als dass sie müde ihre noch müder scheinenden kollegen dirigiert und sich als frontfrau entkräftet.
die setlist kann man gut bei den kollegen vom konzerttagebuch abschreiben, die die truppe an den beiden tagen zuvor ebenfalls gesehen haben, sie gleicht wie ein ei dem anderen. auch ein manko? zumindest hätte es der veranstaltung halt, struktur verleihen können. da half auch nicht die choreografie der auf und ab gehenden musiker. gestalterische elemente zielen bei alela dianes kunst offenbar immer vorbei.
wer motorrad fährt, der kennt das. unter seinem helm eingeschlossen kann man prima selbstgespräche führen. kriegt ja keiner mit. noch besser allerdings ist es zu singen. das tat ich denn auch auf der rückfahrt. laut und übermütig. denn was an mir haften blieb, und irgendwie stimmte mich das noch versöhnlich, sind die wunderbaren songs der derzeit nicht nur der haare, sondern teilweise auch der magie beraubten alela diane.

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 5

so einer veranstaltung wie dem orange blossom special kann man mit ein paar worten und netten bildchen nicht gerecht werden. den spirit, die großartige atmosphäre bekommt man nur schwerlich so eingefärbt, dass dem leser eine ahnung entsteht. doch wird der geneigte sich auch an verkaterte sonntage erinnern. an die blässe, die aus dem spiegel entgegen strahlte und an die hoffnung auf ruhe, frieden und einen tag voller aspirin und milden wassern. unnachgiebig aber strömte pünktlich zur mittagszeit das publikum in die arena. und mit baby universal war eine band angesagt, die es ganz gewiss nicht besinnlich angehen lassen wollte. im gegenteil handelt es sich bei den jungs aus dem osten der republik um schwer atmende, liebevoll krawallende burschen. rock mit viel groove, hooks und dank gezieltem bass, diverser perkussionsabenteuer und diffiziler leadguitar ein leckerbissen, wie er nicht erwartet wurde. ein exzellenter einstieg in den abschließenden festivaltag. und wen die sonne störte, dem brachte vielleicht sänger cornelius ochs etwas von konzertstimmung und erlebnisromantik zurück. nicht nur, und das ist unstrittig, dass er über ein spitzen gesangsorgan verfügt, er bietet dem hörer mehr. in seiner manier, einen jim morrison oder mick jagger zu imitieren, muss man keine absicht unterstellen. er ist wohl wie er ist. er geriert sich arme wedelnd, in sich verdrehend, wüst glotzend und mit direktem kontakt zum auditorium. er zieht blank und erntet eifrigen beifall. eine show. aber eine, die spaß macht. der dichte rhythmusteppich, der den gang federn macht, die unverstellte gitarre und die feinen läufe auf dem bass muten dem sänger wenig zu. er ist geborgen wie in abrahams schoss. ob woody guthrie cover oder eigene songs ob p.i.l.s "not a love song", allesamt funktionieren. setlist: mother / black spider / dancing witches / belle starr / black sun roll / hey man / morning comes / bye bye love / no lovesong / girls of mars / dig away / boys & girls / monkey dance

ganz schön früh schon mussten the miserable rich ans werk. die hätte man sich für eine gerissenere stunde des tages gewünscht, für die dämmerung vielleicht. wer schrieb 'kammerpop'? keine ahnung. ich wollte es mit 'barockfolk' überschrieben haben. und zwar einer auf wirkung potenziert. kalkulierte breaks, tempoverschiebungen, finessen in den arrangements, gekonnt, gezielt. gesetzt mittels cello - gestrichen, berührt, geklopft, violine - gezupft, gesenst, gefahren, kontrabass - innig besetzt und gitarre, die auf vordringliche weise wie eine leidenschaft bedient wurde. dazu kommt, dass sänger james de malplaquet ein entertainer bester schule ist und das publikum auf amüsante weise behandelte. witzig, angriffslustig ein bißchen, pointiert, mit sanften gesten und einem verschmitzten lächeln unterstrichen. selbst seine gefährten hatten ihre freude daran. man musste nur den mit hut kopfbedeckten cellisten beobachten, wie er griente und sich herrlich amüsierte ob des gerissenen frontmanns. was auf tonträger ein elektrofaden ist, der die chose zusammenhält, ist live die dichte und aufeinander abgestimmte, akustische begleitorgie aus gerauntem saitenspiel. faszinierend, wie gut die maschinerie funktioniert. und dem vorstehend ein sänger, der mit weinglas bewaffnet, die zügel hält. ausgezeichnet. setlist: early morning / somerhill / the time that's mine / boat song / kitty / hot chip / poodle / chestnut / muswell / monkey / pisshead / merry go around

eine persönliche auszeit nahte. nicht wegen der antretenden acts, sondern vielmehr weil die sonne ordentliche bratzte und das getümmel in der menschenmenge kaum zum aushalten gewesen wäre. so genoss ich etwas abseits die nachfolgenden bands. zunächst starteten the fabulous penetrators, die als stag-o-lee ableger für furore sorgten. genau das richtige für die gleißende nachmittagshitze. wer nicht eh schon schwitzte, dem rann bei erzwungener bewegung dank rockabilly, garagerock wie von allein der schweiß die achseln herunter. phantastische, geradezu fulminante vorstellung der briten!

anschließend folgte maria taylor am mittlerweile späten nachmittag. sie bestätigte meine bühnennahe abstinenz mit einem guten, aber eher langatmigen set. das aktuelle album neigt sich schwer zum flügellahmen pop. den zelebrierte sie allerdings mit engagement und in versierter begleitung. ich höre maria gern singen und so schwelgte ich versonnen und unverdrießlich. bessere unterhaltung kann man sich für so einen tag kaum wünschen. dass i am kloot nachfolgend auftraten, verzeichnen nur die geschichtsbücher, ich war beim chinesen: es gab gebackenes gemüse und alsterwasser. lecker.

morgen gibts den rest. baskery und get well soon wollen resümiert werden und Ihr werdet ebenso mit einem in sternchen ausgedrückten fazit belästigt werden. was war wohl der beste auftritt?

Donnerstag, Juni 04, 2009

eingestreut (35): yo la tengo

matador records heißes infoblatt, oder in zeiten von web 2.0 eben auch blog genannt, verkündet DIE frohe botschaft 2009s schlechthin. so heißt es dort: "The new Yo La Tengo CD/2XLP/digital album ‘Popular Songs” (OLE 856-1,2) could be the bravest musical statement to date in a career full of ‘em. Recorded in Hoboken and Nashville in early 2009 with longtime associate Roger Mountenot, ‘Popular Songs’ finds the trio of Georgia Hubley, Ira Kaplan and James McNew at the height of their creative powers, fashioning an epic work that’s cooly confident as it is wildly adventurous." mehr will ich noch gar nicht wissen. zudem handelt es sich beim cover um eines der ansprechensten dingens, die ich zuletzt gesehen habe. und der appetizer? fiebrig, hot!
Yo La Tengo - Periodically Double Or Triple

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 4

die obs sause ging am späten samstag nachmittag mit marissa nadler weiter. als new folk prinzessin angesagt, irritierte marissa sicher einige zuschauer nicht nur im lineup, sondern schließlich auch mit ihrer vorstellung. doch die farbigkeit des breiten musikalischen spektrums ist auch ein anspruch der glitterhouse crew. hier ein wagnis, dort eine frische brise. zudem sorgt die übersichtlichkeit des festivals, seines geländes dafür, dass tuchfühlung mit den künstlern möglich ist. marissa und ihre band streiften schon vor ihrem auftritt umher und so war begegnung möglich. unkompliziert und für einen fan einfach traumhaft. die folkqueen, mit augenzwinkern vermerkt, geruhte, auf dem balkon ein plätzchen einzunehmen oder durch den backstagebereich zu streifen. und wer von ihrem kleidzipfel berührt wurde, ward umgehend fröhlich. ein begeisternder empfang wurde ihr schließlich beschieden, als sie und ihre drei begleiter die bühne betraten. in blässe geschminkt und anfangs eher schüchtern agierend, versank marissa umgehend in ihren songs. brillant das spiel auf der gitarre, aktzentuiert, betonend hier, untermalend dort. unmittelbar der gesang, wie er sich schwebend gehör verschafft und sich an die rezeptoren der hörenden haftet. von dort drängt er weiter vor. marissas elegien brauchen raum, aber sie fordern nicht, sie sind und wer sie nicht beachtet, wird nicht verstört. hinhören musst du und bereit sei für einen somnambulen vortrag. elegien von glanz. rhapsodien mit flüchtigen themen. und wenn sie "silvia" haucht, falle ich in ohnmacht. "breaking on the daylight / hey put flowers round your grave and i sang a silly song for you / hey hey hey hey hey / silvia, silvia". und wenn sie klagt, stimme ich ein: "without a lover / without a friend / without a saviour / without a friend / without a lover / without a care / mayflower walked away / away towards the air / and if you see her / call out her name / and if you hear her / out in the rain / mayflower maybelle / it was her name". aber nicht nur ältere songs wurden zum besten gegeben, auch vom aktuellen album "little hells" durfte man naschen. ihre band stand dabei rücksichtsvoll im hintergrund und stützte die wankende künstlerin mit höfischem eifer. der beifall gab allen beteiligten recht, dem veranstalter und den künstlern. marissa und co. hatten ihren platz auf dem obs gefunden und viele überzeugt, die zunächst skeptisch waren.

the band of heathens standen auf dem plan und ich verfing mich im gespräch. herzliche grüße an b., den ich endlich kennenlernen durfte, und es war mir eine freude und ehre, über das gesamte konzert der begnadten rootsrocker hinweg mit ihm zu ratschen. also, konzert verpasst und so muss ich meine klappe halten. nur so viel: der in musikdingen äußerst erfahrene st. meinte abschließend, dass er positiv überrascht war vom kraftvollen und dynamischen auftritt.

einer meiner säulenheiligen trat an, da die dämmerung über beverungen lag. kristofer aström, der sich in der vergangenheit nicht hat entscheiden können zwischen popsong oder einem mehr rockig orientierten image. vielleicht ist das auch gut so. denn so bleiben ihm viele wege offen. und uns die offerten, den verstiegenen gitarrenparts zu folgen oder zu seinen schwungvollen liedern mit den hüften zu wackeln oder gar in die hände zu klatschen. doch in anbetracht der tatsache, dass sich kristofer die rainaways zur seite nahm, war zumindest klar, es würde dampf abgelassen. diese rolle übernehmen zuvorderst die kollegen, denn der schwede agiert eher schüchtern auf der bühne, eingeschlossen vom eleganten bassspiel des langbärtigen alten und der flankierenden gitarristen. schwung holt sich die bande aus dem im background wirbelnden drumgeflecht. doch an erste stelle gehört die feine, leicht brüchige, minuten und sekunden messende stimme aströms. sie ist es, die hier den ton angibt. seine songs, die den wert des lebens und seines unbills zum thema nehmen, sind es, die ihm eine ausnahmestellung verpassen. ein aufspiel zwischen gezielter herzerweichung und forschem aufgalopp in reinster rockmanier.
setlist: come out / twentyseven / she came with a friend of mine / me & snakes / a little out of tune / when her eyes turn blue / poor young man's heart / defender / devil / hangover dream / not cool again / fallen / it's the way

wieder war es langsam dunkeln geworden, der tagesabschluss stand bevor. auf dem plan der alte glitterhouse recke chris eckman. ihm zur seite stand die the last side of the mountain band. der chef und seine schäfchen. vorne weg dirigierte der carlalose amerikaner seine perfekt aufspielende slowenische neuanschaffung, standup bass, e-gitarre, schlagzeug, sie schufteten punktgenau und doch individuell versiert für einen leidenschaftlichen und doch auf wiederholung gepolten arbeitgeber. in dieser nacht stand ich nur da und staunte, wie sauber so eine musikalische darbietung herunterrollen kann, von der bühne ploppte und sich über die köpfe der zuhörer eine bahn suchte. das rund war satt gefüllt, auch weiter hinten drängte man sich aneinander. immer wieder staunendes genicke, freudiges gegenseitiges anstrahlen und das austauschen von gewissheiten. eckman könnte wohl auch eine partie schach vorlegen und die fans wären es zufrieden.

Mittwoch, Juni 03, 2009

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 3

samstag mittag versammelt sich die crowd nach und nach im festivalrund. die frühen sind meist die ausgeschlafenen, die dem alkohol etwas weniger zugesprochen haben, die neugierig auf alles sind, was die bühne betreten wird. sie legen sich auf den gestutzen rasen, blättern im infoheftchen, holen ihre campingstühle heraus und gönnen sich unverdrossen das erste pils. die ersten auf der bühne sind jene, denen die größe fürs hauptprogramm fehlt, die aber ebenso unverheizt genuss ausüben sollen. deshalb starten tenfold loadstar, sachte mit "hey now", das wie ein hit klingt und doch eher am ohr kleben bleibt wie eine klette am fliespulli. gitarre, bass, geige (hin und wieder) und schlagzeug erzeugen folkpop, der sich bei allem einsatz aber sehr auf den gesang reduziert. da regiert caro garske. nur im duett mit basserin gundi voigt erhält er aber erst seine intensität, dichte, die es braucht, um dem folk von tenfold loadstar etwas originäres zu verleihen. mir sind das zu viele "oohs" und "aaahs", zu viel konstruierte momente, die auf wirkung aus sind. und mir ist caros stimme zu giftig, sie gewinnt an höhe und jubiliert dort, wo ich gar nicht mit hin will. für den samstag morgen überlege ich mir in der regel anderes. und sollte das nicht funktionieren, lege ich mir eine scheibe auf, die verhindert, dass ich an mißerfolge denke. tun tenfold loadstar nicht. die zuschauer nahmen den appetithappen jedoch dankbar an und goutierten dies mit fleißig applaus. mir hätte auch etwas mehr fiedel gut getan, sie konterte in den wenigen augenblicken ihres einsatzes gut die allzu weichen thematiken, die die anderen drei durchaus mit bravour erzeugten.

black rust durften nachfolgend die lokale szene vertreten. die band aus ahlen tat dies mit dem engagement und ansporn derjenigen, denen solch eine chance nicht allzu oft in den schoss fällt. nun war ich selbst etwas beschäftigt zu dieser zeit, um den liveblog zu unterstützen. außerdem erhielt ich schlechte presse über die band. doch wachheit trieb mich doch noch zwischen die türangeln des glitterhouse-gebäudes und ich bereute mein ungestümes eilen nicht. denn das, was die fünf jungen burschen da fabrizierten, hatte verve und einen eindringlichen, aber keineswegs nerven anfallenden charakter. standup bass, mandoline, diverses perkussionsgerät, auf den punkt gespielte songs, geschlossener folkrock also, der raum zum atmen hatte, nie an euphorie erstickte oder gar vor ehrfurcht erstarrte. ihrem viel zitierten helden n. young huldigten sie abschließend mit einer tollen version von...: setlist: song from the edge of bed / everything's fading / heartache. now! / bottom of the glass / rain & roses / overdose / empty park. empty street / actually yours / it's allright, girl, i'm only lying / we don't live here anymore / untitled folksong / marlene / new year's day / rockin' in the free world

eine der überraschungen für mich waren schließlich kristofer ragnstam und co., ein erster wirklicher höhepunkt. ragnstam: ein rocker, ein herzensbrecher, ein charmeur und eine rampensau. einer, der der liebe abgesang genauso zelebrieren kann, wie er der neuen, knospenden verliebtheit einen namen geben, ihr eine hohelied singen kann. und wem das nicht genügt, dem trägt er mit humor auch vor, wie er im radio seinen eigenen tod verkündet hört. hinzu kommt, dass der kerl mit der großartigen stimme und enormer bandbreite mannen zur seite hat, die ihren job verstehen. vor allem leadgitarrist joel wusste mehr als zu überzeugen. vielfach entlockte er seinem instrument die wunderbarsten harmonien. flinke finger fuhren über das brett, dabei ohne billige attitüde zur schau zu stellen. super nette, eine formulierung, der ich sonst aus dem weg gehe, fürwahr überaus sympathische burschen, die electric 4, die mussten auch im bild festgehalten werden. im zusammenspiel mit kristofer enthusiastisch, zugleich dem eigenen spiel zugewandt und zur gegenseitigen unterstützung wie selbstverständlich bereit. klasse! das songmaterial des schweden hält so viel großartige ideen bereit, dass beobachter meinten, dass hier ein hitproduzent am werke wäre, wenn er nur wollte. vielleicht aber geht kristofer genau den richtigen weg. beim obs war er zur rechten zeit am rechten ort, wie ich meine. ganz groß! setlist: may i / fashion / born / dr / #1 / colombian / heard / swing / delic / breakfast / kayla / lonely

ein (p)fund mp3 (199)

bevor ich Euch mit meinem schnarchnasigen festivalberichten einschläfere, spendiere ich mal zwischendurch eine ladung mp3s und diverse kaufempfehlungen. aber keine angst, das obs wird weiter konsequent ausgewertet...
eine neue single zur preorder (kommt am 24.06.) auf labrador:
the radio dept. - david
auf thee sheffield phonographic corporation gibt es eine neue free single zum download, beide songs hier bei uns zum reinhören, gitarrenlastig, mit groove und unsentimentaler frauenstimme:
Screaming Mimi - Dorothy Millette
Screaming Mimi - Dirtypillowslip
"I Am A Shootist" heißt die neueste ep der band aus bakersfield und sie gibt sie aus freien stücken her, wie Ihr daran kommt, einfach dem bandlink folgen, es stehen weitere zwei tracks, außer den hier vorgestellten, zur verfügung:
The Grizzly Owls - Father Of The Revolver
The Grizzly Owls - I Am A Shootist
madigan shive heißt die dame hinter dem cello und der aktuellen "lady saves" ep single:
bonfire madigan - lady saves
spitzbübischer, unvoreingenommener synthiepop von einem duo, das sich seit kindertagen kennt, sehr sympathisch, die "summertime" ep kommt am 04.08.:
the drums - i felt stupid
the drums - instruct me
die neue doppelladung auf cloudberry kommt einmal aus vatikanstadt (hatten wir das schon, himmel?!) und aus lund, schweden, jeweils mit fein gesponnenem twee:
The Librarians - This Grey Reality
Girl Alliance - Frances and the Dancing Fairies
hätten auch prima auf das obs gepasst, im juli kommt das neue album namens "american central dust":
Son Volt - Down To The Wire
noch mehr verpasst? dann frischen wir mal auf:
Jay Reatard - It Ain't Gonna save Me ("watch me fall" am 18.08.)
"invitation air" erscheint am 30. juni, wir hatten hier einst über die formidable band berichtet:
The Ginger Envelope - All Pinned Down
The Ginger Envelope - Invitation Air

Dienstag, Juni 02, 2009

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 2

der freitag begann wohl für die meisten recht spannend, da mit den real ones eine unbekannte größe auf der bühne stand. unmißverständlich ging die band aus bergen, norwegen, ans werk. frischer, bezaubernder rootsrock/americana, dabei mit einer offensiven, straighten ausrichtung, die immer wieder mit smoother innerlichkeit unterlegt wurde, einen inneren kern also aus melodischer entrücktheit enthielt und die somit den roughen rock leicht vom boden abheben ließ. was für ein fulminanter start ins wochenende! dazu die munteren gesellen, ausstaffiert wie aus einer seventies dokumentation. urig und seltsam zugleich. drei mannen, die sangen, jeweils mit prägnantem organ ausgestattet, flankiert von kollegen an bass, fiddel, banjo und den seltsamsten gitarren des planeten. das publikum war sofort dabei und bewegte die noch steifen glieder. kein wunder, wenn man "every dog has its days" grooven hört. geboten wurden zudem spiel auf der sitar, harmoniegesang und flinke finger auf dem keyboard. die band gibt es schon seit ende des vergangenen jahrtausends, sie ist sowohl im studio als auch, und das haben sie eindringlich unter beweis gestellt, live mehr als versiert. (noch) ein geheimtipp für alle, die eklektischen folkpop lieben. "outlaw" und "lonesome town" waren meine favoriten in einem rundum gelungenen set!

die verschnaufpausen zwischen den sets sind nicht allzu lang. es reicht für eine neue fuhre bier, 'n happen zu essen und für einen kurzen schnack. das programm wies benedicte braenden als nächsten act aus und die ließ auch nicht lange auf sich warten. in losem fummel, grell geschminkt, setzte die ebenfalls aus norwegen stammende gleich auf zwei karten: die eine spielte sie sofort aus und trumpfte mit optik und habitus auf. keine chance, dass sich das männliche publikum von solcherart reizen nicht angezogen fühlte. dass die junge dame darum weiß, steht zudem außer frage. der zweite joker, andere farben kennt benedicte nicht, zielte auf countryrock, gemischt mit rockabilly und blankem rock 'n' roll. konventionell ja, aber mit mut zur dramatik und zur unterhaltung. die gitarre hochgerissen, den schmollmund in stellung gebracht, das nackte bein auf die box geschwungen, das repertoire an gesten breit, genauso wie ihr musikalischer output. neben gram parsons cover konnten auch die eigenen songs überzeugen, die es mittlerweile auf einer ersten ep zu bewundern gibt. fazit: dolly parton in beverungen oder norwegens sexbombe hat musik im blut! vergessen darf man bei aller optischen präsenz die begleitenden musiker nicht, drei ausgesprochen gute handwerker! setlist: guilty as sin / winter/ the easy way ist the hardest way to go / hokus pokus / freight train / going down / past the point of rescue / still feeling blue / if i fall for you / sweet days and the blues / gravelpit / shoot 'n range / doghouse rose / cold hard rain / crashing and burning / heartbreak hotel

zugaben sind nicht vorgesehen, dafür ist der zeitplan auf dem obs zu straff. aber die veranstalter haben es so eingerichtet, dass die bands frühzeitig von der bühne gewunken werden, um anschließend noch einmal durch das publikum freundlichst aufgefordert zu werden. aufgefordert waren nun die gods of blitz. die einzige nicht norwegische band des tages. und die tat sich mit risikofreudigem rock 'n' roll hervor. die getrimmte show hatte es sich in sich. raue burschen, die kein auge trocken ließen. wer das verpasst hatte, verpasste auch etwas vom anspruch des festivals. neben den wohlfeilen klängen will man hier auch feiern und nichts anbrennen lassen, was irgendwie nach guter party riecht. zu solchem zwecke gilt es, auch bands wie die gods am start zu haben. flinke gitarren, reisserisches holz zuweilen, die drumbass durchgetreten und die sticks am wirbeln, ein bass zum verzehr und ein sänger, der mit gehobeltem organ alles zusammenhielt. in bewegung! so das motto für band und publikum. das gegelte haar, die blitze auf dem gitarrenhalfter, tattoos und grimmiger blick (durch nachsichtiges lächeln immer wieder konterkariert), wer hier keinen kompromisslosen, breitseitigen auftritt und unmißverständliches vergnügen agieren sah, hat gepennt.

viele kästen bier und absinth waren wohl schon geleert, die dämmerung legte sich über den beschaulichen ort im dreiländereck, da wurden washington angesagt. zu ihnen passte perfekt die nacht, da diffuses bühnenlicht die häupter der jungen norweger tauchte, um ihren melancholischen und zuweilen elegischen vortrag zu untermalen. was sänger rune simonsen aus seiner stimme holt, machte glauben, dass ein kleiner wassergott der weser entstiegen ist, um dem sympathischen frontmann glanz und färbung zu verleihen. das set war eine mischung aus älterem und neuerem material und formte sich so auch aus den gewaltigeren stücken und dem eher fließendem material der musikalischen karriere der band, die erst wirklich international anerkennung erfuhr, seit sie glitterhouse unter vertrag nahm. das kraftvolle und punktgenaue spiel war ein erlebnis, dem rune mit seinen ergreifenden ausführungen einen mondänen glanz verlieh. regungsloses staunen im rund. ein toller abschluss für tag 1 auf dem obs 13!

konzert: orange blossom special 13, 29.-31.05.09, teil 1

die erste scheibe, die ich nach rückkehr aus beverungen in den player schob, war eine von kristofer aström, nicht aus zufall, sondern sehr gezielt. sein auftritt war einer der besten auf dem 13. orange blossom special. aber später mehr. zunächst: es war sehr, sehr geil! eine rundum gelungene veranstaltung. die bands waren alle in bester spiellaune, das wetter diente sich von bedeckt, aber ohne nass, bis zu bombig warm an, die mitbürger erfreuten sich bester gesundheit, stimmung und ausgelassener hingabe, die organisation war perfekt und dabei ohne sich aufzudrängen. irre gut! besten dank an die glitterhouse menschen (vor allem an st.!)!
wie ich die drei tage reflektieren soll, ist mir noch ein rätsel, aber ich werde mir mühe geben, Euch einen eindruck vom vielleicht besten festival der welt zu vermitteln. dass dabei die kapellen und ihre darbietungen im vordergrund stehen sollen, versteht sich von selbst. heute, und dies vollgesogen mit bildern und emotionen, vielleicht zunächst nur ein oberflächliches rundherum- feedback. denn ich hocke da vor dem pc (der mir fehlte, wie dem junkie die fixe, verdammt!), und mir entströmen melodien und freudengesänge, wie dem schwitzenden der knoblauch nach eifrigem genuss. ich bin randvoll davon! und zig bilder. die begegnungen. die wachgerufenen gefühle. die magie vieler momente...
der supernette d. aus berlin (danke für deine unermüdlichkeit, ein treffen hinzubekommen!) sprach von, mehr noch warnte vor einer postfestivalen depression. ich ahne, dass sie auch mich überfallen wird. doch der pegel ist nach wie vor auf vollem ausschlag! das hochgefühl möchte gehalten werden. und bevor der alltag mit giftkrallen zupackt, schwelgen wir doch noch ein wenig darin.
einziges manko, aber dies bescherte mir widerum viel freie zeit, war, dass ein liveblogging zunächst am fehlenden notebook, später an der notwendigen stabilen internetverbindung (wlan) scheiterte. da waren natürlich auch jeglicher spontanität grenzen gesetzt. kommendes jahr?
impressionen von einer nicht nur landschaftlich wunderschön gelegenen veranstaltung, sie liegt nun auch im herzen auf stabilem posten:

morgen geht es dann direkt zu den bands, versprochen, zu washington, marissa nadler, the miserable rich, baskery...

Montag, Juni 01, 2009

eingestreut (34): lolinet

auf lolinet, einem kleinen netlabel von lolila entdeckt: den instrumental (und kunststoffspule)- sampler. der versammelt nämlich massenhaft hörenswertes und es wäre ein frevel, den Euch vorzuenthalten. herauspicken möchte ich Euch den einen oder anderen track, ansonsten könnt Ihr Euch das ganze gerät auch herunterladen, als .zip hier.
[lolinet006] enthält folgende playlist:

ein sensationeller einstieg, vertrackt-melodiöser track, der sofort ins ohr geht:

01. Modulator - Antenna and the Aye Witness
02. Jochannon - Container Shipping
03. Bad Examples - Profis like us
04. Nirvana Mouskouri - Ameh Bozorg
05. Autistic Adventure - Appetite
06. Graph - cliquez ensuite sur le bouton
07. Daniel Decker - Schwarzer Schwan
08. Chelsea Boo - Bubble Wrap
09. Chief the Clint - Gana Haus
aus 1999, kurz vor ihrem debut aufgenommen, flockig:
10. Kiesgroup - Formaldehüttenkäse
11. jko - Morv
der kiesgoup sänger auf solospuren, ein track für den fil "prärie" von sudmöller und hahn:
12. Andreas Hubert van der Wingen - Feld 118
13. Wolfseule - Same Soup, Dear
14. Weltausstellung - Adinda Space
15. Franz Bielmeier - Unfall
freu mich ganz besonders für die berliner band, die in 2007 mit "ich brauch mehr zeit" ein sehr gutes album herausbrachten:
16. Dunkelrot - Samstag Nacht bis Sonntag Morgen
17. Stefan Kürten - Family
wenn ein fotograf musik macht:
18. Soulcraft - Black Cat Stomp

herausgekommen ist das gerät im noch ganz jungen jahr 2009, aber heute nicht weniger wert. den rest könnt Ihr Euch beim netlabel persönlich abholen. viel spaß!